Dresdner Wein-Woche 43/15

Viellos in Sachen Wein in Dresden: Neueröffnung, Party und mehr

BIG Wines

Wie viele Weinbars verträgt die Stadt?

Hartmut RichterGute Frage. Eine geht noch, hat sich Hartmut Richter zum Thema Wein in Dresden gedacht und eröffnet heute in der Rampischen Straße 9 eine Weinboutique. „Von der Frauenkirche sind es nur ein paar Schritte zu einem Glas Champagner oder edlen Weinen“ schreibt er in seinem facebook-Auftritt – was zweifelsohne in allen Teilen stimmt. Wer dennoch mit der Rampischen nichts anfangen kann: da geht’s zum VEN, und in dem kleinen Raum gab’s auch schon Vorgänger. Vor etwas mehr als zwei Jahren eröffnete dort die Champagner Bar – der Schriftzug steht noch am Haus und könnte, trotz neuen Namens, eigentlich auch dran bleiben: „Champagner sind eins meiner Hobbies!“ bekannte Hartmut Richter beim Pre-Opening am vergangenen Sonntag. Entsprechend prickelnd ist die Auswahl…

Bei der Auswahl der Weine hat sich Richter nicht nur vom Geschmack leiten lassen, sondern auch auf die Etiketten geguckt. Etikettenkunst ist ihm ein Anliegen – Künstler auf der Flasche sind ja nichts Neues, aber immer wieder schön anzusehen. Ein anderes Hobby findet ebenfalls seinen Niederschlag bei den insgesamt rund 150 Flaschen des Sortiments: spanische Weißweine. Hartmut Richter hatte ja lange Zeit das La Posada betrieben und sich von dort aus zum Sommelier ausbilden lassen. Die rustikale Gemütlichkeit des Spaniers hat er allerdings nicht mitgebracht: Im R9 geht’s hell und modern zu. Geile Regale, um das mal so flapsig zu schreiben. „Ich will auch mehr junge Leute ansprechen!“ ist der Anspruch von Hartmut Richter – da schaun mer mal, ob sich sein Konzept rumspricht und aufgeht. [R9 – Die Weinboutique, Rampische Straße 9, 01067 Dresden. Geöffnet Di-Fr  11:30 – 19.00 Uhr, Sa 11.30 – 17 Uhr]

BIG-WeineDas Opening der kleinen Bar lag am Ende dieser vinophilen Woche in Dresden – ihr Anfang war weniger öffentlich, sondern so eine Art Weiterbildung für die Kenner aus Gastro und Verkauf. In der Weinzentrale von Jens Pietzonka machte am Montag die „Süd Europa / Mediterrane Weine” Kampagne Station. Wie der komplizierte Name schon vermuten lässt, ist das eine Kampagne, die durch die Europäische Gemeinschaft, Griechenland, Italien und die Republik von Bulgarien finanziert wird. Das Ziel ist weniger komplex: Leute sollen mehr erfahren über diese Weine aus den Weinregionen Mazedonien, Peloponnes, Kreta, Emilia Romagna und Thrakien. Caro Maurer, die 2011 als erste Frau aus einem deutschsprachigen Land den begehrten Titel Master of Wine tragen durfte, moderierte den Nachmittag. Zwölf Weine wurden vorgestellt und verkostet – jeweils zwei gegeneinander, begleitet von Kleinigkeiten aus der Küche: Sommeliersaufgabe, das perfekte pairing. Lehrreich war’s, vor allem weil manches Vorurteil über die Weinqualität vor allem griechischen oder bulgarischen Weins komplett übern Haufen geworfen werden musste.

Lallier-ChampagnerFreitag mussten (jawohl, mussten!) wir unverhofft und ungeplant schon wieder in die Weinzentrale. Dort hatte sich überraschend Vanessa Cherruau angekündigt. Sie ist Export Managerin vom Champagnerhaus LALLIER, von Jens Pietzonka als „neuer Stern am Champagnerhimmel“ bezeichnet (also das Champagnerhaus, denke ich mal…), spricht perfekt deutsch und ist in der Tat eine wissend-charmante Botschafterin des Hauses. Noch besser als mit ihr zu plaudern ist eigentlich nur, sich durch die Kollektion zu kosten und den prickelnden Schmelz zu genießen. Unser Liebling war, erstaunlicherweise, der Einstiegs-Champagner (gab’s an dem Abend für 7 Euro pro 0,1 l) – aber Geschmack ist ja bekanntlich sowas von subjektiv… Die angebotene Essensbegleitung waren Austern, was dekadent zu nennen naheliegend war – aber die Sache nur bedingt traf: es war vornehmlich lecker, sogar saulecker.

WeinpartyAm Samstag gab’s dann die „1. KOCHSTERNSTUNDEN Weinparty“, eine Gemeinschaftsveranstaltung von Kochsternstunden-Veranstalter Clemens Lutz und den beiden Weinnasen Matthias Gräfe (Gräfe´s Wein & Fein) und Jens Pietzonka (Weinzentrale). Im Gewölbekeller Kanonenhof unter dem Brühlschen Garten ging es laut und locker zu: 24 Weine standen zum Verkauf, jedes 0,1-l-Glas für 3 Euro. Kleinigkeiten zu essen hatten die Geschmackszauberer vom Wein & fein auch mitgebracht, die Gäste waren erfreulich froh gelaunt und stürmten sogar die Tanzfläche, was angesichts der Akustik und des offensichtlich programmatischen Namens des Mannes am Mischpult (DJ Wunderradio) eine Erwähnung wert ist. Wie man hört, soll es eine Fortsetzung geben, wahrscheinlich mit weniger Wunder und mehr Radio…

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