Berliner? Pfannkuchen?

Verwirrende deutsche Sprache. Ein Aufklärungsversuch

Berliner

Es gibt so Tage, da kommt Gebäck auf den Tisch. Wenn der Karneval* droht, beispielsweise, gibt es – ja was denn? „Pfannkuchen für alle!“ sagte der Kollege, und alle freuten sich. Bis sein Nachbar zur Linken die „köstlichen Krapfen“ und der zur Rechten die „fantastischen Berliner“ in höchsten Tönen lobten.

Und aus war das Vergnügen, das doch gerade erst begonnen hatte! „Das sind keine Berliner, das sind Pfannkuchen!“ behauptete der Sachse. „Nein, das sind Berliner!“ versteifte sich der Ostfriese – und der Franke beharrte: „Es sind Krapfen!“ Das zog sich nach feiner Loriot’scher Manier wohl sieben Minuten hin, mit allerlei Nebenargumenten wie „Pfannkuchen sind nicht diese hier, sondern so flache Dinge, die man in der Pfanne macht und mit Apfelmus ist“. Typisches Ossi-Argument – also das des Ostfriesen. Denn selbstverfreilich sind das Eierkuchen** – sagt der Ossi – also der Sachse, dieses Mal.

Während wir aneinander vorbei redeten, schlug die schlaue Kollegin die Wikipedia auf und konnte uns alle beruhigen. Alle haben Recht! Der Eintrag heißt – sehr versöhnlich! – sogar Berliner Pfannkuchen, und wir entnehmen ihm voller Freude, dass sich der eigenmächtige sächsische Weg schon früh in der Kochbuchliteratur andeutete: „Zum Ausklang des 19. Jahrhunderts sind in vielen überregional ausgerichteten Kochbüchern Rezepte für die Zubereitung von Berliner Pfannkuchen enthalten, im Neuen Bürgerlichen Kochbuch von Hedwig Albrecht (1896 in Dresden verlegt) wird sogar nach Berliner Art das Rezept nur mit „Pfannkuchen“ überschrieben.“ Siehste.

Versöhnt schnatternd stieben wir auseinander, der eigentlichen Arbeit zu. Schade eigentlich, dass wir hier so wenig finnisch sprechen, denn mit Hillomunkki hätten wir doch eine schöne gemeinsame Bezeichnung finden können…

* siehe in den Kommentaren die Frankenmeinung
** siehe in den Kommentaren die Sachsenmeinung

Print Friendly, PDF & Email

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Wie spricht man das???Wie spricht man das??? Neulich fuhren wir von Dresden gen Norden auf der Autobahn, und da gibt es eine Ausfahrt “Großräschen”. Wie bitte spricht sich das denn nun, mein Häschen? Mit […]
  • Gut gesagt!Gut gesagt! Die Menschen in Amsterdam sind freundliche Leute. Nur manchmal gucken sie etwas genervt – Fußballer können da ebenso ein Lied von singen wie […]
  • Die italienische SpracheDie italienische Sprache Italienisch ist ganz einfach, denn die Nachfahren der alten Römer haben sich viele Worte aus dem Deutschen besorgt. Spaghetti beispielsweise oder Pizza. Bei […]
  • Der RestaurantkritikerDer Restaurantkritiker Ich hab zwar ka Ahnung, was Musik ist, Denn ich bin beruflich Pharmazeut, Aber ich weiß sehr gut, was Kritik ist: Je schlechter, um so mehr freun sich die […]
  • Kochdorsch und OchsenbäckchenKochdorsch und Ochsenbäckchen Fragt man nach einem Ausgehtipp auf Hiddensee, sagen die Freunde: Godewind! Beim ersten Spaziergang sind wir ja dran vorbei gegangen, weil es von außen zu groß […]
  • Gestern im GasthausGestern im Gasthaus Die supernette Bedienung fragte, welcher Wein es sein dürfe? Oh, der Côtes du Rhône - aber nicht der da oben, sondern der da unten, aus dem Barrique mit dem […]

3 Kommentare

  1. Ach Uli…
    Da muss ich schon wieder korrigieren…
    Krapfen gibt es doch wegen „Fasenacht“… von mir aus auch „Fasching“ aber doch nicht „Karneval“…
    Oh man… Wie soll ich mich da bloß „besenftigen“ wenn in den Krapfen nicht mal Senf war..
    Grüßla vom Olli

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*