Spitzenrieslinge im Vergleich

Erster Großer Weinabend: Rieslinge in der Weinzentrale

Rieslingabend

Hast Du mehr als einen Wein
Wähle stets den rechten,
Aber kann´s nicht anders sein,
Trinke auch den schlechten.
Philalethes, ca 1850

Er war ja schon ein schlauer Mann, dieser Philaletes, der Dante übersetzte und unter seinem anderen Namen Johann von Sachsen das Land unterm Strich anscheinend gar nicht so schlecht regierte. Aber in Sachen Wein hätten wir ihm noch gerne ein wenig Nachhilfe verschafft – vielleicht an einem Abend wie diesem in der Weinzentrale von Jens Pietzonka, an dem es ausgewählte Rieslinge gab.

Okay, sagen jetzt die Kenner: Riesling, durchaus auch richtig guten, gibt’s doch öfter mal beim Pietzonka – und solchen, wie der alte Sachsenkönig im zweiten Teil seines Verses anspricht, haben wir da noch nie gehabt. Aber beim „Ersten großen Weinabend“ (59 € alle Weine inkl. Wasser) hätten wir einen Vers benötigt, was man bei einem Überangebot von GG-Weinen machen soll (wobei GG nicht zwingend für Großes Gewächs steht, sondern durchaus auch für geilen Genuss). Fünf Weine waren angesagt – am Ende des Abends sind es allerdings dann sieben gewesen – wie auch immer das passieren konnte!

Erster Wein. 2013 Westhofen Aulerde, ein Großes Gewächs von Philipp Wittmann. Der war bei der Eröffnungswoche der Weinzentrale im August dabei und hatte uns uns einige großartige Weine vorgestellt. Nun also die Aulerde, die in jenem Jahr schon fast eine Rarität war – 2.400 statt sonst 7.200 Flaschen. Aber dafür haben sie alles, was man am Westhofener Wein mag: cremige gelbe Fruchtaromen und die leichte Mineralik. Wittmann, der (wie auch einige der noch folgenden Winzer-Kollegen), eine Videobotschaft geschickt hatte, die sich die Riesling-Probierer auf dem Laptop ansahen, fasste es selbstbewusst so zusammen: „In Westhofen wächst einfach ein guter Wein!“

Zweiter Wein. 2011 Kupfergrube, Gut Hermannsberg. Von Rheinhessen an die Nahe – passt. Wieder ein Großes Gewächs, also ein Spitzenwein aus Großer Lage – besser geht’s nicht, meinen die Mitglieder des VDP, des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Karsten Peter vom Weingut war als Videoclip dabei, pries die terrassierte Steillage und das vulkanische Gestein: Melaphyr, vulkanisches Eruptivgestein, verwittert und mit eingeschlossenen Glasblasen. Genau: Wir lernten mächtig dazu! Dass der 2011er nicht so ein typischer Jahrgang sei, erfuhren wir auch (es war zu heiß, was dem Wein etwas von der rasierklingenscharfen Mineralität nahm) – aber in unserer Runde störte das keine und keinen, im Gegenteil: lange war dieser Wein unser Favorit!

Dritter Wein. 2011 Abts E, Westhofen Brunnenhäuschen. Weingut Keller. Zurück in Rheinhessen, in Westhofen. Was wächst da noch mal? Genau: ein guter Wein! Beziehungsweise die Steigerung, eben GG in allen Wortspielvarianten. „Hochnoble, kalkige Feuersteinwürze, Energie pur im Mund, Rasse, Klasse, Präzision, unglaubliche Transparenz – ein Geniestreich der Natur!“ So schwärmen die Winzer von diesem Jahrgang ihres Weines aus der bereits 1280 urkundlich erwähnten Lage. Eine Spitzenlage, aber auch der Wein solcher Lagen macht sich nicht von allein. Vater und Sohn Keller wissen aber schon lange genau, was sie wollen – und die Kundschaft lohnt es ihnen. Lohn im Sinne von vielen guten Worten (die Kritiker überschlagen sich), aber auch vom Preis her. Die bis dato probierten Weine kosten für Normalos im Handel etwa 35 € (Aulerde) bzw. 45 € (Kupfergrube) – eine Flasche Abts E wechselt für ca. 80 € den Besitzer. Lebhafte Diskussion, ob man den Unterschied merkt – aber natürlich müßig, denn die Winzer bleiben ja nicht auf ihren Flaschen sitzen, sondern verkaufen sie weltweit. Außerdem geht’s natürlich auch noch preisintensiver, kommt gleich.

Vierter Wein. 2013 Riesling Smaragd „unendlich“, F.X. Pichler, Wachau. Unendlich, weil man von dem Wein noch lange was hat – „ein nie endender Abgang“, meinte Jens Pietzonka. Ein Wein, der rar und teuer ist, so etwa 150 € die Flasche (wenn es denn noch irgendwo eine gibt). Die Kollegen vom Falstaff vergaben 98 Punkte, was wir bei unserem Probierschluck nicht ganz nachvollziehen konnten. Eukalyptus und/oder Minze in der Nase – gerne! Aber am Gaumen kam er uns nicht so doll vor. „Warum auch immer: das erinnert mich an Krankenhaus“ habe ich mir notiert. Und das dann mit unendlich langem Abgang. Naja.

Fünfter Wein. 2009 Kirschgarten, Philipp Kuhn. Ein Riesling aus der Pfalz, wieder ein Großes Gewächs, und das auch noch aus einer Magnum. Doppelt gut, sozusagen. Der Winzer sprach vom Video zu uns, und bestätigte, was wir schon freudig geschmeckt hatten: schmelzigen, cremigen Stoff mit schöner Säure. Ein super Sommer 2009 und ein super Wein. „Haut rein, viel Spaß!“ rief uns Philipp Kuhn zu – wäre nicht nötig gewesen: sein Laumersheimer Riesling war (nicht nur) mein Favorit des Abends. Und die Flasche: groß genug!

Jens Pietzonka…aber was heißt schon groß genug? Der Herr Pietzonka hatte one more thing, eine Doppelmagnum. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ stand auf der Flasche – ein Geschenk des Winzers zur Eröffnung der Weinzentrale, das der Beschenkte an seine Gäste weiter reichte. Ein 2011 Geyersberg, Weingut Weinreich – ein stoffiger Riesling, der auf schöne Art den Rieslingabend beendete: hat doch Marc Weinreich (bei dem der Name Programm zu sein scheint) bei Philipp Wittmann gelernt. Und wir wissen nun, dass mit diesem Wein auch dem Ende (eines Abends) ein Zauber inne wohnt.

Weinzentrale
Hoyerswerdaer Straße 26
01069 Dresden

Tel. 0178 6048718
www.weinzentrale.com

Öffnungszeiten:
Mo  bis Do ab 15 Uhr, Fr ab 12 Uhr.
Montags alle Weine im offenen Ausschank, Freitags ab 22 Uhr Restesaufen

[Besucht am 13. November 2015]

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