Döner mit Anspruch

Fleisch aus eigener Zucht in Schillings Gasthof am Hafen von Schaprode

Schillings Gasthof

Asta Nielsen und Gret Palucca waren da, Günther Grass auch. Allerdings haben sie was verpasst, denn Mathias Schilling und sein Team waren damals noch nicht da. Und seine Kühe und Schafe auch nicht, jedenfalls nicht in so leckerer Art und Weise, wie wir sie kennengelernt haben. Mathias Schilling ist nämlich Doppelwirt, einer mit Land und mit Gast vor dem Wirt. Wir lernten ihn (indirekt, er bediente am Tisch nebenan) als Gastwirt kennen in Schillings Gasthof: ein Strahlemann, der locker-leger in bester Laune bedient und den Gästen am Tisch trotz vollen Hauses Fragen beantwortet. „Was Ihr hier auf dem Teller habt,“ hörten wir ihn sagen, „ist aus eigener Zucht“.

Die Zucht muss dann ja wohl auf der Insel Öhe stattfinden, schlossen wir, denn auf der Karte lasen wir viel vom Öhe-Rind. Was wir nicht wussten: Wo denn diese Insel Öhe ist! Tja, so dumm kann man als Touri sein – denn gesehen hatten wir die Insel schon und auch Fotos gemacht: Öhe ist das etwa 75 ha große Eiland gegenüber vom Hafen Schaprode – und Öhe ist eine Insel in Privatbesitz. Das Adelsgeschlecht von der Öhe ist seit 1312 dort verbrieft, die Schillings haben im 19. Jahrhundert eingeheiratet. Mathias Schilling, der mit seiner Frau und ihren beiden kleinen Kindern sowie rund 140 Rindern der Rassen Blonde d’Aquitaine und Limousin sowie rund 60 Heidschnucken und einigen Lämmer auf der Insel wohnt, ist studierter Landwirt. Aber – Zufälle gibt es im Leben nicht wirklich – eine Ausbildung als Hotelkaufmann hat er auch. Das hilft beim Gasthaus, dass seit 2011 den Schillings gehört.

Neben Fleisch aus eigener Produktion stehen natürlich auch Fischgerichte auf der Karte – aber die haben wir bei unserem Besuch nach der Überfahrt mit der Fähre aus Hiddensee nicht getestet. Zu spannend klangen die Öhe-Gerichte! Das Wiener Schnitzel vom Öhe-Rind wird auf der Karte mit lauwarmem Kartoffelsalat mit Essig und Öl angeboten, auf unserem Teller landeten auf eigenen Wunsch Bratkartoffeln (19,50 €). Wie auch immer der Kartoffelsalat sein mag: die Bratkartoffeln waren super! Und das Schnitzel vom Allerfeinsten, mit fluffig-krosser Panade und schmackhaft-würzig-zartem Fleisch. Die Würze futtern sich die Tiere auf der Insel an: Salzwiesenfleisch ist auf natürliche Art vorgesalzen – wir mögen das!

Die Steigerung in Sachen Aha-Erlebnis war das zweite bestellte Essen: Döner vom Öhe-Lamm mit Süßkartoffeln, Zuckermöhren und Rucola, Mojo-Sauce und Schafskäsecreme im Roggen-Brot (14,50 €). Wenn Döner überall so serviert würde, könnte das mein Lieblingsgericht werden! Das Brot: knackig, nicht so ein pappeähnliches Zeugs. Aus einem schmackhaften Teig gebacken obendrein! Das Fleisch: Reichlich und in großen Stücken, korrekt gebraten (also nicht bis zum Leder-, sondern eher bis zum freundlichen Zärtepunkt). Die Begleitung: farblich wie geschmacklich treffliche Gemüse – selten so geschwärmt!

Es gibt eine kleine ganz ordentliche Weinkarte – aber es gibt auch ein Extrablatt mit zehn Bierspezialitäten. Pale Ale, Porter, Bock – alles klingt gut. Unsere Wahl zum Schnitzel fiel auf das Berliner Pale Ale von BRLO, das zwar als Sommerbier angepriesen war – aber dank des Kachelofens war es trotz eisiger Temperaturen draußen im Gasthof mollig warm: passte also. Zum Döner gab es Wasser – Autofahrerschicksal. Also beschlossen wir, noch einmal zur wärmeren Jahreszeit wieder zu kommen und nicht mit einer erheblichen Restfahrzeit nach Dresden vor uns einzukehren…

Schillings Gasthof
Inhaber: Mathias Schilling
Hafenweg 45
18569 Schaprode
Insel Rügen

Tel. 038 309/1216
www.schillings-gasthof.de

Geöffnet:
Im Winter ab 1. November:
Mo bis Fr ab 17 Uhr
Sa und So ab 12 Uhr

[Besucht am 2. Januar 2016]
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