Das Essen zum Wein…

Kochsternstunden 2016: bean&beluga Weinbar

bean&beluga Weinbar

Die Idee klingt lustig: Weil sich in der bean&beluga Weinbar alles um Wein dreht, bieten sie dort ein „Weinmenü“ mit „kulinarischer Begleitung“ an. Pfiffig – aber dann leider schon in der Papierform im Heft der Kochsternstunden als etwas halbherzig erkannt: Das Weinmenü besteht aus vier Gängen (34 €), die kulinarische Begleitung kommt in sechs kleinen Gängen (40 €) daher.

Eine Enttäuschung war der Abend in der Weinbar des Sternerestaurants von Stefan Hermann aber dennoch nicht – was aber auch am Essen lag, das der Chef selbst mit servierte. Der erste Wein: ein Riesling. Einer des VDP-Betriebes Hans Lang, den es so aber nur in den Restaurants von Stefan Hermann gibt, denn er ist „nur für bean&beluga“ gemacht. Der trockene Riesling, Jahrgang 2013, ist ein einfacher Gutswein – also einer der Einstiegsweine des Weinguts in Eltville im Rheingau. Unkompliziert, „zum Zechen und Genießen“ schreiben sie auf der Weinguts-Seite völlig richtig. Genau so nutzten wir ihn auch, und da unsere freundliche Bedienung Simone Moegel auch unsere Allergie gegen leere Gläser kennt, schenkte sie nach, so dass wir gut mit dem Wein über die Runden kamen. Der erste Gang aus der Küche – Saibling / Kalamansi / Schnittlauch – passte übrigens ganz trefflich zum Wein!

bean&beluga WeinbarWeinwechsel, dieses Mal für zwei Essensgänge. Gereicht wurde ein halbtrockener 2014 Müller-Thurgau, Ökonomierat Johann Geil, Rheinhessen. Halbtrocken schreckt uns ja schon lange nicht mehr, zumal in diesem Fall der Name des Winzers (wie fast immer bei ihm) die beste Beschreibung für den Wein war. Einfach geil. Aus der Küche kam zuerst eine wunderbar riechende Suppe – Topinambur / Blattpetersilie / Périgord-Trüffel. Die schmeckte wie sie roch, nämlich hervorragend, und der Müller fügte sich erstaunlich gut ein in das Geschmackserlebnis. Der Wein blieb, das Essen ging weiter – aber zu Raviolo / Rahmspinat / Rotweinbutter hätten wir uns gerne einen anderen Wein gewünscht. Vielleicht einen Grauburgunder wie den von Meike Näkel und Markus Klummp, den sie ja auch haben oben auf dem Hirsch – Hand in Hand wäre glaub‘ ich eine ganz gute Vorgabe für diesen Küchenbegleiter.

…und wäre auch eine nette Überleitung zum Roten gewesen, den es als dritten Weingang gab. Das war ein 2014 Spätburgunder bean&beluga, Meyer-Näkel, Ahr, wieder speziell nur für bean&beluga gemacht. Das Spezielle: Dieser Pinot kam ganz ohne Holz aus, was diesem Wein deutlich Frische verleiht – jung ist er als 2014er ja eh noch. Wer die Näkel-Weine von der Ahr kennt, der wei, dass die alle auch eine wunderbare Nase haben. Hatte dieser auch, aber natürlich (kein Holz!) zurückhaltender als gewohnt. Wir waren gespannt, wie sich das Essen zu diesem Wein präsentieren würde! Angekündigt war Rindsbacke / Perlgraupenrisotto / Wurzelgemüse, und das gab’s natürlich auch. Wobei wir bei Backe ja immer Bäckchen denken und das mit kannste am Gaumen mit der Zunge zerdrücken verbinden. Das ist hier oben auf dem Hirsch anders, Stil des Hauses bei Backe ist, das etwas straffer zu garen. Ausdrücklich zu loben ist das Perlgraupenrisotto, weil das mit der Sauce und dem Rotwein zwischendurch schon große Freude bereitete… Als zweite Begleitung zum Rotwein wurde das erste Dessert gereicht, ein Käsegang: Brin d‘Amour / Radicchio / Kartoffel.

Der Dessertwein 2012 Gewürztraminer cuvée personnelle Lionel Reyser, Elsass war aus meiner Sicht dann die erste Überraschung, weil etwas außerhalb des Mainstream, der den drei zuvor servierten Weinen das Besondere nahm. OK, Gewürztraminer ist im Elsass nicht wirklich selten – aber bei uns gibt’s den in hervorragender Qualität ja eher selten. Dieser hatte das Zeug zu großem Genuss. Der Winzer empfiehlt: 45 Minuten vor dem Servieren dekantieren und aus großen Gläsern trinken – da habe man mehr davon. Wir fanden, dass trotz fehlender Dekantierung, aber in passenden Gläsern serviert, der Wein ein Highlight war und Gebrannter Käsekuchen / Dörrobst / Schokoladensorbet dem Wein gut zu Gesicht standen.

bean&beluga Weinbar
Bautzner Landstraße 32 | 01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
www.bean-and-beluga.de

Geöffnet:
Di bis Fr: 15-22 Uhr | Sa: 10-22 Uhr

[Besucht am 19. Februar 2016 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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bean&beluga 51.062338, 13.825089 RestaurantkritikenRestaurant bean&beluga, Bautzner Landstraße 32, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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