Wenn der Hahn kräht

Hahn

Die Sache mit der Sommerzeit und der Uni Stellung auf die Winterzeit wurde ja schon häufig diskutiert. Der Aspekt, wie sich diese menschgemachte Anormalität auf den Hahn auswirkt meines Wissens noch nicht. Wir sind der Angelegenheit nun in einem Feldversuch nachgegangen.

Es ist nämlich so: der Hahn kräht, um sein Revier zu verteidigen. Wer lauter kräht, hat Recht, meint die Hahnenforschung. Japanische Wissenschaftler haben, wahrscheinlich gefördert vom Verein zur Förderung der Diversifikationsforschung im Hahnenreich, der Gockel vier miteinander und gegeneinander krähen lassen, um rauszukriegen: Taktgeber ist eine innere Uhr (hier gefunden).

Wir nutzen die Neuanschaffung eines Hahnes hinter der Apartementanlage von La Condessa auf La Gomera zur Grundlagenforschung der Frage: Um wieviel Uhr kräht der Hahn und was macht er, wenn die Uhr zurück gestellt wird?

 

Der Hahn kräht, das steht schon mal fest, sowieso immer zu früh. Es ist dunkel, kein Morgen graut – geschweige denn deutet sich durch Röte das Erscheinen der Sonne an. Da macht’s deutlich: kikeriki (Anmerkung: wir haben, um die Lesbarkeit des Textes zu vereinfachen, die Laute des Hahns ins Deutsche übersetzt. Natürlich geht der grito del gallo auf spanisch quiquiriquí es sei denn, der Hahn ist Urlauber aus Frankreich (coquerico) oder England (cock-a-doodle-doo). Das aber nur nebenbei.

Es ist 5 Uhr 45, der Hahn kräht. Er macht dies exakt ein Mal und merkt dann: oh, Mensch – pardon: gallo! – ist ja noch finstere Nacht. Leg ich mich noch ein wenig in die Ecke und penne. Das macht er, und während er noch sinniert, dass vor gar nicht so langer Zeit zu diesem Zeitpunkt des ersten Hahnenschreis im Valle Gran Rey die Gipfel des Mérica bereits im zarten Morgenrot erleuchteten und der einsame Baum auf der Spitze zu photosynthesen begann, kräht irgendwo in weiter Ferne ein anderer Depp, natürlich auch viele zu früh.

Es ist 6 Uhr 30, und die beiden beginnen ein angeregtes Gespräch: War es nicht neulich, kikeriki, um diese Zeit schon Zeit zum Krähen? Na claro war es das! Lass uns die Leute wecken, kikeriki! Irgendwas stimmt nicht, viel zu dunkel! Richtig, aber siehst du Wolken? Nein, aber egal! Weißt du was: Wir pennen noch ein wenig. Okay…

Es ist 7 Uhr 21: Sonnenaufgang im Valle. Der Mond verblasst am heller werdenden Himmel, der Baum auf dem Mérica reflektiert das erste Sonnenlicht des Tages, die Menschen im Tal beginnen ihr Tagwerk. Völlig verstört wacht der Hahn auf, krächzt ein verstörtes kikeriki und denkt sich: Scheiß Zeitumstellung, da gewöhn ich mich nie dran…

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