Wie ich einmal mit dem Minister Schlitten fuhr

Mit dem sächsischen Minister Martin Dulig auf der Naturrodelbahn Augustusburg

Auf der Naturrodelbahn in Augustusburg

Der Rodelhang unterhalb der Augustusburg ist 1.500 Meter lang. Er startet oben an der Bergstation der Augustusbahn, einer Standseilbahn aus dem Jahr 1911. Dann geht’s runter bis zur Talstation der Bahn. Die Differenz von 170 Metern wollten wir auf einem Schlitten runtermachen.

Mit dem Minister Schlitten fahrenMeine persönlichen Neigungen liegen ja nicht so im Sportlichen, aber wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, wagt man schon mal Dinge, die man gefühlte 30 Jahre nicht gemacht hat. Also rauf auf den Schlitten und ab ins Ungewisse! Also nicht gleich, denn wir waren ja mit Minister Martin Dulig unterwegs, und da wir uns ja für keinen Wortwitz zu schade sind, wollten wir zwar schon einmal gehörig mit dem Minister Schlitten fahren – aber zuerst doch ein Foto machen. Minister und andere Prominente stehen (bzw. sitzen, wenn es um Schlitten geht) ja immer in der ersten Reihe, damit die Fotos besser werden.

Die Naturrodelbahn sei befahrbar, aber wellig, schreiben die Betreiber des Wintersportzentrums Augustusburg auf ihrer Webseite. Ich kann das bestätigen, denn nachdem der Schlitten erst einmal in Fahrt kam, tauchten immer wieder furchterregend tiefe Löcher auf. Ich schätzte sie spontan auf mehrere Dutzend Meter, aber der Schlitten tauchte nie mehr als einige Zentimeter ab (und wieder auf). Leichtes Abheben (Lift-a-Po) und sanftes Landen auf dem stabilen Holzschlitten begannen Spaß zu machen – und so beschleunigte der Schlitten auf unglaubliche 123 Stundenkilometer. So fühlte es sich jedenfalls an – und hei, was für eine Freude die Bahn machte! Erst ging’s mit wenig Huckeln und sanfter Neigung bergab. Die erste Rechtskurve nach exakt hundert Metern (erstaunlich, solche numerische Schärfe bei einer Naturrodelbahn!), die erste Rechtskurve also war keine Herausforderung: rechte Hax’n in den Schnee und zack lenkt der Schlitten in die richtige Richtung. 70 Meter weiter geht’s in eine Linkskurve: Hax’n links raus und ein williger Linkslenkschlitten sind die erwartete Folge.

Immer diese Fotogravfen.Es folgt eine 222 Meter lange nahezu gerade Strecke, die natürlich zum Beschleunigen einlädt. Was ist der Bahnrekord? Ich will ihn brechen! Bis zu 20 Prozent Neigung helfen bei der Beschleunigung genau so wie aufmunternde Schreie meinerseits: Los, Brauner, Du schaffst das! sporne ich den Schlitten an, der dann auch mindestens auf ein Zehntel der Schallgeschwindigkeit kommt. Ich juchze vor Freude und kann gerade noch so die Kamera halten, um Beweisfotos zu machen – da kommt, ohne Vorwarnung und im Prinzip auch völlig unnötigerweise eine scharfe Rechtskurve. Alle rausgestreckten schneesicheren Bremsschuhe helfen nicht: der Schlitten bevorzugt die gerade Weiterfahrt über einen leichten Wall hinweg und bremst sich selbst durch Spontanabladung seines Fahrers auf Null ab. Fröhlich winkend fahren die Mitschlittenfahrer, die von Anfang an hinter mir schlitteten, im genüsslichen Tempo von Naturrodelbahnschlittenfahrern vorbei. Ich winke der heran eilenden Fotografin nicht minder fröhlich zu, hieve den Schlitten zurück in die Bahn und dümple, von einer erfahrenen Rodlerin begleitet, vorsichtigst dem Ziel entgegen.

DrahtseilbahnZurück geht’s erholsam bergauf. Die Drahtseilbahn von Erdmannsdorf nach Augustusburg hat eine Spurweite von 1.000 mm und braucht acht Minuten, um die 168 Höhenmeter auf ca. 1,2 Kilometer zu überwinden – bei einer durchschnittlichen Neigung von 13,5 Prozent. Das ist echte Arbeit für so ein altes Schätzchen, aber wir sitzen drinnen und schnattern vor uns hin. Es gibt ja so viel zu erzählen!

PS: Einige Details dieses Berichts stammen aus dem Bereich alternativer Fakten!

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