Begeistert in der Oberlausitz

Kochsternstunden 2017: Erbgericht Tautewalde

Erbgericht Tautewalde

Erbgericht heißen in der Gegend östlich von Dresden viele Gaststätten, aber wenn wir zu dem Erbgericht wollen, dann ist es immer das in Tautewalde. Das Haus fährt, nach anfänglich häufigeren Wechseln in der Küche (die aber wenigstens der Qualität nicht abträglich waren) seit elf Jahren in sicherem Fahrwasser der Familie Schulz, die in der Provinz einen tollen Job macht: wenn es an einem Dienstag schwer wird, vor dem Restaurant einen Parkplatz zu bekommen, ist das ein gutes Zeichen.

Enrico Schulz bietet auch zu den Kochsternstunden (wie gewohnt) im Erbgericht ein Menü in drei Gängen an – was schade ist, denn die Küche arbeitet auf hohem Niveau, und die Kochsternstunden-Gäste sind ja mittlerweile auch gelernte Gourmets. Für die Statistiker: Nur ein Drei-Gang-Menü wie das in Tautewalde (36 €, inkl. Weinbegleitung und Aperitif-Hauscocktail 59 €) bieten lediglich zwei der teilnehmenden Restaurants an (die Möglichkeit, auch nur drei Gänge zu wählen, die meisten). Das war dann aber auch schon der einzige Punkt an diesem Abend, über den wir (freilich aus der Kategorie „Meckern auf hohem Niveau“) zu klagen hatten.

Die Einstimmung aufs Menü kommt in außergewöhnlicher flüssiger Form: Der Aperitif des Hauses besteht aus einem hausgemachten Rumtopf, der auf Trinkstärke herabgesetzt wird mit Fruchtsecco (die für diejenigen, die es alkoholfrei wollen) oder mit Schwarzbier. Letztere Kombination klang zu abenteuerlich, um sie nicht zu probieren. Wir waren dann ehrlich überrascht, was man zur Freude des Gaumens alles so mischen kann! Als Gruß aus der Küche erreichte uns – neben dem in Tautewalde üblichen vorzüglichen Brot – ein eigenes klitzekleines Menü: Roastbeef mit Gemüseküchlein und feines Süppchen.

Das eigentliche Menü startete mit Vitello tonnato – etwas anders und einem Wein aus der Serie Langweilige Etiketten waren gestern – wir haben schon vor dem Trinken Spaß: ein Rheingau-Riesling vom VDP Weingut Allendorf mit dem schönen Namen Save Water Drink Riesling dry. Das andere am Vitello war der Thunfisch, der nicht als Saucenspiegel über dem (auch das anders: kurz außen herum angegarten Kalbfleisch) lag, sondern sehr kurz angebraten (also außen ein Hauch von gar und innen roh) wie ein Segel den Teller zierte. Das sah gut aus und schmeckte vorzüglich. Für die Puristen: natürlich gab es auch etwas Sauce.

Beim Hauptgang galt es, sich zu entscheiden: Fisch (Doradenfilet an Puy-Linsen und grüner Spargel) oder Fleisch (Hirschrücken mit weißem Bohnenpüree und knusprigem Speck, Kartoffel-Maroni-Mille feuille)? Wir waren zu zweit und lösten das Problem der beherzten Unentschiedenheit und auch das des vermissten vierten Gangs durch Kleinigkeitentausch, so dass jeder beide Geschmäcker hatte. Und das galt, aber das war wohl eine Art liebevoller Sonderbehandlung durch die Chefin, auch für die dazu passenden Weine, die wir parallel verkosten durften: Unico Colli Euganei Fior d ́Arancio DOC (Terre Gaie, Venetien) zum Fisch und Armsheimer Adelberg Cabernet Sauvignon QbA trocken (Weingut Jung & Knobloch, Rheinhessen). Beide Weine erwiesen sich als sehr schöne Begleiter zum jeweiligen Hauptgang. Beim Fisch bekamen wir uns gar nicht mehr ein, weil der richtig heiß an den Tisch kam und nicht nur kross, sondern auch saftig war – und das bis zum Schluss des langsam genossenen Gangs. Alles kein Geheimnis, meinte Enrico Schulz am Ende des Abends, als er zu uns an den Tisch kam. Er hat’s auch erklärt, aber ob wir das zu Hause so hinbekommen??? Sehr passend dazu die Linsen, und der grüne Spargel war nicht nur optisch eine farbenfrohe Ergänzung, Vom Hirsch hatten wir nur einen Happs, deswegen dazu etwas undifferenziert nur so viel: hhmmm…

Allerlei von der Preiselbeere bildete den süßen Abschluss des kleinen, aber feinen Menüs. Beim Wein gab es eine erfreuliche Überraschung: Nadine Schulz-Banach, die uns den Abend im Service über begleitet hatte, kam mit zwei Flaschen an den Tisch: Cape Jazz Sparkling Shiraz sweet von der Solms Delta Wine Estate (Südafrika) – der steht im Programmheft der Kochsternstunden. Aber, so meinte Nadine Schulz, nach dem Probieren von Wein und Dessert habe sie festgestellt, dass ein anderer Wein vielleicht besser passen könnte: ein Moscato Giallo IGT, Villa Medici (Verona). Ihr würde der eigentlich besser gefallen – und auf solche Erfahrungen greifen wir ja gern zurück und nahmen den Moscato. Wir bereuten es nicht – und fanden diesen Erkenntnisgewinn des Teams und die gastfreundliche Umsetzung, beide Weine zu präsentieren, toll!

Landidyll Hotel Erbgericht Tautewalde
OT Tautewalde 61
02681 Wilthen

Tel. +49 3592 / 38300
www.tautewalde.de

Öffnungszeiten Restaurant & Küche
Mo-Do 18 – 21.30 Uhr
Fr+Sa 11.30 – 14 Uhr und 18 – 21.30 Uhr
So 11.30 – 14 Uhr und 17.30 – 21 Uhr

[Besucht am 21. März 2017 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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Erbgericht Tautewalde

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