Erhellendes zum Tauberschwarz

Zu Besuch bei der Genossenschaft Weingärtner Markelsheim

Weingärtner Markelsheim

An der Brücke über die Tauber zum Weinort Markelsheim wachen St. Kilian, der Frankenapostel und Kirchenpatron, sowie St. Urban, der Patron der Weingärtner, über die Ankömmlinge – und geben ihnen Schutz. Den hätten sie früher vielleicht gebraucht, zur Zeit der Hexenprozesse – aber heute? Da sind eher alle willkommen, ob Einheimische oder Touristen. Aber irgendwie nett ist es dennoch, so begrüßt zu werden. Wir fahren – es ist Ende März, wir erleben die ersten frühlingshaften Tage – durch den Ort, den Lochbach entlang, der neben der Straße gen Tauber fließt. Heute ganz ruhig, aber, wie ein Schild an einem der Häuser in Augenhöhe verkündet, „am 9. Mai 1906 verheerte ein Hochwasser des Lochbaches (Wolkenbruch) von Apfelbach her große Teile des Dorfes und der Flur.“ Uns scheint die Sonne, die zahlreichen Brücken über den Bach sind mit Osterkränzen geschmückt – und uns erwartet, gleich hinterm Dorfplatz mit der Osterkrone auf dem Brunnen,Veit Sambeth in den Räumen der Weingärtner Markelsheim. Er ist Vertriebsleiter der WG Markelsheim und diesen Vormittag Gastgeber für unsere Reisegruppe, die im Vorfeld der Baden-Württemberg Classics am 22./23. April in Dresden durchs Ländle tourte.

Pinot Blanc de BlancsEtwa 300 Winzer aus sieben Weinbaugemeinden sind Mitglied bei den Markelsheimer Weingärtnern, sie bewirtschaften eine Rebfläche von etwa 190 Hektar. Rote und weiße Sorten stehen zu gleichen Teilen an den Hängen – wobei Schwarzriesling und Müller-Thurgau am meisten angebaut werden. Zur Begrüßung gab’s allerdings weder den einen noch den anderen, sondern einen Winzersekt: Pinot Blanc de Blancs brut nature – ein in traditioneller Flaschengärung hergestellte Sekt mit sehr schön eingebundener Perlage. Weniger als ein Gramm Restsüße lassen aufhorchen und geben diesem Sekt auf Grauburgunderbasis, der neun Monate auf der Hefe lag, den besonderen Kick. (Gut gefallen hat übrigens auch der Dreiklang auf dem Etikett: Lust – Genuss – Tradition! Es ist das Motto aller Premium-Weine der Markelsheimer.)

Tauberschwarz roséEine besondere Rolle spielt bei den Weingärtnern Markelsheim die autochthone Rebsorte Tauberschwarz. In Laudenbach und Weikersheim, standen bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch etliche über 250 Jahre alte Rebstöcke – sie wurden bei Rebflurumlegungen gerodet. „Im Jahr 1959 hat sich der Tauberschwarz mit einem großen Jahrhundertjahrgang verabschiedet“, weiß Sambeth – und holt bei einem Spaziergang im Weinberg oberhalb des Ortes Haagen eine gut gekühlte Flasche Tauberschwarz hervor, in der uns der immer schon sehr helle Tauberschwarz noch heller als sonst erscheint. Kein Wunder: Es ist ein Rosé! „Wir dachten, das ist nur konsequent…“ schmunzelt Sambeth, und wir probieren einen sehr süffigen Sommerwein mit gut balanciertem Zucker-Säure-Verhältnis. So geht Terrassenwein! Wer Erdbeeren mag: die schmeckt man (aber die guten!). Dass wir den Tauberschwarz hier trinken, ist natürlich kein Zufall: Der Tauberschwarz von 1726 blieb nur auf einer kleinen Restrebfläche in Ebertsbronn bei Laudenbach erhalten. Aufbauend auf diesen kleinen Bestand wurde er durch traditionsbewusste Weingärtner wieder angepflanzt und erlebt seit 1985 bis heute eine Renaissance- und Blütezeit.

Im Glas: BacchusUnsere zweite Probe unter freiem Himmel: ein Bacchus. „Der ist in der Art deutlich fränkisch beeinflusst“, erklärt Veit Sambeth. Und das heißt: er ist nicht süß und breit, sondern hat deutlich spürbare Säure und grüne Noten und ist insgesamt doch recht filigran. Wie das geht? Ganz einfach: bewusst früh geerntet sind die Trauben – dann klappt das schon… Erstaunliches Preis-Leistungs-Verhältnis (3,95 € die Flasche) und ein Tipp für asiatisch angehauchtes Essen. Von den Roten der Weingärtner probierten wir noch – mit Blick auf die Lage Laudenbacher Schafsteige, wo er geerntet wurde – einen Zweigelt. Diese (österreichische) Kreuzung aus St. Laurant x Blaufränkisch (also Lemberger…) ist ein idealer Essensbegleiter (Wild zum Beispiel), ist aber auch ganz ohne Essen als samtiger Wein gut trinkbar.

Markelsheim TauberschwarzZurück geht’s mit Blick auf die Reben, die bereits Tropfen bilden und uns sagen: geht los! Vorbei an Steinriegeln, die von den wortwörtlich steinreichen Winzern aufgelesen und zu Wällen sortiert wurden, die nun kalte Winde von den Reben fern halten, die Sonnenwärme aufnehmen (und abends langsam wieder abgeben) sowie zahlreichen Tieren tolle Wohnidyllen bieten. Zusammen mit der württembergischen Weinprinzessin Viola Albrecht, die uns diesen Tag durch die Gegend chauffiert, bewundern wir im Ort Haagen unterhalb des Weinberges das Ortseingangsschild („Bewohnte Ortschaft. Radfahrer bitte freiwillig langsam fahren“) und den Brückenheiligen Nepomuk auf der kleinen Bogenbrücke über den Vorbach, der sein junges Bachleben nach 24,6 überwiegend nördlichem fließenden Kilometern bei Weikersheim von links in die mittlere Tauber beendet. Und wir? Wir lassen den Besuch ausklingen auf der sonnenbeschienenen Bank vor dem Weinkeller – mit einem Tauberschwarz. „Ruh‘ dich aus und setz‘ dich nieder, genieß‘ ein Gläschen guten Wein. Gefällt es dir, komm einfach wieder“ steht auf dem Holzschild, das dort an der Wand eines Häuschens lehnt. Machen wir!

Weingärtner Markelsheim eG
Scheuerntorstraße 19
97980 Bad Mergentheim / Markelsheim

Tel. +49 7931 / 90 60-0
www.markelsheimer-wein.de

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[Pressereise auf Einladung vom Weininstitut Württemberg GmbH und der Badischer Wein GmbH im Vorfeld der Baden Württemberg Classics, die am 22. und 23. April in Dresden stattfindet.]

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