Junges Gemüse in der Bar

Twist Bar

Hoch hinaus muss er abendlich, wenn er zur Arbeit will: René Förster, Chef der Twist Bar, arbeitet mit seinem Team oben im sechsten Stock des Innside-Hotels – das ist, für Dresdner Verhältnisse, ja schon ganz schön hoch. Eine tolle Aussicht auf die Kuppel der Frauenkirche hat man auch, wenn man die will. Aber spannender ist das, weswegen man meistens in eine Bar geht: die Drinks. Das Ambiente. Und die Leute.

Der Webseite des Hotels entnehmen wir, dass „die Bar … als einer der derzeit beliebtesten Treffpunkte in ganz Deutschland [gilt]“. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass René Förster hoch hinaus will im übertragenen Sinn. „Ich will Trends setzen!“ sagt er in aller Bescheidenheit und schafft das offenbar auch, wie ein Blick auf die Liste der Auszeichnungen zeigt, in der es von ersten Preisen in zahlreichen Wettbewerben wimmelt. Ende vergangenen Jahres wurde die „Twist Bar“ vom Falstaff-Magazin als „Hotelbar des Jahres Deutschland 2016/2017“ ausgezeichnet, weil sie sich „zum Hort ­modernster Mixologie entwickelt“ hat.

„Die Karte liest sich wie Belletristik!“ schwärmte Sabine Mutschke neulich bei einem Clubabend des Dresdner Presseclubs im Gespräch mit René Förster und Ulf Neuhaus in der Twist Bar, bei dem es um eben jenen Hort modernster Mixologie ging, aber auch ein wenig um die ganze Zunft der Barmixer. Ulf Neuhaus ist ja nicht nur eine Institution der Dresdner Barszene, sondern seit 2012 auch Präsident der Deutschen Barkeeper Union, dem Berufsverband für Barkeeper. Rund 1.200 Mitglieder vertritt der Verband – und denen geht es zwar auch, aber nicht nur um neue kreative Cocktails. „Barkeeper ist beispielsweise kein Ausbildungsberuf, das wollen wir ändern!“ sagt Neuhaus. Der ist übrigens Bar-Meister – obwohl es doch den Beruf gar nicht gibt. Auf dem Weg zum Ausbildungsberuf sind die Barkeeper schon länger – aber das Bohren dicker Bretter scheint eine vergleichsweise harmlose Sache dagegen zu sein. „Wir brauchen dann ja auch gute Berufsschullehrer, die sich da auskennen!“ meinte Ulf Neuhaus. An einem Lehrbuch freilich sei man bereits dran. Und Lehr-Erfahrungen haben sie auch bei der Deutschen Barkeeper Union: Ulf Neuhaus unterrichtet beispielsweise in der Barschule Rostock, der ersten staatlich anerkannten Einrichtung der Weiterbildung im Bartending.

Verbandspolitik ist das eine, die Wirklichkeit geht manchmal anders. René Förster hat gar keine gastronomische Ausbildung, er ist Autodidakt. Angefangen hat er sozusagen studienbegleitend – bis er („zur großen Freude meiner Eltern, immerhin war ich schon im zehnten Semester!“) von Kunst und Musik ganz aufs Barkeeping umschwenkte. Dort gehört er mittlerweile zu den besten seiner Zunft, hat mit seinen Kreationen an Wettbewerben im In- und Ausland teilgenommen – und natürlich gibt er sein Wissen auch weiter, an Bar- wie an Berufsschulen. Wobei zum Job mehr als (abfragbares) Wissen gehört: „Man muss schon mit Herzblut und Passion dabei sein!“ meint er – und wenn der Barmanager der Twist Bar so plaudert, möchte man liebsten auch gleich anfangen. Oder wenigstens mal was probieren! Zum Beispiel den Apple Pen, einem alkoholfreien Drink mit frisch gepressten Limettensaft, grünem Apfelsirup, frischem Apfel, frischer Gurke, frischem Dill und Tonic.

Der Drink ist ein guter Einstieg in die Welt der Dinge, die man sonst eher so isst und nicht trinkt. In Försters vegetabilen Drinks kommen Sellerie, Karotten, Blumenkohl und Pilze vor. „Wir verarbeiten die Produkte selbst, stellen daraus Säfte her oder entziehen ihnen – wie beim Steinpilz – ihr Aroma mit Gin!“ erklärt Förster. So werden Barkeeper zu Köchen, die mit Flüssigkeiten hantieren. Nur dass sie nicht wie bei einer Suppe mit Wasser oder Sahne aufgießen, sondern je nachdem mit Gin, Rum, Wodka oder Likören. Vegetable-Drinks wie Magic Mushroom, Cuban Borschtsch oder Blumenkohlada schmecken auf jeden Fall erst einmal ungewohnt. Und sie haben ihren Preis (16 €…). Aber junges Gemüse in der Bar kann man sich ja auch was kosten lassen…

Twist Bar
im Hotel Innside
Salzgasse 4
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
täglich von 18 Uhr bis 2 Uhr

[Besucht am 19. Juni 2017 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
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