re_form im Ostragehege

11. OSTRALE mit 1.118 Werken von 164 eingeladenen Künstlern aus 25 Nationen

Ostrale17

Ist das schon Kunst oder können wir weiter reden? Beides. Bei der Eröffnung der elften Ostrale, die vom 28. Juli bis zum 1. Oktober wieder im Ostragehege in den morbiden Gebäuden des ehemaligen Schlachthofs stattfindet, woben soundlab inside artistgroup SARDH mit BALOG JOEL SCHWEIGER WORMSINE VOXUS IMP an ihrem Klangteppich. Die drei Damen neben dem linken Ohr des Berichterstatters schnatterten kontrapunktisch ihr aktuelles Leben herunter, das leider nur sie gegenseitig zum Lachen brachte und ansonsten an Banalität kaum zu übertreffen war. Sie waren wider Erwarten nicht Teil der Performance, anders als die hillumination und Performance mit Said Dokins und Leonardo Luna. Die Musiker kommen aus Dresden, die mit grellem Licht hantierenden Akteure aus Mexiko: so ist die Ostrale, international. Und sie will überraschen – so wie aus nervigen Lichtblitzen durch eine Langzeitbelichtung eine attraktive Lichtmalerei wurde.

164 eingeladene Künstler aus 25 Nationen präsentieren bei der diesjährigen Ostrale unter dem Leitbegriff re_form im Ostragehege insgesamt 1.118 Werke und Werkgruppen. Das ist für einen Besuch ’ne Menge Kunst, mehrfaches Kommen ist da eine Lösung (und wird mit einem Fünf-Tage-Ticket auch aktiv beworben). Mit ihrem Leitthema will die diesjährige OSTRALE-Biennale vor allem die planvolle Umgestaltung bestehender kulturpolitischer Verhältnisse und Kultur-Systeme in Europa, Deutschland und gerade auch in der Stadt Dresden begleiten, die auf dem Weg ist, sich als „Europäische Kulturhauptstadt 2025“ zu bewerben. „Ziel einer Reform ist die Verbesserung des Status quo durch planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse ohne Bruch mit den wesentlichen geistigen und kulturellen Grundlagen. Kunst ist besonders geeignet, dazu mit Fragen und Lösungsvorschlägen beizutragen; sie schöpft zudem auch selbst mit Hommagen, Referenzen, Zitate und Aneignungen aus der Vergangenheit für eine neue Zukunft“, so die Direktorin Andrea Hilger.

Die Ostrale ist mit ihrer elften Ausgabe ja auch am Scheideweg: sie ist, je nach Sichtweise, die letzte der seit 2007 jährlich stattfindenden oder die erste der zukünftig im Zweijahresrhythmus stattfindenden Ausstellungen. Die offizielle Lesweise ist: Neuanfang, wenn eh alles auf re_form ist. O17 Biennale 2017 steht auf der Webseite – doch wo man sich in zwei Jahren treffen wird, ist ungewiss: die Futterställe des vom Dresdner Stadtbaumeister und Architekten Hans Erlwein 1910 eingeweihten Vieh- und Schlachthofs, deren Charme die Ostrale seit 2007 nutzt, müssen renoviert werden. Und das kann dauern – selbst wenn für die Ostrale etwas vom morbiden Flair erhalten bleiben soll.

Man muss kein besonderer Banause sein, um nicht alles zu verstehen, was sich da auf den 20.000 Quadratmetern Fläche versammelt hat. Aber schlimm ist das nicht, genug Beeindruckendes wird sich individuell finden lassen. Neben dem Tipp, sich nicht alles auf einmal reinzuziehen, gilt auch: man kann sich von Leuten, die mehr Ahnung haben als man selbst, die Dinge erklären lassen. Jeden Samstag und Sonntag um 15 Uhr gibt es öffentliche Führungen (5 €; es ist keine Voranmeldung nötig), wer es gerne individuell hat, braucht neun Gleichgesinnte und kann mit dem OSTRALE-Team vorab eine eigene Führung vereinbaren. Es geht allerdings auch noch individueller – mit einer kostenlosen App. Eigentlich gemacht für Blinde, aber die vorgeschlagene Tour mit 25 ist nicht nur für diese Zielgruppe ein Gewinn. Programmiert hat die App „AllSense“ der selbst blinde Dr. Jan Blüher im Auftrag der OSTRALE. Wie es funktioniert, konnten wir selbst noch nicht probieren (zur Eröffnung stand uns die App noch nicht zur Verfügung) – aber der Entwickler erklärt es so: „Kunstwerke und andere Orte auf dem Ausstellungsgelände, wie Gastronomie, Toiletten etc., werden von uns mit sogenannten Bluetooth-Beacons ausgerüstet. Nähert sich der Nutzer der App diesen Punkten, wird die Audiodeskription angesagt.“
Die App gibt es sowohl für iOS als auch für Android-Geräte, sie ist im Play Store, App Store sowie mit vor Ort ausleihbaren Geräten zugänglich.

Deutschlands drittgrößte Kunstausstellung (im vergangenen Jahr: 25.000 Besucher) ist noch bis zum 1. Oktober geöffnet.

Andrea Hilger

Ostrale 17
Zur Messe 9
01067 Dresden

Tel: +49 351 6533763
www.ostrale.de

Öffnungszeiten (28.7.-1.10.2017)
Montag: geschlossen
Dienstag bis Donnerstag: 10 Uhr – 19 Uhr
Freitag bis Sonntag: 11 Uhr – 20 Uhr
Kassenschluss 1 Stunde vor Schließung

Eintrittspreise:
Erwachsene 15 €
Ermäßigter Preis 10 € (Schüler und Auszubildende über 16 Jahre, Studierende, Künstler*innen mit Ausweis einer Künstlerinstitution, Personen im Bundesfreiwilligendienst bzw. FSJ, Inhaber des Ehrenamtpasses, Schwerbehinderte ab einem Grad der Behinderung von 80, Rentner, Dresden-Pass Inhaber und Künstlernachweis (Künstlerbund/VG Bild-Kunst))
Familien Ticket (2 Erwachsene plus x-Kinder zwischen 12-18 Jahre) 30 € | ermäßigt 25 €
5-Tage Ticket (Ticket für fünf einzelne Tage, nicht zusammenhängend) 30 € | ermäßigt 25 €
Kinder bis zum Alter von 12 Jahren haben freien Eintritt!

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