Liebe auf den zweiten Blick

Besuche im Restaurant Paraiso del Mar bei Playa de La Calera

Paraiso del Mar

Wenn man vorübergeht, macht das Ensemble von Bar e Restaurante Paraiso nicht unbedingt einen paradiesischen Eindruck. Flach und eher irgendwie zusammengeschustert liegt es auf halbem Weg zwischen dem belebten Playa de La Calera und La Puntilla ziemlich solitär am Weg – keine direkten Nachbarn und schon gar nicht touristische Höhepunkte außer dem Blick über den Zaun des Bauunternehmers auf seinen Fuhrpark und die Steinsammlung.

Aber man sollte ja immer zweimal hinsehen und dem Umstand Rechnung tragen, dass die Terrasse vor dem Paraiso zwar klein und direkt an der Straße liegt, diese aber nicht so arg befahren ist – und dass hinter der Straße das Meer in allerherrlichster Weite und Glitzerhaftigkeit das Auge erfreut. Obendrein kann man, wenn nicht gerade der Lieferwagen direkt vorm Haus parkt, die Sonne auch im Meer versinken sehen und es sich dazu gut gehen lassen.

Denn trotz des erst auf den zweiten Blick angenehmen Ambientes entwickelte sich das Paraiso zu unserem Lieblingsrestaurant. Das liegt an der durch und durch freundlichen Bedienung, das liegt an den freundlichen Öffnungszeiten (mittags bis abends um zehn Küche, danach noch Barbetrieb), das liegt an der freundlichen Preisgestaltung (Essen für zwei inkl. einer Flasche Wasser und einer Flasche Wein ca. 40 €).

Und das liegt natürlich daran, dass uns das Essen geschmeckt hat, weil sie im Paraiso alles richtig machen. Es gibt, beispielsweise, unter den Vorspeisen unschlagbar gute Gambas al Ajillo (Garnelen in Knoblauchöl gebraten, 10 €), die durchaus als kleiner Hauptgang durchgehen. Sie kommen in wirklich heißem Öl, in dem nicht nur die Garnelen brutzelnd, sondern auch Knoblauch und Pepperoni: schön scharf macht der das Gericht und hebt es so aus der Beliebigkeit.

Cherne Fresco (Zackenbarsch, 14 €), einer der lokalen Fische und tagesfrisch auf der Karte, kommt korrekt gegart und somit ordentlich saftig auf den Tisch. Serviert wird er, wie in der Gegend üblich, aufgeklappt und (das ist nicht üblich, war uns aber willkommen) ebenfalls mit reichlich Knoblauch garniert. Dazu gibt es Salat (pur, auch so üblich: man muss ihn sich selber anmachen) und die allerorten gereichten Runzelkartoffeln mit mojo verde und mojo rosso. Die Kartoffeln schmecken hervorragend, von den beiden mojos fanden wir die grüne Variante im Paraiso von allen probierten am besten (weil mit cilantro, dem Korianderblatt, nicht gegeizt wurde).

Da wir gerade bei den Spezialitäten sind: statt eines Desserts gönnten wir uns einen Barraquito. Diese kanarische Art der Kaffeezubereitung bringt süße Kondensmilch, Likör, Espresso und Milchschaum wohlgeschichtet ins Glas.

*

Wir sind ja nicht täglich da, nicht mal jährlich. 2016 notierten wir einen Namenswechsel zu Paraiso del Mar, fanden aber unsere essentials wieder: die Gambas (immer noch zehn Euro, auch die anderen Gerichte in gleicher bis vergleichbarer Größenordnung wie 2014), die nette Bedienung. Die Karte sieht aufgeräumter aus, der ganze look ist etwas frischer. Neu für uns: die nun auch mehr beworbene Möglichkeit, das Paradies nur für einen Drink zu nutzen. Geblieben ist der Sonnenuntergang direkt vorm Haus. Leider auch geblieben ist die Lust von Lieferwagen, sich im entscheidenden Moment zwischen Restaurant und Meer zu schieben. Da hilft nur: aufstehen und die zehn Schritte auf die andere Straßenseite rüber zu gehen 😉
Es lohnt sich!

Strand beim Paradies

Rest. Paraiso | Paraiso del Mar
Avda. Maritima s/n
Playa de La Calera
38870 Valle Gran Rey

[Besucht 4. und 9. November 2014 | 6. und 15. November 2016]
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