Kruzianer rocken das Stadion

Der Dresdner Kreuzchor sang mit Gästen im Stadion vor über 23.000 Zuschauern Lieder zur Weihnacht

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Ganz am Ende gehen die 108 Jungs vom Kreuzchor von der Bühne, nehmen eine Kerze in die Hand und gehen durchs Rund des Stadions. In geordneter Schlangenlinie bahnen sie sich den Weg durch das Publikum, das ihnen über eine Stunde beim Adventskonzert begeistert zugejubelt hat und, wenn es den arg sentimental wurde, auch schon mal kollektiv Tränchen verdrückt hat. Tränen der Rührung natürlich, und das darf ja sein in der Vorweihnachtszeit. Der Letzte in der Reihe kam mit einigem Abstand – und genoss sichtlich den Moment: Roderich Kreile, der Kreuzkantor, hatte vor 23.650 Besuchern seinen Chor, die zehnköpfige Band und den Solistinnen (Jazzdiva Jocelyn B. Smith aus New York, die österreichische Sopranistin Elisabeth Breuer und die 22jährige Musikstudentin Anna-Maria Reiß als großartigen Ersatz für den erkrankten David Garrett) durchs heiter-beschwingte und adventlich-besinnliche Programm dirigiert.

Adventskonzert

Die nicht ganz 25.000 Zuschauer bedeuten Rekord – dass es noch einmal über dreieinhalb Tausend mehr waren als vor einem Jahr, lag am neuen Bühnenplatz im K-Block. Die ansonsten hier übliche Choreo war an diesem Abend freilich gänzlich anders: 250 Herrnhuter Sterne unterschiedlicher Größe sorgten für zauberhafte Stimmung im Stadion. Das gemütliche gelbe Licht der Sterne kontrastierte aufs Feinste mit dem rot-grün-blauen Bühnenlicht (und war Dank Übertragung auf Leinwände auch von den Tribünen hautnah zu empfinden).

Roderich Kreile und der Dresdner Kreuzchor

Das Programm war ein bunter Mix von traditionellen und modernen Stücken – wobei es eine Freude war, Roderich Kreile bei den flotteren zeitgenössischen Titeln zuzusehen: es schien ihm großen Spaß zu machen. Aber wir wären ja nicht in Dresden, wenn man in den Kommentarspalten nicht schon wieder Bedenkenträger beim Herumkritteln beobachten könnte – schade, dass Einzelne immer wieder meckern müssen statt sich einfach nur erfreuen zu können. Denn beim Herumgehen durch die verschiedenen Blöcke hatte man schon eher den Eindruck, dass das Publikum in seiner Mehrheit angetan war von der Stimmung (obwohl ich es ja auch befremdlich finde, wenn zur „Stillen Nacht“ getanzt wird – aber hej – wenn es raus will?). Wenn dann „Sind die Lichter angezündet“ angestimmt wird, gibt es jedenfalls gemeinsam kein Halten mehr: wir haben ja fast alle so ein Smartphone mit Licht, und das regiert auf Knopfdruck und geht auch bei Wind nicht aus. Sehr sehr schönes Bild!

Sind die Lichter angezündet…

Die Weihnachtsgeschichte (gelesen von Schauspieler Samuel Koch – ja, das ist der im Rollstuhl, der damals bei Wetten dass… verunglückt ist) rief in Erinnerung, warum wir Weihnachten feiern. Und siehe da: es hat nichts mit Kommerz und endlos langen Staus zu tun – aber sehr wohl mit Frieden auf Erden…

Der Dresdner Kreuzchor im Stadion

PS: Der Termin für das 4. Große Adventskonzert mit dem Dresdner Kreuzchor im DD-Stadion steht bereits fest. Es findet am 20.12.2018 statt.

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