bssss

Kleine Tour durchs Dresdner Barockviertel bei der 9. CocktailNight

CocktailNight

bssss. Ich wollte ja schon immer einen Beitrag mit bssss beginnen – jenem mit entschuldigendem Schulterzucken und unnachahmlichem Dackelblick geäußerten Laut nach vielleicht etwas zu viel alkoholischer Getränke. bssss. Kommt besonders gut, wenn man eigentlich (was nach allen einschlägigen Ärzteratgebern ja eh besser ist/gewesen wäre) dann letztendlich nur so tut als ob und noch nüchtern genug ist, um vernünftig zu reden und zu handeln. Wer freilich bei der (nunmehr schon neunten) CocktailNight im Barockviertel zwischen Haupt- und Königstraße bei allen mehr als 50 teilnehmenden Geschäften reingeschaut und einen der angebotenen Cocktails probiert hätte, der wäre wahrscheinlich nicht einmal mehr mit bssss klar gekommen.

CocktailNight Holger JohnAlso stromerten wir nur ein bisschen herum und begannen, weil da halt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert um 18 Uhr den offiziellen Startschuss gab, in der Galerie von Holger John. Man ist dort, was die Cocktaileinschenker und deren T-Shirts angeht, von Unbegabten umgeben und ahnt, was einen vom 15. September bis 18. November erwartet: Erstklassiges. Und zwar in der Ausstellung „Die Unbegabten„. Für den Moment sieht man ein Cocktailkleid, das so wunderbar politisch inorrekt ist wie es nur sein kann bei einem Künstler wie Holger John. Man kann nämlich dran zutscheln – nein: eigentlich muss man dran saugen. Das Kleid der Dresdner Modedesignerin Dorothea Michalk besteht nämlich aus Martini-Gläsern, in denen sich eine Pink Lady verbirgt. Die Skulptur findet regen Zusüruch, denn wer möchte nicht einmal durch schieren Trinkgenuss Teil eines sich verändernden Kunstwerks sein? (Antwort: wir, denn wir bevorzugten GinTonic mit Anstehen an der Bar, wo Holger Johns Assistent Tommy Udo Gläser (guter Name für das, was er da tat!) Gläser spülte, damit wir auch bekamen, wonach uns war…

CocktailNightSchräg gegenüber beim Herrenausstatter Prüssing & Köll fällt die Entscheidung schwer: reingehen und sich von der Chefin Franziska Rüpprich was zum Laden sagen zu lassen oder gar eine herbstliche Ausstattung anzuprobieren – oder doch lieber raus zum Stand der Neustadt-Kneipe Barneby, um dort den wahrscheinlich unaussprechlichsten Cocktail dieses Abends zu probieren: Fruiceerelishhighlandkiller gab’s, hauptsächlich Apfelmus und Ballantines – geschüttelt und nicht gerührt. Die 7 Euro für den Cocktail gingen komplett als Spende an den Rollimaus e.V. – was übrigens (mit anderen Begünstigten) viele der Mitmachenden so hielten.

Zum ersten Mal bei der CocktailNight waren Mike Thiele und Sven Köpp – weil es vor einem Jahr ihren Laden Tee-Galerie Dresden noch nicht gab. Seit Anfang dieses Jahres haben die Quereinsteiger aus ihrer Vorliebe zu Tee einen Beruf gemacht – und waren natürlich begeistert, mit der CocktailNight eine Plattform zur Erweiterung des Kundenkreises zu bekommen. Denn Ziel der Veranstaltung sei natürlich, „möglichst viele Neugierige ins Barockviertel der Dresdner Neustadt zu locken. Da es bei jedem Händler was Neues zu entdecken gibt, sollte am Ende ein großes Flanieren zwischen Haupt- und Königstraße sein“, wie Franziska Rüpprich es formulierte.

CocktailNightLove, Joy, Fun: klingt doch gut. Es gab dieses Trio in der Parfümerie Thiemann – weil schon länger am Platz, natürlich nicht zum ersten Mal dabei. Ein alkoholfreier Cocktail, einer mit Rum und ein Shot mit Wodka. Und alle drei von der süßen Fraktion. Absichtlich? Absichtlich: Im vergangenen Jahr habe es eher die saure Linie gegeben, das hätten die Kunden nicht so gemocht. Daher dieses Mal alles mit einem Hauch von Sweetness. Und mit einer langen Schlange vor der Ausgabestelle. Also alles richtig gemacht! So wie offensichtlich auch Tina Kresse, die am Obergraben seit Mai das märchenfach betreibt – ein analoger Laden, der so funktioniert wie die im August eingestellte Internet-Plattform DaWanda. Und so gibt es neben Eigenkreationen – textile Spielzeuge mit pädagogischem Wert – auch Unikate von Designern, Kunsthandwerkern und Künstlern aus der Region, Deutschland und weiter weg. Und als Cocktail an der Bar im Innenhof mit dem Einhorn einen sehr guten Poison Apple… Der hielt geschmacklich gut vor auf dem Weg zur nächsten Station: vor der Technik Ambiente GmbH auf der Hauptstraße trafen wir Hauptorganisator René Arndt, der einen rundum zufriedenen Eindruck machte und (da haben wir mal gemogelt) uns das Anstehen in der langen Schlange nach einem rauchenden Sex on the Beach abnahm. Das war doppelt nett, denn so kamen wir in den uneingeschränkten Genuss von Frau Richter, die als DJane unsere Füße zum Wippen brachte.

CocktailNight Bülow PalaisAbsacker in der Bülow, bzw. genauer: davor. Natürlich sind wir hier bei Profis, hinter der langen Bar stehen die Sommeliere des Hauses, Jana Schellenberger, und ein ehemaliger Kollege vom der Bar. Sebastian Wachs. Der hatte mitgebracht: einen Gin aus Roggen. Der kommt aus Isokyrö, unweit der Leväluhta-Quelle. Wer nun denkt, da sei mittlerweilele wohl doch zuviel bssss im Spiel gewesen, der sollte mal den Rest der finnischen Kultur studieren. Wir probierten den Gin, konnten weder die finnischen Botanicals (Sanddorn, Cranberrys, Birkenblätter, Mädesüß) noch gar den finnischen Frühmorgennebel oder die Tautropfen geschmacklich extrahieren, fanden das aber in der Gesamtwirkung doch sehr bemerkenswert. Oder, wie der Finne sagt: huomattava.

Print Friendly, PDF & Email

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Nah dran und doch weit wegNah dran und doch weit weg Als er, sagte Sommelier Jens Pietzonka, neulich bei Matthias Hey den Weinberg hochgestapft sei, da sei ihm klar geworden: Auch bei Naumburg gibt es Steillagen! […]
  • Erntedank mit fünf Köchen und vier WinzernErntedank mit fünf Köchen und vier Winzern Man kann das Jahr ja nach vielen Gesichtspunkten teilen – kulinarisch gesehen zerfällt es auf jeden Fall im Bülow Palais in zwei Teile, markiert durch den […]
  • Die großartigen KleinenDie großartigen Kleinen Manchmal gibt es das ja, dass man um die halbe Welt reist und dann etwas sieht, was einem so unglaublich bekannt vorkommt. Manchmal ist dieses etwas auch ein […]
  • Die Hoheiten und die AmeisenDie Hoheiten und die Ameisen Es gibt Fremdwörter in der deutschen Sprache, denen hört man es auf Anhieb nicht an. Schlaf ist so eins – zumindest für die vielen Ameisen hinter der Bühne, […]
  • „Ich bin lieber am Gast!“„Ich bin lieber am Gast!“ Lange nachdenken sollte man nicht, wenn zum Erntedankfest Mitte September ins Bülow Palais geladen wird. Erstens nicht über das Datum ("Erntedank vor der Ernte […]
  • Auch Helden haben schlechte TageAuch Helden haben schlechte Tage Alles ist Kunst, irgendwie. Ob die jungen Mädels wissen, die auf ihren Rollschuhen Die Glückliche von Marcus Wittmers umrunden, dass auch sie ein Teil der […]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*