Erheiternde Reise durch Raum und Zeit

"Sternstunden der Menschheit" in Merlins Wunderland

Alle Nauten an Bord

Als aktiver Verschwörungstheoretiker weiß man, dass das Ding mit der Mondlandung der Amis am 21. Juli 1969 alles nur ein früher Fake war, Hollywood (oder, alternativer Fakt: Area 51 in der Wüste von Nevada) sei Dank. Seit der neuen Dinnershow „Sternstunden der Menschheit“ in Merlins Wunderland drängen sich nun aber beunruhigend neue Erkenntnisse auf. Sozusagen die Verschwörungstheorie zur Verschwörungstheorie, oder wie man als versierter Speisekartenleser sofort denkt: Verschwörung2. Die Sache klingt überzeugend, und sie handelt von dem – natürlich – geheim gehaltenen Treffen amerikanischer Astronauten und russischer Kosmonauten auf dem Mond. Wobei sich erwies, dass das russische Trio aus Laika, Juri Gagarin und Walentina Wladimirowna Tereschkowa deutlich besser vorbereitet war als der Amerikaner Neil Armstrong – der hatte nämlich nur die US-Fahne dabei, aber die Russen brachten Vodka und Kalinka mit!

Adams und Eva Cornelia Liebert,Bis zu dieser alles überragenden Erkenntnis gab es schon einige andere Erleuchtungen bei der Reise des Raumschiffs von irgendwo in den Weiten der Galaxis zur Erde. Das ist, wir ahnen es, eine Reise durch Raum und Zeit – und die Zeitreise fängt an bei Adams und Eva. Richtig, Adams, Mehrzahl. Das sind Rainer König und Matthias Krahnert, die als großartige Mimen den ganzen Abend über in die skurrilsten Rollen schlüpfen. Ihnen gegenüber steht am Anfang die Eva, danach immer wieder eine Eva – und immer ist es Cornelia Liebert, die schon über die nötigen Reize verfügt, um mehr als einen Adam nervös zu machen. Dabei kann Cornelia Liebert mehr als nur schön sein: sie ist auch eine überzeugende Pole-Akrobatin, die Poledance vor allem als sportliche Herausforderung sieht. Show muss dennoch sein, weswegen sie sich dann auch schon mal in einem überdimensionalen Glas rekelt – das wohl mehr, bei aller Akrobatik, als ihr alter ego Cara Julienne. Aber egal: die beiden Seiten der Power-Frau begeisterten gleichermaßen.

Merlins EssenDie Jubiläumsshow zum 20. Geburtstag von Merlins Wunderland war, wie nicht anders zu erwarten, eine Blaupause der 19 Vorgänger. Das heißt: es gibt eine recht sinnbefreite Rahmenhandlung, in die aber lauter tolle Dinge eingebaut sind. Ein Mix aus Musik (mehr als ein Dutzend Stücke zwischen We will rock you und What a Wonderful World), Akrobatik und Klamauk (Rainer König in wenigstens zehn verschiedenen Rollen) und in den Pausen dazwischen deftiges Essen nach dem Motto aus den Weiten der Welt zurück in heimatliche Gefilde. Drei Gänge gibt’s, mit zwei Suppen (am Tisch von den Gästen selbst ausgeschänkt) und Sauerbraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen sowie Quarkkeulchen zum Dessert.

Sternstunden der Menschheit Rock'n'RollDas Rückgrat der Musik bildet die Dreierbesatzung des Raumschiffs: Dieter Beckert als Erzähler und Sänger mit Gitarre. Bei unserem Besuch Johannes Till, der Sohn von Peter Till, an den Maschinen des Universal Druckluft Orchesters. Und natürlich Ludek Lerst, den man ja gerne den böhmischen Paganini oder so nennt. Dabei spielt er einfach nur ganz geil die Geige, auch in den Pausen. Ein Höhepunkt des Abends, rein publikumsresonanztechnisch gesehen, war sicher das Geigensolo von Ludek Lerst noch in der Pause. Er stand und spielte auf dem Mitteltisch mitten im Saal, der den Gästen Esstisch und den Künstlern Bühne ist – und alle erkannten den Titel: Am Fenster von City. Gleich drauf ging es nahtlos weiter mit dem dritten Teil der Show, der am musiklastigsten war – und wieder machten alle mit, weil sie Über den Wolken von Reinhard Mey genau so zielsicher kannten. Es war ja nicht alles schlecht, früher®. Aus musikalischer Sicht weder hier noch da. Nicht zur Bordbesatzung gehört Jasmin Graff, die aber regelmäßig on stage ist. Sie weiß: Girls just wanna have fun und besingt die Computerliebe

Merlins Wunderland
Zschonergrundstraße 4
01157 Dresden

Tel. 03 51/ 421 99 99
www.merlins-wunderland.de

[Besucht am 20. Oktober 2018 – auf Einladung mit Pressekarten]
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