Sächsisch schimpfen von Aad bis Zwunsch

Peter Ufer, Der gemeine Gogelmosch: Die Schimpfwörter der Sachsen

Als Zugereister hat man’s ja nicht leicht. Sowieso nie (und nirgendwo, übrigens), und mit der Sprache erst recht nicht. Übrigens: auch nirgendwo – kommen Sie doch mal als Rheinländer ins Schwäbische, zum Beispiel. Aber gar nicht leicht hat man es als Sachse, so rein sprachtechnisch gesehen. Weil man im Fernsehen den sächsischen Tonfall als Prototyp fürs irgendwie Dämliche und/oder Einfältige, selten aber fürs Lustige ausgemacht hat. Natürlich will man sich als Zugereister manchmal durch sprachliche Annäherung einschmeicheln, aber da ist dann schnell mal Schluss mit Lustig. ALs ich neulich mal einen humorvollen Beitrag mit luschdig umschrieb, meldete sich doch prompt mein Offbassor fonndor säggsschn Schbrachbollidsei und korrigierte: Lussdisch! Und an anderer Stelle schrieb eine Aufpasserin einfach nur: Lusdsch!

Ich war froh, dass ich beide Kommentatoren so gut kenne, um das als Spaß einordnen zu können. Man ist ja in diesem Internet ansonsten nicht gerade verwöhnt. Richtig übel wär’s geworden, wenn der eine oder die andere mich auf sächsisch beschimpft hätte, möglichst noch in erzgebirgischer Lautmalerei – dann hätte ich ja gar nichts mehr verstanden. Es sei denn, ich hätte für den fall der Fälle die hosentaschengeeignete Sammlung Der gemeine Gogelmosch zur Hand gehabt. Das ist ein Ratgeber und Unterhalter aus der Reihe der Wörterbücher, die Peter Ufer alljährlich nach dem Wettbewerb ums Sächsische Wort des Jahres herausbringt (oder, weil der Zuwachs an Neuem ja nicht unendlich ist, in überarbeiteter Form neu veröffentlicht).

Die Schimpfwörter der Sachsen ist der Untertitel des diesjährigen Gogelmoschs, mit „800 sächsischen Schimpfvokabeln und Redewendungen, alles übersetzt in Deutsche“, wie es auf der Rückseite des handlichen Büchleins erklärt ist. Zwischen Aad (Elster, eine nach Schmuck gierige Frau) und Zwunsch (kleines, kümmerliches, missratenes Kind) stehen einige Köstlichkeiten, aber auch Begriffe des gesamtdeutsch-sprachlichen Allgemeinguts wie Ossi und Wessi oder Abschaum, Banause und Casanova (wobei ich den Herrn C. ja nie als Schimpfwort gebrauchen würde, aber ich bin ja auch ein Dähml).

Peter Ufer hat, wie auch in den vorherigen Bänden, im ersten Teil ein wenig Prosa beigesteuert, mal erklärend, mal luschdig. Oder lussdisch? Oder lusdsch? Was er nicht erklärt (oder er hat’s getan, aber ich habe es nicht gefunden (Dähml, weesde Bescheid): was ist denn nun derdiedas Gogelmosch? Es fühlt sich ja so an, als ob die Herausgeber Gogelmosch gebrauchen wie sächsisch für Duden, also umfangreiches Nachschlagewerk oder so. Aber warum sie dann gerade dieses Wort gewählt haben, erschließt sich mir nicht: im ersten Band der Reihe (Rettet uns den Gogelmosch: die Wörter der Sachsen) aus dem Jahr 2008 steht auf Seite 78: Gogelmosch: wertloses Zeug/wirres Durcheinander

Man könnte den Autor ja mal fragen – spontan, heute noch: „Der Sachse im Schafspelz – ein Abend off säggs´sch“ findet am 29.10.2018 um 19 Uhr im Haus der Presse in Dresden statt.

Peter Ufer, Der gemeine Gogelmosch: Die Schimpfwörter der Sachsen
Verlag Saxophon, ISBN 978-3-943444-78-0
Softcover | 140 Seiten | 10 x 13 cm | 8,90 €

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