Mit der Kutsche zum Merkurfest von August II.

Bild aus der Zeitreise: Der Zwinger (Foto: TimeRide)

Die Kutsche steht bereit. Vier Plätze gibt es – wir sind zu zweit, sitzen in Fahrtrichtung und können die Füße ausstrecken. Vor uns zwei Menschen auf dem Kutschbock, davor die Pferde. Wir sind kurz vor der Stadt, aber prachtvoll-barock sieht’s hier noch nicht aus. Es rumpumpelt ein wenig, Pfützen allüberall und auch ansonsten im Schlamm nicht nur Erde und Wasser. Klar, wo Pferde unterwegs sind, gibt es auch andere Äpfel als Boskop. Die aber sehen wir auch, als Schalen mit anderem Obst und Gemüse. Wie das so war 1719. Im Vorübergehen fliegen uns Wortfetzen zu. Manchmal hätte ich dem Kutscher am liebsten bedeutet, er möge doch bitte anhalten – aber das wäre sinnlos gewesen. Denn wir sind zwar in der Kutsche, aber die hat gar keine Pferde: wir sind virtuell unterwegs auf dem Weg zum Zwinger.

Jonas Rothe mit VR-Brille
Jonas Rothe mt VR-Brille

TimeRideVR heißt das Vergnügen – oh, pardon: experience, wir sind schließlich neuzeitlich in virtual reality unterwegs –, das der 32jährige gebürtige Dresdner (ein Kruzianer!) Jonas Rothe vor zwei Jahren gegründet hat. Im September 2017 ging dann das erste Projekt an den Start – in Köln, in allerbester Lage (am Alter Markt). Man fährt dort – virtuell, selbstredend – mit der ersten elektrischen Straßenbahn durch die Straßen der Kaiserzeit. „Das war weltweit das erste Angebot dieser Art – und noch sind wir die einzigen!“ sagt Rothe. Ab dem 1. Dezember geht’s in Dresden noch ein Stück weiter zurück in der Zeit, bis in den September 1719, in die Epoche des prunkvollen Barocks. Und wir sind genau dann unterwegs, wenn es am heftigsten prunkt: zu den Festlichkeiten anlässlich der Hochzeit des Kurfürstensohnes Friedrich August II. mit Maria Josepha von Österreich. Den ganzen September über sollte die Hochzeit (die eigentlich schon am 20. August in Wien stattgefunden hatte) gefeiert werden. Der seinerzeit noch recht unfertige Zwinger (zur Elbseite war er noch offen – der Trakt heißt ja deswegen Sempergalerie, weil Gottfried Semper ihn viel später für die Museen dazu gebaut hat) sollte das Festareal werden und wurde aufgehübscht, inklusive provisorischer Bebauung zur Elbseite hin. Genau einen Monat nach der Hochzeit, am 20. September 1719, fand im Zwinger das Merkurfest statt – und da fahren wir mit der Kutsche hin!

15 Minuten dauert die Fahrt, und sie ist aufregend. Man ist in der Tat „mitten im Damals“, wie die Macher sagen. Dazu beigetragen haben Historiker, 3-D-Künstler und Animateure, die den im Computer entstandenen Bildern möglichst naturgerechte Bewegungen verschafften. Viel Arbeit also, die sich aber offensichtlich lohnt: In Köln kommen im Monat etwa 10.000 Besucherinnen und Besucher – an diesen Erfolg will man natürlich in Dresden anknüpfen. Diverse Preise hat das Startup-Unternehmen auch schon bekommen, gerade erst den Deutschen Tourismuspreis 2018. „Die Auszeichnung mit dem Deutschen Toursimuspreis ist für uns dabei von großer Bedeutung, denn nun wissen wir: unser Konzept kommt an!“ sagt Jonas Rothe. Der Preis sei auch ein Mutmacher für die bevorstehende Eröffnung des TimeRide in Dresden – und nicht nur da: „Wir fühlen uns in der Vision gestärkt, Zeitreisen auch in weiteren deutschen und europäischen Städten zu ermöglichen.“

Neun Monate Vorbereitungszeit gab es – und noch ist nicht alles fertig – ist ja auch noch eine Woche Zeit! Zu den Dingen, die in diesen Tagen noch komplettiert werden sollen, gehört ein Spiegelkabinett, in dem mit augmented reality den Besuchern nicht ihr Spiegel, sondern der des Barock die vorgehalten werden soll. Konkret: Ich steh mit Winterklamotten vor dem Spiegel und mich schaut an ein freundlicher STIP mit Gewändern wie vor 300 Jahren. Vom Handwerker bis zum Fürsten. In einem anderen Raum, dem Lichtspielhof, kann man durch Fenster in andere Welten gucken und sich diverse Szenen des Lebens vor 300 Jahren ansehen. Die Kutschfahrt in einer der sieben Kutschen aus der Vorstadt über die Gerbergasse zum Zwinger ist dann der Höhepunkt der rund 45minütigen Show.

TimeRide VR Dresden
Taschenberg 3
01067 Dresden

Tel. +49 351 49 11 650
www.timeride.de/dresden

Geöffnet täglich (außer 24.12. und Karfreitag) von 10 – 20 Uhr, Einlass alle 20 Minuten.
Karten mit Zeitfenster-Reservierung können auch online gekauft werden.

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TimeRide VR

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TimeRide VR 51.051772, 13.734919 STIPvisiteTaschenberg 3 , Dresden, Sachsen, Deutschland (Routenplaner)
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