Winzer mit Leidenschaft und Muskelkraft

Sebastian Zaiß kommt mit den Jungwinzern von Wein.Im.Puls zur BW-Classics nach Dresden

Sebastian Zaiß

„Glück in Flaschen“ steht auf dem Karton, und auch, dass da „mit Leidenschaft und Muskelkraft“ selbst Gemachtes drin sei – „aus dem Besten der Natur … für Momente und Erinnerungen“. Klar, dass es da wahrscheinlich nicht um Milch geht, sondern um Wein. Und zwar um den von Sebastian Zaiß. Im Gespräch im Vorfeld der Weinmesse Baden-Württemberg Classics – BW-Classics am 27. und 28. April im Dresdner Kongresszentrum bezeichnete er sich „als ältesten Jungwinzer, denn nächstes Jahr bin ich eventuell zu alt für Jungwinzer und zu jung für Altwinzer! Wir werden sehen…“

Wein.im.PulsDer Vorteil des alten Jungwinzers: er ist kein Unbekannter auf der Messe in Dresden. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen steht er am Stand der Jungwinzer, die sich in Baden als Generation PINOT und in Württemberg als Wein.Im.Puls – Junges Württemberg zusammengeschlossen haben. Sie vermarkten sich gemeinsam – und ihre Weingüter individuell. Außerdem haben sie gemeinsam Spaß – viel Spaß (das Foto mit Sebastian Zaiß – links – entstand 2017 bei einem Besuch von Alexander Link – Mitte– im Weinberg).

Etwa 13 ha Weinberge bewirtschaftet Sebastian Zaiß im Schützinger Heiligenberg. Die Weinberge dort weisen Steigungen bis zu 60 Prozent auf – was für den Winzer Arbeit (wir erinnern uns: Muskelkraft!) und für die Trauben maximalen Sonnengenuss in der Reifephase bedeutet. Wobei das mit der Sonne ja in manchen Jahren durchaus grenzwertig werden kann: Zur BW-Classics in Dresden wird er einen 2018er Rivaner mitbringen, zu dem es eine Geschichte gibt: „Bei uns im Stromberg war es extrem trocken, doch ich kann alle meine Reben bewässern und so konnte ich das Potenzial des Sonnenscheins auch nutzen. Nachbarn von mir hatten zum Teil im August schon blattlose Weinberge“, berichtet Zaiß.

Die Tropfbewässerung setzt Sebastian Zaiß gezielt ein, will heißen: sie lässt sich sogar – wenn es so sein muss – dem einzelnen Rebstock anpassen. „So können wir dem Rebstock bieten, was er zur Reife der besten Trauben benötigt!“ sagt Zaiß. Nachhaltige Entwicklungen setzt der Winzer im Weinberg und Keller ein. Es gibt eine Photovoltaik-Anlage, Wärme und Strom werden mit Kraft- Wärme-Kopplung erzeugt. „Im Weinberg bringen wir Kompost ein, verwerten Trester, Rebholz und Hefe als organische Dünger, fördern die ökologische Vielfalt durch verschiedene Begrünungspflanzen. Außerdem sparen wir Pflanzenschutzmittel und Treibstoff durch gezielte Behandlungen und Gerätekombinationen!“

70 Prozent der Fläche ist mit roten Sorten wie Trollinger, Lemberger und Spätburgunder bestückt. „Aber gerade mit den etwas unbekannteren Sorten haben wir in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt“, berichtet Zaiß. Bei den weißen Sorten beherrscht der Riesling den Anbau. Es gibt ihn im Winzersekt, den Riesling VX als der reifsten des Jahrgangs aus der steilsten Lage sowie den 40+ von über 40 Jahre alten Riesling-Reben. In Dresden bei der Weinmesse mit dabei: der 2017 Schützinger Heiligenberg Riesling 40+. Die Rebstöcke wurden 1967 angepflanzt, stehen also mittlerweile im 52. Jahr. „Hoch über den manchmal vorkommenden Herbstnebeln reifen die Trauben in etwas kühleren Bedingungen. Die etwas höhere Säure versuchen wir über längere Verweildauer der eingemaischten Trauben zu harmonisieren“, erklärt Zaiß und schwärmt: „Hier erzeugen wir einen feinherben Klassiker, der das klassische Profil widerspiegelt: Zitrus, Apfel, Weinbergpfirsich, feines Süße-Säure-Spiel!“

Weine mit klarem Bekenntnis zu ihrer Herkunft und zu den Menschen, die sie machen ist das Ziel der Winzerfamilie Zaiß. „Seit 1646 achten wir Traditionen und Werte. Um sie aber zu bewahren, müssen wir sie weiter entwickeln.“ Dazu gehört, Bewährtes mit Neuem zu kombinieren. Da kann aus einem Trollinger auch schon mal ein besonderer Trollinger werden. Sozusagen der Gegenentwurf der Aussage im Trollinger-Beitrag in der Wikipedia: „Der Trollinger ist der Inbegriff des schwäbischen Viertele-Weines – und damit Ausdruck einer bodenständigen Weinkultur im Württembergischen; der Wertschätzung, die er in seinem Hauptanbaugebiet erfährt, steht außerhalb davon weitgehende Ablehnung entgegen.“ Der Trollinger „extra“, den Sebastian Zaiß mit nach Dresden zur BW-Classics bringt, ist mehr als ein Zechwein – wenn man ihn nur so behandelt wie die anderen Roten, aus denen große Rote werden: Dieser Trollinger ist aus den reifsten Trauben entstanden, klassisch auf der Maische vergoren und anschließend in kleinen Holzfässern gereift. „Sicher ein Musterexemplar an Trollinger und sehr lecker!“ sagt der Winzer. Wir werden ihn (den Winzer) beim Wort nehmen und ihn (den Trollinger…) probieren!

Weingut Zaiss
Feldbergweg 9
75428 Illingen-Schützingen

Tel. +49 7043 9206-60
www.weingut-zaiss.de

 

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