Die Pieschen Tour mit kulinarischen Tipps

Mit Leni Diener und Tasty Dresden unterwegs in Pieschen

Tasty Pieschen

Pieschen ändert sich. Es passiert viel, es wird neu gebaut, es entstehen neue Cafés – zusätzlich zu den vorhandenen Restaurants und Geschäften rund um die Kulinarik. Leni Diener, die mit ihren Stadtspaziergängen die einzelnen Viertel von Dresden unter dem Motto Tasty Dresden so peu á peu kulinarisch erschließt, hat sich jetzt auch Pieschen vorgenommen.

Pieschen? Ist das nicht dieses Viertel, bei dem einen Alteingesessene als erstes ein freundliches Grinsen nebst wissendem „ach so, Fick-Pieschen!“ entgegenrufen? Ja, das isses. Obwohl Leni Diener sich um den Begriff gedrückt hat, kam das Thema natürlich dennoch bei der ersten Tour zwischen den Stationen zur Sprache. Pieschen war nämlich, als es vom Dorf (347 Einwohner im Jahr 1834) zum Arbeiterviertel mit 12.400 Einwohnern (im Jahr 1890)n heranwuchs, nicht der hippe place to be, den es jüngst begann zu werden. Pieschen war arm. Ein Arbeiterviertel mit kleinen Wohnungen und großen Bedürfnissen – ein Vergnügungsviertel. Wobei Vergnügen damals durchaus anders bewertet wurde als heute: „Noch immer ist der besonders hervortretende Schaden in der Gemeinde die Vergnügungssucht, besonders in Form des Tanzsaal-Besuches von Seiten jüngerer Ehepaare, wodurch öfter das eheliche Glück zerstört und erstaunliche Summen vertanzt werden…“ erfuhren wir von der belesenen Leni Diener.

Cafè GemüsetorteMittlerweile zieht es viele Studentinnen und Studenten und junge Familien ins Viertel – die Neustadt beginnt zu teuer zu werden. Und das bringt neues Leben ins Viertel, macht Läden wie das Café Gemüsetorte möglich. Änne Stange hat hier einen Treffpunkt geschaffen, in dem helle Farben (lindgrün!) und gemütliche Sitzecken (der Kaffeetantenplatz!) schon mal eine tolle Atmosphäre schaffen. Drinnen gibt es (das Café heißt ja nicht umsonst so) farbenfrohe Quiches, Suppen und täglich ein frisch gekochtes Tagesgericht (nicht nur Gemüse, auch mal was mit Fleisch). Es gibt selbst gemachte Limonaden, selbst gebackene Kuchen und viele Dinge, die in Kooperation mit Partnern aus der Stadt angeboten werden (Stullen aus dem Stullenbüro, heiße Schokolade von Mrs Brown, Tee aus dem Teerausch). Wir haben – das ist ja Sinn der geschmacksbildenden Tour – genascht, ungelogen „hhmmmm“ gesagt, mit der Chefin geplauscht – und die Gemüsetorte frohen Muts verlassen (nicht ohne beinahe über das schöne Schild zu stolpern, wonach Gähnen ein stiller Schrei nach Kaffee sei)…

PieschenBeim Bummel durch Pieschen gibt es ein wenig unkulinarische Stadtführung. Vorbei an der Markuskirche (1886 bis 1888 durch den Architekten Christian Schramm im Stil der Neogotik erbaut) weiter zum Pieschener Schloss. Gibt’s das? Natürlich nicht – aber wenn die Frau Diener es sagt, wird aber irgendwie doch was dran sein. Allerdings hatte sie es mit einem gewissen Zwinkern gesagt, und schnell wurde auch klar, warum: Leni Diener meinte das Rathaus, das 1890/91 im Stil der Neorenaissance erbaut wurde und schon schön schlossig aussieht, Pieschener Wappen mit Taube und Blümchen inklusive.

Savoir VivreUnser nächstes Ziel zur kulinarischen Erkundung des Viertels liegt gleich rechts neben dem Rathaus in einem über 200 Jahre alten Haus. Uwe Sochor betreibt hier das savoir vivre, was unüberhörbar französisch ist und natürlich mit Lebensart nur halbwegs gut übersetzt ist. Da hilft die erklärende Unterzeile vielleicht schon besser weiter: mein Frankreichladen gibt nämlich die Richtung vor, was uns Stadtviertelbummler hier erwartet: französische Lebensart, die sich sich für uns in einem kleinen Snack mit Käse und Wurst entfaltet (Wein war auch im Angebot – aber irgendwie war’s dafür noch zu früh). Dafür sitzen die Pieschen-Bummelanten draußen im sonnigen Hof und fühlen sich bei Salami, Kochschinken, Tomate, Olive, Bergspeck und Comté-Käse irgendwie gar nicht wie in Pieschen…

Aber wir sind natürlich da, und zwar mitten drin, auch geschichtlich. Leni Diener hat die „Geschichte eines Stadtteils“ mitgebracht – mit alten Bildern des Dorfes Pieschen, das sorbischen Ursprungs ist. Man erkennt nicht viel wieder von den Bildern anno 1794, beim Text über die Abgaben (an Dresden Neustadt und Altstadt), das Dresdner Brückenamt und Meißen) kamen dann allerdings doch schon Erinnerungen an die jüngste Steuererklärung auf…

MercaSitoAuf dem Weg zur nächsten Location machen wir einen Abstecher zur Elbe und sehen mindestens zwei, drei Orte, die man auch hätte besuchen können: stimmt, Pieschen ändert sich, es wird (oder es ist bereits?) ein Ort mit vielen guten Adressen. Unsere nächste ist das MercaSito, ein spanisch-portugiesischer Lebensmittelspezialist. Hier treffen wir Nemesito Gonzalez-Blanco, ein Ostwestfale aus Minden an der Porta Westfalica mit spanischen Eltern aus Galicien. Was man hier kaufen kann, zeichnet sich durch Qualität aus – der Chef hat sowohl in der Gastro als auch im Großhandel gearbeitet, man könnte sagen: er weiß, was er tut. Wir probierten: ein katalanisches Olivenöl (natürlich extra virgin), gepresst aus zwei Sorten. Plus Schinken aus La Rioja von einem Duroc-Schwein – von einem Produzenten, der mit Massenproduktion nichts am Hut hat, und eine super-pikante Chorizo. Dazu Oliven aus Alicante sowie Brot nach italienischer Rezeptur, aber in Deutschland produziert.

Petit FrankEtwas nördlich der iberischen Halbinsel mit Spanien und Portugal liegt bekanntlich Frankreich – und etwas nördlich von der Oschatzer Straße gibt es in Pieschen  die Bürgerstraße mit einem veritablen französischen Restaurant. Hier, im Petit Frank, erwarten uns Frank Ollhoff als Gastgeber und André Fröbel in der Küche. Die französische Flagge am Eingang signalisiert, was uns hier prinzipiell erwartet: französische Küche. Aber dass es gleich Froschschenkel werden? Damit hatte vorab keine(r) gerechnet. Für die meisten war’s auch eine Premiere – aber keine(r) hat gekniffen! Und: allen hat’s geschmeckt! Und am hunger, der ja bekanntlich alles reintreibt, hat’s nicht gelegen: erstens gab’s ja vorher schon drei Stationen und zweitens kam der Frosch in Begleitung einer kleinen Ratatouille, einer Quiche vom Radieschen und von Schinken aus Südfrankreich…

…und das in Pieschen!

Kulinarische Pieschen-Tour (29,00 €, ca. 2 Stunden)
Tasty Dresden – Leni Diener

Tel +49 172 / 7989316
Tel. +49 351 / 326 995 27
www.tasty-dresden.de

Cafè Gemüsetorte
Änne Stange
Oschatzer Straße 15
01127 Dresden

Tel. +49 351 33232812
www.gemuesetorte.de

savoir vivre
Uwe Sochor
Bürgerstr. 65
01127 Dresden

Tel. +49 351 8401221
www.mein-frankreichladen.de

MercaSito spanische Lebensmittel/Spezialitäten
Oschatzer Str.9
01127 Dresden

Tel. +49 351 27508051
mercasito.jimdo.com

Petit Frank
Bürgerstraße 14
01127 Dresden-Pieschen

Tel. +49 351 8211900
www.petit-frank.de

Öffnungszeiten
Di – Sa 17–23 Uhr

 

[Wir waren Teilnehmer der Premieren-Tour am 18. April 2019]

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