Eine facettenreiche Familie

Ein Burgunderabend bei Gräfes Wein & fein mit Weinen von Schloss Proschwitz

Mathias Dufft (l) und Matthias Gräfe

„Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen, sich auch einmal anderen Rebsorten als Riesling zu widmen!“, sagte Mathias Dufft, Vertriebsleiter bei Schloss Proschwitz. „Die Burgunder sind uns eine Herzensangelegenheit auf Proschwitz!“ Da passt es ja ganz gut, dass man auch beim Verbrauch einen Aufschwung der Burgunder-Sorten feststellt. Wie facettenreich sich die Sorten der Burgunder-Familie präsentieren, sollte der Abend bei Gräfe’s Wein & fein zeigen – und es gab die komplette Familie: Weiß- und Grauburgunder, Früh- und Spätburgunder. Dazu Kostproben der bodenständigen Küche, die (seit dem 1. Januar) Birka Schabehorn in der kleinen Küche des Wein & fein produziert. „Heringshäckerle Dresdner Art mit einem Grauburgunder aus Erster Lage – das traut sich ja sonst keiner!“, merkte Matthias Gräfe bei der Begrüßung an.

Als ob bodenständig nicht schmecken würde! Im Gegenteil: gleich eingangs, als zum wirklich fabelhaften Pinot Blanc aus dem Jahr 2012 roher Spargel serviert wurde, der grissinigleich mit Schinken umwickelt war, war klar: das Einfache hat, wenn es nur von guter Qualität ist, Pfiff!

BurgunderabendDen Start ins Menü machte eine Gemüsebouillon mit grünem Spargel, dazu gab’s Brot mit Bärlauchpesto, Blätterteig mit einem Gouda, der 9-10 Monate gereift war, Olive und getrocknete Tomate. Dazu im Glas ein Weißburgunder aus dem Jahr 2017. 2017 war bekanntlich das Jahr mit dem langen feuchten Sommer und Starkregen im September. Da machten viele Winzer Notlesen – aber auf Proschwitz hat man die Trauben hängen lassen, was sich lohnte: es folgten 17 Tage Altweibersommer! Das brachte eine schöne Fruchtausbeute bei gutem Säurelevel. Ein Wein, der noch einige Jahre liegen könnte. Wenn man genug davon hat.

„Es sind die letzten Flaschen Kabinett trocken“, wusste Mathias Dufft zu berichten – denn die soll’s nicht mehr geben, sagt der VDP. Der Verband will den Kabinett restsüß. Kopfschüttelnde Gäste ob derlei Regulierung (und die dieses Mal nicht mal von Staats wegen!). Also wird’s ab 2018 ein QbA trocken, ein Ortswein aus Meißen. Drinnen lauert aber hinter dem Etikett ein trockener Kabinett – gut zu wissen. Unser Vorschlag: einfach mal ein bisschen keck sein und Weißburgunder KK drauf schreiben – wobei KK natürlich für Kein Kabi steht…

Eine Tankprobe von der Ersten Lage Kloster Heilig Kreuz eröffnete einen Blick in die nahe Zukunft: Der 2018 Grauburgunder ist logischerweise noch sehr frisch, ruckelt noch ein bisschen… Aber er verspricht doch, ein feiner Wein zu werden. Der große Bruder kam danach ins Glas, etwas gereifter: eine 2016 Grauburgunder Erste Lage Heilig Kreuz. Ein stoffiger Wein, der die schlichten und so köstlichen Heringshäckerle ganz adäquat begleitete – vielleicht sogar ein My besser als das parallel dazu gereichte Tatar von der Lachsforelle.

Eigentlich sollte es danach von der etwas einfacheren Zweitlinie von Schloss Proschwitz (also den etwas weniger preisintensiven Weinen…) einen Pinot Blanc geben – aber doch nicht nach diesem Grauburgunder! Statt dessen folgte der 2018 Prinzenwein. Kein Burgunder, sondern hauptsächlich Riesling, natürlich: Matthias Gräfe liebt Riesling! Nicht trotz, sondern wegen der Säure im Wein! Der Prinzenwein, den es seit 2012 in wechselnder Zusammensetzung gibt, ist seine Herzenssache. Riesling, Scheurebe und ein Hauch Weißburgunder (eigentlich nur ein Ha!, so wenig) bilden die auf tausend Flaschen limitierte fünfte Prinzenwein-Edition. Ideal zum Erfrischen, um runter zu kommen.

Und das war auch gut so, denn dann ging’s in die Vollen. Zwei Gläser zum Hauptgang, beide ein Großes Gewächs. So dürfen beim Verband der Prädikatsweingüter (VDP) nur die besten trockenen Weine aus einer Großen Lage heißen. Mathias Dufft formulierte etwas weniger regelkonform, aber doch nachvollziehbar: „Großes Gewächs heißt: das ist so gut, mehr können wir nicht!“ 2.500 Kilo Ertrag pro Hektar bedeutet nicht nur Verlust auf Masse, sondern vor allem Gewinn bei Klasse. Dazu gehört auch, dass von den Trauben der einen Fruchtrute an den Rebstöcken die Hälfte weggeschnitten werden, sie werden halbiert – um so mehr Kraft abzubekommen..

Im einen Glas wartete ein 2017 Schloss Proschwitz Grauburgunder GG | VDP.GROSSE LAGE®. Er erhielt jüngst bei den World Wine Awards der renommierten Fachzeitschrift Decanter 91 Punkte. Das britische Weinmagazin Decanter zeichnet jedes Jahr Spitzenweine aus der ganzen Welt aus. 91 Punkte sind ja schon ganz gut – aber 95 sind natürlich besser: die gab’s für den 2016 Spätburgunder aus der linkselbischen Lage Kloster Heilig Kreuz! „Noch nie wurde ein sächsischer Wein bei Decanter so hoch bewertet“, freut sich Alexandra Prinzessin zur Lippe, die parallel zum Burgunderabend bei Gräfes Wein & fein die Pressemeldung verschickte.

Dort verriet sie auch ein Geheimnis des Erfolgs: das Terroir. „Unsere Region bietet viel Potential für die Herstellung von Weinen der Extraklasse. Das Potential findet sich vor allem im Boden und Klima wieder. Unsere Reben wachsen auf verschiedenen Plutoniten, wie Granit und Syenit mit einer Lössauflage“, heißt es. Aber auch die klimatischen Bedingungen mit vergleichsweise mildem Klima und eher kühlen Nächten sei gut für die lange Vegetation der Beeren: „Das kommt der Aromen-Bildung zu Gute!“

Im anderen Glas ein Rotwein – allerdings nicht der ausgezeichnete, aber auch ein ausgezeichnet guter: ein 2015 Schloss Proschwitz Spätburgunder GG, quasi die Königin der Rotweine, im neuen französischen Barrique ausgebaut. „Beide Weine können in ihrer Art was darstellen und den Hauptgang vorzüglich begleiten“, lautete der lapidare Kommentar – immerhin eloquenter als die Gästemeinung, dass GG ja sowieso für geiles Getränk stehe und somit die Rinderschulter (mit viel Sauce! Und Stampf zum Ditschen!) auf jeden Fall adäquat begleitet würde.

Rein theoretisch hätten wir ja noch ein drittes Glas füllen können zum Hauptgang, denn auch der 2017 Frühburgunder Kloster Heilig Kreuz – der Ersten Lage, die linkselbisch dem Schloss quasi gegenüber liegt, hätte das Zeug zum Speisebegleiter gehabt. So gab’s den Wein mal wieder als Zwischengang, um ein wenig runterzukommen für das Kommende. Und das war ein restsüßer 2017 Weißburgunder Spätlese, klassifiziert als VDP.Ortswein…

Schloss Proschwitz
Heiliger Grund 2
01665 Meißen-Proschwitz

Tel. +49 521 40 60 0
www.schloss-proschwitz.de

Gräfe‘s Wein & Fein
Hauptstraße 19
01445 Radebeul

Tel. +49 351 / 8365540
www.graefes-weinundfein.de

[Besucht am 24. Mai 2019 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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