Emotionale Überraschungen bei Enten und Plattenbauten

Arbeiten der Dresdner Künstlerin Beate Bilkenroth im „Kastenmeiers im Taschenbergpalais"

Beate Bilkenroth

Dass eine Künstlerin auf ihrer Webseite ihre Arbeiten unterteilt in „Öl“, „Aquarell“ und „Installationen & Objekte“, ist leicht nachvollziehbar. Beate Bilkenroth hat zwischen Öl und Aquarell noch was gepackt, was man da nicht unbedingt vermuten würde: Enten. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich nicht – denn Enten haben es der Künstlerin angetan. Sie zeigt einige davon – in Öl auf Leinwand, wie alle jetzt in der 60. Ausstellung der Galerie im Kastenmeiers (und der zweiten in den neuen Räumen im Taschenbergpalais) gezeigten Werke.

Ralf SeifertRalf Seifert, der die Laudatio bei dieser Vernissage hielt, nennt die Entenserien sogar „legendär“. Der Laudator hatte sich auch die Mühe gemacht, die ausgestellten Werke zu zählen – er kam auf 37, obwohl doch die Ausstellung Melange 38 heißt. Zur Auflösung empfahl er, die Künstlerin zu befragen – was, soweit wir das beobachten konnten, keiner getan hat, weil auch die Betrachtung von 37 Werken aufschlussreich sein kann.

Die legendären beiden Entenserien sind ja keineswegs die einzigen surreal fotorealistischen Bilder, die man bestaunen kann. Aber schön, dass man endlich auch mal beim Querschnitt durch die Landschaft Brust und paddelnde Füße der Enten sieht, gleichzeitig zum Köpfchen, das auf diesen Portraits anders als im einschlägigen Liedgut in die Höh‘ zeigt. Je vier Bilder in den Maßen 24×30 cm machen übrigens eine Serie, jedes Bild kostet 1.000 Euro. Dann vielleicht doch lieber „Leda fehlt zum Siebten“ (120×40 cm, 3.000 €), was ein sehr feiner Titel ist. Mein lieber Schwan, was für ein Hals. Und wie im Entensong gefordert, unter Wasser! Ralf Seifert attestiert der Künstlerin: „Ihre dokumentarisch zu nennende Genauigkeit bei der Entwicklung spannender Kompositionen erzeugt bei den Betrachtenden den Eindruck des eröffnenden Lernsettings mit emotionalen Überraschungen und sich aufbauender Empathie.“

Mein persönlicher Liebling ist aber die Ziege, die nicht meckern kann, weil der Bildtitel laut Katalog „Heute schon gemäckert“ heißt (60×60 cm, 2.300 €). Der Laudator erkannte hier sehr feinsinnig eine „fast brachial-reine Landromantik“, unsereins erfreut sich schlicht an dem köstlich blöden Blick des Tiers, in das man sich minutenlang vergucken kann und sich nur deswegen losreißt, weil man Angst hat, es könne doch das eigene Spiegelbild sein.

Es ist aber keineswegs alles schöne Natur bei Beate Bilkenroth, die in Dresden geboren ist und hier nach ihrem Diplomabschluss mit Auszeichnung bei Walter Dahn (2003 an der HBK Braunschweig) auch wieder lebt und arbeitet. Zur Mélange gehört auch die triste Plattenbau-Architektur, gern im Abbruch (Reicker Sraße, 150×210 cm, 6.500 € oder Broken World, 120×180 cm, 6.650 €). Dann doch lieber träumen vom „Haus am See“? Geht: Öl auf Leinwand, 50×40 cm, 1.700 €)…

Mélange 38
Ausstellung von Beate Bilkenroth in der Galerie im Kastenmeiers vom 11. Juli bis 28. August 2019
Kastenmeiers – das Fischrestaurant im Taschenbergpalais
Taschenberg 3
01067 Dresden

Tel. +49 351 48484801
www.kastenmeiers.de

Die Künstlerin im Netz: https://b-bilkenroth.de/

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