Ein Abend mit Freunden – und dem Paten

Mafia Mia, Folge neun: der Pate und seiner Helfer treiben es spanisch…

Der Pate

Eigentlich hatten wir ja nie Zweifel. Also wegen diesem Ding mit den Klunkern aus dem Grünen Gewölbe, die da einfach frühmorgens gemopst wurden. Wenn der Pate in der Stadt ist, muss man doch mit allem rechnen! Aber dass die Mafiösen ihr Diebesgut – zwar nur kurz, aber immerhin – voll Stolz so offen präsentieren, das ist dann doch schon keck! Andererseits: so kennt man sie ja, die Geschäftspartner, Freunde und Familie des Paten, wenn sie alljährlich im Advent bis hinüber ins nächste Jahr Mafia Mia zelebrieren.

Schlicht und KümmerlingIm neunten Jahr treibt die Mafia-Gang nun schon ihr Spiel in Dresden, mit Bert Callenbach als – nun ja: – seriösem Geschäftspartner, mit seinem tollpatschig-untypischem Leibwächterduo Schlicht (Joachim Lippmann) und Kümmerling (Kai Neumayer) und mit den fetzigen Firebirds als Stammfamilie. Dazu kommen Tänzer*innen und Artisten, eine kleine Liebesgeschichte (ohne viel Liebe, aber das ist ja das Ding!) sowie das Menü im spanisch-sächsischen Stil – und zack: fertig ist die Dinnershow.

Mafia-Mia-DancersDas ganze ist angelegt als unterhaltsamer Abend, no brain needed. Die Mädels der Mafia-Mia Dancers schwingen die Hüften, beim inoffiziellen Wettbewerb um den schönsten Po geben sie alles (aber sie werden vom einzigen Tänzer der Truppe in Sachen Knackarsch und Hüftschwung auf die Ränge verwiesen). So haben dann alle was zu schau’n, no questions asked. Die Truppe tanzt flott und ansehnlich, und weil wir nicht bei einer Tanzsport-Weltmeisterschaft sind, muss ja auch nicht immer alles suuuuper-synchron laufen.

Reichtum durch HeiratNicht so genau hinsehen klingt böser als gemeint, denn das ist doch das Prinzip von Dinnershows. Da sind die Truppen vom Zahnarzt, vom Steuerberatungsbüro, die Kegelclubs und Nachbarschaftsklüngel. Und die wollen doch einfach nur ihren Spaß, den sie perfekt serviert bekommen. Dazu gehört natürlich, dass die Story, die dort erzählt wird, kaum der Rede wert ist: Der Pate möchte sich gerne das Osborne-Imperium einverleiben (das sind die mit dem schwarzen Stier als Logo und reichlich Genussvollem vom Wein bis zum Schwein). Der beste Weg, das wussten schon die Könige vergangener Zeiten, ist immer der über die Hochzeit – und da böten sich die beiden Osborne-Schwestern doch nachgeradezu an für Schlicht & Kümmerling. Der erste Anbandelversuch in Spanien ging schief, nun kommen die Schwestern nach Dresden… Und obwohl man ja meinen könnte, dass keine Traumfrauen ein perfect match zu keine Traummänner bilden, geht dann einiges ab, was genug Spielraum für Brot und Spiele liefert.

Live und in Farbe stehen von Anbeginn hausgebackene, kleine Brötchen bereit, dieses Mal nicht nur mit Entenschmalz und Röstzwiebeln sowie Oliventapenade, sondern auch eine leichte Aioli Creme (mit Runzelkartoffel & Tomaten-Paprikasalsa). Als Ohnmachtshappen eine schöne Einstimmung  und mit der ebenfalls schon eingedeckten Trüffel vom Ziegenfrischkäse in Mandel, Pistazie & Cranberry an Mojo picante & Crema de jamón sogar eine feine kleine Vorspeise.

Mafia Mia: das DinnerDie bislang beste (der von mir bei Mafia Mia geprobten) Suppe hatte netterweise eine Osborne-Zutat und wäre, wenn das nicht alle Logistik und Zeitpläne durcheinander gebracht hätte, einen Nachschlag wert gewesen: Mandelcremesüppchen mit Chorizo & OSBORNE Sherryschaum hatte Charakter! Zum Hauptgang gab es natürlich (jawohl: natürlich) so gar nichts Spanisches an sich, denn die Knusprige Barbarie-Entenkeule im Kräutermantel & Burgunderjus, dazu Apfel-Wein-Rotkohl & gefüllter Serviettenkloß ist so und nicht anders Tradition und ein Muss. Und (vor allem, wenn man bedenkt, dass es für so viele Gäste nahezu gleichzeitig serviert wird) von erstaunlicher Qualität, mit zartem Fleisch, reichlich ordentlicher Sauce und würzigem Rotkraut. Das Dessert ist dann wieder traditionell thematisch zum Motto des Abends passend. Es war angemessen übersichtlich (kein Scherz, sondern Ernst – nach Ente mit Rotkohl und Knödel gerade richtig!) und trotzdem abwechslungsreich:
Crema Catalana, Orangen-Mandelküchlein mariniert mit OSBORNE Sherry Golden Medium & Turrón-Eis de alicante mit Rosmarin. Wer nichts mehr kann, soll mir das Eis aufbewahren!

Dreier1

Soweit die Abteilung Brot. Nun die Spiele! Das Trio Olé sind drei (nicht wirklich überraschend…) ausgebildete Gitarristen, die gerne Quatsch machen. Bemerkenswert neben Gitarrenspiel und Gesang: die Zunge des einen Herrn. Er weiß darum und zeigt sie, zur Freude juchzender und kreischender Damen, mehrfach. Ein wenig Jonglage ist auch dabei, sehr erheiternd dies alles, die Presse zwischen Australien und Kanada ist begeistert. Die Gäste von Mafia Mia waren es auch. Ein Grund ist vielleicht, das die Herren selbstverständlich live singen und spielen, was ja in Tagen von Vollplayback nicht immer selbstverständlich ist.

Iryna Bondarenko war mit Jonglage & Tanz die erste artistische Einzelkünstlerin des Abends. Eine Puppe, die auf Spitzen jongliert – was leicht aussieht und ungeheuer schwer ist, weil doch jegliches Balance-Mogeln entfällt. 2003 beim „International Circus Festival“ in Monte Carlo gewann sie eine Bronze Medaille, bei Mafia Mia die Herzen der Zuschauer*innen. Und das waren mehr als nur eins!

Dass sich Frauen gerne mal umziehen, um ihrer Schönheit neue Akzente zu geben, ist kein Geheimnis. Dass sie es aber so oft und so schnell tun, dass man kaum Zeit hat, richtig hinzusehen – das ist dann sicherlich so ein Quick-Change-Show-Act. Die Babsie Dolls, die natürlich nicht zufällig so haarscharf anders heißen als sie aussehen, kümmern sich sogar um den armen Ken, der glücklicherweise nicht Fleisch geworden ist, weil sie ihn in der Mitte zerreißen. Der Blick von oben ins Unterteil scheint enttäuschend zu sein, woran man sieht, dass eine schöne Hülle auch nicht immer alles ist.

Dreier2

Schöne zierliche Frauen, schöner muskulöser Mann: passt doch alles irgendwie. Mikhail Stepanov ist ein nahezu romantisch-ästhetischer Luftartist, der die Schwerkraft schon beinahe sinnlich außer Kraft setzt. Später sieht man ihn am Boden in einem Stahlring, in dem er kunstvoll fliegt und beinahe den Boden küsst. Einziger Ablenkungspunkt: die sehr mutige Frisur. Aber da hat man wenigstens was zu bereden, wenn man sich mit Strapaten, Vertikalseil, Aerial-Acts und dem „Roue Cyr Wheel“ nicht wirklich gut auskennt. Antonio Vargas Montiel ist ein Handstand Equilibrist, der mit Anstand beim Handstand auf einem Stuhl alles gibt, was elegant und kraftvoll aussieht.

Und zwischendurch immer wieder live-Musik. Georgina Peach ist die Vollblutsängerin, die eine geballte Ladung Rock’n’Roll und Soul zur Show beisteuert. Und die Firebirds – ach, die sind einfach hinreißend. A-cappella-Passagen, Rock-Klassiker, eine gehörige Portion Flirt-und-Schmeichel mit dem Publikum (auch in den Pausen!) und jede Menge Können, die die ganze Show so unendlich schön leicht aussehen lässt. Wie schön, dass die Jungs in all den Jahren nicht älter geworden sind! Das macht (jedes Jahr wieder) Spaß – und wenn die Show dann irgendwann kurz vor Mitternacht vorbei ist, könnte einem glatt der Gedanke kommen: da gehste nächstes Jahr wieder hin. Vielleicht lassen die DVB ihre letzte Bahn von der Messe Richtung Postplatz dann auch nach dem sehr exakten Showende abfahren…

MafiaMia Firebirds

Mafia Mia – Viva España läuft noch bis zum 12. Januar 2020 (genaue Daten und verfügbare Termine) ; Beginn 19.30 Uhr
Dinner-Theater im Ostra-Dome
Zur Messe 9 A
01067 DRESDEN

www.mafia-mia.de

Karten je nach Kategorie und Wochentag ab 58,50 € (inklusive Show, Menü und Tanz nach der Show).

[Zu Gast am 30. November 2019 – auf Einladung mit Pressekarte.]

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