Mehr Restaurants zu Hause

Essen zum Mitnehmen –dieses Mal Raskolnikoff, Goldener Hahn, Altmockritzer Bauernstube sowie Sushi & Wein

Mehr Restaurants @home

Meistens kochen wir ja selber, wenn wir nicht gerade irgendwo essen gehen. Unser geheimes Corona-Tagebuch verzeichnet also folgerichtig zwischen Auberginen-Zucchini-Möhren-Curry mit schwarzen Linsen und Zickleinkeule mit lecker Soße, Ratatouille und Rosmarinkartoffeln auch ab und an Abgeholtes. Unsere Erfahrungen mit Schmidt’s Restaurant, Gräfe’s Wein & fein, Raskolnikoff und WeinKulturBar waren ja menschlich (distanzvolle und nette Gespräche beim Abholen) wie geschmacklich gut – also haben wir weiter gemacht und uns in Finsterwalde, Altmockritz und Dresden-Mitte die unterschiedlichsten Aspekte der Gastro Essen zum Mitnehmen (oder Bringen lassen) angesehen.

Boef BourgignonZuerst aber einmal ein versprochener Nachtrag! Im Raskolnikoff hatten wir ja zusätzlich zu Käse und Pelmeni ein Glas mit eingewecktem Boeuf Bourgignon (950 ml 18 €) in den Kühlschrank gestellt. Das wurde mittlerweile auch geöffnet – und unsere größte Angst, dass da zu wenig Sauce drin sein könnte, erwies sich als total unberechtigt: reichlich gab’s davon, und sie schmeckte sogar besser als die früher mal selbst gemachte. Wir hatten den vorgefertigten Boef-Anteil um Möhren und Kartoffeln ergänzt und (wie geahnt) ein ordentliches Essen für zwei mit kleinem Rest. So wie es aussieht, wird es das Boeuf Bourgignon (bzw. ähnliche, auch eingeweckte Speisen) auch nach der Wiedereröffnung der Gastronomie im Raskolnikoff (die sich derzeit auf den Garten beschränkt) zum Mitnehmen geben.

Goldener Hahn, Finsterwalde

Goldener HahnAls Sachsen gerade seine „Du-darfst-nur-15-Kilometer-ums-Haus-raus“-Regel aufgehoben hatte, bekamen wir Fernweh. Was liegt da also näher, als nach Finsterwalde zu fahren? Die Menschen von Finsterwalde „leb’n und sterben für den Gesang“ – wenn man dem Gassenhauer aus dem Jahr 1899 Glauben schenken darf. Wir denken bei Finsterwalde natürlich an den Goldenen Hahn und die „Neue Lausitzer Küche“ von Frank Schreiber! Weil wir uns gerne an die Besuche beim Brandenburger Meisterkoch des Jahres 2006 erinnern! Statt Fine Dining im Restaurant gab’s dort werktäglich von 12 bis 18 Uhr Essen zum Abholen (4-12 €) – am Freitag und Samstag sogar zusätzlich ein Drei-Gang-Menü (36 €) – verzehrfertig oder zum Aufwärmen zu Hause.

Frank Schreiber bleibt sich auch beim Mitnehm-Essen treu: es ist in den Verpackungen sauber voneinander getrennt angerichtet, Flüssiges kommt auf jeden Fall separat. Das produziert zwar unverhältnismäßig viel Müll, aber dafür matscht auch nichts! Die Kalte Sallgaster Spargelsuppe mit Räucherfisch-Tatar, mariniertem Spargel und Schnittlauch war eine perfekte Vichyssoise, kräftig die Suppe und pikant das Tatar. Ein auf den Punkt gegarter Lammrücken thronte über der kräftigen Beuscherl-Sauce, neben Bohnengemüse und Rosmarin-Kartoffeln sorgte Portulak frisch aus dem eigenen Kräutergarten nicht nur für farbliche Akzente. Das Dessert war in seiner Leichtigkeit ein Ausblick auf den nahenden Sommer, mit einer luftigen Waldmeister-Mousse, erfreulich geschmackvollen Erdbeeren in Gelee und einer „Scharfes Gelb“ genannten Eierlikör-Creme. Für 36 Euro ein großartiges Vergnügen, das – zu Hause gegessen – sogar noch literarisch angereichert werden konnte: Iris Schreiber, die uns sonst Wein und Essen kenntnisreich serviert, trug via Instagram und facebook ein tägliches literarisches Betthupferl vor. Mittlerweile sind wir da bei der Nummer 50 – da könnte man lange essen und trinken…

Altmockritzer Bauernstube, Dresden

Altmockritzer BauernstubeSchon der literarische Simmel (in Dresden fällt den meisten bei der Namensnennung ja nur ein gut sortierter Markt ein…) wusste: es muss nicht immer Kaviar sein! Also dachten wir eines kühlen Freitags: jetzt so ’ne Haxe mit Sauerkraut! Also eigentlich dachten wir uns das schon die ganze Woche, denn die Bauernstube ist für uns brutalst lokal, etwa 250 Meter Fußweg – und so kommen wir fast täglich dran vorbei und können lesen, was gerade so geht. Seit der Schließzeit gab es mittags Essen zum Abholen. Täglich zwei Gerichte, am Vortag zu bestellen und dann nach Absprache abzuholen.

Haxe mit Sauerkraut gehört zu den Dingen, die wir uns zu Hause nie machen – also wär das doch mal was! Bestellung und Abholung klappten vorzüglich, die Haxe war mit Kloß und Sauerkraut prima in einer Assiette eingepackt, der kleine gemischte Salat separat in einem Näppel (Haxe, Klöße, Sauerkraut und Salat für 11,50 €). Die Portion: reichlich – wir haben zu zweit davon probiert! Was die Haxe nicht hatte: eine krosse Schwarte. Stand aber auch nirgendwo Grillhaxe, das hatten wir uns nur so geträumt. Diese war gepökelt – in der Gaststätte ein Grund für ein schnelles zweites Pils! Wir fühlten uns also fast wie bei unseren gelegentlichen Besuchen beim Nachbarn (und so, wie vor zehn Jahren beschrieben – gilt alles noch!)

Sushi & Wein, Dresden

Sushi & WeinWolle Försters Sushi & Wein gehört – mittlerweile zweimal in Dresden und einmal in Radebeul – zu den Sushi-Klassikern. Lieferservice kann Wolle natürlich auch – ab 30 Euro liefert er kostenfrei im Stadtgebiet Dresden, Radebeul und Freital. Kontaktlose Bezahlung sollte möglich sein, sagt die Werbung – das scheint aber in der Praxis nicht immer zu funktionieren, wie ich beim telefonischen Bestellen schon einem im Hintergrund geführten Gespräch entnahm und dann bei der eigenen Lieferung auch feststellen musste. Also zahlten wir, gut vorgewarnt, bar (Sushi für 2 und einmal Tempura 52,30 €)

Davon abgesehen lief alles bestens: die Sushi kamen im angekündigten Zeitfenster und waren frisch und lecker wie immer. Wir waren zu dritt und hatten gerade mit Katharina Prüm zusammen drei Flaschen 2016 Spätlese probiert – Zeltinger Sonnenuhr, Graacher Himmelreich und Wehlener Sonnenuhr. Während des Tastings fiel dann irgendwann der Satz, dass man die Weine natürlich auch bestens zum Essen genießen könnte – erstaunlicherweise zum Wild, aber natürlich auch zu asiatisch gewürztem. Wir können das bestätigen!

Infos

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Meine Restaurants zu HauseMeine Restaurants zu Hause Seit die Restaurants alle schließen mussten, werden immer mehr Gastgeber zu Versorgern zu Hause. Ob als Lieferservice oder im Laden (bzw. am Fenster oder der […]
  • Lieber Top-Qualität als Geiz-ist-Geil-MentalitätLieber Top-Qualität als Geiz-ist-Geil-Mentalität Man soll ja die Feste feiern, wie sie sich ergeben – aber wem sag ich das? Wolle Förster auf keinen Fall, denn der weiß derlei Dinge ja aufs Allerfeinste zu […]
  • Wo der Kaitzbach rauscht…Wo der Kaitzbach rauscht… Dorfkneipen haben es nicht leicht mit ihrem Image. Die Karten gleichen sich oft von der Sülze bis zum Schnitzel. Und wenn drinnen auch noch Skat spielende […]
  • Die erste Flatrate, die gefälltDie erste Flatrate, die gefällt Ich bin ja bekanntlich Gegner jeglicher Flatrate im Essens- oder Trinkbereich - weil da meistens schon beim Ansehen des Preises klar ist, wie der Abend endet: […]
  • Frisches in WohlfühlumgebungFrisches in Wohlfühlumgebung Wenn es um Sushi geht, scheiden sich die Geister: Fisch in anderer Form als Stäbchen? Und dann auch noch roh? Or nö! Der Neinsagerfraktion gegenüber stehen die […]
  • Geschmackvolle CollagenGeschmackvolle Collagen Zehn Gänge, natürlich von der Menge abgestimmt, sollten das Warten aufs neue Jahr verkürzen helfen. Doch das kam dann doch schneller als erwartet: Zwischen […]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*