Gaisburger Marsch auf der Böhmischen

Kochsternstunden 2020: Gaisburger Marsch im Raskolnikoff

KSS RAS Gaisburger Marsch

Gaisburger Marsch: ein seltsamer Name für ein Essen! Aber genau den (und nur den) gibt’s seit gestern und noch bis zum 30. Juni im Raskolnikoff, genauer gesagt: im Straßenverkauf am Fenster des Szene-Restaurants. Das erinnert an die Zeit, in der während der Corona-Pandemie das Restaurant in der Dresdner Neustadt zwangsweise geschlossen hatte und über das Küchenfenster Mitnehmessen anbot. Sehr bewusst vom Raskolnikoff-Inhaber Ralf Hiener geplant für die Zeit nach dem Kochsternstunden-Spezial, geriet er jetzt in den Start der Verlängerung. „Auch gut!“, kommentierte er und stand mit seiner Frau Freundin Petra und unserer Lieblingsbedienung Sandra auf der Straße, um zu sehen, was da geht.

Die Idee war nämlich, dass die Legende zur Entstehung der Bezeichnung dieses schwäbischen Eintopfs Wirklichkeit wird. Die Legende geht so: Anfang vergangenen Jahrhunderts marschierten regelmäßig Offiziersanwärter einer Kaserne in Stuttgart Ins nahe gelegene Gaisburg, um dort zu essen. Ob das dörfliche Gasthaus ihr Ziel war, weil es dort so lecker Essen gab oder weil die jungen Herren dort weitere Annehmlichkeiten vermuteten, ist nicht überliefert. Fest steht lediglich, dass die Spezialität des Hauses ein Eintopf war – eben jener, den man heutzutage Gaisburger Marsch nennt und der nach wie vor zum Standardrepertoire schwäbischer Köche (m/w/d) gehört.

Schöne Geschichte, oder? Leider ist sie falsch, auch wenn ich sie so wie eben beschrieben für einen Text im kleinen Kochbuch „Die deutsche Regionalküche – beliebte Rezepte Deutschlands“ recherchiert hatte, das ich 1990 zum 3. Oktober herausgebracht hatte (ein Kochbuch übrigens, das man nicht kaufen kann, sondern geschenkt bekommt). Was mich entschuldigt: der Journalist Patrik Stäbler hat seine Version der Wahrheit erst in seinem 2013 erschienenen Buch „Speisende soll man nicht aufhalten“ notiert. Demnach ist die Geschichte eine Erfindung des Mundartdichters Thaddäus Troll, der sie erst 1972 niederschrieb.

Das alles ist aber kein Grund, in der Böhmischen Straße Gaisburger Marsch am Fenster direkt beim Koch zu bestellen. Und wenn’s dazu noch eine ganze kleine Flasche Käpsele gibt, ist das schon fast ein schwäbischer Hochfeiertag. Wobei auch das Bier aus Stuttgart Anlass für Gespräche gibt, wo es nicht schlecht ist, jemand dabei zu haben, der sich auskennt: „du bisch jo a Käpsele“ sagt man alternativ zum Bier zu jemandem, der ganz schön clever ist (Quelle).

Der Eintopf schmeckt! Kartoffeln und Spätzle gehören übrigens zwingend rein, ebenso wie Rinderbrust. Dann noch Gemüse – dies und das, von allem was. Unsere Portion (12 € mit 0,25 l Käpsele und Nachschlag-Option bei der Suppe) hatte Steinpilze in unschwäbisch üppiger Menge, aber das kann sich ändern – je nach Marktlage und Lust des Koches. Obwohl es so klingt, ist es nicht so, dass die Suppe schwer winterlich ist – sie war erfreulich leicht (das kommt vom sauberen Entfetten) und kräftig (das kommt von der richtigen Machart).

Raskolnikoff 
Böhmische Straße 34
01099 Dresden

Tel. +49 351 / 8045706
www.raskolnikoff.de

Kochsternstunden-Spezial:
Gaisburger Marsch und eine Flasche Käpsele
täglich bis zum 30. Juni, 17 –20 Uhr am Fenster der Küche

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Hinweis:

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