Wenn der Wein perfekt zum Essen passt

Gräfes Wein & fein jetzt am Wochenende auch mit kleiner Abendkarte

Gräfes Wein & fein

Selten liest man in diesen Tagen von einer Restaurant-Neueröffnung. Aber offensichtlich kann sich in diesen (nicht nur für die Gastronomie) ungewöhnlichen Zeiten auch Neues auftun. Matthias Gräfe hat, getrieben durch die stetigen Veränderungen während der Corona-Pandemie, einen Schritt nach vorn gemacht und ist mit Gräfes Wein & fein nun zusätzlich zum Ladengeschäft wieder Gastronom. Dienstags bis samstags gibt es eine wöchentlich aktualisierte Tageskarte – und am Wochenende zusätzlich abends ein Drei-Gang-Menü. Natürlich mit Weinempfehlung, denn wir wissen ja von früheren Besuchen, dass kaum einer so gut Wein zum Essen kann wie Matthias Gräfe.

So ein bisschen Gastro gab’s ja schon länger im Wein & fein: seit 2013 konnte man sich Jahr für Jahr während der Kochsternstunden und bei Themenabenden zuerst nur wundern und dann immer wieder gerne überraschen lassen. Was bei allen Unterschieden diesen Abenden gemein war, waren drei Dinge: es gab in der Regel unkompliziertes Essen, das weit weg vom ChiChi und nah – sehr nah – dran war an guten Komponenten. Dazu kamen meistens überraschende Weine – überraschend, weil teils unbekannt und teils von der Kategorie „hätte ich nicht gedacht, dass der passt“. Und immer, aber wirklich immer, bestimmte rundum eine lockere Atmosphäre den Abend, mit viel Palaver und noch mehr Lachen.

Aber das waren ja auch Abende an der langen Tafel! Jetzt ist, nicht nur wegen Corona, der kleine Tisch das Thema. Zu zweit, zu viert, zu sechst. Und nicht alle gemeinsam, sondern so wie sie kommen. Ganz normaler Restaurantbetrieb also – oder? Nicht ganz, denn im Prinzip schwingt der Dreiklang immer noch, obwohl sich doch einiges getan hat. Neugierig probierten wir gleich am ersten Wochenende das Drei-Gänge-Menü (36 €) und nahmen selbstredend die empfohlene Weinbegleitung (15 €) dazu. Naja, plus den Apero, weil man ja nicht alle Tage einen Kerner Sekt Extra Brut aus Sachsen bekommt (2015 Radebeuler Steinrücken von Ulf Grosse, 7,50 €).

Zum Apero gab’s, schon zum Menü gehörend, Brot & Salzbutter. Eine kleine Geste nur, aber wo immer es die gibt: toll! Denn nichts geht über einen Ohnmachtshappen, der das Warten auf den ersten Gang ausfüllt. Und wenn’s dann noch schmeckt – umso besser. Und wenn dann auch angemessen zügig der Wein zum ersten Gang plus eben dieser kommen, dann geht’s gut los! Eine kalte Kartoffelsuppe in Sachsen zu servieren, scheint auf den ersten Blick eine Herausforderung. Kartoffelsuppe! Die muss doch… – nein, muss sie nicht. Kein Gemüse muss müssen, Fisch und Fleisch übrigens auch nicht. Bei einer Vichyssoise gehen Kartoffeln, Lauch und Sahne eine innige Verbindung ein, Schnittlauch obendrauf setzt farbliche Akzente – und in dieser Version fand sich beim ersten Löffeln noch reichlich gebeizter Lachs. Ein feines Süppchen, könnte es viel öfter geben im Sommer! Wie übrigens auch den Wein dazu – einen, den es nur im Wein & fein gibt. Matthias Gräfe liebt es, mit Winzern zusammen Weine zu kreieren, die seinem Geschmack entsprechen. Der 2017er Cook‘n Roll von Martin Tesch aus Langenlonsheim an der Nahe ist ein Pinot Blanc. Also ein Außenseiter, denn Tesch macht am liebsten Riesling. Der Cook‘n Roll ist ein Wein, mit dem man sich ein wenig auseinandersetzen muss, nix für den leichtsinnigen Spaß. Zur Vichyssoise passte er erstaunlich gut (und das, obwohl ich ja bei Suppe & Wein prinzipiell eher der Trennköstler bin, also erst die eine und dann den anderen genieße).

Coq au Vin Blanc ist eine Variante des Klassikers, der Hahn und (in der Regel: Rot-)Wein aufs Trefflichste geschmacklich verbindet. In der Radebeuler Variante mit Weißwein gemacht – so kenne (und mag) ich das aus dem Elsass. Das Hähnchen erwies sich als ebenso zart wie nicht trocken – Wein sei Dank. Die Pfifferlinge obendrauf gehören auch nicht zum klassischen Setting, passten aber bestens. Ebenso wie der Gutedel aus dem Markgräflerland, der sich ein wenig schweizerisch gab und als 2016er Chasselas vom Weingut Büchin an den Tisch kam. Cremig und mit dezenter Säure und erstaunlich frisch. Irgendwie kein Wunder, dass genau dieser Chasselas beim Gutedel-Cup 2019 sich gut platzieren konnte!

Zum Dessert hatte Gräfe noch einen Wein eines Winzerfreundes (darf man das so schreiben, ohne dass es kitschig oder albern klingt?) aus dem Lager geholt: 2013 Kreuzkapelle Riesling Spätlese von Hiestand aus Rheinhessen. Wie erwartet mit Restsüße, aber die brauchte es doch auch zum Dessert (Zitronencreme, Mürbteig & Beeren). Wenn es stimmt, dass der erste Eindruck der wichtigste und der letzte Eindruck der nachhaltigste ist: beim Schreiben läuft das Wasser schon wieder im Munde zusammen…

Gräfes Wein & Fein
Hauptstraße 19
01445 Radebeul

Tel. 0351 / 8365540
www.graefes-weinundfein.de

Öffnungszeiten
Di–Mi–Do 11–19 Uhr (Mittagskarte 11–14 Uhr)
Fr&Sa 11–22 Uhr (Mittagskarte 11–14 Uhr, Abendkarte ab 18 Uhr)

[Besucht am 25. Juli 2020 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
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