Geschichten für Zwischendurch

Günther Weber: Zopfbrot mit Blaulicht, Zwischen Alb und Afrika – Backgeschichten vom Lorettohof

Günther Weber ist Bäcker auf dem Lorettohof Zwiefalten. Der „liegt am Südrand der Schwäbischen Alb. Mit dem Finger auf der Landkarte finden Sie uns, wenn Sie der Donau entlang suchen, ziemlich genau in der Mitte zwischen Ulm und Sigmaringen, 12 km nördlich von Riedlingen“, steht auf der Webseite. Er bäckt traditionell im Holzofen – und legt im Winter eine Pause ein (Öffnungszeiten sind von April bis Weihnachten, die beiden Hofläden – Bäckerei und Ziegenhof – sowie die  Gartenwirtschaft sind jeden Freitag, Samstag, Sonntag und an allen Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet). Und was macht der Bäcker im Winter? Zum Beispiel schreiben! Zopfbrot mit Blaulicht heißt das Bändchen mit Kurzgeschichten, das jetzt in der Kleinen literarischen Genussbibliothek vom Hädecke-Verlag erschienen ist.

Der Untertitel klingt widersprüchlich, denn Zwischen Alb und Afrika – Backgeschichten vom Lorettohof verordnen die Bäckerei zumindest sprachlich nicht nur auf der schwäbischen Alb. Dann liest man und merkt: das ist ja gar kein Widerspruch! Denn Weber erzählt nicht nur Geschichten seines persönlichen Werdegangs, der im Betrieb seines Vaters begann, sondern auch solche von unterwegs. Da lernt man, alles in kleine Häppchen verpackt, im ersten Teil viel über Familie und Philosophie sowie später dann ahnt man bei den Erzählungen aus Kairo, Äthiopien, Zaire oder Nicaragua, wie viele Einflüsse diesen Mann geprägt haben.

Es gibt ja schon ein Buch von und über Günther Weber (Gut Brot will Weile haben, hier besprochen). Das hat aber (zumindest in weiten Teilen) nicht er selbst geschrieben. Nun merkt man: der Mann kann nicht nur gut backen, er ist auch ein unterhaltsamer Schreiber! Anders als bei seinen Broten, die immer viel Zeit brauchen, sind die Geschichten was für Zwischendurch. Oder für den Platz neben dem Bett, um kurz vor dem Einschlafen noch ein Häppchen zum Unterhalten und mehr als einmal auch zum Nachdenken zu sich zu nehmen.

Rezepte gibt’s (natürlich) auch. Die elf Rezepte folgen jeweils Geschichten, zu denen sie passen, wie das der Brezeln, die Günther Weber inManagua gebacken hat. Eine Improvisation des traditionellen Familienrezepts – und erstmals in diesem kleinen Band veröffentlicht. Wer sich das Büchlein deswegen kauft und nachschlagen möchte: ein Register gibt’s leider nicht, obwohl das gar nicht so mühsam gewesen wäre. Auf Seite 60, um das mal zu verraten, beginnt die Rezeptbeschreibung… Ich habe mir, weil des Suchens überdrüssig, eine kleine Tabelle geschrieben – siehe Bild… Und wer jetzt sagt: Wie, nur elf Rezepte? – der bekommt zur Antwort: am meisten lernt man (außer beim selber Machen) eh, wenn man die Texte dazwischen liest. Denn da bekommt man das gewisse Gespür mit!

Wenn ich schon beim Brot und den anderen Gebäcken bin: Illustriert hat das Buch Rainer Weber, einer seiner Brüder. Skizzenhaft hat er während zweier Nächte in der Backstube das Geschehen festgehalten, und so halten die Bilder vom Kneten des Brotteigs bis zum Feierabend die Geschichten sehr hübsch zusammen.

Zopfbrot mit Blaulicht
Zwischen Alb und Afrika – Backgeschichten vom Lorettohof
Texte und Rezepte: Günther Weber, Illustrationen: Rainer Weber
Hädecke Verlag, ISBN 978-3-7750-0803-7
120 Seiten, mit vielen Illustrationen, 12,5 × 19 cm, 2-farbig gedruckt, edles Leinen-Flexcover mit Lesebändchen

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