Weincaching in Sasbachwalden: Finde den Wein!

Weincaching mit Eugen Oberle und Weine der Sasbachwaldener Winzer vom Alde Gott

Saschwalle

Wer sich nicht auskennt, liest Saschwallf, aber natürlich ist da nur Gras über den unteren Zinken gewachsen und es steht da in Wirklichkeit hollywoodgleich #saschwalle im Weinberg – was lokal für den offiziellen Ortsnamen Sasbachwalden ist. Da sind wir also, genauer am Naturhotel Holzwurm. Vor dem wartet Eugen Oberle und zückt, als er der kleinen angekündigten Journalistengruppe ansichtig wird, gleich einmal die bereit stehende Flasche Riesling Brut Sekt. Der Sekt – traditionelle Flaschengärung und – mit Verlaub: leggor! – gehört zum Begrüßungszeremoniell der von ihm erfundenen Spezialität: Weincaching. Das ist wie Geocaching, nur mit angenehmeren Zwischenstopps. Es gilt, schöne Blicke, merkenswerte Informationen und fünf Mal Wein zu finden.

Wanderung mit Weinprobe

Eugen Oberle mit neuem WeinversteckDie Idee zum Weinkäsche, wie das in der lokalen Sprachfärbung ausgesprochen wird, hatte Eugen Oberle ursprünglich nur für die Hausgäste des Holzwurms entwickelt. Der Wein war in kleinen Rohren versteckt und die Hausgäste konnten sich einen halben Tag lang wandernd und weinend (sagt man das so?) bestens amüsieren. „Das kam so gut an, dass wir es auch für Gruppen öffneten“ – der Wein liegt nun in Tresoren, den Schlüssel bekommt man beim Loswandern. Die dritte Weinversteckgeneration steht kurz bevor: große Rohre, die sechs Flaschen fassen – da können auch größere Gruppen loswandern und fündig werden. „Pro Person gibt’s 0,5 Liter Wein plus den Secco oder Sekt am Anfang!“ verrät Oberle.

Zur Grundausstattung der Weincacher gehört ein Hängebeutel mit Glas, denn wer mag schon Wein (und das ebenfalls mit versteckte Wasser) aus der Flasche trinken? Vor allem in Zeiten wie diesen! Fünf Stationen gibt es auf der Wanderung, so dass unterwegs eine nette Weinprobe zusammen kommt. Vier Routen gibt es durch die Weinberge, eine davon sogar etwas anstrengender über die Wasserfälle. Es gibt ernüchterndere Wandervorschläge…

In einem GPS-Gerät sind die Wegepunkte der Tour fest programmiert, auf einem Laufzettel gibt’s dazu die passenden Informationen. Die sind meist kurz gehalten, weil auf den Wegen zahlreiche Info-Tafeln auch den unorganisierten (!) Wanderern Auskunft geben. Der Wein- und Naturlehrpfad Sasbachwalden, ursprünglich schon 1995 von der Alde Gott Winzergenossenschaft und der Gemeinde Sasbachwalden eingerichtet, erhielt 2017 von den Jungwinzern der Genossenschaft, die sich nicht ganz unbegründet CreatiWi nennen, ein facelifting. DIe Erklärungen gibt’s auch auf den Seiten der Genossenschaft, den Weg zu den Tafeln als GPS.

Im Weinberg

Wegepunkte mit und ohne

Sasbachwalden25 Wegpunkte verzeichnet der Laufzettel, von denen schon deswegen hier nicht alle verraten werden, weil wir nur eine abgekürzte Version des Weges gelaufen sind (the famous journalist cut…). Außerdem wäre es ja auch gemein, die spannende Frage lechts oder rings hier vorab durch Veröffentlichung des GPS-Tracks zu entschärfen. Aber Punkt eins sei nun folgend einmal abgeschrieben, damit man weiß, wie der Hase läuft: „Wegpunkt 1. Welche Gesangskünstler*in bietet hier ein Solo? Übrigens: Im Kurhaus gibt es öffentliche WC…“ Da ahnt man doch: es wird eine Konzertmuschel sein! So ist es, und selbst unsere kleine Schar hatte drei Sänger, von denen zwei ein Solo boten, wenn man das nach nur einem Glas Sekt so schreiben darf. Der Dritte im Bunde echote das Badnerlied, das laut Wikipedia seinen Ursprung übrigens in der Variante 3 des Sachsenlieds haben soll, aus dem pp Publikum heraus. Sehr erhaben!

Die meisten der 25 Wegpunkte dienen also dem allgemeinen Vergnügen wie der Weiterbildung. Punkt 3 lobpreist die Jugendlichen aus 15 Gemeinden, die einen internationalen Weinberg angelegt haben, vom Wegepunkt 4 hat man einen schönen Blick aufs Dorf. Klingt einfach, ist aber wirklich schön!

WeincachingUnd was ist mit Wein? Den gibt’s natürlich auch, aus strategisch durchdachten Gründen den ersten sogar recht schnell. Versteckt in einem Tresor (nicht vergessen, sich mit dem Schlüsselmenschen gut zu stellen – der darf nie verloren gehen!) und praktischerweise mit Schraubverschluss versehen, probierten wir einen Rivaner & Riesling. Rivaner, die Studierten unter uns wissen das, ist Müller-Thurgau. Der Züchter Hermann Müller aus Thurgau dachte ja lange, er habe Riesling und Silvaner miteinander vermählt, weswegen Rivaner nicht ganz dumm als Bezeichnung wäre. In Wirklichkeit aber ist’s Riesling als Muddi und Madeleine Royale als Papa (wobei die königliche Madeleine als Eltern Pinot und Trollinger in sich trägt). Da kann man also lange fachsimpeln oder es auch sein lassen und die Mineralität mit den Fruchtaromen des Müllers in sich wirken lassen. Und dann: Wasser nicht vergessen, leere Flaschen zurück legen, Tresor abschließen und weiter wandern!

Wir probierten dann noch – bei Punkt 8 in einem Winzerhäuschen versteckt und gefunden – einen spritzigen Sauvignon Blanc und verließen dann den Pfad der vinophilen Geocacher, um uns anderen Vergnügungen hinzugeben. Aber nicht ohne den eigentlich erst für Punkt 17 versprochenen Blick aufs Straßburger Münster zu genießen (freilich ohne den Riesling von Wegepunkt 17…).

Blick bis zum Straßburger Münster

SasbachwaldenWanderungen durch Weinberge leben ja eigentlich von den Blicken. Den nahe liegenden: Trauben gucken. Blätter sehen. Rebsorten raten. Oder wissen. Oder mogeln, manchmal steht’s ja direkt daneben auf einem Erklärschild. Und immer wieder schweift der Blick in die Ferne. „Landschaft ist auch da“ sang Nina Hagen mal, hier möchte man ergänzen: aber hallo, reichlich! Die nicht ganz so weite Ferne zeichnet sich – wie auch sonst? – durch die geschwungene Landschaft mit ihren Reben aus. Manchmal sieht man das Dorf, manchmal lugt nur ein Dach hervor. Und dann gibt’s natürlich noch die wirkliche Weite, bei der sich oft im Dunst oder im Nebel die Konturen vermischen. Die Einheimischen aber kennen sich aus, zeigen zielsicher mit dem Zeigefinger in eine Richtung und sagen: Da! Das Straßburger Münster! Meist braucht es einige Phantasie, um inmitten des Weiß den schwarzen Punkt als Turm zu identifizieren. Aber manchmal ist es auch nicht so schwer… (Statt eines Zeigefingers haben wir hier, wenn man mit der Maus übers Bild unten fährt, den Turm eingekreiselt und zusätzlich Münster! dran geschrieben.)

Der alde Gott lebt noch!
Alde Gott Bildstöckchen – © Tourist Information Sasbachwalden

Der Alde Gott ist in Sasbachwalden ja nicht zuletzt wegen der Genossenschaft und damit der Weine im Glas (oder der Flasche…)  allgegenwärtig. Aber was hat es mit dem alten Gott auf sich? Näheres verrät, wie so oft im Leben, eine Sage. Sie spielt nach den Wirren und Leiden des 30jährigen Kriegs, also vor rund 370 Jahren. Damals war „ein junger Mann auf der Suche nach anderen Menschen und nach einer Lebensgefährtin. Auf einem Hügel traf er dann endlich ein junges Mädchen –  und weil er selbst es kaum glauben konnte, wieder in menschliche Gesellschaft gelangt zu sein, schien er sein Gottvertrauen wieder erlangt zu haben und rief: Der Alde Gott lebt noch!

Donnerlüttchen, mag man sich da denken, was für ein Spruch angesichts eines Menschen und, wie der Zufall es will, obendrein einer Frau im heiratsfähigen Alter. Die Sage geht nämlich weiter, und alle Quellen schreiben so oder ähnlich merkwürdig: „Die beiden schienen Gefallen aneinander zu finden und kamen überein zu heiraten. Sie ließen sich in der Gegend nieder und gründeten eine Familie.“ Ja hoi! Da findet Adam also seine Eva, murmelt irgendwas vom alde Gott und Eva schmollt nicht, sondern scheint Gefallen zu finden. Großartig. Aber was hätte sie auch tun sollen, die Auswahl war ja offensichtlich nicht so üppig…

Wie auch immer, die Familiengründung ging mit Pflege der Weinberge (Weinbau ist in Sasbachwalden durch die Verleihung der Weingerechtigkeit im Jahre 1601 nachgewiesen) einher, alles lief bestens. Und viele Jahre später wurde an der Stelle, wo sich die beiden trafen, der Bildstock errichtet.

Markus Heider hat die Geschichte eines Bildstocks sogar vertont und 2018 beim Kompositionswettbewerb des Volksmusikerbundes NRW mit „Der Alde Gott“ den 3. Preis gewonnen. Den Live-Mitschnitt der Uraufführung durch das Nordbayrische Spielleuteorchester unter der Leitung von Christoph Ahlemeyer am 27.10.2018 kann man sich anhören auf der Verlagsseite des Komponisten (dabei am besten diesen Abschnitt noch einmal lesen…).

Weinprobe in der Winzergenossenschaft

Alde GottDie Winzergenossenschaft des Alde Gott liegt (je nach Fahrtrichtung, natürlich) am Ortseingang oder eben am Ausgang von Sasbachwalden. Ein Zweckbau einerseits, aber zur Straße hin gibt man sich mit Fachwerk und Blumen schwarzwaldtypisch. Weil wir als Gruppe ja den vorgesehenen Weg des Weincaching verlassen hatten, dürstete uns arg – aber der alde Gott, er lebt ja noch und hatte ein unbedingtes Einsehen mit uns Dürstenden: noch vor dem Mittagessen mit begleitender Weinprobe gab es einen Grauburgunder vor dem Genossenschaftsgebäude – stilvoll serviert auf einem Strohballen. Ins Glas kam also der Grauburgunder Kabinett, der normalen Weincachern am Wegepunkt 21 als Stärkung kurz vor einem steilen Aufstieg zugedacht ist. Mit sehr ausgewogenem Säure-Restzucker-Verhältnis ist das ein sehr trinkiger Grauburgunder, bei dem man – wie vermutet – Noten von Birne, Apfel und Quitte offenbart.

IMG_9192-edited IMG_9193-editedSteiler Aufstieg? Können wir auch: Hoch ging’s zwei Treppen zum Essen! Genuss aus dem Schwarzwald versprachen Küche und Keller, wobei die Küche aus dem benachbarten (und befreundeten, es gibt beispielsweise eine gemeinsame kulinarische Weinprobe) Hotel Engel. Dort kocht Christian Mamber geschmackssicher auf hohem Niveau. Anders als bei der kulinarischen Weinprobe durften wir nur naschen – lokal geprägtes Fingerfood zur Vorspeise und ein vorzüglicher Hauptgang boten allerdings den noch zu probierenden Weinen eine solide Basis – und legten den Grundstein zur Überlegung, hier auf jeden Fall noch einmal hin zu kommen, mit mehr Zeit dann aber!

Dreierlei Fingerfood gab’s als Starter: Cavaillon-Melone-Gelee mit Schwarzwälder Schinken / Geräucherte Forelle auf Apfel-Meerrettichkompott / Ziegenfrischkäse-Zucchini-Röllchen mit Oliventapenade, jeweils in (gut zugänglichen – danke!) Gläsern angerichtet. Ein köstlicher Querschnitt und ein schmackhafter Einblick in kulinarische Handwerkskunst. Dass dazu ein Gewürztraminer ausgeschenkt wurde, erschien auf den ersten Blick, sagen wir mal: gewagt. Aber es war einer der trockenen Vertreter, der einen zwar mit deutlichem Bukett begrüßte, sich dann aber fein dem herzhaften Essen anzupassen wusste.

Baden Badener Bachsaiblingsfilet mit Riesling-Morchelsoße und feinen Gemüsenudeln Die Baden Badener Bachsaiblingsfilet mit Riesling-Morchelsoße und feinen Gemüsenudeln zum Hauptgang war ein Gericht mit hohem Schlonzfaktor, zu dem ich ja eigentlich irgendeinen famosen Burgunder erwartet hätte. Aber wenn schon die Sauce mit Morcheln und reichlich Riesling (und, wenn ich’s richtig geschmeckt habe, ordentlich Butter) aufgeschlagen wurde, dann ist natürlich ein Riesling auch eine gute Wahl (abseits des Protokolls: ist Riesling nicht immer eine gute Wahl?).

Wir bekamen einen 2018 Granit Riesling trocken. Ein Granitfass mit 2.000 l Fassungsvermögen hatte unserem ersten Verkostungswein die Chance gegeben, darin spontan zu vergären. Die Trauben für diesen trockenen Riesling stammen aus älteren Weinbergslagen mit niedrigen Erträgen. Die Trauben nehmen durch die tiefere Verwurzelung der Rebstöcke mehr Mineralität und Aromen von den Böden auf. Und das Ergebnis? Bemerkenswert in mehrfacher Hinsicht. Kosten die Weine der Einstiegslinie zwischen 5,50 € (Riesling-Silvaner) bis 8,50 € (Grauburgunder Kabinett), so steht der Granit-Riesling mit (seinen Preis werten) 20 € in der Liste. Merkt man das beim Trinken? Oh ja: der Riesling ist erwartungsgemäß frisch und spritzig, erweist sich aber erstaunlicherweise im Nachgang als sehr cremig (fast wie gewünscht!). Als Zugabe bleibt lang anhaltende Mineralik.

Knobi ohne Alarm!Nochmal zurück zum Saibling! Da lag nämlich eine veritable Knoblauchknolle als Beilage mit auf dem Teller (die kam vorsichtshalber nicht im der ansonsten doch recht ausführlichen Beschreibung des Gangs vor). Also eigentlich war’s ja nur ein daumendicker Querschnitt, aber immerhin: imposant. Und das Ding schmeckte (pardon!) oberaffengeil. Gar nicht knofelmäßig scharf (weil im Ofen über lange Zeit sanft gegart), aber doch sehr würzig. Muss man sich trauen, lohnt sich aber (und: Verneigung vor dem Koch!).

Die Winzer vom Alde Gott haben sich ihre eigene Qualitätspyramide geschaffen und unterscheiden vier Linien – wobei eine, die süße Aussicht, ein wenig wie ein Balkon für liebliche und edelsüße Weine an der Pyramide ist. Einblick, die günstigsten Weine, sind „Klassiker der Region, beliebt und besonders, sortentypisch und nicht zu schwer“. Ausblick fasst trockene Weine aus dem großen Eichenholzfass zusammen sowie Sekt, der nach dem traditionellen Flaschengärverfahren hergestellt wurde. Und beim Weitblick hat man trockene Weiß- und Rotweine aus dem Barrique im Glas sowie einen Cuvée Sekt Extra Brut und NoSolo – der Wein der Jungwinzer „CreatiWi“.

Zweimal SpätburgunderAuf 56 Prozent der 264 Hektar, die die 358 Winzer der Genossenschaft bewirtschaften, steht Spätburgunder. Zwei davon probierten wir quasi zum Nachtisch. Der 2017 WEITBLICK Spätburgunder trocken kommt aus 25 Jahre alten Spätburgunder-Rebflächen mit 30 hl/ha Ertrag. Ausgebaut wurde er im Barrique, was man im Glas merkt –  Vanille- und Röstaromen, plus leichte Pfeffernote und Paprika. Und reichlich Alkohol: 14,5 Vol. %…

Unvernünftigerweise geht da noch mehr: 15,5 Vol % – bei der trockenen Spätlese, die als 2017 Spätburgunder von Alten Reben (25 Jahre alt oder älter) im Programm der Genossenschaft ist. Der Wein wurde im großen Holzfass vergoren. Easy drinking geht nicht be so viel Alkohol – aber ein Glas zu einem guten Bratenstück ist schon denkbar… 

Weinberge bei Sasbachwalden

 

Weincaching
c/o Naturhotel Holzwurm
Am Altenrain 12
77887 Sasbachwalden

Tel. +49 7841 20 540
www.weincaching.de

Alde Gott Winzer
Talstraße 2
77887 Sasbachwalden

Tel. +49 7841 2029 0
www.aldegott.de

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Hinweis:

Die Recherchen zu diesem Beitrag wurden unterstützt mit einer Pressereise auf Einladung des DWI (Deutsches Weininstitut).

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