Auf ein Glas: Drei ältere Weine

Drei ältere Weine aus Sachsen

Die Frage, wann ein Wein alt ist, kann man ja so und so beantworten. Wir wollen sie heute mal so beantworten: Wenn Du einen einfachen Müller-Thurgau aus Sachsen findest und auf dem Etikett der Jahrgang 2010 steht – dann könnte die erste Reaktion lauten: hau wech das Zeuch, der ist dafür nicht gemacht. Und was soll man zu einem Goldriesling aus dem Jahr 2011 sagen? Ach, vergiss es! Bei einem Weißburgunder aus dem Barrique, der als Spätlese deklariert ist, könnte man da schon eher aufhorchen. Oder doch nicht?

Wir haben’s probiert, mit drei Weinen aus Sachsen an zwei Orten und an mehreren Tagen. Und waren ob der Ergebnisse überrascht! Die Ergebnisse und Gespräche mit Matthias Gräfe (Gräfes Wein & fein, Radebeul) und Silvio Nitzsche (WeinKulturBar, Dresden) sind in der zweiten Episode des neuen Podcasts Auf ein Glas nachzuhören!

 

Matthias trinkt MüllerAngefangen hatte alles, wie so oft im Leben, mit einem Zufall. Mathias Dufft, der bei Schloss Proschwitz Vertriebsleiter ist, erzählte mir beiläufig von einem Kellerfund: 2010 Müller-Thurgau vom Weingut Schloss Proschwitz. Ein einfacher Qualitätswein und keineswegs gedacht, zehn Jahre aufs Öffnen zu warten. „Wollen wir den mal zusammen probieren?“, fragte ich, und er so: „Na klar!“ Also trafen wir uns gleich am nächsten Tag bei Matthias Gräfe im Wein & fein. Der Müller überraschte uns positiv: schon gereift, natürlich, aber nur wenig oxidativ: „Gutes Lesegut, was dem Wein Länge und Substanz gibt“, konstatierte Matthias Gräfe. Die nur noch halb volle Flasche legten wir dann zur Seite – um sie eine Woche später erneut zu öffnen und nachzukosten. Fazit: der ist nicht wirklich schlechter geworden in dieser Woche!

 

Goldriesling im Side-GlasZufall Nummer zwei ereilte mich beim Besuch der WeinKulturBar von Silvio Nitzsche, der just an diesem Tag eine Flasche Goldriesling aus dem Jahr 2011 aufgezogen hatte. „Ich habe da was für Dich, wo Du doch Goldriesling so magst…“ begrüßte er mich an jenem Abend. Dazu muss man wissen: eigentlich mag ich Goldriesling ja gar nicht. Beziehungsweise das Bohei, das die Sachsen um diesen Wein machen, mag ich nicht. Und die Preisgestaltung schon gar nicht – über zehn Euro für einen so anspruchslosen Wein sind, selbst wenn er gut gemacht ist, einfach eine Zumutung. Aber einen neun Jahre alten Wein zu trinken, dem man eigentlich nicht mal neun Monate gibt – das hat doch was. „Neun Jahre – er ist in Würde gealtert! Das kann man auch dem nicht so großen Fan durchaus servieren!“ fasst Silvio Nitzsche seine Probiererfahrung zusammen.

Wir wollten von Silvio Nitzsche wissen, warum er den Goldriesling so lange aufbewahrt hat – und als Antwort gab’s erst einmal Gegenfragen: Wie reift so etwas, wie entwickelt sich so was? Die Antworten auf seine Fragen gab er sich und uns dann natürlich auch noch, wie man hören kann.

Silvio Nitzsche, der ja nahezu jeden Wein eines Abends aus einem anderen Typ von Weinglas serviert, hatte sich für den Goldriesling für ein Glas aus seiner legendären Serie Vision entschieden. Aus dem Intense hatten wir kurz zuvor beim GourMeat einen Chateau Léoville Las Cases 2ème Grand Cru aus dem Jahr 2009 genossen, doch ich bekam für den Goldriesling völlig unerwartet das Glas Side. Das sah auf den ersten Blick stillos aus, war es irgendwie ja auch – aber das passte dann doch!

 

Der Wein zum EintopfNoch ein paar Tage später, wieder in Radebeul bei Gräfe’s Wein & fein, war dann die Zeit reif für den 2012 Weißburgunder Spätlese vom Weinbau Steffen Loose. Das Weingut befindet sich in Niederau, bewirtschaftet werden ca. 5 ha Rebflächen in Meißen, Gröbern und Pillnitz. Steffen Loose, erfahren wir von Matthias Gräfe, habe „als erster (neben Schloss Proschwitz) angefangen, ernsthaft mit dem Thema Barrique zu spielen“. Wir probierten den Wein zu einem deftigen Weißkrauteintopf, der deutliche Noten von Kümmel mitbrachte und obendrein auch noch mit guter Schärfe aufwartete. Dazu: den Weißburgunder aus dem Barrique. „Was dem Wein an Vitalität fehlt, kommt über den Eintopf zurück“, freute sich Matthias Gräfe und war des Mundes wie des Lobes voll…

 

Auf ein Glas – der Podcast der STIPvisiten. Gespräche beim Wein. Über Wein. Über Essen. Und übers Leben, natürlich.

Alle Folgen unter diesem Link: http://stipvisiten.de/podcast-auf-ein-glas/

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