Fisch des Tages – im Ofen gebacken

Auf der Ilha Deserta vor Faro an der Algarve gibt's nur ein Haus. Das Estaminé Restaurante

Estaminé

Das Konzept klingt mutig: um ins Restaurant Estaminé zu gehen, muss man erst einmal 45 Minuten Boot fahren. Von Faro zur Ilha Deserta kommt man entweder mit der regelmäßig verkehrenden Fähre (was ungefähr 45 Minuten dauert und 5 Euro pro Richtung kostet)) oder mit dem Schnellboot (15 Minuten, doppelt so teuer). Wir haben bei zwei Besuchen (im Februar und im November) die Fähre um zehn Uhr genommen, sind den vorgegebenen Rundweg gelaufen, haben den südlichsten Punkt Portugals gesucht und waren um eins zum Essen im Restaurant angemeldet.

Die Zeit reicht aus, um über den Holzsteg durch die Dünen zu laufen, den falsch markierten südlichsten Punkt für ein Selfie zu nutzen und den wirklichen noch südlicheren Punkt anzusteuern, gegebenenfalls dort (oder anderswo, der Sandstrand ist lang) ins Wasser zu huppen und dennoch pünktlich anzukommen. Bei beiden Besuchen (im Januar an einem Sonntag, im November an einem Montag) erwies es sich als richtig, reserviert zu haben (wir haben das problemlos online erledigt) – aber reservieren ist ja eh meist die bessere Wahl sowohl fürs Restaurant wie für den Gast.

Das Angebot ist – kein Wunder und völlig in Ordnung auf einer Insel! – meereswasserlastig, es gibt also eine große Auswahl von Austern über Muscheln zu Fischen. Wer mag, kann sich vegan verköstigen, wer will, bekommt Fleisch vom Grill. Wir waren natürlich ganz auf Seiten der ehemaligen Meeresbewohner. Die marktfrischen Zutaten, hatten wir übrigens bei der Hinfahrt gesehen, bringt das Team mit, das auch mit der ersten Fähre zur Insel übersetzt.

Über Austern aus der Ria Formosa muss man nicht reden: sie sind groß und haben festes Fleisch, sie sind schmackhaft und unverschämt günstig (2 €/Stück). Wer Austern mag und die nicht nimmt, hat selber Schuld. Wir kombinierten beim ersten Besuch die Austern mit dem Tintenfischsalat (9 €), der mit Früchten, einer pikanten Vinaigrette und den an der Algarve beliebten Korianderblättern zu einer ziemlichen Geschmacksbombe geriet.

Beim ersten Besuch war uns nach Garnelen – einmal in der einfachen Vorspeisen-Variante (frittiert, 18 €) und dann als Hauptgang mit Korianderreis (22 €). Kann man machen, aber dafür müsste man nicht extra auf die Insel fahren. Beim zweiten Besuch entschieden wir uns – dem Tipp einer Dresdnerin folgend, die schon seit Jahren in die Gegend dort fährt, für den im Ofen gebackenen Fisch des Tages (65 €/kg) – bei uns war’s Seebarsch. Das ist die Spezialität des Hauses, dauert aber ein wenig länger – auf der Karte steht eine Stunde, die hat’s bei uns nicht ganz gedauert. Aber erstens gibt es ja vom Couvert (Öl, Butter, Oliven und eingelegte Möhren – dazu Brötchen) über die Vorspeise(n) und den Wein genug zu tun, und zweitens ist die Aussicht vom Restaurant ja nicht die schlechteste (Pro-Tipp: beim Bestellen das Kreuz am „table with a view“ nicht vergessen!).

Der Fisch aus dem Ofen ist ein Wunder von Zartheit, er hat den Geschmack des Gemüses (Paprika! Zwiebeln!) angenommen. Eine hervorragende Idee der Küche war, die Kartoffeln nicht mit zum Fisch in den Ofen zu geben, sondern separat kross gebraten zum Fisch zu reichen. Einmal bekommen sie dadurch ihren eigenen Geschmack, zum anderen gibt’s dadurch eine zusätzliche Textur: perfekt!

Natürlich waren wir nach dem ganzen Fisch (laut Rechnung ein Kilo, da werden auch drei Leute gut satt von) nicht mehr hungrig – aber ohne Dessert verlässt man die Ilha Deserta nicht! Den lauwarmen Schokoladenkuchen Keké (7 €) probierten wir, nur um festzustellen: den gibt’s in Wurgwitz bei Freital bei Dresden besser. Aber Fatia de Santa Clara (7 €), ein Rührkuchen mit Eiercréme und gerösteten Mandeln, deuchte uns nicht nur regional, sondern erwies sich auch (bei beiden Besuchen) als ein würdiger Abschluss.

Estaminé Restaurante
Cais da Ilha Deserta
Ilha da Barreta
8005-556 Faro, Portugal

Tel: +351 917 811 856
www.ilhadeserta.com

[Besucht am 2.2.2020 und am 9.11.2020]
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