Zu den Flamingos in den Salinen

Fuseta

Lost in Fuseta – das klingt für unsere im Alltag englisch versauten Ohren ja erst einmal wie „Verloren in Fuseta“. Irgendwie stimmt es ja auch, aber eigentlich ist Leander Lost der Held in der Krimireihe von Gil Ribeiro – ein Kommissar aus Hamburg mit Asperger, der in diesem portugiesischen Nest an der Algarve als Austauschkommissar anfangs gehörig aneckt, aber (es ist eine Reihe, da geht das nicht anders) sich langfristig doch als toller Kerl entpuppt.

Fuseta PraiaMit in drei Folgen geschärftem Hintergrundwissen nähern wir uns also im Januar Fuseta und sind gespannt, ob die von Michael Müller in seinem Algarve-Band beschriebenen Dorfältesten auf den Bänken des gerade wohnzimmergroßen Hauptplatzes hocken und immer noch gemeinsam über die Burschen auf den knatternden Mopeds schimpfen, die auf der Hauptstraße hin- und herjagen (9. Auflage, S. 90). Nee, tun sie nicht – klingt aber nett, oder?

Fernab der Reiseführer-Poesie ist Fuseta beschaulich und bietet neben einer kleinen Strandpromenade und einem nicht viel größeren Hafen vor allem die Möglichkeit, auf die vorgelagerte Insel Ilha de Armona überzusetzen und sich dort am Sandstrand dem süßen Nichtstun hinzugeben. Also wenn Sommer ist, wenn keine Pandemie stattfindet und wenn die Boote fahren. Der Bummel durch die knapp 2.000-Leute-Gemeinde ist von unaufgeregter Gemächlichkeit geprägt. Nicht viel los (wir waren zweimal zu touristisch nicht ganz so guten Zeiten in Fuseta: einmal Ende Januar und dann Anfang November), hin und wieder ein im Krimi beschriebener Ort, durchaus häufiger sehenswerte Details an den Häusern.

Fuseta Stadt Regen in FusetaWir suchen und finden einen Parkplatz am Jardim da Fuseta, der Grünanlage mit Blick aufs Meer (und, zwischen Meer und Garten, den Strand). Ob man jetzt gleich Wasser sieht oder eine Wattlandschaft sieht, hängt natürlich vom Stand der Gezeiten ab. Chic ist es (zumindest für maritim veranlagte Betrachter) so oder so! Im überschaubar kleinen Hafen ist Platz für die farbenfrohen Boote der Fischer und die nicht viel größeren Schifflein der Profi-Anbieter, die zu den Inseln übersetzen oder einfach so durch die Lagune schippern (dabei wahlweise: Vögel beobachten oder gut essen).

Durch die Haupt- und Nebenstraßen von Fuseta (gerne auch: Fuzeta – so schrieb man wohl früher und heute noch da, wo man die Tradition hoch hält) ist man relativ schnell durch. Es gibt zwar (vor allem rund um den wohnzimmergroßen Hauptplatz) einige Restaurants, von denen uns aber keins so richtig angemacht hat, Besucht haben wir dann, völlig ungeplant, eine der typischen Bars in einer der Nebenstraßen. Das war beim zweiten Mal in Fuseta, wo wir eine kleine Rundwanderung im Hinterland der Saline geplant hatten, so ein wenig nach dem Motto Stadt–Land–Fluss. Stadt hatten wir, inklusive Treppen hoch zur Igreja Matriz da Fuseta und überqueren der Bahngleise der Linha do Algarve, die Lagos mit Vila Real de Santo António verbindet. Den Teil Stadt hatten wir mit dem Queren der Gleise gerade hinter uns gebracht, als überm Land düstere Wolken dräuten. Sehr düstere. Und sie dräuten nicht nur, sie grollten auch. Wir gingen nur noch schnell zwei, drei lohnende Fotomotive bezwingen, kehrten dann aber schlagartig um und eilten flugs den gleichen Weg zurück. Wir waren uns einig: die erste geöffnete Bar sollte unser Ziel sein. Es wurde die Saldanha Bar in der Rua da Liberdade, in der ein sehr freundlicher Wirt uns Weißwein ausschenkte, während draußen die Welt kurzfristig unterzugehen drohte. Sogar der Strom (und mit ihm alle drei laufenden Fernseher) ging aus…

Salinen von FusetaDa der Regen nicht wirklich nachließ, sondern nur weniger wurde, haben wir im November die Abteilungen Land und Fluss also recht kurz abgehandelt. Beim Januar-Besuch allerdings war Zeit (und Wetter) für einen Bummel durch die nahe gelegenen Salinen. Das weit verzweigte Wegenetz zwischen den Wasserbecken, die sich ganz der Verdunstung hingeben und das köstliche Salz hinterlassen, eröffnet immer wieder interessante Blicke, und wenn man Glück hat, entdeckt man statt der Dorfältesten auf den Bänken prächtige Flamingos, die nicht über vorüber gleitende Störche schimpfen…

Wenn man Pech hat, hat man seine Tour (geht prima mit dem Rad oder zu Fuß) auf der falschen Seite des Ribeira do Tronco begonnen und kommt dann nicht zu den Flamingos: die haben sich nämlich, gar nicht dumm, just an der Stelle niedergelassen, die von Fuseta am weitesten entfernt ist. Wir waren nicht besonders schlau, sondern eher zufällig mit dem Auto an den Ausgangspunkt unseres Spaziergangs gefahren (und kamen dann logischerweise von unserer Seite nicht rüber, wie wir eigentlich gerne gewollt hätten). Aber Blicke können ja schweifen und auch Kameras kommen bestens auch über brückenfreie Flüsse. Also sehen wir riesige Salzberge, blicken über die Salzseen nach Fuseta, folgen dem Hauptweg und biegen links ab, um den zurückgezogen lebenden Federvieh möglichst nahe zu kommen. Es reicht nicht wirklich – aber wir gönnen den Flamingos natürlich die Ruhe, die wir auf diesem Weg selbst auch so genossen haben…

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