Grenzerfahrungen an der Praia da Odeceixe

Praia de Odeceixe

Was für ein herrlicher Strand! Er gehört zu den Sieben Wundern Portugals, von denen es freilich insgesamt so viele gibt, dass ich sie nicht zählen konnte. Aber in der Abteilung Strände und der Unterabteilung solche mit Klippen steht die Praia da Odeceixe ganz obenan. Das ist, nach Inaugenscheinnahme, durchaus berechtigt, aber natürlich dennoch gemein, wenn man kein Portugiesisch kann: wie bitte spricht man das aus? Nun, fast so wie Zitzschewig (das ist in Sachsen bei den Weinbergen) – also einfach zischeln und nuscheln. Wer das phonetische Alphabet beherrscht, kann mit [ɞdɘsɘiʃɘ] punkten. Wer es nicht kennt, käme mit einem vernüschelten „Oh Du Scheiße“ aber auch nah dran.

Bonus: Dorf und Strand heißen gleich, man muss also nur einmal lernen. Aber im Dorf waren wir gar nicht, denn es gibt einen großen Parkplatz oberhalb des Strandes auf den Klippen. Korrekter: Oberhalb der Strände, denn direkt neben der Praia da Odeceixe gibt es die deutlich kleinere Bucht Praia das Adegas – ein Nudistenstrand, der bei Ebbe auch vom Strand von Odeceixe aus erreicht werden kann. Vom Miradouro da Maravilha gibt es einen perfekten Blick auf den langen Sandstrand von Odeceixe – an dessen (von hier ausgesehen:) Ende die Algarve endet. Dahinter beginnt der Alentejo. (Wem das zu deprimierend klingt: wenn man vom Alentejo kommt, ist Odeceixe selbstredend das erste Dorf der Algarve – und dann auch noch mit so einem tollen Strand!)

OdeceixeDie beiden Regionen leisten sich einen Grenzfluss – den Ribeira de Seixe. Es bot sich an, da durch zu waten, um die Algarve mal kurz zu verlassen. Auf dem Weg zu dieser Grenzüberschreitung sahen wir eine Mini-Ritterburg, die Hochwassergrenze am Strand und im Bereich des ablaufenden Wasser bemerkenswerte Spuren im Sand. Der Seixe gab sich niedrig und ruhig, wir machten also unbekümmert rüber in den Distrikt Beja, der gleich hinterm Fluss mit einer imposanten Felswand aufwartet. Die Blicke über den Fluss auf den langen Strand, den ersten der Algarve, den (wussten wir damals aber nicht) preisgekrönten – das alles faszinierte und dauerte. Click click click, wie wir Fotografen sagen. Und dann wollten wir zurück und stellten fest, dass zwar nicht Schluss mit lustig oder schön war, aber Schluss mit Niedrigwasser. Es strömte vom Meer flussaufwärts, das majestätische Durchwaten des Flusses wich einem abenteuerlichen (die Kamera! der Glitsch unten auf den Steinen!) Rübermachen. Aber wir haben’s geschafft – und hatten Gesprächsstoff, wie man sich an Meeren mit deutlichem Tidehub tadellos verhält.

StorchennestWie steil die Küste ist, hatten wir ja drüben in Beja gesehen. Von oben herab merkt man das manchmal gar nicht – da sieht’s aus wie auf einer Ebene. Nun ja: es ist ja auch eine, eine Hochebene. Der Klippenweg ist mal näher dran an der Abbruchkante und mal weiter weg – so ergeben sich immer wieder neue Eindrücke. Wer Glück hat, entdeckt ein Storchennest. „Angeblich ist dies der einzige Platz der Welt, an dem Störche an der Küste brüten“, lese ich im Rother Wanderführer und sinniere darüber nach, ob ich schon jemals an einer anderen Küste Störche gesehen habe.

Klippenwanderung bei OdeceixeWir gehen, bis wir keine Lust mehr haben. Der Zeitpunkt fiel nicht zufällig mit der Tatsache zusammen, dass der Weg weniger attraktiv wurde. Wir hatten schöne Buchten gesehen, hatten den Storch entdeckt, hatten das Gegenlicht goutiert und die Dünenlandschaft mit sehenswerten Blüten fotografiert– und dann wurde es halt eng und struppig und wir fragten uns: braucht’s mehr?

Mühle und MeerAuf keinen Fall, denn mit dem Rückweg hat man ja erstens andere Blicke, zweitens anderes Licht und drittens noch was vor: Sonnenuntergang an der Praia da Amoreira. Mit Wein vom Kiosk, wegen nahender Schließzeit als Flasche mit Plastebechern serviert. Was wir nicht vorhatten, aber mitnahmen: bei der Ortschaft Rogil eine der vielen Windmühlen, die hier noch stehen, für die Nachwelt abzulichten. Und einen ersten Sonnenuntergangsfotografierversuch an der Praia de Monte Clérigo zu probieren (und abzuwählen, was auch am fehlenden offenen Kiosk lag).

PS: Eine Übersicht über alle Kalenderblätter, die Möglichkeit eines PDF-Downloads und alle Orte auf der Karte gibt’s hier!

 

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