Spaziergang durch den immergrünen Nebelwald

Las Creces

Den berühmten Sonntagsspaziergang kann man natürlich auch an jedem anderen Wochentag hinter sich bringen – aber es war in diesem Jahr (zufällig) tatsächlich ein Sonntag, als uns nach drei Dingen war: Frühstück am Meer in La Playa, danach ein Bummel durch den Regenwald zum Jardin de Las Creces sowie eine Einkehr bei Doña Efigenia. Gutes Timing ist da wichtig, den die Terrasse im La Montaña ist schnell voll, also versuchten wir uns er Glück mit einer geplanten Ankunftzeit zwischen nicht-mehr-Mittag und noch-nicht-Abend.

Las CrecesStart und Ende der Tour, welch schöner Zufall, sind in Las Hayas – also am besten gleich bei Efigenia parken! [Man kann die Tour aber auch problemlos an der GM2 am Bushäuschen mit Abzweig eines Forstweges zum Jardin de las Creces beginnen – das war 2016 unser sehr erfolgreicher Plan.] Die Route gehört zu den offiziellen Wegen auf der Insel, das heißt: es gibt Tafeln mit Info-Texten und eine gute Beschilderung. Ruta 5 durch den immergrünen Nebelwald heißt offiziell In der alten Baumheide und Wachsmyrte, denn genau das ist, was man sieht. Farne, Flechten, Gagelbäume – ein heilloses Durcheinander sorgt für mystische Momente. Besonders schön ist es, wenn die hier üblichen Nebel sich verziehen und die Sonne Strahlen durch den Dunst zeichnet. 2016 hatten wir das Glück, zur richtigen Zeit an den richtigen Stellen zu sein – 2022 standen die Bäume genau so toll da, aber das Wetter zeigte sich weniger fotogen.

Mohnfeld bei Las HayasWobei ja alles relativ ist, denn auch wenn die Sonne nicht brettert, kann man sein Sehvergnügen haben. Spannend zu sehen bei der Auswertung, dass manche Naturmotive sich über die Jahre halten: die mit GPS-Daten versorgten Fotos lassen einige Bäume wieder erkennen. Der Name der Route bezieht sich übrigens auf die Beeren bzw. Früchte der Wachsmyrte (Myrica faya), die auf Gomera als „icresi“ bekannt ist. Diese Frucht war Teil der Ernährung der ersten Siedler von La Gomera – eine Tradition, die von den ärmeren Teilen der Landbevölkerung bis vor wenigen Jahrzehnten beibehalten wurde. Die beste Zeit für diese Route ist Ende April/Anfang Mai, weil dann die Lichtungen des Waldes mit blühenden Geranien bedeckt sind. Die zweitbeste Zeit ist die, wenn man gerade da ist (2016 war’s Mitte November, 2022 eher Ende März – da sahen wir kurz vor Las Hayas ein Feld mit Mohnblumen, das es im Mai sicher nicht mehr geben wird).

Las CrecesDer Spaziergang hat die Besonderheit, dass er nichts Besonderes bietet: der Weg ist das Ziel! Es ist sozusagen das gomerische Prinzip: Runter kommen wegen aufregender Unaufgeregtheit. Man könnte also einfach vor sich hin laufen und nur gucken. Aber auf der Route sieht man immer wieder Hinweisschilder für einen Audioführer (spanisch, englisch, deutsch), der die Details zum jeweiligen Standort liefert. Wenn man es weiß, kann man sich die Daten auch vorher runterladen und anhören – sehr praktisch.

Doña Efigenia

Casa EfigeniaKein Gomera-Urlaub ohne Besuch im La Montaña, dem Berggasthof von Doña Efigenia in Las Hayas. Doch ach: nichts ist mehr wie es war. Doña Efigenia schien mir ja immer zeitlos alt zu sein, nun las ich in einem Artikel von 2020, dass sie da über 80 Jahre alt gewesen sei. Da muss sie natürlich nicht mehr jeden Tag am Gast sein, auch wenn das immer sehr anregend war. Wir sahen sie übrigens beim Verlasssen des Restaurants im hinteren Teil des Grundstücks, und von weitem sah sie aus wie immer…

Auf die sich ändernden Zeiten deutete aber auch ein Aufsteller hin: so einer, auf denen vorne stand, was es zu essen gab (und hinten die Limo und die Desserts angepriesen wurden). Wie? Eine Auswahl? Das gab’s doch früher® nie! Stimmt. Da gab’s das eine vegetarische Menü, und gut (hier nachzulesen). Das gibt es immer noch (12 €), aber zusätzlich auch die Möglichkeit, Champignons, Salat, Spiegeleier mit Gemüse oder Runzelkartoffeln solo zu bestellen. Nun nicht gut, den wenn das Authentische fehlt, müsste man ja auch mehr über die tatsächliche und nicht die gefühlte Qualität reden. Letztere war wegen der Atmosphäre ja immer sehr groß, aber nun – muss man da wohl nicht immer wieder mal hin.

Karte

Wanderungen mit unterschiedlichen Startpunkten und Verläufen 2022 (links) und 2016 (rechts)

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