Küstenweg von Burgau nach Luz

Bei Burgau

Im Urlaub kann man ja mal Dinge ausprobieren, auf die man sonst nicht unbedingt kommt. Beispielsweise zu Fuß ins Restaurant zu gehen, auch wenn es knapp 7 km Wegstrecke sind. Wobei das Hin ja gar nicht so kompliziert war, denn entlang der Küste ergeben sich lediglich die üblichen Wow-Blicke, die zum Zücken der Kamera verleiten – was natürlich das Durchschnittstempo in nachgeradezu unverschämter Weise drückt. Aber zurück, mit vollem Rumpumpel-Magen wie weiland der Wolf, werden aus sieben Kilometern schnell diese gefühlten zehn. Aber immerhin alles bei anderem Licht, und tief im Innern wissen wir ja: in Wirklichkeit ist es auf gleichem Weg von Burgau nach Luz genau so weit wie von Luz nach Burgau.

Praia do BurgauDirekt an der Praia do Burgau ist ein Parkplatz, von dem aus man sich wahlweise den Strand von nahem ansehen oder gleich hoch zum Wanderweg marschieren kann. Der beginnt gleich oben auf der Klippe mit mal breiteren Wegen und mal schmaleren Pfaden. Zu sehen gibt es Blüten verschiedener Blumen (die richtige Jahreszeit dafür vorausgesetzt…), rechter Hand immer das Meer und (so die Gesamtwetterlage das zulässt) immer die Sonne. Von morgens bis abends, und wer Schatten sucht, wird ihn nicht finden.

Zwischen Burgau und LuzDer Anblick mancher Felsformationen hilft sehr, die Warnschilder zu verstehen, die hier überall vor allzu nahem Herantreten an den Klippenrand warnen. Was von oben wie eine stabile Fläche aussieht, könnte in Wirklichkeit nämlich nur ein schmaler (und gegebenenfalls) brüchiger Balkon sein. Wind und Wasser haben da ganze Arbeit geleistet, die Küste erodiert so vor sich hin. Wer sich an den (wie immer hier in der Gegend: gut ausgeschilderten) Wanderweg hält, sollte allerdings auf der sicheren Seite sein… Ein Blick auf den Streifen direkt an den Felsen zeigt übrigens, dass da tatsächlich mehr oder minder große Felsstücke der Schwerkraft gefolgt sind: ein buntes Bild, so wie viele Lego-Steine im unaufgeräumten Kinderzimmer.

Rahmen mit SeglerDer Blick nach vorne geht die Küstenlinie entlang, am Ende sieht man die Ponta da Piedade. Der Punkt ist sozusagen gesetzt. Nicht gesetzt ist, dass ein Segelboot zur richtigen Zeit in der passenden Entfernung durch die Sonnenglitzer gleitet. Macht sich aber gut, wenn es sich so ergibt… Wie schön es dann noch wäre, wenn es durch einen leeren Schilderrahmen gleiten würde!, denkt sich der Fotograf – aber diese Gleichzeitigkeit ergab sich leider erst in der Nachbearbeitung im digitalen Labor. Nun ja…

Igreja de Nossa Senhora da LuzVoraus erkennt man immer deutlicher die weißen Häuser von Luz. Von weitem sieht das alles am Meer eher felsig aus, von nahem hingegen ist die Praia de Luz mit feinstem Sandstrand ausgestattet. Den Strand lassen wir natürlich erst einmal rechts liegen, denn unser angesteuertes Ziel war ja von Anfang an das Restaurant ZuZa – aber das bekommt natürlich seine eigene Geschichte. Was sich aber auf jeden Fall lohnt: die Igreja de Nossa Senhora da Luz nicht nur im Vorübergehen von außen anzusehen, sondern hinein zu gehen. Uns ermunterte ein britisches Ehepaar, das unbedingt zu tun: „A fantastic altar, so marvellous, you have to see it!“ – und ja, sie hatten Recht.

Igreja de Nossa Senhora da LuzDie Kirche steht an einer Stelle, an der schon die Römer siedelten (unweit von ihr kann man – oberhalb der Promenade – Mauerreste der römischen Siedlung sehen). Die um 1521 erbaute Kirche hatte es, wenn man das einmal so vermenschlicht formulieren darf, nie leicht: regelmäßige Plünderungen im 15. und 16. Jahrhundert, schwere Schäden während des Erdbebens von Lissabon 1755 und nach der Restaurierung 1874 im 20. Jahrhundert erneut Schäden durch einen heftigen Sturm und das Erdbeben von 1969. Aber der Altar! Er ist mit vergoldeten Schnitzereien aus dem 18. Jahrhundert verziert und zeigt das Bildnis der Muttergottes des Lichts, flankiert von denen des Heiligen Römers und des Heiligen Stephanus. Der dreiteilige Chor ist wahrscheinlich der älteste erhaltene Teil der Kirche. Verrät die Wikipedia.

Praia do LuzNach der zweistündigen Lunchpause sollte ein kleiner Verdauungsspaziergang uns auf den Rückweg vorbereiten. Von Strandaschenbechern über Beachvolleyball bis zu Cirrocumulus über die typisch bunten Felsen (verwitterter Kalkstein und Eisenoxid – oder so, Uwe weiß es genauer). Schade, dass Goethe nicht hier war (so weit ich weiß, es gab jedenfalls nirgendwo ein Schild, dass er hier oder da genächtigt hat): dem hätte das Licht sicher sehr gefallen. Vor allem jetzt am winterlichen späten Nachmittag sind die Felsen toll beleuchtet und geben alles!

Rückweg mit GegenlichtSonnenuntergang ist an diesem 6. Januar für 17:32 Uhr angesagt, doch schon eine Stunde vorher steht sie tief und lässt die Geflügelte Senna und das Amerikanische Pampasgras – die wir schon auf dem Hinweg freudig bewundert hatten – im Gegenlicht noch einen Zacken toller aussehen. Stichwort Zacken: Auch der eine oder andere in Sachen Stabilität fragwürdig aussehende Felsen macht im Gegenlicht eine grafisch tolle Figur. Noch zwanzig Minuten bis Buffalo (wer seinen John Maynard kennt…) kommt mir in den Sinn, allerdings als Melodie von Achim Reichel. Dabei war es gar nicht so dramatisch wie von Fontane ausgedacht, sondern eher eine Aneinanderreihung von Sonnenuntergangs-Aha-Momenten, gut 20 Minuten vor dem Ziel Burgau…

Das Restaurant zur Wanderung: ZaZu Beach Club

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Salema: Klippen, Buchten und Ruinen | STIPvisiten
  2. A Bóia: Austern, Muscheln, Seezunge | STIPvisiten

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*