Hinter den Kulissen

Semperoper

Über Opernbälle können sich die Menschen grandios streiten – weil sie (sagen die Einen) sinnentleerte Veranstaltungen für Superreiche seien oder weil sie (sagen die Anderen) großartige Gelegenheiten zum Feiern und Genießen seien. Unser Verhältnis zum Semperopernball ist eindeutig: Sollen die, die es mögen, doch feiern – und die, die es nicht mögen, nicht hingehen.

Dresden bietet übrigens für all diejenigen, die gerne mal zu so einem Ball gehen würden, es sich aber nicht leisten können, etwas Einmaliges an: Vor der Oper wird auch gefeiert. Ohne Eintritt, immer ein wenig vom Wetter abhängig, aber immer auch bestens besucht und mit viel Spaß verbunden. Und, da kennt der Dresdner mit seiner Dresdnerin nüschte, wenn von drinnen ein Walzer übertragen wird, tanzt man draußen mit. Mit Winterstiefeln auf Kopfsteinpflaster – ein rührendes Bild.

Spalier der Pressemeute
Spalier der Pressemeute

Drinnen regnet’s nicht, die Menschen sind unterteilt in mehrere Abteilungen: Promis und Pressemeute zum Fotografieren der Prominenz, Gäste mit Sitzplatz und Bummelanten mit Flanierkarten, die später kommen (müssen) und das Essen sowie das Programm verpasst haben. Außerdem jede Menge Leute, die an diesem Abend zum Feiern keine Zeit haben, weil sie arbeiten müssen. Zu dieser Kategorie gesellten wir uns in diesem Jahr, um mit der Kamera diejenigen zu begleiten, die dazu beitrugen, dass die Gäste von einem “unvergleichlichen Ereignis” sprachen: Wir waren mit Sternekoch Stefan Hermann und seinembean&beluga-Team unterwegs.

Schade, dass es kein Kilometergeld gab! Die Semperoper hat nämlich unendlich lange Gänge – und genau die mussten wir gehen, um von A nach B zu kommen. Zum Beispiel von der Küche links neben der Bühne zu jener rechts daneben. Der gerade, kürzeste Weg war leider durch zahlendes Publikum besetzt, das unter sich bleiben durfte – also außen rum. Und außen rum heißt eben manchmal auch: zwei Etagen runter, links rum, links rum, zwei Etagen hoch. Oder so – wir haben uns trotz einiger grundlegender Ortskenntnisse das eine oder andere Mal verlaufen und wurden dann von wissenden Köchen oder Servicekräften an die Hand genommen, um doch zum rechten Platz zu finden ;-)

Küchenbesprechung
Küchenbesprechung

Aber ich will nicht meckern: Eben jene stets froh gelaunten Köche und Bedienmenschen waren lange vor uns da und gingen auch erst sehr sehr lange nach uns – und zurückgelegte Kilometer will ich gar nicht erst vergleichen, weil da eh nur ein ehrenwerter letzter Platz bei heraus käme. Acht Küchen waren in allen möglichen und meist auch unmöglichen Räumen im Hinterland der Oper provisorisch eingerichtet worden. In denen wurde fertig gemacht, was zuvor vorbereitet worden war. Wir hielten uns die meiste Zeit in der Küche links der Bühne auf, von der aus dreihundertundweißtdunicht Essen geschickt wurden (314 oder 340, so genau hab ich’s nicht rausbekommen).

Nun ist aber ein Publikum, das für einen Zwölfer-Tisch bis zu 18.000 Euro und pro Person 350 Euro Eintrittsgeld zu zahlen bereit und in der Lage ist, in der Regel individualistisch und anspruchsvoll. Also kommt man eher peu à peu und nicht in einem Rutsch. Aber wie es sich gehört, wird immer tischweise serviert. Mithin schickt die Küche im Ernstfall quasi parallel Vorspeise für die Spätkommer und Dessert für die Frühchen des Abends – und den Hauptgang für die, die zwischendurch ihren Zehner- oder Zwölfertisch rundum besetzt hatten.

Die Drei von der Herdplatte
Die Drei von der Herdplatte

Aber in den Küchen werkelten Profis, und auch im Service gab es neben reichlich Aushilfen immer erfahrene Mitarbeiter. In “unserer” Küche half an dem Abend unter anderem Mario Pattis aus. Er hatte, wenn ich das richtig erinnere, den ersten Stern in Dresden erkocht, Stefan Hermann kam dann erst später in die Stadt. Die beiden kennen sich bestens, und das merkt man auch bei den kurzen Regie-Gesprächen vorab und zwischendurch. Auch Kai Kochan (“Hier kommt der Koch[an]“) vom Catering-Service Wok war mit von der Partie und gönnte sich den Stress des Opernballs mit großer Ruhe und Gelassenheit.

2.000 Gäste saßen in der eigens zum Ball umgeräumten Oper: Die Stühle im Parkett mussten Tischen weichen, die Bühne wurde zum Tanzparkett umgemodelt. Die Gäste saßen in Logen mit unterschiedlich großer Platzkapazität, zwischen sechs und 48 Personen (entspricht 6.300 bis 50.400 Euro für die jeweilige Loge plus 350 Euro pro People darin), in abgeschlossenen Räumen wie dem Spiegelzimmer oder anderen Proberäumen und auf den Rängen. Wer nicht direkten leibhaftigen Blick auf die Bühne hatte, konnte das Programm auf Riesenmonitoren verfolgen – da geht ja so einiges heutzutage…

Thunfisch, Rosa Ingwer, Schwarzer Rettich
Thunfisch, Rosa Ingwer, Schwar…

Über 300 Köche und Bedienungen sorgten dafür, dass diese Menschenmassen zu essen und trinken bekamen. Was gab’s? Vom Feinsten! Thunfisch, Rosa Ingwer, Schwarzer Rettich zur Vorspeise. Der tuna gekräutert und nur kurz rundum angebraten, innen sushi-roh. Wir durften naschen, weil ein Gast das nicht wollte und der Teller gar nicht eingesetzt wurde und ungebraucht zurückkam. Schade eigentlich, dass die meisten es mochten, ich hätte spontan eine Tuna-Diät einlegen können! Wer genau hinsieht, entdeckt auf dem Teller auch Kresse. Es spricht für die Laune der Köche, dass ich mir folgende kurze Szene gemerkt habe: Es droht hektisch zu werden, weil irgendwas nicht auf Anhieb klappte. Der betroffene Koch droht wie ein HB-Männchen (für die Jungen: Da gab’s mal eine Werbung, bitte googeln!) in die Luft zu gehen. Da kommt ein anderer mit einem Topf frischer Kresse und grinst ihn an: “Einfach mal die Kresse halten!” Zack, Situation entspannt – alles lacht und freut sich.

Ochsenschwanzpastete, Gänseleber, Wurzelgemüse, Linsen
Ochsenschwanzpastete, Gänseleb…

Leider mochten offensichtlich alle Gäste Ochsenschwanzpastete, Gänseleber, Wurzelgemüse, Linsen, so dass da nichts zum Probieren abfiel ;-) War vielleicht aber auch besser so, denn als es beim Vorgespräch in der Küche darum ging, wie man alles korrekt vorbereitet und anrichtet, hörte ich Stefan Hermann sagen, wieviel Butter und anderer Geschmacksträger in der Pastete sei… Vor Beginn des Balls hechtete er im Wahnsinnstempo von Küche zu Küche, um das Personal ein letztes Mal zu briefen. Vielleicht gehen wir aber auch mal ins bean&beluga und fragen, ob’s das auch außer der Reihe gibt, mal sehen…

Mandelmilchcreme, Eierlikörschaum, Feigensüppchen
Mandelmilchcreme, Eierlikörsch…

Das Dessert mussten wir unbedingt außerhalb des stressigen Abrufes für Tisch 309 oder so fotografieren – und durften das Fotoobjekt dann anschließend vernaschen, so dass wir volles Verständnis für lippenleckende Opernballgäste hatten. Mandelmilchcreme, Eierlikörschaum und Feigensüppchen passten auf jeden Fall noch – aber das Essen sollte ja auch keine träge machende Übersättigungsbeilage zum Ball sein, sondern ein i-Tupfer. Verhungern musste eh keine(r), denn nach Aufhebung der strengen Sitzordnung und nach dem Programm gab es ja noch die Stände in den Wandelgängen der Oper: Austern, Blini, Caviar & Currywurst – was man halt so zum Schampus (Ruinart, den viele völlig zu Unrecht immer noch nicht kennen und spätestens seit dieser Nacht zu schätzen wissen) schnabuliert.

Meuteplätze
Meuteplätze

Essen und trinken sind natürlich nur ein Teil so eines Balls. Der vielleicht wichtigste ist das Sehenundgesehenwerden. Dafür gibt es einerseits die so genannten Promis, die im abgeschlossenen Bereich sitzen und so innerhalb des auserlesenen Ballpublikums ganz unter sich blieben. Aber was wären Promis ohne ihre Paparazzi? Die standen, ordentlich akkreditiert und (Respekt!) auch alle im Smoking, sauber in der Reihe und knipsten was ihnen vor die Linse kam. Später am Abend sah man dann die Klebestreifen auf dem Opernboden: DieSächsische Zeitung zwischen den beiden Agenturen dpa und dapd - und hinter ihnen in zweiter Reihe mit improvisierter Handschrift die Super Illu.

Mühlenbeine
Mühlenbeine

Das Programm des Abends (aus zweiter Reihe von hinten neben der Bühne stehend beobachtet) war bunt und kam auf jeden Fall bei den Anwesenden gut an – wobei die Damen des Balletts von Moulin Rouge, die Paris nur einmal im Jahr verlasen um auswärts zu tanzen und 2012 sich immerhin für Dresden entschieden hatten, auf jeden Fall extremlange Beine haben. Allerdings schmissen sie diese reichlich unkoordiniert durch die Gegend. Aber wer achtet schon auf derlei Kleinigkeiten, wenn es moulinrouge-getünchte Körper zu sehen gibt? Richtig: Keiner.

Gemütlich? Oder eher beengt?

Elbhang-Weihnachtsmarkt

Manche mögen’s eng. Die sind auf dem Weihnachtsmarkt des Elbhangfestes gut aufgehoben! Der 15. seiner Art ist gestern zu Ende gegangen – eine Besonderheit dieses Marktes, dass er nicht ewig dauert. Aber als Tipp kann man sich das merken, denn nach all den Erfahrungen wird der 16. so sein wie der 15., denn schon der war wie der 14. und all die anderen zuvor: Gemütlich, kuschelig – oder, wenn man nicht so gut drauf ist, viehisch eng.

Das liegt an der Örtlichkeit: Loschwitz und dort die Friedrich-Wieck-Straße ist nicht so weitläufig. Am rechten Elbufer vor dem Blauen Wunder gelegen geht es dort sehr dörflich und kleinteilig zu. Die Häuser sind so, wie man es sich für einen alten Fischerdorf-Marktflecken vorstellt, mit Fachwerk und eher geduckt-klein. Die Stände stehen parallel zu diesen kleinen Häusern, die mit ihrem Giebel zur Straße stehen. Der Platz dazwischen – pardon: wer oder was? Platz? Nein, da ist kein Platz. Da ist Luft für eine Schlange Menschen, die in die eine Richtung geht und Knuddelraum für die, die in die andere Richtung wollen. Die Einen mögen’s, die Anderen suchen den Umweg außen rum und finden dennoch Platz an einem der Glühweinstände.

Die sind, und auch das zeichnet diesen Markt aus, nicht in gefühlt erdrückender Überzahl: Handwerkliches überwiegt hier, und das Angebot ist ausgesprochen geschmackvoll (wie auch in den Läden, die quasi Teil des Marktes sind). Man kann hier gut und vielleicht auch gerne einiges Geld lassen, hat dafür aber auch was, was die Anderen nicht haben. Die zahlenmäßige Überlegenheit feinen Tuches bei Mänteln oder die deutlich sichtbar getragenen Markennamen auf den Jacken deuten allerdings darauf hin, dass es hier keine Falschen trifft. Umso erstaunlicher, dass die Preise für unser Lieblingsheißgetränk für Dresdner Verhältnisse unterdurchschnittlich sind (2 Euro der Becher, ein Euro Pfand für denselben) – woran man sieht, dass man mit Unterdurchschnittlichem auch überdurchschnittlich toll sein kann!

Loschwitzer Weihnachtsmarkt – vom 1. bis zum 4. Advent, täglich bis 20 Uhr

 

Jindrich Staidel im Kunsthof Gohlis

Jindrich Staidel Combo

Okay, zugegeben: Auch wir sind beim ersten Mal reingefallen. “Die können aber recht gut deutsch!” sagte meine Nachbarin mitten im Konzert der Jindrich Staidel Combo – und sie irrte nur geringfügig. Richtig wäre, dass die Kapelle richtig schlecht tschechisch spricht, auf der Bühne zumindest (was weiß ich wie das wirkliche Leben spielt). Denn (Achtung, Spoiler!) die Herren Jindrich Staidel, Tatra Skota und Pro Haska sowie die reizende Manitschka Krausonova sind so tschechisch wie der Striezelmarkt. Also gar nicht.

Die vier jazzen munter die Sprache und die Musik verbrämend vor sich hin. Im Kunsthof Gohlis, der nahe dem Arsch der Welt liegt, aber Insidern dennoch ein bekannter Ort für unkonventionelle Konzerte und familiäre Atmosphäre ist, stimmten sie auf die böhmische Weihnacht ein. Die ist, wie kaum anders zu erwarten bei Jindrich Staidel, weniger besinnlich und eher lustig. Da konnte es auch schon mal vorkommen, dass sich die Herrschaften (siehe Bilder oben) maskierten – wobei Manitschka dieses schwarze Tuch viel zu weit unten trug! Neben der bekannt tiefschürfenden Rhetorik des Herrn Pro Haska bei seinen Zwischentexten (“Wer tanzen möchte, der lässt das bitte bleiben”) ertönten die bekannten Klassiker der internationalen Weihnacht – aber eben mit einer gehörigen Portion Swing. Häufiger als sonst verließ die Band dien Rhythmus der böhmischen Polka, und das war gut so!

Hat Spaß gemacht!

Das Beste im Nirgendwo

Ente im Gasthof Bärwalde

Eine der am schwersten zu beantwortenden Fragen von Freunden ist diese: “Wo soll ich denn mit meinem Freund / meiner Freundin / meinen Eltern essen gehen?” Meist mit dem Zusatz: “Du kennst dich doch aus!”

Pustekuchen. Na klar, wir sind manchmal unterwegs und machen ja auch kein Hehl daraus – aber wo es uns schmeckt, muss es ja anderen nicht gefallen, und nur weil wir die Bedienung nett fanden, kann sie an einem anderen Tag anderen Gästen ja ganz anders kommen. Oder gar eine andere sein!

Trotz aller Rumeierei (“Wieviel willst Du denn ausgeben?” – “”Welche Richtung soll’s denn sein?”) ist allerdings ein Name gesetzt: Der vom Gasthof Bärwalde. Hier kocht Olav Seidel, was seine Frau Manuela im Service an den Tisch bringt. Das muss ja schon besonders sein, wenn man den Gasthof Bärwalde als das Lieblingsrestaurant in Dresden bezeichnet…

Wir waren neulich wieder da, und das Geschehen an diesem Abend zu erzählen mag begründen, warum man (von Dresden aus) bis hinter Moritzburg fährt, um im Nirgendwo das Beste zu finden. Die Geschichte beginnt beim Besuch im März. Da lasen wir in der Menü-Karte auf einem Extra-Blatt, was man so alles bekommen kann, wenn man nur rechtzeitig mit dem Koch redet. “Auf Vorbestellung und je nach Saison bereite ich für Sie zu” stand da, und etwas weiter unten: “Bärwalder Bauernente aus dem Ofen – serviert in zwei Gängen (2011 limitiert auf 20 Stück)”. Das fanden wir toll und reservierten schon mal eine!

Im November erhielten wir einen Anruf: Die Enten seien dann so weit! Wir könnten einen Termin ausmachen, aber bitte nicht für sofort, denn zehn Tage müssten sie nach der Beförderung ins Jenseits noch abhängen! Kein Problem für jemanden, der sich seit März freut, sich dann auch noch auf einen Termin im Dezember zu freuen!

Eine Ente aus Bärwalde (aufgewachsen und einige glückliche Tage hatte sie zwei Häuser und einen Garten weiter quer gegenüber vom Gasthof) reicht, um vier Leute glücklich zu machen und lässt dann auch noch Platz für Vorspeise und/oder Dessert. Das “Süppchen vom Muscade de provence mit steirischem Kürbiskernöl” war eine schaumig aufgeschlagene cremig-gelbe Einstimmung in den Abend, auf die zu verzichten doppelt dumm gewesen wäre. Einerseits, weil man schon einmal einen ganz fantastischen Geschmack im Mund hat und andererseits auch, weil sie eine gute Überbrückung bis zur Ente ist. Denn die war noch im Ofen als wir kamen, und gut Ding will bekanntlich Weile haben. Aber mit dem zuvor gelieferten (wunderbar frischen) Brot und der Suppe gab’s keinerlei Ohnmachtsanfälle!

Manuela Seidel präsentierte uns die Ente auf dem Silbertablett – sie (also in diesem Fall die Ente, über Servicepersonal würde ich ja so nie schreiben) machte einen guten Eindruck: braun und weihnachtlich verziert. Dann verschwand sie (also die Frau Seidel, die Ente war ja aktiv dazu nicht mehr in der Lage) und kam wenig später zurück: Vier reichliche Portionen mit durchgehend rosa Entenbrust auf einem Wirsinghügel im Saucensee. Das Gespräch am Tisch, bis dahin munter und auf gewissem intellektuell vertretbaren Niveau gehalten, glitt flugs ab: Aaaaahhhhh! Oooohhhh! Hhhhhmmmm! und derlei mehr, manchmal auch ein “Waaahnsinn!” oder “Feinfeinfein”. Sogar ein schlichtes “lecker!” war zu hören, was zu schreiben mir die verehrte Kollegin nachgeradezu verboten hatte, sich aber nun, da es gesagt wurde, nicht vermeiden ließ. Kartoffelgratin und eine Sauciere mit noch mehr von der figurschaffenden Sauce waren zusätzlich zum schon ansehnlich gefüllten Teller serviert worden, eine durchaus köstliche Kombination!

Eigentlich waren wir danach satt. Und so war es nicht weiter schlimm, dass die Reste der Ente – zwei Keulchen, aufgeteilt auf vier Leute, klein und leider auch nicht ganz so fein gerieten: Das zarte Rosa der Brust ist nicht gut für das Laufwerk, das hätte mehr – viel mehr – Zeit benötigt und war uns allen ein wenig zu wenig durch sowie (wohl auch daher) zu bissfest. Aber mit dem mitgelieferten Salat und seinem Seidelschen Dressing (sahnig, sag ich!) gab das einen akzeptablen Zwischengang her. Außerdem muss man die Teller ja nicht immer so blitzsauber zurückgeben, dass sie wie frisch aus der Vitrine aussehen. Offensichtlich teilte die Küche – ohne dass wir was gesagt hatten – unsere Einschätzung und berechnete die Keulen nur als “warmen Zwischengang” mit 5 Euro pro Portion, was mehr als fair war (die Brust war mit 16,50 Euro schon fast unterbezahlt, so wie sie uns mundete).

Hatte ich gerade geschrieben, dass wir eigentlich schon vor dem Keulengang satt waren? Ja, hatte ich. Aber im Gasthof Bärwalde auf das Dessert zu verzichten, ist Frevel. Und Frevler sind wir nicht, schon gar nicht im Advent. Also gab’s was es immer gibt für uns: “Crème d’Anjou mit marinierten Kumquats”. Und bevor jemand sagt: Damals hattet ihr doch diesen bezaubernden “Leichten Weißkäse mit Tahitivanille” – das ist das gleiche Gericht, nur mit anderem Namen…

15 Punkte erhielt Olav Seidel im jüngst erschienen Gault Millau – ein hoher Einstiegswert. Das werden nun die Redakteure der anderen Restaurantführer lesen, auch hingehen und ihn ebenfalls gut bewerten. Dann wird es voll werden in Bärwalde, was schön ist – gönnen wir doch jedem Gastronom ein volles Haus. Aber vorsichtshalber haben wir für Mai 2012 schon einen Tisch rserviert!

Gasthof Bärwalde
01471 Bärwalde
Kalkreuther Straße 10a
Tel. 035208 / 342901

Geöffnet
Donnerstag – Montag ab 18 Uhr
Sonntags auch 12 – 14 Uhr
Reservierung empfohlen

[Besucht am 12. Dezember 2011 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung | Besuche März 2011 und Februar 2010]

Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt

Stallhof

Romantik und Adventszeit – das geht gut miteinander. Lustigerweise finden wir es romantisch, wenn die Leute uns “das Mittelalter” vorgaukeln, obwohl es da im wirklichen Leben alles andere als anheimelnd war. Im Stallhof - der einst Platz für höfische Spiele war (aber eigentlich nur, der Name deutet es an, Hof zwischen Pferdestall und Schloss) gibt es seit 1997 einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt. Beschickt wurde er anfangs von einem auf derley Spektakel spezialisierten Veranstalter – und der machte sein Ding gut. Zwar salbaderten die Leute so merkwürdig, wie man das von Mittelalterspektakelgauklern kennt, aber ansonsten war es anheimelnd, mit Handwerk, Schauspielerei, dem üblichen Essen und Trinken sowie einigen Attraktionen wie einem badehaus, wo man Tapferen beim Spaß im badezuber zusehen konnte und einer Toilette, wo man nicht zusehen konnte, aber doch irgendwie mit dem Einlassmenschen seinen Spaß hatte.

Stallhof
Stallhof
2007 (genau: am 17. Dezember morgens zwischen sieben und halb acht) brannte es dann auf diesem Weihnachtsmarkt. Angeblich ein überlasteter Heizstrahler, aber speziell seitdem es einen anderen Betreiber gibt, lebt die Verschwörungstheorieseite auf und denkt laut über Brandstiftung nach (runterscrollen beim Link). Ja, der Kampf unter den Mittelalterlichen ist hart, und wenn’s um das Geschäft geht ist Schluss mit lustig.
Stallhof
Stallhof
Der neue Mitttelalterliche nach der Restaurierung des Stallhofes allerdings war am Anfang irgendwie uncool. Der Ort allerdings ist so bezaubernd, der Stallhof so charmant illuminiert, dass man da einfach mal hinmuss, und sei es nur zum Schlendern. Mittlerweile haben die Jungs und Mädel sch etwas gefangen, der Weihnachtsmarkt im Mittelalter ist durchaus ein lohnenswertes Ziel – zumal die meisten Attraktionen des Vorgängermarktes auch da sind (Bad und Bühne zum Beispiel). Auch vom Vorgänger übernommen hat man die (Un-)Sitte, am Wochenende Eintritt zu nehmen – was die Leute nicht hindert: Eine lange Schlange vorm Kassenhaus, wo man dann drei Euro “Wegezoll” abdrückt. Unter der Woche kann man sich die sparen – auch wenn man dann vielleicht so tolle Musiker wie die von Satolstelamanderfanz verpasst.
Satolstelamanderfanz
Satolstelamanderfanz

Neu in diesem Jahr: Der Markt macht Weihnachten nur Pause und ist “zwischen den Jahren” wieder geöffnet! Das heißt: Bis zum 23. Dezember kann man täglich bis 21:30 Uhr hngehen und dann vom 27. bis zum 30. Dezember wieder. Laut Ankündigung sollen dann “vor allem Wahrsager, Kartenlegerinnen und Bleigießer das Marktgeschehen ergänzen, schließlich sollen es ja magische Nächte und Tage voller Aberglauben sein.”

 

Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche

Frauenkirche

Wenn wir den Titel für den romantischsten Weihnachtsmarkt zu vergeben hätten – dann würden wir ins Grübeln geraten. Einerseits ist der kleine Markt in Loschwitz ein ganz heißer Kandidat (den besuchen wir dieses Jahr noch später als sonst, was’n Stress!), andererseits gibt es ja den berühmten “Mittelalterlichen” im Stallhof, der trotz des ganzen Buheis, das die Mittelalter-Leute so drauf haben, schon arg romantisch ist. Aber zwischen “einerseits” und “andererseits” hat sich dann noch ein “aber hallo!” geschoben: Vor der Frauenkirche wächst seit drei Jahren etwas heran, was die anderen beiden Märkte in puncto Romantik toppen könnte.

Frauenkirche
Frauenkirche

Warum macht er das? Weil der Markt natürlich von der Lage vor der Frauenkirche profitiert: Das Ambiente kriegt man in Dresden nur dort hin. Dann aber haben die Macher sich ziemlich ins Zeug gelegt und beispielsweise zehn Tannenbäume über den Platz verteilt und diese obendrein auch noch mit Herrnhuter Sternen behängt wie andere Leute ihren Baum mit Kerzen schmücken: Also üppig. Die schiere Zahl der Tannen macht Leuten, die sich treffen wollen, das Leben übrigens nicht leichter: “Unterm Tannebaum” (mit ohne n) geht schon mal nicht…

Nachwerk
Naschwerk

Dann sind in den Buden auch noch alle Leute ein wenig auf Alt gemacht. Nicht mittelalt, sondern frischalt, so etwa achtzig, hundert Jahre. Manche reden dennoch wie auf dem Mittelaltermarkt, manche schwurbeln so jahrhundertwendig daher – aber insgesamt ergibt sich zumindest optisch ein netter Eindruck. Vor allem die hier busweise ausgekippten Japaner schnattern wie verrückt vor Freude und knipsen wild drauf los. 60 Stände gibt es insgesamt, und neben allerley Weihnachtsmarktkulinarik findet man auch Knopfmacher, Kerzenzieher, Herrnhuter Sternverkäufer und andere freundliche Einkaufsstätten.

Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche
Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche

Programm gibt es auch, zum Beispiel was mit Musik: Die Dresdner Kurrendesinger. Neulich trafen wir zwei, die mit einer Truppe nordeutscher Touristinnen heftig schäkerten und kaum noch zum Singen kamen – die Stimmung war allerdings prächtig, und irgendwann fingen die Girls zu singen an, was auch nicht schlecht klang.Der Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche ist dieses Jahr noch täglich bis zum 18. Dezember von 11 bis 22 Uhr geöffnet.

Striezelmarkt 2011

Striezelmarkt 2010

So richtig schön mit Schnee tritt der Dresdner Striezelmarkt nicht alle Jahre auf: Das Bild oben wurde im vergangenen Jahr aufgenommen, in dem es erstens schon während der Adventszeit geschneit hatte und obendrein so eisekalt war, dass selbst hart gesottene Glühweintester zwischendurch mal nach nebenan in die Altmarktgalerie gingen, um sich zu wärmen.

Herrnhuter Sterne
Herrnhuter Sterne

In diesem Jahr ist alles anders: Kein Schnee, erträgliche Temperaturen – aber ansonsten ein nahezu identisches Panorama-Bild (nur halt ohne Puderzuckerkitschdächer). Der Striezelmarkt, der in diesem Jahr zum 577. Mal stattfindet, hat sich mittlerweile ganz schön gemacht. Die Qualität der Stände ist durch die Bank über die Jahre besser geworden, die Zusammenstellung der Stände auch – obwohl sich der Eindruck aufdrängt, dass die nicht-Ess- & Trinkstände nur als Alibi eingestreut wurden. Die Menschen gehen zum Adventsmarkt, um zu futtern, zu trinken und in dieser dunklen Jahreszeit gut drauf zu sein. Grillparty, Winter-Edition sozusagen.

Stefan Hermann
Stefan Hermann

223 Stände gibt’s insgesamt auf dem Altmarkt, aber wir besuchen regelmäßig immer nur zwei, drei. Weil wir schon eine Mütze haben, keinen Schwibbogen brauchen und nicht Kinderkarrussel fahren, verschlägt es uns meist zum Glühweintrinken und Bratwurst oder Suppe essen an den Stand von bean&beluga. Richtig, das ist auch der Name eines Sternerestaurants, oben auf dem Weißen Hirsch. Sternekoch Stefan Hermann ist seit 2009 auf dem Striezelmarkt mit seinem Stand vertreten (manchmal auch selber da) – und unserer wie immer teuflisch subjektiven Meinung nach ist seine Bratwurst die würzigste und der Glühwein der verträglichste. Und während die Billigheimer, die ihren Glühwein extrem günstig einkaufen, ihn mittlerweile für 3 Euro das Glas verkaufen, ist man bei bean&beluga mit 2,50 Euro dabei und hat den Preis nicht angehoben. Warum die Leute ihre heiße Tasse übrigens bei den 3-Euro-Typies kaufen und die nicht boykottieren, habe ich noch nicht verstanden – denn den unserer Meinung nach ebenfalls sehr trinkbaren Glühwein vom Winzer Keth gibt es auch nach wie vor für 2,50.

Kräppelchen und Quarkbällchen bilden das landestypische Dessert auf den Weihnachtsmärkten – und da müssen wir jedes Jahr neu suchen, um unseren Lieblingsstand des Jahres zu finden. Meist finden wir dann einen, der klein ist und nur das gar nicht dick machende Dessert produziert.

Die üblichen Verdächdigen
Die üblichen Verdächdigen

Und sonst so? Natürlich gibt es Theater für die Kinder, und mit etwas Glück sieht man auch die in dieser Gegend typischen Figuren wie den Pflaumentoffel, Bergmann und Engel oder die Striezelmarktkinder. Ein guter Ratschlag: Am Wochenende, besonders Freitagabend und am Sonnabend, ist es rappelvoll. Wer da nicht muss, sollte dann lieber nicht striezeln gehen! Besonders leer und nett ist es auf dem Striezelmarkt übrigens am Heiligen Abend, so um die Mittagszeit…

STIPvisiten Frauenkirche Dresden

STIPvisiten Frauenkirche

Als Band 6 der Reise-Verführer STIPvisiten ist ein Band über die Frauenkirche erschienen. Das Buch erschien erstmals in einer geschlossenen limitierten Auflage zur Weihe der Kirche und war bislang nicht käuflich zu erwerben – dafür gibt es den Band jetzt in vier Versionen:
- als Softcover
- als Hardcover mit Schutzumschlag
- als bedrucktes Hardcover
- als eBook für iPhone und iPad optimiert.

Wie immmer ist Blurb der Dienstleister für Printing on Demand. Zu den angegebenen Preisen kommt die Mehrwertsteuer und (bei den Büchern) der Versand hinzu. eBooks gibt’s versandkostenfrei ;-)

STIPvisiten Dresden: Ein Reiseverführer

STIPvisiten Dresden

Der fünfte Band der STIPvisiten-Reiseverführer ist erschienen – es geht um Dresden! Grundlage dieses Buches sind die Texte und Bilder der hier erstmals veröffentlichten Spaziergänge durch das Welterbe. Den Titel gibt es nicht mehr, aber Stadt- und Kulturlandschaft sind noch da!
Das Buch kann man bei Blurb vorab ansehen und bestellen (Softcover, Hardcover, eBook). Gute Freunde können mir auch eine gute Flasche Wein geben und bekommen dafür die PDF ;-)
…und hier ist der der Kalender zum Buch!
Dresden 2012 Titel

Villa Sorgenfrei

Villa Sorgenfrei

Der Name allein setzt Assoziationen frei: Villa Sorgenfrei! Da möchte es einem wohl ergehen, da setzt man sich gerne nieder! Namen freilich sind Schall und Rauch, und nach der vorbildlichen Sanierung des im ausgehenden 18. Jahrhundert gebauten Herrenhauses war der Zulauf groß zum Weinschlösschen, das so prächtig den Übergang vom gemäßigten Rokoko zum Zopfstil verkörpert. Doch im Gegensatz zur bezaubernden Architektur und dem verzaubernden Garten, der im Sommer zum Verweilen unter schattigen alten Eichen und Kastanien einlud, bot die Küche eine Achterbahnfahrt der Qualität: Ein ewiges Auf und Ab mit zeitweise befremdlichem Service schreckte ab.

Doch das ist Geschichte, und seit einiger Zeit schon gibt es verlässlich gute Qualität im geschmackvoll dekorierten Gartensaal. Der Service agiert charmant, ist bei Bedarf zurückhaltend und dennoch stets da, wenn man ihn braucht – so wünschen wir uns das eigentlich immer! Bei Weinfragen gibt’s kompetente Beratung – und wir verraten auch gleich einen Tipp, wie man an Weine kommt, die nicht auf der (relativ kleinen) Karte der offenen Weine stehen, ohne eine ganze Flasche zu ordern: Man kann sich die passenden Weine zum Menü bestellen – und bekommt beispielsweise (passend zum gewählten Menü) einen 2009er Grauburgunder vom Weingut Karl-Friedrich Aust, einen 2007er Spätburgunder/Portugieser und einen Solaris der Drei Herren. Alle drei großzügig eingeschenkt, einer sogar ungefragt nachgeschenkt!

Die drei Weine sind aus der direkten Nachbarschaft der Villa Sorgenfrei und gehören sicher zu den besten der Gegend. Das Essen zum Wein kann man sich selbst zum Menü zusammenstellen: Eine gute Idee! Bei insgesamt sechs Gängen (für zwei Personen…) gab es keinen Ausreißer, sondern nur Erfreuliches, was uns selten genug passiert. Kritikaster können natürlich auf hohem Niveau immer etwas finden und meckern – aber wenn man sich wohl fühlt, muss das ja nicht sein. Also schwelgen wir ausnahmsweise einmal und erinnern uns gerne an den gegrillten Ziegenkäse mit Speck (na gut, nun doch etwas Kritik: der hätte krosser sein können) auf Tomatenmelange & Bärlauchschaum. Optisch wie geschmacklich eine gute Einstimmung auf das weitere Essen war Konfiertes Kaninchen an Radieschen-Navettensalat. Selten sind wir wirklich verzückt, aber beim Lammrücken im Bärlauchmantel mit glasierten Zwiebeln & Kartoffelnockerln trat ob der Zartheit und durchgehenden rosa Fleischfarbe des Lamms genau dieser Zustand ein. In Sprache umgesetzt: Hhhhmmmmm…. Nicht ganz so himmlisch, aber immer noch ein Vergnügen, der wirklich kross gebratene Zander auf einer kräuterigen Zucchinitagliatelle mit spärlich eingesetztem Kaviarschaum. Beim Nougatsoufflé an Rhabarberragout & Buttermilch-Limetten-Eis vermissten wir ein wenig den Nougatgeschmack und hätten dafür mehr vom fein-säuerlichen Limetten-Eis gekostet. Dafür war das Angebot der Käseplatte mit Chutneys mehr als zufriedenstellend: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und kann sich aussuchen, was gefällt: Ein solides Angebot, das durch die hausgemachten Chutneys noch aufgewertet wurde.

Villa Sorgenfrei
Augustusweg 48
D-01445 Radebeul

Tel. 0351 795 666 0
http://www.hotel-villa-sorgenfrei.de

[Besucht am 11.04.2011 | Leicht gekürzte Version veröffentlicht im Mai 2011 in Augusto, dem Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]