Vorgelesen: Von den italienischen Männern

Heute ist Vorlesetag. Anlass genug, eine alte Idee einmal Wirklichkeit werden zu lassen und (vorerst einmal nur) einen Text aus den STIPvisiten vorzulesen. Wegen der erwarteten Stimmung bitte ich darum, sich im Halbkreis vor dem Monitor zu versammeln und zuhören zu wollen!

Die Geschichte “Von den italienischen Männern” (4:31) beschreibt Beobachtungen aus Sardinien, und natürlich kann man sie auch hier nachlesen (mit Bildern!).

Besuch im größten Weingut der Insel

Acquabona

Gutes Wasser ist auch so ein Name für Wein. Aber wenn die Gegend doch so heißt? Acquabona, auf halbem Weg zwischen Portoferraio und Porto Azzurrogelegen, ist mit seinen 14 Hektar das größte Weingut der Insel Elba. Aber auf die Größe kommt’s bekanntlich nicht immer an, wichtiger ist: Wir hatten in verschiedenen Restaurants und Bars immer mal wieder einen Wein bekommen, der uns ganz besonders gut schmeckte. Da war ein Abstecher zum Weingut nachgeradezu Pflicht.Auf Acquabona wird umweltfreundlich Wein gemacht, für eine bessere Qualität wird ordentlich ausgedünnt, gelesen wird nicht maschinell, sondern von Hand. Der Vorteil eines besseren Weins geht wie immer einher mit dem Nachteil, dass es dann nicht so viel gibt: Unseren Lieblingswein für heiße Tage war der Ansonica, der aber auf dem Weingut schon ausverkauft war. Also mussten wir, um ihn zu trinken, immer mal wieder nach Marciana Marina in die Enoteca Coltelli, wo es ihn sowohl als offenen Wein als auch als ganze Flasche gab…Während der Ansonica (von dem es 6.000 Flaschen jährlich gibt) im Frühjahr nach der Ernte auf Flasche gezogen wird, reift unser Lieblings-Rotwein Voltraio mindestens ein Jahr in Eichenfässern und dann noch einmal sechs Monate auf der Flasche. Die Mischung aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese kommt unserem Geschmack entgegen – von den 3.000 bis 4.500 Flaschen der Produktion konnten wir noch einige auf dem Weingut erstehen…Unbedingt probieren: Den Aleatico dell’Elba! Das ist eine Spezialität auf Elba, süß und mit einem nuanciertem Geschmacksspiel. Der passt zu Desserts, manchmal ist er auch im Kuchen selber (so einen hatten wir gar köstlich in Mariciana Alta bekommen). Der Aleatico wird aufwändig hergestellt, mit handverlesener Ernte und Trocknen der Trauben, bis sie wie Rosinen aussehen und schmecken. Auf 1.700 Flaschen (0,5 l) ist die Produktion bei Acquabona limitiert. Das alles hat seinen Preis, aber er ist es wert!

Acquabona Gestione Agricola
Loc. Acquabona
I-57037 Portoferraio (LI)
Italien

Telefon +390565933013
http://www.acquabonaelba.it

[Lage]

Il Chiasso

Il Chiasso

Das Restaurant gilt als eines der besseren in Capoliveri, liegt etwas abseits der Hauptachse Via Roma – aber keineswegs versteckt. Kenner kommen gerne immer wieder hierhin, wie wir bei unserem Besuch den Stammgast-Gesprächen entnehmen konnten. Verstehen kann man’s – denn die Qualität von Speisen und Getränken sowie das Ambiente stimmen. Das alles hat freilich seinen Preis, aber da man ohne Reservierung nur schwer einen Platz bekommt, scheint die Rechnung ja aufzugehen.

Man sitzt entweder draußen (war an dem Tag zu kalt, es hatte geregnet) oder im einen oder anderen Haus beziehungsweise zwischen den beiden, überdacht und quasi auf der Treppe. Ein lustiger Platz mit guter Übersicht, da die Bedienung alles aus dem einen auch ins andere Haus zu bringen hat. Der ehemalige Treppenweg ist überdacht und wird oben und unten mit Türen zum geschlossenen Raum – wenn die denn geschlossen sind.

Il Chiasso

Il Chiasso

Wir wurden sehr nett bedient, wenn wir es gewollt hätten sogar auf deutsch. Aber wir wollten ja gar nicht, denn erstens wollen wir ja üben und zweitens ist “Gedenft Tuhnfisch mit weiss Bohnen” nur halb so lecker wie “Palamita al vapore con fagiolo Risina” (was wir aber gar nicht hatten). Mir hatte es Acciughe fresche al forno (9 Euro) angetan, obwohl da auch ein wenig Knoblauch drin war und man damit eventuell für den Rest des Abends ungeküsst bleibt. Doch die Sardellen kamen mehr naturell auf den Tisch als befürchtet, rein kusstechnisch war der Abend also gerettet. Die zweite Vorspeise, knoblauchfrei und dennoch ein Traum: Fiori di zucchini ripiene con caprino e ricotta (10 Euro). Die Zucchiniblüte im Bierteig, die Füllung cremig – eine feine kleine Vorspeise, die Lust auf mehr macht.Filetto di Tonno rosso su crema alla pizzaiola mit dem Hinweis “nostrale”, also nach Art des Hauses (für 22 Euro), sah sehr spartanisch aus, machte von außen auch einen eher durchgarten Eindruck – aber entpuppte sich als eine Köstlichkeit, die innen wie erhofft sushiroh war und durchaus reichte, um satt zu werden (mit Loch fürs Dessert, natürlich). Zartrosa auch das Lammcarrè mit Balsamessig (Carrè d’agnello al ristretto di balsamico, 22 Euro), der mit kunstvollem Schnörkel den Teller füllte. Meist mag ich derlei Malerei ja nicht, aber hier passte es irgendwie – und da es annonciert war und schmeckte, verziehen wir der Küche.

Il Chiasso

Il Chiasso

Zumal wir zum Essen einen Wein hatten, der eh milde stimmte: Le Sughere Elba Rosso Riserva 2006. Das Weingut lesughere.it ist gar nicht so weit entfernt in der Nähe von Rio Marina. Von den 25 ha der Azienda Agricola sind zehn für den Weinbau reserviert. Unsere Riserva hatte drei Jahre im barrique gereift, was den 90% Sangiovese-Trauben (die restlichen 10% sind Cabernet Sauvignon) gut bekam.

Ach ja, da war ja noch ein Loch fürs Dessert. Die gemischten und flambierten Früchte mit Vanilleeis (10 Euro) füllten es in Ehren, und auch die weniger kalorienträchtige Tarte tatin (6 Euro) rundete den Abend wunderbar ab.

Il Chiasso
Via Nazario Sauro, 9
57031 Capoliveri

Tel. +39.0565.968709

[Lage auf der Elba-Karte]

Capoliveri

Nach dem Regen

In der Saison muss es hier schlimm zugehen; 800.000 Touristen kommen pro Jahr. Da Capoliveri selbst nur 3.100 Einwohner zählt, die Gassen des Ortes sehr sehr eng sind und alles sich auf engstem Raum abspielt, kommt da sicher kuscheliges Sardinengefühl auf. Aber im September ist das alles sehr erträglich, und statt vor einem der guten Restaurants Schlange zu stehen, bekommt man auch ohne Reservierung einen Platz.

Straßenleben
Straßenleben

Capoliveri ist einer der ältesten Orte der Insel – die Lage verpflichtet, war aber auch wohl eine Einladung an alle möglichen Eroberer, es sich hier gemütlich zu machen. So kamen nachenander die Etrusker (900 v. Chr.), die Römer (300 v. Chr.), dieChristen, die PisanerBarbarossa, die spanischen Bourbonen, die Habsburger und immer wieder Piraten. Und nun kommen eben die Touristen. In Capoliveri haben vornehmlich Menschen aus dem Süddeutschen ihr eigenes Ferienhäuschen, das sie dann ein oder zwei Monate lang nutzen. Na gut, das erklärt, warum es hier die Süddeutsche zu kaufen gibt…

Italo Bolano
Italo Bolano

Die Piazza Matteotti ist ein belebter Platz mit Blick aufs Dorf und die weiter unten liegende Umgebung. Von der geschäftigen Hauptstraße Via Roma führen zahlreiche verwinkelte Treppengassen ab, in denen man sich aufs Angenehmste vom ursprünglichen Character des Ortes überzeugen kann. Verlaufen ist unmöglich – man stößt entweder an die Stadtmauer oder auf eine Parallelgasse und findet in der nächsten Gasse zurück. Am Ende der Via Roma öffnet sie sich zu einem Platz, der Piazetta G. Marconi, an dem (einmal wieder) Kunst von Italo Bolano steht, die sich hier – sicher nicht zufällig – in der untergehenden Sonne ganz farbenprächtig gestaltet.

[Lage auf der Elba-Karte]

 

Zum Monte Calamita

Wir hätten gewarnt sein können: Der Monte Calamita heißt ja so, weil er ein Berg des Übels ist. Ursprünglich natürlich, weil er so viel Eisenerz enthält, dass ein normaler Kompass schon mal irritiert sein kann. Unser roter Wandeführer ließ gar “jede Kompassnadel verrückt spielen”, was wir aber nicht bestätigen konnten, da nicht mit Nadel, sondern mit GPS unterwegs waren. Und die Satelliten da oben ließen sich vom Magnetit nicht beeindrucken.

Weinernte
Weinernte
Aber auch alle anderen Verheißungen der Literatur waren heiße Luft: das versprochene “Blau-Grün der Küsten” wollte sich im Dunst lichter Wolken nicht einstellen, und das “nackte Rot der aufgelassenen Bergwerksstufen” stellt sich wohl auch nur in der Abendsonne ein – uns erschienen die Berge reichlich angezogen. Wobei die Autoren natürlich nichts fürs Wetter können. Aber gerade beim sich nicht einstellen wollenden nackten Rot, das es uns vorab so angetan hatte, weil wir uns partout nicht vorstellen konnten, wie das wohl aussehen mag, war die Enttäuschung groß. Die Flüche von Frau Curly zu notieren könnte privatrechtliche Forderungen der Beschimpften nach sich ziehen, obwohl ich sie alle berechtigt fand und mir auch ins Repertoire (be-)merkenswerter Schimpftiraden aufgenommen habe. Aber wir sahen Weinbauern bei der Ernte, das ist doch auch was: Nicht so spektakulär, aber ganz in unserem Sinne (wenn man beim Laufen schon an den Abend denkt).
Motorradtour
Motorradtour

Dass diese Wanderung unterm Strich dennoch ganz angenehm wurde, hatte mehrere Gründe: Sie war überhaupt nicht anstrengend und führte in Gebiete, die extrem ruhig waren. Wenn man mal von einer Mopedgang absieht, die uns mehrfach begegnete, weil sie nicht so recht wusste, wo es lang ging. Obendrein bescherte diese Wanderung Aussichten, die ihresgleichen suchen. Dafür nimmt man dann auch in Kauf, dass ganz zum Schluss die Tour am Rande der asphaltierten Straße entlang geht… So konnte man sich im Prinzip einen Überblick über die gesamte Insel verschaffen: Erst ein Blick von Portoferraio im Hintergrund bis Porto Azzuro direkt unter uns, später das ganz große Panorama von Porto Azzuro (nun schon etwas weiter weg) über Portoferraio bis hin zur Südküste und dem Monte Capanne als höchstem Berg der Insel. Beeindruckend und schön!

Rohre oder Kunst?
Rohre oder Kunst?

[Lage mit GPS-Wanderweg]

Wanderung in die Berge

Poggio

Das Schöne an Elba ist, dass man zwischen Monte und Mare schnell wechseln kann. Heute geht’s also in die Berge! Der Weg führt von Poggio unterhalb des höchsten Berges der Insel – dem Monte Capanne - entlang nach Marciana Alta,dem Bergdorf zum bereits besuchten Hafenstädtchen Marciana Marina. Insgesamt ist das eine sehr schöne Schlenderwanderung mit grandiosen Aussichten. Das Grün der Bäume! Die roten Bergdörfer! Und immer wieder das Meer in seinen drei Farben blau. Mindestens drei – hach!

San Niccolò
San Niccolò

Wir parken das Auto in Poggio und sind gleich einmal verblüfft, wie schön sich das Dorf präsentiert. Also beginnt die Wanderung mit einer Dorfbummelei. Es ist wenig los – kein Wunder, ist ja auch Mittagszeit und die Sonne steht im Zenit. Aber in den Gassen ist es schattig und kühl. Vom Dorfplatz, der Piazza Castagneto, gehen wir hügelan (bergan wäre zu viel des Guten!). Am höchsten Punkt des Ortes steht die Kirche San Niccolò, die bereits im 8. Jahrhundert erbaut wurde (der Turm ist deutlich jünger: 18. Jahrhundert!).

Mor-gähn!
Mor-gähn!

Beim Bummel durch Poggio fällt auf, wie gepflegt hier alles ist. Saubere Gassen, nette farbige Häuser, schöne Blumen in Kübeln davor. In den offenen Fenstern räkeln sich nicht etwa Rentner in Feinripphemden, sondern allenfalls Katzen, die gerne auch mal gelangweilt gähnen. Wir waren begeistert (und sind am Ende der Tour vor dem Abholen des Wagens gleich nochmal durch Poggio gestreift, um auch die letzten Ecken kennen zu lernen!).

Fonte di Napoleone
Fonte di Napoleone

Ganz in der Nähe von Poggio ist der Berg nicht ganz dicht. Hier befindet sich die wohl berühmteste Quelle der Insel: Die Fonte di Napoleone. Gewidmed “Napoleone il Grande”, weil der angeblich während seines einjährigen Aufenthalts auf Elba gerne dieses Wasser trank. Am Straßenrand sprudelt es in einer insgesamt eher unscheinbaren Örtlichkeit so vor sich hin, aber immerhin kommt es aus dem Maul eines Löwenkopfes. Man kann sich bedienen, was Einheimische wie Touristen gerne machen. Wir natürlich auch, denn das Wasser der Fonte di Napoleone ist köstlich und kommt gut gekühlt aus dem Berg. Ob es auch heilt, konnten wir nicht feststellen, denn nichts war kaputt.

Unsere eigentliche Wanderung begann ein wenig abenteuerlich, weil wir relativ früh vom rechten Weg abgekommen waren. Es gab da nämlich so eine Stelle, wo es nach Wanderführer auf einem eigentlich recht breiten Weg links abgehen sollte – aber da war wohl ein Unwetter dazwischen gekommen, denn es sah sehr abenteuerlich unwegsam aus. Also taperten wir wacker geradeaus, einen kleineren Weg entlang. Doch damit kamen wir vom Regen in die Traufe, denn der Weg entpuppte sich nach einiger Zeit als ein wilder Pfad, aufgewühlt wie nach einer Wildschweinsause: Cinghiale auf Speed mit niedergemetzelten Bäumen und voller Steinbrocken. Irgendwann waren wir es leid und kraxelten noch verwegener nach links bergan, wo uns unser iPhone-GPS einen Weg anzeigte: Das war dann der richtige. Wir hätten früher draufsehen sollen!

San Cerbone
San Cerbone
Frau Curly gab den Rohrspatz und flötete nicht schreibbare Dinge über unsinnige Beschreibungen in Wanderführern einerseits und die harte Wirklichkeit unter besonderer Berücksichtigung des GPS-Daten-zu-spät-auslesenden Wanderbegleiters andererseits, brach das Wehklagen dann aber ab, als wir San Cerbone erreichten. Die Einsiedelei wurde vom Bischof Cerbone 573 gegründet, der mit den Langobarden nicht so gut konnte und auf Elba ins Exil gezwungen wurde (die Insel scheint sich sehr gut zu machen für Exilanten). San Cerbone ist verschlossen, aber draußen stehen Baumstümpfe mit nur wenig Krabbeltieren: Brotzeit!
Cabinovia
Cabinovia
Gleich hinter der Kirche kreuzt die Kabinenbahn zum Monte Capanne den Weg. Wer die Cabinovia nutzt, steht im gelben Käfig, spart sich einen besonders schweißtreibenden Weg (steht so im Wanderführer), überwindet 660 Höhenmeter in 15 Minuten, kann bei guter Sicht weit blicken und bei diesiger am besten gleich wieder runter machen. Und diesig ist es am Berggipfel des 1019 Meter hohen Monte häufiger als man denkt – ist ja sonst nichts in der Gegend, wo sich die Luftmassen zu einer kleinen feinen Wolke versammeln könnten. Die Preise für die Kabinenbahn entsprechen in etwa denen eines Mittagessens in einem einfachen Restaurant – weswegen wir dann lieber Bilder von weiter unten machten.
Mufflon
Mufflon
Als Wanderer (im September) ist man weitgehend allein mit sich, den Kastanienbäumen und dann und wann ein paar Tieren. Besonders angetan hatten es uns die Mufflons, die uns aus sicherer Distanz freundlich ansahen, um dann fortzustieben. Ansonsten: Himmlische Ruhe, bei sich schlängelndem Weg ein steter Wechsel von Blicken auf den Monte (dessen Gipfel übrigens hässlich mit Sendemasten und Radaranlagen verziert ist) und das Mare mit Marciana Mariana und sogar hinüber bis hinter Portoferraio und aufs Festland.
Pisanische Festung
Pisanische Festung

Marciana Alta ist zwar eine der ältesten Siedlungen der Insel – aber nicht ganz so malerisch wie Poggio. Dafür ist der Ort vielleicht ein wenig ursprünglicher, was auch auch ganz reizvoll sein kann. Die Fortezza Pisana, die Pisanische Festung, begrüßt uns gleich eingangs des Dorfes. Sie ist verschlossen – was ja für eine Festung eigentlich der Normalfall sein sollte! Die viertürmige Anlage aus dem 12. Jahrhundert ist im Sommer romantischer Ort für Veranstaltungen.Wir passieren die Cappella di San Liborio aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Ein kleiner schlichter Bau mit einem Altar aus Stein im Innern und einem Bild darüber – sonst nichts. Das wenige Licht fällt durch die offene Tür oder, wenn die geschlossen ist, durch das kleine runde Fenster oberhalb der Tür.

Chiesa di Santa Caterina
Chiesa di Santa Caterina
Die Chiesa di Santa Caterina stammt aus dem 16. Jahrhundert. An gleicher Stelle gab es zuvor schon eine Kapelle, die in die Kirche integriert wurde. Die Kirche ist eine der größten der Insel Elba. Zum Dorf hin hat sie ihre schmucke Fassade und den Haupteingang, tritt man durch die Porta di Lorena hinaus, sieht man auch den Turm (der vom Tal aus oder oben vom Berg) besser zu erkennen ist. Hinterm Tor ist man mittlerweile nicht mehr vor dem Dorf, sondern in einem sehr angenehmen Teil: Hier ist die Kneipenmeile.
Bar, Porta, Chiesa
Bar, Porta, Chiesa

Wir nehmen nicht die Erstbeste, aber die erste ist eine der Besten: Die Bireria Bar la Porta, direkt neben dem Tor. Bruschette, Salate – und selbst gebackener Kuchen! Wir nahmen (zu einem Glas Weißwein) einen mit Trockenfrüchten und Nüssen, Wein, Olivenöl, Mehl (das Rezept hat uns die Wirtin verraten!). Der verarbeitete Wein war ganz offensichtlich vom Geschmack her ein einfacher Aleatico. Die Bar hat geniale Öffnungszeiten: Von 7.30 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts. Und das in einem Dorf mit 200 Einwohner, aber etlichen Touristen. Die Preise sind sehr zivil: Für das Stück Kuchen 1 Euro, für ein Glas guten Weißwein 3,50 Euro. Dazu supernetter Service: unbezahlbar!Unterhalb der Bar ist eine Bushaltestelle – aber es fuhr kein Bus. Also Daumen hoch und Glück haben: Zwei Bayern nehmen uns mit von Marciana nach Poggio. Sie wunderten sich über unser Fußwerk: Wandersandalen. Wir Schlenderwanderer hingegen wunderten uns, dass sie mal eben so auf den Monte Capanne gestiegen waren – in etwa zwei Stunden. „Jo mei, 1019 Meter, das ist ja nichts!“ Bayern halt.

Paolina Beach
Paolina Beach

Auf der Rückfahrt von Poggio wollten wir noch den – laut Reiseführer – “überaus einladenden Sandstrand” der Paolina-Bucht kennen lernen. Oben an der Straße verkündet ein Schild, dass die “Bar nachts und tags geöffnet” sei. Wir also etliche Stufen runter, nur um festzustellen: Da ist gar keine Bar. Der Strand ist möhlig mit dem Nordküsten-Tang, ansonsten Steine und Sand gemixt. „Unser Müller“ hatte auf S. 64 ein sehr appetitliches Bild publiziert, das mit der Wirklichkeit leider nicht übereinstimmt. Jedenfalls nicht im September.

[Die Wanderung bei Google Maps | Lage auf der Elba-Karte]

Unsere Haustiere

Morgens um fünf ist die Welt noch in Ordnung. Außer für den Hahn nebenan. Der beginnt dann nämlich sein Tagwerk als Alleinunterhalter. Er kräht nicht nur zum Wecken, sondern den ganzen Tag. Außerdem hat er einen Kumpel nebenan, der immer sofort antwortet, wenn er angekräht wird. Unsereins wäre längst heiser, aber unser Hahn nicht. Er nervt nur. Wir haben spontan drei Tage hintereinander Gerichte mit gallo gegessen, um die Nachfrage nach Schlachtvieh zu erhöhen. Hat aber nicht geholfen. Habe beschlossen, demnächst aufmerksamer alte Literatur zu studieren und einen Caesar De bello Gallo mitzunehmen.

Schmetterling
Schmetterling

 

Morgens um neun erfreut uns die kleine schlanke Eidechse in der letzten Sonnenecke des Belvedere-Tischs. Sie ist flink wie ein Wiesel, hangelt sich manchmal auch am Geländer entlang oder sucht (und findet!) die letzte sonnenbeschienene Ecke eines Steines.

Morgens um elf gibt es Prosecco für alle – also auch für den Riesenschmetterling. Allerdings hatte der nicht mit unserem vergnüglichen Zug gerechnet, so dass er ein wenig mit dem schon fast leeren Glas zu kämpfen hatte.

Napoleon
Napoleon

Abends um neun ist das Essen gerade fertig. Neugierig beäugt werden wir von Napoleon. So haben wir den etwas plumpen Gecko an der Wand zur Terrasse getauft, der uns hier allabendlich seinen Besuch abstattete. Wir fanden Napoleon (und auch den an einigen Tagen anwesenden Kumpel, den wir Bonaparte nannten) sehr nett anzuschauen. Hilfreich waren Napoleon und Bonaparte auch, denn sie fraßen begierig alles, was sie erzüngeln konnten. Und was gefressen wurde, konnte uns nicht stechen oder beißen oder gegen den Kopf platschen.

Wanderung entlang der Küste

Marciana Marina

Zweiter Versuch, eine Wanderung in Marciana Marina zu beginnen – erfolgreich, denn dieses Mal waren die Wolken hinter uns. Die Wanderung parallel zur Küste geht durch einen schattigen Wald – man könnte sie eigentlich ohne Kopfbedeckung angehen, weswegen ich vorsorglich schon mal das Basecap irgendwo zwischen Auto und Anstieg verlor.

Steil geht’s hoch, zumindest für Ungeübte. Aber eben schattig und angenehm. Vor allem: allein. Manchmal schimmert rechts türkisfarbiges Meer durch. Der rote Wanderführer schildert den Streckenverlauf genau, aber eigentlich reichen wegen der guten Schilder vor Ort zwei Merkpunkte: Erst Richtung La Cala, dann nach Sant Andrea. Die Nationalpark-Verwaltung hat rot-weiße Markierungen angebracht und ausreichend Holzschilder installiert.

Bootspause
Bootspause

Erster Zwischenstopp in der Albergo Oleandro kurz vor Sant Andrea, die über eine hervorragende Terrasse verfügt. Es gab sauren Wein, sehr passend (wirklich!) und ein schattiges Plätzchen. Spannend: Vom kleinen Strand Cotoncello geht es über Felsen und künstlich angelegte Treppen und Stege zur Nachbarbucht Sant Andrea. Da ist Hollebolle, wir notieren Handtuch an Handtuch sowie geschäftiges Strandleben mit Bootsverleih und schönen Italienern.

Um den Bus zurück nach Marciana Marina zu bekommen, muss man die Asphaltstraße nach Zancahochlaufen. Oder Glück haben, dass einen auf dem Weg dahin jemand mit nimmt (nein, die Herrschaften hielten nicht an, weil sie uns für hilflose Personen hielten. Die Lockenfrau hatte den Daumen im Wind…).

Torre Pisana
Torre Pisana

Marciana Marina mit dem nicht übersehbaren Torre Pisana ist für mich das schönste Dorf auf Elba. Rausgeputzt, aber nicht überkandidelt, gute Mischung (im September) aus Touristen und Einheimischen. Das alte Fischerviertel Il Cotone ist ein reizvolles Spiel von Farben und Formen – die Stadt hinterlässt einen fröhlichen Eindruck (anders alsPortoferraio, dessen Trutzburgen auf die Stadtstimmung ausstrahlen). In der wirklich netten Enoteca Coltelli saßen wir am Ende des Tages zwar das erste, aber nicht das letzte Mal – weil es guten Wein gab und dazu Snacks, die einem bis zum Abendbrot gut über die Runden halfen.

Die Kreuzfahrer kommen!

Kreuzfahrer

Erlebnisse auf den Äolen (6)

Morgens um acht, verheißt das Schild, sollen sie kommen. Es wird allerdings zehn Uhr, bis die ersten Passagiere mit den kleinen Rettungsbooten der Grand Mistral der Gesellschaft Ibero Cruceros an Land gehen können. Das 1999 gebaute Schiff ist 216 Meter lang und 28 Meter breit; acht Decks bieten knapp 1.200 Kreuzfahrern Platz. Sowas fällt schon auf in der Bucht vor der Marina Corta, die Seefahrerkirche Chiesa delle Anime del Purgatorio sieht richtig niedlich dagegen aus (oder das Schiff bedrohlich gegenüber der kleinteiligen Architektur, wenn man das einmal andersherum sieht).Vor der Ankunft des Schiffes war alles peinlichst vorbereitet: Absperrungen links und rechts, damit die Kreuzfahrer nicht versehentlich ins Wasser laufen statt die drei Stufen der Treppe hoch auf die Piazza Ugo. An Land warten Stadtführer, die Zahlentafeln in die Höhe recken: Gruppe 11? Gleich vorne links! Gruppe 13? Gleich dahinter. Alle Passagiere, die in drei der Rettungsschiffe ausgebootet und an Land gebracht werden, haben Nummern an Hemd oder Bluse, das erleichtert die Zuordnung ungemein.

Die Taxifahrer, die sonst am Haupthafen die Touristen nerven, hatten sich vorsorglich an der Marina Corta positioniert, um Rundfahrtwillige zu einer wahrscheinlich völlig überteuerten Tour rund um die Insel zu überreden. Aber wie soll das denn gehen? Wo doch jeder eine Nummer für eine Stadtführung zu Fuß hat? Der Besuch der Kreuzfahrer bescherte dem sonst eher beschaulichen und von Fischern, Tagestouristen und Wandergruppen geprägten Platz dann auch einigen Auftrieb, und die Stadt hatte das hübscheste Politessenpaar in chicer Uniform dienstverpflichtet. Da hatten die Franzosen wenigsten was zu gucken!

Das Mutterschiff war, wie sich das seit einigen Jahren für Kreuzfahrer gehört, bunt angemalt. Immerhin konnte man den Grundtenor weiß noch erkennen, lediglich eine orange Meerjungfrau, ein blauer Wal, ein orangener Sprinter, eine grüne Räkelnde, ein blauer Winkender und ein lila Pärchen signalisierten unbändige Freunde und Ausgelassenheit. Alle Figuren (bis auf den Wal) sehen aus wie muntere Zwanzigjährige, aus dem Boot kommen allerdings meist tapfere 50-70jährige – bereit, in Gruppen die Insel zu erobern. Naja, nicht die Insel, sondern das, was die guides ihnen in maximal vier Stunden Aufenthalt zukommen lassen. Die meisten tapern in den Grüppchen mit, nur vereinzelt begegnet man Indivídualisten. Um 14.45 lichtet der große Mistral die Anker, weiter geht’s Richtung Salina…

Leben im Bus

Im Bus

Erlebnisse auf den Äolen (5)

Natürlich gibt es einen Fahrplan für die Busse, die auf der Insel Lipari den Stadtverkehr besorgen sowie vorbildlich die Ortschaften miteinander verbinden. Konkret sieht das dann so aus, dass die Linea Bianca auf ihrem Rundkurs vom Busterminal übers Hospital beispielsweise um 10.30 Uhr von der Marina Corta über die Haltestelle Busterminal (die hier prägnant „Esso“ heißt, weil die Tankstelle für Benzintanker ein sehr zentraler Ort ist) zum Nachbarort Canneto fahren soll. Pünktlich um 10.45 kommt der Bus dann auch an. Kein Problem, wir haben ja Zeit. Der Fahrer schnappt sich den Kinderwagen, der vorne neben ihm stand, und dreht erst mal mit seinembambino eine Runde. Derweil kassiert der Schaffner die vier Fahrgäste schon mal ab: Einfache Fahrt 1,50 – Hin und zurück 2,50. Wir haben ein Zehnerticket für 10,50 erstanden und werden pro Person einmal gelocht, zahlen also pro Fahrt 1,05 Euro.Während wir noch sinnieren, wie schön und arbeitsplatzschaffend es doch ist, wenn so ein kleiner Stadtbus mit 10 Sitz- und 22 Stehplätzen sich nicht nur einen Fahrer, sondern auch einen Schaffner leistet, kommt Papa conducente zurück und liefert das Baby bei seiner Frau (die im Bus gewartet hatte) und dem (sicher nicht zufällig) vorbeikommenden nonno ab.

Nun hätte es ja eigentlich losgehen können, aber eine Gruppe von ungefähr 234 Schülerinnen und Schülern, die bislang brav auf der molo in elendig langer Schlange auf den Beginn des Stadtgangs gewartet hatte, hatte sich den gleichen Moment zum Abmarsch erkoren. Das war nun der große Moment für die beiden Politessen, die auf dem Platz für Ordnung sorgen. Mit gebieterischer Handbewegung deutete die eine dem Busfahrer ein „Stop“ und den studenti ein „Go!“

Ungefähr bei Schüler Nummer 84 entschied die Hübsche aus unerfindlichen Gründen, den Spieß umzukehren: Schülerstopp und Busfreifahrt, wie schön!

Es ist immer ein Erlebnis, durch enge Gassen zu fahren, zumal wenn dort Touristen unterwegs sind und ihren Teil der Straße beanspruchen. Seelenruhig kutschierte der Fahrer das Gefährt voran, bis ein kleines blaues Auto vor ihm stand. Der Fahrer betätigt die Hupe, das kleine blaue Auto bleibt stehen. Er hupt, es steht. Immer noch sehr gelassen verlässt der Busfahrer die Linea Bianca, öffnet die Tür des kleinen blauen Autos und fährt es einige Meter vor und weiter rechts heran. Der ältere Herr auf dem Beifahrersitz protestierte nicht, die Leute im Bus applaudierten nicht, die Fahrt ging weiter, als ob nichts passiert wäre…