Von oben nach unten

Ohne Moos nix los

Gomerisches Tagebuch (16)

Die Wander-Evangelisten vom Rother nennen das die Paradetour, und wenn man so etwas liest, will man das und genau das und nichts anderes natürlich auch machen: Vom Garajonay nach Hermigua! Der vorgeschlagene Weg vom Alto de Contadero an der Hauptstraße durch den Lorbeerwald hinunter nach Hermigua erschien uns aber noch nicht parademäßig genug, so dass wir einen anderen Einstieg wählten: Vom Parkplatz Parajito, der den Vorteil hat, auch eine offizielle Bushaltestelle aufzuweisen (zurück wollten wir den Bus nehmen). Außerdem kann man so den elend langen Abstieg – 1.100 Meter! – ein wenig aufpeppen: Vom Parajito geht’s nämlich erst einmal etwas hoch, wobei etwas = 100 Meter ist, wozu es einen halben Kilometer Weges braucht. Da oben, auf halbem Weg zum höchsten Berg der Insel, ist es erstens neblig und zweitens kalt. Weit ist es zum Gipfel des Garajonay nicht mehr – aber warum soll man die 24 Meter Höhenunterschied noch erzwingen, wenn man sowieso nichts sieht? Wir wenden uns also auf 1463 m Höhe am Wegweiser „Garajonay links, Contadero rechts“ bergab und erwischen freundlicherweise hin und wieder schon einmal Wolkenfetzenlücken. Nach einer halben Stunde etwa ist man dann da, wo es hätte losgehen können: am Alto de Contadero.

Nebelparkplatz
Nebelparkplatz

Hier beginnt der schönste Teil dieser Tour: der Bosque del Cedro zeigt sich als Märchenwald, mit bemoosten Baumstämmen, Farnen und wild-romantischer Natur, wohin man auch schaut. Der Weg schlängelt sich beständig herab und gibt immer neue Blicke frei: nach unten auf einen dahin plätschernden Bach, nach links auf umgefallene Bäume, nach rechts auf eine Lücke im Wald, durch die der Roque de Agando lugt. Und dann gehst du einmal um die Kurve und stehst direkt gegenüber vom El Teide. Naja, eigentlich ist er weit weg, nicht mal auf La Gomera, sondern auf Teneriffa. Aber weil er der höchste Berg Spaniens ist, macht er sich mächtig breit und bietet eben auch von weiter weg einen eindrucksvollen Anblick.

Mitten im Wald droht dann ein großer Parkplatz für Autos an, dass hier das Ende der Romantik erreicht ist. Erfreulicherweise haben die Gomeros jedoch nur am Wochenende Zeit, diesen ruhigen Flecken zum Zentrum lustiger Grillparties zu machen – weswegen man diese Tour nur unter der Woche unternehmen sollte – es sei denn, man ist auf Grillfleisch scharf. Etwa eine Viertelstunde nach „Las Mimbreras“ taucht die nächste Partys-Location auf. Die kleine weiße Kapelle „Ermita de Nuestra Señora e Lourdes“ ist ebenfalls – wie viele Kapellen – ein beliebtes Ziel der Einheimischen, um den Alltag hinter sich zu lassen und ein wenig „en famille“ zu feiern.

Bald hinter der Kapelle ändert sich das Landschaftsbild – der Regenwald lichtet sich, bald kann man das Dorf El Cedro sehen (oder, wenn es nebelt: erahnen). Bei unserem ersten Besuch haben wir auf diesem Wegstück kaum die Hand vor Augen gesehen, bei der Wiederholung erkannte man dann sehr schön die Weite der Landschaft: Links sieht man in den Nebelwald zurück, gerade erheben sich Wald und Wiesen wie auf einer Alm, rechts das Dorf mit dem Mittagsziel der Wanderung: dem Campingplatz mit Restaurant La Vista. Weiter schweift der Blick nun in die Ferne, wo die Berge bis zum Meer herunter reichen. Mit etwas Glück gibt sich am Horizont wieder Teneriffa die Ehre.

Am Dorfeingang von El Cedro begrüßen Esel die Wanderer. Vielleicht dösen sie (die Esel) auch nur so vor sich hin, oder sie mampfen – was man als Esel halt so macht in der Freizeit. Wenn man es ihnen (den Eseln) gleich tun will, also ein wenig dösen/entspannnen und mampfen, dann lohnt sich der Aufstieg zum Restaurant La Vista. Ein Kamin brennt (wir waren im November dort!), aber die Leute sitzen doch lieber draußen. Man sitzt rustikal an Holztischen auf Holzbänken, und von den im Innenraum zentral gelagerten Kissen braucht man mindestens zwei, um dem Po einen Hauch von Bequemlichkeit zu verschaffen.

Aufgetischt
Aufgetischt

Das Essens-Angebot ist übersichtlich und gleichbleibend, es steht dreisprachig auf einer Tafel: spanisch und englisch in simulierter Handschrift, deutsch mit teutonisch anmutenden alten Buchstaben – ist sicher liebevoll gemeint, gibt aber dennoch zu denken. Wir haben dann also folgerichtig auf spanisch bestellt und können sehr empfehlen: Potaje de Berros (Wasserkressesuppe) für 3,20 EUR. Sie wird in einer Holzschüssel serviert, dazu gibt’s Gofio. Lecker und ein Sattmacher! Carne de Cabra, Ziegenfleisch, kostet 6 EUR und wird mit höllisch scharfer Mojo Rosso serviert. Dazu sollte man sich Papas arrugadas gönnen, die berühmten Runzelkartoffeln (vielleicht wird die Mojo auch dazu gereicht – wir haben ja alles zusammen bestellt). Eine Portion (3 EUR) besteht aus etwa neun mittelgroßen Kartoffeln: Hungrig muss man wirklich nicht diesen netten Platz verlassen! Die Preise waren übrigens 2006 und 2007 gleich – ein Vorteil des fertig gemalten Speisekarten-Schilds!

Perros no ni Golfos
Perros no ni Golfos

Wo wir gerade bei Schildern sind: Gut gefallen hat mir auch der Hinweis, dass man dort bitte nicht rauchen möchte und dass das Restaurant für Hunde und Golfer verboten ist!

Wir rasten ausgiebig und lesen ein wenig im kleinen roten Buch, das uns eine “luftige, häufig auch sehr steile” Wanderung nach Hermigua verspricht. Kann ja heiter werden!

Kleiderordnung auf dem Golfplatz

Der gomerische Hai

Gomerisches Tagebuch (15)

Fred Olsen ist nicht einer von der – vor allem im Osten Deutschlands sehr beliebten – Olsen-Bande. Er ist vielmehr der Chef von La Gomera. Nicht offiziell, natürlich, aber wenn man sich die Olsen-Geschichte anhört, dann spielt der Name schon eine gewichtige Rolle. Wie so oft bei solchen Stories kann man das sehr nett erzählen – und dann wird der olle Olsen zum Wohltäter, weil Arbeitgeber. Man kann das natürlich auch anders, kritischer, deuten, wenn einer die (finanziellen) Schwächen der anderen ausnutzt und Ländereien aufkauft, bis er zum größten Grundbesitzer der Insel wird. Wer mag, kann ihn mannigfaltig unterstützen: Mit einer Fähre der Olsen-Line nach Gomera kommen; im Hotel Jardin Tecina – dem besten der Insel, natürlich! – wohnen und nebenan golfen; im Restaurant Las Rosas bei Agulo speisen…

Man kann es natürlich auch sein lassen, den Garajonay-Expres zur Überfahrt nutzen statt den Olsen-Hai, in privaten Apartementos wohnen und bei den Einheimischen essen gehen. Fred Olsen wird’s nicht merken.

Hinter Gittern
Hinter Gittern

Das Hotel ist nett abgeschirmt, eine Schranke mit hübscher Wachfrau sorgt dafür, dass nicht Kreti und Pleti die Ruhe des schönen Ortes oberhalb von Playa Santiago stören. Auch die Golfer gehen hinter Gittern ihrem Vergnügen auf dem akkuraten Grün nach. Sollen sie, gomerisch sieht die künstliche Landschaft trotz Palmen und adretter Blütenpracht eh nicht aus. Jegliche eventuell aufkeimende Lust auf eine Platzrunde kann einem beim Anblick des Kleiderordnungs-Piktogramms sowieso vergehen. Es zeigt vier stilisierte Männlein, die bezeichnenderweise alle gesichtslos sind und nur einen unmarkanten Eierkopf haben. Die zwei Männer links haben oben rum nichts an, die beiden rechts, oha!, stehen unten ohne da. Je ein Männlein der beiden oben bzw. unten ohne Typen hat offenbar was Falsches an, denn so eine Art Parkverbotszeichen quer über dem stilisierten Kleidungsstück signalisiert ein „so nicht!“.

Mit Hosenstall und Kragen
Mit Hosenstall und Kragen

Das rechte Männlein trägt offensichtlich ein T-Shirt, was falsch ist: Es sollte schon ein Polo sein, das zwar auch nicht mehr zeigt oder verdeckt, aber immerhin so eine Art Kragen hat und wahrscheinlich auch noch Platz für ein Krokodil auf der Brust, obwohl man das auf dem Bild nicht sieht.

Aber was ist das bei den Hosen-Männern? Der Linke, der mit dem Parkverboten, trägt seine Hosen genau so lang wie der Ordentliche rechts daneben. Nur… der angeblich so Korrekte – hat der nicht sein Geschlechtsteil raushängen, während der Verbotene alles in der Hose behalten hat? Trägt man das jetzt so auf dem Golfplatz Tecina? Es würde natürlich erklären, warum die Herrschaften hinterm Zaun spielen und Gäste nicht allzu nahe rangelassen werden!

Oh, ich höre gerade, dass meine Bildinterpretation nicht stimmt. Was man da sieht, sei gar nichts Anstößiges, sondern die allenfalls etwas unglückliche Darstellung eines so genannten Hosenstalls. Aber bevor ich über dieses Wort weiter nachdenke, beende ich den Beitrag lieber!

Übers Wetter

Valle Gran Rey

Gomerisches Tagebuch (14)

Dem Novembernebel entfliehen, um im November einen ganz eigenen Nebel zu erleben: das ist mutig! Gomerareisende sollten sich zu diesem Mut bekennen, denn eine Insel, die stolz auf den Nebelwald ist, hat eben nicht nur Wald! Auf den Bilderbuchpostkartenfotos sieht das so aus: Eine Straße windet sich durch die Landschaft, links und rechts frisches grün. Mittendrin ein Hauch von Wattebäuschen, das da so gemütlich vor sich hin wabert. Ein Sonnenstrahl gibt dem Idyll einen Hauch von Glücklichsein: ja, so wünschen wir uns den Urlauberregenwald!

Die Wirklichkeit gestaltet sich meist brutaler. Bei unserem ersten Gomerabesuch gab’s (außer auf der Anreise) gar keinen richtigen Nebel, bei unserem zweiten an den ersten Tagen nur dicke Suppe: Leben in einer Wolke ist nur ein Achtel so romantisch wie leben auf Wolke sieben!

Im Nebelurwald
Im Nebelurwald

Was macht man da? Man versucht irgendwie, die Natur zu verstehen. Im Grunde genommen ist das nämlich Meteorologie für Anfänger: Überm warmen Meer fühlen sich die Tropfen aufgelöst sehr wohl, treiben aufs Land zu und sehen sich dort mit massiven Problemen in Form von Felsmassiven konfrontiert. Die ragen einfach mirnichtsdirnichts rund tausend Meter hoch auf und stehen damit den heiter gelösten Wassertröpfchen im Weg. Was tun die nun? Sie üben den Aufschwung, aber der ist kalt. Ein Grad pro hundert Meter, so die Faustregel. Wenn’s aber kälter wird, können die Tropfen quasi das Wasser nicht mehr halten und machen einen auf Nebel, schlimmstenfalls geben sie gar die Regenwolke. Nun beginnt ein für Urlauber und sonnenhungrige Gomeros dummer Kreislauf: die Wolken verhindern, dass sich das Land erwärmt, weil die Sonne da nicht durchkommt. Also bleibt’s unter den Wolken eher kühl, was den Nebel beflügelt. Im Sommer ist das alles anders: da brennt die Sonne dem Land so auf den Pelz, dass sich die Tröpfchen des Nebels schnell wieder auflösen. Da freuen sich dann Touris und Einheimische, weil sie früh zu ihrem Nebelbild kommen und später unter der Sonne sich einen Brand holen können. Aber das ist doch allemal besser als den Depri, oder?

Unterwegs im schönen Tal

Wolkenbedrohung mit Lichtblick

Gomerisches Tagebuch (13)

Lange Zeit habe ich mich gefragt, warum wir den Rother Wanderführer wie eine Bibel mit uns rumschleppen, wo doch die Wanderwege auf La Gomera so wunderbar vorbildlich ausgeschildert sind? Die Antwort gab endlich die Tour 41 „Von Vallehermoso zum Marichal-Stausee“ – denn dort haben die Autoren endlich mal Pfade beschritten, die nicht vom offiziellen Wegenetz erfasst sind. Und während mich die Bemerkungen von Klaus und Annette Wolfsperger häufig zum Schmunzeln gebracht haben („aussichtsreiche Höhenbummelei“ verspricht z.B. Tour 31, allerdings gilt es 1000 Meter Höhenunterschied zu bewältigen…), beschreiben sie hier alles nahezu genau so wie es dann war. Naja, wenigsten fast.

Terrassenkultur
Terrassenkultur

Die Tour war von uns als leichter Sonntagsspaziergang gedacht, entpuppte sich dann aber doch als eine ganz ordentliche Wanderung an einem Sonntag, die alles in sich hatte, was uns so erfreut. Startpunkt ist ein Dorf unweit von Vallehermoso, das den schönen Namen Banda de las Rosas trägt. Es ist mit dem PKW zu erreichen, wobei der Fahrer / die Fahrerin gelegentlich gute Nerven haben muss auf der einspurig schmalen steilen Straße, um den Gegenverkehr an den passenden Stellen zu bewältigen. Durchaus aus Eigennutz und mit der angeborenen Höflichkeit lässt sich aber immer ein Begegnungs- bzw. Ausweichplätzchen finden. Schwieriger ist auf so einer Straße mit direkt daran geklatschten Häusern schon die Suche nach einem Parkplatz, aber auch den findet man im Dorf.

Die Wanderung geht mit einem offiziellen Weg (PR LG 8, wem’s hilft) los und endet eine Minute später mit einem inoffiziellen Köter, der das typische Wechselspiel von lautem Kläffen und begierigem Blick auf die Wanderwaden gibt. Immerhin erzeugt das Kläffen ein verhaltenes Echo, scheint also ein tolles Tal zu sein, was sich hinter dem Höllenhund eröffnet. El Perro hat auch ein Herrchen, das – oh Wunder – nach dreimalig vergeblichem Zurückpfeifen seines kleinen Lieblings sogar die Beobachterstation am Fenster des Hauses aufgibt und den potentiellen Wadenbeißer auf den Arm nimmt. ¡Hola! und ¡Gracias!, nun aber weiter (Honig hätte man dort auch kaufen können, wahrscheinlich sogar beim gleichen Mann, aber die Lust war mir auf den Hund gekommen).

Landschaftsporno?
Landschaftsporno?

Von da an geht’s bergauf: 300 Meter, sehr gemütlich. Vor allem: nur eine Menschenseele weit und breit, ein Gomero, der in einem Rucksack irgendetwas sammelt. Was es in Massen gibt, sind ah-und-oh-Blicke. Landschaftspornos, weiß Sylke, habe ein Fotograf das mal genannt. Nun gut, dann bin ich halt Porno-Fotograf. Mit Schäfchenwolken, Vordergrund und Bildaufbau.

Roque Cano
Roque Cano

Dominierend, wenn man sich gerne mal umschaut oder nach links sieht, ist der Roque el Cano. Sein massiver Schlot leuchtet in der Sonne (wenn sie scheint und er nicht im Schatten der Wolken liegt). Es geht immer weiter hoch, dreihundert Meter sind zwar nicht viel, für einen Sonntagsspaziergang aber ausreichend. Außerdem nutzt ein Teil des Wegs das menschliche Hebelgesetz dergestalt, dass so eine Art Treppe es angeblich leichter machen soll. Nun ist es aber so, dass (Sie können wählen, ich nehme mal als Beispiel:) das linke Bein sich hebt, bis es etwas über Stufenhöhe angelangt ist. Bis 33 Grad ist das noch ok, aber diese hier machten ein rechtwinkliges Anheben des Oberschenkels nötig, bis der Fuß weiter unten korrekt in der Luft hängt. Ein leichtes Vorwärtsschlenkern des Schienenbeins samt dran hängendem Fuß sorgt dafür, dass der Fuß (Version links) Halt findet. Nun muss über einen komplizierten Mechanismus das linke Bein durchgedrückt werden, wobei das irgendwie daran hängende Gewicht (einige Kilo zuviel und als add-on noch der gefüllte Rucksack mit Regenklamotten, Futterpack und Foto-Utensilien) angehoben werden müssen. Das für kurze Zeit frei schlenkernde rechte Bein inklusive Schiene und Fuß hat jetzt die Wahl: entweder es stellt sich neben den linken Kumpel oder, in der Regel effizienter, es übernimmt die aktive Rolle und sucht selbst den Weg nach vorn. Vorne bedeutet aber auch: wieder hoch, das Spiel beginnt von neuem.

Rast
Rast
Kammweg
Kammweg

Sicher hat schon mal jemand ausgerechnet, was die ideale Stufenhöhe zum Treppensteigen ist. Wer immer es war, wo immer er (oder sie) es veröffentlicht hat: die Natursteigplaner auf La Gomera haben das Traktat nicht gelesen. Will sagen: die Treppen auf PR LG 8 sind viel zu hoch, sie bedeuten richtig Arbeit. „Gut so!“ sagt die Hausärztin und referiert an dieser Stelle über die Zusammenhänge von Bluthochdruck, Ausdauer, Kondition, Gesundheit im Allgemeinen und im Besonderen. Aber natürlich ist sie nicht dabei und kommt quasi nur als Gedankenblitz mit auf die Insel. Und ohne ihre zweifelsohne richtigen Auslassungen muss ich nochmal sagen: der Weg ist teilweise arg ungemütlich.

Cruz de la Cuesta
Cruz de la Cuesta

Nach einem Stück Kammweg ohne weitere Schwierigkeiten (will heißen: er ist breit genug – doch zu dem Thema an anderer Stelle und auch später mehr) erreicht man das ausgeschilderte Zwischenziel „Cruz de la Cuesta“. Das ist ein Baumholzkreuz und vor allem Punkt der Entscheidung: rechts weiter, um auf der (unbefahrenen) Piste via Los Loros zurück zum Parkplatz zu gelangen, oder links herum – einen gänzlich unausgeschilderten und nur von den Wolfspergers beschriebenen Weg entlang?

Natürlich links rum!

Marichal-Stausee
Marichal-Stausee

Auch dieser Weg folgt zuerst der erwähnten Piste. Sie führt zum Marichal-Stausee, der klein und unscheinbar in der Landschaft liegt. Wenn man ihn erreicht hat, wird’s etwas abenteuerlich, denn es geht an einer Palme recht steil bergab und dann mehr durch als neben ein Bachbett weiter herunter. „Mitunter stark verwachsen“ steht im Wanderführer, was den Schmerz reichlich unzulänglich beschreibt, der einem da an einem heiligen Sonntagnachmittag hinzugefügt wird. Die Verwachser haben nämlich sehr gerne Dornen und sind extrem anhänglich. Sie ratschen über Arm und Hände, sie kletten sich an der Jacke fest und machen auch nicht halt vor unliebsamen Gegenden wie dem so genannten Schritt. Also eigentlich kratzen und kletten sie überall da, wo man’s nicht gerne hat. Belohnt wird derlei Mühsal – wie immer bei guten Wanderungen – durch geile Blicke. Und wenn man sich erst mal ans Pieksen und Bluten gewöhnt hat, ist es auch lustig, durchs Gehei zu strolchen, nur mit dem Kopf raus zu gucken und irgendwann den Punkt zu erreichen, an dem man das Bachbett verlässt, um wieder einer Art Weg zu folgen.

Die mit dem Gestrüpp tanzt
Die mit dem Gestrüpp tanzt

Langweilig wäre nun, einen ausgelatschten Spazierweg vor sich zu haben. Statt dessen erwartet man irgendetwas Schmales, wo es links oder rechts steil runtergeht. Vielleicht noch mit Abrutschgefahr nach vorherigem starken Regen? Gerne doch, bitte sehr, haben wir. Bei Wegen, die dem schwindelnden Wanderer zu keck erschienen, haben wir das bei der Wanderung von El Guro nach El Cercado erprobte Rezept des Händchenhaltens erneut erfolgreich angewandt. Ich trottete also hin und wieder wie ein geblendeter alter Gaul hinter der trittsicheren schwindelfreien Sylke hinterher.

Treppendorf
Treppendorf
Dächer
Dächer

Insgesamt war’s sehr schön, wieder mit Sonne und El Cano. Urplötzlich sahen wir die andere Seite von Banda de las Rosas: Ein Treppendorf ist das, nur nicht so bekannt wie La Calera beispielsweise. Auch nicht so pittoresk, dafür aber urtümlicher und voll eigenem Reiz, wenn man die Mischung aus gewachsener Langeweile und träumerischer Romantik mag. Die wenigen Menschen, die einem hier begegnen, sind jedenfalls sehr freundlich, und manchmal wünschte ich mir schon, etwas mehr spanisch zu können…

Sonnenuntergangsparty bei Maria um die Ecke

Sonnenuntergang bei Maria

Gomerisches Tagebuch (12)

Die Sonnenuntergänge an der Westküste von La Gomera sind legendär. Wenn man allerdings Pech hat, bekommt man sie gar nicht mit, was aber nicht wirklich was macht, denn gefeiert werden sie an einem Ort der Insel nahezu kultartig ohne Rücksicht auf die wetterbedingte Realität.

Prinzipiell tut sich ja jede Westküste mit Sonnenuntergängen relativ leicht. Die Sonne sinkt und sinkt und sinkt und mutiert zur Freude der Fotografen vom unansehbaren hellen Fleck zum roten Ball, der günstigstenfalls wie aufgeblasen und mit immer röter werdenden Wangen im Meer versinkt. Glitzer im Wasser, kitschigrosarote Reflexe auch an den Wolken, Blende acht und ein Hundertfünfundzwangzigstel, prima Bild. Zum Leidwesen der später daheim zum Bilderansehen Eingeladenen bleibt’s in der Regel nicht bei dem einen Foto – Sonnenuntergänge machen Fotografen süchtig.

Die Küstenlinie des Valle Gran Rey ist für Fotografen mit Sonnenuntergangsneigung (also für alle!) ein idealer Ort, theoretisch zumindest. In der Praxis lacht sich die Sonne jedoch an vielen Tagen eins ins Fäustchen und versinkt nicht im Meer, sondern tupft sich vorzeitig in Wolken, die eigens deswegen am Horizont aufgefahren wurden, wie es scheint. Und wer in Vueltas und La Puntilla steht, um dem Spektakel mit der Kamera zu Lichte zu rücken, wundert sich vielleicht über die nie verschwindende wohlgeformte tief liegende Wolke, die in Wirklichkeit gar keine ist: El Hiero, die Nachbarinsel, schiebt sich zwischen Sonne und Fotografen und verhindert den ultimativen Reflex auf dem Wasser.

Sunset Drums
Sunset Drums

Da haben es die Untergangsanbeter in La Playa besser: dank eines besseren Blickwinkels lassen sie El Hiero quasi links liegen. Auch die restlichen Randbedingungen sind ideal, so dass sich ein allabendliches Ritual ausbilden konnte: es gibt die Kneipe von Maria, wo man günstig Bier und Wein zum Mitnehmen über die Straße erstehen kann. Jenseits der Straße befindet sich der große Sandstrand, mit einem offensichtlich eigens für den Sonnenuntergang ins Wasser gelassenen Felsen (Fotografen haben gerne einen Vordergrund, da macht sich ein Felsen gut). Hier trifft man sich viertel vor Sonnenuntergang bis halb danach. Der süßliche Geruch der Handgedrehten vermischt sich mit dem allgegenwärtigen salz der Brandung, Trommler aus aller Herren Länder hauen aufs Fell, dass es nur so eine Art hat – Volkskundeforscher würden die Mischung aus Hasch und Bongo wahrscheinlich als uralten Stammesbrauch deuten, mit dem sich das Volk in Ekstase bringen will. Meist erwischt es aber dann einen, der gar nicht geraucht hat: irgendein Köter springt immer wie verrückt herum. Außerdem ist es in wirklichkeit natürlich alles viel profaner: Einer der Trommler geht mit dem Spendenbeutel herum (von der Kirche lernen heißt reich werden lernen) und verteilt Werbung. Auch wenn man gar nichts gegeben hat, bekommt man so einen Zettel. Da aus dem Tag nach dem Sonnenuntergang nahezu dämmerungsfrei die Nacht wird, ist der Zauber auch schnell vorbei, und Hunderte von Touris machen sich von dannen, die Nacht zu feiern oder einfach schlafen zu gehen. Morgen ist ja wieder ein Sonnenuntergang, da sehen wir uns – bei Maria.

Abends in La Playa
Abends in La Playa

PS: Natürlich gibt es auch einen Sonnenaufgang, aber da pennen noch alle und haben keine Lust, sich wegen so eines alltäglichen Vorgangs zu treffen.

Streiten bis zum Bussi

Hafen von Vueltas

Gomerisches Tagebuch (11)

Da stehst du nun im Hafen von Vueltas und hast wieder die Wahl: Hier bleiben und an den Strand oder in die Hafenkneipe gehen? Weiter Richtung Schweinebucht (die heißt wirklich so!) wandern und den Fruchtgarten der Schraders besuchen oder sich bei den Baghwans in der Bucht von Argaga erleuchten lassen? Oder ganz anders über La Puntilla bis La Playa laufen, um dort bei der legendären Maria einen Absacker zu nehmen und auf das Spektakel des Sonnenuntergangs zu warten?

Fürs Erste geht’s am Meer entlang nach La Playa, und vielleicht noch ein wenig weiter – mal sehen. La Puntilla, das kleine Kap, habe ich bereits beschrieben - wir haben dort bei beiden Gomera-Aufenthalten gewohnt, weil man es nicht weit zum Hafen und nicht weit zum Baden hat und (von unserem Appartement aus zumindest) direkten Blick aufs Meer hat. Den Krach der Brandung verschweigen romantisierende Schreiberlinge gerne, weswegen er auch hier nicht erwähnt werden soll. Spannend ist es allerdings, am Morgen den Grapschern zuzusehen. Diese ehrenwerte Männer riskieren nasse Füße und fitschen mit der Hand aus den Pfützen im Meer, was abends auf der Karte der Fischrestaurants steht und lecker ist. Eine mühsame Plackerei, die den Preis der Leckereien erklärt!

Den Weg durchs Meer sollte man bitteschön nur bei Ebbe wählen – das Wasser kann schneller steigen als man denkt, und hastenichtgesehen ist man nassen Fußes vom Wasser umzingelt. Gar nicht auszudenken, was da passieren kann, wenn die Krebse und Krevetten sich für das morgendliche Eingesammeltwerden rächen! Außerdem ist es ungesund, im Salzwasser zu ertrinken, weswegen wir die Straße entlang gingen.

Vorbei geht’s an einer kleinen Hotelanlage, die wir vom morgendlichen Brötchenholen kennen. Die Leute essen dort im Souterrain, wie man den ausgebauten Keller in Prospekten nennt. Ich finde es immer lustig, wenn die Leute über den Tellerrand schauen und unsere frisch geduschten Füße erst hin und dann – schon nicht mehr ganz so frisch – her schlendern sehen. Aber ansonsten sind die Hotel und Wohnanlagen in La Puntilla klein und unauffällig, kein Vergleich zu Bettenburgen anderer Inseln.

In den kleinen Geschäften der Nebenstraßen kaufen natürlich auch die ausgewanderten deutschen Neugomeros ein. Manchmal kann man auf offener Straße schöne Gespräche mitbekommen, so wie dieses zwischen Helga und Sabine. “Tschüs, meine Liebe!” – “Ja, ciao, bella!” – “Du, was ich noch sagen wollte: Das fand ich gestern echt nicht toll!” – “WIe, verstehe ich nicht, was war denn dabei?” – “Hätt’ ich nicht von Dir erwartet, echt nicht!” – “Aber ich wollte doch nur…” – “Nichts wolltest Du, echt mal, das war eine Riesensauerei! Du hättest mich doch auch einladen können!” – “Nee, Du, das ist jetzt echt nicht fair! Du weißt doch genau, dass das nicht ging!” und so weiter und so weiter – alternativer Zoff auf höflicher Basis, steigerungsfähig bis zum – Bussi am Schluss, was sonst?

Was muss man noch über La Puntilla wissen? Dass es da einen Wandershop gibt, indem es einschlägiges Zubehör und Wanderführer gibt. Rucksäcke und Schuhe zu marktüblichen Preisen, die Wanderführer eher etwas überteuert: Um die 30 Euro bei Gruppengrößen bis zu 16 Personen. Aber wer’s mag, kann ja gerne mitmachen!

La Playa ist das touristische Sammelbecken des Valle. Noch in La Puntilla aber mit Blick auf die Bucht von La Playa liegt das Hotel Gran Rey, im Ort selbst gibt es auch noch etliche Unterkünfte – und Maria: das ist DIE Institution am Orte. Mit Restaurant / Bar und Unterkunft – wobei wir das essen dort nicht probiert haben, weil es, naja, nicht soooo überragend aussah, was an den Nachbartischen serviert wurde. Aber der Wein war in Ordnung, und die Sonnenuntergänge bei Maria sind einfach ein Muss. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte…

Die Geschichten vom vom geeken Gecko und dem urigen Wirt

Vueltas

Gomerisches Tagebuch (10)

Zur Erinnerung: Wir standen am Kreisverkehr (ja, hier, ganz unten). Und wir gehen nach links.

Borbalán liegt nicht direkt am Meer, obwohl man es sicher aus einigen Unterkunfts-Fenstern erblicken kann. Man ist allerdings in wenigen Minuten zu Fuß am Wasser und spart eine Menge Geld, weil die Unterkünfte hier die günstigtsten im Tal sind. Ansonsten hat das Dörfchen zwar von der Apotheke (mit der für das Valle Gran Rey großen Seltenheit, dass man dort weder englisch noch deutsch spricht) über die Post und zwei, drei Restaurants sowie einigen Touri-Shops eine nette Infrastruktur, aber nicht wirklich Gesicht, es ist – wie Izabella Gawin teffend beschreibt – im Übergangsstadium vom Weiler zur Feriensiedlung.

Gecko auf Apfel
Gecko auf Apfel

Um eine kleine Attraktion zu erleben, muss man allerdings nach Borbalán: Dort gibt es „Algo Diferente“, einen Klamottenladen für T-Shirts, Sweater und derlei. Antje und Andrea (wir erinnern uns: man gibt sich auf Gomera leger und familiär, da reichen Vornamen) betreiben den Laden und haben, um ihn bekannt zu machen, einen wundervollen Streit mit der Firma Lacoste inszeniert. Naja, eigentlich wollten sie ohne den Streit berühmt werden, aber es kommt ja meistens anders als man denkt. Sie haben also den Gecko, dieses possierliche kleine Tierchen, dergestalt gemalt, dass seine Hautmaserung das Wort Gomera ergibt. Diese schnuckelige Idee wollten sie patentieren lassen, damit nur ihre T-Shirts und Aufkleber geckohaft gomerisch daherkommen – gute Geschäftsidee! Beim Patentamt aber erhob Herr Lacoste Einspruch, weil er in einer Art Größenwahn den Maßstab verloren hat und behauptete, so ein Gecko könne mit seinem Krokodil verwechselt werden. Señor Patentamt aber sah sich Kroko und Gecko an und entschied wider Erwarten sehr lebensnah: nöö, keine Verwechslungsgefahr – so dass die beiden Mädels nun das Gomerageckoalleinverkaufsrecht besitzen (was, nur so nebenbei, natürlich alle anderen auf Gomera wurmt, die auch gerne Geckoaufkleber verkaufen würden, ohne Lizenz zahlen zu müssen).

Vueltas
Vueltas

Wenn man bei Antje und Andrea aus dem Laden stolpert und sich bemüht, nach links zu fallen, ist man auch schon aus Borbalán heraus und in Vueltas. Vueltas ist ein Hafenort, und das heißt: hier ist Remmidemmi! Es gibt hier alles! Supermärkte (natürlich in der Tante-Emma-ähnlichen gomerischen Niedlichkeit), Spezialläden für Bio, Fahrradfahren, Wandern, Träume und Gemüse, Cafés für den Tag, Restaurants für den Abend und Kneipen für die Nacht. Man spricht hier nicht nur deutsch, sondern manchmal sogar schweizerdeutsch! Wer in Vueltas wohnt, lebt am Puls der Zeit und hat es nicht weit zu allem. Vueltas ist ein Ort, an dem Spinner ernst genommen werden und Normalos ein wenig schräg beäugt werden, weil sie hier, irgendwie, ein wenig auffällig sind. Aber es gibt natürlich auch Refugien, wo alle gleich sind. Ein solcher Ort ist das El Puerto.

Das El Puerto ist ein Restaurant. Es liegt (bei dem Namen irgendwie naheliegend) am Hafen und hat sich auf Fisch spezialisiert. In meinen Augen das beste Restaurant am Platz – wobei wir längst nicht alle getestet haben und viele auch nur vom Kartelesen und Reinsehen kennen. Also schreib ich mal exakter: Unser Favorit!

El Puerto
El Puerto

Der Wirt vom El Puerto ist ein Unikum, das Küchenteam (ein drahtiger älterer Herr und eine resolute supernette jüngere Köchin) effizient bis zum Gehtnichtmehr, der Service flink als ob es Kilometergeld gäbe. Aber sie sind alle nichts gegen den Boss. Der hat einen bewundernswerten Knackarsch und einen begnadeten Bauch. Seine Berufskleidung ist eine eher ausgewaschene Blue Jeans mit schwarzem Ledergürtel und ein T-Shirt – nein, nicht mit Gecko drauf, sondern mit dem Hauslogo, zu dem natürlich ein Fisch gehört. El Chefe gibt jeden Abend den Miesepeter und den Grummeligen – aber das spielt er nur so, denn in Wirklichkeit ist er fürchterlich nett und immer für einen Scherz zu haben. Und wenn Kinder im Restaurant sind, sind die die Könige, denen el Chefe huldigt. Was er offensichtlich nicht mag, sind überhebliche Geldsäcke, die protzend ankommen und sich wundern, keinen Platz zu bekommen. Das macht richtig Spaß zuzusehen, wie er die in die Schlange der Wartenden einreiht und danach nicht mal ignoriert!

Wobei wir bei dem El-Puerto-Phänomen sind: Der Laden macht um halb sieben abends auf und ist um fünf nach halb sieben proppevoll – bei geschätzten 70 Plätzen (schon wieder habe ich vergessen zu zählen!). Das erste Essen kommt ratzfatz auf den Tisch, und nach einer Stunde gehen die ersten Gäste wieder, um der zweiten Schicht Hungriger Platz zu machen. Dabei wird alles frisch zubereitet und schmeckt hervorragend. Man darf auch länger bleiben, gehetzt wird hier nicht – es geht nur schnell! Wer wissen will, wie sein Fisch heißt, der anonym als Tagesangebot auf den Tisch kam, wird mit zur (Fisch-)Theke genommen und bekommt das Tier zwar tot, aber unzubereitet gezeigt – ein anschließender Hinweis auf das nebenan hängende Plakat zeigt die Stellung des Fisches im System der hier den Fischern in Netz gehenden Tiere und klärt somit vollends auf.

Bei unserem letzten Besuch haben wir uns mal wieder vollkommen übernommen – die Portionen sind üppig bemessen – und wollten das sich anbahnende Chaos im Magen mit einem Brandy regulieren. Also bestellte ich ihn beim Chef, der ihn vergaß, weil er mit kleinen Kindern schäkern und übermütige Neureiche ein wenig erziehen musste. Mit freundlicher Geste erinnerte ich ihn eine Viertelstunde später über die Distanz Tisch-Theke – worauf el Chefe verschmitzt-entsetzt guckte und quasi über Distanz Theke-Tisch Besserung gelobte. Nach neuerlichen zehn Minuten vergeblichen Wartens erlaubte ich mir, schelmisch den Verärgerten zu geben, nonverbal natürlich und wieder über eine Distanz, die normallautes Reden eh nicht erlaubt hätte. Da schaute el Chefe noch entsetzter als zuvor drein und brachte einen doppelten Brandy, den er dann auch prompt vergaß, auf die Rechnung zu setzen.

Habe ich schon gesagt, dass das El Puerto mein Lieblingsrestaurant ist?

Weißt du wieviel Treppen steigen…

La Calera

Gomerisches Tagebuch (9)

Die Dörfer am unteren Ende des Valle Gran Rey sind alle (noch) eigenständig und mit sehr unterschiedlichem Charakter ausgestattet. La Calera gilt vielen als das schönste Dorf der Insel überhaupt (andere sagen, Agulo sei noch netter – was ich aber nicht finde). Borbalán hat irgendwie die Arschkarte, weil weder am Meer noch so nett am Hang gelegen wie La Calera. Dafür wohnt man dort aber echt preiswert und findet einen Laden, den zu besuchen sich lohnt, und eine Post haben sie auch dort. Vueltas ist der Ort mit dem Hafen: hier kommt an, wer den Garajonay-Expres gebucht hat. Auf dem Weg nach La Playa, dem Touristenparkhaus am anderen Ende der Talöffnung, kommt man durch La Puntilla und ist auch schon wieder raus, so klein ist das da.

Handwaschmaschine
Handwaschmaschine

La Calera ist sehr sehr anstrengend. Es ist nämlich ein Treppendorf, was heißt: Man kann gar nicht so weit zählen wie man Stufen hoch und wieder runter läuft. Als Touri ist das sehr romantisch, mit dem täglichen Einkauf wahrscheinlich weniger. Selbst als an- oder abreisender Gast können die Treppen einem leid tun, wenn sie mit Flüchen bedacht werden, weil das Gepäck so schwer ist (jaja, wir wissen schon, warum wir im Urlaub gerne fußfreundlich direkt am Meer wohnen!). Von den vielen Treppen also einmal abgesehen ist es sehr schön im Treppendorf, zumal dort eben keine Autos und nicht einmal Mopeds die Luft verpesten. Ein ganz klein wenig sind Schicki und Micki bereits nach Calera gezogen, was es nicht unbedingt schöner macht, denn riesige Häuser mit trefflichen Zäunen drumrum und üppigen Dachgärten zerstören den ursprünglichen Stil des Dorfes, das sein Flair aus dem Arrangement eher einfacher und kleiner Häuser zieht. Vor einem Haus sahen wir sogar noch eine Handwaschmaschine – also ein Steinbecken mit Waschbrettbauch zum Rubbeln der Schlüpfer.

Treppen steigen
Treppen steigen

Die wichtigste aller Fragen bei Treppendörfern ist natürlich: Wie viele Stufen gibt es denn? Eine Antwort muss ich schuldig bleiben, denn immer, wenn ich so um die Gegend von 84 war, musste ich Luft holen oder ein Bild machen oder beides und habe darüber vergessen, exakt weiter zu zählen. Das ist peinlich, aber nicht zu ändern und wird sicher mit einem weiteren Aufenthalt auf La Gomera bestraft, bei dem streng gezählt und notiert wird.

Dokumentation muss sein
Dokumentation muss sein

La Calera hat jede Menge Unterkünfte, einige Restaurants und auch zwei tolle Saftbars. Die Unterkünfte haben wir gar nicht getestet, obwohl selbstverständlich ein „Casa Uli“ unsere natürliche Aufmerksamkeit aufs höchste erregte. Als Restauranttipp hatten wir das Orquidea empfohlen bekommen, weil dort die Portionen groß und die Aussicht auf die untergehende Sonne großartig sei. Derlei formulierte Empfehlungen senken die Erwartungshaltung – und das ist, wie man heutzutage formulieren würde, auch gut so. Oder, um es positiv zu formulieren: Der Sonnenuntergang ist wirklich grandios (zumindest wenn die Sonne im Meer und nicht in den Wolken versinkt). Und das Essen war nicht sooo schlecht, aber auch nicht einen zweiten Besuch wert. Wir hatten, um es mal auf den Punkt zu bringen, den Fisch frittiert und die Pulpos nicht so butterweich, wie sie frisch zubereitet hätten sein können. Aber die Behälter für mojo rojo und mojo verde waren schön!

Toller Saftladen
Toller Saftladen

Saft (frisch gepresst, natürlich) und Eis in etlichen Varianten gibt es unten direkt an der Straße bei Carlos. Man kann auch drinnen sitzen, aber wer macht denn sowas? Carlos selbst sitzt übrigens auch meistens draußen und palavert mit irgendwelchen anderen Männern. Wenn es gar nicht anders geht, kommt er auch zum Bedienen an den Tisch und ist dann auch ein ganz Netter, aber eigentlich delegiert er das lieber. Die Säfte und das Eis sind auf jeden Fall einen zweiten (dritten, vierten…) Besuch wert!

Gleich hinter dem Carlos sein Saftladen (ja, so sagt man das, wenn man ruhrgebietsdeutsch kann!) ist ein ganz berühmter Kreisverkehr. Dort gibt es nämlich erstens die Saftbar, zweitens den Taxistand, drittens die Bushaltestelle und viertens die Möglichkeit, sich zu entscheiden: rechts nach La Playa, links nach Borbalán, Vueltas und La Puntilla.

(lechts oder rings – die Auflösung in der nächsten Folge!)

Doña Efigenia

Doña Efigenia

Gomerisches Tagebuch (8)

Doña Efigenia ist eine ganz besondere Frau. Sie ist die Chefin des Restaurants La Montaña in Las Hayas oberhalb des Valle Gran Rey, bequem fußläufig vom Strand aus in drei bis fünf Stunden zu erreichen (wenn man etwas trainiert ist). Mit dem etwas herben Charme ihres Restaurants und der eigenwilligen Küche hat sie sich einen Ruf erarbeitet: es gibt, im Prinzip, seit mehr als dreißig Jahren nur ein Menü: Salat mit Gofio und Mojo Roja, Eintopf, Kuchen zum Kaffee, Likörchen hintendrauf.

Salat und Gofio
Salat und Gofio

Klingt komisch, ist auch so. Aber: es schmeckt! Der Salat ist immer eine sehr abenteuerliche Mischung aus Obst und Gemüse – wir bekamen dieses Jahr Eisbergsalat mit Zwiebeln, Tomaten, einer Möhrenscheibe und Banane nebst etwas Melone. Dressing? Fehlanzeige. Denn den Salat isst man in Kombination mit Gofio, und das in Kombination mit Mojo Rojo. Gofio ist geröstetes Getreide (Gerste, Weizen, Mais), das mit Milch oder Brühe zu einem Pamp verrührt wird. Wie so oft bei einfachen traditionellen Gerichten: es schmeckt bei weitem besser als es klingt und aussieht! Mojo Rojo ist im Prinzip Paprika mit Olivenöl und gerne auch Knoblauch und Chilischoten, damit’s nicht so fad ist.

Casa Efigenia
Casa Efigenia

Nach einer anstrengenden Wanderung ist so ein Menü eine Köstlichkeit. Der dazu gereichte Wein ist herb und einfach wie das Essen, aber zusammen passt’s schon. Die Preise (2006 und 2007) sind ein Gedicht: das Essen inklusive Kaffe, Kuchen, Likör zehn Euro pro Person, der Wein vier Euro pro halbem Liter. Gratis dazu gibt es Doña Efigenia, die sich immer noch liebevoll einmischt und zwei hungrigen Wandersmännern einfach Gofio nachreicht, damit sie auch richtig satt werden. Und wenn kleine Kinder da sind, bringt sie ihnen schon mal eine Tüte mit Obst. Unsereins bekommt zum Abschied neben der Rechnung Bonbons – gewöhnungsbedürftig, aber nett gemeint.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Ach ja: Zeit sollte man mitbringen. Denn wenn der Eintopf noch nicht fertig ist, geht gar nichts. Und manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass auch erst genügend Gäste da sein müssen, bevor überhaupt was losgeht. Wenn man aber Zeit hat, geht alles schnell genug!

Kalender 2008 La Gomera – Give away

Gomera Panorama 2008 Übersicht

English version in italics next paragraph…

Zum Jahreswechsel gibt es einen Kalender online, wie es sich gehört. In diesem Jahr sind es leicht panoramahafte Motive aus La Gomera, aufgenommen während der vergangenen beiden November-Urlaube 2006 und 2007. “Montes y Mar”, Berge und das Meer: Das ist der Titel des Kalenders. Drei gedruckte Exemplare (Digitaldruck, in Plexihülle zum Aufstellen auf dem Schreibtisch geeignet) verschenke ich – angeregt durch eine Giveaway-Serie von Panchromatica,Brendadada und Carsten. Das heißt: Bitte hier einfach kommentieren, wer so einen Kalender haben möchte – die ersten drei werden dann beliefert (bitte keine Postadresse ins Kommentarfeld schreiben, das erledigen wir via Email…). Ganz wichtige Regel: Im Gegenzug wird nichts erwartet! Ganz wichtig: Dresdner sind von diesem Give-away ausgeschlossen…

Gomera Panorama 2008: Montes y Mar
Gomera Panorama 2008: Montes y…

This is another part of the give-away-series that PanchromaticaBrendadada andCarsten started. I can offer three pieces of the La Gomera calendar for 2008, which is also online for everybody. The printed version comes in a case so that you can place it on your desk (or wherever you like). The original size is 18,4 x 10,5 cm. To take part just leave a comment (without your adress, pls – that will be exchanged via email!) telling that you would like one copy of the calendar. The frist three entries will be the winners! And, for those who don’t know the rules: this is just an offer, kind of Christmas-New Year present. So I’m not expecting anything in return!

Was ist im Kalender?

Das Titelbild zeigt die Berge und das Meer beim Valle Gran Rey. Im Januar riskieren wir einen Blick von El Guro hinauf ins Valle Gran Rey. Das Februarbild zeigt San Sebastian – aufgenommen von der Fähre während der Anfahrt. Der Nebel-Esel von El Cedro grast durch den März.

Im April riskieren wir einen Blick von Arure hinunter zur Playa de Heredia. Im Inselinnern dominieren die Roques – der imposanteste ist der Roque Agando, den es im Mai zu sehen gibt. Das Juni-Bild entstand am Ende einer Wanderung durch den Nordwesten – mit Blick auf die Punta de la Sepultura und hinüber nach Tenberiffa mit dem Teide im Hntergrund.

Im Juli ein Bild mit mir in der wunderbaren Bucht Playa del Ingles – fotografiert von Sylke. Regen und Sonne zugleich – Regenbogenzeit! Der doppelte Bogen überm Barranco di Guarimar begleitet uns über den August! Im September erfolgt ein Blick hinunter zur Playa de Arguamul.

Im Oktober gibt es einen Blick in obere Teil des Valle Gran Rey. Alle Bilder des Kalenders sind im November entstanden – einige 2006, der Rest 2007. Dieses ist also ein monatsgenauer Sonnenuntergang – bei La Puntilla Richtung El Hierro aufgenommen. Weihnachtssterne für den Dezember – aufgenommen im unteren Teil des Valle Gran Rey.