Im Jordaan

Lindenhof

Das Viertel ist angesagt – seit einigen hundert Jahren, wenn auch für unterschiedliche Schichten oder Zielgruppen. Früher war der Jordaan eher ein Arbeiterviertel, heute findet man dort die unvergleichliche Mischung aus Wohnen und Ausgehen, aus Einheimischen und Touristen, aus Kitsch und Kunst. Am besten erläuft man sich das Viertel zwischen den Kanälen Prinsengracht, der Looiersgracht, der Lijnaansgracht und der Browersgracht im freien Zickzack der Gassen, die sich hier der Grachten-Symmetrie des Amsterdamer Zentrums verweigern: Jordaan legt sich quer und ist ein bisschen schräg…

Quinta
Quinta

Wir betraten das Viertel über die Brücke Leliegracht gleich hinter dem Anne Frank Haus. Und sofort ist man drin im Vergnügen: Quinta wirbt mit fijne wijnen, absinthe, jenevers und behauptet in aller Bescheidenheit, der beste Ort in ganz Amsterdam für den wirklichen Absinth zu sein. Wir also hinein und erst mal mit dem Inhaber ins Gespräch gekommen, der nach niederländischer Begrüßung und englischer Antwort gleich mal ins Deutsch wechselte. Wir ließen uns in den Abteilungen Absinth und Jenever beraten, wobei es den Jenever – ein Wacholderschnaps – auch zu probieren gab. Hier lernten wir, dass die Reihenfolge “jonge jenever – oude jenever – lekker jenever” erstens logisch ist und zweitens leider auch was mit dem Preis pro Flasche zu tun hat.

Absinth-Lektion
Absinth-Lektion

Für die Absinth-Beratung durften wir uns dann hinsetzen! Es folgte eine kleine Geschichtslektion, die nicht wirklich sensationell war, weil das auch alles so oder so ähnlich in der Wikipedia steht. Was dort freilich fehlt, ist die Begeisterungsfähigkeit des Vortragenden, der Schalk in den Augen bei der Begründung des Verbots (alles Machenschaften von Lobbyisten zur Förderung des Weinkonsums) – und die Möglichkeit, sich für den Eigenbedarf ein Fläschen mitzunehmen. Was im Vortrag (vielleicht verständlicherweise) fehlte, war der Hinweis, dass der Amsterdamer Weinhändlerkollege Menno Boorsma mit seiner Klage erreicht hat, das Absinth seit 2004 in den Niederlanden wieder verkauft werden darf.

Café Chris
Café Chris

Der Bummel durchs Viertel macht Spaß, es ist der Beweis, was für schöne Häuser man aus Klinker bauen kann. An vielen Giebeln sieht man Jahreszahlen: 1642, 1763, 1624. Die letztgenannte steht auf dem Fenster des Café Chris, der ältesten Gaststätte des Viertels und eine der vielen, die von sich sagen: die älteste in Amsterdam. Es ist eines der “bruine Cafés”, der braunen Cafés. Die findet man überall in Amsterdam, und es handelt sich keineswegs um Cafés im deutschen Sinne – eher sind es Nachbarschaftskneipen. In allen (aber auch wirklich: allen) unseren Quellen stand: Die heißen “braun”, weil das Mobiliar vom Rauchen im Laufe der Jahre braun geworden seien. Überall steht dann, dass es keine Musik gibt in den braunen Cafès – und das ist, mit Verlaub, großer Quatsch: Im Chris gab’s chilligen Jazz, in anderen von uns besuchten “Braunen” dudelte es ebenfalls. Auch Klischees wie “Holzfußboden mit feiner Sandschicht” sind nicht gelebte Praxis, sie lesen sich nur gut.

Karthuizerhof
Karthuizerhof

Auf dem Weg ins Café Chris konnten wir eine andere Spezialität des Viertels erleben: Schmucke Innenhöfe, hofjes auf niederländisch. Bei den hofjes handelt es sich um Witwenhäuser, meistens als Stiftungen (von wohlhabenden Bürgern) für Arme errichtet. Über 200 gibt es davon in den Niederlanden, 47 davon in Amsterdam. Und die Hälfte aller Amsterdamer hofjes befindet sich im Jordaan – da waren die Grundstücke vergleichsweise preiswert. Einige Höfe sind der Öffentlichkeit zugängig, zum Beispiel der Karthuizerhof. Ein schmucker Garten kennzeichnet den Komplex, der 1650 für Witwen und ledige Mütter mit ihren Kindern errichtet wurde.

Mamma Rosetta
Mamma Rosetta

Zum Mittagsimbiss landeten wir bei einem (offensichtlich recht neuen) Italiener: Mamma Rosetta. Der Chef ist Sohn italienischer Einwanderer, sein Vater war wohl auch schon Koch und ganz wichtig: Die Großmutter. Denn deren Rezepte kochte schon der Vater und nun auch der Enkel. Mama Roisetta ist unten ein alimentari und oben eher ein Bistro, es gibt Ciabatta, Pasta und einige wenige Fleischgerichte (Wildschein und Lamm, immerhin). Angeblich besonders gut sein soll die Lasagne – aber das habe ich erst später zu Hause gelesen. Meine Spaghetti ließen aber erahnen, dass das Gerücht stimmt ;-) – auf jeden Fall war der kurze Ausflug in die Toscana mitten im Jordaan nicht schlecht!

Orgel
Orgel

Der unverwechselbare Klang einer typisch holländischen (!) Drehorgel lockte mich während des Besuchs nach draußen. Die Romantik ist ein wenig hin, seitdem Dieselmotoren die Walzen in Bewegung versetzen – aber immerhin lieferte das Prachtexemplar noch ein Jordaan Potpourri. Das ist allerdings keine Aneinanderreihung von Heimatgesängen aufs Viertel, sondern Musik von Johnny Jordaan. Das war ein Amsterdamer Sänger, singender Kellner und zumindest in der Jugend ein wenig unvorsichtiger Mann – er verlor im Alter von neun Jahren bei einer Rauferei ein Auge. Ihm zu Ehren gibt es weiter südlich im Viertel den Johnny Jordaan-Plein in der Elandsgracht – aber das war ein anderer Spaziergang…

Quinta
New Leliestraat 4
1015 SP Amsterdam
Tel.: 020-4270226
Mobil: 06 44028228
www.quinta-wijnen.nl
Geöffnet:
Montag – Freitag: 12.00 bis 18.30 Uhr
Samstag: 10.00 bis 18.30
Sonntag: 12.00 bis 18.30 Uhr

Cafe Chris
Bloemstraat 42
1016LC Amsterdam
Tel: 020-6245942
www.cafechris.nl
Geöffnet:
Montag bis Donnerstag: 15.00 bis 01.00 Uhr
Freitag & Samstag: 15.00 bis 02.00 Uhr
Sonntag: 15.00 bis 21.00 Uhr

Mamma Rosetta
Lindengracht 158
1015 KK Amsterdam
Tel. 020-7520603
www.mammarosetta.nl
Geöffnet:
Montag – Samstag: 11.00 bis 21.00 Uhr
Sonntag: 12.00 bis 21.00 Uhr

Gut gesagt!

Rauchen ist tödlich - entdecke mehr!

Die Menschen in den Niederlanden sind freundliche Leute. Nur manchmal gucken sie etwas genervt – Fußballer können da ebenso ein Lied von singen wie Sprachwissenschaftler, obwohl die ja sonst kaum Berührungspunkte haben. Fußball interessiert uns nicht so, aber was die Holländer so mit der Sprache machen, ist schon spannend.

Es geht ja damit los, dass ich hier “die Holländer” geschrieben habe, wo doch “die Niederländer” viel korrekter gewesen werde. Ergo heißt es auch nicht “holländisch”, sondern “niederländisch” – aber ganz egal wie man das nun nennt, so oder so ist das kein Dialekt des Deutschen. Umgekehrt wird allerdings manchmal ein Schuh draus: Rund um Kleve und bis hinein ins Bergische Land kann man die Eingeborenen einen Dialekt des Niederländischen reden hören (wenn sie es denn noch können…).

Trotz der vielen Sprachgemeinsamkeiten vor allem im Grenzbereich, wo die Dialekte des Deutschen und die des Niederländischen einander sehr ähneln, gibt es Dinge, wo unsereins sich schmunzelnd freut und der gemeine Niederländer nicht versteht, warum so ein Schild auch noch fotografiert werden muss: “Geen steentjes in het water gooien” lesen wir und freuen uns, dass dieses Schild im Wasser von zahlreichen Steinen gehalten wird. Wer’s nicht lassen kann, muss das Schild wörtlich nehmen und vor allem auf das -tjes achten: Die im Niederländischen sehr beliebte Verkleinerungssilbe könnte doch ein Hinweis darauf sein, dass man es mit größeren Steinen durchaus versuchen könnte…

Manchmal erscheint uns Teutonen das Niederländische doch wie Poesie: “Verboden fietsen te plaatsen” klingt so musisch und unterscheidet sich vollinhaltlich doch überhaupt nicht vom “Fahrräder anlehnen verboten!” Auch der Hinweis auf den Störfaktor von Handies klingt niederländisch charmant: “Niet mobiel bellen!”

Verbote, Verbote, Verbote: Die Welt ist hier wie da die gleiche. Aber wenn unsere westlichen Nachbarn den Hunden der Welt, die unter uns gesagt gar keine Menschensprache sprechen, lieber angliziert als nederlands kommen und ein Schild “No Poop Zone” ins Fenster hängen, dann zeugt das von Universalaufgeschlossenheit.

Wer derart liberal gesinnt ist, der weiß auch dem in jeder Zigarettenschachtel lauernden Tod von der Schüppe zu huppen. Discover more, entdecke mehr: Rauchen ist tödlich, oder wie der Holländer sagt: roken is todelijk!

Alles frisch

Coffee to Walk

Hotelfrühstücke haben meist ihren besonderen Charme – komisch schmeckender Kaffee, langweilige Buffets und dergleichen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Während unseres Amsterdam-Aufenthalts sind wir schon deswegen nicht ins Hotel frühstücken gegangen, weil es gleich nebenan das “Coffee to Walk” gab, mit dem verheißungsvollen Schild: “All Day Breakfast”. Außerdem im Angebot: Allerlei Kaffee, allerlei Tee, frischer Orangensaft, frische Croissants – und: freies WLAN.

Wir haben den Besuch am ersten Morgen unseres Aufenthalts nicht bereut und waren jeden Morgen dort, gab es doch auch erstaunlich frische Meisjes: Sie waren gut drauf, bedienten mehrsprachig, lachten und waren fix. Der Saft (2,50 €) wurde wirklich frisch fürs Glas gepresst, die Latte Macchiato (2,50 €) war auf Wunsch sogar extra-heiß (das schaffen nicht alle, denn die Automaten schäumen die Milch manchmal eher lau auf). Über 30 unterschiedliche Kaffee-Spezialitäten sind im Angebot, aber wir ollen Traditionalisten nehmen immer nur die Morgen-Latte. Dazu probierten wir frisch aufgebackene Croissants mit ausreichend Butter und Marmelade sowie Toast mit Spiegelei – wobei das Toast von der dunklen Sorte war und uns fast noch besser gefiel als das kleine süße Frühstück.

Coffee to Walk
Plantage Middenlaan 44
1018 DH Amsterdam

Telefoon: 06-11510053
www.coffeetowalk.nl

[Lage]

Himmlischer Schlamm

Hemelse Modder

In unseren Ohren klingt niederländisch ja oft sehr anmutig. “Niet mobiel bellen” für die Bitte, sein Handy auszuschalten bzw. ausgeschaltet zu lassen oder der Hinweis “Verboden fietsen te plaatsen” klingen doch wie Poesie – oder? So stolperten wir beim Spaziergang durchs Zentrum von Amsterdam in einer Nebenstraße auch über das Schild “Hemelse Modder”: Himmlischer Matsch – was für ein Restaurantname!

Hell leuchtete es aus dem Fenster, aber an der Türe stand: Geschlossen. Drinnen allerdings werkelten zwei Bedienungen, und während wir noch draußen die Karte studierten, kam einer von den beiden zur Tür, drehte das Schild um und öffnete die Tür: Wenn wir schon rein wollten, sei geöffnet! Hey, das gefiel uns, denn es war noch vor der offiziellen Zeit – also bestellten wir einen Tisch für eine Stunde später, um nicht ganz so touristisch-praktisch und etwas chicer gewandet den Abend genießen zu können.

Die Reservierungs-Idee war nicht schlecht, denn als wir kamen, gab es nur noch wenige freie Plätze. Wir waren in einem der beliebteren und besseren Restaurants von Amsterdam gelandet – mit einer Küche, die deutliche Anklänge an holländische Hausmannskost aufweist. Seit 1984 gibt’s die Hemelse Modder, und von Anfang an prägte offensichtlich Spaß und Leidenschaft das Restaurant. Alles ist frisch zubereitet, das Gemüse kommt von Bio-Bauern der Umgebung, der Fisch ist ein “guter Fisch“, also unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gefangen.

Nun wissen wir ja aus leidvoller Erfahrung, dass nicht immer auch lecker ist, was bio heißt. Also testeten wir unser angelesenes Wissen über Hemelse Modder mit zwei Drei-Gang-Menüs (je 31,50 Euro). Dabei konnten wir aus der Karte aus vier Vorspeisen und zwei Suppen (einzeln je 8,50 Euro), vier Hauptgängen (je 19,50 Euro – bei aufwändigerem Angebot Aufschlag) und vier Desserts (je 8,50 Euro) wählen.

Der Service brachte die drei Gänge zügig (aber nicht gehetzt). Die Teller waren eher unaufwändig arrangiert – Hausmannskost nach Hausfrauenart sozusagen. Wobei die beiden Begriffe bitte positiv zu verstehen sind, denn uns geht nichts über die ehrliche Art zu kochen, ohne Schnickschnack und dafür mit Geschmack. Der Salat von Le Puy Linsen, Chicoree und Holländischem Käse mit Gewürznelke war so einfach wie geschmackvoll, Rilette von Schinken mit hausgemachten Piccalilli und Toast die feine Variante eines deftigen Gerichts mit leicht exotischem Einschlag.

Gebratener Schellfisch mit Sauce von geräucherten Tomaten, gedünstetem Kraut und Kartoffelpüree hatte innen die bestmögliche Konsistenz, war wunderbar saftig – nur leider außen nicht so kross wie gewünscht und wohl auch möglich. Dennoch: Daumen hoch bzw. Teller leer gegessen! Glücklich machte uns auch in Guinnes Bier gedünstetes Rinderfilet mit Pflaumen, Selleriestampf und Karotten: ein Sonntagsbraten mit feiner Sauce und würzigem Stampf. Am liebsten hätte ich dazu natürlich ein Guinness getrunken, aber wir hatten ja einen Wein, der sich recht tapfer dagegen behauptete.

Zwei Desserts schlossen den Abend ab: Das eine (Gezuckerte Toastscheiben mit Pflaumenkompott und Armagnac-Eis) passte recht gut zur eher deftigen Linie der vorherigen Gänge und regte an, ganz zum Schluss noch ein Glas Armagnac zu bestellen (es war ein sehr guter, weicher, alter…). Naja, und das andere Dessert ist natürlich ein Muss, denn es ist das Gericht der Limburger Tante eines der Gründer des Restaurants. Eine Mousse au Chocolat, die seit der Gründung der Hemelse Modder 1984 auf der Karte steht – und womit? Mit Recht! Keine kleine Portion gilt es zu bewältigen, aber wenn mehrere Leute am Tisch sitzen und alle stibitzen wollen, muss das auch so sein!

Restaurant Hemelse Modder 
Oude Waal 11
1011 BZ Amsterdam
Tel: +39 20 – 624 32 03
www.hemelsemodder.nl

Geöffnet täglich ab 18 Uhr

[Besucht am 8. Januar 2012 | Lage]

Ein Hauch von Jamie O. in Amsterdam

Fifteen

Das “Fifteen” in Amsterdam ist auch ein Restaurant. Aber es ist, nach dem Vorbild des Restaurants von Jamie Oliver in London, auch ein Platz, um Jugendlichen eine Chance zu geben, die es in ihrem bisherigen Leben nicht immer leicht hatten (und oft auch anderen das Leben nicht leicht gemacht haben, so was gehört ja meist irgendwie zusammen). Jamie Oliver hatte das erste Fifteen 2002 in London gegründet, weil er an die verborgenen Talente in den Jugendlichen glaubte, die oftmals nur durch ein problematisches soziales Umfeld verborgen seien. Diese Talente könnten durch die Leidenschaft für gutes Essen und sinnvolle harte Arbeit geweckt werden.

Seit 2004 gibt es den Ableger in Amsterdam – mit gleichem Konzept und offenbar auch gutem Erfolg, was die Idee angeht: 13 von 15 Jugendlichen habe man im vergangenen Jahr vermitteln können, erzählte (auf Nachfrage, man wird nicht missioniert!) die Kellnerin bei unserem Besuch. Allerdings, lächelte sie, sei das auch eine sehr gute Quote gewesen und nicht immer so.

Das Fifteen liegt am Hafen von Amsterdam im Oostelijk Havengebied (Östliches Hafengebiet) , nahe dem Passagierterminal und nicht wirklich weit vom Hauptbahnhof Amsterdam Centraal entfernt. Ein altes Stapelhaus, das herrlich mit den modernen Gebäuden der Umgebung kontrastiert, beherbergt das Restaurant. Man kommt rein und wird von der ersten freundlichen Mitarbeiterin empfangen: Sie nimmt die Mäntel ab und checkt die Reservierung (die zu empfehlen ist, denn meist scheint es voll zu sein – als wir im Januar da waren, hätten wir aber auch ohne Reservierung noch einen Platz bekommen). Reservieren kann man übrigens prima online, und da die meisten Cafés in Amsterdam freies WLAN anbieten, gibt es für Smartphoneträger auch eine gute Ausrede, mal schnell online zu gehen.

Von der Garderobe wurden wir an unseren Tisch gebracht – schon von der Kellnerin, die uns dann auch den Abend über bediente. Das alles geschieht in lockerer und freundlicher Atmosphäre, man fühlt sich trotz der Größe des Restaurants gleich wohl. Man sitzt auch gut, und wer nur einen Drink zu sich nehmen will, kann das in Ledersesseln an lustigen Holztischen tun. Die Bedienung hat sich übrigens namentlich vorgestellt – ich hab’s nur nicht notiert und mir den Namen nicht gemerkt (sorry!).

Die Karte ist nicht allzu groß und folgt den Vorlieben von Jamie Oliver, der aber lediglich so etwas wie ein Schutzpatron des Hauses ist – betrieben wird es von Sarriel Taus, der es auch gegründet hat. Italienische Küche, unpretentiös und dennoch lecker ist das Versprechen. Die Wirklichkeit war dann zwar in Ordnung, aber keineswegs so sensationell wie man das beim Lesen des Namens von J.O. vermuten könnte.

Wir begannen (nach etwas Pane Carasau und Olivenpesto) mit dem Vorspeisenteller: Fifteen’s Amazing Antipasti (für zwei Personen, 21 Euro) mit Büffelmozarella, gegrilltem Gemüse, Oliven, Schinken – alles eher normal als aufregend. Dann kam eine gaaanz laaange Pause (die Fotos haben die gefühlte Zeit bestätigt: Zwischen dem Servieren der Antipasti und dem des Hauptgangs lagen geschlagene siebzig Minuten!). Wir vergnügten uns derweil mit unseren Lieblingsbeschäftigungen Wein trinken (2010 Salentein Reserve Sauvignon Blanc aus Argentinien, 43 Euro) und “Leute gucken” (für umme) – inklusive Blicken in die Küche, die eine offene Front hat. Offensichtlich gab es da die eine oder andere Besprechung zwischendurch, die nicht geplant war, denn es standen immer alle zusammen und redeten.

Als dann der Hauptgang kam, waren wir wirklich froh: Linguine mit Muscheln und Königskrabbe in würziger Tomatensauce (17,50/12,00 Euro) bestätigten den so-la-la-Eindruck und sollten später noch einen ungewollten Einblick ins Krisenmamagement oder, wie man das zurückhaltender auszudrücken pflegt, die Abteilung Custumer Relationship geben. Später! Hingegen konnten die Ravioli, gefüllt mit Eigelb und serviert in einer Buttersauce mit schwarzem Trüffel (17,50/12,00 Euro) überzeugen – und das, obwohl wir keine Trüffelfans sind. Aber das Gericht war sehr stimmig abgeschmeckt und natürlich überhaupt nicht kalorienarm, was man irgendwie herausschmeckte…

Nun hätte das bislang noch nicht bestellte Dessert kommen können, aber zuvor fragte die Bedienung, ob’s denn alles gepasst hätte? Da monierte Sylke, dass sie bei ihren Linguine die Königskrabben vermisst hätte – sonst aber zufrieden gewesen sei. Das ist die Stelle, wo wir nun sozusagen im Nachhinein die Hosen runterlassen müssen: Die Krabben waren nur gefühlt nicht auf dem Teller, wie die Fotos beweisen. Aber, wie gesagt: Irgendwie waren sie im gefühlten Ess-Erlebnis nicht dabei, vielleicht auch nur nach der langen Pause schnell wegschnabuliert. Wie auch immer: Nach dem kleinen Hinweis kam statt unserer Bedienung ein Manager und erkundigte sich, was wir zu bemängeln hätten. Gleiche (immer noch im guten Glauben ehrlich geäußerte) Meinung wie zuvor – und auch ich hatte sie nicht mitbekommen, trotz notorischen Naschens. Um es kurz zu machen: Wir beteuerten, weder einen Nachlass noch sonst etwas erschleichen zu wollen, konnten uns aber nicht wehren: Es kam eine Dessertplatte, die sozusagen alle angebotenen Nachtische (einzeln 6,50 – 9,50 Euro) zusammenfasste. Wir waren beeindruckt, nicht nur vom Umgang des Restaurants mit seinen Gästen.

Sicher war es kein Wunder, dass uns eben jener Manager nach Begleichen der Rechnung zur Garderobe führte, wo wir uns noch eine Zeit lang nett unterhielten.

PS1:
Auf der Rechnung erscheint ein klitzekleiner Posten, der viel bewirkt. 20 Cent pro Person gehen an die Organisation Fill the Cup - 20 Cent, mit denen man einem hungrigen Kind in der Dritten Welt eine Schulmahlzeit bezahlen kann. Eine einfache Idee und eine großartige Idee (man muss übrigens nicht zahlen – aber wer will sich da verweigern?).

PS2:
Ich habe mal ausgerechnet, was uns zwei Desserts gekostet hätten, den Betrag verdoppelt und an das World Food Programme WFP gespendet, mit dem Fill the Cup zusammenarbeitet.

FIFTEEN AMSTERDAM
Jollemanhof 9
1019 GW Amsterdam

Tel: +31 20 509 5015
www.fifteen.nl

[Besucht am 9. Januar 2011 | Lage]

Weihnachtsmarkt auf der Festung Königstein

Der Weihnachtsmann macht Pause

Damals, als vor mehreren hundert Jahren die Burg zur Festung Königstein ausgebaut wurde, galt sie als uneinnehmbar – und sie wurde tatsächlich nie erfolgreich gestürmt. Damals. Doch die Zeiten ändern sich: Neuerdings erobern Touristen die Festung, über 400.000 kommen jährlich (1999 waren es sogar noch 637.000). Man muss schon eine altehrwürdige Festungsmauer sein, um das Gebrabbel auszuhalten, das die Touris manchmal von sich geben: “Or nö, gugge ma, wie dief das da nunner geeht!” (OK, mit 152,5 Metern runter in den Fels ist der Brunnen der tiefste in Sachsen.)

...und die Musik spielt dazu
…und die Musik spielt dazu

Der Weihnachtsmarkt auf der Festung ist ein beliebtes Ziel. Mit einem Hauch von Mittelalterverkeidung geben die Buden nach Einbruch der Dämmerung ein schönes Bild ab, das Programm auf der Bühne mit Musikern und Gauklern ist eine feine Unterhaltung. Das wäre also durchaus ein Grund, an einem der Adventswochenenden zur Festung zu kommen und den Eintritt zu bezahlen, denn der Festungsbesuch mit all den Museen ist an sich eine lohnenswerte Sache.

Andererseits ist es oben auf der Festung fast immer windig-kalt, und auch aus kulinarischer Sicht ist der Weihnachtsmarkt nicht das Nonplusultra. Wir bekamen Bratwurst aus dem Großhandelspack, vorgegrillt und im Bräter warm gehalten. Es gab einen Eierlikörpunsch, der weder nach Eierlikör noch nach Punsch schmeckte, sondern nach Vanillesoße aus der Tüte, verziert mit Sprühsahne und Zimt (laut Aufschrift auf dem Standschild sollte das potent machen).

Herrnhuter Himmel
Herrnhuter Himmel

Puddingstark machten wir uns auf in die Bärenloch-Kasematten, und da war’s dann wirklich beschaulich: Ein Herrenhuter Sternenhimmel empfing uns, lauschig blieb es den langen Gang entlang bis zur Märchentante am Ende. Interessante Stände (unter anderem ein Chocolatier, sächsische Winzer und Händler mit Naturprodukten aus eigener Herstellung) mit netten Leuten als Verkäufer machte den Bummel zum Vergnügen. Nur wenn ich dann auf der Webseite der Festung lese, dass diese Neuigkeit als “Indoor-Weihnachtsmarkt” verkauft wird, dann frage ich mich, ob sie die dumm labernden Touristen nicht doch verdient hat…

Lichtblick für Lachs-Liebhaber

Gunther Ermisch

Ein Besuch bei der Forellen- und Lachszucht Ermisch

1432 lag das Schlaraffenland direkt vor der Haustür. Zumindest für Lachs-Liebhaber – und wer war das nicht seinerzeit? Immerhin konnte man durch den Verkauf von Lachs einen bis zu zehnfach höheren Profit gegenüber anderem Fisch oder auch Fleisch herausschlagen! In normalen Jahren zumindest. 1432 war aber kein normales Jahr: Da schwammen so viele Lachse stromauf, dass die Elbe sie kaum beherbergen und ein Fisch dem andern nicht ausweichen konnte, „daher die Leute haufenweise mit Äxten herzugelaufen und die Fische erschlagen haben“, wie es in einer alten Quelle heißt.Lang ist’s her, und derlei Mengen an Lachs waren sicher eher die Ausnahme. Mal gab es gute Jahre, mal schlechte – so ist das in der Natur. Aber irgendwann ging’s dann wirklich bergab mit dem Lachs in der Elbe und ihren Nebenflüssen, vor rund 150 Jahren häuften sich die Klagen über einen deutlichen Rückgang der Lachse in Folge der Industrialisierung – der Elblachs wurde zur Seltenheit, der letzte seiner Art 1947 bei Pirna gefangen.

50 Jahre später fangen Angler in der Elba Junglachse – wieder bei Pirna. Ein Wunder? Zufall? Nein, ein gezielter Versuch: „Elblachs 2000“ heißt das Programm, das den Lachs wieder in die Elbe einbürgern soll. Neben Verbänden, Vereinen und Ämtern spielt dabei ein Betrieb aus Langburkersdorf/Neustadt eine wesentliche Rolle: Die Forellen- und Lachszucht von Hans und Gunther Ermisch ist die Brutstätte der neuen Elblachse.

Den Familienbetrieb gibt es seit 1994 – die Teiche allerdings schon seit etwa 400 Jahren. Auf 18 ha summiert sich deren Gesamtfläche, was für sächsische Verhältnisse eher wenig ist. Aber Größe ist eben nicht immer alles. Über 30 Fischarten verschiedener Alterskategorien tummeln sich in den 43 Teichen, darunter ausgefallene und zurückgedrängte wie den Bitterling, der in Deutschland auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft wird.

Was passiert mit den ganzen Fischen? Die meisten von ihnen gehen an den Sächsischen Anglerverband. Dem gehören neben 70 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben auch etwa 36.000 Angler an, und die wollen einen Fisch an der Schnur haben. Also kaufen sie Satzfische und ziehen sie groß. Die Aufzucht von Forellen und Karpfen war 1994 bei der Betriebsgründung der Anfang. Aber Satzfische sind ein Saisongeschäft, weswegen der Hofladen hinzukam.

Der Hofladen liegt direkt neben den Teichen, frischer und mit kürzerem Weg gibt’s Fisch selten. „Hier verkaufen wir unter anderem Saibling, Schleie, Karpfen und natürlich Forellen“, sagt Gunther Ermisch und erklärt auch gleich, warum der Fisch hier besonders gut schmeckt: „Die Naturteiche werden von Quellwasser gespeist. Der Fisch schmeckt so, wie das Wasser ist!“ Sieben Quellen entspringen dem Ungerberg, da kommt in der Regel genug frisches Wasser zusammen. Und wer in Heimatkunde aufgepasst hat, der weiß auch, wo sich das Wasser sammelt: Im Ottergrundbach, der in die obere Polenz fließt!

Nicht nur der Haifisch hat Zähne...
Nicht nur der Haifisch hat Zäh…

Doch nicht alle Fische bleiben in Langburkersdorf: Irgendwann entdeckten Dresdner Spitzenköche die Qualität Lachse und Saiblinge aus der Sächsischen Schweiz. Der Trompeter, der Hubertusgarten, Mario Pattis und Familie Herzog auf dem Weißen Hirsch gehörten zu den Ersten in Dresden. „Wir liefern immer mehr nach Dresden: Frischer Fisch aus der Region für die Region, das ist unsere Maxime!“ sagt Ermisch. Ein Hauptabnehmer heute für Saibling, Forelle und Stör ist das Restaurant Kastenmeiers. Noch näher haben es die Krebse, die quasi vor der Haustüre Feinschmeckern serviert werden – und das sogar mit Herkunftsbezeichnung: André Thienelt bietet im Sterne-Restaurant Sendig in Bad Schandau „Glasierte Ermisch Krebse“ an.

„Wer bei uns den Fisch holt, der bekommt ihn frisch: Er ist vom gleichen Tag!“ Das funktioniert nur, wenn man in die Region liefert, kurze Wege hat. Großhandel, meint Gunther Ermisch, käme für ihn nicht in Betracht – da bleibt zu viel Zeit auf der Strecke, und mit den Preisen käme man dann auch nicht mehr hin.

Und rechnen muss man, auch wenn nicht alles berechenbar ist. Das Wetter zum Beispiel ist so ein Faktor, mit dem sie an den Teichen von Langburkersdorf genau so zu kämpfen haben wie alle anderen, die naturnah arbeiten, egal ob Winzer oder Gemüsebauern. „Es ist halt Landwirtschaft“, meint Ermisch, „alles gibt’s: Hitze, Unwetter, Flut!“ 2003 war es beispielsweise deutlich zu heiß. Da erwärmen sich die Teiche, trotz Quellwasser. Das ist nicht gut für die Forelle, der es bei Temperaturen so um die 23 Grad am besten gefällt. Ein anderes Mal wieder war es im Winter zu kalt, so dass die Teiche beinahe bis an den Grund zugefroren waren. Das gefällt gar keinem Fisch! Und am 8. August vergangenen Jahres regnete es eindeutig zu viel in kürzester Zeit. Die Folge: Hochwasser, mit verheerenden Folgen für alle in der Gegend. Einen fünfstelligen Schaden bilanzierten die Ermischs, weil die Teiche überliefen, die Gebäude zum Teil unter Wasser standen, Dämme an den Teichen wegbrachen. Jetzt, wo die meisten Schäden repariert sind, findet Ermisch schon wieder feinsinnige Formulierungen: „Wanderfreudige Fische nutzten das Hochwasser und die Überschwemmungen und waren einfach weg!“ Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

Zu den wanderfreudigen Fischen gehören natürlich auch die eingangs erwähnten Lachse – aber die sollen ja wandern. Als mit zunehmend besserer Wasserqualität der Elbe und ihrer Nebenflüsse beschlossen wurde, den Lachs wieder einzubürgern, war natürlich die Frage: Womit beginnen? „Der ursprüngliche Elblachs war ausgestorben, wir haben daher neu anfangen müssen“, berichtet Ermisch. Zum Brüten werden jährlich im November ca. 400.000 Lachseier aus Schweden importiert. In Langburkersdorf werden die Eier befruchtet und ausgebrütet – wobei die Temperaturen im Brutbecken denen in der Natur entsprechen. Unter diesen naturnahen Bedingungen wird’s offensichtlich was: 1995 wurden die ersten Lachse ausgesetzt, 1998 kamen die ersten zurück – wie das bei Lachsen so üblich ist: Erst schwimmen sie tausende von Kilometern ins Meer, futtern sich dort groß und kommen dann als Milchner (die männlichen) und Rogner (die weiblichen Lachse) zur Fortpflanzung zurück an den Ort ihrer Geburt. „Das Programm ist recht erfolgreich!“ freut sich Ermisch und ist schon ein wenig stolz darauf, dass mittlerweile die heimkehrenden Lachse zumindest für die Nachzucht geeignet sind, denn die Rate der überlebenden Lachse aus dem Laich der Rückkehrer ist deutlich höher als bei den importierten. Zum Fischen allerdings reicht’s noch nicht, da werden noch einige Jahre ins Land gehen.

Adresse:
Forellen- und Lachszucht Ermisch GbR
Hans und Gunther Ermisch
Anbau 66
01844 Neustadt

Telefon: 03596/603136
www.fischzucht-ermisch.de

Hofladen:
Montag bis Donnerstag 09-16 Uhr
Freitag 09-18 Uhr
Samstag 09-12 Uhr

Im Land der glücklichen Kühe

Ich bin 24 Stunden alt und heiße 71070

Ein Besuch auf dem Limousin-Hof Klemm in Hartmannsdorf

Eigentlich kommt Michael Klemm ja von der anderen Seite: Er hat, bevor er nach Sachsen kam, im Schlachthof gearbeitet. Aber nachdem sein Vater in Hartmannsdorf in der Nähe von Frauenstein vor 20 Jahren die ehemalige Ausbildungsstelle für Melker übernahm, verließ auch er die Heimat in Mittelfranken – und wurde zum Züchter. Ein erstaunlicher Wechsel? Nur bedingt, denn die Erfahrungen aus dem Schlachthof haben ihm geholfen. „Mein Wissen um die Vermarktung haben mein züchterisches Auge geschult!“ sagt Klemm.

Über das „Traumfleisch“ der Tiere ist Klemm auch auf die französische Rinderrasse Limousin gekommen. „Der Begriff Limousin steht für das Beste was der Fleischviehsektor bieten kann“, sagt Klemm. Das Fleisch sei cholesterinarm, zart gefasert und außerordentlich schmackhaft. Doch gutes Fleisch von guten Tieren allein reicht nicht aus. Wichtig sei, dass das Fleisch richtig behandelt wird – in jeder Phase: Bei der Ernährung, der Schlachtung und bei der Reifung. Michael Klemm ist nicht der Mann, der etwas gerne dem Zufall überlässt. Deswegen gehört zum Limousin-Hof auch ein Kühlhaus, in dem das Fleisch der geschlachteten Tiere drei bis vier Wochen reifen kann.

„Das bei uns so gelobte argentinische Fleisch ist nicht per se besser“, sagt Klemm, „es ist nur besser gereift als vieles, was man hierzulande kaufen kann!“ Bei der Qualität der Limousin-Rinder sei es eine Schande, wenn man es nicht in Ruhe liegen ließe nach dem Schlachten. Richtige Reifung koste natürlich Zeit und Geld, aber diese Investition lohne sich. Beim Abhängen des Fleisches werden die kräftigen Muskelfasern aufgelöst. Dadurch wird das Fleisch nicht nur zart und saftig, sondern auch – weil bei den ablaufenden chemischen Prozessen bestimmte Aminosäuren entstehen – aromatisch. Natürlich schmeckt man den Unterschied, und man sieht ihn auch in der Pfanne: Ein gut abgehangenes Steak behält seine Größe und verliert beim Braten kaum (oder, wenn man alles richtig macht, gar keinen) Saft.

„Nur wenn ein Tier sich wohl fühlt, gibt es die Qualität, um Geld zu verdienen!“ sagt Klemm. Also behandelt er die Tiere so, dass sie sich wohl fühlen. Möglichst viele Zuchtbullen zu verkaufen ist das Ziel des Züchters, aber auch Tiere, die für die Zucht nicht geeignet sind und in die Fleischvermarktung gehen, genießen Zeit ihres Lebens ein artgerechtes Leben. Und danach? Genießen die Kunden das Fleisch, das sie im Hofladen in Frauenstein einmal die Woche kaufen können.

Spaß an solchem Fleisch kann man aber auch in Dresden haben. Einmal pro Woche beliefert Klemm den Schillergarten am Blauen Wunder. „Da bekommen die Gäste ein Kalb, das an der Mutter aufgewachsen ist!“ freut sich Klemm. Bei einem Gang durch den Stall (in dem die Tiere bis Ende April, Anfang Mai überwintern) sieht man, was Klemm unter artgerechter Haltung versteht: Die Rinder laufen dort frei auf Stroh herum. Muttertiere stehen in kleinen Gruppen zusammen – mit etwa gleich alten Kälbern. Die wiederum können sich durch einen kleinen Durchlass in ein Separee begeben und sind dann unter sich. „Kinderstube“ nennt Klemm diese geschützten Räume und freut sich immer wieder daran, dass die Tiere ihre Freiheit nutzen. Raus aus dem Stall können sie übrigens auch: Licht und Luft sei wichtig für das Wohlbefinden.

…genauso wie Hygiene. Täglich werden im Fressbereich die Ställe entmistet. im Liegebereich je nach Notwendigkeit etwa alle vier bis sechs Wochen. 15 Quaderballen Stroh – jeder 400 Kilo schwer – kommen frisch in die Ställe hinein. Und (bislang nicht gewogen) die gleiche Menge plus Rinderdung natürlich vorher raus. Gut abgelagert ist das dann Dung fürs Ackerland – ein Kreislauf, den Klemm mag, weil er so simpel wie natürlich ist.

Die Äcker für das Getreide unterliegen der Fruchtfolge wie in einem Bio-Betrieb: Drei Jahre Getreideanbau, dann sind sie drei Jahre grün und können sich erholen. Dennoch ist der Limousin-Hof kein Bio-Hof, auch wenn das nur ein kleiner Schritt wäre vom Denken und Handeln: „Zu viele Regulationen“ beklagt sich Klemm, der lieber mit Verstand agieren und reagieren will. „Alles wird vorgeschrieben: was man zu kaufen hat und was zu verkaufen – da bin ich ja nicht mehr der Herr im Betrieb!“ Ein einfaches Beispiel? Gerne: Pilze im Getreide sind für die Tiere denkbar schlecht. Aber in feuchten Sommern – die es ja hierzulande gibt – kann das passieren. „Da will ich reagieren können, weil ich doch die Tiere nicht mit dem Futter krank machen will!“ Also wird im Ernstfall das Getreide behandelt. Und schon ist’s nicht mehr bio! Und ein Mondscheinbauer, der heimlich nachts rausfährt, möchte er nicht sein. „Ich bin bislang mit Ehrlichkeit weitergekommen, und so soll es auch bleiben!“

Michael Klemm
Michael Klemm

Mit 40 Tieren hatte 1991 alles begonnen. 20 Jahre später sind es fast 700, die auf den insgesamt 600 ha Wiesenfläche weiden. Klemm ist ein erfolgreicher Züchter, seine Tiere heimsen Preise ein. Ein Siegerbulle hier, ein teuerster Bulle der gesamten Auktion dort. Doch besonders stolz ist er, in diesem Jahr in Paris auf einer internationalen Fachmesse mit ca. 1.300 Ausstellern aus über 40 Ländern als erster deutscher Zuchtbetrieb im Mutterland der Limousin-Rinder ausgestellt zu haben. Preise gab’s (natürlich) obendrein! „Zucht bedeutet Selektion“ sagt Klemm und da ist das Auge des Züchters gefragt. Wenn das Kalb von der Mutter abgesetzt wird, wenn das Tier größer ist bevor es erstmals zum Bullen geht und nach der ersten Abkalbung: Alles Momente, in denen Weichen gestellt werden. Entweder das Tier geht in die Zucht oder in die Fleischverwertung.

Seit einem Jahr steht eine zweite französische Rinder-Rasse im Erzgebirge: Aubrac, benannt nach der Landschaft im Zentralmassiv in Frankreich. Das Aubrac-Rind gilt als robust und als besonders gut für die Mutterkuhhaltung geeignet. „Ich finde die Tiere witzig, mir gefallen sie!“ lacht Klemm. Da die Aubracs leichter als die Limousin-Rinder sind, eignen sie sich speziell für die Bergwiesen in Rehefeld. „Wir betreiben mit den Rindern ja auch Landschaftspflege, bei Altenberg ist man auch Teil des Naturschutzprogramms. Der dünne Besatz mit nur wenigen Tieren pro Hektar sorgt für naturnahe Nutzung der Flächen. So gibt es Gegenden, wo mit Rücksicht auf die Brutzeit anderer Tiere die Rinder erst ab 1. Juni auf die Wiesen dürfen, und wo der Wachtelkönig brütet, wird mit dem Heumachen auch bis Juli/August gewartet.

Kontakt:
Limousin-Hof Michael Klemm e.K.
Hauptstrasse 70A
01762 Hartmannsdorf

Telefon: 037326- 73 65

http://www.limousinhof-klemm.de/

Hofladen:
Reichenauer Weg 18
Frauenstein
jeweils freitags von 8 bis 18 Uhr

Hoffest: 2. Juli 2011

Nachhaltig gut

Und wo ist der Adler?

Am 26. November 1910 gründeten 13 Herren in Koblenz einen Verein, der heute VDP. Die Prädikatsweingüter heißt. Kein Zufall: Zum 100. Geburtstag gründeten vier Winzer den VDP-Regionalverband Sachsen-Saale-Unstrut. Sie trafen sich auf Schloss Proschwitz, das Weinkennern nicht unbekannt ist: Es gehört einem der vier Winzer, Georg Prinz zur Lippe. Der andere Sachse im Bunde ist Klaus Zimmerling, die beiden Winzer von der Saale heißen Bernard Pawis und Uwe Lützkendorf.

Georg Prinz zur Lippe
Georg Prinz zur Lippe

Dass die vier nicht nur Mitglieder im VDP sind (Prinz Lippe und Lützkendorf seit 1996 schon, Pawis seit 2001 und Zimmerling seit 2010), sondern auch einen eigenen Regionalverband bilden, hat nicht nur etwas mit deutscher Vereinsmeierei zu tun: Man wolle der Welt deutlich zeigen, dass in Mitteldeutschland Spitzenwein erzeugt wird, und das gehe am besten eben gemeinsam, sagte Prinz Lippe. Wobei unsereins sich fragt, ob das wirklich nötig ist, wo die hierzulande erzeugten Mengen auch in Jahrgängen mit normaler Ernte eher so gering sind, dass man als Fan ja immer Angst haben muss, vor einem “Ausgetrunken”-Schild zu stehen…

Uwe Lützkendorf
Uwe Lützkendorf

Die Geschichte des Weinbaus an der Elbe und in den Tälern von Saale und Unstrut ist alt – Schloß Proschwitz ist Sachsens ältestes noch existierendes Weingut; die Proschwitzer Berge waren von der Mitte des zwölften Jahrhunderts bis zur Reformation im Besitz des Bischofs von Meißen. Der Pforteser Köppelberg, den Uwe Lützkendorf bewirtschaftet, stellt den ältesten noch bewirtschafteten Weinberg des Saale-Unstrut-Gebiets dar; er wurde bereits 1154 als Gründung der Zisterzienser-Mönche des Kloster St. Marien ad Portem erwähnt.

Gleichzeitig hat der qualitätsbewusste Weinbau im Osten eine junge Geschichte: Spitzenweine passten irgendwie nicht in das Gesellschaftsbild des irreal existierenden Sozialismus der DDR, und die vielen Hobbywinzer haben sich sicher um den Erhalt der Weinkulturlandschaft verdient gemacht. Aber weil sie als Flasche zurückbekamen, was sie als Rebe ablieferten, gab es ein buntes Rebsortendurcheinander auf den kleinen Parzellen.

Bernard Pawis
Bernard Pawis

Da hat sich seit 1990 viel getan – und es ist vielleicht ein schöner Zufall, dass von den vier Spitzenwinzern des neuen VDP-Regionalverbandes zwei Quereinsteiger sind: Das Weingut Pawis wurde 1990 von den Eltern des jetzigen Inhabers gegründet – einem Hobbywinzer mit 0,5 ha Anbaufläche. Bernard Pawis übernahm dann 1998, und mittlerweile wuchs die Anbaufläche durch Pacht und Zukauf auf elf Hektar an. Das Weingut befindet sich mittlerweile an einem traditionsreichen Ort, im Klostergut Zscheiplitz: Ein Schafstall aus dem Jahr 1862 ist saniert, eine 400 Quadratmeter große Kellerei neu gebaut.

Klaus Zimmerling
Klaus Zimmerling

Klaus Zimmerling, der seine Weinberge bei Pillnitz in Dresden hegt und pflegt, ist gelernter Maschinenbauer. “Ich habe mir gedacht: Wenn selbst gemachte Marmelade besser schmeckt, dann doch sicher auch selbst gemachter Wein!” sagte er einmal – wobei uns sein selbst gemachter Wein immer sehr gut schmeckt! Zimmerling ist erst im Frühjahr 2010 zum VDP gestoßen – nicht weil seine Weine vorher nicht gut genug waren, sondern wohl eher weil der bekennende Eigenbrötler sich ungern in irgendwelche Zwangsjacken stecken lässt. Aber mit seiner Freiheit beim Weinmachen eckt er im VDP ja nicht an!

Michael Prinz zu Salm Salm
Michael Prinz zu Salm Salm

Der neue Regionalverband hat natürlich auch einen Vorsitzenden: Prinz Lippe. Aber er (der Verband) entspricht natürlich mit vier Winzern nicht deutschem Vereinsrecht: Da halfen aus dem Präsidium des Bundes-VDP drei Herren aus, damit die nötigen sieben Unterschriften zusammen kamen. Einer von ihnen, Michael Prinz zu Salm-Salm, ist Ehrenpräsident des VDP und sprach dann auch ein paar Worte, die aufmerken ließen. Es sei doch nichts schöner, als wenn man sich frei entwickeln könne, meinte er (und blickte dabei den Herrn Zimmerling an…).Bei seinem ersten Besuch nach der Wende, 1991 im Winzerhaus gegenüber der Albrechtsburg, sei er ja noch ein wenig skeptisch gewesen – aber das habe sich geändert. Emotional bewegt sagte er den vier Winzern: “Ihr habt eine super Leistung erbracht. Mich bewegt das sehr!”

Das perfekte Wochenende: Meißen

Schwund

Etwas Schwund ist immer. 16 Prozent etwa sind sie in Meissen gewöhnt und richten sich drauf ein – denn so viel schrumpft das Porzellan bei seiner Herstellung im Brennofen. 16 Prozent – das ist ganz schön viel: Bei einer Führung durch die Schauwerkstätten der Meissener Porzellanmanufaktur lernt man das recht anschaulich – und einiges mehr.

Wir sind in Meißen, für ein Wochenende. Eingeläutet haben wir den Besuch am Freitagabend im Goldenen Fass - einem Restaurant etwas versteckt rechtselbisch gegenüber dem touristisch geprägteren linkselbischen Teil. Es zu finden lohnt sich, denn im ersten Bio-Zertifizierten Restaurant in Meißen findet man regionale Köstlichkeiten in hervorragender Qualität.

Der nächste Tag beginnt mit einer Lektion in Sachen Rechtschreibung: Meißen mit “ß”, so lernen wir, das ist die Stadt. Meissen mit doppel-s: das ist die Manufaktur. In der sind wir aus gutem Grund am Vormittag, denn den Besuch kann man prima mit einer Tasse Kaffee (oder, wenn noch nicht passiert) mit einem Frühstück im Café Meissen beginnen. Das ist gleich links wenn man den Showteil der Manufaktur mit Museum, Schauwerkstätten und Einkaufsmöglichkeiten betritt – und serviert wird hier natürlich auf Meissener Porzellan im weltberühmten Zwiebelmuster-Dekor. Und da das Frühstück (oder eben auch nur Kaffee, Tee oder Schocki) von ordentlicher Qualität sind, ist das ein netter Start in den Tag.

Schauwerkstatt
Schauwerkstatt

So gestärkt warten die Schauwerkstätten: Hochtechnisch geht’s da zu und zugleich handwerklich. Die Technik kommt aus Lautsprechern: Da spricht eine Stimme, was die Menschen zu tun haben. Wenn man einen introvertierten Künstler vor sich hat, ein Vorteil – wenn man beredte Menschen antrifft, regeln die das auf ihre Weise: Sie stoppen das Band und erklären zwischendurch ihr Tun auf ihre eigene Art. Und bevor jetzt jemand von den Chefs mitliest und meckert: Den Gästen hat’s gefallen! Von Station zu Station wächst so das Verständnis für einen hochkomplexen Vorgang, an dessen Ende ziemlich verrückte Dinge herauskommen. Eine Vase mit 3.000 kleinen Blüten, beispielsweise. Natürlich alle handgemacht.

Seit 300 Jahren machen sie das nun schon so in Meißen. Drehen wir das Rad der Zeit kurz zurück, bis ins Jahr 1701. Da spielte der 19jährige Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger den starken Mann und behauptete, Gold herstellen zu können. Am 1. Oktober 1701 führt der Alchemist vor, was er kann. Hat er den Stein der Weisen gefunden? Das machte ihn sogar für Könige interessant: Gold! Gold ist Macht. Der preußische König wollte Böttger, der wollte nicht und floh – nach Sachsen. Doch da wartete schon August der Starke, der für seine kostspieligen Hobbies (Frauen, Königswürde, Kunst) auch gern Gold gehabt hätte. Er setzt Böttger fest – und fortan galt: Böttger, mach Gold!

Der probiert und probiert – und kommt nicht so recht voran. 1704 wird dem jungen Böttger ein erfahrener Wissenschaftler zur Seite gestellt, der ein Universalforscher war und sich unter anderem mit hohen Temperaturen bei Brennöfen beschäftigt hat: Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Wahrscheinlich zusammen fanden beide im Dezember 1707 den Stein der Weisen, das europäische Pendant des chinesischen Porzellans – so genau weiß man das trotz intensiver Forschung immer och nicht: Porzellanherstellung ist eine sehr exklusives und vor allem zur Entstehungszeit geheimes Ding. August der Starke, der nach eigener Aussage unter der “maladie de porcelaine” leidete, war begeistert. Der Porzellansüchtige erhielt das weiße Gold!

Vorspeise mit Chef...
Vorspeise mit Chef…

Ein Rundgang durch die Ausstellungen des Porzellan-Museum ist natürlich Pflicht. Selbst wenn man – was ja durchaus vorkommt – die Meissener Porzellane vielleicht nicht zeitgemäß und manchmal ein wenig ungeeignet für das eigene Budget findet, ist diese umfangreichste Sammlung Meissener Porzellane von den Anfängen 1710 bis heute ein Hingucker.

Dass das “Meissener” auch modernere Formen haben kann, erleben wir zum Mittag im Restaurant, wo man unpretentiös und überraschend gut auf schlichtem Gastro-Service speisen kann. Wer mehr erleben will, bestellt nicht a-la-carte, sondern das Dreigang-Menü, das auf Tellern mit Motiven aus drei Jahrhunderten serviert wird.

Gut gestärkt verlassen wir “Meissen” und machen uns auf nach “Meißen”, genauer: Durch die Stadt geht’s hoch zur Burg und zum Dom. Der Weg ist gut ausgeschildert und auf andere Art auch eine Zeitreise: Es gibt fabelhaft restaurierte Häuser (die meisten wenn nicht alle Sehenswürdigkeiten gehören dazu) und solche, die stillstehen in einem Stadium maroder Schönheit. Da lohnt es sich, stehen zu bleiben und genauer hinzusehen: Die Beschriftungen an den Wänden geben Aufschluss über die Vergangenheit der Häuser (“Kopfwäsche für Damen separat”), die Plakate davor sind von charmanter Doppeldeutigkeit (Wendeweste für 59,95 Euro).

Frauenkirche Meißen
Frauenkirche Meißen

Planloses Schlendern durch die Straßen ist in Meißen kein Problem: Die Stadt ist übersichtlich und bietet Dank einiger markanter herausragender Punkte immer wieder Orientierungsmöglichkeiten. Eine davon steuern wir als erstes an: Die Frauenkirche. Nein, nicht die in Dresden und auch nicht vergleichbar: Eine spätgotische Hallenkirche (das heißt: drinnen mal den Kopf in den Nacken legen und an die Decke sehen!) aus den Jahren 1416 bis 1500. Und auch draußen heißt es: Kopf hoch – vor allem, wenn sechsmal täglich das Glockenspiel vom Turm erklingt. Das erste spielbare Porzellanglockenspiel der Welt, echt Meissner natürlich, bringt die 37 Glocken seit 1929 zum Klingen. Uns passt der Termin halb drei ganz gut; wenn man ihn verpasst, geht auf dem Rückweg vom Burgberg um halb sechs auch noch was…

Fummel
Fummel

Auf dem Weg zum Burgberg gibt es viel zu sehen – unter anderem den Ort, an dem wir abends essen werden: 30s Weinbistro. Nicht dumm, schon mal bei Tag einen Blick in den Hof zu werfen. Etwas weiter bergauf muss man schon etwas genauer hinsehen, um eine Besonderheit zu entdecken: Von außen ist die Konditorei-Café Zieger unspektakulär, aber ein Blick ins Fenster klärt auf, dass es hier Sehenswertes gibt: Die Fummel. Ein hauchdünnes Gebäck, das nicht zum Verzehr gedacht war, sondern als eine Art Alkoholtest. Die reitenden Kuriere, die Porzellanstücke aus Meißen zum starken August bringen sollten, sprachen wohl dem Meissner Wein gerne zu – und zu viel davon ist keine Empfehlung für den Transport empfindlichen Porzellans. Ein noch zerbrechlicheres, aber deutlich wertloseres Teil war nun zwischengeschalteter Indikator für absolute Nüchternheit. Da wir weder Porzellan noch ein Pferd dabei haben, kaufen wir auch kein Fummel, sondern stapfen weiter bergan zur Albrechtsburg.

Albrechtsburg Meißen
Albrechtsburg Meißen

Seit 1710 war die Burg Standort der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur. Vom Keller bis zum Boden war die Albrechtsburg bis 1863 Porzellanschloss – nur der Brennvorgang fand außerhalb in einem Nebengebäude statt. Kein Wunder also, dass auch hier 300 Jahre Porzellan kräftig gefeiert werden: Mit der Sonderausstellung “Der Stein der Weis(s)en” (8. Mai – 31. Oktober). Doch auch ohne diese Ausstellung ist die Albrechtsburg ein Ort, an dem man Ungewöhnliches sieht. Der erste Schlossbau der deutschen Baugeschichte punktet mit Vorhangbogenfenstern, aufregenden Gewölben und Wandmalereien von elf Künstlern, fast alle von der Dresdner Akademie der bildenden Künste. Und er bringt das wunderschöne Erlebnis, einmal als lebender Parkettpolierer in Filzpantinen den Saal zu bohnern.

Großer Wendelstein
Großer Wendelstein

Auf dem Weg zurück in die Stadt werfen wir noch einen Blick in den Wendelstein – ein Meisterwerk des Treppenbaus, das Baumeister Arnold von Westfalen da hingesetzt hat. Wie so oft: Unten stehen und hochsehen – dann bekommt man einen Endruck von der Leichtigkeit dieser Treppe. Abends im Weinbistro von Familie Dreißig erleben wir ein zweites Mal feine Meißner Küche mit geschmacksintensiven Speisen einer kleinen Karte.

Weinhaus Schuh
Weinhaus Schuh

Sonntag, Abreisetag. Was tun? Sächsischen Wein an seinem Ursprung kennenlernen! Wer mag, kann das als kleine Wanderung erledigen, ansonsten geht’s natürlich auch mit dem Auto: In Sörnewitz etwas elbauf steuern wir das Weinhaus Schuh an. 1990 neu gegründet, Reben nur in Steillagen – wobei es beim Schuh auch Rotwein gibt: 43 Prozent der 4,5 ha sind mit Rotweinreben bepflanzt. Früh schon hat das Weinhaus Schuh auf Kundenkontakt gesetzt: Zum Weingut gehören eine Vinothek und ein Weincafé, und wer spontan wegen einer intensiven Weinprobe in Sörnewitz hängen bleibt: Gästezimmer gibt’s auch…

Kirche von Zadel
Kirche von Zadel

…wie auch am möglicherweise anderen oder zweiten Wein-Ort: Etwas elbab von Meißen, aber auch rechts der Elbe, liegt Zadel. Das Elbweindorf mit der ältesten urkundlich bezeugten Weinbautradition (Weinbau ist dort seit 1218 nachweisbar) ist eine der besten Adressen für Wein in Sachsen: das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe – mit dem Weinkeller, einem Verkaufsladen und einem Restaurant – findet man hier neben der Kirche. Der Prinz und sein Weingut haben dem Dorf hinter dem Hügel (denn das ist die Bedeutung des slawischen Wortes Zadel!) gut getan, es aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Das sitzt man dann im Probierzimmer oder im Restaurant und stellt fest: So ein Wochenende ist eigentlich viel zu kurz…

[Beitrag für Augusto]

Infos
Veranstaltungen in der Porzellanmanufaktur
Frauenkirche Meißen

30s Weinbistro
Burgstraße 6
01662 Meißen
Telefon: 03521 – 476498
E-Mail: info@30s-weinbistro.de
Internet: http://www.30s-weinbistro.de

Geöffnet: Mo, Mi-Sa ab 17 Uhr
Sonn- und Feiertag ab 12 Uhr

Goldenes Fass 
Vorbrücker Straße 1
01662 Meißen
Telefon 03521 719200
post@goldenes-fass-meissen.de

Geöffnet
montags bis samstags ab 17.00 Uhr, Sonn- und Feiertage ab 11.00 Uhr

Restaurant Meissen
Talstraße 9
01662 Meißen

Tel.: 03521 – 46 87 30
email: info@gastronomie-meissen.com

Geöffnet:
Café MEISSEN von 9 bis 18 Uhr
Restaurant MEISSEN von 11 bis 19 Uhr, mit Reservierung auch spätere und längere Öffnung möglich