Weihnachtsmarkt auf der Festung Königstein

Der Weihnachtsmann macht Pause

Damals, als vor mehreren hundert Jahren die Burg zur Festung Königstein ausgebaut wurde, galt sie als uneinnehmbar – und sie wurde tatsächlich nie erfolgreich gestürmt. Damals. Doch die Zeiten ändern sich: Neuerdings erobern Touristen die Festung, über 400.000 kommen jährlich (1999 waren es sogar noch 637.000). Man muss schon eine altehrwürdige Festungsmauer sein, um das Gebrabbel auszuhalten, das die Touris manchmal von sich geben: “Or nö, gugge ma, wie dief das da nunner geeht!” (OK, mit 152,5 Metern runter in den Fels ist der Brunnen der tiefste in Sachsen.)

...und die Musik spielt dazu
…und die Musik spielt dazu

Der Weihnachtsmarkt auf der Festung ist ein beliebtes Ziel. Mit einem Hauch von Mittelalterverkeidung geben die Buden nach Einbruch der Dämmerung ein schönes Bild ab, das Programm auf der Bühne mit Musikern und Gauklern ist eine feine Unterhaltung. Das wäre also durchaus ein Grund, an einem der Adventswochenenden zur Festung zu kommen und den Eintritt zu bezahlen, denn der Festungsbesuch mit all den Museen ist an sich eine lohnenswerte Sache.

Andererseits ist es oben auf der Festung fast immer windig-kalt, und auch aus kulinarischer Sicht ist der Weihnachtsmarkt nicht das Nonplusultra. Wir bekamen Bratwurst aus dem Großhandelspack, vorgegrillt und im Bräter warm gehalten. Es gab einen Eierlikörpunsch, der weder nach Eierlikör noch nach Punsch schmeckte, sondern nach Vanillesoße aus der Tüte, verziert mit Sprühsahne und Zimt (laut Aufschrift auf dem Standschild sollte das potent machen).

Herrnhuter Himmel
Herrnhuter Himmel

Puddingstark machten wir uns auf in die Bärenloch-Kasematten, und da war’s dann wirklich beschaulich: Ein Herrenhuter Sternenhimmel empfing uns, lauschig blieb es den langen Gang entlang bis zur Märchentante am Ende. Interessante Stände (unter anderem ein Chocolatier, sächsische Winzer und Händler mit Naturprodukten aus eigener Herstellung) mit netten Leuten als Verkäufer machte den Bummel zum Vergnügen. Nur wenn ich dann auf der Webseite der Festung lese, dass diese Neuigkeit als “Indoor-Weihnachtsmarkt” verkauft wird, dann frage ich mich, ob sie die dumm labernden Touristen nicht doch verdient hat…

Lichtblick für Lachs-Liebhaber

Gunther Ermisch

Ein Besuch bei der Forellen- und Lachszucht Ermisch

1432 lag das Schlaraffenland direkt vor der Haustür. Zumindest für Lachs-Liebhaber – und wer war das nicht seinerzeit? Immerhin konnte man durch den Verkauf von Lachs einen bis zu zehnfach höheren Profit gegenüber anderem Fisch oder auch Fleisch herausschlagen! In normalen Jahren zumindest. 1432 war aber kein normales Jahr: Da schwammen so viele Lachse stromauf, dass die Elbe sie kaum beherbergen und ein Fisch dem andern nicht ausweichen konnte, „daher die Leute haufenweise mit Äxten herzugelaufen und die Fische erschlagen haben“, wie es in einer alten Quelle heißt.Lang ist’s her, und derlei Mengen an Lachs waren sicher eher die Ausnahme. Mal gab es gute Jahre, mal schlechte – so ist das in der Natur. Aber irgendwann ging’s dann wirklich bergab mit dem Lachs in der Elbe und ihren Nebenflüssen, vor rund 150 Jahren häuften sich die Klagen über einen deutlichen Rückgang der Lachse in Folge der Industrialisierung – der Elblachs wurde zur Seltenheit, der letzte seiner Art 1947 bei Pirna gefangen.

50 Jahre später fangen Angler in der Elba Junglachse – wieder bei Pirna. Ein Wunder? Zufall? Nein, ein gezielter Versuch: „Elblachs 2000“ heißt das Programm, das den Lachs wieder in die Elbe einbürgern soll. Neben Verbänden, Vereinen und Ämtern spielt dabei ein Betrieb aus Langburkersdorf/Neustadt eine wesentliche Rolle: Die Forellen- und Lachszucht von Hans und Gunther Ermisch ist die Brutstätte der neuen Elblachse.

Den Familienbetrieb gibt es seit 1994 – die Teiche allerdings schon seit etwa 400 Jahren. Auf 18 ha summiert sich deren Gesamtfläche, was für sächsische Verhältnisse eher wenig ist. Aber Größe ist eben nicht immer alles. Über 30 Fischarten verschiedener Alterskategorien tummeln sich in den 43 Teichen, darunter ausgefallene und zurückgedrängte wie den Bitterling, der in Deutschland auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft wird.

Was passiert mit den ganzen Fischen? Die meisten von ihnen gehen an den Sächsischen Anglerverband. Dem gehören neben 70 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben auch etwa 36.000 Angler an, und die wollen einen Fisch an der Schnur haben. Also kaufen sie Satzfische und ziehen sie groß. Die Aufzucht von Forellen und Karpfen war 1994 bei der Betriebsgründung der Anfang. Aber Satzfische sind ein Saisongeschäft, weswegen der Hofladen hinzukam.

Der Hofladen liegt direkt neben den Teichen, frischer und mit kürzerem Weg gibt’s Fisch selten. „Hier verkaufen wir unter anderem Saibling, Schleie, Karpfen und natürlich Forellen“, sagt Gunther Ermisch und erklärt auch gleich, warum der Fisch hier besonders gut schmeckt: „Die Naturteiche werden von Quellwasser gespeist. Der Fisch schmeckt so, wie das Wasser ist!“ Sieben Quellen entspringen dem Ungerberg, da kommt in der Regel genug frisches Wasser zusammen. Und wer in Heimatkunde aufgepasst hat, der weiß auch, wo sich das Wasser sammelt: Im Ottergrundbach, der in die obere Polenz fließt!

Nicht nur der Haifisch hat Zähne...
Nicht nur der Haifisch hat Zäh…

Doch nicht alle Fische bleiben in Langburkersdorf: Irgendwann entdeckten Dresdner Spitzenköche die Qualität Lachse und Saiblinge aus der Sächsischen Schweiz. Der Trompeter, der Hubertusgarten, Mario Pattis und Familie Herzog auf dem Weißen Hirsch gehörten zu den Ersten in Dresden. „Wir liefern immer mehr nach Dresden: Frischer Fisch aus der Region für die Region, das ist unsere Maxime!“ sagt Ermisch. Ein Hauptabnehmer heute für Saibling, Forelle und Stör ist das Restaurant Kastenmeiers. Noch näher haben es die Krebse, die quasi vor der Haustüre Feinschmeckern serviert werden – und das sogar mit Herkunftsbezeichnung: André Thienelt bietet im Sterne-Restaurant Sendig in Bad Schandau „Glasierte Ermisch Krebse“ an.

„Wer bei uns den Fisch holt, der bekommt ihn frisch: Er ist vom gleichen Tag!“ Das funktioniert nur, wenn man in die Region liefert, kurze Wege hat. Großhandel, meint Gunther Ermisch, käme für ihn nicht in Betracht – da bleibt zu viel Zeit auf der Strecke, und mit den Preisen käme man dann auch nicht mehr hin.

Und rechnen muss man, auch wenn nicht alles berechenbar ist. Das Wetter zum Beispiel ist so ein Faktor, mit dem sie an den Teichen von Langburkersdorf genau so zu kämpfen haben wie alle anderen, die naturnah arbeiten, egal ob Winzer oder Gemüsebauern. „Es ist halt Landwirtschaft“, meint Ermisch, „alles gibt’s: Hitze, Unwetter, Flut!“ 2003 war es beispielsweise deutlich zu heiß. Da erwärmen sich die Teiche, trotz Quellwasser. Das ist nicht gut für die Forelle, der es bei Temperaturen so um die 23 Grad am besten gefällt. Ein anderes Mal wieder war es im Winter zu kalt, so dass die Teiche beinahe bis an den Grund zugefroren waren. Das gefällt gar keinem Fisch! Und am 8. August vergangenen Jahres regnete es eindeutig zu viel in kürzester Zeit. Die Folge: Hochwasser, mit verheerenden Folgen für alle in der Gegend. Einen fünfstelligen Schaden bilanzierten die Ermischs, weil die Teiche überliefen, die Gebäude zum Teil unter Wasser standen, Dämme an den Teichen wegbrachen. Jetzt, wo die meisten Schäden repariert sind, findet Ermisch schon wieder feinsinnige Formulierungen: „Wanderfreudige Fische nutzten das Hochwasser und die Überschwemmungen und waren einfach weg!“ Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

Zu den wanderfreudigen Fischen gehören natürlich auch die eingangs erwähnten Lachse – aber die sollen ja wandern. Als mit zunehmend besserer Wasserqualität der Elbe und ihrer Nebenflüsse beschlossen wurde, den Lachs wieder einzubürgern, war natürlich die Frage: Womit beginnen? „Der ursprüngliche Elblachs war ausgestorben, wir haben daher neu anfangen müssen“, berichtet Ermisch. Zum Brüten werden jährlich im November ca. 400.000 Lachseier aus Schweden importiert. In Langburkersdorf werden die Eier befruchtet und ausgebrütet – wobei die Temperaturen im Brutbecken denen in der Natur entsprechen. Unter diesen naturnahen Bedingungen wird’s offensichtlich was: 1995 wurden die ersten Lachse ausgesetzt, 1998 kamen die ersten zurück – wie das bei Lachsen so üblich ist: Erst schwimmen sie tausende von Kilometern ins Meer, futtern sich dort groß und kommen dann als Milchner (die männlichen) und Rogner (die weiblichen Lachse) zur Fortpflanzung zurück an den Ort ihrer Geburt. „Das Programm ist recht erfolgreich!“ freut sich Ermisch und ist schon ein wenig stolz darauf, dass mittlerweile die heimkehrenden Lachse zumindest für die Nachzucht geeignet sind, denn die Rate der überlebenden Lachse aus dem Laich der Rückkehrer ist deutlich höher als bei den importierten. Zum Fischen allerdings reicht’s noch nicht, da werden noch einige Jahre ins Land gehen.

Adresse:
Forellen- und Lachszucht Ermisch GbR
Hans und Gunther Ermisch
Anbau 66
01844 Neustadt

Telefon: 03596/603136
www.fischzucht-ermisch.de

Hofladen:
Montag bis Donnerstag 09-16 Uhr
Freitag 09-18 Uhr
Samstag 09-12 Uhr

Im Land der glücklichen Kühe

Ich bin 24 Stunden alt und heiße 71070

Ein Besuch auf dem Limousin-Hof Klemm in Hartmannsdorf

Eigentlich kommt Michael Klemm ja von der anderen Seite: Er hat, bevor er nach Sachsen kam, im Schlachthof gearbeitet. Aber nachdem sein Vater in Hartmannsdorf in der Nähe von Frauenstein vor 20 Jahren die ehemalige Ausbildungsstelle für Melker übernahm, verließ auch er die Heimat in Mittelfranken – und wurde zum Züchter. Ein erstaunlicher Wechsel? Nur bedingt, denn die Erfahrungen aus dem Schlachthof haben ihm geholfen. „Mein Wissen um die Vermarktung haben mein züchterisches Auge geschult!“ sagt Klemm.

Über das „Traumfleisch“ der Tiere ist Klemm auch auf die französische Rinderrasse Limousin gekommen. „Der Begriff Limousin steht für das Beste was der Fleischviehsektor bieten kann“, sagt Klemm. Das Fleisch sei cholesterinarm, zart gefasert und außerordentlich schmackhaft. Doch gutes Fleisch von guten Tieren allein reicht nicht aus. Wichtig sei, dass das Fleisch richtig behandelt wird – in jeder Phase: Bei der Ernährung, der Schlachtung und bei der Reifung. Michael Klemm ist nicht der Mann, der etwas gerne dem Zufall überlässt. Deswegen gehört zum Limousin-Hof auch ein Kühlhaus, in dem das Fleisch der geschlachteten Tiere drei bis vier Wochen reifen kann.

„Das bei uns so gelobte argentinische Fleisch ist nicht per se besser“, sagt Klemm, „es ist nur besser gereift als vieles, was man hierzulande kaufen kann!“ Bei der Qualität der Limousin-Rinder sei es eine Schande, wenn man es nicht in Ruhe liegen ließe nach dem Schlachten. Richtige Reifung koste natürlich Zeit und Geld, aber diese Investition lohne sich. Beim Abhängen des Fleisches werden die kräftigen Muskelfasern aufgelöst. Dadurch wird das Fleisch nicht nur zart und saftig, sondern auch – weil bei den ablaufenden chemischen Prozessen bestimmte Aminosäuren entstehen – aromatisch. Natürlich schmeckt man den Unterschied, und man sieht ihn auch in der Pfanne: Ein gut abgehangenes Steak behält seine Größe und verliert beim Braten kaum (oder, wenn man alles richtig macht, gar keinen) Saft.

„Nur wenn ein Tier sich wohl fühlt, gibt es die Qualität, um Geld zu verdienen!“ sagt Klemm. Also behandelt er die Tiere so, dass sie sich wohl fühlen. Möglichst viele Zuchtbullen zu verkaufen ist das Ziel des Züchters, aber auch Tiere, die für die Zucht nicht geeignet sind und in die Fleischvermarktung gehen, genießen Zeit ihres Lebens ein artgerechtes Leben. Und danach? Genießen die Kunden das Fleisch, das sie im Hofladen in Frauenstein einmal die Woche kaufen können.

Spaß an solchem Fleisch kann man aber auch in Dresden haben. Einmal pro Woche beliefert Klemm den Schillergarten am Blauen Wunder. „Da bekommen die Gäste ein Kalb, das an der Mutter aufgewachsen ist!“ freut sich Klemm. Bei einem Gang durch den Stall (in dem die Tiere bis Ende April, Anfang Mai überwintern) sieht man, was Klemm unter artgerechter Haltung versteht: Die Rinder laufen dort frei auf Stroh herum. Muttertiere stehen in kleinen Gruppen zusammen – mit etwa gleich alten Kälbern. Die wiederum können sich durch einen kleinen Durchlass in ein Separee begeben und sind dann unter sich. „Kinderstube“ nennt Klemm diese geschützten Räume und freut sich immer wieder daran, dass die Tiere ihre Freiheit nutzen. Raus aus dem Stall können sie übrigens auch: Licht und Luft sei wichtig für das Wohlbefinden.

…genauso wie Hygiene. Täglich werden im Fressbereich die Ställe entmistet. im Liegebereich je nach Notwendigkeit etwa alle vier bis sechs Wochen. 15 Quaderballen Stroh – jeder 400 Kilo schwer – kommen frisch in die Ställe hinein. Und (bislang nicht gewogen) die gleiche Menge plus Rinderdung natürlich vorher raus. Gut abgelagert ist das dann Dung fürs Ackerland – ein Kreislauf, den Klemm mag, weil er so simpel wie natürlich ist.

Die Äcker für das Getreide unterliegen der Fruchtfolge wie in einem Bio-Betrieb: Drei Jahre Getreideanbau, dann sind sie drei Jahre grün und können sich erholen. Dennoch ist der Limousin-Hof kein Bio-Hof, auch wenn das nur ein kleiner Schritt wäre vom Denken und Handeln: „Zu viele Regulationen“ beklagt sich Klemm, der lieber mit Verstand agieren und reagieren will. „Alles wird vorgeschrieben: was man zu kaufen hat und was zu verkaufen – da bin ich ja nicht mehr der Herr im Betrieb!“ Ein einfaches Beispiel? Gerne: Pilze im Getreide sind für die Tiere denkbar schlecht. Aber in feuchten Sommern – die es ja hierzulande gibt – kann das passieren. „Da will ich reagieren können, weil ich doch die Tiere nicht mit dem Futter krank machen will!“ Also wird im Ernstfall das Getreide behandelt. Und schon ist’s nicht mehr bio! Und ein Mondscheinbauer, der heimlich nachts rausfährt, möchte er nicht sein. „Ich bin bislang mit Ehrlichkeit weitergekommen, und so soll es auch bleiben!“

Michael Klemm
Michael Klemm

Mit 40 Tieren hatte 1991 alles begonnen. 20 Jahre später sind es fast 700, die auf den insgesamt 600 ha Wiesenfläche weiden. Klemm ist ein erfolgreicher Züchter, seine Tiere heimsen Preise ein. Ein Siegerbulle hier, ein teuerster Bulle der gesamten Auktion dort. Doch besonders stolz ist er, in diesem Jahr in Paris auf einer internationalen Fachmesse mit ca. 1.300 Ausstellern aus über 40 Ländern als erster deutscher Zuchtbetrieb im Mutterland der Limousin-Rinder ausgestellt zu haben. Preise gab’s (natürlich) obendrein! „Zucht bedeutet Selektion“ sagt Klemm und da ist das Auge des Züchters gefragt. Wenn das Kalb von der Mutter abgesetzt wird, wenn das Tier größer ist bevor es erstmals zum Bullen geht und nach der ersten Abkalbung: Alles Momente, in denen Weichen gestellt werden. Entweder das Tier geht in die Zucht oder in die Fleischverwertung.

Seit einem Jahr steht eine zweite französische Rinder-Rasse im Erzgebirge: Aubrac, benannt nach der Landschaft im Zentralmassiv in Frankreich. Das Aubrac-Rind gilt als robust und als besonders gut für die Mutterkuhhaltung geeignet. „Ich finde die Tiere witzig, mir gefallen sie!“ lacht Klemm. Da die Aubracs leichter als die Limousin-Rinder sind, eignen sie sich speziell für die Bergwiesen in Rehefeld. „Wir betreiben mit den Rindern ja auch Landschaftspflege, bei Altenberg ist man auch Teil des Naturschutzprogramms. Der dünne Besatz mit nur wenigen Tieren pro Hektar sorgt für naturnahe Nutzung der Flächen. So gibt es Gegenden, wo mit Rücksicht auf die Brutzeit anderer Tiere die Rinder erst ab 1. Juni auf die Wiesen dürfen, und wo der Wachtelkönig brütet, wird mit dem Heumachen auch bis Juli/August gewartet.

Kontakt:
Limousin-Hof Michael Klemm e.K.
Hauptstrasse 70A
01762 Hartmannsdorf

Telefon: 037326- 73 65

http://www.limousinhof-klemm.de/

Hofladen:
Reichenauer Weg 18
Frauenstein
jeweils freitags von 8 bis 18 Uhr

Hoffest: 2. Juli 2011

Nachhaltig gut

Und wo ist der Adler?

Am 26. November 1910 gründeten 13 Herren in Koblenz einen Verein, der heute VDP. Die Prädikatsweingüter heißt. Kein Zufall: Zum 100. Geburtstag gründeten vier Winzer den VDP-Regionalverband Sachsen-Saale-Unstrut. Sie trafen sich auf Schloss Proschwitz, das Weinkennern nicht unbekannt ist: Es gehört einem der vier Winzer, Georg Prinz zur Lippe. Der andere Sachse im Bunde ist Klaus Zimmerling, die beiden Winzer von der Saale heißen Bernard Pawis und Uwe Lützkendorf.

Georg Prinz zur Lippe
Georg Prinz zur Lippe

Dass die vier nicht nur Mitglieder im VDP sind (Prinz Lippe und Lützkendorf seit 1996 schon, Pawis seit 2001 und Zimmerling seit 2010), sondern auch einen eigenen Regionalverband bilden, hat nicht nur etwas mit deutscher Vereinsmeierei zu tun: Man wolle der Welt deutlich zeigen, dass in Mitteldeutschland Spitzenwein erzeugt wird, und das gehe am besten eben gemeinsam, sagte Prinz Lippe. Wobei unsereins sich fragt, ob das wirklich nötig ist, wo die hierzulande erzeugten Mengen auch in Jahrgängen mit normaler Ernte eher so gering sind, dass man als Fan ja immer Angst haben muss, vor einem “Ausgetrunken”-Schild zu stehen…

Uwe Lützkendorf
Uwe Lützkendorf

Die Geschichte des Weinbaus an der Elbe und in den Tälern von Saale und Unstrut ist alt – Schloß Proschwitz ist Sachsens ältestes noch existierendes Weingut; die Proschwitzer Berge waren von der Mitte des zwölften Jahrhunderts bis zur Reformation im Besitz des Bischofs von Meißen. Der Pforteser Köppelberg, den Uwe Lützkendorf bewirtschaftet, stellt den ältesten noch bewirtschafteten Weinberg des Saale-Unstrut-Gebiets dar; er wurde bereits 1154 als Gründung der Zisterzienser-Mönche des Kloster St. Marien ad Portem erwähnt.

Gleichzeitig hat der qualitätsbewusste Weinbau im Osten eine junge Geschichte: Spitzenweine passten irgendwie nicht in das Gesellschaftsbild des irreal existierenden Sozialismus der DDR, und die vielen Hobbywinzer haben sich sicher um den Erhalt der Weinkulturlandschaft verdient gemacht. Aber weil sie als Flasche zurückbekamen, was sie als Rebe ablieferten, gab es ein buntes Rebsortendurcheinander auf den kleinen Parzellen.

Bernard Pawis
Bernard Pawis

Da hat sich seit 1990 viel getan – und es ist vielleicht ein schöner Zufall, dass von den vier Spitzenwinzern des neuen VDP-Regionalverbandes zwei Quereinsteiger sind: Das Weingut Pawis wurde 1990 von den Eltern des jetzigen Inhabers gegründet – einem Hobbywinzer mit 0,5 ha Anbaufläche. Bernard Pawis übernahm dann 1998, und mittlerweile wuchs die Anbaufläche durch Pacht und Zukauf auf elf Hektar an. Das Weingut befindet sich mittlerweile an einem traditionsreichen Ort, im Klostergut Zscheiplitz: Ein Schafstall aus dem Jahr 1862 ist saniert, eine 400 Quadratmeter große Kellerei neu gebaut.

Klaus Zimmerling
Klaus Zimmerling

Klaus Zimmerling, der seine Weinberge bei Pillnitz in Dresden hegt und pflegt, ist gelernter Maschinenbauer. “Ich habe mir gedacht: Wenn selbst gemachte Marmelade besser schmeckt, dann doch sicher auch selbst gemachter Wein!” sagte er einmal – wobei uns sein selbst gemachter Wein immer sehr gut schmeckt! Zimmerling ist erst im Frühjahr 2010 zum VDP gestoßen – nicht weil seine Weine vorher nicht gut genug waren, sondern wohl eher weil der bekennende Eigenbrötler sich ungern in irgendwelche Zwangsjacken stecken lässt. Aber mit seiner Freiheit beim Weinmachen eckt er im VDP ja nicht an!

Michael Prinz zu Salm Salm
Michael Prinz zu Salm Salm

Der neue Regionalverband hat natürlich auch einen Vorsitzenden: Prinz Lippe. Aber er (der Verband) entspricht natürlich mit vier Winzern nicht deutschem Vereinsrecht: Da halfen aus dem Präsidium des Bundes-VDP drei Herren aus, damit die nötigen sieben Unterschriften zusammen kamen. Einer von ihnen, Michael Prinz zu Salm-Salm, ist Ehrenpräsident des VDP und sprach dann auch ein paar Worte, die aufmerken ließen. Es sei doch nichts schöner, als wenn man sich frei entwickeln könne, meinte er (und blickte dabei den Herrn Zimmerling an…).Bei seinem ersten Besuch nach der Wende, 1991 im Winzerhaus gegenüber der Albrechtsburg, sei er ja noch ein wenig skeptisch gewesen – aber das habe sich geändert. Emotional bewegt sagte er den vier Winzern: “Ihr habt eine super Leistung erbracht. Mich bewegt das sehr!”

Das perfekte Wochenende: Meißen

Schwund

Etwas Schwund ist immer. 16 Prozent etwa sind sie in Meissen gewöhnt und richten sich drauf ein – denn so viel schrumpft das Porzellan bei seiner Herstellung im Brennofen. 16 Prozent – das ist ganz schön viel: Bei einer Führung durch die Schauwerkstätten der Meissener Porzellanmanufaktur lernt man das recht anschaulich – und einiges mehr.

Wir sind in Meißen, für ein Wochenende. Eingeläutet haben wir den Besuch am Freitagabend im Goldenen Fass - einem Restaurant etwas versteckt rechtselbisch gegenüber dem touristisch geprägteren linkselbischen Teil. Es zu finden lohnt sich, denn im ersten Bio-Zertifizierten Restaurant in Meißen findet man regionale Köstlichkeiten in hervorragender Qualität.

Der nächste Tag beginnt mit einer Lektion in Sachen Rechtschreibung: Meißen mit “ß”, so lernen wir, das ist die Stadt. Meissen mit doppel-s: das ist die Manufaktur. In der sind wir aus gutem Grund am Vormittag, denn den Besuch kann man prima mit einer Tasse Kaffee (oder, wenn noch nicht passiert) mit einem Frühstück im Café Meissen beginnen. Das ist gleich links wenn man den Showteil der Manufaktur mit Museum, Schauwerkstätten und Einkaufsmöglichkeiten betritt – und serviert wird hier natürlich auf Meissener Porzellan im weltberühmten Zwiebelmuster-Dekor. Und da das Frühstück (oder eben auch nur Kaffee, Tee oder Schocki) von ordentlicher Qualität sind, ist das ein netter Start in den Tag.

Schauwerkstatt
Schauwerkstatt

So gestärkt warten die Schauwerkstätten: Hochtechnisch geht’s da zu und zugleich handwerklich. Die Technik kommt aus Lautsprechern: Da spricht eine Stimme, was die Menschen zu tun haben. Wenn man einen introvertierten Künstler vor sich hat, ein Vorteil – wenn man beredte Menschen antrifft, regeln die das auf ihre Weise: Sie stoppen das Band und erklären zwischendurch ihr Tun auf ihre eigene Art. Und bevor jetzt jemand von den Chefs mitliest und meckert: Den Gästen hat’s gefallen! Von Station zu Station wächst so das Verständnis für einen hochkomplexen Vorgang, an dessen Ende ziemlich verrückte Dinge herauskommen. Eine Vase mit 3.000 kleinen Blüten, beispielsweise. Natürlich alle handgemacht.

Seit 300 Jahren machen sie das nun schon so in Meißen. Drehen wir das Rad der Zeit kurz zurück, bis ins Jahr 1701. Da spielte der 19jährige Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger den starken Mann und behauptete, Gold herstellen zu können. Am 1. Oktober 1701 führt der Alchemist vor, was er kann. Hat er den Stein der Weisen gefunden? Das machte ihn sogar für Könige interessant: Gold! Gold ist Macht. Der preußische König wollte Böttger, der wollte nicht und floh – nach Sachsen. Doch da wartete schon August der Starke, der für seine kostspieligen Hobbies (Frauen, Königswürde, Kunst) auch gern Gold gehabt hätte. Er setzt Böttger fest – und fortan galt: Böttger, mach Gold!

Der probiert und probiert – und kommt nicht so recht voran. 1704 wird dem jungen Böttger ein erfahrener Wissenschaftler zur Seite gestellt, der ein Universalforscher war und sich unter anderem mit hohen Temperaturen bei Brennöfen beschäftigt hat: Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Wahrscheinlich zusammen fanden beide im Dezember 1707 den Stein der Weisen, das europäische Pendant des chinesischen Porzellans – so genau weiß man das trotz intensiver Forschung immer och nicht: Porzellanherstellung ist eine sehr exklusives und vor allem zur Entstehungszeit geheimes Ding. August der Starke, der nach eigener Aussage unter der “maladie de porcelaine” leidete, war begeistert. Der Porzellansüchtige erhielt das weiße Gold!

Vorspeise mit Chef...
Vorspeise mit Chef…

Ein Rundgang durch die Ausstellungen des Porzellan-Museum ist natürlich Pflicht. Selbst wenn man – was ja durchaus vorkommt – die Meissener Porzellane vielleicht nicht zeitgemäß und manchmal ein wenig ungeeignet für das eigene Budget findet, ist diese umfangreichste Sammlung Meissener Porzellane von den Anfängen 1710 bis heute ein Hingucker.

Dass das “Meissener” auch modernere Formen haben kann, erleben wir zum Mittag im Restaurant, wo man unpretentiös und überraschend gut auf schlichtem Gastro-Service speisen kann. Wer mehr erleben will, bestellt nicht a-la-carte, sondern das Dreigang-Menü, das auf Tellern mit Motiven aus drei Jahrhunderten serviert wird.

Gut gestärkt verlassen wir “Meissen” und machen uns auf nach “Meißen”, genauer: Durch die Stadt geht’s hoch zur Burg und zum Dom. Der Weg ist gut ausgeschildert und auf andere Art auch eine Zeitreise: Es gibt fabelhaft restaurierte Häuser (die meisten wenn nicht alle Sehenswürdigkeiten gehören dazu) und solche, die stillstehen in einem Stadium maroder Schönheit. Da lohnt es sich, stehen zu bleiben und genauer hinzusehen: Die Beschriftungen an den Wänden geben Aufschluss über die Vergangenheit der Häuser (“Kopfwäsche für Damen separat”), die Plakate davor sind von charmanter Doppeldeutigkeit (Wendeweste für 59,95 Euro).

Frauenkirche Meißen
Frauenkirche Meißen

Planloses Schlendern durch die Straßen ist in Meißen kein Problem: Die Stadt ist übersichtlich und bietet Dank einiger markanter herausragender Punkte immer wieder Orientierungsmöglichkeiten. Eine davon steuern wir als erstes an: Die Frauenkirche. Nein, nicht die in Dresden und auch nicht vergleichbar: Eine spätgotische Hallenkirche (das heißt: drinnen mal den Kopf in den Nacken legen und an die Decke sehen!) aus den Jahren 1416 bis 1500. Und auch draußen heißt es: Kopf hoch – vor allem, wenn sechsmal täglich das Glockenspiel vom Turm erklingt. Das erste spielbare Porzellanglockenspiel der Welt, echt Meissner natürlich, bringt die 37 Glocken seit 1929 zum Klingen. Uns passt der Termin halb drei ganz gut; wenn man ihn verpasst, geht auf dem Rückweg vom Burgberg um halb sechs auch noch was…

Fummel
Fummel

Auf dem Weg zum Burgberg gibt es viel zu sehen – unter anderem den Ort, an dem wir abends essen werden: 30s Weinbistro. Nicht dumm, schon mal bei Tag einen Blick in den Hof zu werfen. Etwas weiter bergauf muss man schon etwas genauer hinsehen, um eine Besonderheit zu entdecken: Von außen ist die Konditorei-Café Zieger unspektakulär, aber ein Blick ins Fenster klärt auf, dass es hier Sehenswertes gibt: Die Fummel. Ein hauchdünnes Gebäck, das nicht zum Verzehr gedacht war, sondern als eine Art Alkoholtest. Die reitenden Kuriere, die Porzellanstücke aus Meißen zum starken August bringen sollten, sprachen wohl dem Meissner Wein gerne zu – und zu viel davon ist keine Empfehlung für den Transport empfindlichen Porzellans. Ein noch zerbrechlicheres, aber deutlich wertloseres Teil war nun zwischengeschalteter Indikator für absolute Nüchternheit. Da wir weder Porzellan noch ein Pferd dabei haben, kaufen wir auch kein Fummel, sondern stapfen weiter bergan zur Albrechtsburg.

Albrechtsburg Meißen
Albrechtsburg Meißen

Seit 1710 war die Burg Standort der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur. Vom Keller bis zum Boden war die Albrechtsburg bis 1863 Porzellanschloss – nur der Brennvorgang fand außerhalb in einem Nebengebäude statt. Kein Wunder also, dass auch hier 300 Jahre Porzellan kräftig gefeiert werden: Mit der Sonderausstellung “Der Stein der Weis(s)en” (8. Mai – 31. Oktober). Doch auch ohne diese Ausstellung ist die Albrechtsburg ein Ort, an dem man Ungewöhnliches sieht. Der erste Schlossbau der deutschen Baugeschichte punktet mit Vorhangbogenfenstern, aufregenden Gewölben und Wandmalereien von elf Künstlern, fast alle von der Dresdner Akademie der bildenden Künste. Und er bringt das wunderschöne Erlebnis, einmal als lebender Parkettpolierer in Filzpantinen den Saal zu bohnern.

Großer Wendelstein
Großer Wendelstein

Auf dem Weg zurück in die Stadt werfen wir noch einen Blick in den Wendelstein – ein Meisterwerk des Treppenbaus, das Baumeister Arnold von Westfalen da hingesetzt hat. Wie so oft: Unten stehen und hochsehen – dann bekommt man einen Endruck von der Leichtigkeit dieser Treppe. Abends im Weinbistro von Familie Dreißig erleben wir ein zweites Mal feine Meißner Küche mit geschmacksintensiven Speisen einer kleinen Karte.

Weinhaus Schuh
Weinhaus Schuh

Sonntag, Abreisetag. Was tun? Sächsischen Wein an seinem Ursprung kennenlernen! Wer mag, kann das als kleine Wanderung erledigen, ansonsten geht’s natürlich auch mit dem Auto: In Sörnewitz etwas elbauf steuern wir das Weinhaus Schuh an. 1990 neu gegründet, Reben nur in Steillagen – wobei es beim Schuh auch Rotwein gibt: 43 Prozent der 4,5 ha sind mit Rotweinreben bepflanzt. Früh schon hat das Weinhaus Schuh auf Kundenkontakt gesetzt: Zum Weingut gehören eine Vinothek und ein Weincafé, und wer spontan wegen einer intensiven Weinprobe in Sörnewitz hängen bleibt: Gästezimmer gibt’s auch…

Kirche von Zadel
Kirche von Zadel

…wie auch am möglicherweise anderen oder zweiten Wein-Ort: Etwas elbab von Meißen, aber auch rechts der Elbe, liegt Zadel. Das Elbweindorf mit der ältesten urkundlich bezeugten Weinbautradition (Weinbau ist dort seit 1218 nachweisbar) ist eine der besten Adressen für Wein in Sachsen: das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe – mit dem Weinkeller, einem Verkaufsladen und einem Restaurant – findet man hier neben der Kirche. Der Prinz und sein Weingut haben dem Dorf hinter dem Hügel (denn das ist die Bedeutung des slawischen Wortes Zadel!) gut getan, es aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Das sitzt man dann im Probierzimmer oder im Restaurant und stellt fest: So ein Wochenende ist eigentlich viel zu kurz…

[Beitrag für Augusto]

Infos
Veranstaltungen in der Porzellanmanufaktur
Frauenkirche Meißen

30s Weinbistro
Burgstraße 6
01662 Meißen
Telefon: 03521 – 476498
E-Mail: info@30s-weinbistro.de
Internet: http://www.30s-weinbistro.de

Geöffnet: Mo, Mi-Sa ab 17 Uhr
Sonn- und Feiertag ab 12 Uhr

Goldenes Fass 
Vorbrücker Straße 1
01662 Meißen
Telefon 03521 719200
post@goldenes-fass-meissen.de

Geöffnet
montags bis samstags ab 17.00 Uhr, Sonn- und Feiertage ab 11.00 Uhr

Restaurant Meissen
Talstraße 9
01662 Meißen

Tel.: 03521 – 46 87 30
email: info@gastronomie-meissen.com

Geöffnet:
Café MEISSEN von 9 bis 18 Uhr
Restaurant MEISSEN von 11 bis 19 Uhr, mit Reservierung auch spätere und längere Öffnung möglich

Es geht eine Flasche auf Reisen…

Weinwanderung zur Landeskrone

Wenn der Görlitzer (und selbstredend auch die Görlitzerin) einmal hoch hinaus will, treibt es ihn (respektive sie) auf die Landeskrone. Das ist, lese ich, der Hausberg von Görlitz. Das Prädikat ist indes leicht verdient, denn außer der 420 Meter hohen Landeskrone ist rundum nur flaches Land, und da alles relativ ist: dieses flache Land erstreckt sich in etwa 198 Meter über Normalnull, so dass ein gewaltiger Aufstieg von rund 222 Metern bevorsteht!

Um uns seelisch darauf vorzubereiten, eilten wir vorab zum Weinhändler unseres Vertrauens, der neben tröstenden Worten meist auch einen guten Wein zum Probieren bereithält. Wir sollten nicht enttäuscht werden, denn aus der Kategorie “leicht, frisch, sommerlich” hielt Axel Krüger einen 09er Sauvignon Blanc von Markus Pfaffmann aus der Pfalz bereit. Das eine Probierglas, das zu trinken wir bereit waren, schmeckte excellent, so dass wir die gute Idee des Tages vom Herrn Weinkrüger außerordentlich begrüßten: “Nehmt doch eine Flache mit, gut gekühlt ist sie und bleibt es bei dem Wetter ja auch!”

Die zweite gute Idee war, des Weines wegen, nicht mit dem Auto zur Landeskrone anzufahren, sondern mit der Bahn. Die Linie zwei fährt bis direkt hin (und die Fußfaulen können dann dort gleich umsteigen in den Landeskrone-Express). Die Viererkarte der Straßenbahn kostet 3 Euro 80, was Großstädter etwas ungläubig gucken lässt.

Zwei Wege führen auf die Krone: Einer südlich herum, einer nördlich. Und für den treckergezogenen Express gibt’s auch noch einen Fahrweg, aber der ist für Fußgänger natürlich langweilig. Wir wählten die südliche Runde und fanden auch schnell einen Baumstumpf, der als Tisch für unsere Weinprobe herhielt. Rucksackkalt schmeckte der Wein vorzüglich, mit einer Ahnung von fruchtigen Geschmäckern im Maul stapften wir südwärts durch den noch winterkahlen Wald. Wir liefen nahezu allein – wer nicht sowieso den Express genommen hatte, erklomm die Landeskrone offensichtlich über die Treppen entlang der Lindenalle und nahm dann den kurzen Fahrweg.

So oder so, 222 Meter sind nicht viel, schnell ist man oben angelangt und kann sich gleich an zwei Gipfeln erfreuen, die der Vulkan hat entstehen lassen. Für den Tourismus hat das den unendlichen Vorteil, gleich zwei Höhepunkte zu bieten: Auf dem (etwas niedrigeren) Südzipfel steht eine Bismarksäule, die genau so aussieht wie man sich eine Bismarksäule vorstellt. Man kann drumherum laufen, obwohl sie kein Geländer hat – doch hoch kommt man nicht. Die Aussicht ins Land ist theoretisch großartig, aber in der Praxis braucht es auch klare Sichtverhältnisse. Nett wäre aber die richtige Wortwahl für das Erlebnis, sicher besser als “muss man gesehen haben”.

Der “Schlangenweg” (heißt wirklich so) schlängelt sich dann die wenigen Meter hoch zum Nordgipfel, an dem es eine Burg gibt mit Gipfelversorgung. Wir waren angesichts der Speisekarte froh, für den Augenblick noch ein Glaserl Wein dabei zu haben und ansonsten am Abend in der Stadt ein wenig netter essen zu dürfen. Also schlichen wir in den Windschatten des Aussichtsturms der mitttelalterlichen Burg, um dort den Sauvignon Blanc an Basaltsäulen zu genießen – Ausblick auf Görlitz inklusive (oder wie die Hotelbranche es formulieren würde: “Der Görlitz-View ist in unserem Osterspecial includiert!”).

Beim Rückweg über den Nordhang lernten wir (leider nur übers Info-Schild) die Mops-Fledermaus und das “Große Mausohr” kennen – beide sichere Garanten dafür, dass hier keine Brücke gebaut wird. Dresdner wissen, wovon ich rede! Der Abstieg endete nach der Überwindung von 40 Höhenmetern auf den 178 Stufen der Treppenanlage durch die 1844 gepflanzte Lindenallee am Kiosk an der Landskrone, der leider schon geschlossen hatte. Aber als Kulisse für unseren Wein-Absacker gab er ein gutes Bild ab!

Hoppes Weesenstein

Rolf Hoppe

Wir haben uns vor mehr als fünfzehn Jahren kennen gelernt – auf Schloss Weesenstein. Rolf Hoppe, Dresdner Schauspieler (u.a. Göring im “Mephisto”), liest im Kaminsaal des Schlosses, und er macht das auf seine ganz eigene Art. Ich hatte seinerzeit viel fürs Schloss gearbeitet – Hausprospekte, Jahresgaben und derlei mehr. 1998 gab es dann das Buch “Hoppes Traum. Das Weesensteiner Sagenbuch.” Andreas Neubauer hatte wunderbare schwarz-weiß-Fotos von Hoppe auf dem Schloss gemacht, der damalige Schlossleiter (und 2001 verstorbene) Klaus-Dieter Wintermann hatte Texte beigesteuert, ich habe das Buch gestaltet und verlegt.

Rolf Hoppe
Rolf Hoppe

Lange war ich nicht auf Schloss Weesenstein. Doch in diesem Jahr sollte die 2001 selbst auferlegte Pause beendet werden: Saisoneröffnung vor einer Woche und jetzt die legendäre Lesung mit Rolf Hoppe. Dessen “Weesensteiner Osterspaziergang” waren mir immer ein besonderes Vergnügen, weil Hoppe eine mutig-verwegene Mischung schöner Texte vorträgt. Goethe natürlich, aber eben nicht nur den Osterspaziergang oder die Walpurgisnacht, sondern auch kleine Texte, die der Herr Geheimrath keineswegs für die Schulfibeln geschrieben hat. Und Lessing und Kästner und Morgenstern und die Bibel und der Bauernkalender und ichweißnichtwas. Hoppe bringt eine dicke Akte mit und blättert sich durch, es wirkt immer wie improvisiert und ist natürlich, der Mann weiß selbstredend wie das geht, alles sauber geplant und arrangiert.

“Freundschaften muss man pflegen!” sagte Rolf Hoppe, etwas abseits vom eigentlichen Programm. Wohl wahr.

Ostern in Bautzen

Osterreiter

Bautzen kennt man, wenigstens den Namen der Stadt: Einerseits mit weniger guten Konnotationen als Knast-Ort (Gelbes Elend der eine, Stasi-Knast der andere), andererseits als Heimat des Bautz’ner Senfes, den Kenner eher als gelbe Wohltat beschreiben und der nur echt mit dem Apostroph ist! Bautzen ist auch, und das wissen nun längst nicht mehr so viele, das kulturelle Zentrum der Sorben. Viele wissen ja nicht einmal, wer die Sorben sind – aber um das heraus zu bekommen, besucht man ja fremde Städte und erfreut sich dann am neuen Wissen.

Reichenturm
Reichenturm

Die Sorben sind ein slawisches Volk, das in der Lausitz lebt. Slawen besiedelten früher die Gegend – der Städtename Dresden leitet sich beispielsweise aus dem altsorbischenDrežďany für Sumpfbewohner ab, und auch Mockritz (der Stadtteil, in dem ich wohne) wird vom sorbischen mokry abgeleitet, was übersetzt nass, feucht bedeutet und ebenfalls auf die sumpfigen Bodenverhältnisse hinweist. Doch zurück nach Bautzen, das auf obersorbisch Budyšin heißt. Ortsschilder sind hier – wie auch Straßenschilder – zweisprachig sorbisch-deutsch, und lediglich so überflüssige Geschäfte wie künstliche Sonnenbräuner treiben es deutsch-englisch als “Sonnenstudio City Sun”.

Osterreiten
Osterreiten

Wie man das bei Minderheiten häufig vorfindet, sind die Sorben Bewahrer von Traditionen. Sie pflegen nicht nur ihre Sprache, sondern auch Gebräuche – wie den des Osterreitens. Osterreiter gab es “schon immer”, und wie so oft erfahren wir davon meist durch aufgeschriebene Verbote oder aktenkundig gewordene Zwischenfälle. So ritten die Wittichenauer als „Kreuzreiter“ (so heißt das Osterreiten auf obersorbisch heute noch: Křižerjo – Kreuzreiten) vor 1541 nach Hoyerswerda. Doch dann wurde man dort lutherisch und mochte den Brauch nicht – weswegen sich seitdem die Reiter aus Ralbitz und Wittichenau gegenseitig besuchen. Diese Gegenbesuche sind üblich – außer beim Osterritt von Bautzen nach Radibor, das ist one way plus Zurückreiten.

Osterreiter
Osterreiter

Einmal gab es sogar einen regelrechten Osterreiterkrieg – jedenfalls wird das so genannt, was sich da am Ostersonntag des Jahres 1623 zugetragen hatte: Christoph von Minkwitz, damals Gutsherr von Radibor, verbot den Osterreitern, den Friedhof zu betreten – auch er wollte so den lutherischen Glauben im Ort durchsetzen. Die Idee war schlecht und ging nach hinten los: Die Radiborer wollten reiten und kebbelten sich so handgreiflich mit Angestellten des Gutshofes, dass das als „Osterreiterkrieg“ in die Geschichte der Pfarrgemeinde einging.

Ostern in Bautzen
Ostern in Bautzen

Was Verbote nicht schafften, hätte der irreal existierende Sozialismus beinahe vollbracht: Weil es immer weniger Pferde gab, war den Osterreitern quasi die Grundlage ihres Tuns entzogen. Rafael Ledschbor erwähnt in seinem lesenswerten Beitrag für das Bistum Dresden-Meißen, dass das Osterreiten in Bautzen nur nur bis 1969 präsent war: „Zu wenig Pferde sowie mangelndes Interesse“. Und auch die Storchaer Prozession nach Radibor pausierte von 1973 bis 1977, weil der Pferdebestand sehr stark reduziert war.

Alte Wasserkunst und Michaeliskirche
Alte Wasserkunst und Michaelis…

Mittlerweile aber reiten sie alle wieder – 1.700 insgesamt, neugierig beäugt von geschätzten 35.000 Zuschauern. Für die Touristen ist es eine fotogene Attraktion, für viele Kinder ein Erlebnis – vor allem wenn die Zossen ungeniert den Schweif heben und die Straße beäppeln. Für die Reiter scheint es immer noch eine Mischung aus Tradition, Religion und Heimatbindung zu sein, sie machten allesamt nicht den Eindruck, besonders kamerageil zu sein und waren konzentriert bei der Sache – was die Gebete vor dem Start anbelangt und den lautstarken Gesang beim dreimaligen Umrunden der Liebfrauenkirche, mit dem der Ostermarsch hoch zu Ross beginnt. Die Herren können nämlich alle laut, aber nur einige schön. Beeindruckend war’s dennoch.

Auf zum Protschenberg
Auf zum Protschenberg

Während die Osterreiter in festlichen Prozessionen nach Radibor ritten, strömten die Bautzener (ohne Apostroph, weil kein Senf) auf den Protschenberg zum Eierschieben. Selbst noch oben auf der Ortenburg stehend sah man über die Spree eine fröhliche Menschenschlange bergan ziehen – ein Bild, an dem die Herren Goethe und Spitzweg gleichermaßen ihre Freude gehabt hätten. Der Protschenberg ist ebenfalls seit ewigen Zeiten der richtige Ort zur rechten Zeit: Seit 1830 ist das Eierschieben dort verbürgt. Hartgekochte Eier, Äpfel, Nüsse, Apfelsinen und allerlei Gebäck kullerte den Steilhang hinunter und wurde unten von den Kindern aufgefangen. Oder auch nicht, wie man gerne erzählt: Dann sprangen die Kinder eben in die Spree, was ein kaltes Vergnügen ist zu dieser Jahreszeit.

Die Spender von Eiern & Co waren übrigens wohlhabende Bürger, das ganze hatte also zumindest in den Anfängen eine soziale Komponente. Die sucht man heutzutage vergebens: Alles Jahrmarkt, umsonst ist da nur der Aufstieg auf den Berg. Ansonsten kauft man Plastikbälle im Apfelsinennetz, und die können dann gefangen und umgetauscht werden – in „Geschenke“ steht auf der Internetseite zum Eierschieben, aber die sind ja vorher bezahlt.

Ostern in Bautzen
Ostern in Bautzen

Das ganze Vergnügen ist in eine Show eingebettet, mit Bühne vorne und Bratwurst, Sau am Spieß und was man sonst noch so zum Sattwerden braucht an der Seite. Es gibt jedenfalls reichlich Gelegenheit für die Bautzener, den Bautz’ner zu probieren! Auf der Bühne gastierte unter anderem das Sorbische National-Ensemble, dem man ansah, dass dort Profis tanzen. In den Ausgehtrachten sahen die Jungs gut und die Mädels hervorragend aus. Gut drauf waren sie alle, und das machte nun nicht den Eindruck von Schauspielerei…

Zu den Märzenbechern im Polenztal

Märzenbecher

Märzenbecher sind was Seltenes, und wer sie in seiner Gegend hat, wähnt sich offensichtlich gleich als Sieger: “Eines der größten Vorkommen in Deutschland dieser streng geschützten Pflanze ist der Leipziger Auwald (Stadtwald)”, schreibt die Wikipedia und fährt fort: “Größere natürliche Vorkommen wildwachsender Märzenbecher innerhalb Deutschlands finden sich auch im Polenztal der Sächsischen Schweiz zwischen Polenz und Hohnstein, am Schweineberg im Stadtforst Hameln, bei Haina (Grabfeld) sowie am Nordabhang der Fränkischen Alb bei Ettenstatt in Bayern.”Das Schild am Eingang zur Märzenbechergegend im Oberen Polenztal ist älteren Datums, wie man an der überschriebenen Staatszugehörigkeit sieht (wo heute “in der BRD” steht hieß es früher “in der DDR”). Auf dem Schild ist vom “größten Wildvorkommen” Sachsens die Rede – und ich frage mich, ob die Märzenbecher im wunderbaren Leipziger Auenwald zahm sind…

Russigmühle
Russigmühle
Apropos Eingang zur Märzenbechergegend: Deren gibt es zwei, die jeweils auch Ausgänge sind – je nachdem wo man anfängt und aufhört. Wir kamen von derRussigmühle etwas stromab der Polenz. Dort galt es ein paar hübsche Fotos des bestens restaurierten Hauses (1848 gebaut, steht über dem Eingang) zu machen und einen Schatz zu heben. Ersteres wegen der gerade korrekt im richtigen Winkel stehenden Sonne am Anfang der Tour, letzteres am Ende: Geocacher haben’s nicht so mit vorbei laufenden Spaziergängern. Doch zu Muggeln und Schätzen später mehr.
Da lang
Da lang

An der Heeselichtmühle - laut Sandsteinrelief neueren Datums von 1561 – warnt ein Schild lieb vor dem Hund. Die alte Mühle ist in Privatbesitz, der Wanderweg führt quer übers Grundstück – da braucht man gute Nerven! Selbst der Hund scheint kapituliert zu haben vor den Menschenmengen – oder er ist heiser vom vielen Besucher melden: gesehen haben wir ihn nicht. Ansonsten ist das ein Haus, an dem immer gewerkelt wird – und sie vermieten Zimmer. Hübsche Lage, aber tagsüber lauter Menschen am Wochenende vor der Tür…Die Polenz kommt einem munter plätschernd entgegen – nahezu auf Augenhöhe. Märzenbecher sieht man hier kaum – die kommen später. Dann und wann tauchen sie allerdings auf, zum Beispiel in kleinen Brachen zwischen Ästen und Zweigen: das ist die richtige Umgebung für die Frühlings-Knotenblume(Leucojum vernum). Am Wegesrand gibt es aber nicht nur Blumen, sondern auch Rost: Mit Freuden entdeckte ich den Bus, der bereits vor zwei Jahren an der Scheibenmühle vor sich hin rostete. Wie schön, dass es Konstanten im Leben gibt! Die Scheibenmühle ist mittlerweile im eher rüden Stil bewirtschaftet, falls das jemanden interessiert – wir waren nicht drin.

Märzenbecher-Wiese
Märzenbecher-Wiese

Direkt hinter der Scheibenmühle gibt es dann die ersten größeren Märzenbecher-Teppiche. Um die Mittagszeit liegen sie im Schatten, wir sind auf dem Rückweg eigens nochmal hierhin, um sie im Sonnenlicht zu erwischen. Die naturgeschüzten Märzenbecher stehen nämlich am liebsten auf Wiesen, die man aus gutem Grund nicht betreten darf. Hier gab’s kein Schild, keine Absperrung und am Rand genug Platz, um sich heranzupirschen, ohne etwas zu zerlatschen. Sylke, die sich für Blumen schon mal flach auf den Boden legt, fand sogar dafür Platz – und wo es zu eng für den flachen Bauchklatscher war, gab Curly die hockende Grazie.Der Wanderweg verlässt die Flussebene und geht ein wenig in die Höhe, so dass man auf die sich durchs Tal schlängelnde Polenz sehen kann. Muntere Bächlein kommen vom Berg herab, was den Weg manchmal etwas pitschepatschig macht – die meisten Menschen hier wissen das und verzichten auf Stöckelschuhe – und für die ganz verrückten Touristen aus der großen Stadt ist es ja noch nicht die Jahreszeit.

Kleiner Fluss mit großer Schleife
Kleiner Fluss mit großer Schle…
Wenn die Polenz in Schleifen wie die große Schwester Elbe durch die Gegend plätschert, dann gibt es zwangsläufig immer mal wieder einen Richtungswechsel- Beim kalten Märzwetter sind das temporäre Temperaturwechselbäder: In der Sonne ist es schön warm (Jacke auf), im Schatten empfindlich kalt (Jacke zu). Das klingt gemein, aber eigentlich hat die Natur ja doch einen großen und guten Plan, denn während auf der (märzenbecherfreien) Wiese am Waldesrand die Menschen in der Sonne sitzen, lugen auf der (menschenfreien) Aue im Schatten des Waldes die Märzenbecher aus den letzten Schneeresten.
Betreten verboten
Betreten verboten

Kurz vor der Bockmühle kommt das das größte zusammenhängende Märzenbecherareal. Hier wurden wir vor zwei Jahren von einer pensionierten Oberlehrerin angerungst, wiel wir uns zu dritt mit unseren Kameras den zierlichen Naturgeschützten von der Seite her genähert hatten (vgl. Originalbeitrag). In diesem Jahr verwiesen die Eulen der Naturschutzbehör.de darauf, dass das Betreten der Wiese verboten sei – was wir natürlich respektierten. Offensichtlich sind hunderte behende über die Auen hupfende Fotografen im Ergebnis dann doch eher einer Trampeltierherde gleich zu setzen…

Auf dem Gohrisch

Zwischen Papstdorf und Gohrisch

Auf dem Malerweg (2)

Der Gohrisch ist entweder 448 Meter hoch (so jedenfalls die Gravur auf der Bodenplatte der Wetterfahne, das offizielle Hinweisschild oben auf dem Plateau und die Malerweg-Info) oder nur 439,80 (Karte und Wikipedia) – aber in diesem sowieso nicht rekordverdächtigen Bereich spielt das vielleicht gar nicht so die große Rolle. So oder so ist der Gohrisch ein netter Tafelberg, der eine grandiose Rundumsicht bietet – wenn das Wetter mitspielt, natürlich nur. Wir wollten ihn, nach Sonnenaufgangsbeobachtungen auf dem gegenüber liegenden Papststein und Frühstück beim Rumpelt-Bäcker in Papstdorf besteigen und dann im weiten Rund ein Stück dem Malerweg folgend aus der Ferne würdigen.

Bäckerei Rumpelt
Bäckerei Rumpelt
Der Bäcker hat auch ein Café – aber so eins, wie es in kleinen Dörfern häufig anzutreffen ist: Kleine Ladentheke, nicht sonderlich überbordend. Nebenan ein Raum mit Rattanstühlen an Marmortischen – moderne Rustikale, sozusagen. Besonders einladend wirkt das nicht, aber eine nette Bedienung (ich denke mal: die Chefin) macht das wieder wett. Na klar könnten wir frühstücken, sagt sie – es ist halb zehn, das ist für hiesige Verhältnisse schon spät: das Café öffnet um sieben. Süß oder deftig? Ähm: erst deftig, dann süß, bitte. Und je einen Pott Kaffee! Die Brötchen suchen wir uns selber aus, den Rest bekommen wir: Ausreichend, mit einem halben Stück Butter – da können sich viele Hotels und Pensionen mal ein Beispiel nehmen. Der Kaffee schmeckt gut, ist aber leider etwas lau statt heiß. Aber ansonsten gefällt es uns, und beim süßen Nachschlag gibt’s sogar noch Mandelgebäck kostenlos obendrauf: “Das ist übrig geblieben – war zuviel für die konfektionierten Tüten!”
Am Rande des Dorfes parken wir das Auto und gehen eine Birkenallee entlang Richtung Gohrisch. Das Waldstück, in dem der Pfad parallel zur Straße führt, hatten wir uns überhaupt nicht spektakulär vorgestellt – aber wir hatten nicht mit der Sonne gerechnet, die sich durch den auflösenden Nebel strahlt und hinter jedem Baum neue Lichterspiele veranstaltet. Wir sind auf dem Malerweg – wenn auch nur auf einem Teil des modernen, von der Tourismusindustrie gestalteten: Der alte, originale Malerweg verlief nur rechtselbisch und kennzeichnete die Tour, auf die die Maler die Sächsische Schweiz erkunden wollten. So ganz exakt hat man ihn nicht nachempfunden – es fehlt das Stück rüber nach Tschechien zum Prebischtor, und statt dessen gibt es linkselbisch einen Rückweg nach Pirna – auf einem Teil davon befinden wir uns hier seit dem Papststein.
Strahlungen (1)
Strahlungen (1)

Irgendwann ist dann plötzlich Schluss mit lustig – die Bäume hören auf, der Fels beginnt. Ein Schild unten hatte zur Vorsicht gemahnt: Die Aufstiege seien mit Holzleitern versehen und erforderten unbedingte Tritttsicherheit. Sowas ficht mich nicht weiter an – solange der Spalt zwischen den Felsen meinem Astralkörper und dem Fotorucksack ausreichend Platz bietet und es nicht schwindel erregend bergab geht, mache ich das gerne mit und werde obendrein mit wohlwollenden Worten meiner Begleitung motiviert. Das Gekraxel hielt sich in Grenzen und schuppdiwupp hastenichtgesehen waren wir oben.Eine Schutzhütte steht da und lädt zum Ausruhen ein, leider war sie schon besetzt. Wir also weiter auf dem Plateau des Gohrisch bis zur Wettterfahne. Sie stammt aus dem Jahr 1985 und trägt die Inschrift “Berg Heil”, was mir unwillkürlich bedenklich vorkam in dieser Gegend, die ja unselige Heilsjünger gerne in örtliche und regionale Parlamente wählt. Aber die Wikipedia belehrte mich eines Besseren: “Unter Bergsteigern ist die Formel Berg Heil! geläufig, die insbesondere dann angewandt wird, wenn Bergsteiger einen Gipfel erklommen haben.” Und auf dem Gipfel steht die Wetterfahne ja!

Blick zum Pfaffenstein
Blick zum Pfaffenstein

Die Aussicht ist hier in der Tat faszinierend, und da fragt man sich doch, wieso der Gohrisch erst 1886 als einer der letzten Tafelberge der Gegend für den Tourismus fit gemacht wurde. Emil Grünewald, der bei diesem Namen ja gar nichts anders als Königlicher Oberförster werden konnte, hat für Treppen und Stufen gesorgt, so dass man da oben rauf und auch wieder runter kommt. Der hiesige Gebirgsverein hat dem Mann zu seinem 100. Todestag 1992 eine Bank errichtet mit Widmung in Stein, so dass man sich jetzt vor dem Auf- oder nach dem Abstieg ausruhend dankbar setzen kann.Der Malerweg, auf den man nun wieder nach dem Abstecher auf den Stein stößt, führt zur Stadt Gohrisch – die wir jedoch nicht erreichen, weil wir vorher links abbiegen in den Balzpfad. Warum der so heißt? Keine Ahnung. Pfade haben nun mal ihre Namen, und dieser ist eben der von der Balz. Ein Hochstand mit laveder unterer Stufe ist ansonsten stabil genug, zwei hungrigen Wanderern ein erhabener Rastplatz zu sein. Was sehe ich da auf der Lichtung? Einen Trog. Die Herren Jäger machen es sich ganz schön leicht…