Erfrischendes auf dem Weg ins Erzgebirge

Weimer's Landgasthof

In Oberhäslich verwöhnt Thomas Weimer die Gäste in seinem Landgasthof

Als die Politiker uns vor reichlich zwanzig Jahren “Blühende Landschaften” versprachen, wünschten sich nahezu all diejenigen, die gerne essen und trinken gehen, dass dieser Wunsch auch in der Gastrolandschaft in Erfüllung gehen möge. In den Städten wie Dresden, Leipzig oder auch Görlitz hat das ja auch ganz gut geklappt – aber auf dem Land sieht es von wenigen Ausnahmen abgesehen immer noch aus wie in der kulinarischen Öde.

In Oberhäslich (bitte mit langem “ä” und einfachem “s” sprechen!) hat sich Thomas Weimer etwas getraut, was man sich viel häufiger wünscht: Er hat den alten Dorfgasthof zu einem Landgasthof umgemodelt, der eine herrliche Frische ausstrahlt. Der Gastraum ist hell, eine lustige Bordüre über der Holzpaneele mit hellgrün gemalten Küchengeräten gibt ihm etwas Freundliches.

Die Karte ist übersichtlich, was uns meist mehr erfreut als 300 Gerichte, die mehr Nummern als Speisen repräsentieren. Sechs Vorspeisen, fünf Hauptgerichte und drei Desserts reichen allerdings aus, sich schmackhafte Menüs zusammenzustellen. Und das taten wir dann auch – beinahe. Denn wir wollten (wegen kleinen Hungers) nur zwei Vorspeisen. “Nummer drei” am Tisch bat um einen zusätzlichen Löffel, um von der Steckrübensuppe mit gerösteten Walnusskernen (3,90 Euro) naschen zu können. Es gab, wie wunderbar, Besteck reihum für alle Vorspeisen: “Damit sich das Naschen lohnt!” Derlei unkompliziert mögen wir es, und “Nummer drei” genoss nicht nur die schaumig aufgeschlagene schmackhafte Suppe, sondern auch den Karamelisierten Ziegenkäse auf süß-sauer eingelegtem Radicchio mit Pinienkernen und Walnüssen (8,90 Euro), der zwar nur lauwarm serviert wurde, aber kräftig karamelisiert war und mit dem Radicchio einen wunderbar köstlichen Geschmack im Mund entfachte.

Der Service, der dies möglich machte, bediente uns den ganzen Abend freundlich und dezent-zurückhaltend, war aber immer zur Stelle, wenn dies nötig war. So sollte es sein. Schön ist auch, dass Thomas Weimer gegebenenfalls die Küche verlässt, um die Teller an den Tisch zu bringen. Erstens ist das Essen so wirklich warm und zweitens hat man das Gefühl, in familiärer Atmosphäre im Wohnzimmer zu sitzen: Alles läuft recht unkompliziert.

Die drei Hauptgänge lassen sich auf einen Nenner bringen: Lecker! Alle drei Fleischgerichte (es gibt auch Fisch, aber danach war uns nicht – lediglich Vegetarier müssen sich wohl etwas intensiver beraten lassen, denn Fisch- oder Fleischloses findet man nicht auf der Karte) waren auf den Punkt gegart, zart und saftig. Geschmorte Kalbsschulter auf Rahmwirsing mit Kartoffelrösti (13,90 Euro) zerschmolz auf der Zunge, kam mit ausreichend Sauce und lieferte mit den Rösti die Beilage des Abends. Die werden wir wieder ordern, egal was es dazu gibt!

Das Schnitzel des Herrn Weimer hatten wir ja schon im Dresdner Spizz gelobt, als er dort Küchenchef war. Hier erschien es uns nahezu perfekt – auch in der Darreichungsform in mehreren kleinen Stücken und nicht als ein überbordender Lappen. Die Bratkartoffeln dazu gehören zweifelsohne zu den besten der Gegend: kross-knusprig und angenehm gewürzt (Wiener Schnitzel klassisch vom Kalb mit knusprigen Bratkartoffeln und kleinem Salat für 14,90 Euro).

Prinzipiell hegen wir bei Geflügel ja eher Bedenken, dass uns das zu trocken und fade auf den Tisch kommen könnte. Weit gefehlt: Gebratene Maispoulardenbrust auf frischem Blattspinat mit Kartoffel-Parmesan-Gratin und Pfefferschaum war saftig, geschmackvoll und wurde mit einem traumhaften Sößchen serviert. Man muss Vorurteile auch mal über Bord werfen dürfen…

Zu den Desserts nur ein Satz: Gut, dass wir zu dritt waren und rundum naschen konnten. Hat sich gelohnt! (Aber wenn ich mal allein da wäre, würde ich Tonkabohnen-Crème brûlée mit Apfel-Zimt-Kompott und einer Kugel Schokoladeneis (6,90 Euro) nehmen und fragen, ob die Portion ein wenig größer sein könnte…)

Weimers Landgasthof
Dresdner Str. 9
01744 Dippoldiswalde

Tel: +49 3504 629550
www.weimers-landgasthof.de

Geöffnet:
Mittwoch & Donnerstag ab 17.30 Uhr
Freitag, Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen ab 11.30 Uhr
[Besucht am 26. Januar 2012 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Essen mit Stil

Bacchus

Mit Löbtau verbindet man in Dresden ja eher nicht so die feine Art. Der Begriff “Kuh-Löbte”, der heute noch weit verbreitet ist, täuscht allerdings mehr Romantik vor als dem Stadtteil innewohnt: Die großen Viehweiden gab es im vorindustriellen Zeitalter (da aber eben reichlich, alles hat ja seine Berechtigung). Vor rund 150 Jahren aber ging dann die Industrialisierung los, mit Mühlen, Fabriken (Zement, Eisengießerei, Schokolade) und Arbeiterwohnungen (unter anderem eine schöne Siedlung von Hans Erlwein).

Mittendrin gibt es “Bacchus”, ein Restaurant und Weingarten. Die Geschichte des Hauses geht weit in die Zeiten der DDR zurück. Anfangs ein Viertelskneipe mit gutem Bierumsatz (Löbtauer Casino), später dann Weinrestaurant ohne Bierausschank, aber mit (so sagt man, wir haben’s nicht probieren können) gutem Essen. Unsereins fragt sich ja immer, was die Leute nach der Wende geritten hat, da nicht mehr hinzugehen – denn statt langer Wartezeiten (bis zu einem halben Jahr!) gab es erst einmal ein Loch und keiner kam mehr, es folgten diverse Pächterwechsel und der Verlust des guten Rufs.

Das alles sollte man wissen, wenn man nun den Bacchus besucht und sich womöglich im Dunkeln durch Löbtau tastet, um dann in ein Eckhaus zu gehen, das einen mit einer ganz anheimelnden Atmosphäre erwartet: Warm ist es, aber nicht nur wegen der Heizung, sondern auch wegen der Ausstattung: Im Stil der 50er oder 60er Jahre, mit reichlichen Zitaten aus den Bereichen Film und Musik. Die Tische sind nett eingedeckt, wir fühlen uns wohl. Voll ist es auch an diesem ganz normalen Donnerstag – gut, dass wir reserviert hatten!

Seit Mitte 2008 schon hat Alexandra Göllner das kleine Wunder vollbracht, der Eckkneipe mit der guten Vergangenheit auch eine beachtenswerte Gegenwart zu verschaffen. Neben den Aspekten Essen und Trinken gibt es auch kulturelle Angebote, mit Thomas Stelzer und Mario Thiel beispielsweise.

Mit einer unglaublichen Freundlichkeit werden wir empfangen – und die bleibt den ganzen Abend bis zur Verabschiedung ein prägender Teil des Abends. Der andere war das Essen, weswegen wir ja eigentlich da waren! Die Standardkarte wechselt alle drei Monate, zusätzlich gibt es noch eine Monatskarte mit noch mehr Saisonalem. Die meisten Angebote klingen nach deutscher Küche, aber mit allerlei verfeinernden und erfreulich undogmatischen Einflüssen.

Wir waren zu viert und konnten entsprechend viel probieren. Unter anderem genossen wir alle von der ungewöhnlichen Vorspeise (Burger von Blutwurst – mit Süßkartoffeln statt Pappebrötchen und einer delikaten Blutwurst) über die Barbarie–Enten–Keule an gedünstetem Wirsing und glasierten Schupfnudeln, die wie ein Sauerbraten süß-säuerlich zubereitet war bis hin zu den Desserts, von denen Portwein-Zwetschgen an Pistatienparfait in nachhaltiger Erinnerung geblieben sind.

Also alles gut? Ja, sogar im kleinen Krisenfall: Als wir beim Argentinischen Rinderhüftsteak (mit Ziegenkäsetalern und Waldpilzen auf einer Jus vom Pinot Noir) monierten, dass es uns ein wenig zu sehr durchgebraten sei, bot man uns sofort ein neues an – aber so schlimm war’s ja doch nicht. “Beim nächsten Mal”, lächelte unsere Bedienung, “erinnern Sie mich dran: Dann gart der Koch das Steak rückwärts!” Schon deswegen müssen wir wieder hin!

Bacchus – Restaurant & Weingarten
Clara Zetkin Strasse 15
01159 Dresden

Tel: 0351 – 42 41 835
www.bacchus-dresden.info

[Besucht am 24. November 2011 | Veröffentlich am 15. Dezember in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Die Brust mit dem Knöchelchen

Neulich in einem sehr beliebten Restaurant in der Dresdner Neustadt. Es war rammelvoll – alle müssen ja im Advent ausgehen und nachholen, was sie das Jahr über nicht geschafft haben. Aber das Team machte gar keinen gestressten Eindruck, sondern war gut drauf und hatte – so gut das ging – sogar noch Zeit für das eine oder andere Schwätzchen.

In der Adventszeit gibt es dort das von Freunden hoch gelobte Angebot Ente, Rotkohl und Klöße – satt!Mir war aber gar nicht nach “satt”, ich wollte: Entenbrust mit Rotkohl. Einmal. Also fragte ich, ob das ginge: Nur einen Gang, den aber mit einem Stückchen Entenbrust? – “Na klar, kein Problem!” Wie schön!

Vorweg sollte es Gebratene Entenleber mit Salbei-Äpfeln und Winterendiviensalat sein. Wurde es auch (halbe Portion, geteilt mit der Nachbarin). Die Leber war (was schon mal passieren kann, aber nicht passieren sollte) etwas trocken – der Salat dazu mit einem angenehmen Dressing. Bei uns. Die beiden anderen, die sich den anderen Teller der gleichen Vorspeise geteilt hatten, berichteten Anderes: Alles sei in Ordnung gewesen (und die Leber, ich habe gespinxt, sah auch deutlich besser aus nach dem Anschnitt.

Dann kam die Ente! Zwei wunderschöne Klöße, bezaubernd riechender Rotkohl – und zwei kräftige Entenkeulen. Ich aß nicht auf, denn mir war ja so nach Entenbrust! “Oh,” wunderte sich die Bedienung, “hat es nicht geschmeckt?” Doch doch, beeilte ich mich zu sagen, doch ich hätte mir doch so sehr bei der Bestellung schon ein kleines Stückchen Entenbrust gewünscht! Ob ich das vielleicht jetzt, im Nachgang sozusagen…? – “Na klar, kein Problem!” Wie schön!

Nach einiger Zeit kam der zweite Gang, wunschgemäß ohne Knödel, mit bezaubernd riechendem Rotkohl – und einem kleinen Stückchen Entenkeule. Ich konnte leider nicht so schnell stutzen wie die Bedienung wieder fort ging, weswegen ich den Teller ungefragt auf den leeren Nebentisch stellte, wo er verwundert weggeräumt wurde. Was denn nicht stimme? “Och”, meinte ich, “auch diese Brust hat mir zuviel Knöchelchen, so wie die beiden beim ersten Versuch!”

Kam der Koch. Zeigte mir auf einem Teller rohe Entenkeule und direkt daran angelegt eine abgeschnittene Entenbrust. Ob ich wirklich die wolle?

Ja, ich wollte – und bekam sie auch. Schließlich waren wir in “Dresdens kulinarischer Adresse für entdeckungsfreudige Genießer” (Speisekartenaufdruck)!

hierschönessen
Görlitzer Str. 20
01099 Dresden

0351/25652898
www.hierschoenessen.de

Geöffnet
Di – Sa 17:30 bis 24 Uhr, So 17:30 bis 22 Uhr

[Besucht am 9. Dezember 2011. Lage.
Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Hirsch-Weihnacht

Konzertplatz

Weihnachtsmärkte gibt es viele in Dresden – zu viele, sagen einige. Den allerallerkleinsten haben wir heute besucht: Die Hirsch-Weihnacht auf dem Konzertplatz im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch besteht nur aus einem Stand: dem von bean&beluga. Da der auf dem Striezelmarkt sowieso unser liebster ist, reicht uns das also völlig aus.

An allen Adventssonntagen geht das von zwei bis sechs am Nachmittag, am dritten Advent im größeren Maßstab mit Partnern und Freunden der Schaubäckerei Scheinert, der Fleischerei Müller und Jana Lange vom Blumenhaus Blatt und Blüte – das nur zur Info. Eigentlich ist das aber egal, uns zumindest: Es gibt den köstlichen Glühwein in den Varianten weiß und rot. Es mag ja begründete Nörgeleien über das Glühweinunwesen geben (die Süddeutsche hatte am Samstag einen bezaubernden Beitrag zum Thema), aber mit so einem warmem Krug trinkbaren und nicht zu Kopf gehenden Wein darin macht das Rumstehen mit Freunden auch im Winter Spaß. Dass es heute mit elf Grad warm genug für einen normalen Rotwein gewesen wäre, konnte ja keiner ahnen.

Eierlikör
Eierlikör

Wer vor Sonnenuntergang oder überhaupt keinen Alkohol zu sich nehmen mag, muss entweder warten oder kann den alkoholfreien Punsch trinken. Quitte und Apfel, prima gewürzt – eigentlich ein mehr als akzeptabler Ersatz. Aber irgendwann könnte das ja doch nicht mehr reichen – was dann? Wir versuchten den Eierlikör, den es bei bean&beluga gibt. Hausgemacht und nur zur Advents- und Osterzeit erhältlich und vor allem: Gnadenlos süffig. Verglichen mit dem, was man sonst so trinkt, muss man konstatieren: Das müssen Hühner gewesen sein, die stolz darauf waren, die Eier für diese Köstlichkeit zu legen!

Bratwurst
Bratwurst

Gegessen haben wir auch: Die beste Bratwurst, die wir im ganzen Umkreis in Sachen Weihnachtsmarktwursterei kennen. Würzig! Frisch! Braun! Und warm sowieso. Und das Brötchen, in dem die Wurst gereicht wird, lag auch auf dem Grill, was es der allgemeinen Pampigkeit enthebt, die man sonst so angeboten bekommt. Merke: Gutes kann so einfach sein!

Ein Strandkorb im Gewölbekeller

Schwindts Restaurant

Ein Stück Rügen im Dresdner Stadtteil Seidnitz: Schwindts Fischrestaurant

Weil wir ja immer wieder gefragt werden, wie wir die Restaurants für diese Testserie auswählen, hier einmal eine Teil-Antwort: Leserinnen und Leser wie Sie geben uns Tipps, Neueröffnungen sprechen sich manchmal schnell herum – und dann gibt es noch den puren Zufall! Genau so fanden wir bei einer Internet-Suche nach etwas ganz Anderem das Restaurant Schwindts. Der Rest ist beruflich bedingte Neugier, denn trotz der etwas überbunten Internetseiten findet unsereins natürlich den verräterischen Punkt “Speisen & Getränke” sofort.

Die Karte las sich gut – und die Vorstellung, dass ein Rüganer mitten in Dresden Fisch auftischt, gefiel uns. Also reservierten wir einen Tisch, was sich als sehr gute Idee herausstellen sollte. Ohne diese Vorbestellung hätten wir (an einem ganz normalen Donnerstag Abend!) keinen Platz mehr bekommen: Alle Tische waren entweder schon besetzt oder reserviert. Das Publikum war eine bunte Mischung von jung und alt, die Stimmung dem allgemeinen Gemurmel und Gelächter nach eher gut. Offensichtlich ist das Schwindts eine gut eingeführte Nachbarschaftsgaststätte!

Das Restaurant duckt sich im Kellergewölbe des Hauses an der Bodenbacher Straße, aber zumindest im Dunkeln ist es nicht zu übersehen: Ein Leuchtturm draußen vor der Tür stimmt auf Maritimes im Keller ein. Drinnen überwiegt sächsischer Sandstein, aber Steuerräder, Segelbootsmodelle und andere Kleinigkeiten setzen Akzente. Wenn die Tische anders als mit abenteuerlich rutschigen Tischläufern und Kunstblumen verziert gewesen wären, hätte man das Ambiente sogar richtig gemütlich nennen können.

Die Karte kannten wir ja schon, sie entsprach erfreulicherweise dem Angebot aus dem Internet. Wir bestellten, weil Matthias Schwindt sein Restaurant als “Fischrestaurant” tituliert, nur Fisch und (zum Dessert, wo der nicht wirklich schmeckt) Ostsee-Spezialitäten. Es gibt aber auch Fleischgerichte, Pasta, Ofenkartoffeln – man muss also nicht zwangsläufig Fisch essen.

Sassnitzer Matjeshappen mit Zwiebelringen auf Schwarzbrot erwies sich als köstliche Vorspeise, mit mildem Salzhering in Sahnesauce und körnig-saftigem Schwarzbrot. Lediglich dem Salat hätte ein wenig Dressing zur Entwicklung eines verbindenden Eigengeschmacks gut getan. Genossen haben wir das Fischertöpfchen “Störtebeker”, eine klare Fischsuppe mit reichlich Einlage und leicht geknofeltem Brot dazu.

Gebratenes Rotbarschfilet “Hiddenseer Art” mit frischen Rahmchampignons und Käse überbacken wird als “Unser Klassiker” präsentiert, war für uns aber nicht so der Hit. Einerseits weil die Käse-Champignon-Mischung uns prinzipiell zu kräftig für den Fisch erschien, andererseits weil auch hier nahezu nackter Salat die Beilage bildete. Unser Tipp: Das gegrillte Zanderfilet mit einem sehr geschmeidigen Rahmsauerkraut und einem faszinierenden Geschmackserlebis: Sanddorn-Senfsauce, sehr pikant und wie geschaffen für den Zander. Rotbarsch wie Zander waren übrigens schön saftig, der Zander zudem auf der Hautseite superkross: So sollte es sein!

Weil uns der Sanddorn in der Sauce so gefiel, probierten wir zum Dessert das Sanddornparfait. Das hätten wir vielleicht nicht tun sollen, denn wenn der Franzose “parfait” sagt, hat er etwas Vollkommenes vor sich. Und dafür war dieses Dessert deutlich zu wenig crémig-sahnig.

“Schwindts” Restaurant im Kellergewölbe 
Bodenbacher Strasse 120
01277 Dresden/Seidnitz

Tel.: 0351 / 2598502
www.schwindts.de

Geöffnet
Montag – Freitag ab 17.30 Uhr
Samstag & Sonntag ab 11.30 Uhr

[Besucht am 17.11.2011 | Veröffentlicht am 24.11.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Ehre wem Ehre gebührt

Platzhirsche und Newcomer

Mit den Köchen ist das ja so: Eitel sind sie alle, betonen aber immer, dass sie es nicht sind. Dennoch merkt man den besseren jedes Jahr im Herbst eine gewisse Unruhe an: Die einschlägigen Restaurantführer erscheinen und wissen es natürlich, mit viel Tamtam die Marketingtrommel zu rühren. Und dann: Pressekonferenz, Sperrfrist, Insiderwissen – traraaaa: Habemus Fressführer!

Der Michelin vergibt seine Sterne – das trifft immer recht wenige, vor allem in unserer Gegend. In diesem Jahr blieb faktisch alles beim Alten, denn dass einer, den es nicht mehr gibt, keinen Stern mehr hat, ist ja irgendwie naheliegend (dem Maurice in Dresden ging das so – aber wir haben eh nie verstanden, warum es da überhaupt einen Stern gegeben hatte, nach unseren Erlebnissen…).

Wie gesagt, ansonsten hierzulande nichts Neues unterm Sternehimmel, also Falco in Leipzig zwei Sterne, der Stadtpfeifer in Leipzig einen Stern, und in Dresden geben sich Dirk Schröer vom Caroussel und Stefan Herrmann vom bean&beluga die Ehre.

Nun erschien auch wenige Tage nach dem roten guide mit dem Reifenmännchen der für seine feinen ironischen Texte geliebte und verhasste (je nach dem…) Gault Millau. Dort kann man sich maximal 20 Punkte erkochen. Aber wer ist schon perfekt?

Platz 1 der kulinarischen Hitparade des Gault Millau in Sachsen hält mit 18 Punkten Dirk Schröer vom „Caroussel“ in Dresden: „Bei dessen Variation von der Raf-Tomate, der fast kernlosen, fleischigen Urtomate aus Spanien, die ihm ein Gemüsebauer aus Radebeul züchtet, weiß man mal wieder, wie gut Tomate eigentlich schmecken kann und sollte. Ein heißer Tipp ist auch die kalt-warme Vorspeise aus gebratenem Langostino mit geeistem Süppchen von Kopfsalat und Franzosenkraut sowie einem Löffel geeisten Rotweinessigs. Eine perfekte Komposition mit langem Nachklang, auch an verwöhnten Gaumen, ist der mit würzigem Knödelteig gefüllte und mit Trüffelmayonnaise ‚eingecremte’ Ochsenschwanz in einem intensiven Schmorsaft mit Sellerie-Trüffelgemüse.“ heißt es im Gault Millau, der nur zwölf Köche bundesweit besser bewertet als Dirk Schröer!

Ihm auf den Fersen ist Stefan Hermann vom bean&beluga, dem die Redaktion attestiert, „geschickt zwischen Klassik und Moderne [zu pendeln] – bei geschmackssicherer, akkurater Zubereitung. Das Speisenangebot ist namensgerecht breit gefächert: von weißen Bohnen als stimmiger Beilage mit Apfelstiften in fruchtigem Fischfond zu gebratenem Rochenflügel und dünn aufgeschnittenem Oktopus bis zu Beluga-Kaviar als Krönung eines grünen Gazpacho mit wunderbar zarter Königskrabbe“.

Stefan Hermann wurde auch für seine Kochkurse gewürdigt und bekam die Auszeichnung „Kochschule des Jahres“, weil „er nicht nur Fitness am Herd, sondern auch Kochkunst, Lebensfreude und Genusserlebnis fördern will“.

Insgesamt glauben die Tester(innen) “einen sachten Aufschwung im Mittelfeld der sächsischen Spitzengastronomie” erschmeckt zu haben – wer sagt’s denn! Was uns besonders freut: Olav Seidel vom „Gasthof Bärwalde” in Moritzburg ist mit 15 Punkten erstmals dabei – ein hoher Einstieg, aber ein verdienter (Notizen unserer Besuche 2010 und 2011). Seidel beeindruckte mit „gebratener Forelle aus dem nahen Steinbach in einer Weißburgundersauce, die eher eine Beurre blanc von schön buttriger Konsistenz und feiner Säure ist, und als Dessert mit einer Schüssel duftender dunkler Erdbeeren (die ein Obstbauer der Gegend aus der dunklen, nicht so süßen Urerdbeere und gezüchteter Walderdbeere kreuzte) mit luftig schaumigem Weißkäse“.

14 Punkte und ebenfalls neu dabei: Stephan Mießner vom „Elements“ in Dresden. Er überraschte durch „gebackene Salatherzen mit Ziegencamembert und gepfefferten Kirschen oder originelle Currywurst vom Kalbskopf mit Tomatenconcassé von milder Curryschärfe und luftigem Kartoffelschaum“. (Wir waren in der Tagesbar…)

[Die Bilder zeigen Stefan Hermann (oben links), Dirk Ströer (oben rechts), Olav Seidel (unten links) und Stephan Mießner (unten rechts).]

It’s never too late…

Großformatiges

…for a big bottle of Slate. Steht auf dem Shirt von Matthias Dathan. Er muss es wissen, denn in der Hand hat er: Eine große Flasche Riesling, dem man den Schiefer (nichts anderes bedeutet slate, wenn man sich nicht englisch unterhält) gerne anschmeckt. Außerdem ist er (also der Matthias, nicht der slate) einer der fünf WeinFUNatiker, eine Truppe von Weinfachleuten, die den Wein gemacht hat. 1,5 Liter, eine Magnumflasche: Eigentlich die richtige Größe für einen schönen Abend im kleinen Kreis – aber als es die Flasche am 11.11.11 abends im Dresdner Restaurant Elements gab, war der Kreis nicht wirklich klein: Etwa hundert Gäste.

Aber es gab, Bacchus sei’s getrommelt und gelobt, auch nicht nur diese eine Flasche, sondern etliche: Mitgezählt haben wahrscheinlich nur diejenigen, die sie entsorgen mussten, aber Matthias Gräfe und sein Team vom Wein & fein hatten eine ausreichende Anzahl der großen Flaschen mitgebracht, die das Thema des Abends vorgaben: Großformat!

Wein aus großen Flaschen ist immer besonders. Er schmeckt – wer’s noch nicht probiert hat, muss das jetzt einfach mal glauben – besser als der gleiche Wein in bzw. dann aus der normalen 0,75-Liter-Flasche. Obendrein sind big bottles aber auch irgendwie kultig, und manchen verdammt guten Wein gibt es nur in wenigen solcher 1,5 Liter (oder mehr) fassenden Flaschen.

Für ein feines Restaurant wie das Elements, in denen die Gäste gewöhnt sind, vom Service mit Martina Starovicova an der Spitze betuddelt und verwöhnt zu werden, war das Konzept ungewöhnlich: Es gab zwar Plätze – aber die Weine standen auf der Theke. Dahinter warteten meist vier oder fünf Fachleute: Weinwisser, die zu jeder der (am Anfang habe ich sie gezählt: da waren es vierzehn) Flaschen auf der Theke etwas sagen konnten und den Wein ausschenkten. Man konnte sich selbst etwas aussuchen oder (die bessere Variante nach meinem Dafürhalten) etwas empfehlen lassen.

Zum Anfang ein Glas Riesling Sekt Brut, den es nur aus der Magnum-Flasche gibt: Eine Rarität vom Weingut Odinstal! Produziert nach der traditionellen Flaschengärung, natürlich. “Was könnte danach passen?” –  ”Vielleicht der Clarette rosé trocken vom Knipser aus der Pfalz?” Passte! Und so ging das weiter, irgendwann dann eben der Slate, bevor es zu late war, denn auch dies war Prinzip des Abends: Es gab viele Weine, aber nicht von allen jede beliebige Menge. Darben musste dennoch keine(r)!

Zwischen den Weinen war Zeit – neben den bei derlei Anlässen netten Gesprächen mit alten und neuen Bekannten – für großartige Kleinigkeiten aus der Küche von Stephan Mießner. Die Dinge hießen viel einfacher als sie waren: Fettbemme (eine Brioche mit geräucherter Gänsestopfleber). Himmel und Erde (Boudin Noir Ravioli, Kartoffel-Zwiebel-Espuma). Jägers Blut (Rehherz-Carpaccio, Rosenkohl). Creamy Thuna (Thun, Guacamole, Marshmallow). Ganz wenig Gans (Gänse-Ragout fin, Parmesan). Und ein gerade (im Hof) frisch geräuchertes und stundenlang mild gegartes Cactus Jack US Beef, das im Mund zerging. Der Service brachte noch einiges mehr, aber wir nahmen nicht alles – denn zu vorgerückter Stunde öffnete Andreas Tietze vom Wein & fein die Käsebar. Wer ihn kennt weiß, dass dort die Pflicht zur Kür wird. Natürlich hatten wir zuviel auf dem Teller, denn “von allem nur ein bisschen” ist eben nicht wenig, wenn es so viel Feines gibt – eine Erkenntnis, die sich ausdrücklich nur auf den Käse bezieht, denn zu viel Wein hatten wir nicht. Sondern gerade richtig ;-)

Restaurant Elements
Königsbrücker Strasse 96
01099 Dresden

Tel. 0351 / 2721696
www.restaurant-elements.de

Gräfe’s Wein & Fein GmbH
Hauptstrasse 19
01445 Radebeul

Telefon: 0351 / 8365540
www.graefes-weinundfein.de

[Besucht am 11.11.2011 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Dornröschen war in Sörnewitz

Weinhaus Schuh, Sörnewitz

Ein klassischer Fall von Untertreibung:
Das Weincafé zur Bosel der Familie Schuh serviert auch richtig gute Speisen

Sörnewitz, rechtselbisch etwa fünf Kilometer vor Meißen gelegen, hat in den Ohren der meisten Touristen gar keinen Klang: Und selbst bei der Durchfahrt mit dem Auto erschließt sich das Straßendorf mit seinen rund 600 Einwohnern nicht wirklich. Aus der Entfernung, zum Beispiel von der anderen Elbseite oder auch vom Dampfer auf der Elbe, sieht das schon anders aus: Mit der Bosel und fotogenen Weinbergen im Hinterland ergibt sich ein derart pittoreskes Bild, dass man gerne einmal dort wäre!

Das lässt sich einrichten! Mitten in Sörnewitz hatte sich 1990 der Winzer Walter Schuh etwas vorgenommen: Aus einem nahezu verfallenen Bauerngut mit Fachwerkhaus aus dem Jahr 1819 und Scheune von 1874 ein modernes Weingut zu machen – wer es heute sieht, glaubt an Märchen á la Dornröschen. Eine Generalsanierung gab es auch für die Weinberge, auf denen Schuhs Reben stehen: Seit 1993 wurde erst einmal tabula rasa gemacht und dann neu aufgerebt, mit einer Besonderheit: Es gibt 43 Prozent Rotweinanteil.

Unser Besuch im Weinhaus Schuh begann mit einem Aperitif in der Dependance am Meißner Markt: In der Vinothek kann man tagsüber Weine aus allen deutschen Anbaugebieten kaufen und probieren. Trotz des extrem kitschigen Etiketts entschieden wir uns für die hauseigene “Träumerei”, in der Müller-Thurgau und Traminer eine erfrischende Allianz eingehen. Nach Sörnewitz sind wir dann gelaufen und kamen zu einer Zeit an, die essenstechnisch eher ungünstig ist: Halb vier Uhr nachmittags. Aber da es mittags lediglich die kleine Träumerei gegeben hatte, waren wir hungrig – und wurden nicht enttäuscht: Natürlich könnten wir auch um diese Zeit essen! versicherte die Chefin Martina Schuh.

Es gab: Das volle Angebot. Derartige Gast-Freundlichkeit wünschen wir uns häufiger, zumal wenn sie mit Lächeln und Charme gepaart ist! Die Küche verwendet ausschließlich frische Zutaten, und soweit möglich, Kräuter und Gemüse aus biologischem Anbau. Erfreulich, aber nicht verwunderlich, denn auch die Weine entstehen beim Schuh nach den Vorgaben des kontrollierten, umwelt­schonenden Wein­baues.

Nun haben wir ja schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass zwischen Wollen und Können häufig ein Riesenunterschied besteht und waren gespannt. Aber schon die Vorspeisen stellten die Weiche in die richtige Richtung: Lauwarmer Linsensalat mit schwarzem Sesam (vom Dreigangmenü) mit pikantem Dressing und knackig frischen Kräutern und Salatblättern war mehr als ein veritabler Ohnmachtshappen! Die beiden Suppen der Mit-Esser konnten mithalten, wobei die “Feine Kürbiscremesuppe” dank schönen Eigengeschmacks aus dem Beliebigen herausstach.

Drei Hauptgänge, drei verschiedene Saucen! Und dreimal war die nicht so spärlich, sondern in gerade richtiger Menge zum Ditschen (mit Knödeln bzw. krossen Rösti) auf dem Teller. Wir waren begeistert, denn zu oft haben die Saucen mehr mit Tüten als mit dem Fleisch zu tun! Der Regent, der in der Sauce zu den zarten und bestens gegarten Medaillons vom Hirschrücken Teil des Wohlgeschmacks war, erwies sich dann auch als ein guter Begleiter zum Essen.

Gebackene Apfelringe mit Vanilleeis (aus dem Menü) waren ein gelungener Abschluss, aber die Zwei ohne Menü hatten einen krönenden: Walnussparfait mit in Schieler-Weinbrand marinierten Trauben: Genial einfach, aber genial gut!

Weincafé zur Bosel
Weinhaus Schuh
Dresdner Straße 314
01640 Sörnewitz

Telefon: 03523 84810
www.weinhaus-schuh.de

Geöffnet
Mo-Fr ab 17:00 Uhr
Sa+So ab 11:00 Uhr
22.12.2011 – 31.01.2012 Winterpause; Februar/März Mo-Mi geschlossen

[Besucht am 22.10.2011 | Veröffentlicht am 10.11.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Gutshof Hauber

Gutshof Hauber

Drei-Seiten-Höfe haben Charme – vor allem, wenn sie mitten in der Stadt stehen. Der über 160 Jahre alte Gutshof Hauber im Dresdner Stadtteil Tolkewitz ist wunderbar restauriert und fungiert seit 1997 als Hotel mit Restaurant. 1997 – das war die Zeit, wo sehr gerne Nullachtfuffzehn-Hoteleinrichtungen verbaut wurden, warum also nicht auch in Tolkewitz? Aber wenn man sich erst eimal an diesen besonderen Nachwendecharme gewöhnt hat, sieht man ihn einfach nicht mehr und kann sich dem Essen widmen.

Die Karte liest sich nicht uninteressant (wenn man mal von den sinnigen Überschriften absieht, die von “Vorspiel … Was gibt es Schöneres!” über “Jetzt gibt’s was auf den Löffel” bis zu “Kein Fisch aus der Elbe” reichen) – der Chefkoch Thomas Hänsel verspricht nicht nur klassisch bürgerliche Küche, sondern guckt auch mal über den Tellerrand hinaus. Und so begannen wir mit Gratiniertem Ziegenfrischkäse auf Tomatenscheiben, hausgemachtem Pesto, Pinienkernen und einem kleinen Salatbukett einerseits und dem allgemein gerühmten Champagner-Senfsüppchen mit Balsamico-Creme und Petersilie andererseits. Das klang alles gut gemeint, aber in Erinnerung blieb kein Pesto und kein gratinierter, sondern allenfalls erwärmter Ziegenfrischkäse (der dann aber gut war!). Statt dessen erinnern wir uns an Balsamico, der wahrscheinlich das Hobby des Chefs ist, denn er grüßt bei jedem Gang vom Teller. Das Champagner-Senfsüppchen im Weckglas sah interessant aus und wurde vom Senf dominiert.

Kein Fisch aus der Elbe ist beispielsweise ein Filet vom Wermsdorfer Stör angerichtet auf Mangold mit getrockneten Tomaten und Pinienkernen, Frischkäsetortelli und schmeckt richtig gut, auch weil er prima gegart ist. Sogar die Balsamico-Deko-Streifen störten den Stör nur geringfügig. Geschmorte Kalbsbäckchen in Friedrichs Dresdner Senfsoße, gebuttertes Wurzelgemüse und Kürbiskern-Kartoffelrösti hatten wir als kleine Portion bestellt – gerade richtig für ein Drei-Gang-Menü! Hier scheint der Koch zu Hause zu sein, denn das Gericht war unprätentiös angerichtet und ohne Tadel zubereitet. Bürgerliche Küche, wie man sie sich wünscht: Mit einfachen bodenständigen regionalen Zutaten und ohne Tamtam, aber mit Geschmack auf den Teller gebracht.

Das Dessert ist ebenfalls ein Klassiker des Hauses und wird gerne empfohlen: Topfen-Nougatknödel im Krokant-Zimtmantel mit frischem Obst kamen freilich allenfalls im Zimt-Mützchen und mit Physalis, Karambola und (im Februar!) einer Erdbeere auf den Tisch. Die war zwar frisch, aber landestypisch erwarte ich sie eher im Mai/Juni. Da sollte der Koch, Ambitionen hin und her, entweder die Karte im Laufe der Jahreszeiten anpassen oder sich an wirklich frisches Obst wagen!

Gutshof Hauber
Wehlener Str. 62
01279 Dresden

Tel.: (03 51) 2 54 66-0
http://www.hotel-gutshof-hauber.de/restaurant.html

Geöffnet:
täglich 11 bis 22 Uhr

[Besucht am 05.02.2011 | Eine kürzere Version erschien in Augusto, dem das Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung, im Mai 2011 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurantsin Dresden und Umgebung]

Gulasch mit Ausblick

Yenidze

Im Kuppelrestaurant der Dresdner Yenidze wird recht ordentliche bürgerliche Küche serviert

Als das Rauchen noch chic und modern war, war Dresden Spitze: Die erste Zigarettenfabrik Deutschlands wurde 1862 in Dresden eröffnet, und in den folgenden Jahren entwickelte sich Dresden zu einer Hochburg der deutschen Zigarettenindustrie. Im Jahr 1925 produzierten hier 141 Firmen Zigaretten, ein Viertel der Dresdner Bevölkerung lebte direkt oder indirekt vom Tabak. Das auffälligste Fabrikgebäude steht mitten in der Stadt: Die Yenidze. Das Gebäude wurde 1908/09 als Tabakfabrik errichtet, sieht aber gar nicht so aus: Eine Dresdner Vorschrift verbot das. Der Unternehmer Hugo Zietz machte das Beste aus dem Verbot und gab seiner Fabrik das Gesicht eines orientalischen Baus. „Tabakmoschee“ nannten die Dresdner die größte Tabakfabrik Deutschlands mit ihrem Schornstein, der wie ein Minarett aussieht – ein Begriff, der mittlerweile auch politisch so unkorrekt ist wie das Rauchen insgesamt.

Seit der Restaurierung des Gebäudes 1996 dient die Yenidze als Bürohaus, aber es beherbergt auch ein Restaurant unter der Kuppel. Die Aussicht von da oben ist schlichtweg grandios, die Tische an den Fenstern Richtung Altstadt machen natürlich besonders viel her. Wer so einen Tisch haben will, sollte reservieren, denn der Zuspruch ist groß. Wir hatten Glück und erwischten den letzten freien Tisch! Mit Ausblick auf das Riesenrad und den übrigen farbenfrohen Rummel. Trotz des orientalisch anmutenden Rahmens findet man in der Karte hauptsächlich Klassiker der bürgerlichen Küche. Das Carpaccio vom Rinderfilet, erwartungsgemäß mit Ruccola und gehobeltem Parmesan serviert, entsprach dem Standard, aber auch nicht mehr. Das Kürbiscrémesüppchen mit Sonnenblumenkernen war in der Tat ein Süppchen, der Teller halb leer und die Suppe (man möchte sagen: natürlich) schnell nur noch halblauwarm. Schade, denn von Geschmack und Konsistenz war die Suppe bestens geraten!

Als eine etwas abenteuerliche Mischung stellte sich das Zanderfilet auf Champagner-Honigkraut mit Kurkuma-Mohnsauce und Duftreis heraus. Der Zander, um mit dem Erfreulichen zu beginnen, hatte die richtige Balance zwischen saftigem Inneren und tatsächlich krosser Haut – da hatte die Karte durchaus das Richtige angekündigt! Der annoncierte Duftreis erschien uns freilich ein ganz normaler zu sein, und die Honigkomponente im Champagnerkraut schmeckte uns dominant-befremdlich.

Lammcurry mit geschmorten Schalotten mit Speck-Zwiebel-Bohnen wurde mit dem schon bekannten Duftreis serviert, und unter einem „Lammcurry“ verstehen wir eigentlich auch eine etwas pikantere Angelegenheit. Aber wir sind ja gerne bereit, Erwartungshaltungen zu revidieren, wenn es dennoch schmeckt – und so genossen wir ein ordentliches Lammgulasch mit erfreulich zartem Fleisch. Hausgemachtes Schokomousse auf Eierlikörspiegel bildeten einen sehr netten Abschluss – wobei wir uns ein wenig mehr vom Spiegel und deutlich weniger vom garnierenden Obst gewünscht hätten!

Umsorgt wurden wir den Abend von einer supernetten, geduldigen und freundlichen Bedienung: So wünschen wir uns das immer!

Kuppelrestaurant in der Yenidze
Weißeritzstr. 3
01067 Dresden

Tel.: 0351 – 490 59 90
www.kuppelrestaurant.de

geöffnet täglich ab 11 Uhr

[Besucht am 19.10.2011 | Veröffentlicht am 27.10.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]