Dresden, 13. Februar 2011

Menschenkette

In den Abendstunden des 13. Februar 1945 zerstörten Bomber die Innenstadt von Dresden. Wie Dresden wurden viele Städte zerstört – am 14. November 1940 beispielsweise Coventry. Lang ist es her, aber die Dresdner halten die Erinnerung an den 13. Februar wach. Seit einigen Jahren sogar mit Vertretern aus Coventry – dieses Jahr reihte sich der Lord Mayor Kelsey in die Menschenkette ein, er war damit einer von geschätzt 17.000, die Hand in Hand einen teils mehrgliedrigen Ring um die Dresdner Altstadt bildeten.

Schauspielhaus
Schauspielhaus
Es hätten wahrscheinlich sogar mehr Menschen sein können, wenn man denn nur problemlos in die Innenstadt gekommen wäre. Denn seit Jahren marschiert ein Haufen Unbelehrbarer auch an diesem Tag – und dieses Jahr beliebten die Nazis vom Hauptbahnhof zum Uni-Campus und quer dadurch laufen zu wollen – und bekamen das genehmigt. Das mag man, als eingefleischter Demokrat, noch hinnehmen: So lange der Staat es nicht schafft, die braunen Horden zu verbieten, genießen leider auch sie den Schutz der Meinungsfreiheit, die ja bekanntlich auch immer die Meinung der anders Denkenden umfasst.
Semperoper
Semperoper

Warum aber die Polizei (und wer auch sonst noch dafür verantwortlich gewesen sein mag) die Innenstadt Stunden vorher hermetisch abriegelt und auch den öffentlichen Nahverkehr lahmlegt, bleibt mir ein Rätsel. Ich wäre gern um zwölf mit der Bahn aus dem Süden Dresdens in die Innenstadt gefahren – doch der Fahrer der Bahn meinte nur: Er dürfe seit zwei Stunden nicht mehr fahren, weil die Bahn eine Straße quert, die gesperrt sei. Mir schwante Übles, und richtig: Auch zu Fuß kam man nicht durch.Nette junge Polizistinnen aus irgendwo standen beispielsweise an der Bergstraße und meinten: Um zur Menschenkette zu gehen, sollten wir … und beschrieb vage einen riesigen Umweg. Und überhaupt, was wir denn hier wollten? “Ihre Kollegin hat uns zur Bergstraße geschickt!” – “Ja, und wo ist die?” – “Sie stehen drauf!” Unserer Bitte, uns zu schützen statt der hier vier Stunden später langlaufenden Nazis und sicher zur angemeldeten Demonstration zu geleiten, wollte sie nicht nachkommen.

Shoah
Shoah

Mehrfach stießen wir, ein inzwischen ansehnlicher Trupp abgewiesener Menschenkettenteilnehmer, auf derlei freundliche Polizisten. Die wenigsten von ihnen waren übrigens identifizierbar – weder Namensschilder noch Nummern – die dafür vorgesehenen Felder auf der Uniform waren leer. “Das ist doch skandalös!” sagte eine Frau, “wie Sie uns systematisch hindern, in die Stadt zu kommen.” Am Hauptbahnhof gaben sie und ihr Freund auf. Mir gelang es dann noch über eine zwar kontrollierte, aber begehbare Brücke in die Innenstadt zu kommen. Kurz vor zwei – dem Zeitpunkt, an dem sich die Menschenkette schließen sollte – war ich an der Brühlschen Terrasse…

[Karte mit Wunschweg und Wirklichkeit | Beitrag 2009]

Silvester: Galadinner in der Semperoper

Nein, ein Restaurant ist die Semperoper nicht. So wenig wie eine Brauerei, um einen ausgeleierten Witz einmal rundzuerneuern. Aber manchmal passieren hinter den Kulissen Dinge, die nicht alltäglich sind – und wenn man dann das große Vergnügen hat, (als Fotografen) dabei zu sein, kann man ja auch einmal die eine oder andere Zeile darüber verlieren.

Während des Silvesterkonzerts der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann herrschte vor den Türen des Zuschauerrunds emsiges Treiben: Das Team von bean&beluga machte aus dem Rundfoyer ein Restaurant. Klingt leicht, sieht sich auch easy an – ist aber nicht ohne: Tische mussten gewuchtet werden, Stühle ebenfalls. Und Geschirr. Und Gläser. Besteck, Tischschmuck, Servierten – alles! Wer die Oper kennt, weiß: Der Fußboden ist keineswegs mit flauschigen schalldämmenden Teppichen ausgelegt. Er ist im Gegenteil schön laut. Aber Krach ist nun alles andere als erwünscht, er ist nicht einmal geduldet: Mucksmäuschenstill hatte alles zu passieren – und schnell.

Making of
Making of

Wir haben einen Teil des Aufbaus im Zeitraffer festgehalten – mit dem iPhone. Sah niedlich aus, wie das Mehrzwecktelefon auf dem Stativ klemmte! Alle sieben Sekunden schoss die eingebaute Kamera ein Bild, und am Ende hätten wir das Ergebnis eigentlich hochladen können – wenn es in der Oper besseren Empfang gegeben hätte. Gibt’s aber nicht, weil man dort aus nachvollziehbaren Gründen eines gewissen Ruhebedürfnisses keinen großen Wert auf Handyempfang legt. Im Film sieht man übrigens auch Sylke hin- und herwuseln: Sie dokumentierte den Aufbau, während ich das Stativ bewachte!

Semper2 - Probebühne
Semper2 – Probebühne

Nach dem Konzert wurden die etwa 200 Gäste des Gala-Dinners durch die Gänge des Opern-Funktionsgebäudes zur Probebühne geleitet. Semper2 war mit roten Sofas und einer Riesenbar ausgestattet. Hier gab es Fingerfood und Champagner, Fachsimpeleien über das gerade erlebte Konzert und große Erwartungen: Was wird der weitere Abend bringen? Genuss für die anderen, bislang nicht beanspruchten Sinne?

Galadinner Silvester
Galadinner Silvester

So könnte man es formulieren: Unter Bedingungen, die nicht wirklich einfach waren, zauberte das Team Beachtliches. Da wir nicht zum Testen da waren, hier nur die Menüfolge mit dem dezenten Hinweis, dass uns die Unterlage unterm Saibling extrem gut gefiel und das Reh als Kompletterlebnis schlicht sensationell gut geraten war.

Salade Niçoise vom Hummer mit Poveraden
und feinen Bohnen
*
Mild geräucherter Saibling
mit Austern-Meerrettich-Vinaigrette
*
Risotto mit Kalbsschwanz und Périgord Trüffel
*
Medaillons vom Reh aus der Dresdner Heide
mit Rouenaiser Sauce und Sellerie
*
Fourme d’Ambert mit Portwein und Ananas
*
Kleines Pot-au-feu von Rumfrüchten
und gesalzenem Pekannuss-Nougat

2008 Riesling "R"
2008 Riesling “R”

Dazu hatte der umtriebige Sommelier Jens Pietzonka kenntnisreich erlesene Spitzengewächse aus dem Weinkeller von bean&beluga ausgesucht. 2008 Riesling “R” Pillnitzer Königlicher Weinberg von Klaus Zimmerling, 2008 Chassagne Montrachet von Michel Niellon (Burgund), 2000 Château Chasse Spleen Cru Bourgeois Exeptionnel (Moulis/Bordeaux) und 2003 Wehlener Sonnenuhr Auslese von J.J.Prüm (Mosel) aus der 1,5 Liter Magnum.

Prosit Neujahr!
Prosit Neujahr!

Knapp, aber noch rechtzeitig kurz vor Mitternacht war alles durch – und schon wieder gaben die Champagnerkorken jenes nette Geräusch, das als feine Tonkulisse große Momente ankündigt. Jahreswechsel auf dem Balkon der Oper, mit Blick auf den Theaterplatz, die Elbe und das Dresdner Feuerwerk. Willkommener Insidertipp für die Nichtdresdner: Nicht über die Frühböllerer ärgern, die kurz vor Mitternacht schon nicht mehr an sich halten konnten und losknallerten: Wenig später gab’s nämlich den berühmten alljährlichen Neujahrsnebel!

Sylvi Piela und Band
Sylvi Piela und Band

Nachdem das alte Jahr nun also endgültig ad acta gelegt werden konnte, war’s Zeit für was Frisches: Semper2, die Probebühne, als Ort für die Mitternachtsparty. Sofas und Bar waren die gleichen wie noch im alten Jahr, aber auf der Bühne vor dem Riesensofa lieferte Sylvie Piela mit ihrer Band dem neuen Jahr die ersten Reize – akustisch und auch sonst. Sie spielten und spielten und spielten, die üblichen Verdächtigen tanzten und tanzten und tanzten – und wenn die Sonne früher aufginge im Januar, hätte sie fast bis zum Morgengrauen gespielt…

Zwischen Tiefgang und Klamauk

Peter Förster

Neben der Kasse steht Mephisto. Doch die Leute denken: das ist sicher der Stuhl-Boy, der noch mal schnell nachlegt, wenn’s voll zu werden droht. Und auch beim Mann an der Kasse irren sie sich, denn er ist nicht nur der Kassierer. Eher so eine Art Shakespeare von Dresden, obwohl das natürlich ein wenig übertrieben wäre. Aber irgendwie auch wieder nicht, denn was Peter Förster in der Kulturstadt Dresden treibt, ist schon ungewöhnlich und bemerkenswert: Er macht Theater (das machen andere auch), aber es wird nicht subventioniert (die von der Semperoper jammern schon, wenn sie mal eine halbe Millionen weniger bekommen).

Peter Förster ist: Kassierer, Organisator, Stückeschreiber, Regisseur – mindestens. Er hatte einen verxingten Cub von Marketing-Menschen auf einen Schwatz eingeladen, und er erzählte – nicht ganz ohne Grund – “erst einmal” etwas über seine Laufbahn. Er erzählte und erzählte und erzählte – und überschlägig kam dabei heraus, dass er etwa 124 Jahre alt sein müsste, um das alles geschafft zu haben. Ist er aber nicht: Geboren ist er 1965 in Dresden. Im zarten Alter von 22 arbeitete er in der sicherlich spannenden Zeit von kurz vor bis kurz nach der Wende am Dresdner Theater der Jungen Generation in der Abteilung Dramaturgie und Öffentlichkeit.

Nun zitiere ich mal eine Quelle: “1989 gehörte er zu den Mitbegründern des DIALOGtheaters Dresden und leitete es bis 1994. In dieser Zeit studierte Peter Förster an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig und war außerdem als Schauspieler, Autor und Regisseur tätig.” Er machte Filme (erfolgreich: Sächsischer Fernsehpreis 1998), war als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig engagiert und schrieb 2001 „Der Jahrhundertfall – Kindermörder Bartsch“ für das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen.

Alle Mann an Bord. Inklusive der Frauen
Alle Mann an Bord. Inklusive d…

Und dann kam die Idee des Sommertheaters, das seit 2004 im Bärenzwinger – einem legendären Dresdner Studentenclub – eine wachsende Schar von Zuschauern in den Bann zieht. Es ist Dresdens einziges Open-Air-Theater, das unter einem Dach spielt. Weil der Hof des Bärenzwingers überdacht ist, trotzt die Company dem Regen! Aber das eigentliche Geheimnis des zunehmenden Erfolgs ist: Shakespeare. Denn der hatte (auch wenn die meisten SchülerInnen das heute im Unterricht kaum wahrnehmen) Stücke fürs Volk geschrieben und mit seiner Company im Londoner Globe Theatre aufgeführt. Nun ist, bei allem Respekt, Förster nicht Shakespeare, weswegen Schüler oder Studenten auch keine Angst vor ihm haben müssen. Aber seine Texte und die Inszenierungen balancieren gerade richtig zwischen Tiefgang und Klamauk, um ein sehr gemischtes Publikum zu unterhalten (und, ganz im klassichen Sinne, zu belehren: Dümmer wird man nämlich nicht, wenn man mit den Anspielungen klar kommt).

Wagner ist klamm
Wagner ist klamm

Die Stücke spielen seit Jahren mit den Titeln der Vorbilder und heißen immer “Ein Shakespeare von…” – und statt der Punkte dann ein Klassikername. Dieses Jahr: Wagner. Der fliehende Holländer. Ganz dolle Wagnerianer werden die Musik vermissen, ganz dolle Wagner-Gegner darob entzückt sein. Für alle dazwischen: Mephisto, der Stuhl-Boy von der Kasse, ist ausgebildeter Sänger und darf auch einige Takte baritonisieren. Womit wir bei der Company wären. In diesem Jahr drei Damen und zwei Herren – alle jung, alle schön, alle gut. Keine Einzelkritik (obwohl, jucken tät’s schon…), weil es eben das Ensemble ist, das Vergnügen bereitet. Und in der Pause ganz normal draußen vor der Tür steht wie die Zuschauer auch: rauchend, scherzend. Nur das Glas Wein oder die Flasche Bier – die gönnen sie sich erst nach dem Schlussbeifall…

Sommertheater Dresden
täglich von Dienstag bis Sonntag, jeweils 20:00 Uhr
noch bis 12. September 2010

Einlass ab 19:00 Uhr · Beginn 20:00 Uhr · Eine Pause · Ende gegen 22:10 Uhr
http://sommertheater-dresden.de

…und im Winter: http://www.kammerspiele-dresden.de

Von Wachwitz zum Blauen Wunder – oder nach Pillnitz

Sylke in der Elbaue

Spaziergänge im Welterbe (13)

Über den Besuch der Besenwirtschaft von Familie Freytag in Wachwitz kann schon ein wenig Zeit vergehen – wie es dann weiter geht, ist dann ein wenig abhängig von den äußeren Umständen und der Frage des Abschlusses der Tour. Wir sind (2008) zurück gelaufen, auf der rechten Elbseite bis zur Pillnitzer Fähre: Das Auto war in Kleinzschachwitz geparkt. Dieses Jahr waren wir mit Bus und Bahn unterwegs und beschlossen weiterzugehen bis zum Blauen Wunder.

Der Weg nach Pillnitz ist schöner. Erstens sieht man das andere Ufer, an dem man ja hingelaufen ist. Zweitens ist mehr los. Die ersten Meter doppeln sich, wenn auch mit anderer Blickrichtung. Also zuerst der Segelhafen, dann die Fähre. Anschließend Neuland voraus und Bekanntes am anderen Ufer: Laubegast. Hinterlässt einen netten, dörflichen Eindruck, trotz einiger fetter Villen! Der Weg verläuft nahe der Elbe (ist also nur bei nicht so hohem Wasser begehbar!) und ist halb mit Steinen gepflastert und halb schlicht getrampelte Erde.

An der Elbe
An der Elbe
In einem der Steine sind zwei Jahreszahlen eingeritzt: 1408 – 1958. 550 Jahre wurden da gefeiert – aber wo? Und wovon? Wo kommt der Stein her? Keine Ahnung. 1408 wurde Laubegast gegenüber erstmals urkundlich erwähnt, das ist, trotz dazwischen fließender Elbe, ein nahe liegender Anlass. Ein wenig weiter elbauf kann man einen Einblick in die Werft nehmen, deretwegen wir auf dem Hinweg die Elbe verlassen mussten. Etliche Dampfschiffe der Weißen Flotte sind hier gebaut – vor hundert Jahren! Als Schiffs- und Yachtwerft Dresden gibt es den Traditionsbetrieb immer noch, unter anderem werden hier die Raddampfer gewartet.
Am Anleger
Am Anleger
Das nächste rätselhafte Objekt ist ein alter Schiffsanleger, über den ich bislang auch nichts finden konnte – außer einem beinahe zehn Jahre alten Hinweis, dass er zurückgebaut werden solle. Das hat sich offenbar erledigt, was gut ist, denner liegt wild-romantisch am rechten Elbufer herum und offenbar seine Schönheit vor allem im Gegenlicht des nun nahenden Sonnenuntergangs. Kitsch as Kitsch can, aber schön! Wer mag, kann seine weißen Sommerhosen auf den rostigen Pollern ein wenig der nächsten Wäsche näher bringen!
Elbe bei Maria am Wasser
Elbe bei Maria am Wasser

Next stop: Maria am Wasser! Wir sind zwar nahe genug dran, aber für einen Besuch ist es zu spät. Dafür bietet sich auch hier wildromantische Sonnenuntergangsstimmung, man muss sich nur umgucken. Das Bild zum Text ist übrigens eine üble Fälschung: Die beiden Bilder gehören gar nicht zusammen, sondern wurden im Abstand von zwei Laufminuten aufgenommen. Aber die Technik kann ja “gefühlte Eindrücke” zu einer Einheit komponieren, und genau so entstand es!

Der letzte Teil des Weges zwischen Maria am Wasser und der Schlossfähre ist gegebenenfalls etwas arg ursprünglich: Wenn die Wiese nicht gemäht ist, säumen Brennnesseln den Pfad. Wenn die Elbe mehr Wasser als normal führt, gibt’s nasse Füße. In dem Fall: Nicht weiter gehen, sondern die gepflasterten Wege leicht oberhalb suchen und dann wieder runter zur Fähre. Die belohnt bei der Überfahrt mit einem letzten Schmalzblick in den Sonnenuntergang. Vorausgesetzt, man ist zur rechten Zeit dort!

Blaues Wunder
Blaues Wunder

Und was ist, wenn man gar nicht nach Pillnitz läuft, sondern zum Blauen Wunder? Nichts ist da! Beziehungsweise nichts Besonderes. Es sei denn, jemand empfindet den Weg in völliger Ruhe vorbei an Pferden mitten in einer Landeshauptstadt als etwas Erwähnenswertes. Erholsam, sehr erholsam läuft man mit dem Strom und genießt das dörfliche Wesen der Landeshauptstadt. Sonnenuntergangsfanatiker kommen hier natürlich auch auf ihre Kosten, allerdings ist das Ambiente nicht zwingend so nett wie auf dem Weg nach Pillnitz. Aber dafür taucht dann irgendwann das Blaue Wunder auf – und wer da nicht die komplette Litanei der Aaahhhs und Ooohhs freiwillig runterbetet, wird mit sofortiger Einkehr in eine der reichlich sich anbietenden Gaststätten rund ums Blaue Wunder bestraft!

Zwischen Kleinzschachwitz und Wachwitz

An der Elbe

Spaziergänge im Welterbe (12)

Den Titel ist Dresden los: Man wollte sich nicht an die Spielregeln halten bei dem Spiel, wo man ja von sich aus mitmacht und das das heißt: Welterbe zu sein. Trauer trägt seitdem die Flagge an der Pillnitzer Weinbergkirche – und das zeigt: nicht alle Dresdner denken so wie diejenigen, die das Debakel zu verantworten haben. (Sollte jemand nicht wissen, worum es geht: hier ist die Sachlage detaillierter beschrieben.)Als Dresden noch Welterbe war, haben wir bei Spaziergängen im Welterbe die Gegend erkundet. Eine (hier noch nicht beschriebene) Wanderung unternahmen wir im Juni 2008 und wiederholten sie jetzt: Zwischen Kleinzschachwitz und Wachwitz (2008) bzw. Blauem Wunder (2010) bleibt man vom Brückenneubau am Waldschlößchen verschont und genießt die Kulturlandschaft in vollen Zügen. Wir werden es auch für weitere noch ausstehende Spaziergänge daher wohl auch beim Serientitel belassen…

Schloss Pillnitz
Schloss Pillnitz
Los geht’s also im Zungenbrecherort. Eine Fähre verbindet Kleinzschachwitz (das lässt sich übrigens durch Vernuscheln bzw. Ignorieren des “z” ganz leicht aussprechen!) seit 1727 mit dem gegenüber liegenden Pillnitz. Wir bleiben aber links der Elbe und gönnen uns nur den einen oder anderen Blick zum Schloss, bevor es immer links der Elbe Richtung Dresden geht. Je nach Wasserstand der Elbe kann man einen der gut ausgetretenen Trampelpfade oben am Ufer oder den Elbkies nutzen (aber aufpassen, wenn ein Schiff kommt: Die ziehen schöne Wellen nach sich!).
Maria am Wasser
Maria am Wasser

Am anderen Ufer taucht eine Kirche auf, die man von der Optik eher im Bayerischen verorten würde: Maria am Wasser. Die Schifferkirche steht seit 1495 drüben in Hosterwitz, das barocke Aussehen mit Zwiebelturm kam allerdings erst ab 1704 hinzu. Die Kirche mit ihrem kleinen Friedhof steht unter Denkmalschutz und ist auf jeden Fall einen Besuch wert – bitte vormerken für einen eigenen Spaziergang! Im Moment kann man nur rübersehen, was aber durchaus seinen eigenen Reiz hat – zumal die Hänge im Hintergrund sich sanft erheben und manchmal gar schaurige Wolkenformationen einen dramatisschen Hiintergrund bieten (Pillnitz ist berühmt für dramatische Wolkenformationen und Gewitter! Sagt wer? Na: Ich!).Im Hintergrund sieht man – je nach Standpunkt – manchmal das Keppschloss. Es hat, wie viele derartige Gebäude, eine bewegte Geschichte. Vom Sommersitz aus dem Umkreis derer von Augusts Gnaden (Marcolini, Brühl) zur Eigentumswohnanlage für deutlich besser Betuchte der Jetztzeit – eine spannende Geschichte, die zu erzählen ist, wenn wir mal da sind (das andere Ufer hat’s offensichtlich in sich!).

Elbe mit Blick auf Wachwitz
Elbe mit Blick auf Wachwitz
Wir haben vor uns: Die erste Raststätte am Wanderweg! Die Elbterrasse Laubegast ist zweigeteilt: Ein Restaurant (bürgerlich), ein Biergarten (sehr bürgerlich). In letzterem gibt es auch Wein – und zwar roten und weißen! Aber zusätzlich eine geniale Aussicht, und irgendwie eine Garantie für vorbei schippernde Dampfer. Die wurden übrigens zum Großteil in der Laubegaster Werft gebaut – und da die direkten Zugang zum Fluss braucht, um die Schiffe aus dem Wasser zu holen (für Renovierungsarbeiten) oder reinzulassen (bei Neubauten oder nach den Pflegeeinheiten), verlässt der Weg ausnahmsweise einmal die Elbe und führt ums Gelände herum. Das kann man verschmerzen – und es ist die absolute Ausnahme: Normalerweise kann man immer direkt am Fluss entlang laufen oder radeln.
Wo der Besen hängt...
Wo der Besen hängt…

Vom Laubegaster Ufer aus lohnt sich noch enmal ein Blick zurück – bei klarer Sicht kann man nämlich elbaufwärts bis zur Festung Königstein gucken, vorbei an der Fähre und dem Schloss Pillnitz. Dann umdrehen und voraus blicken: Dort steht, oben am anderen Ufer, der Dresdner Fernsehturm. Unterhalb (zumindest optisch) liegt Wachwitz, ein altes Fischerdorf mit schönem Dorfkern und kleinem Segelhafen. Das ist unser Ziel – denn freundlicherweise gibt es auf halbem Weg zwischen Laubegast und Wachwitz eine Personenfähre nach Niederpoyritz. Drüben auf der rechten Elbseite wäre das Erbgericht Niederpoyritz eine mögliche Station, aber wir gehen weiter, denn wir haben ein Ziel: Freytags Weingarten in Wachwitz!

Italienische Gefühle an der Elbe

Schloss Wackerbarth

Weinwanderung von Wackerbarth nach Coswig

Da sitzen sie nun auf der Terrasse von Schloss Wackerbarth und genießen Sonne, Wein und Landschaft. Wenn man nicht hier in der Gegend wohnen würde, müsste man glatt einmal als Tourist kommen! Schloss Wackerbarth ist ein Barocklandsitz mitten in den Lößnitzbergen bei Radebeul etwas elbabwärts von Dresden. Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth war Baumeister und hat vermutlich die Pläne seines Alterswohnsitzes selbst entworfen – doch als Baumeister ist Johann Christoph Knöfel verantwortlich. Auf dem Gelände hat das Sächsische Staats-Weingut ”Schloss Wackerbarth” seinen Sitz. Den Umbau hat sich der Freistaat Sachsen etwa 15 Millionen Euro kosten lassen. Moderne Kellertechnik kann gut für den Wein sein, macht allerdings die meisten Besucher nicht so an wie alte Statuen und romantische Blicke – doch auch die gibt’s genug…

Belvedere
Belvedere
Die Sekte und Weine von Wackerbarth gehören nicht zu günstigsten in der Gegend, aber sie nicht zu probieren wäre ein Frevel. Da wir keine Frevler sind, holten wir uns je ein Glas Cuvée Sachsen, in dem Grauburgunder und Müller-Thurgau zusammen den Nachmittag verschönern, und wählten einen der Tische auf der Terrasse mit Blick auf das Belvedere, das über der Anlage thront und ihr einen feinen Abschluss gibt. Das Lustschlösschen gilt als Wahrzeichen von Schloss Wackerbarth – und wenn der Blick ein wenig nach rechts und etwas höher schweift, gibt’s gleich noch eins: Der Jacobstein ist das Radebeuler Wahrzeichen. Von hier oben hat man einen bezaubernden Blick ins Elbtal – doch heute werden wir ihn nicht genießen, weil der Weg uns in die andere Richtung führt.
Hohenhaus
Hohenhaus
Der Weinwanderweg führt hinter der Vinothek aus der Wackerbarth’schen Anlage heraus und geht am Anfang ganz unspektakulär unterhalb der Weinberge eine Straße entlang. Die Wohnbebauung wird dünner und verabschiedet sich mit zwei Hinguckern. Der eine ist eine Seniorenresidenz, die sich schön gelb vor dem blauen Himmel platziert, aber unten rum nichts Besonderes ist. Der andere ist die imposante Villa Hohenhaus – einst bischöfliche Sommerresidenz, später in gleicher Funktion Besitz von Berthold Thienemann, der Großhandelskaufmann und Vater von fünf Töchtern war. Deren drei heirateten Söhne der Familie Hauptmann: Georg die Adele, Carl die Martha und Gerhart Hauptmann, der Schriftsteller, nahm sich Marie zur Frau. So kam Radebeul und sein Hohenhaus in die deutsche Literatur (“Die Hochzeit auf Buchenhorst” und “Die Jungfern vom Bischofsweg”). Seit dem 6. Juni 1949 gibt es ein Hauptmann-Archiv auf Hohenhaus.
Weinlehrpfad
Weinlehrpfad
Das Haus war verschlossen, mal sehen, ob es irgendwann begehbar ist. Wir gehen also weiter auf dem Weinwanderweg und erleben eine kleine Überraschung: Einen Weinlehrpfad! Unterhalb des Weinbergs mit dem schönen Namen Zechstein haben Karl Friedrich Aust vom gleichnamigen Weingut und Silvio Nitzsche von der Weinkulturbar/Weinbildungsanstalt zahlreiche Tafeln angebracht, die über Rebsorten und die Arbeiten während der einzelnen Monate im Jahr infomieren. Außerdem erfährt man was über Aust, Nitzsche und Frédéric Fourré, der als befreundeter Dritter im Bunde wohl auch seine Hände mit im Spiel hatte. Wer nicht zum Zechstein gehen mag: Man kann alles auch online nachlesen!
In der Straußwirtschaft
In der Straußwirtschaft
So viel Theorie macht Durst! Da trifft es sich prima, dass ein Handzettel am Wegesrand auf eine Straußwirtschaft “Am Zitzschewiger Weingarten” hinwies! Gerne verlassen wir den offiziellen Weinwanderweg und riskieren einen Umweg von 250 Metern – um dann festzustellen: Der Betreiber hängt erst im Juli den Besen raus. Aber: Der Herr Roßberg ist vor Ort und macht sauber – und als er uns am Tor sieht, öffnet er es für uns! Wir kamen uns vor wie in Italien, wo wir ja häufiger auf derlei einladende Zeitgenossen gestoßen sind, und hatten ein nettes Schwätzchen. In den Probiergläsern gab es einen Goldriesling und einen Müller-Thurgau – vom eigenen Weinberg und auch selbst gekeltert. Roßberg arbeitet im Weinberg nach ökologischen Prinzipien und setzt diese Ideen im Keller fort, indem er schonend nur mit der Schwerkraft presst. “Meine Art Wein zu machen” nennt er das im Gespräch, für das er sich gerne Zeit nimmt. Ein angenehmer Zeitgenosse und ein trinkenswerter Wein – was will man mehr? Also verabschieden wir uns mit einem “Auf Wiedersehen!” und meinen das auch so. Ab Juli ist ja am Wochenende regulär geöffnet!
Weinwanderweg im Fluss
Weinwanderweg im Fluss
Wir gehen und begehen einen Fehler: Wir wollen den Weinwanderweg weiterlaufen und gehen zurück zur Stelle, wo wir ihn verließen, statt von Roßbergs Straußwirtschaft die Abkürzung zu nehmen. So durften wir durch einen reißenden Gebirgsbach laufen – wo auch immer der herkam (außer von oben, klar!) und sich des Wanderwegs bemächtigt hatte. Egal: Wir hatten Sandalen und keine Socken an, da bot das kleine Stück Abenteuerwanderung etwas lustige Abwechslung. Und nach dem kurzen Stück, in dem sozusagen alles im Fluss war, ging es wieder trockenen Fußes bergan.
Weingut Matyas
Weingut Matyas
Wenn der Weg direkt am Weinberg vorbei führt, sieht man in der Regel nicht viel von den Reben: Die für Sachsen typischen Trockenmauern sind davor. Sie machen in Steillagen den Weinbau erst möglich – und sie tanken tagsüber Wärme, die sie abends abgeben. Das ist übrigens auch für Weinbergwanderungen nach Sonnenuntergang eine angenehme Begleiterscheinung! Mit etwas Weitblick kann man natürlich auch Wein im Berg sehen. Linker Hand zeichnet sich mittlerweile die bezaubernde Skyline von Coswig ab: Plattenbauten, Plattenbauten, Plattenbauten – und mit etwas Glück mal ein einsamer alter Kirchturm zwischendrin. Dagegen hilft nur: in die andere Richtung sehen, wo das Weingut Matyas an diesem Wochenende zum Hofschoppenfest bittet.
Viererprobe
Viererprobe
Das erst zehn Jahre alte Weingut bewirtschaftet 6 ha Fläche – und wenn schon ein Fest gefeiert wird, dann sollte man sich auch durch die Ergebnisse der Arbeit probieren: Kerner der beiden Jahrgänge 2007 und 2008, Müller-Thurgau 2008 und 2009 im Vergleich, ein Spätburgunder rosé, Weißburgunder und Grauburgunder (alle 2009). Die Stimmung auf dem Hof war von südländischer Heiterkeit, der Alleinunterhalter den Coswigern als Original bestens bekannt. Als Außenstehender ist man vielleicht ein wenig distanzierter, aber man kann sich mit frischem Wein ja sogar Alleinunterhalter schön trinken.
Matyas Probocskai
Matyas Probocskai
Matyas Probocskai, der Chef des Weinguts, ist gebürtiger Ungar und hat dem Weingut freundlicherweise seinen Vornamen verpasst. Der Mann war lange Zeit Kellermeister auf Schloss Wackerbarth, weiß also was er tut. Zusammen mit seiner Frau Ingeborg, die Winzerin ist (und uns trotz vollem Haus schnell und freundlich bediente), betreibt er den Familienbetrieb. Sein Lächeln an diesem Nachmittag, wenn er sich seine Gäste so ansah, gehörte zu den schönen Eindrücken – schien es doch zu sagen: Gut, dass es euch hier gefällt!
Charlotte K.
Charlotte K.

Auf dem Rückweg und der Suche der nächstgelegensten Haltestelle ist uns dann noch ein kleines Malheur passiert: Wir kamen bei Charlotte K. vorbei und konnten nicht umhin, kurzfristig und wirklich ungeplant im Sommergarten Platz zu nehmen. Ines Kuka stand ausnahmsweise nicht in der Küche, sondern war diesen Abend am Gast. Die Sülze (natürlich gab es die!) trug dennoch ihre Handschrift – alles andere hätte uns auch enttäuscht…

[Diese Weinwanderung auf der Karte | Alle Beiträge zum Sächsischen Weinwanderweg]

Oh wie schön ist Olomuk

Mit der Jindrich Staidel Combo nach Tschechische Riviera

Ein Ausflug an Tschechische Riviera. Und zurück!

Manche Traumreisen führen ins Ungewisse. Manche sind Albtraumreisen. Aber was eine gelenkbusvolle Anhängerschar reichlich skurilen Humors am Abend des 1. Mai erlebten, war – ähm: eine Traumreise! Sie begann in der Dresdner Neustadt vor dem Wohnzimmer Dresdner Jazzfans, dem Blue Note: Einstieg in einen Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe, die einen supercoolen Fahrer gefunden hatten, um eine Ameisenschar auf Droge zu kutschieren. Die Droge, bevor hier jemand auf dumme Gedanken kommt, hatte acht Beine mit anhängenden Menschen und nennt sich “Jindrich Staidel Combo“.

Die Kapelle spielt ziemlich verrückten Polkajazz – so eine Art knödelböhmisch für Dixieland. Der Herr Staidel bläst mal Tuba, mal Posaune und selten genug ein Ceskeridu - eine Dachrinnenvariante des bekannten australischen Folkloreinstruments. Hinzu spielt der Herr Staidel eine wichtige Rolle als Dressman in enganliegendem einteiligen Trainingsanzug, der wahrscheinlich an das Sperma von Woody Allan erinnert (also an das aus seinem Film, nicht persönlich gemeint…).

Der Kollege Pro Haska ist der lange Schlacksige mit dem schönen Tschechendeutsch – also deutsch so geradebergerbrecht wie man glaubt, dass Tschechen deutsch reden. Er hat eine blühende Phantasie, weswegen seinen Ansagen zu lauschen Pflicht ist. Man möchte meinen, er sei ein intimer Kenner Dresdner Verhältnisse und nicht aus Olomuk, was die Tschechen Olomouc schreiben und die Combo als Heimat angibt. Pro Haska steht im Bus und hält sich an eine dieser Handschlaufen fest und plappert und singt ohne Punkt und Komma.

Die anderen sitzen, also auch Manitschka Krausonova, die sich während der Fahrt an einem Schifferklavier die Finger wärmt. Später, viel später, bedient sie im Blue Note auch noch ein Organ, also die Orgel. Außerdem sitzt an so einer gelenkbusgeeigneten Trommel der Herr Matjes Polka, der seit Jahren einen sehr chicken blauen Anzug nach Art der Kollektion Präsent 20 trägt – kein Wunder, denn neu aufgelegt werden diese Maßschneidereien ja nicht mehr.

Im atemberaubenden Tempo kutschiert der Bus durch das dunkler werdende Dresden und kommt rechtzeitig an der Tschechischen Riviera an: Die blaue Stunde verabschiedet sich gerade, doch Kenner der Szene erkennen den Ort: Haben sie hier doch schon als Kind und später als heranwachsende Jungfrau… Mehr sei nicht verraten. Damals gab’s das nicht, aber heute (also am Abend des 1. Mai) stand da ein Kiosk, aus dem wohlbekannte Discolaute im tschechischen Idiom der munteren Reisetruppe entgegen schallen. Falcos “Jeanny” mit dem morbus bohemicus ist noch gruseliger als es eh schon gedacht ist! Es gab einen Becher mit dem danach benannten Becherovka für alle und Bockwurst für die, die es wollten.

…und die Musik spielt dazu, live vor dem still ruhenden See. Eine Stunde, von der alle noch lange schwärmen, auch dann noch, als sie auf dem Rückweg den Postplatz passieren (“ist ein Platz ohne Post – eine Spezialität in Dresden, Plätze nach Dingen zu benennen, die nicht da sind!”). Zurück im Blue Note geben Jindrich Staidel und Combo sich nochmals die Ehre und spielen die besten Hits der letzten neunzig Minuten und etliche andere.

Spaß bei der Lustigen Schlange

Director's Cut

Als Erntehelfer mit Spitzenwinzer Martin Schwarz im Weinberg

Der Wetterbericht hatte mal wieder gelogen – und das sogar noch kurz vor knapp: Sonne ist angesagt für den 24. und 25. Oktober. Und in Wahrheit? Nass ist’s im Meißner Kapitelberg, erst nur von unten und an den Trauben (weil es die Nacht zuvor geregnet hat), am Sonntag dann auch von oben. Regen. Das ist das letzte, was ein Winzer Ende Oktober brauchen kann, denn Regen verwässert den Wein.

Martin Schwarz, der seit 1996 als Kellermeister im Weingut Schloß Proschwitz Prinz zur Lippe für nachhaltige Qualität bei Ausbau der Weine sorgt, ist auch Besitzer eines Weinguts und produziert dort seine eigenen Weine. Ihn begleiten wir wir zur Weinlese, zusammen mit einem Dutzend anderer Erntehelferinnen und Erntehelfer.

Treffpunkt: Am Weingut. Die Adresse des Weinguts klingt erst einmal mehr nach Trinkgenuss denn nach Weinherstellung – und so ganz falsch ist das ja auch nicht: In der Neustadt ist die Weingutsadresse – hier wohnen Martin Schwarz und seine Freundin. Gearbeitet aber wird in den Weinbergen elbabwärts bei Radebeul und Meißen sowie im Proschwitz’schen Keller in Zadel.

Riesling
Riesling

Auf der Fahrt zum Weinberg erklärt Martin Schwarz dem Neuling gleich einmal, worauf es ihm bei der Lese ankommt: “Nur ganz gesunde Trauben kommen in meinen Wein!” Wobei Martin Schwarz auch keine Trauben mit Edelfäule haben möchte: Diese ist zwar vielen Winzern willkommen, weil der Schimmelpilz Botrytis Cinerea der gesunden Traube Wasser entzieht und die Geschmacksstoffe in den Beeren konzentriert – aber er verändert eben den reinen ursprünglichen Geschmack der Traube, und das kann man wollen oder nicht.

Die Lese startet im unteren Teil des Kapitelbergs. Das ist zwar der steilere Teil, aber durchaus nicht der unangenehmere: Gelesen wird nämlich von oben nach unten. Später geht’s im oberen Teil weiter, und da wird bergan gelesen – was ins Praktische übersetzt heißt: die roten Plastikkisten werden voller und müssen hoch gewuchtet werden. Warum mal runter, mal hoch? Weil der Transporter mal unten und dann wieder oben auf der Zufahrt steht! So einfach erklären sich scheinbar komplexe Zusammenhänge manchmal.

Lese-Start
Lese-Start

Beim Start auf gleicher Höhe sind – logisch! –- alle Kisten noch leer, und da die meisten der gut ein Dutzend Helfer nicht das erste Mal bei der Lese dabei sind, erfüllt munteres Geschwatze und Geschnatter den Weinberg. Leise konnte das gar nicht sein, da sich meist pro Zeile ein Mensch den Trauben widmete und man so zwangsläufig seine Gesprächspartner nicht ansah, sondern von hinten ansprach. “Ich freue mich in jedem Jahr darauf, bekannte und neue Gesichter zu sehen!” sagt Birgit Patzelt. Sie kommt aus Berlin, arbeitet als Redakteurin beim Rundfunk und als freie Autorin für einen Verlag – “und das natürlich meist am Schreibtisch mit Blick auf den Computer!” Da ist die Arbeit im Weinberg, sich den ganzen Tag an frischer Luft zu bewegen und den Kopf frei zu bekommen, ein willkommener Ausgleich. “Wenn ich am Ende einer Reihe den Rücken durchstrecke und über das Elbtal schaue, dann ist das einfach nur ein unheimlich tolles Gefühl!” sagt Birgit Patzelt.

Elbtal
Elbtal

So wie sie sehen es wohl alle: Es ist anstrengend, aber es macht Spaß! Zwar wäre es bei den steilen Lagen durchaus praktisch, ein kurzes und ein langes Bein zu haben, weil die Muskeln dann nicht so ungewohnt belastet würden. Außerdem kommt der Muskelkater erst am Abend des zweiten Tages – und da ist ja erst einmal Ruhe bis zum nächsten Wochenende. Wobei der feinsinnigste Muskelkater in den Fingern zu entdecken ist, die die Traubenschere geführt haben. Die Reben mussten ja nicht nur vom Stock getrennt, sondern auch noch von faulen Beeren befreit werden: Da arbeitet die Hand schon mal wie der Stuhlbelastungsdauertest, den wir aus dem Möbelhaus kennen: Zusammen, auseinander, zusammen auseinander…

“Es ist natürlich auch wichtig für mich, zu sehen, wieviel Arbeit zum Beispiel in einer Flasche Riesling steckt!” sagt Jana Schallenberg, Restaurantleiterin und Sommeliere in der Gourmetlounge vom Romantik Hotel & Restaurant Pattis. “Bei der Lese erfahre ich immer live die Qualität und Quantität des jeweiligen Weinjahres und kann dies bei meiner Arbeit als Sommeliere im Restaurant an Gäste und Mitarbeiter gleichermaßen weitergeben. Persönliche Kontakte zu einheimischen Winzern liegen mir und Familie Pattis sehr am Herzen.”

Auch Jens Dusil ist aus Freundschaft dabei, kann aber seine Erfahrungen im Weinberg beruflich nutzen: In seiner Vinothek Weinkult im Kunsthof bietet er auch die Weine von Martin Schwarz an. “Für mich ist wichtig, die Entstehung des Weines von Anfang an mit zu erleben und durch eigene Akribie die Qualität des Endprodukts zu verbessern!” Freiwillige Helfer und Freunde, meint Dusil, seien “der beste Garant für die Qualität der Arbeit, da der monetäre Anreiz keine Rolle spielt”.

Elbtalnebel
Elbtalnebel

Der untere Teil des Kapitelbergs ist abgeerntet, der Transporter gut gefüllt. Auf dem Weg zum Weingut ist noch einmal eine Chance, mit Martin Schwarz zu reden. An einem Tag im Oktober geboren (“das ist doch schon ein Zeichen!”, sagt er), aber in Kassel – einer Stadt, die nicht für Wein bekannt ist. Martin Schwarz spielte E-Bass in einer Schülerband, Grund genug, Elektrotechnik studieren zu wollen, was ihm aber glücklicherweise nicht so viel Spaß bereitete. Besuche beim Bruder, der in Freiburg studierte, brachten ihn auf andere Gedanken. “Hier merkte ich, dass Wein mich mehr interessiert als Elektrotechnik!” gibt Martin Schwarz lächelnd zu. Im Weinhaus Heger, einem der 200 deutschen Prädikatsweingüter, absolvierte er 1991 ein Praktikum. “Die Arbeit draußen hat mir gut gefallen, und das super Klima auch!” Wobei es so klingt, als ob er mit dem Klima nicht nur das Wetter, sondern auch den Zusammenhalt des Teams meint – etwas, was er nach Abschluss des Weinbaustudiums in Geisenheim mit nach Sachsen brachte, wo er 1996 im Weingut von Prinz Lippe als Kellermeister anfing.

Die Arbeit im Keller des Weinguts war für den Berufsanfänger eine riesige Herausforderung, zumal sie 1996 gleich mit einem “Katastrophenjahrgang” (Schwarz) begann: Es gab wenig Ertrag, die Trauben waren nicht reif genug – eine Herausforderung für den Kellermeister! In den Jahren danach konnte es nur besser werden. Wurde es auch.

Riesling 08
Riesling 08

Es ist halb drei, Zeit für die erste wirkliche Pause. Das Picknick im kleinen Winzerhäuschen mitten im Weinberg ist, alle Helferinnen und Helfer erinnern sich da einmütig, ein Höhepunkt bei der Weinlese. “…und unter uns,” sagt Jana Schellenberg, “Spaß macht’s auch riesig, und für Grits Picknick mit Martins Riesling lohnt es sich allemal!” Und Birgit Patzelt ergänzt: “Beim Mittagspicknick werden Rezepte ausgetauscht, z. B. für die legendäre Tomatenbutter. Und dazu ein Wein, den man vielleicht im Jahr zuvor selbst gelesen hat!”

Schade eigentlich, dass das Picknick nur eine Pause ist: Hinterher geht’s wieder in den Berg. Bis zum Einbruch der Dunkelheit werden die Trauben geschnitten, gesäubert und in Kisten gefüllt. Ganz zum Schluss gibt’s dann noch einen Kraftakt: Alle vollen Kisten zum Transporter bringen. Die langjährigen Erntehelfer nennen das, was da passiert, die “Lustige Schlange”, aber warum das so heißt, vermag nur zu deuten, wer dabei war: Die Kisten sind schwer, der Weg zum Transporter, der die Trauben in den Weinkeller bringt, ist weit und steil und matschig. Lustige Rahmenbedingungen, fürwahr. Aber dennoch haben alle dabei ihren Spaß!

Die lustige Schlange
Die lustige Schlange

[Weinlese-Termin war am 24. und 25. Oktober 2009. | Lage des Kapitelberges
Eine gekürzte Version des Beitrags ist im gerade erschienen Augusto veröffentlicht]

Fichtepark – Hoher Stein – Plauenscher Grund (2/2)

Plauenscher Grund

Was bisher geschah

Unten im Tal führt dann ein Weg zur Hofmühle: Der Bienert-Wanderweg. Er ist im Rahmen einer großen Aktion und mit Fördergeldern der EU entstanden, was die zahlreichen informativen Hinweisschilder erklärt. Als Wanderweg für Uneingeweihte ist er freilich dennoch nicht geeignet: Bei unseren zahlreichen Spaziergängen dort haben wir noch keine Wegemarkierung entdeckt. Geld für die dafür nötige Farbe war bei den 695.000 Euro, die das Projekt gekostet hat, wohl nicht mehr drin. Der Weg unten durchs Tal ist dennoch schön und wird auch gut angenommen. Ganz am Anfang, wenn es noch an der Stichstraße zum Felsenkeller entlang geht, lohnen sich Blicke auf die beeindruckende Felswand. Vorbei geht es am alten Bahnhof, in dem jetzt (Glas-)Kunst zu Hause ist. Züge halten hier nicht mehr.

Hegereiterbrücke
Hegereiterbrücke

Anschließend beginnt der neu angelegte Wanderweg. Zuerst geht es zur Hegereiterbrücke, die an einem Wehr über die Weißeritz führt – ein toller Punkt, an dem anzuhalten sich lohnt. Das Weißeritzwehr gibt es an dieser Stelle seit 1594, die Hegereiterbrücke seit 1782. Sie ist die älteste Steinbogenbrücke Dresdens – und beide bilden ein Ensemble, das bei Dresdner Malern sehr beliebt war. Als Fotograf hat man es nicht so leicht, die Romantik einzufangen, zumal die Bahn auf modernen Geisen gleich daneben die Weißeritz quert. Aber egal – wir sind ja auch nicht mehr in Kutschen unterwegs. Alles hat seine Zeit…

Bienert-Wanderweg
Bienert-Wanderweg

Der Wanderweg verläuft nun entlang der alten Dresdner Straße, von der man aber nichts mehr erahnt. Kein Wunder, denn sie wurde bereits vor rund 90 Jahren ans andere Ufer der Weißeritz verlegt (wo sie heute noch verläuft). Später gelangt man zu den Resten von Bienerts Garten. 1902 war er als “romantischer Garten” angelegt, aber ihm erging es wie der Straße: Er verwilderte und ist von der Natur zurück erobert worden. Die erhaltenen Säulen der alten Umzäunung geben ein prächtiges Bild ab!

Bienerts Grabstelle
Bienerts Grabstelle

An der Hofmühle, die viele Dresdner auch Bienertmühle nennen, verlassen wir den Wanderweg und biegen ab zur Plauener Kirche und ihren Friedhof. Gottlieb Traugott Bienert, der sächsische Rockefeller, liegt hier begraben. Gleich nebenan gibt es ein sehr schlichtes Grab für Erwin Bienert (1869-1930) und Friedrich Bienert (1891-1969), das kein Geringerer als Walter Gropius geschaffen hat (und ich wette, dass auf die Frage nach einem “Gropius-Bau in Dresden” kaum einer dieses Grab nennen würde). Der Innere Plauensche Friedhof an der Plauener Auferstehungskirche ist auch letzte Ruhestätte für andere bekannte Plauener Industrielle wie den Direktor der Felsenkellerbrauerei A. Evereth, den Baumeister Fichtner (der den Fichteturm errichtet hat) und den Großindustriellen John Daniel Souchay, der viele Jahre Besitzer von Schloss Eckberg war.

Nach der Friedhofsbesichtigung haben wir uns den Besuch beim nahe gelegenen Lieblingsitaliener verkniffen und sind in den Bus gestiegen, der uns zurück zum Ausgangspunkt der Tour brachte…

Karte der Tour

Start und Ziel: Haltestelle Kotteweg, Linien 3 (Straßenbahn) und 63 (Bus)

Fichtepark – Hoher Stein – Plauenscher Grund (1/2)

Fichteturm

Am südlichen Rande Dresdens befindet sich der der Plauensche Grund – ein Tal, das es Romantikern wie Caspar David Friedrich weiland sehr angetan hat. Die Weißeritz drängelt sich hier Richtung Elbe und hinterlässt bei Hochwasser wildeste Spuren in der Landschaft. Hier lässt es sich (wenn nicht gerade Hochwasser ist, versteht sich) prima ein wenig lustwandeln bei einem stadtnahen Ausflug.

Wir haben unsere Rundwanderung allerdings nicht direkt im Grund begonnen, sondern gleich nebenan auf der Höhe im Fichtepark. Dort steht der Fichteturm, der sein Dasein als Bismarckturm begann. Damals hieß der kleine Park im Süden Dresdens, der 1890/91 errichtet wurde, noch Westendpark. Umbenannt wurde er 1937 zu Ehren des Philosophen Fichte, der Turm fogte weniger zu Ehren Fichtes denn aus Gründen der Ideologie (Bismarck passte nicht so recht ins realsozialistische Weltbild) 1954. Man kann den 27 Meter hohen Turm besteigen – aber die 153 Stufen der Wendeltreppe lohnen sich nur bei gutem Wetter, wenn die Aussicht hervorragend ist.

Kind mit Delphin
Kind mit Delphin

Der Park ist etwa 2,5 ha groß. Geschaffen hat ihn Carl Hampel, ein bedeutenden Garten- und Landschaftsarchitekten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das Grundstück stellten die Gebrüder Bienert unentgeltlich zur Verfügung – welcher Fabrikant (die Bienerts waren Mühlenbesitzer, dazu später mehr) macht so etwas heute noch für “sein Viertel”? Zwei (von ursprünglich vier) Figurengruppen zeigen Kinder und Tiere – uns hatte es das “Kind mit Delphin” von Franz Weschke angetan, obwohl wir ehrlich gesagt den Delphin erst nach Recherche-Lektüre und erneutem Ansehen der Bilder identifiziert haben (und auf dem hier gezeigten Bild ist er schon gar nicht zu sehen, weil sich der Ausschnitt ja aufs Kindsgesicht konzentriert).

Hoher Stein
Hoher Stein

Unweit vom Park befindet sich der Hohe Stein. Geologen bekommen hier ganz feuchte Augen, denn sie sehen das Meer und deuten den Aussichtsturm als “Leuchtturm am Ufer des Kreidemeeres”. Unsereins kommt von der Küste und sagt sich: Meer sieht anders aus und Kreidezeit war mindestens vorvorgestern – freut sich aber dennoch, dass man von hier aus so wundervoll in die Gegend gucken kann. Der Brandungsklippe im Meer der Kreidezeit mit 190 Metern über Normalnull sei ebenso Dank wie einigen verdienstvollen Einzelpersönlichkeiten: Erstens dem Herr Friedrich August Frohberg aus Deuben erwarb 1862 das Gelände und errichtete zwei Jahre später den Turm, auf dem ein Schild allen Besuchern kund und zu wissen tut, dass es sich hier um “Frohbergs Burg” handelt.

Zweitens den Bossen der Brauerei Felsenkeller, die eigentlich unten im Tal (im Eiswurmlager – was für ein Name!) tätig war. Die Brauereileute erschlossen das Gelände rund um den Turm und vergaßen auch nicht, einige Aussichtsbastionen auf das Brauereigelände (seinerzeit das größte in und modernste in Sachsen) einzurichten. Und drittens mal wieder ein Bienert, dieses Mal Erwin: Der Sohn des Mühlenbesitzers kümmerte sich um das Areal westlich vom Turm. Den Bienertpark unten werden wir noch durchwandern! Und wir sind nicht allein – von Hans Christian Andersen über E.T.A. Hoffmann, Heinrich von Kleist Friedrich Schiller sowie Schopenhauer, Schlegel und Novalis haben sie sich alle hier schlendernd der Bewunderung hingegeben.

Nun also wir! Und zwar zuerst quer durch eine Streuobstwiese, die zu jeder Jahreszeit ihren ganz besonderen Reiz ausübt. Am nettesten ist sie natürlich bei der Blüte, dann während die Früchte hängen und selbstverständlich wenn sie abgefallen sind und auf der Wiese herumliegen. Nun also Winter und der weiße Mantel aus Schnee, der die Baumstrukturen so fein zur Geltung bringt. Hach!

Wo der Wildbach rauscht...
Wo der Wildbach rauscht…

Wir biegen in einen der zahlreichen Wege ab – hier kann man sich erstens trefflich verlaufen, weil es reichlich Trampelpfade gibt und zweitens findet man sich dann doch immer wieder am richtigen Punkt ein, weil eben nahezu alle Wege statt nach Rom unten zur Felsenbrauerei führen. Links plätschert ein Bächlein munter den Hang herunter. Weiter oben ist die Osterquelle, also mutmaße ich mal, dass wir hier den Osterbach querten – und das miten im Winter! Es hatte tüchtig geschneit in der Nacht zum Neujahrstag, was die Landschaft einerseits in dieses berühmte sanfte Kuscheltuch tauchen ließ, andererseits aber die Wege ungemütlich glatt machte.

Natürlich gibt es keine glatten Wege, sondern nur falsches Schuhwerk – aber zum Neujahrsspaziergang wollten wir doch chic sein! Die Anderen, die uns entgegen kamen, waren ähnlich beschuht. Da kommt man sich menschlich nahe, ruft freudig erregt “Gesundes Neues!” oder auch “Frohes Neues!” und vermeidet den “guten Rutsch” nicht nur, weil Silvester vorbei ist. Auf ebener Strecke und ohne Rutschgefahr waren die Menschen übrigens weniger kommunikativ und passierten mit Muffelbrausengesichtern, als ob sie noch 365 Tage eines schwierigen Jahres vor sich hätten.

Eiswurmlager
Eiswurmlager

Ein nun etwas größerer Bach ohne mir bekannten Namen gesellt sich zu uns, wenig weiter wird er in die Weißeritz münden. Die ist namensgebend für das Tal hier und manchmal ganz schön wild – vor allem, wenn es droben im Erzgebirge geregnet hat, führt sie reichlich Wasser mit sich. Die Mühlen, die es hier gab, machten sich diese Wasserkraft zu Nutze, so dass das romantische Tal ganz schön industrialisiert war. Industrie vor hundert Jahren brachte aber auf jeden Fall interessante Gebäude hervor – den Felsenkeller zum Beispiel. Das war ein schnell prosperierendes Unternehmen – und die Befürchtungen der Dresdner Brauereien, dass der Neubau im Örtchen Plauen vor den Toren der Stadt Dresden unangenehme Konkurrenz bringen würde, sollte sich bewahrheiten: Grundsteinlegung war 1857 – zur Jahrhundertwende war man marktbeherrschende Großbrauerei.

Des Eiswurms Lager
Des Eiswurms Lager

Und das trotz des Eiswurms, der sein Unwesen angeblich in den neun je 66 Meter langen Stollen im Fels getrieben haben soll, die man für die Lagerung des Bieres gebaut hatte. Die Legende half übrigens einigen wenigen Großaktionären der Brauerei ganz gut: Diverse Kleinaktionäre glaubten nämlich die Mär, dass der Eiswurm das hier gelagerte Bier verderben würde – und sie verkauften.

Bier wird im Felsenkeller nicht mehr gebraut – aber über 100 Gewerke und Dienstleister arbeiten in den Gebäuden. Wissenschaftler aus Rossendorf haben in den Tiefen es Berges ein Stralenmesslabor eingerichtet – und auch ein Händler für feine italienische Weine nutzt die gut klimatisierten und garantiert eiswurmfreien Stollen im Berg.

Teil 2 | Karte der Tour