Besuch im größten Weingut der Insel

Acquabona

Gutes Wasser ist auch so ein Name für Wein. Aber wenn die Gegend doch so heißt? Acquabona, auf halbem Weg zwischen Portoferraio und Porto Azzurro gelegen, ist mit seinen 14 Hektar das größte Weingut der Insel Elba. Aber auf die Größe kommt’s bekanntlich nicht immer an, wichtiger ist: Wir hatten in verschiedenen Restaurants und Bars immer mal wieder einen Wein bekommen, der uns ganz besonders gut schmeckte. Da war ein Abstecher zum Weingut nachgeradezu Pflicht.

Auf Acquabona wird umweltfreundlich Wein gemacht, für eine bessere Qualität wird ordentlich ausgedünnt, gelesen wird nicht maschinell, sondern von Hand. Der Vorteil eines besseren Weins geht wie immer einher mit dem Nachteil, dass es dann nicht so viel gibt: Unser Lieblingswein für heiße Tage war der Ansonica, der aber auf dem Weingut schon ausverkauft war. Also mussten wir, um ihn zu trinken, immer mal wieder nach Marciana Marina in die Enoteca Coltelli, wo es ihn sowohl als offenen Wein als auch als ganze Flasche gab…Während der Ansonica (von dem es 6.000 Flaschen jährlich gibt) im Frühjahr nach der Ernte auf Flasche gezogen wird, reift unser Lieblings-Rotwein Voltraio mindestens ein Jahr in Eichenfässern und dann noch einmal sechs Monate auf der Flasche. Die Mischung aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese kommt unserem Geschmack entgegen – von den 3.000 bis 4.500 Flaschen der Produktion konnten wir noch einige auf dem Weingut erstehen…

Unbedingt probieren: Den Aleatico dell’Elba! Das ist eine Spezialität auf Elba, süß und mit einem nuanciertem Geschmacksspiel. Der passt zu Desserts, manchmal ist er auch im Kuchen selber (so einen hatten wir gar köstlich in Mariciana Alta bekommen). Der Aleatico wird aufwändig hergestellt, mit handverlesener Ernte und Trocknen der Trauben, bis sie wie Rosinen aussehen und schmecken. Auf 1.700 Flaschen (0,5 l) ist die Produktion bei Acquabona limitiert. Das alles hat seinen Preis, aber er ist es wert!

Acquabona Gestione Agricola
Loc. Acquabona
I-57037 Portoferraio (LI)
Italien

Telefon +390565933013
http://www.acquabonaelba.it

[Lage]

Il Chiasso

Il Chiasso

Das Restaurant gilt als eines der besseren in Capoliveri, liegt etwas abseits der Hauptachse Via Roma – aber keineswegs versteckt. Kenner kommen gerne immer wieder hierhin, wie wir bei unserem Besuch den Stammgast-Gesprächen entnehmen konnten. Verstehen kann man’s – denn die Qualität von Speisen und Getränken sowie das Ambiente stimmen. Das alles hat freilich seinen Preis, aber da man ohne Reservierung nur schwer einen Platz bekommt, scheint die Rechnung ja aufzugehen.

Man sitzt entweder draußen (war an dem Tag zu kalt, es hatte geregnet) oder im einen oder anderen Haus beziehungsweise zwischen den beiden, überdacht und quasi auf der Treppe. Ein lustiger Platz mit guter Übersicht, da die Bedienung alles aus dem einen auch ins andere Haus zu bringen hat. Der ehemalige Treppenweg ist überdacht und wird oben und unten mit Türen zum geschlossenen Raum – wenn die denn geschlossen sind.

Il Chiasso

Il Chiasso

Wir wurden sehr nett bedient, wenn wir es gewollt hätten sogar auf deutsch. Aber wir wollten ja gar nicht, denn erstens wollen wir ja üben und zweitens ist “Gedenft Tuhnfisch mit weiss Bohnen” nur halb so lecker wie “Palamita al vapore con fagiolo Risina” (was wir aber gar nicht hatten). Mir hatte es Acciughe fresche al forno (9 Euro) angetan, obwohl da auch ein wenig Knoblauch drin war und man damit eventuell für den Rest des Abends ungeküsst bleibt. Doch die Sardellen kamen mehr naturell auf den Tisch als befürchtet, rein kusstechnisch war der Abend also gerettet. Die zweite Vorspeise, knoblauchfrei und dennoch ein Traum: Fiori di zucchini ripiene con caprino e ricotta (10 Euro). Die Zucchiniblüte im Bierteig, die Füllung cremig – eine feine kleine Vorspeise, die Lust auf mehr macht.Filetto di Tonno rosso su crema alla pizzaiola mit dem Hinweis “nostrale”, also nach Art des Hauses (für 22 Euro), sah sehr spartanisch aus, machte von außen auch einen eher durchgarten Eindruck – aber entpuppte sich als eine Köstlichkeit, die innen wie erhofft sushiroh war und durchaus reichte, um satt zu werden (mit Loch fürs Dessert, natürlich). Zartrosa auch das Lammcarrè mit Balsamessig (Carrè d’agnello al ristretto di balsamico, 22 Euro), der mit kunstvollem Schnörkel den Teller füllte. Meist mag ich derlei Malerei ja nicht, aber hier passte es irgendwie – und da es annonciert war und schmeckte, verziehen wir der Küche.

Il Chiasso

Il Chiasso

Zumal wir zum Essen einen Wein hatten, der eh milde stimmte: Le Sughere Elba Rosso Riserva 2006. Das Weingut lesughere.it ist gar nicht so weit entfernt in der Nähe von Rio Marina. Von den 25 ha der Azienda Agricola sind zehn für den Weinbau reserviert. Unsere Riserva hatte drei Jahre im barrique gereift, was den 90% Sangiovese-Trauben (die restlichen 10% sind Cabernet Sauvignon) gut bekam.

Ach ja, da war ja noch ein Loch fürs Dessert. Die gemischten und flambierten Früchte mit Vanilleeis (10 Euro) füllten es in Ehren, und auch die weniger kalorienträchtige Tarte tatin (6 Euro) rundete den Abend wunderbar ab.

Il Chiasso
Via Nazario Sauro, 9
57031 Capoliveri

Tel. +39.0565.968709

[Lage auf der Elba-Karte]

Capoliveri

Nach dem Regen

In der Saison muss es hier schlimm zugehen; 800.000 Touristen kommen pro Jahr. Da Capoliveri selbst nur 3.100 Einwohner zählt, die Gassen des Ortes sehr sehr eng sind und alles sich auf engstem Raum abspielt, kommt da sicher kuscheliges Sardinengefühl auf. Aber im September ist das alles sehr erträglich, und statt vor einem der guten Restaurants Schlange zu stehen, bekommt man auch ohne Reservierung einen Platz.

Straßenleben
Straßenleben

Capoliveri ist einer der ältesten Orte der Insel – die Lage verpflichtet, war aber auch wohl eine Einladung an alle möglichen Eroberer, es sich hier gemütlich zu machen. So kamen nachenander die Etrusker (900 v. Chr.), die Römer (300 v. Chr.), dieChristen, die PisanerBarbarossa, die spanischen Bourbonen, die Habsburger und immer wieder Piraten. Und nun kommen eben die Touristen. In Capoliveri haben vornehmlich Menschen aus dem Süddeutschen ihr eigenes Ferienhäuschen, das sie dann ein oder zwei Monate lang nutzen. Na gut, das erklärt, warum es hier die Süddeutsche zu kaufen gibt…

Italo Bolano
Italo Bolano

Die Piazza Matteotti ist ein belebter Platz mit Blick aufs Dorf und die weiter unten liegende Umgebung. Von der geschäftigen Hauptstraße Via Roma führen zahlreiche verwinkelte Treppengassen ab, in denen man sich aufs Angenehmste vom ursprünglichen Character des Ortes überzeugen kann. Verlaufen ist unmöglich – man stößt entweder an die Stadtmauer oder auf eine Parallelgasse und findet in der nächsten Gasse zurück. Am Ende der Via Roma öffnet sie sich zu einem Platz, der Piazetta G. Marconi, an dem (einmal wieder) Kunst von Italo Bolano steht, die sich hier – sicher nicht zufällig – in der untergehenden Sonne ganz farbenprächtig gestaltet.

[Lage auf der Elba-Karte]

 

Zum Monte Calamita

Wir hätten gewarnt sein können: Der Monte Calamita heißt ja so, weil er ein Berg des Übels ist. Ursprünglich natürlich, weil er so viel Eisenerz enthält, dass ein normaler Kompass schon mal irritiert sein kann. Unser roter Wandeführer ließ gar “jede Kompassnadel verrückt spielen”, was wir aber nicht bestätigen konnten, da nicht mit Nadel, sondern mit GPS unterwegs waren. Und die Satelliten da oben ließen sich vom Magnetit nicht beeindrucken.

Weinernte
Weinernte
Aber auch alle anderen Verheißungen der Literatur waren heiße Luft: das versprochene “Blau-Grün der Küsten” wollte sich im Dunst lichter Wolken nicht einstellen, und das “nackte Rot der aufgelassenen Bergwerksstufen” stellt sich wohl auch nur in der Abendsonne ein – uns erschienen die Berge reichlich angezogen. Wobei die Autoren natürlich nichts fürs Wetter können. Aber gerade beim sich nicht einstellen wollenden nackten Rot, das es uns vorab so angetan hatte, weil wir uns partout nicht vorstellen konnten, wie das wohl aussehen mag, war die Enttäuschung groß. Die Flüche von Frau Curly zu notieren könnte privatrechtliche Forderungen der Beschimpften nach sich ziehen, obwohl ich sie alle berechtigt fand und mir auch ins Repertoire (be-)merkenswerter Schimpftiraden aufgenommen habe. Aber wir sahen Weinbauern bei der Ernte, das ist doch auch was: Nicht so spektakulär, aber ganz in unserem Sinne (wenn man beim Laufen schon an den Abend denkt).
Motorradtour
Motorradtour

Dass diese Wanderung unterm Strich dennoch ganz angenehm wurde, hatte mehrere Gründe: Sie war überhaupt nicht anstrengend und führte in Gebiete, die extrem ruhig waren. Wenn man mal von einer Mopedgang absieht, die uns mehrfach begegnete, weil sie nicht so recht wusste, wo es lang ging. Obendrein bescherte diese Wanderung Aussichten, die ihresgleichen suchen. Dafür nimmt man dann auch in Kauf, dass ganz zum Schluss die Tour am Rande der asphaltierten Straße entlang geht… So konnte man sich im Prinzip einen Überblick über die gesamte Insel verschaffen: Erst ein Blick von Portoferraio im Hintergrund bis Porto Azzuro direkt unter uns, später das ganz große Panorama von Porto Azzuro (nun schon etwas weiter weg) über Portoferraio bis hin zur Südküste und dem Monte Capanne als höchstem Berg der Insel. Beeindruckend und schön!

Rohre oder Kunst?
Rohre oder Kunst?

[Lage mit GPS-Wanderweg]

Wanderung in die Berge

Poggio

Das Schöne an Elba ist, dass man zwischen Monte und Mare schnell wechseln kann. Heute geht’s also in die Berge! Der Weg führt von Poggio unterhalb des höchsten Berges der Insel – dem Monte Capanne - entlang nach Marciana Alta,dem Bergdorf zum bereits besuchten Hafenstädtchen Marciana Marina. Insgesamt ist das eine sehr schöne Schlenderwanderung mit grandiosen Aussichten. Das Grün der Bäume! Die roten Bergdörfer! Und immer wieder das Meer in seinen drei Farben blau. Mindestens drei – hach!

San Niccolò
San Niccolò

Wir parken das Auto in Poggio und sind gleich einmal verblüfft, wie schön sich das Dorf präsentiert. Also beginnt die Wanderung mit einer Dorfbummelei. Es ist wenig los – kein Wunder, ist ja auch Mittagszeit und die Sonne steht im Zenit. Aber in den Gassen ist es schattig und kühl. Vom Dorfplatz, der Piazza Castagneto, gehen wir hügelan (bergan wäre zu viel des Guten!). Am höchsten Punkt des Ortes steht die Kirche San Niccolò, die bereits im 8. Jahrhundert erbaut wurde (der Turm ist deutlich jünger: 18. Jahrhundert!).

Mor-gähn!
Mor-gähn!

Beim Bummel durch Poggio fällt auf, wie gepflegt hier alles ist. Saubere Gassen, nette farbige Häuser, schöne Blumen in Kübeln davor. In den offenen Fenstern räkeln sich nicht etwa Rentner in Feinripphemden, sondern allenfalls Katzen, die gerne auch mal gelangweilt gähnen. Wir waren begeistert (und sind am Ende der Tour vor dem Abholen des Wagens gleich nochmal durch Poggio gestreift, um auch die letzten Ecken kennen zu lernen!).

Fonte di Napoleone
Fonte di Napoleone

Ganz in der Nähe von Poggio ist der Berg nicht ganz dicht. Hier befindet sich die wohl berühmteste Quelle der Insel: Die Fonte di Napoleone. Gewidmed “Napoleone il Grande”, weil der angeblich während seines einjährigen Aufenthalts auf Elba gerne dieses Wasser trank. Am Straßenrand sprudelt es in einer insgesamt eher unscheinbaren Örtlichkeit so vor sich hin, aber immerhin kommt es aus dem Maul eines Löwenkopfes. Man kann sich bedienen, was Einheimische wie Touristen gerne machen. Wir natürlich auch, denn das Wasser der Fonte di Napoleone ist köstlich und kommt gut gekühlt aus dem Berg. Ob es auch heilt, konnten wir nicht feststellen, denn nichts war kaputt.

Unsere eigentliche Wanderung begann ein wenig abenteuerlich, weil wir relativ früh vom rechten Weg abgekommen waren. Es gab da nämlich so eine Stelle, wo es nach Wanderführer auf einem eigentlich recht breiten Weg links abgehen sollte – aber da war wohl ein Unwetter dazwischen gekommen, denn es sah sehr abenteuerlich unwegsam aus. Also taperten wir wacker geradeaus, einen kleineren Weg entlang. Doch damit kamen wir vom Regen in die Traufe, denn der Weg entpuppte sich nach einiger Zeit als ein wilder Pfad, aufgewühlt wie nach einer Wildschweinsause: Cinghiale auf Speed mit niedergemetzelten Bäumen und voller Steinbrocken. Irgendwann waren wir es leid und kraxelten noch verwegener nach links bergan, wo uns unser iPhone-GPS einen Weg anzeigte: Das war dann der richtige. Wir hätten früher draufsehen sollen!

San Cerbone
San Cerbone
Frau Curly gab den Rohrspatz und flötete nicht schreibbare Dinge über unsinnige Beschreibungen in Wanderführern einerseits und die harte Wirklichkeit unter besonderer Berücksichtigung des GPS-Daten-zu-spät-auslesenden Wanderbegleiters andererseits, brach das Wehklagen dann aber ab, als wir San Cerbone erreichten. Die Einsiedelei wurde vom Bischof Cerbone 573 gegründet, der mit den Langobarden nicht so gut konnte und auf Elba ins Exil gezwungen wurde (die Insel scheint sich sehr gut zu machen für Exilanten). San Cerbone ist verschlossen, aber draußen stehen Baumstümpfe mit nur wenig Krabbeltieren: Brotzeit!
Cabinovia
Cabinovia
Gleich hinter der Kirche kreuzt die Kabinenbahn zum Monte Capanne den Weg. Wer die Cabinovia nutzt, steht im gelben Käfig, spart sich einen besonders schweißtreibenden Weg (steht so im Wanderführer), überwindet 660 Höhenmeter in 15 Minuten, kann bei guter Sicht weit blicken und bei diesiger am besten gleich wieder runter machen. Und diesig ist es am Berggipfel des 1019 Meter hohen Monte häufiger als man denkt – ist ja sonst nichts in der Gegend, wo sich die Luftmassen zu einer kleinen feinen Wolke versammeln könnten. Die Preise für die Kabinenbahn entsprechen in etwa denen eines Mittagessens in einem einfachen Restaurant – weswegen wir dann lieber Bilder von weiter unten machten.
Mufflon
Mufflon
Als Wanderer (im September) ist man weitgehend allein mit sich, den Kastanienbäumen und dann und wann ein paar Tieren. Besonders angetan hatten es uns die Mufflons, die uns aus sicherer Distanz freundlich ansahen, um dann fortzustieben. Ansonsten: Himmlische Ruhe, bei sich schlängelndem Weg ein steter Wechsel von Blicken auf den Monte (dessen Gipfel übrigens hässlich mit Sendemasten und Radaranlagen verziert ist) und das Mare mit Marciana Mariana und sogar hinüber bis hinter Portoferraio und aufs Festland.
Pisanische Festung
Pisanische Festung

Marciana Alta ist zwar eine der ältesten Siedlungen der Insel – aber nicht ganz so malerisch wie Poggio. Dafür ist der Ort vielleicht ein wenig ursprünglicher, was auch auch ganz reizvoll sein kann. Die Fortezza Pisana, die Pisanische Festung, begrüßt uns gleich eingangs des Dorfes. Sie ist verschlossen – was ja für eine Festung eigentlich der Normalfall sein sollte! Die viertürmige Anlage aus dem 12. Jahrhundert ist im Sommer romantischer Ort für Veranstaltungen.Wir passieren die Cappella di San Liborio aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Ein kleiner schlichter Bau mit einem Altar aus Stein im Innern und einem Bild darüber – sonst nichts. Das wenige Licht fällt durch die offene Tür oder, wenn die geschlossen ist, durch das kleine runde Fenster oberhalb der Tür.

Chiesa di Santa Caterina
Chiesa di Santa Caterina
Die Chiesa di Santa Caterina stammt aus dem 16. Jahrhundert. An gleicher Stelle gab es zuvor schon eine Kapelle, die in die Kirche integriert wurde. Die Kirche ist eine der größten der Insel Elba. Zum Dorf hin hat sie ihre schmucke Fassade und den Haupteingang, tritt man durch die Porta di Lorena hinaus, sieht man auch den Turm (der vom Tal aus oder oben vom Berg) besser zu erkennen ist. Hinterm Tor ist man mittlerweile nicht mehr vor dem Dorf, sondern in einem sehr angenehmen Teil: Hier ist die Kneipenmeile.
Bar, Porta, Chiesa
Bar, Porta, Chiesa

Wir nehmen nicht die Erstbeste, aber die erste ist eine der Besten: Die Bireria Bar la Porta, direkt neben dem Tor. Bruschette, Salate – und selbst gebackener Kuchen! Wir nahmen (zu einem Glas Weißwein) einen mit Trockenfrüchten und Nüssen, Wein, Olivenöl, Mehl (das Rezept hat uns die Wirtin verraten!). Der verarbeitete Wein war ganz offensichtlich vom Geschmack her ein einfacher Aleatico. Die Bar hat geniale Öffnungszeiten: Von 7.30 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts. Und das in einem Dorf mit 200 Einwohner, aber etlichen Touristen. Die Preise sind sehr zivil: Für das Stück Kuchen 1 Euro, für ein Glas guten Weißwein 3,50 Euro. Dazu supernetter Service: unbezahlbar!Unterhalb der Bar ist eine Bushaltestelle – aber es fuhr kein Bus. Also Daumen hoch und Glück haben: Zwei Bayern nehmen uns mit von Marciana nach Poggio. Sie wunderten sich über unser Fußwerk: Wandersandalen. Wir Schlenderwanderer hingegen wunderten uns, dass sie mal eben so auf den Monte Capanne gestiegen waren – in etwa zwei Stunden. „Jo mei, 1019 Meter, das ist ja nichts!“ Bayern halt.

Paolina Beach
Paolina Beach

Auf der Rückfahrt von Poggio wollten wir noch den – laut Reiseführer – “überaus einladenden Sandstrand” der Paolina-Bucht kennen lernen. Oben an der Straße verkündet ein Schild, dass die “Bar nachts und tags geöffnet” sei. Wir also etliche Stufen runter, nur um festzustellen: Da ist gar keine Bar. Der Strand ist möhlig mit dem Nordküsten-Tang, ansonsten Steine und Sand gemixt. „Unser Müller“ hatte auf S. 64 ein sehr appetitliches Bild publiziert, das mit der Wirklichkeit leider nicht übereinstimmt. Jedenfalls nicht im September.

[Die Wanderung bei Google Maps | Lage auf der Elba-Karte]

Unsere Haustiere

Morgens um fünf ist die Welt noch in Ordnung. Außer für den Hahn nebenan. Der beginnt dann nämlich sein Tagwerk als Alleinunterhalter. Er kräht nicht nur zum Wecken, sondern den ganzen Tag. Außerdem hat er einen Kumpel nebenan, der immer sofort antwortet, wenn er angekräht wird. Unsereins wäre längst heiser, aber unser Hahn nicht. Er nervt nur. Wir haben spontan drei Tage hintereinander Gerichte mit gallo gegessen, um die Nachfrage nach Schlachtvieh zu erhöhen. Hat aber nicht geholfen. Habe beschlossen, demnächst aufmerksamer alte Literatur zu studieren und einen Caesar De bello Gallo mitzunehmen.

Schmetterling
Schmetterling

 

Morgens um neun erfreut uns die kleine schlanke Eidechse in der letzten Sonnenecke des Belvedere-Tischs. Sie ist flink wie ein Wiesel, hangelt sich manchmal auch am Geländer entlang oder sucht (und findet!) die letzte sonnenbeschienene Ecke eines Steines.

Morgens um elf gibt es Prosecco für alle – also auch für den Riesenschmetterling. Allerdings hatte der nicht mit unserem vergnüglichen Zug gerechnet, so dass er ein wenig mit dem schon fast leeren Glas zu kämpfen hatte.

Napoleon
Napoleon

Abends um neun ist das Essen gerade fertig. Neugierig beäugt werden wir von Napoleon. So haben wir den etwas plumpen Gecko an der Wand zur Terrasse getauft, der uns hier allabendlich seinen Besuch abstattete. Wir fanden Napoleon (und auch den an einigen Tagen anwesenden Kumpel, den wir Bonaparte nannten) sehr nett anzuschauen. Hilfreich waren Napoleon und Bonaparte auch, denn sie fraßen begierig alles, was sie erzüngeln konnten. Und was gefressen wurde, konnte uns nicht stechen oder beißen oder gegen den Kopf platschen.

Wanderung entlang der Küste

Marciana Marina

Zweiter Versuch, eine Wanderung in Marciana Marina zu beginnen – erfolgreich, denn dieses Mal waren die Wolken hinter uns. Die Wanderung parallel zur Küste geht durch einen schattigen Wald – man könnte sie eigentlich ohne Kopfbedeckung angehen, weswegen ich vorsorglich schon mal das Basecap irgendwo zwischen Auto und Anstieg verlor.

Steil geht’s hoch, zumindest für Ungeübte. Aber eben schattig und angenehm. Vor allem: allein. Manchmal schimmert rechts türkisfarbiges Meer durch. Der rote Wanderführer schildert den Streckenverlauf genau, aber eigentlich reichen wegen der guten Schilder vor Ort zwei Merkpunkte: Erst Richtung La Cala, dann nach Sant Andrea. Die Nationalpark-Verwaltung hat rot-weiße Markierungen angebracht und ausreichend Holzschilder installiert.

Bootspause
Bootspause

Erster Zwischenstopp in der Albergo Oleandro kurz vor Sant Andrea, die über eine hervorragende Terrasse verfügt. Es gab sauren Wein, sehr passend (wirklich!) und ein schattiges Plätzchen. Spannend: Vom kleinen Strand Cotoncello geht es über Felsen und künstlich angelegte Treppen und Stege zur Nachbarbucht Sant Andrea. Da ist Hollebolle, wir notieren Handtuch an Handtuch sowie geschäftiges Strandleben mit Bootsverleih und schönen Italienern.

Um den Bus zurück nach Marciana Marina zu bekommen, muss man die Asphaltstraße nach Zancahochlaufen. Oder Glück haben, dass einen auf dem Weg dahin jemand mit nimmt (nein, die Herrschaften hielten nicht an, weil sie uns für hilflose Personen hielten. Die Lockenfrau hatte den Daumen im Wind…).

Torre Pisana
Torre Pisana

Marciana Marina mit dem nicht übersehbaren Torre Pisana ist für mich das schönste Dorf auf Elba. Rausgeputzt, aber nicht überkandidelt, gute Mischung (im September) aus Touristen und Einheimischen. Das alte Fischerviertel Il Cotone ist ein reizvolles Spiel von Farben und Formen – die Stadt hinterlässt einen fröhlichen Eindruck (anders alsPortoferraio, dessen Trutzburgen auf die Stadtstimmung ausstrahlen). In der wirklich netten Enoteca Coltelli saßen wir am Ende des Tages zwar das erste, aber nicht das letzte Mal – weil es guten Wein gab und dazu Snacks, die einem bis zum Abendbrot gut über die Runden halfen.

Im Norden der Insel

Vollmond

Das geplante Ziel des Tages war das Castello del Volterraio. Eine Festung aus dem Jahr 1281, nie eingenommen und lediglich durch Wind und Wetter dem Verfall preisgegeben. Aber es war uns einfach heiß, den Anstieg ließen wir sein. Statt dessen sind wir mit dem Auto um das Castello geschlichen wie die Katze um den heißen Brei, habe es aus allen möglichen Winkeln gesehen und statt dessen viele andere Dinge aus der Nähe gesehen.

Portoferraio
Portoferraio
Zum Beispiel San Giovanni. Ein kleines Dorf mit Hafen und nicht wirklich von Touristen überlaufen. Da es genau gegenüber von Portoferraio liegt, gibt es eine wunderbare Aussicht auf die Inselhauptstadt, inklusive dem regen Fährverkehr. Zwei empfehlenswerte Restaurants sahen wir bei unsrem Bummel, von denen das mit dem abschreckenderen Namen den besseren Eindruck hinterließ: Pizzeria 2001. Probiert haben wir beide nicht – dazu war’s zu früh.
La Chiusa
La Chiusa
Das Weingut La Chiusa passierten wir zweimal: Um die Mittagszeit macht es dem Namen alle Ehre und war verschlossen, am Abend auf dem Rückweg jedoch stand das Tor offen. La Chiusa ist 20 Hektar groß (13,5 davon Weinanbau) – aber wüsste man es nicht, führe man dran vorbei, denn „die Eingeschlossene“ verbirgt sich geschickt hinter Mauern. Ist man drinnen, genießt man die Schönheit des alten toskanischen Landsitzes. Wer außer uns war noch zweimal hier? Napoleon! Nach seiner Ankunft am 3. Mai 1814 im eigens geschaffenen Fürstentum Elba, um auf die Fertigstellung des Wohnsitzes in Portoferraio zu warten – und später noch einmal, weil es dort so schön war. Sehr passend, denn Napoleon förderte in dem knapp dreiviertel Jahr seines Aufenthalts auf Elba unter anderem den Weinbau!
La Chiusa
La Chiusa
Das große Tor zum Weingut öffnet sich täglich für Stunden: Direktverkauf heißt das Zauberwort, mit dem man hineinkommt. Eine lange Olivenbaum-Allee führt vom Eingang zum Anwesen, das direkt am Meer liegt. Man sieht von hier aus den kleinen Hafen von Magazzini (aber, wenn man es nicht weiß, erkennt man vom Hafen und der Küstenlinie aus nicht La Chiusa!). Alles ist sehr adrett und gepflegt, die Weinstöcke stehen bei unserem Besuch kurz vor der Ernte und sind unten rum, wo die Trauben hängen, rasiert. Pardon: Entlaubt. Ein Trecker bringt einen Hänger voller Kisten mit Trauben, die Erntehelfer sind hier (wie auch anderswo in der Toskana) Afrikaner. Die, die wir sahen, waren immer gut drauf, grüßten freundlich-lachend…
La Chiusa
La Chiusa
Wir probierten: Weißwein (Procanico und Sauvignon blanc): fruchtig frisch, im Edelstahlbehälter gegoren. Mit 8 Euro die Flasche auf jeden Fall den Preis wert! Rosato (Sangiovese), nach leichter Pressung mit zarter rosa Farbe. Erschien mir zu alkoholisch und nicht so sommerlich-leicht wie erwartet. Kann aber auch an der Sangiovese-Traube liegen, die im Ernstfall immer etwas kratzbürstig daherkommt. Es gibt zwei Rote, einen nur aus der Sangiovese, den anderen mit Sangiovese und Merlot. Auch die Roten sind im Edelstahlbehälter ausgebaut.
Magazzini
Magazzini
Zu Magazzini selbst gibt es nicht viel zu sagen: Ein netter Hafen mit Restaurant direkt an der Bucht, viele Segelboote, eine klassisch-schöne Sicht über die Bucht auf die Hauptstadt Portoferraio. Eine Statue Ai Marinai Elbani zeigt einen Seemann, der von einer Säule aufs Meer schaut. Seit 1955 macht er das mit stoischer Ruhe und stillem Vergnügen. Wir haben es etwa zehn Minuten versucht und können es dem alten Herrn auf dem Sockel nicht verdenken – im Gegenteil: Neid kam auf! Was bietet Magazzini sonst noch? Zwei Hotels (eins links, eins rechts neben La Chiusa) mit Bademöglichkeit. Das wars: das dolce far niente könnte hier erfunden sein!
Bagnaia
Bagnaia
Nächster Halt: Bagnaia. Früher fing man hier Fische, heute nur noch Touristen. Unser Reiseführer empfahl die Bucht als „für Badefreunde sicher den einladendsten Ort“ der Gegend, aber uns erschien der Strand zu kieselig. Dafür gab es ein kleines feines Restaurant: im „La Palme“ tranken wir einen feinen Rosé aus Elba, Wasser aus der Napoleon-Quelle und aßen Pulpo-Salat und Muscheln, die im würzigen Sud gegart waren.
Nisporto
Nisporto
Oberhalb von Bagnaia führt eine kleine Straße nach Nisporto, die unser Navigationsprogramm zwar verzeichnet hat, aber für routing-unfähig erachtet. Selbst schuld, wer sich auf Navis verlässt, denn der Weg lohnt sich: Er führt immer die Küste entlang und bietet permanent spannende Aussichten auf die Insel und die Bucht von Portoferraio. Auto ist zwar nur die zweitbeste Wahl für so einen Weg, aber die überholten Wandersleut’ machten angesichts der Tatsache, dass es sich um eine nahezu schattenfrei Straße handelt, auch keinen superglücklichen Eindurck. Nisport selbst ist: Die Badebucht. Das war’s dann auch schon.
Rio nell'Elba
Rio nell’Elba

Rio nell’Elba im Landesinnern hatte früher fünfmal soviel Einwohner wie heute (jetzt sind es knapp tausend). Eisenerz machte den Ort seinerzeit attraktiv, jetzt ist er für Touristen angenehm zu erlaufen. Das Bergdorf mit mittelalterlichem Kern ist für Autos gesperrt, aber für Einheimische offen: Wir erleben großes Palaver an der Piazza de Popolo. Die Kirche Santi Giacomo e Quirico, auch an der Piazza gelegen, wartet mit einer Renaissancefassade und barocken Stilelementen innen auf. Und vor dem La Cipolla, in dem wir einen Espresso nehmen, plätschert ein gusseiserner Brunnen munter vor sich hin…

[Lage auf der Elba-Karte]

Fischtopf überm Meer

Delfino Verde

Die Vorspeise und ein Dessert machen zwei Personen im Ristorante Delfino Verde mehr als satt

Cacciucco ist eine Spezialität auf Elba – es ist ein Fischeintopf, der manchmal sinnigerweise als Vorspeise deklariert wird, aber zwei normal hungrige Leute rundum pappsatt macht. Angeblich sollen in dieser Suppe mindestens fünf verschiedene Meeresgetiere enthalten sein – weil fünf C im Namen vorkommen. Naja. Unumstritten ist allerdings, dass Caccuccio aus Livorno kommt, was ja nicht so weit von Elba entfernt ist.Aber vor dem Fischeintopf kamen wir nicht um etwas Antipasto nach Art des Hauses herum – auch Fisch, natürlich und (geteilt: eine Protion für zwei) ein feiner Appetitmacher. Dazu tranken wir Wasser von der Fonte Napoleone - ein heimisches Wasser, das in der Nähe von Poggio im Norden der Insel recht unspektakulär aus dem Felsen dröppelt, und als Wein einen Ansonica vom Weingut Aquabona. Felsen wie Weingut besuchten wir dann später während des Aufenthalts, weil beides (Wasser und Wein) uns gut gefielen.

So freundlich wie die gemischte Vorspeise mit Fisch und Muscheln uns auch einstimmte: eins passte nicht. Und das war die Bedienung. Unsere Kellnerin war eine hübsche Jungsche mit mehr stolz zur Schau gestellter Brust als Charme. Aber trotz ihres genervten Gehabes überlebten wir den Abend, weil zwischendurch immer mal jemand anderes aus der freundlichen Ecke an den Tisch kam. Und vor allem, weil uns alsbald unser Hauptgang erreichte, das Cacciucco. Wir haben den üppig mit Fisch gefüllten Topf nicht seziert, aber allein der dominante Nasello (Seehecht), die Gambas und Miesmuscheln waren ein Geschmackswunder, und mit dem typischerweise dazu gereichten Brot zum Tunken ließen sich auch die letzten Tropfen des Suds aufbrauchen. Mit 22 Euro, das nur nebenbei, ist das für zwei Leute ein nicht überteuertes Essen!

Und dann ist man satt, weil’s so üppig war. Aber wer kann schon einem hausgemachten Tiramisu widerstehen? Wir nicht…

Ristorante Delfino Verde 
Da Paride – Sul Mare
57036 Porto Azzurro
Tel. 0565 95197

[Lage]

Porto Azzurro

Porto Azzurro - Abendhafen

Hat jemand gesagt, Porto Azzurro sei der schönste Ort auf Elba? Nein, ist er nicht. Reizvoll ist er, in der Tat – aber für mich nur der zweitschönste Ort! Er hat Charme, richtig. Aber Touristen prägen das Bild, an der ungemütlich großen Piazza Matteotti reiht sich Restaurant an Restaurant. Natürlich gibt es etwas abseits auch eine Vinothek, an der wir dreimal vorbeischleichen, bis sie endlich aus der Siesta erwacht. Der Inhaber der Enoteca I Sapori del Sole wirkt erst etwas grummelig, taut dann aber auf. Er empfiehlt einen Weißwein, den wir für gut befinden und von dem wir dann auch gleich für den Hausgebrauch noch etwas mitnehmen: Ansonica von der Azienda Agricola Sapereta. Die liegt gleich vor den Toren der Stadt, kann besichtigt und beweinprobt werden, was uns aber nicht vergönnt war: Als wir aufschlugen, war Siesta…

Enoteca
Enoteca
Das war sicher Pech für uns, denn im Familienbetrieb baut man auf ca 13 Hektar Weine nach ökologischen Kriterien an. Das allein ist natürlich kein Garant für Qualität, aber dass uns der Ansonica schmeckte, hatten wir ja schon in der Vinothek festgestellt. Einige andere Weine des Weinguts haben wir unterwegs auf der Insel auch probieren können, enttäuscht wurden wir nie. Also ist die Adresse vorgemerkt – zumal man dort auch wohnen kann: ein typischer Agriturismo-Betrieb mit offensichtlich qualitätsbewussten und ökologisch handelnden Menschen.
Porto Azzurro
Porto Azzurro
Die Altstadt von Porto Azzurro lässt sich wunderbar durchlaufen – sie ist (weitgehend) autofrei. Es lohnt sich, die Treppen hinauf zu gehen und hinab zu steigen, da es immer wieder überraschende Dächer-Bilder gibt, und die zweite Attraktion der Stadt sieht man natürlich auch von oben: den Hafen. Dort landet man über kurz oder lang sowieso! Er ist von der Sorte, die in Reiseführern gerne als pittoresk beschrieben wird. Will heißen: Vor der Kulisse bunter Häuser mit Bergen im Hintergrund dümpeln dort Kutter und Yachten vor sich hin, aber keine Fähren. Ein Fährhafen ist nie pittoresk, sondern immer belebt, quirlig oder so etwas. Wir lieben die anderen, beschaulicheren mit Spiegelungen der Taue und Bootskiele im Wasser mehr!
Porto Azzurro
Porto Azzurro

Eine Besonderheit des Hafens von Porto Azzurro sind zwei Pfahlbauten, die ins Wasser ragen und unschwer als Restaurants auszumachen sind. Das eine versucht etwas bemüht die Form eines Schiffes zu kopieren, obwohl man doch schnell kapiert, dass das nicht echt ist. Unser Reiseführer empfahl zwar das schiffsförmige “La Caravella” als Alternative zum “Paride – El Delfino Verde“, aber wir bevorzugten das nur geringfügig teuere Original…

[Lage]