Von der Spiaggia di Reale zum Monte Arco

Porto Azzurro

Wer die sicherlich spannende Festung San Giacomo di Longone oberhalb von Porto Azzurro einmal so richtig kennen lernen möchte, wird nie mein Freud sein. Denn das ist ein Knast, und wenn schon Freunde in Italien, dann auch frei herum laufende, bitte! Wir haben also diesen “öffentlich nicht zugänglichen Ort” (Wikipedia) gemieden wie der Teufel das Weihwasser und sind morgens gleich mal ganz durchgefahren durch den Ort. Aber nicht, weil er uns auch ansonsten gar schröcklich vorkömme, sondern weil wir den Monte Arco erklimmen wollten – und der liegt ein wenig nördlich.

Laghetto di Terranera
Laghetto di Terranera
Also starten wir an der Spiaggia di Reale, einem eher mittelprächtig schönen Strand – aber mit der Möglichkeit, sein Auto kostenlos abzustellen! Der Weg führt zuerst an einem Stück Geschichte vorbei: Die aufgelassene Erzmine Miniera Terra Nera hat ihre Spuren hinterlassen. Erst ganz banal, weil man die alte (mittlerweile eingezäunte) Bergwerksgrube sieht, dann schon etwas handfester, wenn die ehemaligen Verladeeinrichtungen sichtbar werden. Da sie unübersehbar sind, ist das Auge präpariert für mehr: Schwarzer Sand! Schwarze Steine! Rote Felsen! Und, nach wenigen Metern: Grünes Wasser! Wie das? Das macht der Schwefel, am Boden des nur durch eine schmale Landzunge vom Meer getrennten Sees. Menschen dürfen da nicht mehr rein, obwohl das grüne Wasser angeblich der Haut schmeichelt. Aber die Enten kümmern sich nicht um den Zaun und schwimmen mit Babypopohaut genüsslich übern See.
Spiaggia Terranera
Spiaggia Terranera
Eisenerze waren jahrhundertelang das ganz große Ding auf Elba – Tourismus gab es damals eh noch nicht, da musste man so rein industriemäßig ja nicht viel Rücksicht nehmen. Über 150 Mineralien gibt’s auf Elba – die Insel ist im Wortsinn steinreich. Von den Etruskern über Napoleon bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lebte die Insel von diesem Reichtum. Nun aber hat man die Seiten gewechselt: Die Klunker hängen am Hals der Touristen, das ist doch mal eine saubere Industrie!
Panorama Porto Azzuro bis Cavo
Panorama Porto Azzuro bis Cavo
Wir lassen den Bergbau hinter uns und laufen hoch – schattenfrei und Spaß dabei, vor allem bei einem kleinen Stück, das über eine Brandschneise etwas unangenehm bergan (und später auf dem Rückweg fast noch unangenehmer rutschend bergab) führt. Ansonsten sind die Blicke rundum der Lohn aller Aufstiegsmühen: Landeinwärts nördlich liegt in der Ferne Rio nell’Elba, im Norden schweift der Blick über Cavo hinüber aufs Festland. Und der Blick zurück ganz ohne Zorn auf Porto Azzurro hat’s auch in sich.
Spiaggia Terranera
Spiaggia Terranera

Ansonsten ist das, mit Ausnahme des erwähnten Hangs ohne Weg, eine Genusswanderung: Zu sehen gibt es immer was, wenn auch auf dem Hinweg meist nur Bäume und Sträucher. Allerdings geben die sich alle Mühe, die Farbe grün zu deklinieren; sie wirken für die Jahreszeit erfreulich frisch. Den Gegenpol bildet auf dem Rückweg das Wasser, das rund um Porto Azzurro selbstverständlich sein allerfeinstes Blau dem Auge des Betrachters entgegenfunkelt. Im Gegenlicht der Nachmittagssonne glitzert es nahezu kitschig, und wenn jetzt noch ein Segelbooot… (na klar kam eins!) Angesichts dieser wirklich sehr unterschiedlichen Aussichten mussten wir wieder einmal feststellen, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wenn der Hinweg der gleiche ist wie der Rückweg: Komplett andere Aussichten gaukeln dem Wander (und natürlich auch der Wanderin, gar keine Frage!) vor, dass er (oder sie) hier Neuland betritt. Ist doch prima eingerichtet von der Natur!

[Lage mit GPS Daten der Wanderung]

Von Marina di Campo zum Capo di Poro

Strand

Eigentlich hatten wir die “schönste Küstenwanderung überhaupt” (Reiseführerpoesie) geplant, aber Marcina Marina hüllte sich bei unserer Ankunft in Wolken. Bei Inseln mit nem Berg in der Mitte hilft da oft die Flucht ans andere Ende! Und richtig: Marina di Campo bot Sonne und Stratocumuli vom Feinsten. Was macht es da, dass Marina di Campo die älteste und größte Touristenstadt der Insel ist, man also mit dem Schlimmsten rechnen muss? Nicht ohne Grund, natürlich: 1.400 Meter feiner Sandstrand! Und die auch noch durch die Berge im Hinterland vor Winden geschützt! Also: Vergleichsweise viele Menschen – zumindest im August, wenn alle Urlaub machen. Im September verteilten sich die Touris freilich ganz gut auf den fast eineinhalb Kilometern Sand…

Bucht Marina di Campo
Bucht Marina di Campo
Auf uns musste der Strand verzichten, denn wir wollten die kleine Wanderung zum Leuchtturm Capo di Poro machen und auf dem Rückweg einen Badestopp am Spiaggia di Galenzana einlegen. Im Prinzip ist das ein Schlenderspaziergang von Turm zu Turm: beginnend am Torre della Marina im alten Hafen geht es vielsagend dieVia Bellavista bergan: Ein schmaler Treppenweg, der alsbald feinste Blicke zurück auf Hafen und Bucht von Marina di Campo eröffnet. Der (akzeptabel ausgeschilderte) Weg verläuft zuerst parallel zur Küstenlinie, mit entsprechenden Panoramablicken.
Leuchtturm
Leuchtturm
Anschließend geht’s durch den Wald, wobei der Weg manchmal steinig und wurzelig ist – dafür aber schattig. Aufwärts immer, abwärts nimmer ist das Motto hier – und obwohl der Leuchtturm am Kap Poro nur auf 152 Metern Höhe liegt, sind es gefühlte 300 Meter. Mindestens! Warum sich das so übel anfühlte? Weil die Wanderung eine nicht gepante nachmittägliche Vorbereitung auf den abendlichen Besuch im SM-Club war! Denn man wird schon mal ordentlich ausgepeitscht und blutig gekratzt von den Büschen der Macchia. Ich denke so vor mich hin: “Was aber, wenn man abends gar nicht in den SM-Club will, erstens sowieso nicht und zweitens mit den zerschundenen Knien und Armen?” – komme aber nicht zur Antwort, denn plötzlich hört die Schinderei auf und der Leuchtturm taucht auf: Rast!
Ausblick
Ausblick
Von hier oben hat man eine hervorragende Aussicht. Irgendwo ganz hinten lugt eine Insel aus dem Wasser, weiter vorne – viel weiter vorne! – fahren Ausflugsschiffe vorbei. Direkt unterhalb des Leuchtturms sind Reste von – ja von was eigentlich? Ich habe nirgendwo etwas dazu gefunden. Aber sicher sind diese Ausbuchtungen keine hängenden Gärten, denn Semiramis war nie auf Elba. Also wahrscheinlich ein Ausguck für Kanonen, um dem Feind kein freundliches Hallo entgegenzudonnern.
Spiaggia di Galenzana
Spiaggia di Galenzana
Am Leuchtturm enden die Wanderwege, weswegen es den gleichen Weg zurückgeht – beinahe. Denn da ist ja noch die Badebucht Spiaggia di Galenzana, die man von oben kaum sieht und die auf einer Sammelseite über Strände auf Elba unter “wenig frequentiert” geführt wird. Der Hauptgrund dürfte sein, dass man nicht einfach da ist, sondern erst ein wenig laufen muss. Der Lohn: Ein schöner Sandstrand, windgeschützt, mit Nachmittagssonne und klarem Wasser. Eine kleine Bewachungsstation gibt’s auch – als wir kamen, hing die Piratenflagge, was immer das heißt. Gebadet wurde aber!
Kapelle
Kapelle

Auf dem Weg zum Strand (oder zurück, natürlich: es gibt nur den einen!) steht eine kleine Kapelle. Beim Hinweg stolperten wir von oben über einen kleinen steilen Weg auf sie zu, und da sah die Kapelle gar nicht gut aus. Sie machte einen eher unscheinbaren Zustand, mit Steinen auf dem Dach und mitgenommenen Außenwänden. Innen steht’s nicht viel besser, es ist ein skurilles Bild mit fröhlich Heiligenbildern zugestelltem Altar unter nicht bedeutender Kunst. Unten die Wand ist moosgrün, einige besonders lustige Zeitgenossen haben sich mit sinnlosen Sprüchen verewigt.

[Lage mit GPS-Wanderweg]

Von Stränden und Sonnenuntergängen

Spiaggia dei Prunini

Sonntags sind die Italiener an einem der gefühlt 5398 Strände der Insel. Einer davon heißt Spiaggia dei Prunini und liegt direkt vor unserem Ferienhaus, nur 58 Schritte plus 112 Stufen weiter unten. Der Strand ist knapp 200 Meter lang, es gibt mehr Kiesel als Sand. Trubel gibt es keinen hier, aber Algen. Auf Bildern in Broschüren und im Netz kommen die nicht vor, da sieht man einen schönen klaren Strand – dass der aus kleinen Steinen besteht, vermag man aus der Ferne ja nicht unbedingt zu erkennen. Das Wasser ist klar, und wenn die Sonne scheint, glitzert es in allerfeinsten Türkistönen.

Paolina Beach
Paolina Beach

Derlei verlorene Buchten haben wir an der Nordküste einige gefunden. Mag sein, dass sie in der Saison gepflegter aussehen, mag sein, dass eine besondere Wetterlage sie derart zugealgt hat. Aber schön waren sie nicht, jedenfalls nicht halb – ach was: zehntel! – so fein wie auf den Bildern in den einschlägigen Buchtenführern beschrieben. Der Brüller schlechthin war die Paolina-Bucht. Sowohl der Reiseführer wie auch das Schild an der Straße verhießen “Bar nachts und tags geöffnet” – und wir gingen runter und fanden rein gar nichts! Außer einem möhligen Strand mit Nordküsten-Tang an einem Mix aus Steinen und Sand.

Spiaggia Biodola
Spiaggia Biodola

Aber es gibt auch richtig tolle Badestrände! Nicht weit entfernt von Portoferraio liegt der Strand von Biodola (aber was ist schon weit auf Elba? Nichts!). Er gilt als einer der schönsten Strände an der Nordküste – und zwar zu Recht. Eine Stichstraße führt herab von der Hauptverbindung entlang der Nordküste, geparkt wird – wie in Italien üblich – an der Straße. Wir finden eine Lücke und werden von einem Schwarm vorbeirauschender Biker beglückt. Die haben’s gut und knattern so nah es möglich ist runter Richtung Strand. Sie kommen etwas später, während wir durch den Sand stapfen und unseren Platz suchen, uns entgegen, aber es ist Platz genug für alle in der großen Bucht von Biodola.

Strandbar
Strandbar

Der Trupp ist erstens gut drauf und zweitens gut organisiert mit einheitlichen Handtüchern (inklusive Aufdruck “Vespa Lambro Scooter Tour 2010″) und bester Mittagsverpflegung: Brot, Wein aus der 10-Liter-Box, Käse vom Stück, Mortadella pur, Wasser und Früchte. Und zum Schluss massig Nutella! Ein bissel neidisch konnte man da schon werden, und wäre nicht die Strandbar des Hotels Hermitage gewesen, die uns mit einem kleinen Erfrischungsgetränk bei Laune halten konnte, hätte der Tag eine traurige Wendung nehmen können. Aber so blieb alles bestens!

Biker am Strand
Biker am Strand

Ein Strand(vor)mittag ist auch ein Beobachtungstag. Immer wieder nett – und nun wird’s politisch total unkorrekt! – sind die beliebten schwarzen Männer, die “Mache gutt Preis!” rufend die Gäste abklappern. Wir hatten, in dieser Reihenfolge, einen Buchneger, einen Korbneger, einen Kleiderneger und einen Handtuchneger. Aber am erfolgreichsten war der Schmuck-Inder! Er konnte bei unseren Freunden, den Bikern, quasi als Dessert punkten. Erst scharten sich die Damen, dann nahezu der ganze Vespa Lambro Scooter Clan um ihn – und Macheguttpreis konnte etliche echt günstige Schmuckstücke verkaufen.

Anschließend wateten die keineswegs knackig jungen Mädels ins Wasser, bis es ihnen die Knie umspielte. Sie stellten sich im Kreis auf und sangen ein Kinderlied! Ach ja, die wahren Freunden des Alltags können so einfach sein!

Ristorante L'Ostrica
Ristorante L’Ostrica

Gleich nebenan, aber mit dem Auto doch nur über den Umweg hoch zur Hauptstaße und wieder runter in die andere Bucht zu erreichen ist Forno. Hier ist quasi nichts los, es gibt nur eine Handvoll Häuser – aber dafür einen schönen kleinen Strand und, seit 1953 bereits, das Restaurant L’Ostrica. Das liegt sozusagen in der ersten Etage am Wasser, verfügt über eine bezaubernde Terrasse und eine sich gut lesende fischlastige kleine Karte. Probiert haben wir’s nicht, aber vorgemerkt für den nächsten Besuch!

Sonnenuntergang Forno
Sonnenuntergang Forno

Die Sonne scheint lange in die Bucht und geht (zumindest im September) nicht ganz korrekt für Fotografen unter: Sie lässt sich am gegenüberliegenden Ende der Bucht bei Biodola hinter die Berge von Elba fallen statt tapfer rot gleißend im Meer zu versinken. Wir haben’s verwunden und uns anderntags an eine andere Stelle begeben: Im Prinzip nur ein Katzensprung nördlich von Forno, aber dank eines Felsvorsprungs ohne direkte Wegeverbindung. Die direkte Verbindung ist also für Autofahrer im großen Bogen über Portoferraio ein wenig unbequem!

Vitticio
Vitticio

Wir aber kamen ja von unserer Ferienwohnung und mussten nur ein wenig Richtung Kap Enfola fahren. Vitticio ist ein kleiner Ort, aber mit Hotel und Restaurant sowie erst einmal freiem Blick übers Wasser Richtung Sonne. Extrem romantisch ist es dort, aber die Sonne verschwindet auch hier hinter einer Insel statt ins Meer zu dümpeln. Napoleon allerdings hätte daran aber sicher seine Freude gehabt, denn Korsika lässt grüßen!

[Lage]

Die italienische Sprache

Lernen mit Vino Santo

Italienisch ist ganz einfach, denn die Nachfahren der alten Römer haben sich viele Worte aus dem Deutschen besorgt. Spaghetti beispielsweise oder Pizza. Bei manchen haben sie allerdings die Bedeutung gewandelt, zum Beispiel bei „Miele“. Das ist bei uns ja quasi das Synonym für eine Waschmaschine. Die Italiener haben daraus nur den Schleudergang genommen und sind vom Schleudern auf Honig gekommen, weswegen auf den Gläsern nun Miele steht.

Lernen mit Vino Santo
Lernen mit Vino Santo

Ein ganz besonderes Kapitel ist das der Aussprache. Nehmen wir das WortPesche. Wer das so ausspricht wie es sich im Deutschen gehört, wird nie einen Pfirsich kriegen, sondern einen Fisch. Der schreibt sich aber Pesce – und wer nun fragt warum?, der lernt gleich perche, was sich pär-keh spricht. Ach ja, der Pfirsich: Mit Pes-ke kommt man ans Ziel. Die Italiener sind in der Regel aber geduldig, und viele können besser deutsch als ihre Besucher italienisch. Wer also in der Fischhandlung einen Päske schpada verlangt, bekommt selbstverständlich keinen Schwertpfirsich ausgehändigt, sondern nach kurzer Nachfrage „Swertefiss?“ eben jenen.

Lernen mit Vino Santo
Lernen mit Vino Santo

Und was ist mit dem Wein, den sie in Deutschland manchmal als Tschanti oder auch Tschianti bestellen? Das ist in Ordnung so – denn einen ordentlichen Chianti, den man dann auch als Kianti bestellt, bekommt man in den Tschantiläden eh nicht.

Pasta gibt es übrigens den ganzen Tag. Wer Morgens pasta bestellt, bekommt ein Hörnchen oder sonstwas, gerne gefüllt mit Marmelade oder Schokolade. Später dann sind es Nudeln in allen Variationen…

Portoferraio

Portoferraio Hafen

Geschichtsträchtig und schön anzuschaun ist Portoferraio, wenn man erst einmal den Fährhafen verlassen hat. Cosima Medici hat die Stadt quasi aus dem Boden stampfen lassen, seitdem hat sich im centro storico nicht viel am look-and-feelgeändert. Die cittá ist im historischen Zentrum autofrei, erschließt sich über Treppen und verwinkelte Gassen. Angeblich muss man Napoleons Unterkunft gesehen haben, aber die 7 Euro blieben uns erspart, weil wir an einem Sonntag da waren und das Museum geschlossen hatte. Geöffnet hatte hingegen, obwohl es weder Mittag noch Abend im Sinne von Restaurants war, die Osteria Pepenero, und es war gar kein Problem, lediglich zwei Glas Wein zu bekommen. Erfrischend kühler, frischer Weißwein, dazu eine Flasche Mineralwasser: Zehn Euro (und ein eigener Beitrag).

Wochenmarkt
Wochenmarkt

Freitags ist Markt in der Stadt, beziehungsweise besser Station eines Wanderzirkusses, der über die Insel zieht und täglich woanders seine Stände aufschlägt. Die Mischung ist bunt, mit hohem Anteil an Schuhen und Kleidern. Alles echt Leder, alles echt Leinen, alles für eine Hand voll Euro – echt. Wenig Gemüse lokaler Bäuerlein und dann und wann Stände mit Käse und Olivenöl lockern den Markt auf, der zwar einen Spaziergang lohnt, aber mehr auch nicht.

Treppab
Treppab

Portoferraio zu Fuß zu durchstreifen macht Spaß. Es geht bergauf, bergab zwischen den beiden Festungen Forte Falcone und Forte Stella. Etliche Treppenwege und einige befahrbare Straßen führen bergan. Immer wieder ergeben sich spannende Blicke über die Dächer in den Hafen auf die Berge am anderen Ende der Bucht. Manchmal hängen die Wolken tief über der Stadt – Elba gibt sich dann grau in grau, was den Fotografen die Motive ein wenig verleidet, den vielen Ecken des centro storico allerdings ihren Charme nicht nimmt.

Yachthafen
Yachthafen

Im Hafen dümpeln kleine bunte Boote vor sich hin. Ein älterer Mann macht sich an den Tauen zu schaffen: Er bringt sie alle auf die gleiche Länge, so dass die Boote pittoresk exakt ausgerichtet vor dem Kai liegen. Am anderen Ende des großen Hafengevierts legen gerne auch bedeutendere Yachten an, Hingucker sind sie auf jeden Fall. Manchmal bringen sie Tagestouristen, die dann in die nahen Shops strömen und sich diesen nicht wirklich repräsentativen Teil Elbas ansehen. Was nicht direkt an der Straße rund ums Hafenbecken liegt, macht durch Schilder auf sich aufmerksam, zum Beispiel die Enoteca della Fortezza. Sie war uns auch von einem Weingutsbesitzer empfohlen, sie bietet Weinproben mit Snacks an – und sie gehört der Slow Food Bewegung an: Da wollten wir hin! Wir waren auch da, sogar zwei Mal. Aber beide Male hatte sie während der ausgewiesene Öffnungszeit geschlossen. Schade eigentlich!

Italo Bolano
Italo Bolano

Am Hafen bei den Fischerbooten steht relativ unvermittelt Kunst von Italo Bolano. Der Künstler ist hier in der Stadt geboren, etwas südlich von Portoferraio gibt es seit 1965 eine Mischung aus Atelier/Werkstatt und Open-Air-Museum – leider war während unseres Besuchs auf Elba im September dort die Saison schon vorüber. Aber wenn man die Augen auf hat, ist ganz Elba so eine Art Bolano-Open-Air: Werke von ihm haben wir in Capoliveri und Marciana Marina gesehen, es gibt sie aber auch in den anderen Orten.

[Lage]

Osteria Pepenero

Pepenero Osteria

Die Osteria Pepenero hat den Vorteil, nicht an touristisch exponierter Stelle zu liegen. Kein Blick auf den Hafen, keiner auf eine belebte Piazza. Die sechs Tische draußen auf der Straße halbieren die eh schon enge Via dell’Amore, vom fahrbaren Rest der Gasse trennten uns kleine Balkonkästen mit Gottesaugen. Die wenigen Autos, die vorbei kamen, waren Kleinwagen mit Kratzern an den Kotflügeln und den Spiegeln.

Wir waren zwei Mal dort: Einmal nur für ein Glas Wein nach dem Stadtspaziergang – obwohl das zur Unzeit (nach drei am Nachmittag) erbeten wurde und ohne Essenswunsch, brachte uns der Chef problemlos einen feinen kühlen Weißwein. Keine Frage: Da mussten wir noch einmal hin – dieses Mal zur Mittagszeit.

Antipasto misto di Mare (10 Euro) wurden nett arrangiert auf einem bunten Keramikteller serviert. Zweierlei Sorten Muscheln, zwei Salate vom Tintenfisch, eine Scheibe roher marinierter Thunfisch: Ein erfrischender Start! Von den Primi wählten wir Linguine nere agli scampi fresci und waren nicht enttäuscht, dass die schwarzen Nudeln mit Gamba statt mit Scampi serviert wurden. Tagliata di tonno fresco von den Secondi waren Scheiben von Thunfisch, die nur kurz auf dem sehr heißen Grill außen knusprig gebraten und innen wunderbar roh waren. Ein wenig Zitrone und frisch gemahlener Pfeffer drüber – und fertig!

Geht da noch ein Dessert? Nun ja, wenn es Cantucci mit dem Inselsüßwein Aleatico gibt…

Pepenero Osteria
Via dell’Amore, 48
57037 Portoferraio

Tel. 0565 / 916240

[Lage]

Was Altmockritz und Elba gemeinsam haben…

Portoferraio

Okay, Napoleon war da. Aber war er nicht auch in Altmockritz, Görlitz oder Moskau? Ja, schon: Aber hier, auf Elba, konnte der kleine Korse seine Heimat sehen. Zumindest bei guter Sicht und vom richtigen Standpunkt aus. Was Napoleon und uns, die wir auch schon in Moskau, Görlitz und Altmockritz waren, von Napoleon unter anderem Unterschied: Er lebte dort zehn Monate im Exil, wir waren 2010 im September nur 14 urlaubende Tage dort. Wäre der kleine Kaiser übrigens bei seinen Zehntausend Untertanen auf der Insel geblieben und hätte sich am 26. Februar 1815 nicht wieder von hinnen gemacht, wäre ihm sein Waterloo erspart geblieben.

Moby Lally
Moby Lally
Die Seereise zur drittgrößten italienischen Insel (nach Sizilien und Sardinien) beginnt in Piombino mit seinem eher hässlichen Fährhafen – aber das ist ja nichts Außergewöhnliches. Toremar will knapp 150 Euro für die Hin- und Rückfahrt, Moby fährt früher los und verlangt etwas über hundert. Außerdem haben sie die lustigeren Schiffe – da fällt die Entscheidung leicht. Die Überfahrt ist kurz und schmerzlos: Wenig Wind, mittelmeerblaues Mittelmeer, milde Spätnachmittagsonne – genau so, wie man sich das als Touri bestellt.
I am Sailing...
I am Sailing…

Elba, nur zehn Kilometer vom Festland entfernt, nähert sich im Gegenlicht. Erst bei der Einfahrt in den Hafen von Portoferraio wird der Vorhang aufgezogen: Sonne im Rücken, des Fotografen Entzücken! Die Kulisse mit Festungsbauten, pastellfarbigen Häusern, Schiffen und Leuchtturm mit Bergen im Hintergrund stimmt hoffnungsfroh: Ein schöner Ort!Auf Elba im Supermarkt ist das Kleingeld alle für den Einkaufswagen. Als wir an der Kasse wechseln wollen, gibt uns die Kassiererin 50 Cent und sagt: Wir sollten sie beim Bezahlen einfach zurückgeben! Es gibt zwei große Supermärkte im Ort: Coop und Conad. Gut vorbereitet wie wir sind hatten wir uns belesen und die Reiseführerpoesie bewundert: Der eine soll bis 20.30 Uhr geöffnet haben und der andere “sogar bis 20.30 Uhr”. Finde den Fehler! Genau, richtig wäre gewesen: Der andere hat sogar bis 21 Uhr geöffnet, auch sonntags… Die Versorgung ist gesichert: Fisch, Fleisch, Backwaren, Gemüse bieten beide in hervorragender Qualität an. Inselweine natürlich auch, aber gute Weine von der Insel sind nicht preiswert, aber in der Regel ihren Preis wert.