Dritter Spaziergang: Kunst und Genuss

Palazzo Davanzati

In Florenz (8)

Wer nur für kurze Zeit in Florenz ist, kommt um eine strenge Auswahl nicht herum: Sie haben einfach zu viel Kunst und Sehenswertes da (gleiches gilt übrigens für gute Restaurants – die Qual der Wahl). Für die Museen konnten wir das Problem mit einer Marathon-Tour lösen: Wir hatten mit Claudia eine sehr fachkundige Führerin und ein “Familienticket” zum Gratisbesuch der wichtigsten Museen – sehr vorteilhaft, weil man da nicht so ein schlechtes Gewissen hat, wenn es nach einer halben Stunde wieder raus geht und ab zur nächsten Station.

Caffé le Logge
Caffé le Logge

Wir begannen den Tag mit einem Caffé. Das Caffé le Logge schräg gegenüber und zwischen der Loggia del Mercato Nuovo und dem Palazzo Davanzati, unserem ersten Ziel. Im Caffé geht es, was die Bedienung anbelangt, gediegen zu: Man trägt dunklen Anzug und Krawatte. In der Theke belegte Brötchen und Gebäck, die übliche italienische Mischung. Vor der Theke: Auch die übliche italienische Mischung, die aus Menschen in feinem Zwirn, sportlich-leger gekleideten Touristen und Arbeitern in Sicherheitswesten besteht – sehr schön. Und bei den günstigen Preisen, die man a banco für seinen Espresso zahlt, ist dieses Vergnügen eins, was man sich mehrfach am Tag gönnt.

Loggia del Mercato Nuovo
Loggia del Mercato Nuovo

Die Loggia haben wir uns nur von außen angesehen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts als Marktplatz für Seide und Luxusgüter sowie die berühmten Strohhüte gebaut, gibt es dort heute mehr touristischen Tand und Lederwaren. Ein Brunnen mit einem bronzenen Schweinderl (Fontana del Porcellino) lockt die Touristen an. Es soll Glück bringen, wenn man an der Schnauze des Ferkels rubbelt, was diese schön blank macht. Wer’s braucht… Wir nicht, weswegen wir uns lediglich an den schönen Bögen der offenen Konstruktion erfreuten.

Palazzo Davanzati
Palazzo Davanzati

Beim Palazzo Davanzati sind die Verhältnisse eher umgekehrt: Von außen ist das Haus nicht so spektakulär, von innen jedoch mag man sich nicht satt sehen. Das Haus hat einige Jahre auf dem Buckel, es wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts für die Familie Davizzi gebaut, die zur Tuchmachergilde gehörte. Die Familie Davanzati, nach der das Haus benannt ist, kaufte es etwa 200 Jahre später und behielt es bis 1838. Danach gab es eine wechselhafte Geschichte, bis 1951 der italienische Staat das Haus kaufte. Seit 1995 wird der Palazzo, weil er zusehends verfiel, restauriert. Als wir dort waren, waren lediglich das Erdgeschoss und die erste Etage wieder zu besichtigen.

Es lohnt sich denoch, denn allein das Treppenhaus ist ein Hingucker. M.C. Escher hätte seine Freude dran gehabt, obwohl – anders als bei ihm – man wirklich entweder hoch oder runter kommt und nicht mühsam ansteigt, um wieder unten zu landen. Das Erdgeschoss steht für temporäre Ausstellungen zur Verfügung und für museumstypische Dinge (wozu erste “Fotografieren verboten”-Aufseherinnen gehören). Ich verstehe meist nicht so richtig, warum das Fotografieren verboten ist, denn die Digiknipse klaut ja die Ansicht nicht wirklich, aber vielleicht erklärt mir das mal jemand.

Palazzo Davanzati
Palazzo Davanzati

In der ersten Etage befinden sich die bereits restaurierten Räume. Der große Saal erstreckt sich entlang der Straßenfront und beeindruckt durch eine grandiose Holzdecke und enen bemalten Schrank. Ebenfalls sehr beeindruckend war die Aufsicht, weswegen es da keine Bilder gibt ;-) Gleich nebenan ist der Saal der Papageien, den eine große Feuerstelle dominiert. Im Schlafzimmer sieht man ein Bett und eine Wiege – und eine Toilette gibt es auch, was im 14. Jahrhundert keineswegs selbstverständlich war. Bemerkenswert sind die Tapeten, die im Saal der Papageien sowie im Schafzimmer zu finden sind – dort bilden die Wappen berühmter florentinischer Familien den Fries.

Medici-Kapelle
Medici-Kapelle

Das nächste Ziel ist die Medici-Kapelle. Sie ist Teil der Basilica di San Lorenzo, aber von dieser aus nicht zugänglich. Was soll ich sagen: Allerstrengstes Fotografierverbot, damit Michelangelos Werke keinen Schaden nehmen. Obendrein ist es sehr duster, und an etlichen Stellen wird restauriert. Wir wagten mit den Augen jede Menge Blicke, mit der Kamera aber nur einen in die Höhe der Cappella dei Principi (Fürstenkapelle), deren Bau 1604 begonnen wurde. San Lorenzo selber haben wir uns dieses Mal geschenkt, den Kreuzgang auf einem anderen Spaziergang mitgenommen.

Palazzo Medici Riccardi
Palazzo Medici Riccardi

Vom Palazzo Medici-Riccardi interessierte uns dieses Mal auch nicht alles, sondern eigentlich wollten wir nur einen Blick in den Garten erhaschen. Mit mehr Zeit hätte sich der Rest aber auch gelohnt! Nett fand ich übrigens einen Satz (ok, zwei Sätze) aus der Wikipedia zum Palast: “Dieser Palast ist von Cosimo Medici dem Alten 1444 an den Architekten Michelozzo in Auftrag gegeben worden in der Absicht, ihn nicht zu prachtvoll werden zu lassen, damit nicht der Neid der anderen Patrizierfamilien erregt werde. Cosimo Medici war damals der mächtigste unter den etwa 80 Bankiers von Florenz.”

Botticelli in den Uffizien
Botticelli in den Uffizien

Wir haben lange nichts gegessen und getrunken, oder? OK: Wir waren im Anschluss im Rivoire und danach im Vasarikorridor, über den ja ein eigener Beitrag existiert. Auf dem Rückweg sind wir nur ganz kurz durch die Uffizien geschlendert – denn natürlich musste uns unsere Muse Claudia aka botticelligirl uns den Botticelli im Original zeigen. Die Originale wurden hinter Glas präsentiert – wie gut, dass da fotografieren verboten war, sonst hätte es sicher störende Reflexionen gegeben ;-)

Der Dom

Santa Maria del Fiore

In Florenz (7)

Kirchen sind ja meist so gebaut, dass man sie gut sehen kann – schließlich sollen sie gefunden werden. Unter den (bitte das passende Adjektiv aussuchen, alle Beispiele habe ich in Quellen bei der Suche nach Zahl der Kirchen in Florenz gefunden:) unzähligen / zahllosen / enorm vielen Kirchen der Stadt gibt es aber eine, um die man nicht herum kommt (obschon man gut um sie herumlaufen kann): Santa Maria del Fiore, der Dom von Florenz.

Santa Maria del Fiore
Santa Maria del Fiore

“Mit einer Länge von 153 m und einer Breite von 38 m ist der Flo­ren­ti­ner Dom nach der Pe­ters­kir­che in Rom, der Lon­do­ner Saint Paul’s Ca­the­dral und dem Mai­län­der Dom die viert­größte Kir­che der Chris­ten­heit”, schreibt archINFORM. Andere haben andere Messlatten: Das Urlaubermagazin kommt auf “Länge 160,45 m, Breite 43 m im Langhaus, 91 m im Querschiff, Fassadenhöhe 50 m, Höhe der Kuppel 114,36 m, Durchmesser der Kuppel 45,52 m”, kann aber auch nicht richtig deutsch (“Die Kirche weißt eine Gesamtfläche von 8300 Quadratmeter auf”). Da glauben wir mal eher dem Architektur-Portal…

Santa Maria del Fiore
Santa Maria del Fiore

Der Dom steht (man möchte sagen: natürlich) an einer Stelle, wo es “schon immer” eine Kirche gab. Santa Reperata hieß die Bischofskirche gegenüber vom im 11. Jahrhundert geweihten Baptisterium San Giovanni. Wenn ich das mal etwas flapsig (aber wahrscheinlich hart an der Wahrheit) formulieren darf: Die beiden Kirchen hätten zur Ausübung der Religion an der Stelle durchaus gereicht. Aber hatten nicht Venedig, Pisa und sogar Siena mittlerweile Großes geschaffen, um Gott zu ehren und die eigene Macht zu mehren? Also musste etwas ganz Besonderes her! Das war 1296 – und der Bau begann alsbald. Eine etwas größere Kirche umhüllte die noch intakte vorhandene Santa Seperata.

Der Campanile
Der Campanile

Aber insgesamt ging es nicht so richtig los – es gab doch so viel zu tun, um der Welt zu zeigen, wie toll man sei: 1299 wurde der Palazzo Vecchio begonnen, das Zentrum der weltlichen Macht. Und um eine Stadtmauer musste man sich auch noch kümmern. Nach dem Tod des Architekten Arnolfo di Cambio ging’s da nicht so richtig voran mit dem Dom. Bis da auftritt der Herr Giotto, den man als Wegbereiter der italienischen Renaissance bezeichnet. Er wollte hoch hinaus und hatte wenig Zeit (Giotto war 68, als er Dombaumeister wurde): Die überschaubare Aufgabe, die es zu erledigen galt, sollte der Campanile sein. In einer Flucht mit der Westfront des Domes sollte er nach Giottos Plänen 110 bis 115 Meter hoch werden. Doch auch Giotto starb, bevor das Werk vollendet wurde, aus den 115 wurden dann 85 Meter Höhe, wenn auch sehr nett anzusehende. Hoch kann man da auch: 414 Stufen – und von oben kann man ganz vorzüglich auf die Kuppel der Kathedrale blicken.

Kuppel
Kuppel

Dieser Blick blieb uns verwehrt, denn wir stiegen – in die Kuppel! Das sind zwar deutlich mehr Stufen (allein in der Kuppel 463, und dann muss man da ja auch noch hinkommen), aber man kraxelt dafür durch ein Wunderwerk der Ingenieurbaukunst. Die Kuppel ist 107 Meter hoch und hat einen Durchmeser von 45 Metern. 16 Jahre (von 1418 bis 1434) dauerte ihr Bau, aber dafür ist sie bis heute die größte gemauerte Kuppel der Welt – wobei ein Blick in die Liste großer Kuppeln in der Wikipedia offenbart, dass ganz oft frühe Meisterleistungen lange anhalten (die größte unbewehrte Betonkuppel bis in die Gegenwart ist der Pantheon – etwa 43 Meter Durchmesser, nur andere Bauart).

Kuppel
Kuppel

WIr steigen wirklich durch die Kuppel – denn in Wirklichkeit sind es zwei! Das war nämlich der Plan gewesen, mit dem Filippo Brunelleschi den Wettbewerb gewonnen hatte, der zum Kuppelbau ausgeschrieben war. Denn eigentlich lag die Überwölbung des 45 Meter großen Lochs “zu­nächst jen­seits der sta­ti­schen Mög­lich­kei­ten” (archINFORM). Doch mit Brunelleschis Zwei­scha­len­kon­struk­tion stützen sich die bis zu vier Meter dicke in­nere und die deutlich dün­nere äu­ßere Kup­pel­schale ge­gen­sei­tig. Der Aufstieg ist keineswegs wirklich touristisch ausgelegt (außer dem Preis, den man unten zu entrichten hat: 8 Euro), es geht über Stufen die innere Kuppel hoch und eng zwischen den beiden Wänden entlang.

Oben angekommen, ist es ganz schön hoch: “Im scared as hell up here” hat ein gewisser Jerome mit sicherem Gespür fürs richtige Bild an eine der Streben der Laterne geschrieben, die die Kuppel krönt. Bei guter Sicht kann man von hier weit ins Land sehen, wir nahmen mit bescheidenerem Wetter vorlieb und sind doch mindestens dreimal rundherum gegangen, um ein Bild der Stadt aus Vogelperspektive zu bekommen. Alles liegt nahe beieinander – und sieht von oben ganz anders aus als von unten. Man entdeckt gemütliche Dachgärten, versteckte Innenhöfe mit Statuen und immer wieder faszinierende Dachlandschaften.

Blick in die Hölle
Blick in die Hölle

Der richtige Zeitpunkt für den Abstieg ist, wenn die Zahl der albernen Touristen oben zunimmt. Auf dem Weg nach unten lohnt es sich auf jeden Fall, nette Mitabsteiger zu haben – am besten solche, die auch gerne fotografieren. Denn man ist am Fuße der Kuppel und kann hineinsehen. “Das jüngste Gericht” bietet dann in der Tat den einen oder anderen Enblick in die Hölle… Giorgio Vasari (genau, der mit dem Korridor!) hat den Plan für die Ausgestaltung der 4.000 Quadratmeter Kuppel-Innenfläche entworfen und auch 1572 damit begonnen – starb aber zwei Jahre später im Alter von 63 Jahren, so dass Federico Zuccari das Werk vollenden musste. Der Wikipedia entnehme ich, dass ihm dabei nette Fehler unterlaufen sein sollen: “So bekam beispielsweise ein Esel die massigen Beine eines Bären, der seinerseits mit Hufen ausgestattet wurde.” Aber das Wimmelbild in der Höhe ist zu weit weg, um das zu bemerken.

Unten angekommen, genießen wir den an diesem Tage menschenleeren Innenraum der Kathedrale – sie hatte (warum auch immer) geschlossen.

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Der Vasarikorridor

Vasarikorridor

In Florenz (6)

Dass es in Florenz auch mal regnen kann, haben wir selbst erfahren dürfen. Unsereins kann ja nicht viel dagegen tun, so als Gast in der Stadt und sowieso irgendwie nicht so wichtiger Typ. Die Medici hatten da schon einen ganz anderen Stand – und wenn man einen Weg von gut einem Kilometer hat, um von Zuhause zur Arbeitsstätte zu kommen, dann kann das bei bösem Wetter schon ganz schön unwirtlich sein.

Eigentlich hatte Cosimo I. nur an eine exklusive ruhige Verbindung zwischen Regierungspalast und Residenz gedacht – trocken bei Regen, schattig bei Sonne – und immer oberhalb vom Trubel der Stadt. Es ergab sich aber dannnoch eine andere Sache, die ganz angenehm für den Regierenden war: Man konnte von oben unerkannt denen lauschen, die unten unbekümmert schwätzen: Der große Lauschangriff Anno 1565!

Ein Korridor voller Gemälde
Ein Korridor voller Gemälde

Gebaut hat den Gang Giorgio Vasari, ein Multitalent seiner Zeit: Er war Architekt, Maler, Schreiber (er war Biograf unter anderem von Michelangelo, da Vinci und Raffael) und Kunstkritiker. Den Korridor schuf er (wahrscheinlich mit Hilfe zahlreicher Bauleute, aber von denen liest man ja nie etwas) in nur fünf Monaten. Allerdings war er zuerst nackt – der Korridor. Aber irgendwie konnte das doch nicht alles sein – und so behängte man später (seit dem 17. Jahrhundert) die Wände einfach mit Gemälden, einen Kilometer hin und einen her. Und da hängt nicht irgendwas! Etwa tausend Meisterwerke und Selbstportraits, unter anderem von Dürer, Velasquez und Chagall drängeln sich an den Wänden und machen den Gang über den Fluss zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Blick auf die Ponte Vecchia
Blick auf die Ponte Vecchia

An dieser Stelle sollte man vielleicht wissen, dass der Vasarikorridor nicht allgemein zugänglich ist – wir hatten dank bester Beziehungen das Privileg einer Privatführung und genossen dabei nicht nur die fachkundigen Erklärungen, sondern auch die ungewohnten Blicke auf die Stadt. Begonnen haben wir den Spaziergang in den Uffizien. Von dort führt eine Treppe hinab, bei der ein Blick nach oben lohnt, weil es dort schöne Deckengemälde gibt.

Hat man das Korridor-Niveau erreicht, geht es kurz über die Uferstraße des Arno und dann parallel zum Fluss Richtung Brücke. Den Weg kannten wir schon von einer Etage tiefer – da sieht der Korridor nämlich auch recht attraktiv aus mit seinen Bögen. An der Ponte Vecchio kickt der Korridor scharf nach links ab und führt dann über die Brücke. Die war früher, weil das Wasser so schön nahe war, Heimat der Schlachter und Gerber, doch dem Vernehmen nach waren die im Korridor über die Brücke wandelnden Medici nicht amüsiert über die Düfte, die beide Gewerbe dort unten produzierten. Daher gibt es seit 1593 weniger anrüchig und auch für die Tourismusindustrie weitaus förderlicher Goldmacher auf der Brücke. Wofür so ein sensibles Fürstennäschen nicht alles gut ist!

Santa Felicita
Santa Felicita

Am anderen Ufer des Arno erleben wir die nächste Überraschung: Der Korridor führt mitten durch die Kirche Santa Felicita. Na gut, nicht mitten hindurch, sondern schon am Rand entlang: Es gibt eine Loge mit Blick auf den Altar – damit die Höhergestellten unabhängig vom Fußvolk dem Gottesdienst folgen konnten.

Ja, so war das damals.

Buontalentis Grotte
Buontalentis Grotte

…und dann ist auch schon gleich Schluss: Noch zweimal um die Ecke und der andere Eingang bzw. Ausgang ist erreicht, man landet in den Boboli Gärten gleich neben Buontalentis Grotte. Die künstliche Tropfsteinhöhe ist ein wunderbares Beispiel, um den Begriff des Manierismus zu erklären – das geht nämlich entweder nur sehr theoretisch oder mit Händen und Füßen und Anschauungsmaterial wie in dieser Grotte!

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Schmackhafte Traditionsgerichte zu vernünftigen Preisen

Trattoria Gozzi Sergio

In Florenz (5)

Die Adresse kannten wir aus einem Buch – und dennoch sind wir erst mal dran vorbei gegangen: So unscheinbar ist der Eingang zu einem der nettesten Restaurants der Stadt für die Mittagsstunden (ein anderes nettes liegt gleich um die Ecke – da waren wir auch, tagsdrauf). Hinterm Eingang ist es genau so unspektakulär: Einfache Tische mit roten Stoff-Sets eng an eng gestellt, ein multilinguales Gebrabbel mit italienischer Übermacht: Hier sind also nicht nur Touris, sondern auch Einheimische.

Genau wegen der letzteren kochen Alessandro und Andrea Gozzi hauptsächlich. Sie setzen die Tradition fort und sind für die Leute vom Viertel da, kalkulieren trotz Reiseführer-Berühmtheit korrekt und so, dass es sich auch die Handwerker des Viertels und die Leute vom Großmarkt um die Ecke leisten können, immer mal wieder zu kommen. Die in unserem Reiseführer (Das perfekte Wochenende…. Florenz) abgebildete Menü vom 18. November 2006 und die selbst fotografierte Karte weisen nur minimale Preisdifferenzen auf: So wünscht man sich als Gast ehrbare Gastwirte! “So lange noch jeder Platz besetzt ist, müssen wir uns keine Sorge machen!” sagt Alessandro in dem erwähnten Buch, und da bei unserem Besuch buchstäblich jeder Platz mindestens einmal besetzt war, scheint die Rechnung aufzugehen.

Zwischen eins und zwei gibt’s kaum eine Chance, einen freien Platz zu ergattern. Der teutonisch frühe Mitagagsstart um punkt zwölf verschafft hier Vorteile: First come, first served. Das Personal ist routiniert und nett, und der Chef hirscht immer wieder durchs Restaurant und schaut, dass alles stimmt. Und was er alles sieht: Als Sylke einfach satt war und die Nudeln beiseite schob, schickte er die Bedienung fragen, ob es etwas mehr Sauce sein dürfe? Tausend Sympathiepunkte (und nein, es lag nicht an der Sauce: Sylke war wirklich einfach schon satt).

Was isst man nun an so einem Ort? Am besten: Traditionsgerichte. Ribollita ist eine sämige Pampe, die nach nichts aussieht und nach allem schmeckt. Ribollire heißt aufkochen, und so ist – obwohl in der Toscana zubereitet – diese Suppe Wilhelm-Busch-Preis-verdächtig (“Wofür sie besonders schwärmt, // Wenn er wieder aufgewärmt.”). Die Suppe kommt je nach Kochvorliebe püriert oder mit erkennbaren Gemüseteilen auf den Tisch – schmecken tut’s immer. Unbedingt empfehlenwert ist auch eine andere Suppe: Passato di fagioli con cavolo nero, also eine Bohnensuppe mt Schwarzkohl. Sowas gibt’s bei uns nicht, also unbedingt probieren – es lohnt sich! Der Preis für beide Suppen: je vier Euro.

Eigentlich wäre man danach ja schon satt, aber es wäre ja unvernünftig, nicht noch mehr zu probieren. Die Pasta mit Sugo, beispielsweise (auch nur 4 Euro), oder das Lamm mit Bratkartoffeln (10,50). Einfache Hausmannskost, ohne Schnickschnack gekocht und serviert: Kein Wunder, dass es da immer voll ist!

Trattoria Gozzi Sergio
Piazza San Lorenzo, 8/r
50123 Florenz

nur mittags geöffnet
Sonntag Ruhetag

Tel. 055 / 281-941

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Zweiter Spaziergang: Links vom Fluss

Unterm Korridor

In Florenz (4)

Einmal unterm Vasarikorridor entlang und dann über die Ponte Vecchio auf die andere Seite des Arno gehen! Wir sind dann Altrarno (manche sagen auch “Oltrarno”), was nichts anderes heißt als “auf der anderen Seite des Arno”. Und da ist es erst einmal nett. Die Straße Borgo San Jacopo verläuft parallel zum Arno, und wenn man ein wenig aufpasst, findet man einen Weg zwischen den Häusern und kann an den Fluss – zum Beispiel beim Restaurant Il Ristoro - der Abstecher lohnt, denn man kann erstens die Ponte Vecchio einmal von der anderen Flussseite sehen und zweitens die Häuser am anderen Ufer studieren. Die Straße gibt es von der Grundstruktur fast tausend Jahre, und irgendwie hat sie ihren mittelalterlichen Charme in die Neuzeit retten können.

San Jacopo Apostolo
San Jacopo Apostolo
Am Weg liegt die griechisch-orthodoxe Sacra Chiesa Di San Jacopo Apostolo. Von außen macht die Kirche einen eher unscheinbaren Eindruck, aber das zählt ja nicht. Im Inneren findet sich ein wunderbarer Stilmix von der Romanik bis zum Barock, der sich halt ergibt, wenn ein Gebäude in Würde altert. Die romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert wurde immer wieder umbaut und überformt: Der jeweils aktuelle Zeitgeist ist ein flüchtig Wesen und macht auch vor Kirchen nicht halt.
Santo Spirito
Santo Spirito
Unser eigentliches erstes Ziel (außer dem Weg, der ja immer unser Ziel ist!), sollteSanto Spiroto sein. Aber es war doch Sonntag! Da haben Kirchen aus Vereinsgründen für Touristen geschlossen! Aber draußen vor der Kirche ist diePiazza Santo Spirito, auf der die Flohmarktbeschicker frieren und – wie üblich – keine Flöhe verkaufen, sondern allerlei anderen Tinneff. Schmuck, Bücher, Hutbedeckungen sind da noch die brauchbarsten Dinge.
Trattoria Borgo Antico
Trattoria Borgo Antico
Die Trattoria Borgo Antico sei bekannt für ihre hübschen Bedienungen, weiß Claudia, und man möchte ihr nicht widersprechen. Hübsch sind sie und nett und flink, also so, wie man es sich wünscht. Für die Damen unter den Gästen laufen entsprechend attraktive männliche Bedienungen herum, da ist man in Italien ja nicht so. Aber eigentlich waren wir ja des Essens wegen dort und nicht wegen Brautschau und so. Die Meeresplatte als Vorspeise war groß genug, um dreien zu dienen. Mehrere Sorten Muscheln und auch ausreichend Krustengetier in einer Sauce, die nicht nur nach Wein schmeckte, sondern auch scharf war. Die Pizzen danach waren eigentlich überflüssig, weil wir ja schon satt waren. Aber mit Steinpilzen (die eine) und viererlei Käse (die andere) belegt wäre es eine Schande gewesen, sie nicht probiert zu haben. Na klar: Pizzeria steht draußen dran – die schmecken sogar ohne Belag, was ja nicht selbstverständlich ist. Michele, der Chef des Hauses, war offensichtlich nicht zum Essen da, sondern auf Brautschau. Also nicht wirklich, aber er flirtete heftigst mit den beiden Damen herum. Sylke erhielt eine Gratismassage und was genau er mit Clau besprach, haben wir wegen mangelnder Italienischkenntnisse und anerzogener Diskretion nicht verstehen wollen. [Trattoria Borgo Antico, Piazza Santo Spirito 6R, 50125 Firenze. Tel. 055 210437]
Statua della Dovizia
Statua della Dovizia
Zum Palazzo Pitti ist es nicht weit. Wir aber nicht rein in diesen Palast, der (wahrscheinlich gebaut nach Plänen von Filippo Brunelleschi, der damals in Florenz fast überall seine Architektenhände mit im Spiel hatte) für den Kaufmann Pitti gebaut wurde, sondern nur durch und ab in den Garten. Was den Dresdnern der Barockpark von Großsedlitz ist, könnte den Florentinern ihr Boboli-Garten sein: Groß, mit vielen romantischen Wegen, zahlreichen Blickachsen und immer wieder versteckten Statuen. Natürlich gibt es Aussichtspunkte auf die Stadt, die einem das WOW im Halse ersticken lassen, wie beispielsweise vom “Kaffeehaus” aus (ja, das heißt wirklich so). Das ist was für einen zweiten Besuch, mit mehr Zeit und mehr Sonne! Stundenlang hätte man sich hier noch herumtreiben lassen können – aber es drohte die Dämmerung, und wir wollten noch einen weiteren Garten durchstreifen sowie zur blauen Stunde den Haupttreffpunkt der Florenz-am-Abend-Fotografen erreichen.
Sex with a view
Sex with a view

Also raus aus den Boboli und gar nicht so weit davon (siehe Detail der Karte) rein in den Giardino Bardini. Auch hier gibt’s ein Kaffeehaus, aber die Dinger heißen nur so, denn zumindest im Januar gab’s dort nichts zu trinken. Schade eigentlich, denn die Aussicht ist grandios. Gleich hinter den Kolonnen des Kaffeehauses trieben es zwei miteinander, aber weil sie Kunst waren und nicht mehr lebten, nahm keiner daran Anstoß. Immerhin gilt zu vermerken, dass dies, an einem lauwarmen Sommerabend, sicher eine vorzügliche località für nette Augenblicke zu sein scheint.Wir waren die einzigen drei Besucher(innen) des Gartens, und da fanden wir es schon bemerkenswert, wie eine Lautsprecherdurchsage immer individueller wurde: Der Park würde schließen, und eventuell noch vorhandene Besucher möchten sich bitte un-ver-züg-lich aus demselben begeben, weil sie ja sonst dort gefangen wären und angesichts einschlägiger Skulpturen auf dumme Gedanken kommen könnten. Naja, ganz so haben sie es nicht gesagt, aber direkt angesprochen haben sie uns schon. Sehr nett! Und überflüssig: Drei Minuten vor Schließzeit schleuderten wir dem Personal am Ausgang ein freundliches “ciao!” entgegen.

Die Gartenschlenderei hat uns wieder nahezu auf Fluss-Niveau gebracht, so dass es mal wieder hügelan geht, und zwar auf einem abenteuerlichen (weil glitschigglatten) Weg, der allerdings sehr schöne Aussichten bietet: Voraus links oben das Ziel, San Miniato al Monte. Hinter uns rechts Florenz mit der mittlerweile vertrauten Turm-und-Kuppel-Silhouette. Aber erst einmal: Nicht ausrutschen!

San Miniato al Monte
San Miniato al Monte
Puh, heil angekommen oben auf dem Hügel. Kurz vorher noch durch eine schnuckelige Siedlung mit alten Wohnhäusern gelaufen. Die haben dort eine gute Lage erwischt. Aber noch feiner ist die Lage von San Miniato, und nicht nur die Lage hat es in sich: die Kirche gilt als eine der schönsten Italiens. Wer sich für Architektur interessiert, kann hier eine Menge sehen und/oder lernen. Neben uns stand ein ganzer Haufen offensichtlich interessierter Menschen im Studentenalter, die sich von einem Jüngling im astreinen amerikanischen Übertreibungsstil die Feinheiten erklären ließen. Der Mann hatte Ahnung, auch wenn vieles reichlich pointiert klang. Also: Wer sich für Inkrustation oder die Protorenaissance interessiert, kann bei den verlinkten Begriffen anfangen und die nächsten 20 Minuten abschreiben…
Florenz
Florenz

Den Innenbesuch mussten wir uns (wir hatten doch keine Zeit: Blaue Stunde!) aufsparen für den nächsten Besuch, weiter zum Piazzale Michelangelo! Das ist so eine Art Balkon von Florenz: Die Stadt liegt einem zu Füßen. Den Platz gibt es seit 1865, und an zentraler Stelle steht Michelangelos David. Um ihn herum fliegende Händler mit jedem nur erdenklichen Tand, wie man es von touristischen Plätzen erwartet. Wer hier kauft, hat selber Schuld und es nicht besser verdient. Lobend ist allerdings zu erwähnen, dass kein Händler aufdringlich war – sie hatten sich in ihr Schicksal ergeben, dass die (wenigen) Leute nicht ihretwegen da waren.

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Erster Spaziergang rechts vom Fluss

Palazzo Vecchio

In Florenz (3)

Das erste Frühstück in Florenz brachten wir dann gleich mal so hinter uns, wie man es nicht machen sollte: In einer Frühstücksbar in einem tollen palazzo, wo die Mädel hinter der der Theke das italienischste waren, was das Haus zu bieten hatte. Inklusive Hinsetzen, was man ja eigentlich auch nicht macht, war das irgendwie zu teuer und launeverderbend. An den folgenden Tagen gingen wir dann nahezu Touristenfrei in die unscheinbare Bar um die Ecke, wo es die gleiche Order für ein Drittel des Preises gab.

Aber egal!

Die Ferienwohung liegt zentral: direkt hinter den Uffizien, nahe am Palazzo Vecchio – und wer Florenz kennt, weiß, dass es dann auch nicht weit zum Fluss ist. Der Arno führt Hochwasser, allerdings kein dramatisches. Einfach viel Wasser – irgendwo muss das Zeugs, das uns von oben beglückt, ja hinfließen. Aber es ist noch Platz unter der Brücke, die sie die alte nennen: Ponte Vecchio.

Ponte Vecchio
Ponte Vecchio
Ein echtes und nicht so harmloses Hochwasser 1333 zerstörte eine Holzbrücke, die den Arno an dieser Stelle überquerte. Wir wissen nicht, ob es einen Streit um die neue Brücke gab, die dann gebaut werden sollte – aber in den kommenden zwölf Jahren entstand eine Brücke aus Stein, die so ganz anders war als die zuvor: Eine Segmentbogenbrücke, eine der ältesten weltweit. Und quasi von Anfang an gibt’s Häuser auf der Brücke: Seit 1345 stehen sie dort – früher als Arbeitsplatz für Schlachter und Gerber. Beide Berufsstände ergänzten sich zwar prima (die einen das Fleisch, die anderen die Haut), waren aber bekannt für ihr keineswegs geruchsfreies Gewerbe: Die Schlachter warfen ihre stinkenden Abfälle in den Arno, die Gerber wuschen ihre Tierhäute aus. Irgendwann, genauer: 1593, stank den Florentinern das ursprüngliche Brückengewerbe und sie beschlossen Besserung. Seitdem beherrschen Goldschmiede die Brücke, was ja irgendwie auch besser zum stinkreichen Florenz passt.
Palazzo Vecchio
Palazzo Vecchio

Alt ist nicht nur die Brücke, alt ist auch der Palast gleich in der Nähe: Der Palazzo Vecchio hieß, als man noch nicht auf sein hohes Alter rekurrieren konnte, Palazzo della Signoria. Die Signoria war die Regierung der Republik, oder, wie die Wikipedia schreibt: Der Begriff bezeichnet dabei die faktische Regierungsform, bei der ein „starker Mann“ (signore) an der Spitze stand. Der Platz vor dem Palazzo heißt dann auch Piazza della Signoria, und wie wir gelernt haben, ist es ein Signore, der zur Signoria führt. Einer der schönsten Plätze Italiens sei es, lese ich, und denke: Das gilt sicher nur bei schönem Wetter, denn so grau in grau hinterlässt la piazza einen eher durchschnittlichen Eindruck. Der Platz, wohlgemerkt, nicht die Gebäude drumherum.Da ist natürlich zuallererst der Palazzo. Er ist wirklich alt: 1299 wurde mit dem Bau begonnen, und seine Funktion als Parlamentsgebäude und Hotel für die Parlamentarier erfüllte er seit 1314. Das mit dem Hotel ist erklärungsbedürftig: Die Ratsmänner tagten nicht nur im Palast (im 1. Geschoss), sie wohnten auch dort (in der zweiten Etage). Angeblich half das gegen Bestechung und äußeren Einfluss – aber ob’s wirklich geklappt hat?

Der Palast ist prächtig ausgestattet – und mit seinem 94 Meter hohen Turm auch von Außen ein Hingucker. Dass dann vor dem Hauptportal, dem Löwentor, noch sehenswerte Kunst steht, ist sicher kein Zufall: Michelangelos David zur Linken ist eine Kopie, weil das Original mittlerweile nicht mehr draußen steht, sondern in der Accademia. Aber ursprünglich schmückte das Original den Platz: Am 8. September 1504 wurde es dort aufgestellt und blieb dort bis 1878 stehen. Die Kopie wurde übrigens erst 1910 aufgestellt (hurra, ein Jubiläum in diesem Jahr!).
Cacus
Cacus
Zur Rechten wird der Eingang von einem gleich großen, wenngleich auch nicht gleich großartigen Werk geschmückt: Der Bildhauer Baccio Bandinelli schuf “Herkules und Cacus”. Auch wenn einige Kunsthistoriker meckern und es “mittelmäßig” nennen: Die Statue ist schon ein Hingucker. Vor allem die Gesichtszüge des siegreichen Herkules und des verzweifelten Cacus haben es in sich. Dann war da aber noch was, was wir (ohne befriedigendem Ergebnis) ausführlich diskutiert haben, zu dem ich in der einschlägigen Literatur aber auch nichts gefunden habe. Irgendwie, denke ich, hat dieser Cacus ein Loch zuviel in seinem Geschlecht. Oder habe ich da was verpasst im Aufklärungsunterricht?
Herkules
Herkules

Egal, und unabhängig davon: Dieser Bandinelli war zwar einer der “formgewandtesten Bildhauer seiner Zeit” (Brockhaus Konversationslexikon 1902-1910), muss aber ein ziemliches Schlitzohr gewesen sein. Er ließ die Ahnentafel fälschen, um in den Ritterstand erhoben zu werden und war wohl auch sonst eher ein unleidlicher Typ. Aus einem anderen alten Werk (Friedrich Müller, Die Künstler aller Zeiten und Völker, 1857) zitiere ich einmal leicht gekürzt: “In Bandinelli’s Charakter vereinigten sich auf die abstoßendste Weise Selbstüberschätzung und Hochmut gegen niedrigere oder gleichstehende, mit Neid und Hass gegen ausgezeichnetere Künstler (…), masslose Eitelkeit und Anmaßung mit einer unersättlichen Begierde nach Geld und Ruhm, die ihm keine Ruhe ließ, durch Intrigen aller Art ändern Kunstgenossen oft bereits übertragene Arbeiten abwendig zu machen.”Kunst im freien Raum scheint in Florenz normal zu sein: Gleich rechts neben dem Palazzo Vecchio befinden sich die Loggia dei Lanzi, ein Arkadenbau aus dem 14. Jahrhundert, in dem – der Öffentlichkeit immer kostenlos zugänglich – Statuen aus den Uffizien gezeigt werden. Der gar schröckliche Perseus mit dem Haupt der Medusa und immer wieder gern gesehene Raub der Sabinerinnen open air – nicht schlecht. Wachleute haben übrigens rund um die Uhr ein Auge auf die Kunst – nachts sahen wir sie im Auto vor der Loggia, damit’s nicht allzu kalt wurde…

Rivoire
Rivoire

Was hat der Platz sonst noch zu bieten? Er soll immerhin einer der schönsten sein! Nuuuuun, vielleicht bei schönem Wetter, aber das haben wir uns ja für den nächsten Besuch aufgespart. Also nahmen wir mit einem richtigen Seelentröster vorlieb: Im Rivoire bekommt man die beste heiße Schokolade des Universums – mindestens. Auf jeden Fall die beste am Piazza della Signoria, und das seit 1872! Das Rezept ist natürlich geheim, aber der Tipp, lediglich 2,50 statt sechs Euro für ein Tässchen zu bezahlen, hiermit veröffentlicht: Um Gottes Willen nicht hinsetzen, sondern an der Bar stehend genießen! Und ein Genuss ist diese heiße dickflüssige süße Masse schon. Wie dick dickflüssig ist? Na, ganz einfach: Als die Tasse leer war, spülte ich sie mit zwei Schuss Milch aus. Und hatte einen perfekten Kakao nach Art der deutschen Cafés in der Tasse

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Süditalien mitten in der Toskana

Osteria Masticabrodo

In Florenz (2): Osteria Masticabrodo

Die Osteria Masticabrodo in der Borgo Alegri 58 tarnt sich perfekt: Hinter Fenster und Tür des schmalen Etablissements hängen rote Vorhänge, zwischen Vorhang und Fensterglas blinkert es wild-weihnachtlich. Das Ambiente wirkt eher wie ein kleiner Puff, aber wer einen Blick auf die handgeschrieben Karte wirft, die draußen aufgestellt ist, wird sich schon denken, dass das falsch ist: Die Preise sind zu niedrig!

Drinnen ist es italienisch-gemütlich. Vier einfach, aber nett eingedeckte Tische, eine offene Küche, helles Licht, laute Musik eines Radiosenders mit Werbung. Der Chef Enzo kommt aus Neapel, er steht zusammen mit seiner Frau Anna in der Küche. Sie rührt in den Töpfen verschiedene Sorten sugo, er spült nach dem Abräumen die Teller vor, manchmal verschwinden beide zusammen hinter einer Ecke. Danach kommt er dann immer mit was Leckerem an den Tisch.

Wir bestellten Antipasti della casa für drei und bekamen vier Teller mit gegrillter Aubergine, einer Art Lasagne, einer Parmesantarte und Bruschetta, dann einen Teller mit Schinken, dann zwei Teller mit superfeinen Hackfleischbällchen in Tomatensauce sowie gedünstetem Gemüse, das wir nicht kannten. Es schmeckte nach Rosenkohl, sah aus wie Mangold und war Schwarzkohl. Zum Abschluss der Vorspeisen stellte der Chef ein Holzbrett mit Käse und zweierlei Honig auf den Tisch. Abschluss? Denkste: Als Zwischengang brachte uns der Chef noch eine Spezialität, eine neapolitanische salciccaauf Linsen. Wer braucht schon Köche, die es wie Gott in Frankreich treiben, wenn man zwei Süditaliener in Florenz hat? Unsere Primi, als Hauptgang, waren normal-lecker, da gehe ich jetzt mal drüber weg, um auf das Ende des Abends hinzuweisen. Ungefragt stand ein Teller mit einem Glas Vino Santo in der Mitte und Cantucine drumherum auf dem Tisch. Wir bedankten uns artig und schon kam der Chef erneut, dieses Mal mit drei Gläsern und zwei Flaschen, die er zur Selbstbedienung auf den Tisch stellte: Grappa war in der einen und Limoncello in der anderen. Das hat uns gut gefallen, und wer nun glaubt, dass wir noch einmal da waren, liegt absolut richtig!

Beim zweiten Besuch wurden wir quasi schon als Stammgäste begrüßt. Es war spät, eigentlich sah es schon aufgeräumt aus. Aber wir waren willkommen! Die „kleinen und leichten“ Antipasti waren eine Mischung aus Bewährtem und Neuem, darunter vor allem Pulpo in sehr feiner Tomatensauce. Und zum Abschluss gab es dann dieses Mal drei Flaschen auf den Tisch des Hauses. LimoncelloGrappa undMyrto aus Sardinien. Den nahmen wir!

Osteria Masticabrodo
Borgo Alegri 58
Tel. +39 (0)55 – 241920

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…wir waren im Sommer noch einmal da!

In Florenz: Abflug im Schnee – Ankunft bei Regen

Das Tief Daisy war noch eine lahme Ente, ganz normaler Winter mit funktionierendem Winterdienst – wir kamen um eine Minute nach neun beim Parkplatz an (vorsichtshalber hatten wir uns nicht auf die Bahn als Zubringer verlassen). Der Parkplatzwächter fand die eine Minute Verspätung nicht schlimm und brachte uns zum Flieger. 

Flieger auf Eis
Flieger auf Eis

EasyJet startet von einem Terminal nahezu ohne Sitzplätze. Wenn man’s weiß, halb so schlimm, dann kann man unten noch einen Kaffee trinken. Nach der Security kommt man direkt in den Antischnäppchenbereich, der früher Duty Free hieß. Abflug Gate 64, das ist zu Fuß halbwegs schon in Florenz, unten direkt am Rollfeld. Billiges Fliegen hat was mit der Aufgabe von Würde zu tun, macht aber unheimlich Spaß.Der Abflug verzögert sich, weil die Startbahn enteist werden muss und dann vor dem Start auch die Flugzeuge. Keiner murrt, denn einmal so ordentlich an- und abgespritzt zu werden ist mal ein neues Erlebnis. Allerdings friert das Enteisungszeugs am Fenster an, was einem schon zu denken gibt. Über den Wolken scheint die Sonne, aber der Blick nach draußen ist eisverschleiert.

Du wollen Schirm? Mache gutt Preis!
Du wollen Schirm? Mache gutt P…
Bei der Ankunft in Pisa ist es dort grau unter den Wolken. Dafür kann man nun wieder durchs Fenster sehen und erste Blicke auf die toskanische Landschaft werfen. Hunde sieht man nicht, und nach dem Einsammeln des Koffers wissen wir auch warum: Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Andererseits sagen die Engländer ja, dass es cats and dogs regnet, also müssten die ja zuhauf auf den Straßen von Pisa herumliegen. Wir können das Problem nicht lösen und kaufen, weil wir zwar über Schirme gesprochen, aber sie zu Hause liegen gelassen haben, welche bei fliegenden Händlern im Bahnhof. Die Händler fliegen natürlich nicht, sondern kommen auf uns zu – alle sind Farbige und werden politisch völlig unkorrekt, aber liebevoll gemeint, von uns Regenschirmneger genannt. Ein Schirm des Formates „Knirps“ kostet vier Euro (Regenpreis – bei Trockenwetter drei Euro), er hält ungefähr so lange wie es dauert, ein Glas Wein zu 5 Euro zu trinken. Mit anderen Worten: Die Schirme dort waren echte Schnäppchen. Ganz Pisa lief mit solchen Modellen herum, und etliche sah man, umgestülpt, mit abgebrochenen Speichen oder sonstwie desolat verformt, in irgendwelchen Ecken an den Straßen der Stadt herumliegen.
Turmstützer
Turmstützer

Pisa im Regen ist ungefähr so prickelnd wie [Name der Stadt einfügen, in der Sie dies lesen, selbst wenn es Bitterfeld oder Gelsenkirchen-Buer ist]. Bei Sonne sieht eben doch alles besser aus, und dank einiger Windböen hat’s den Schirm auch schon zerschreddert. Wir stapfen durch die Straßen und haben ein Ziel, am anderen Ende der Stadt: Den Turm von Pisa! Der berühmte Turm ist allwetterschief, und ganz kreative Touristen suchen lachend einen Ort weit genug von ihm entfernt, wo sie mit einiger Körperverrenkung scheinbar den Turm stützen, um so Schlimmeres zu verhindern. Das Sich-zum-Obst machen beherrschen alle, am besten aber giggelnde englische und japanische Teenies.

Fensterblick
Fensterblick

Der Zug bringt uns in einer Stunde nach Florenz. Vor der Ferienwohnung erwartet uns schon ein Florentiner Gentleman. Er trägt seinen schönen Schal ganz lässig und parliert italienisch, wie man es von einem Italiener nicht anders erwartet. Ausnahmsweise war uns das egal – Sylkes Tochter Claudia studiert gerade in Florenz, kann italienisch und dolmetscht alles. Die Wohnung liegt mitten im Zentrum. Man kommt rein, ist in der Küche und kann dann lange laufen, um zum einen oder anderen Schlafzimmer zu gelangen. Irgendwo dazwischen liegt das Bad – ein lustiger Schnitt. Aus jedem Zimmer kann man über Dächer der Altstadt sehen, aus einem sogar den Turm vom Palazzo Vecchio. Und wenn man dann später wieder runter geht, sieht man auch die wunderschönen Fliesen, für die es (wegen des Schals) vorher gar keine Zeit gab.Unser erstes florentinisches Abendessen führte uns in ein Restaurant, das zu finden nicht einfach ist und in das hineinzugehen sogar wir uns nicht getraut hätten, wenn wir nicht Claudia als local guide gehabt hätten. Aber das ist eine eigene Geschichte