Ein Abend im El Puerto

Ein Abend im El Puerto

Frischer Fisch und schneller Service

Wir hatten schon arge Befürchtungen, denn im Netz las man kaum was bzw. kaum was Gutes über unser Lieblingsrestaurant “El Puerto”. Unsere These: Der Mann wird gedisst, weil er unbequem anders ist. Im Valle-Boten, dem abgedrehten Magazin eines deutschlandflüchtigen Journalisten, wird es gar nicht erwähnt. Das Nachbarrestaurant Trasmallo „hingegen entwickelt sich zur Nummer 1 am Hafen“, lesen wir – und stellen verzückt fest, dass das Trasmallo eine ganze Seite Anzeige gebucht hat und El Puerto keine. Honi soit qui mal y pense (genau!).

Der beleibte Chef des El Puerto gibt nach außen immer noch ein wenig den Muffel, aber aus den Augenwinkeln kommt immer so ein verschmitztes Etwas. Wir mögen ihn! In der Küche das gleiche Personal wie vor fünf Jahren, auch im Service erkannten wir etliche Gesichter. Nach wie vor geht es flottflott – und wer sich vom Chef den Fisch des Tages zeigen lässt, weiß auch was frisch ist und was aus der Tiefkühlung kommt (bei unserem Besuch: Seezungen. Die seien „gut, aber nicht frisch“ meinte el Cheffe).

Unsere Wahl:  Rascacio, der Madeira Drachenkopf – ein Riesentier, aber nach dem Zerteilen durchaus schaffbar. Davor ein Salat, der kaum bestellt, schon auf dem Tisch war: Die vorbereitende Logistik des Hauses ist großartig, der Salat guter Durchschnitt. Dafür waren papas arrugadas (Runzelkartoffeln) und mojos in Ordnung. Eine halbe Stunde nach Öffnungszeit war das Restaurant übrigens voll, eine Stunde später der tagesfrische Fisch ausverkauft. Merke: Wer früh kommt, hat mehr Auswahl!

Restaurante El Puerto
Av Maritima el Puerto de Vueltas
38870 Valle Gran Rey
La Gomera

Tel. 922 805 224

[Besucht am 15. März 2012 | Lage | Besuch 2007]

Rund um und auf den Garajonay

Imada Panorama

Alte gomerische Wanderer-Regel: Wenn’s im Norden nebelt und wolkenzieht, also nix mit Wandern rund um Hermigua und El Cedro ist: einfach umplanen. Zum Beispiel eine Wanderung rund um und auf den Garajonay unternehmen, wobei der höchste Berg der Insel so wunderbar unspektakulär ist, dass er eher eine Zugabe im Gesamtmix dieser Wanderung ist.

Gemütliche Nationalpark-Bummelei

Von der Straßenkreuzung Parajita – einem veritablen Kreisverkehr mit Bushaltestelle und angegliedertem Parkplatz – geht es erst gemütlich auf breitem Forstweg bergab. „Eine langweilige Tour!“ jammert Frau S., während ich etwas von einem „fantastischen Weg!“ schwärme. Ist es nicht aufregend, wie unterschiedlich wir die Welt wahrnehmen? Über die Tatsache, dass Mann und Frau nur gelegentlich und auch nur an wenigen Stellen wirklich gut zusammen passen – wenn sie sich einhaken, beispielsweise –, ist ja schon viel geschrieben worden. Aber was ist mit all den kleinen alltäglichen Dingen? Frau S. beispielsweise liebt nicht nur schmale Wege, sie bevorzugt sie auch bergauf. Herr U., wer hätte es nicht geahnt?, ist lieber auf breiten Pfaden bergab unterwegs.

Blick auf Imada

Nun sind ja Wanderungen wie das Leben ein ständiges Auf und Ab, insofern hält sich alles irgendwie die Waage. Aber was ist nach dem Wandern? SIE würde gerne bei einem Salat entspannen, gerne selbst gemacht und auf der heimischen Terrasse verzehrt. ER könnte sich durchaus vorstellen, in einem Restaurant auf Salat zu verzichten und gleich Fisch oder Fleisch zu ordern. Und während die BEIDEN noch hin und her argumentieren, ändert sich der Weg, wird schmaler und unwegsamer. „Ich ziehe alles zurück, was ich vorhin über diese Tour sagte!“ jubiliert SIE, woraufhin ER lakonisch erwidert: „Ich auch.“ (Über das Wandern mit all seinen Begleiterscheinungen habe ich mich anlässlich des Gomera-Besuchs 2006 ja schon mal ausführlich ausgelassen).

Halt an den Agaven

Steil und keineswegs mehr forstwagenbreit windet sich der Pfad den Berg herunter nach Imada. Der Schwindelempfängliche wählt natürlich die Seite des Wegs, die meistmöglich vom Abhang abgewandt ist. „Warum gehst Du denn durch die Agaven?“ lächelt SIE herüber, was ER mit einem gequälten „Weil sie mir Halt geben!“ quittiert.

Natürlich alles halb so schlimm, wenn man es erst einmal geschafft hat und bereit ist, neue Fehler zu machen, die man später dann wieder vielleicht gar nicht so falsch findet: Ein Abstecher nach Imada (von dem gesagt wird, es sei das schönstgelegene Dorf der Insel), um dort Rast zu machen? Gerne! Man hätte uns aber sagen können, dass das über hundert Meter runter und später die gleichen mehr als hundert Meter wieder hoch sind! Wenigstens haben wir dabei gelernt, dass das Wanderbier zwar herrlich durch die Kehle zischt, aber beim Wiederaufstieg direkt durch die Waden verdampft, was irgendwie unangemessen ist.

Aufstieg von Imada

Der Aufstieg wirkt in schöner Mittagssonne noch anstrengender und steiler als er eh schon ist, aber am Ende gibt’s einen Schleichweg zum Gipfel des Garajonay, der wirklich schön angelegt ist (schmaler als Forstwege, aber eben so seicht zu begehen: eine gelunge Symbiose für unser beiderley Geschmack!). Die Belohnung für spätes Loswandern auf dem Gipfel: Kein Mensch da außer uns. Dass die Wolken im Norden waberten und die Sicht auf Teneriffa mitsamt Teide sperrten, hatten wir erwartet. Außerdem ist es schon tres chic, wie die Wolken den optisch famosen Roque Argando umspielen.

Gomerischer Salat

Abends gab’s übrigens Salat, und zwar so einen von der gomerischen Art mit Avocado, Papaya, Tomate, Banane und roter Zwiebel. Dazu ein erfrischend leichtes Zitronen-Olivenöldressing. Was sag ich? Perfekt!

 

Die Geschichte von Gara und Jonay haben wir bei unserer Erstbesteigung (!) des Inselberges beschrieben.

Hier geht’s zur GPS-Aufzeichnung dieser Tour:

Imada – Garajonay

Kleine Kanarische Typologie

Sonnenuntergang vor La Gomera

Im Flieger nach Teneriffa (Süd) kann man sie schon ausmachen, die diversen Typen von Touris. Da gibt es die ChiChis wie die Beiden jenseits des Ganges gleich neben uns. Er: Erfolgsmachermensch mit Glatze und Dauerlächeln. Sie: Weibchen mit Schmollschnüti süüüßen modischen roten Schuhen. Beide: Verliebt. Natürlich muss ER im Flieger schnell noch mal jemand anrufen, um mitzuteilen, wann die Freunde ihn denn vom Flughafen abholen können. SIE daddelt mit dem iPad herum und freut sich über die Möglichkeit, mit elegantem Wackeln Schwung ins Spiel zu bringen.

Erstaunlich wenig All-Inclusivs machen wir an Bord aus, dafür solche wie die Zwei mit den Rastalocken. Die Wette, dass wir sie auf der Fähre nach La Gomera wiedersehen werden, findet nicht statt, weil keiner dagegen halten will. Wir hätten auch wetten können, dass sie, einmal kanarischen Boden betreten habend, mit bläcke Fööss durch die Gegend laufen – aber wahrscheinlich hätte auch da keiner gegen gehalten (und womit? mit Recht, denn natürlich sahen wir sie barfuß auf der Fähre nach Gomera).

Und natürlich gibt es Wanderer, die mit ihrer Bekleidung für die einschlägig bekannten Firmen Werbung laufen und mit ihren fetten Botten Gewicht und Platz im Koffer sparen wollen. Bei fünf Stunden Flugzeit zieht man die natürlich gerne aus – riecht gut!

Das Schöne an No-Frill-Airlines ist, dass sie aufs Essen verzichten, man sich also auch nicht über dessen Qualität beschweren kann. Andererseits ist es natürlich jammerschade, das nette Personal nun gar nicht mehr so intensiv erleben zu können, und die traurigen Augen des Chefstewards, weil keiner das kostenpflichtige Menü ordert, schmerzen schon ein wenig. Fernsehen an Bord gab’s auch nicht, weswegen wir Nahsehen praktizierten.

Kanarenanflieger
Kanarenanflieger

An Bord trägt man Hut, obwohl alle Fenster geschlossen waren und somit sowohl Sonne als auch Wind ausgesperrt blieben. Alles eine Frage des persönlichen Geschmacks, und der differiert vom Sonnenhut auf hübscher blonder Langhaarfrisur über Hurley Basecap im klassischen Schottenmuster und der No-Frill-Cap in rot bis zum Jägerhut auf altem Mann mit Strickpulli. Die netteste Variante war noch die hutlose Hochsteckfrisur mit Oberlippenpiercing, die Alessandro Baricco las: Esta historia, auch so eine Geschichte…

Kurz vor der Landung tauchte El Teide linker Hand auf und sieht ein wenig aus wie Nippelgate, wenn die Wolken den Gipfel frei lassen. Aber man durfte nicht hin, denn auf dem Flügel des Fliegers steht klar und deutlich: Do not walk outside this area. Wobei ich bislang auch inside this area nie jemanden hab laufen sehen.

Deutsche Bank
Deutsche Bank

Vom Flieger geht’s mit dem Bus in die Stadt. Los Cristianos ist beliebtes Urlaubsziel für Viele, für uns sicher nicht. Am zentralen Bushalteplatz begrüßt einen gleich die Deutsche Bank mit einer Filiale – wenn man also spontan noch ein wenig Geld braucht… Ein paar Schritte weiter wartet ein “Eisen Waren Handel”, da könnte man das Geld dann gleich vernageln. Wir taten weder das Eine noch das Andere, sondern rollerten mit den Koffern die Hauptstraße entlang Richtung Hafen. Die Fähre von Armas fährt eine halbe Stunde eher los, ist billiger und kommt zeitgleich mit dem Express von Fred Olsen in Santiago de la Gomera an. Obendrein bietet die Fähre Volcan de Taburiente den Luxus zahlreicher Außenplätze, von denen aus man das seltene Naturschauspiel eines formidablen Sonnenuntergangs mit Glitzerwasser im Westen der Insel verfolgen konnte.

Wenn die Bedienung den Gast fürs Aufessen lobt

Bistro in der Bülow Residenz

Ein Besuch in Bülow’s Bistro

Nein, wir regen uns nicht mehr auf über den überflüssigen Apostroph im Namen des Restaurants – aber wenn wir können, schreiben wir dann eben lieber vom Bistro im “Bülow Palais” (obwohl: da hätten wir ja gerne einen Bindestrich eingefügt, die Umschreibung hilft also auch nicht wirklich). Und nein, wir regen uns auch nicht mehr darüber auf, dass man in dem Bistro sich auf ein Polster niederlässt, in dem man so tief sinkt, dass man (als nicht so hoch aufgeschossener langer Lümmel) fast auf Augenhöhe mit der Tischkante is(s)t. Regen wir uns denn überhaupt gar nicht mehr auf? Doch: Über merkwürdige Servicekräfte regen wir uns gerne auf – und von denen hatten wir mehr als eine.

Unsere Hauptbedienung gefiel uns beispielsweise ganz besonders, weil sie uns am Ende eines jeden Ganges immer lobte, dass wir so brav aufgegessen hatten. “Toll!” sagte sie nach der Vorspeise, und um sich zu steigern, räumte sie die leeren Teller nach dem Hauptgang mit einem anerkennenden “Wunderbar! Sieht gut aus!” ab. Da fühlten wir uns doch gleich mal bestätigt!

Auch nicht schlecht war die Kollegin, die (ganz am Anfang) zwei Teller brachte, von denen einer an unseren Tisch gepasst hätte als Vorspeise, der andere aber gar nicht. Als wir das monierten, grummelte sie so etwas wie “musswohlfalschertischsein” und schob mit dem einen Teller ab – ließ sich dann aber doch noch von uns überreden, den anderen auch mitzunehmen. Und weil wir ja keinen auslassen wollen, erwähnen wir an dieser Stelle auch noch den Kollegen, der zum Dessert an den Tisch kam mit einem beherzten “Ja dann noch einmal herzlich willkommen!”

Derlei Begebenheiten lieben wir, weil man dann ja immer Gesprächsstoff am Tisch und immer was zu Lachen hat. Es ging also, zumindest an unserem Tisch, heiter-beschwingt zu in Bülow’s Bistro, das wir im Rahmen der Kochsternstunden besuchten, um zum persönlichen Abschluss noch einmal in den Genuss eines Menüs von einem Sterne-Koch zu kommen. Dirk Schroer, seit 2006 in Dresden, hat im Hauptrestaurant “Caroussel” nicht nur einen Michelin-Stern erkocht (und gehalten), sondern wird auch von anderen Gastro-Guides hoch gelobt. So etwas, dachten wir, färbt doch auch aufs Bistro ab!

Und es ging auch gleich gut los: Wunderbar frisches und schmackhaftes Brot, dann als Amuse Gueule eine kleine Tasse mit Spargelsüppchen und einem Happen Lachs – ein feiner Gruß! Danach kam, wie bereits geschildert, erst einmal ein Fehlschuss und 20 Minuten später tatsächlich die Vorspeise: Geräucherter Heilbutt mit Zitrusfruchtsalat und Vanillevinaigrette. Eine frisch-fruchtige Sache, bei der nach meinem Geschmack der Heilbutt allerdings ein wenig unterging. Wir fanden im 2007 Riesling feinherb von Joh. Jos. Prüm, 
Mosel den Geschmack der Grapefruit wieder, die auch im Salat war – und waren eh ein wenig begeistert, was der Prüm für tolle Weine macht.

Ans Warten hatten wir uns ja schon gewöhnt, der Hauptgang kam 40 Minuten nach der Vorspeise bzw. etwa eine halbe Stunde nachdem die Teller derselben abgeräumt wurden. Fanden wir ein wenig lang, zumal Bistro ja vom russischen Wort быстро für schnell kommt. Aber man kann die Zeit ja nutzen, um durch die Lobby zu schlendern und die wirklich sehenswerten Toiletten (noch einmal) zu besuchen. Außerdem sorgte unsere Lieblingsbedienung wieder einmal für Gesprächsstoff, weil sie beim Einschenken des Weines zum Hauptgang – einen 2009 Château la Liquière, Faugerés – nicht nur über den Namen des Weines stolperte, sondern dann auch noch im Zugabeteil scheiterte: “Der passt gut zu…” (Augenrollen, kurzes Zögern, dann die Lösung:) “…zum Hauptgang!” Ok, sie wusste also nicht, dass dann Zweierlei vom Rind mit Artischocken-Spinat-Gemüse und Kreuzkümmeljus kommen würde, wie seit mehr als vier Wochen bei den Kochsternstunden üblich. Das Zweierlei bestand einerseits aus einem Stück Bäckchen (das in dieser Saison sowas wie ein Liebling der Köche zu sein scheint) und einem wunderbar zubereiteten Stück Filet – wie so oft konnten wir feststellen: Wenn schon Fleisch, dann gutes – und das perfekt gegart.

Zum Abschluss gab es eine gar zauberhafte (und so gut noch nicht verkostete) Café Creme Brulée mit Gewürzananas (hätten wir am liebsten noch mal geordert!) und einen dazu sehr passenden 2010 Moscato d`Asti, Oddero, der uns wieder einmal lehrte, dass ein Wein durchaus natürliche Süße haben darf – wenn’s denn passt. Wie formulierte der Service fachmännisch nach korrekter Namensnennung: “Und… er ist frisch!”

Nach dem Abschluss kommt: Der Schluss, meist in Form der Rechnung. Bei unserem Besuch im Bistro dachten wir wehmütig an die Restaurant-Besuche in Italien oder jüngst auf La Gomera zurück, wo wir fürs Wasser zwischen zwei und drei Euro zahlten. Hier waren es 6,20 Euro für 0,75 Liter.

Bülow’s Bistro
Hotel Bülow Palais
Königstraße 14
01097 Dresden

Tel.: 0351 | 8 00 30
www.buelow-hotels.de

Geöffnet: täglich 11.30 Uhr – 23.00 Uhr

[Besucht am 7. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Frühling vs. Lenz

Frühling
Wir haben hier zwei Gedichte zum Thema Frühling, passend zu den Bildern, die heute auf dem Osterspaziergang am Dresdner Kaitzbach und bei Schloss Nöthnitz aufgenommen wurden. Die Frage ist: Wer hat es treffender formuliert: Eduard oder Friederike?

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike

Wenn der holde Frühling lenzt…

Wenn der holde Frühling lenzt
Und man sich mit Veilchen kränzt
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rührei tut
kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte -
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
“Ob mich dies Jahr einer will?”
Friederike Kempner

Festtagsessen: Tafelspitz

Tafelspitz

Das Stück Salzwiesenkalb, das mein Lieblingsmetzger mir kurz vor Weihnachten schickte, hatte laut Etikett einen Namen: Ulrich. Ach nee, das war sicher nur der Hinweis, dass ich der Empfänger dieses Stückes Tafelspitz sein sollte. Zu Weihnachten passte es nicht, aber nach einer kurzen Phase in der Tiefkühlung war es zum Osterfest soweit: Tafelspitz, einmal nicht gekocht und mit Meerrettich, sondern kurz angebraten und dann bei 80 Grad im Ofen langsam gegart.

Ludger Freese hatte uns bei unserem Besuch bei ihm in der Metzgerei von den Salzwiesenkälbern erzählt, die er aus meiner Heimat Norden bezieht (naja, aus der Gegend, vom Adrianenhof). Das Fleisch ist besonders zart und würzig und damit für Besseres vorbestimmt!

Also haben wir das tolle Stück gesalzen, gepfeffert sowie sanft gesenft und dann rundum angebraten. Im 80 Grad warmen Ofen wartete schon ein passender Topf auf das Fleisch. In die Anbratpfanne kamen zwei Möhren, Sellerie (beides gewürfelt), Lauch und Petersilie sowie (nachdem das alles schön angeschmort war) ein guter Schuss Weißwein zum Ablöschen und ein halbes Glas Kalbsfond. Beides zusammen einkochen, bis das Gemüse fast trocken liegt: Dann kommt es unter den Tafelspitz im Topf, der im Ofen ist.

Ich hatte beim Parieren des Fleisches großzügig gearbeitet – aber wozu gab’s denn die Pfanne oben auf dem Herd, die noch warm war? Ein Schuss frisches Öl, warm gemacht und die Parüren dort angebraten, als ob’s ein feines Steak wäre – aber im Unterschied dazu immer hübsch mit der Gabel reingepiekst, damit Fleischsaft austritt. Ein neuer kleiner Schuss Weißwein und der Rest vom Kalbsfond löschen den Inhalt der Pfanne erneut, die Parüren baden das gerne noch ein wenig aus, wobei der Hitze wegen die Sauce weiter reduziert. Ganz zum Schluss werden dieser Teil (ohne die Parüren, die eigentlich genau jetzt schon raus können) und der Saucenanteil aus dem Schmortopf sich freundlich vereinen, aber soweit sind wir noch nicht.

Lust auf einen Spaziergang? Dazu wäre jetzt Zeit: Die Niedertemperaturgarmethode gibt sie! Je nach Größe braucht das Fleischstück drei bis vier Stunden (unser Tafelspitz wog 1500 Gramm, wir hatten ihn für vier Stunden im Ofen und fanden das zu viel: Nächstes Mal würden wir es nach drei Stunden rausholen – wobei die Garmethode nicht wirklich übel nimmt, es also auf ein paar Minuten nicht ankommt).

Eine knappe halbe Stunde vor Gar-Ende kümmern wir uns um die Beilagen. Kartoffelstampf mit Sellerie (Kartoffeln schälen, in Würfel schneiden, zusammen mit gewürfeltem Sellerie kochen und mit Milch und Butter zu Pürree stampfen) und Teltower Rübchen (schalen, in Scheiben schneiden und in Butter in einer Pfanne knackig garen). Beides nur salzen, das reicht. Parallel dazu die Sauce vollenden: Fleisch aus dem Topf nehmen, das Gemüse und Bratensaft mit der vorhin in der Pfanne vorbereiteten Sauce (ohne Parüren, gell?!) zusammengeben und das Gemüse pürieren. Wahrscheinlich wird das zu dickflüssig, da hilft: Sahne. Ein Becher kann’s sein, das verbessert den Geschmack auch ein wenig ;-)

Wenn alles passt, ist es zur gleichen Zeit fertig – wobei: Eine Flasche sollte rechtzeitig geöffnet worden sein. Bei uns war es ein 2010 Riesling, den die Vereinigten Hospitien als Erzeuger wie folgt beschreiben: “Ein fruchtiger, jugendlich frischer Riesling für den täglichen Genuß mit einem Hauch Restsüße und fein abgestimmter Säure. Guter Essensbegleiter!”

Genau so war’s.

Eine Kleinigkeit neckt die nächste..

Bilder zur Restaurantkritik von Mario Pattis im Lippe'schen Gutshaus

Mario Pattis setzt im Lippe’schen Gutshaus-Restaurant Geschmacksakzente

Seit einiger Zeit kocht Mario Pattis im Lippe’schen Gutshaus–Restaurant in Zadel bei Meißen. Genau, das ist der, der als ganz Jungscher in die Kochgeschichte Sachsens einging, weil er 1994 als erster Koch in den neuen Bundesländern mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Damals kochte er noch in Familie auf dem Weißen Hirsch im Restaurant “Erholung” (dem der Focus bescheinigte, “eher ein größeres Wohnzimmer mit Küche” zu sein). Nichtsdestoweniger war Große Küche sein Ding, mit Vorbildern auch in der höfischen Küche Sachsens und natürlich bei der klassischen französischen Küche. Seine Desserts, die er nach der “Erholung” im Gourmetrestaurant des Romantikhotel Pattis im Zschoner Grund servierte, waren legendär, erreichten aber auch Spitzen der Verspieltheit.

Nun also ist er beim Prinzen im Weingut – und er macht sich da, um das Ergebnis vorwegzunehmen, bestens. Alles, was wir früher gern trotz aller Kochkunst bekrittelten, ist nicht mehr. Pattis kocht gradliniger und schafft es, auch Einfaches hochgenüsslich zu servieren. Wobei, bitteschön, “zu servieren” ernst gemeint ist, denn der Chef kommt mit an den Tisch und erklärt den Gästen sein Essen. Wir waren entzückt, zumal zum Ende des Abends, wenn der Stress in der Küche nachlässt, durchaus noch Zeit für ein Schwätzchen übrig bleibt. Und das lieben wir bekanntlich über alle Maßen (jetzt zum Beispiel, denn wir sind ja immer noch nicht auf den Punkt gekommen! Aber jetzt gleich, versprochen!).

Im Gutshaus-Restaurant agiert der Service zwar nach allen Regeln der Kunst, aber glücklicherweise überhaupt nicht steif. Wir sahen (im Vergleich zu unseren vorherigen Besuchen) neue Gesichter, und zwar hübsch strahlende. Und wir sahen zur großen Freude Mario Pattis, der den ersten von zwei Grüßen der Küche servierte: Einen getrüffelten Kartoffelschaum (der roch vielleicht angenehm!) und darin ein Kartoffel-Eis mit Curry-Geschmack. Wow! Eine verrückte Idee, aber eine sehr leckere (hier jetzt die üblichen Verdächtigen unter den beschreibenden Vokabeln ergänzen: locker aufgeschlagen, angenehme Würze, betörender Trüffelduft und dergleichen: passen alle!).

Wir hatten, sollte ich vielleicht erwähnen, das Kochsternstunden-Menü bestellt inklusive Weinbegleitung (pro Person 60 Euro, ohne Wein 35 Euro). Da stand als erster Gang “Amuses Bouches” – das ist Mehrzahl! Also freuten wir uns auf die zweite Mundfreude – und die kam in Form einer Felsenauster auf Passionsfrucht mit einem Klacks Kokossahne on top (Mario Pattis hat das etwas formvollendeter angekündigt, als er’s brachte…). So könnte es ewig weitergehen, dachten wir, eine Kleinigkeit neckt die nächste, alles schmeckt fein und die Weine des Prinzen (bis hierhin ein 2009 Riesling Kabinett Kloster Heilig Kreuz vom Ufer gegenüber und einen 2009 Weißburgunder - beides eher leichte Vertreter ihrer Art) fügen sich prima ein in die Gaumenfreuden.

Mit einem “Nun aber die richtige Vorspeise!” kündigte Mario Pattis Tatar vom Lausitzer Saibling mit pochiertem Bioei und marinierten Kräutern in Curry-Zitronengrasschaum an. Spätestens hier wurde uns dann klar, dass Pattis, seitdem er beim Prinzen zur Lippe geschmacksbildend wirkt, aufs Höfische mit seinen gehäuften Anbeiaufs verzichtet. Das pochierte Ei zerlief, einmal angeschnitten, in die Sauce und verfeinerte sie. Wir waren begeistert und fanden auch nicht, dass es zuviel Schaumschlägerei war, die uns da an den Tisch gebracht wurde.

Zum Hauptgang gab’s einen 2008er Dornfelder! Der hat hier nichts vom alten Image als Deckwein zur Farbgebung, sondern war ein exzellenter Begleiter zu Zweierlei vom Lamm mit mediterranem Gemüse und einem Kartoffel-Parmesantörtchen, bei dem uns das zarte Lammcarrée besonders begeisterte und fast noch besser gefiel als der Lammrücken. Beides rosa und butterzart, wie es sein sollte. Bei solchen Kleinigkeiten merkt man dann eben schnell, dass ein Meister am Herd steht.

Vor der angekündigten “Dessertinspiration” gab’s schon mal ein Vor-Dessert! Eine – natürlich alkoholfreie – Pina Colada, die uns hauptsächlich wegen des begleitenden Glases gefiel, in dem sich hauseigener Sekt mit Quittenlikör aus der (auch hauseigenen, was anderes kommt hier nicht auf den Tisch!) Meissener Spezialitätenbrennerei vermählt hatten. Und dann, zum krönenden Abschluss, die Dessertinspirationen. Nougat-Törtchen kam unserem geheimen Wunsch nach irgendwas mit Schokolade schon sehr nahe, zart schmelzendes Mango-Eis passte gut dazu und überraschte mit kleinen Sprengstoffexplosionen im Mund (nicht neu, aber immer wieder nett!). Dazu reichte der Service ein Glas Porto, jenes nicht Portwein sich nennen dürfende Getränk, dass (‘tschuldigung:) verdammt wie Portwein schmeckt. Ein edelsüßer Roter aus Frühburgunder und Dornfelder, der mit seinem üppigen Bouqet nach mehr schmeckt!

PS: Wer sich das Bild aufmerksam ansieht, wird hier etwas vermissen. Oben rechts sieht man den Proschwitzer Klassiker im Weckglas serviert: Bäckchen mit Sellerieschaum und Trüffel. Das brachte uns Mario Pattis (ich denk: außerhalb der normalen Menüfolge) an den Tisch. Wahrscheinlich wollte er, dass wir deswegen mal wiederkommen. Ist ihm gelungen!

Lippe‘sches Gutshaus-Restaurant
Dorfanger 19
01665 Zadel

Tel.: 03521 | 76 76 73
www.schloss-proschwitz.de

Geöffnet Mittwoch bis Sonntag ab 12.00 Uhr

[Besucht am 5. April 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung | vorherige Besuche im März 2011 und im November 2010]

Immer mehr als einen Wein

WeinKulturBar

Versuch, das Phänomen Wein | Kultur | Bar in Dresden Striesen zu beschreiben

Manchmal lohnt es sich zu planen: Für Spontanbesuche ist die Wein | Kultur | Bar von Silvio Nitzsche zumindest am Wochenende nämlich nicht geeignet: Das Reservierungsbuch ist auf Monate hinaus gut gefüllt. Es gibt Ausnahmen: Wenn es Sommer ist und unverhofft gutes Wetter … dann findet sich manchmal auch spontan draußen noch ein Plätzchen. Oder wenn gar kein Wochenende ist und man auch nur zu zweit kommt – da geht’s manchmal schon. Allerdings kann keiner so schön “Tut mir leid!” sagen wie Silvio Nitzsche, weswegen man zwar traurig geht, aber nicht missmutig.

Damit wäre aber auch gleich zu Beginn schon alles gesagt, was einem keine Freude bereiten kann an diesem Ort fröhlichen und kulturvollen Genießens! Nicht ohne Grund ist die kleine Weinbar (ich habe nie gezählt, aber ich schätze sie mal auf höchstens 20 Plätze) in einem Eckhaus im Dresdner Genuss-Stadtteil Striesen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Anfang 2010 zur Weinbar des Jahres gekürt worden.

20 Plätze – das klingt nach verdammt wenig. Ist es auch – aber mehr dürften es gar nicht sein, denn Silvio Nizsche kümmert sich intensiv um seine Gäste. Und nur weil es ein Eckhaus ist, ist die WeinKulturBar noch längst keine Eckkneipe! Der Gast kann wählen aus einem über 200 Seiten dicken Buch, in dem rund tausend Weine verzeichnet sind. Im Grunde genommen etwas für Abstinenzler, denn vor lauter Lesen kommt man ja nicht zum Bestellen. Also gibt es eine täglich wechselnde kleine grüne Karte, in der Weinempfehlungen stehen: Das ist schon mal eine Auswahl, auf die man sich verlassen kann. Oder man bittet den Gastgeber, einfach zu bringen, was er für gut hält. Der erkundigt sich dann noch nach Vorlieben, Antipathien und sonstigen Gemütszuständen, die den Trinkgenuss beeinflussen können – und bringt immer mehr als einen Wein.

Bis der kommt, ist es allerdings nicht leer auf dem Tisch: Ein bis drei hervorragende Olivenöle, vier Gläser mit Salz, vier Schälchen mit Snacks (Oliven, Kapern und derlei Dinge), Balsamessig, dazu Brot. Alles von der Art, dass man sich am liebsten reinsetzen würde (was man natürlich nicht tut, weil es ja nicht schicklich ist und obendrein eine gewisse sportliche Akrobatik voraussetzen würde). Eine wunderbare Grundlage für die Weine, die da kommen werden…

…und dann auch präsentiert werden: Wie gesagt, bei unserer lockeren Bestellart kommt Silvio Nitzsche gerne mal mit zwei Flaschen in der Hand – zumal wir auf die Frage “einer, der Vergnügen bereitet oder einer, der außergewöhnlich ist?” uns gerne mit dem Außergewöhnlichen anlegen. Das sind manchmal schon verwegene Gesellen – aber mit denen einen Teil des Abends verbringen zu dürfen, kann schon ein merkenswertes Vergnügen werden. Die Weine gibt’s offen im 0,1 l Glas, und natürlich darf man vorher probieren. Endlich mal ein Ort, wo diese Zeremonie nicht leer ist, sondern sinnvoll – weiß man doch oft gar nicht, was auf einen zukommt. Aber auf diese Weise geraten Abende in der WeinKulturBar zu einer vinophilen Lektion, die doppelt genussvoll ist: Einmal weiß der Herr Nitzsche, der in einem früheren Leben sicher einmal ein Wein-Lexikon war, immer sehr angenehm zu informieren – ach, was heißt hier angenehm: Er sprüht vor Begeisterung, er erzählt dies und das, stellt Zusammenhänge her, macht auf Details und Geschmacksnuancen aufmerksam. Man merkt: Hier gibt einer der begnadetsten Sommeliers der Republik (Nitzsche war fünf Jahre Sommelier beim 3-Sterne-Koch Dieter Müller) sein Wissen weiter. Und dann lässt er den Gast mit seinem Glas allein, auf dass der dann den zweiten Genuss erlebt: Den Wein zu trinken. Lebenslanges Lernen, wer mag es bestreiten, ist eine tolle Sache!

An dieser Stelle kommt das dicke Buch, das sich bescheiden Wein-Liste nennt, wieder ins Spiel. Wir haben zwar noch nie daraus bestellt, aber immer wieder gerne drin gelesen. Es lohnt sich, denn neben den Weinen (und Kaffees, Schokoladen, Tees, die es auch gibt hier) finden sich darin eine Menge bemerkenswerter und manchmal auch sehr lustiger Ideen. Zum Beispiel die Sache mit dem Taxi, das Nitzsche all denen empfiehlt, die instensiv studiert haben an so einem Abend. Zehn Prozent der WeinKulturBar-Rechnung übernimmt er für die Taxifahrt. (Wir nutzen den Service nie: Direkt vor seiner wie auch vor unserer Haustür gibt es eine Haltestelle der Dresdner Verkehrsbetriebe!) Oder die Seite, in der von ganz exklusiven Angeboten die Rede ist (uns gefällt besonders die Kategorie “Um jeden Preis”, wo es für 4,44 Euro eine Flasche gibt, zu der es heißt: “Schön, dass Sie den trinken, ich würde es nicht.” Ich glaube, diesen “äußerst fragwürdigen Tropfen” muss ich mal bestellen beim nächsten Besuch!

Die WeinKulturBar ist allerdings nicht nur the home of your Lieblingswein (steht so in der Karte!), sondern immer mehr auch home of your Lieblingskäse. Denn was Silvio Nitzsche dem Wein, ist Jana Weiske für den Käse. Aus bis zu hundert verschiedenen Sorten (Kuh, Schaf, Ziege) stellt die “Käsebeauftragte des Hauses” nun schon seit drei Jahren mit Erfahrung und Leidenschaft individuelle Teller zusammen. Serviert werden sie mit aufregend komponierten Begleitern (wie beispielsweise Rote Beete in Pfefferminz, Kirschen in Eierlikör und andere unglaubliche Kombinationen), die – Probieren ist hier mal wieder Studieren – aber die Geschmacksnuancen der Rohmilchkäse aufs Bezauberndste unterstützen. Und wenn die Käseplatte (kleine Portion mit 4-6 Stück 7,50 Euro, mittlere Portion mit 8-10 Stück 13 Euro, große Platte mit 20 Stück 25 Euro) an den Tisch kommt, werden die einzelnen Sorten genau so kenntnisreich vorgestellt wie die Weine.

PS: Die Weine, die man dort trinken kann, kann man auch als Flasche kaufen und zu Hause trinken. Und den Käse portionsweise mitnehmen. Kann auch ganz schön sein…

WEIN | KULTUR | BAR
Wittenberger Str. 86
01277 Dresden Striesen

Tel.: 0351/3157917
www.weinkulturbar.de

Geöffnet
Dienstag bis Samstag 15.00 bis mindestens 23.00 Uhr
Reservierung, auch langfristig, dringend empfohlen

[Zuletzt besucht am 30. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Gasthaus Oberschänke

Kochsternstundenmenü in der Oberschänke

Verzeihn Sie, mein Herr,
Fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?
Er schafft’s vielleicht,
Wenn’s mit der Kohle noch reicht.

Kötzschenbroda-Express

Altkötzschenbroda! Mein Lieblings-Anger in der Gegend, schon weil der Name so toll ist und Bully Buhlan den Ort 1946 in seinem Swing verewigte (1983 machte Udo Lindenberg dann den Sonderzug nach Pankow daraus). Der ganze Ort ist liebreizendst restauriert und insgesamt eine veritable Kneipenmeile. Ganz am Ende (oder, wenn man von eben da kommt: ganz am Anfang) gibt es neben der Friedenskirche das Gasthaus Oberschänke. Das klingt so richtig altbacken – und ist das genaue Gegenteil!

Wir erlebten einen sehr herzlichen und fröhlichen Abend – mit einer Bedienung, die bestens drauf war, sich um unser Wohl(ergehen) kümmerte und auch im Stress noch Zeit für beschwingte Unterhaltung fand. So haben wir das gerne (und wünschen es uns auch andernorts!). Unser Viergang-Menü im Rahmen der Kochsternstunden kam erstaunlich flink – wir hatten den Eindruck, dass andere Gäste, die á la carte bestellt hatten, länger warten mussten. Allerdings schienen die auch entspannt und gelassen, so dass der Eindruck auch trügen kann. Wartezeiten sind ja per se auch nichts Schlimmes, schon gar nicht, wenn wirklich frisch gekocht wird.

Und frisch zubereitet ist es in der Oberschänke! Unsere Vorspeise von Garnele, Wachtel und Ziegenkäse war ein klar arrangiertes Trio mit vielen Geschmacksexplosiönchen, die Freude bereiteten. Dazu gab’s dann übrigens einen halbtrockenen Riesling (2010 feinherb von Josef Rosch).

Schön kräftig schmeckte das Filet vom Seesaibling mit Kartoffelkruste, Borschtschgraupen und Parmesanschaum (der separat auch nachgereicht wurde, was uns gut zupass kam ;-)  ) – und einmal mehr durften wir entdecken, dass Graupen durchaus köstlich schmecken können. Auch Rote Bete (im Gemüsebett unterm Fisch) sind viel besser als ihr Ruf, wenn man sie denn richtig zubereitet. Es machte “hhmmm” und “hhhhmmmmm” am Tisch, wozu ein apulischer 2009 Chardonnay (!) von Tormaresca durchaus beitrug (und wir etwas entsetzt feststellen mussten, das Weingut bei unserem Besuch in Apulien verpasst zu haben)!

Eigentlich waren wir ja hauptsächlich wegen der Geschmorten Kalbsbäckchen, Osso Buco Gemüse & Kartoffeltörtchen nach Altkötzschenbroda gefahren – eine Weltreise, wenn man im Süden Dresdens wohnt ;-) . Aber es hat sich gelohnt! Die Kalbsbäckchen butterzart – sie zerfielen vor Scham, wenn man sie nur ansah. Aber sie waren keineswegs trocken! Das Gemüse unterm Bäckchen fein abgeschmeckt, der Broccoli bissfest – nur das Kartoffeltörtchen vielleicht ein wenig zu trocken und käselastig (aber wenn man’s mag…). Auch hier wurde in einer Sauciere was zum Ditschen nachgereicht: Das mag zwar nicht die feine Küche sein, aber die leckere ist es! (Die Weinempfehlung, ein 2010 Merlot von Torres, war mir ein wenig zu grantig für das feine Bäckchen. Aber das haben wir unter “Geschmackssache” verbucht).

Zum Dessert gab es ein Arrangement köstlicher Süßigkeiten – ein nett arrangierter Mix aus weißem Tobleronemousse auf Rhabarberkompott, Rote-Grütze- und Granatapfeleis, Rhabarbermuffin und einer Obstgarnitur. Und eigentlich noch ein Birnen-Lavendel-Sorbet, denn das gab’s als zusätzlichen Gruß aus der Küche vor dem Dessert! Taylor’s 2004 Vintage Port erwies sich als durchaus passender Begleiter zu den hausgemachten Süßigkeiten…

Gasthaus Oberschänke 
Altkötzschenbroda 39
01445 Radebeul

Tel.: 0351 / 838 88 13
www.oberschaenke.de

Geöffnet:
Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr Samstag, Sonntag und Feiertags ab 12.00 Uhr

[Besucht am 26. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Das Lied vom Zug nach Kötzschenbroda in einer, hm, sagen wir: gewöhnungsbedürftigen Fassung

Runde Sache: Besuch im Cube

Cube

Den Tipp zum Besuch des Cube bekam ich vor einiger Zeit über einen Facebook-Kontakt: Da sei es toll, da solle ich unbedingt mal hin. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn irgendwie erschien es mir nach Betrachten der Webseite mehr Bar und Lounge als Restaurant zu sein. Aber man kann sich ja auch irren – wir waren nämlich jetzt im Rahmen der Kochsternstunden dort und schlichtweg begeistert!

Seit August 2011 gibt es das Cube, in dem Würfeliges das Design bestimmt. Allerdings nicht zum Anecken – eher gestaltete sich der Abend zu einer runden Sache, mit nur kleinen Irritationen der überschaubaren Art: Der Service unter der Leitung des einen von zwei Inhaber-Brüder David und William Georgi erschien uns nämlich eine Spur zu beflissen. Sich nach dem Wohlergehen der Gäste zu erkunden, ist ja ganz OK, aber quasi nach dem ersten Bissen schon ein gestelztes (und sich bei allen Gängen wiederholendes) Frage-Antwort-Spiel a la “Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?” – “Ja, Danke…” – “Das hören wir gerne!” anzuleiern, kann dann schon auf den Keks gehen, um das einmal bewusst salopp zu formulieren. Und die Wiederholung des Spiels nach jedem Gang macht’s auch nicht besser. Derlei Steifheit stört uns auch in durchaus vornehmeren Restaurants – aber in einem Szenerestaurant (als solches firmiert das Cube auf der eigenen Webseite) mögen wir sie gar nicht.

Das war’s aber auch schon, denn ansonsten war alles eher prima. Das Menü begann – weil wir mit dem Kochsternstunden-Veranstalter Clemens Lutz im Rahmen des “offenen Genuss-Tisches” da waren – mit einem zusätzlichen Amuse Geule. Aus der Küche kamen die an Genuss-Tisch-Abenden obligatorischen Sternenudeln, aber dezent zurückhaltend auf kräftig würzigem Rindercarpaccio und Proseccoschaum serviert. Ein geschmackvoller Gruß aus der Küche!

Kaltes Champagnerschaumsüppchen mit Melonen Kaviar beeindruckte nicht nur durch einen leicht säuerlichen frischen Geschack, sondern vor allem auch durch die Kügelchen der Melone (die optisch in der Tat an Forellenkaviar erinnerten). Der dazu servierte 2009 Schloß Wackerbarth Grauburgunder war eine perfekte Ergänzung.

Vom Aussehen erinnerten die Heilbuttnocken auf Rotebeete Carpaccio mit Safran-Zitronengrasschaum ein wenig an den Gruß aus der Küche, aber geschmacklich war das dann schon ein eigenes Erlebnis. Die Nocken ähnelten in Farbe und Konsistenz Mozarella, hatten aber (natürlich!) einen wunderbaren Eigengeschmack, der im harmonischen Gegensatz zur erdigen Roten Bete stand. Dazu tranken wir einen 2010 Spiess Chardonnay QbA Vom gelben Löss – ein trefflicher Begleiter!

Höhepunkt des Abends war dann allerdings das Rosa gebratene Rinderfilet an Kartoffelstroh und Fingermöhren mit Cognac Jus! Das Filet kam vom Limousin-Hof Klemm, den wir ja schon mal besucht hatten – beste Qualität also. Was uns aber so unglaublich ins Schwärmen gerieten ließ, war die Zubereitung: Endlich einmal wirklich rosa – und das, obwohl (konsequenterweise!) nicht gefragt wurde, wie wir es haben wollten: Das wurde (korrekt, korrekt!) einfach vorausgesetzt, dass es nur so und nicht anders geht. In einer Sauciere reichte der Service mehr vom Jus, was wir dankend angenommen haben. Spontan beschlossen wir: Für diesen Gang gehen wir nochmal ins Cube! Ach ja, for the records: Dazu gab’s 2006 Lamborghini Trescone

Zum Abschluss genossen (jawohl!) wir Schokoladen Spaghettinis gratiniert mit frischen Früchten und Weinschaum Sabayon, wobei die Schoko-Spaghetti überraschend schokoladig schmeckten und auch gut aussahen – “nach einem Monat Herumexperimentiererei!”, wie uns David Georgi versicherte. Dazu gab’s was Süßes: 2010 Marchesi di Barolo Moscato Zagara d‘Asti DOCG.

PS: Alle Gerichte haben wir so geschrieben, wie sie in der Karte standen. Freiwillig hätten wir Leerzeichen und/oder Bindestriche ja manchmal anders gesetzt…

PS 2: 4 Gang Menü 39,00 €, inkl. Weinbegleitung 52,50 €

Restaurant Cube
Herbststr.1
01139 Dresden

Tel.: 0351 / 657127 95
www.cube-dresden.de
www.kochsternstunden.de/index.php/cube.html

Geöffnet:
Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertags ab 12.00 Uhr

[Besucht am 26. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]