Köstliche Sushi und Sashimi zum Sattwerden

Tokyo Café Restaurant

In einem Jugenstilhaus genießt man im Tokyo Café Restaurant all you can eat

Haus Spui 15
Haus Spui 15

Die Lage ist gut: am Spui, einem der touristischen Zentren von Amsterdam. Das Haus fällt auf, weil es aus dem Rahmen fällt: Jugendstil ist im Backstein-geprägten Amsterdam eher die Ausnahme, aber das Mosaik mit den Worten “M. Buttinghausen * Fotografie * Artistique” ist auf jeden Fall ein Hingucker. Nicht ganz passend die Leuchtreklame im Erdgeschoss, die klar macht: Hier ist kein Fotograf mehr tätig, das Glasdach des um 1900 vom Architekten G. van Arkel für den Fotografen Buttinghausen gebauten Hauses hat seine Schuldigkeit getan. Heute residiert hier ein Sushi-Restaurant, aber trotz der exponierten touristischen Lage ein hervorragendes.

Man könnte à la carte essen, aber das macht hier wohl keiner, denn es gibt ein unschlagbares all-you-can-eat-Angebot: Für 22,80 Euro (mittags: 17,80 Euro) kann man sich zwei Stunden lang bedienen lassen. Auf einem Zettel notiert man, was der Tisch haben möchte, das bringt der Service dann an den Tisch. Wir waren zu viert mit zwei erfahrenen Tokyo-Gängern und bestellten reichlich: “Wollen Sie wirklich fünf Mal die Lachs-Sashimi? Jede Portion besteht aus drei Scheiben!” fragte die Bedienung und sah erstaunt, dass auch der Rest des Bestellzettels gut gefüllt war. Doch doch, wir wussten es und wollten es, und nicht nur das. Aus gutem Grund: Lachs und Thunfisch waren taufrisch, der Lachs wunderbar marmoriert – und ja, wir bestellten in Runde zwei davon noch einmal nach, was die Bedienung dann doch irgendwie unfassbar fand.

Aber die Regeln des Hauses hatten wir befolgt: Es darf erst nachbestellt werden, wenn alles aufgegessen wurde. Ansonsten kann man so oft bestellen wie man mag, große Portionen, kleine Portionen – egal. Wir hatten (für vier Euro mehr pro Person, geht – vernünftigerweise – nur tischweise) das Deluxe upgrade genommen, weil dort die besseren (und teueren) Dinge wie Sashimi drin sind. Rechnet sich aber schnell!

Wir saßen im oberen Teil des Restaurants, wo wir von der Hektik des Eingangsbereichs und dem Trubel kommender und gehender Gäste nichts mitbekommen haben. Dieser Teil ist mit Holzbänken und -tischen zurückhaltend modern eingerichtet, Kissen sorgen für angenehmen Sitz. Aber da man nach zwei Stunden sowieso raus sein sollte, um der nächsten Schicht von All-You-Can-Eatern Platz zu machen, ist das Sitzfleisch eh nicht das große Argument.

Wie gesagt, Dank mehrerer Vorbesuche unserer local scouts konnten wir die Higlights des Hauses gezielt aussuchen. Da sie aber alle mundeten, wage ich einmal die Behauptung: Eigentlich egal, was man im Tokyo bestellt – es scheint alles gut zu sein. Also erwähne ich nur einmal, dass die spicy tuna roll tatsächlich ihren Namen verdient und angenehm scharf war, dass der seaweed salad herrlich nach Sesam schmeckte und perfektes Dressing hatte – und dass wir beim nächsten Besuch sicher wieder einen Tisch dort reservieren werden! Aber vielleicht lieber mittags, denn dann bleibt mehr Zeit, sich den vollen Magen leer zu laufen!

Tokyo Café Restaurant
Spui 15
1012 WX Amsterdam
Tel. 020 489 7918
www.tokyocafe.nl

Geöffnet: täglich 11 – 23 Uhr

[Besucht am 5. Mai 2012 | Lage]

Tulpen und Meer

Rosenfeld bei Bergen

Die Sache mit den endlosen weiten Tulpenfeldern und der schmucken Windmühle im Hintergrund, natürlich alles vor strahlendblauem Himmel: das haben die Holländer erfunden, denke ich mal. Die Tulpenfelder waren nämlich bei unserem Besuch endlich, die Windmühle stand ganz woanders und hatte gar keine Flügel. Und der Himmel? Niederländischgrau statt preußischblau.

Noordwijkerhoud
Noordwijkerhout

Unser Reiseführer hatte eine Straße quer durch die Felder versprochen, links und rechts nichts als Tulpenfelder. Links aber standen meistens Häuser, manchmal sogar nette. Rechts waren auch Häuser, und nur hin und wieder sahen wir den Hauch eines Tulpenfeldes. Aber von wegen Blüten! Hier machen sie – außerhalb von touristischen Orten wie dem Keukenhof, der sich das aber mit Eintritt recht ordentlich bezahlen lässt – hier also machen sie gar nicht auf Tourismus, sondern betreiben Gartenbau und Landwirtschaft. Und da werden die Blüten der Tulpen zur besseren Zwiebelvermehrung abgeschnitten. Will heißen: Viele Felder sind grün.

So ist das in Nord- und Südholland, wenn man nicht gerade in den ein, zwei Wochen da ist, in der die Postkartenfotografen ihre Bausatz-Wander-Mühle mit riesigem blauem Hintergrundtuch in die Landschaft stellen, um ihre Fotos zu schießen.

Tulpen
Tulpen

Wir hatten unsere Mühle zu Hause gelassen und nahmen mit dem vorlieb, was die Natur hergab. Das war weniger als erwartet und mehr als nichts. Unweit von Bergen fanden wir das erste Feld, mit roten, lila, gelben und weißen Tulpen sowie als Zugabe farblich sehr schön blau kontrastierend Traubenhyazinthen. Ganz hinten am Horizont hatten die Fotografen sogar eine Mühle stehen lassen, und die Blauerhimmelschäfchenwolkenkulisse stand auch noch.

Bergen aan Zee
Bergen aan Zee

Natürlich haben die Holländer für die Zeit außerhalb der Tulpensaison noch andere Dinge für die Menschen dort arrangiert. Bergen aant Zee ist eins der klassischen holländischen Seebäder, mit meilenlangem Sandstrand und Dünen (aus gutem Grund: Betreten verboten) sowie Restaurationen für die Massen. Wir hatten mit SB Noord einen ganz netten Ort erwischt, mit freundlichem Personal und (wenn man das allein vom Spinksen an den Nebentisch so schreiben darf) ganz passablen Salaten. Man sitzt draußen, wird aber vom viehisch kalten Wind durch Glaswände geschützt. In meiner Heimat Ostfriesland, quasi der Fortsetzung der holländischen Küste gen Nord-Ost, gab’s das vor Jahrzehnten auch schon. Brutkästen nannten wir die praktische Einrichtung…

Der Ort selbst ist schnell durchschritten, weil nicht nach unserem Geschmack: Zu touristisch angelegt. Das geht, mussten wir dann später feststellen, auch noch schlimmer. Zandvoort reichte uns nach dem Durchfahren, Noordwijk aan Zee nach halbstündigem Durchlaufen. Dass mehrere Millionen Strandurlauber pro Jahr das offenbar anders sehen, bestärkte uns übrigens eher in der schnell gefassten Meinung…

Touristeneinfall
Touristeneinfall

Da gönnten wir uns doch noch ein Tulpenfeld etwas landeinwärts. Natürlich Häuser rundum, aber das kannten wir ja schon. Dafür hatte man auch im blütengeköpften Teil den einen oder anderen roten Tupfer stehen lassen, so dass es ein schönes Lehrbuchbild geworden ist. Wir waren mit unserer Tulpenknipserei gerade fertig, als ein Kleinbus vorfuhr und eine überschaubare Ladung wild gewordener Touris auskippte. Die Rollenverteilung war ganz einfach: Frauen und Kinder, kreischend, ins Feld, die Männer mit ausgestreckten Armen die Digiknipse haltend an den Feldrand zum Ablichten. Der Busfahrer stand ungerührt vor seinem Bus und dachte sich sein Teil. Uns, die wir in einen Leihwagen mit niederländischem Kennzeichen einstiegen, machte er mit einem leichten eindeutigen Augenaufschlag zu seinen Verbündeten.

Weinwanderung durch linkselbische Seitentäler

Am Weinberg

Die Sächsische Weinstraße verläuft – aus gutem Grund, möchte man meinen – rechts der Elbe. Na klar, da gibt es zwischen Pillnitz und Zadel die großen Namen, da kann man von Aust bis Zimmerling all diejenigen besuchen, deren Wein man immer schon mal vor Ort verkosten wollte. Aber Wein wächst auch links der Elbe, gar nicht so weit von Dresden entfernt: Die beiden Winzer Rolf Fehrmann und Lars Wellhöfer zeigten im Rahmen des Deutschen Wein-Wander-Wochenendes einen gigantisch schönen Abschnitt der linkselbischen Landschaft. Nicht ganz zufällig führte der Weg durch ihre Weinberge…

Pumpspeicherwerk Niederwartha
Pumpspeicherwerk Niederwartha

Gegenüber vom Stausee Niederwartha mit seinem Pumpspeicherwerk führt ein kleiner Weg bergan – zwar gut hundert Meter hoch nur, aber durch liegen gebliebenes Laub raschelt man sich schon mal so durch den Cossebauder Park hoch auf die Herrenkuppe, dass man glaubt, was getan zu haben. Oben angekommen, mussten wir erst einmal mit unserer Vorstellung von einem Turm aufräumen, denn der dortige Bismarckturm ist nur ein kleiner Stumpen, mit dem die Cossebauder 1913 die Umgebung ihres Dorfes schöner und attraktiver gestalten wollten. Als Feuerstelle für Feuerchen zur Sommersonnenwende ist die Höhe aber quasi quadratisch-praktisch-gut.

Bismarckturm Cossebaude
Bismarckturm Cossebaude

Der Ort des Monuments ist freilich gut gewählt: Man kann, klare Sicht vorausgesetzt, einen vorzüglichen Weitblick genießen: Nach rechts ins Tal, das sich gar lieblich gestaltet und für die weitere Wanderung Gutes verspricht, nach vorn auf die Stadt Dresden mit den Tafelbergen der sächsischen Schweiz im Hintergrund und nach links über die Elbe bis weit ins Hinterland. Wir gehen die Stichstraße, die zum Bismarckturm führt, zurück: Gnomenstieg heißt sie – was ja vielleicht erklärt, dass man mit einem nur 4,50 Meter kleinen Turm auskommt…

Im Weinberg
Im Weinberg

Die dann kommenden Straßen weisen den richtigen Weg: Ein Stück Weinbergstraße, dann der Bischof-Benno-Weg (nach jenem Bischof von Meißen, der seinem großen Vorbild folgend trockenen Fußes die Elbe überquerte – wobei er keine Brücke nahm, sondern einen Rebstock, mit dessen Hilfe das klappte. Sagt die Sage). Und dann stehen wir auch schon am Weinberg von Rolf Fehrmann. Es ist eine Steillage, bis zu 60 Grad immerhin. Dort wächst ein guter Wein – wer die Edition Meißen vom Meißner Weinhaus des Prinzen zur Lippe trinkt, hat zu rund 80 Prozent einen Fehrmann drin. (Natürlich probierten wir den Blanc de Blanc und waren – noch ein natürlich! – begeistert.)

Drei Rotwein
Drei Rotwein

Unter eigenem Etikett von “Weinbau Fehrmann” gibt’s natürlich auch Weine. Wer wollte, konnte vergleichen: einen Spätburgunder und dagegen einen Blanc de Noir, der uns trotz seiner 14 % sehr frisch vorkam – aber mit einem runden Körper, der die Familienzugehörigkeit zeigte. Beim Weißburgunder (mit satten 15,5 Volumenprozent!) hingegen wollte bei uns keine Begeisterung aufkommen – vielleicht abends zum Essen, aber so im Garten dann doch lieber nicht. Wobei an dieser Stelle ein Wort zum bezaubernden Ambiente des Winzerhauses geschrieben werden muss: traumhaft!

Weingut Fehrmann
Weingut Fehrmann

Auch die schönsten Pausen neigen sich einmal dem Ende zu, weiter geht’s – nicht ohne einen Blick zurück auf den Berg mit seinen Trockenmauern und Terrassen. Der Weg führt zuerst an einer skurrilen Installation namens “Schneewittchen, die sieben Zwerge und ein Flüssiggastank” vorbei. Wenig später warnt ein Schild davor, dass der Schäferhund des Hauses schlechte Laune haben könnte. Wir hatten Glück – er war nicht da, so dass uns seine Laune egal sein konnte. Noch ein wenig später sieht man die Wasserschlösser, die aber keineswegs mit den romantischen Gebäuden gleicher Bezeichnung mithalten können, sondern technische Dinger sind: Türme zum Druckausgleich.

Raps- und Baumblüte
Raps- und Baumblüte

Nicht schön, aber notwendig und wohl auch ein technisches Denkmal, denn die ganze Anlage ist die nullkommaachte und zweite ihrer Art (oder so). Aber gleich nach Überquerung der drei Pumprohre kommt Natur pur. Das Gelb von Löwenzahn streitet sich mit dem der Rapsfelder um den satteren Ton, Kirschblüten geben fröhliche weiße Tupfer, die anderen Bäume und die Wiese zanken sich des Grüns wegen. Das alles in einem Auf und Ab von Hügeln und Tälern wie dem Tännichtgrund.

Am Weinberg
Am Weinberg

Auf offener Flur nutzt Lars Wellhöfer, dessen Weinberg wir uns planmäßig nähern, die Gelegenheit zu einer Minilesung von Kurzsagen aus der Gegend. Hat was! Das Dorf Weistropp lassen wir rechts liegen – haben es uns aber vorgemerkt für eine spätere STIPvisite, aus Gründen. Stattdessen machen wir wieder runter ins Tal und (mit erheblicher Steigung) wieder rauf, passieren einen alten Baum aus dem Jahr 1648 und einige nicht ganz so alte Kühe, um dann unverhofft im Weinberg von Lars Wellhöfer zu stehen. Korrekt müsste es heißen: In einem seiner beiden. Der Weinberg in Kleinschönberg, so erfahren wir, sei der einzig bewirtschaftete Terrassenweinberg im Wilsdruffer Vorland – Rekorde gibt’s…

Lars Wellhöfer
Lars Wellhöfer

Wellhöfer bewirtschaftet 0,85 ha – zu wenig, um allein davon zu leben. Also hilft er anderen Winzern im Weinberg, baut auch deren Wein aus. Wir probierten aus der Einzellage “Cossebauder Bauernberge” einen Goldriesling. Goldriesling, muss man wissen, ist nicht etwa die güldene Spitze aller Rieslinge, sondern “eher das Gegenteil”, wie Wellhöfer meinte. Wobei seiner das Zeugs zu einem leichten Terrassenwein für den Sommer hat, den man auch im Garten, auf dem Balkon oder an der Elbe genießen kann. Die Rebe wächst übrigens fast nur noch in Sachsen, weswegen sie den Besuchern dieser Gegend als Rarität zum Wegsüffeln durchaus empfohlen werden kann.

Goldriesling
Goldriesling

Der Weinberg ist von Wellhöfer aus dem Dornröschenschlaf geweckt worden: Er war eine wilde Streuobstwiese. Alte Rebstöcke hat er noch gefunden, neue dazu gesetzt. Für so einen kleinen Berg eine bunte Mischung, sieben Sorten insgesamt. Eine zweite durften wir noch probieren: einen Kernling. “Wat is denn ditte?” wollten alle wissen und ahnten Böses. Aber das ist gar keine Neuzüchtung, sondern eine natürliche Mutation des Kerner. Das “-ling” soll als Hinweis darauf verstanden werden, dass er vom Typus dem Riesling ähnelt. Der 2011 Kernling von Wellhöfer war halbtrocken und dennoch erfrischend – es steht genug Säure der Restsüße entgegen.

Der Rest ist Rückweg. Durch schattige Wälder, mehr runter als rauf, mit dem einen und dem andren Blick auf Kirchtürme der umliegenden Dörfer. Eine romantische Gegend!

Weinbau Fehrmann
Talstraße 62
01156 Dresden
Tel. +49 351 454 19 70
www.weinbau-fehrmann.de

Weinbau Lars Wellhöfer
Sachsdorfer Straße 11
01157 Dresden
Tel. +49 351 427 33 39
Mobil +49 172 167 23 99
www.weinbau-wellhoefer.de

GPS-Aufzeichnung des Weges:

Linkselbische Täler – Weinwanderung

Schlappmacher vs. Endorphine

Roque Cano

Wanderung im Vallehermoso zum Roque Blanco und Roque Cano

Bei unserer Lieblingswanderung um den Roque Cano gab es wieder zahlreiche Anlässe, erneut über diese berühmten Glückshormone nachzudenken. Wie kommt es beispielsweise, dass bei mir die Serotonine und Endorphine immer den Kürzeren ziehen und von den Schlappmachern besiegt bzw. verdrängt werden? Und wie soll man eine vernünftige Antwort auf derlei drängende Fragen finden, wenn während der Wanderung nicht einmal das Internet funktioniert?

Nach 400 Metern Aufstieg kamen erst die qualmenden Socken an, gefolgt von der pfeifenden Lunge und dem buppernden Herzen. Dann, nach einiger Zeit, kamen Serotonin und Endorphin und fragten: is was? „Verpisst Euch!“ sagten die Schlappmacher und trieben uns an, die nächsten 170 Meter zu steigen, um dann letztendlich doch klein beizugeben. Angesichts des Restaurante Roque Blanco, das außer uns alle bequem mit dem Auto erreicht haben, markiert den Scheitelpunkt der Wanderung, denn von da an geht’s bergab. Da kommt Freude auf!

Im Restaurant sitzt die einheimische Bevölkerung, draußen auf der Terrasse mit wehenden Papiertischdecken das Touristenvolk. Bedient werden allerdings alle gleich freundlich!

Restaurante Roque Blanco
Restaurante Roque Blanco

Wir probierten einen „mittleren Salat“, der als Vorspeise deklariert war und uns beiden völlig ausreichte. Außerdem eine gomerische Spezialität: Überbackener Käse mit Palmhonig. Der Käse erinnerte ein wenig an Halumi, quietschte auch so zwischen den Zähnen. Insgesamt ein schöner Zwischenstopp, und mit Blick auf die gomerisch-amerikanische Truppe am Nebentisch, die Kaninchen, Hähnchen und andere Leckereien bestellt hatte, wahrscheinlich auch einen eigenen Ess-Besuch wert. Wir würden dann auch, um weniger verschwitzt anzukommen, das Auto nehmen.

Dass die Glücklichmacher ausgerechnet dann Oberhand bekamen, als wir ein in gefrosteten Gläsern serviertes Dorada-Bier aus der Flasche als Wanderbier genossen, haben wir unter allen kritischen Aspekten später ausführlich erörtert. Erst einmal fanden wir es nur herrlich!

Schafe
Schafe

Der Rückweg über den Roque Cano war so prächtig wie vor fünf Jahren, sogar die Schafe waren wieder da – wenn auch an anderer Stelle. Und wahrscheinlich waren es auch andere Schafe, jedenfalls glotzten uns alle wie Unbekannte an. Wie immer gab es Nachzügler: Dieses Mal lugte erst ein Schäfchen etwas verunsichert über einen Steinfels, und als es uns in durchaus freundlicher Absicht nur mit den Kameras bewaffnet sah, drehte es sich kurz um und sagte im astrein gomerisch akzentuierten Schäfisch: „Die wollen nicht schlachten, die wollen nur knipsen!“, worauf drei weitere Schäfchen über den Kamm schauten und freundlich in die Kameras lächelten. Klick klick klick, und schon stieben sie davon…

Hier geht’s zur GPS-Aufzeichnung dieser Tour:

Vallehermoso – Roque Blanco

Wo auch der Fischer gerne isst

Trasmallo

Das Restaurante Trasmallo ist der optisch auffallende Mittelpunkt des Restaurant-Trios am Plaza de la Señora del Carmen von Vueltas – mit dem Fischrestaurant EL Puerto zur Rechten und dem sich etwas feiner gebenden Tuyo zur Linken. Wir waren relativ früh am Abend da, weil es später erfahrungsgemäß rappelvoll ist. So ergatterten wir noch einen Tisch am offenen Fenster.

Seit acht Jahren gibt es das Trasmallo an diesem Platz, in der offenen Küche werkelt seitdem Julian Armas. Im Service huschen mehrere Leute herum – wir wurden freundlich und schnell bedient. Die Fischauswahl kann à la carte oder viel besser an der Vitrine erfolgen. Wir entschieden uns für die beiden lokalen und fangfrischen Fische Cantarero und Cherne. Der 86 Jahre alte Fischer, der Morgen um Morgen in seinem kleinen Boot rausfährt und dem Restaurant die Fische (oder einen Teil derselben) liefert, saß übrigens an einem Ecktisch und löffelte eine Fischsuppe und genoss später seinen Fisch…

Den Fisch bereiten sie im Trasmallo (wie auch in anderen Restaurants auf Gomera) „wie ein Buch“ zu, das heißt: er wird längsseits aufgeschnitten und dann aufgeklappt und gegrillt. Ich muss zugeben, meine Bücher noch nie gegrillt zu haben, aber ansonsten ist das Bild vom aufgeklappten Buch sehr nett. Beide Fischsorten waren mit gekräutertem Öl bestrichen, was ihnen zusätzlich zum Eigengeschmack eine sehr würzige Note verlieh. Die papas arugadas waren köstlicher als die an anderen Orten genossenen, die Saucen (rote und grüne) wurden als Salsa aus der Tube in sterilen Plastikbehältern serviert – sie erinnerten an Senfspender an deutschen Bratwurstständen. Das sah zwar gewöhnungsbedürftig aus, aber die salsas schmeckten erstklassig – und mit dieser Serviermethode sind Reste wohl hygienisch einwandfrei weiter verwertbar.

Was uns noch auffiel, war das Personal. Einmal die etwas unsicher wirkende, aber durchaus charmante blonde Kellnerin, die offensichtlich erstmals da war und dann ein smarter Jüngling, der es ihr nur zu gerne zeigte und tagsdrauf mittags mit fettem BMW und laut dröhnender Musik vorfuhr: offensichtlich einer der Chefs. Dass wir beide abends noch einmal sehen würden, war dann allerdings eine Überraschung…

Trasmallo
Plaza de la Señora del Carmen
38870 Valle Gran Rey
La Gomera

Tel. 922 805 092
www.trasmallo.eu/index.php/de/

[Besucht am 20. März 2012 | Lage]

Mittagessen auf der Finca Argayall

Finca Argayall

“Vor mehr als 20 Jahren stand so einer in klein im Wohnzimmer meiner Eltern!“ sagt die Frau an der Bar der Finca Argayall.” Es ist Ute, sowas wie der Guest Relations Manager der Finca. Sie serviert uns gerade den besten Espresso der Insel und gehört seit 2010 zum Team der Finca Argayall. Seit 1986 gibt es den “Platz des Lichts” (das bedeutet argayall in der Sprache der kanarischen Ureinwohner, der Guanchen). Über die Vergangenheit erfährt man auf der aktuellen Homepage nichts, in älteren Quellen kann man lesen, dass eine Gruppe von Sannyasins die Finca gegründet haben soll. An die Lehren Bhagwans erinnert vielleicht noch das Motto “Der Platz ist, durch Dich wird er” – aber ansonsten ist die Finca ein mittlerweile auch von großen Firmen gebuchter Platz für Meditation und Seminare (während wir da waren, lief gerade das Coaching-Seminar “Lust auf Veränderung”).

Wir waren am Vortag von einer Küchenhilfe der Finca von Aurure mit ins Tal genommen worden und hatten beim Gespräch im Auto herausgefunden, was er macht: Er gehört für drei Monate dem mittleren der drei Kreise an, die die “alternative, experimentell und erfahrungsorientierte Lebensgemeinschaft” (Zitat Webseite) der Finca bildet. Der innere Kreis sind die derzeit etwa 15 Gründer bzw. Teilhaber, die immer dort leben und arbeiten, der äußere die Gäste, die das nötige Geld bringen.

Die Küche des Hauses ist vegetarisch, es gibt mittags wie abends ein Buffet. Man kann aber nicht einfach hineinschlendern, sondern muss sich anmelden. Uns wollte die Küchenhilfe anmelden, aber entweder er hatte es vergessen oder wir waren der Rezeptionistin suspekt mit unseren beiden fetten Kameras, jedenfalls wurde in der Küche erst einmal nachgefragt, ob wir willkommen seien. Die Antwort: Zum Essen ja, ansonsten aber eher nicht. Unsere Frage, ob wir uns ein wenig mehr umsehen könnten (zum Beispiel den für die Versorgung wichtigen Garten) wurde abschlägig beschieden – wir könnten allerdings an den donnerstags stattfindenden Führungen teilnehmen.

Das (für uns begehbare) Areal macht einen sehr netten Eindruck: Es gibt rund um einen Pool Plätze im Schatten und solche an der Sonne. Wir wählen uns einen Tisch auf einem Holzpodest aus und sitzen somit direkt an der Innenseite der Grundstücksmauer – mit Blick auf Pool und Riesengummibaum (rechts von uns) sowie das Meer (links von uns) mit Hafen von Vueltas und der steil aufragenden Wand des Tequergenche. Der Strand direkt vor der Finca ist steinig – also wie geschaffen zum Erbauen von Steinmännchen, die dann auch brav in Reih und Glied aufgereiht dort stehen.

Um eins läutet die Küche zum Buffett – es ist drinnen aufgebaut (wir haben, um die gewünschte privacy zu respektieren, dort keine Fotos gemacht) und sieht sehr gut aus. Salate, Früchte, Suppen, Warmes und Tee stehen bereit. Wir nehmen hauptsächlich Rohkost, probieren die Suppe und ein wenig Spaghetti – und geschmeckt hat es in genau dieser Reihenfolge zwischen super und naja. Will heißen: die Salate waren knackig frisch und mit feinen Dressings eine Köstlichkeit, die Suppe schmeckte eher beliebig und den Spaghetti fehlte irgendwie eine gute Sauce (nein, es muss nicht unbedingt eine fleischige Bolognese sein!). Die Früchte, die wir uns zum Dessert nahmen, machten das allerdings wieder wett – ist doch schön, wenn man den Garten vor (oder hier: hinter) der Tür hat. Insgesamt für die bezahlten elf Euro ein angenehmes Mittagessen in nicht alltäglicher Atmosphäre. Denn wie sagt einer der Teilhaber im Imagevideo der Finca (@2:13): “Es ist zwar kein Paradies, aber es sieht so aus, und das ist schon ‘ne ganze Menge…”

Finca Argayall
E-38870 Valle Gran Rey
La Gomera
Kanarische Inseln

Telefon +34-922-697008
www.de.argayall.com

[Besucht am 21. März 2012 | Lage]

Von La Calera auf den La Mérica und nach Aurure

Wacholder auf La Mérica

Oben auf dem Berg steht ein einsamer Baum. Man sieht ihn vom unteren Ende des Valle Gran Rey und denkt sich: Wie mag der sich wohl fühlen, da oben im Wind, so gottundvonderweltverlassen? Die Wand des 857 Meter hohen La Mérica geht steil hoch, mit einem scharfen Knick gleich vorne, der am Morgen den Berg in eine Sonnen- und eine Schattenseite teilt. Wir natürlich an der Sonnenseite hoch.

Wieder einmal gab es ausreichend Grund zur Feststellung, dass Journalisten nicht frei vom Schwindeln sind, aber dank der SPH-Technik lässt sich das Schwindelgefühl halbwegs eindämmen. Die SPH-Technik besteht im Teil „S“ aus einem Wanderstock, der wie ein Gatter Halt bietet, indem man ihn vorab an der abschüssigen Seite aufsetzt und dann an ihm vorbei geht, um ihn sodann wieder nach vorne zu holen. Das ist als Stufe eins im Höhenangstbetrug ganz hilfreich.

Hilft das nicht (oder ist kein Stock zur Hand), gelangt Methode „P“ zur Anwendung. Sie besteht darin, den höhentauglichen Partner direkt vor einen gehen zu lassen und nur den Po anzusehen. Ein vertrauter, vielleicht auch erquickender Anblick, der von den anderen Gefahren des Lebens abzulenken vermag. Wenn auch das nichts mehr hilft, steigern wir uns zur Methode „H“ wie Händchenhalten. Da folgt man blindlinks der schritt- und trittsicheren Wandersfrau im Quasi-Beinahe-Ganzkörper-Kontakt und bekommt so vom eventuellen schwindelerregenden Elend der Welt nichts mit.

Chillen am Wacholder
Chillen am Wacholder

Auf dem Weg nach Arure nutzten wir alle drei Techniken, was vielleicht etwas peinlich ist, denn uns überholten (anfangs) sportive Menschen, die den Weg nur mal eben so hoch joggten und uns (nur wenig später) immer noch munter entgegen kamen. Aber egal, wir kamen an am einsamen Baum, der ein schöner knarziger Wacholder ist und bereits seinen Schatten drei Schönen spendete. Aha, einsam ist er also nicht, der Baum, und lustige Geschichten kann er sich auch anhören. Die drei Ladies waren „nur mal eben so zum Chillen“ hochgekommen. Sie waren jung, sie waren fröhlich, sie waren nett, sie hatten feinen hintersinnigen Humor, wie ihr Wunsch nach einigen netten (möglichst jungen) Indern erkennen ließ, die sie doch bitteschön gegen entsprechende gute Bezahlung herunter tragen möchten. Wir versprachen, alle uns auf dem weiteren Weg nach Arure entgegen kommenden Inder auf dieses Begehr anzusprechen, trafen allerdings keine.

Ziegen
Ziegen

Dafür begegneten wir mehrfach Ziegen, deren behendes Kraxeln ganz ohne SPH-Technik schon von den ganz Kleinen beherrscht wird. Vier Ziegen gerieten über einen weiten Teil des Weges zu festen Begleitern, die fröhlich meckernd mal links, mals rechts des Weges viehische Abkürzungen wählten. Sie waren, wie wir kurz vor Arure merkten, auf dem Weg zum Ziegenstall, wo ein freundlicher Herr zum Melken bereit stand. (Kurze Zwischenüberlegung: heißen diese Männer eigentlich Zieger, so wie die für Schafe zuständigen Leute Schäfer heißen?)

Panorama vom La Mérica mit La Fortalezza
Panorama vom La Mérica

Unterwegs eröffnen sich fantastische Blicke auf den Teil des Valle Gran Rey, den wir sonst mit dem Auto durchfahren. Man sieht, wie kunstvoll die Straße sich den Berg bzw. die Berge hinauf schlängelt und beginnt die Geometrie des Ortes besser zu verstehen – Tunnel inklusive.

 

Panorama mit Aurure und Valle-Gran-Rey
Panorama
Valle Gran Rey

Kurz vor Arure pfiff uns dann ein recht eisiger und heftiger Wind um die Ohren, so dass wir den ursprünglichen Plan begruben, noch weiter nach Las Hayas zu wandern. Das war insofern eine gute Idee, als dass wir bergrunter von einem netten Holländer mitgenommen wurden – und die kurze Zeit im Auto reichte, um einen Essenstermin für den nächsten Mittag auszumachen: Er arbeitet (aushilfsweise) in der Finca Argayall und übernahm die Reservierung für uns.

Hier geht’s zur GPS-Aufzeichnung dieser Tour:

La Calera – La Mérica – Aurure

Ein Abend im El Puerto

Ein Abend im El Puerto

Frischer Fisch und schneller Service

Wir hatten schon arge Befürchtungen, denn im Netz las man kaum was bzw. kaum was Gutes über unser Lieblingsrestaurant “El Puerto”. Unsere These: Der Mann wird gedisst, weil er unbequem anders ist. Im Valle-Boten, dem abgedrehten Magazin eines deutschlandflüchtigen Journalisten, wird es gar nicht erwähnt. Das Nachbarrestaurant Trasmallo „hingegen entwickelt sich zur Nummer 1 am Hafen“, lesen wir – und stellen verzückt fest, dass das Trasmallo eine ganze Seite Anzeige gebucht hat und El Puerto keine. Honi soit qui mal y pense (genau!).

Der beleibte Chef des El Puerto gibt nach außen immer noch ein wenig den Muffel, aber aus den Augenwinkeln kommt immer so ein verschmitztes Etwas. Wir mögen ihn! In der Küche das gleiche Personal wie vor fünf Jahren, auch im Service erkannten wir etliche Gesichter. Nach wie vor geht es flottflott – und wer sich vom Chef den Fisch des Tages zeigen lässt, weiß auch was frisch ist und was aus der Tiefkühlung kommt (bei unserem Besuch: Seezungen. Die seien „gut, aber nicht frisch“ meinte el Cheffe).

Unsere Wahl:  Rascacio, der Madeira Drachenkopf – ein Riesentier, aber nach dem Zerteilen durchaus schaffbar. Davor ein Salat, der kaum bestellt, schon auf dem Tisch war: Die vorbereitende Logistik des Hauses ist großartig, der Salat guter Durchschnitt. Dafür waren papas arrugadas (Runzelkartoffeln) und mojos in Ordnung. Eine halbe Stunde nach Öffnungszeit war das Restaurant übrigens voll, eine Stunde später der tagesfrische Fisch ausverkauft. Merke: Wer früh kommt, hat mehr Auswahl!

Restaurante El Puerto
Av Maritima el Puerto de Vueltas
38870 Valle Gran Rey
La Gomera

Tel. 922 805 224

[Besucht am 15. März 2012 | Lage | Besuch 2007]

Rund um und auf den Garajonay

Imada Panorama

Alte gomerische Wanderer-Regel: Wenn’s im Norden nebelt und wolkenzieht, also nix mit Wandern rund um Hermigua und El Cedro ist: einfach umplanen. Zum Beispiel eine Wanderung rund um und auf den Garajonay unternehmen, wobei der höchste Berg der Insel so wunderbar unspektakulär ist, dass er eher eine Zugabe im Gesamtmix dieser Wanderung ist.

Gemütliche Nationalpark-Bummelei

Von der Straßenkreuzung Parajita – einem veritablen Kreisverkehr mit Bushaltestelle und angegliedertem Parkplatz – geht es erst gemütlich auf breitem Forstweg bergab. „Eine langweilige Tour!“ jammert Frau S., während ich etwas von einem „fantastischen Weg!“ schwärme. Ist es nicht aufregend, wie unterschiedlich wir die Welt wahrnehmen? Über die Tatsache, dass Mann und Frau nur gelegentlich und auch nur an wenigen Stellen wirklich gut zusammen passen – wenn sie sich einhaken, beispielsweise –, ist ja schon viel geschrieben worden. Aber was ist mit all den kleinen alltäglichen Dingen? Frau S. beispielsweise liebt nicht nur schmale Wege, sie bevorzugt sie auch bergauf. Herr U., wer hätte es nicht geahnt?, ist lieber auf breiten Pfaden bergab unterwegs.

Blick auf Imada

Nun sind ja Wanderungen wie das Leben ein ständiges Auf und Ab, insofern hält sich alles irgendwie die Waage. Aber was ist nach dem Wandern? SIE würde gerne bei einem Salat entspannen, gerne selbst gemacht und auf der heimischen Terrasse verzehrt. ER könnte sich durchaus vorstellen, in einem Restaurant auf Salat zu verzichten und gleich Fisch oder Fleisch zu ordern. Und während die BEIDEN noch hin und her argumentieren, ändert sich der Weg, wird schmaler und unwegsamer. „Ich ziehe alles zurück, was ich vorhin über diese Tour sagte!“ jubiliert SIE, woraufhin ER lakonisch erwidert: „Ich auch.“ (Über das Wandern mit all seinen Begleiterscheinungen habe ich mich anlässlich des Gomera-Besuchs 2006 ja schon mal ausführlich ausgelassen).

Halt an den Agaven

Steil und keineswegs mehr forstwagenbreit windet sich der Pfad den Berg herunter nach Imada. Der Schwindelempfängliche wählt natürlich die Seite des Wegs, die meistmöglich vom Abhang abgewandt ist. „Warum gehst Du denn durch die Agaven?“ lächelt SIE herüber, was ER mit einem gequälten „Weil sie mir Halt geben!“ quittiert.

Natürlich alles halb so schlimm, wenn man es erst einmal geschafft hat und bereit ist, neue Fehler zu machen, die man später dann wieder vielleicht gar nicht so falsch findet: Ein Abstecher nach Imada (von dem gesagt wird, es sei das schönstgelegene Dorf der Insel), um dort Rast zu machen? Gerne! Man hätte uns aber sagen können, dass das über hundert Meter runter und später die gleichen mehr als hundert Meter wieder hoch sind! Wenigstens haben wir dabei gelernt, dass das Wanderbier zwar herrlich durch die Kehle zischt, aber beim Wiederaufstieg direkt durch die Waden verdampft, was irgendwie unangemessen ist.

Aufstieg von Imada

Der Aufstieg wirkt in schöner Mittagssonne noch anstrengender und steiler als er eh schon ist, aber am Ende gibt’s einen Schleichweg zum Gipfel des Garajonay, der wirklich schön angelegt ist (schmaler als Forstwege, aber eben so seicht zu begehen: eine gelunge Symbiose für unser beiderley Geschmack!). Die Belohnung für spätes Loswandern auf dem Gipfel: Kein Mensch da außer uns. Dass die Wolken im Norden waberten und die Sicht auf Teneriffa mitsamt Teide sperrten, hatten wir erwartet. Außerdem ist es schon tres chic, wie die Wolken den optisch famosen Roque Argando umspielen.

Gomerischer Salat

Abends gab’s übrigens Salat, und zwar so einen von der gomerischen Art mit Avocado, Papaya, Tomate, Banane und roter Zwiebel. Dazu ein erfrischend leichtes Zitronen-Olivenöldressing. Was sag ich? Perfekt!

 

Die Geschichte von Gara und Jonay haben wir bei unserer Erstbesteigung (!) des Inselberges beschrieben.

Hier geht’s zur GPS-Aufzeichnung dieser Tour:

Imada – Garajonay

Kleine Kanarische Typologie

Sonnenuntergang vor La Gomera

Im Flieger nach Teneriffa (Süd) kann man sie schon ausmachen, die diversen Typen von Touris. Da gibt es die ChiChis wie die Beiden jenseits des Ganges gleich neben uns. Er: Erfolgsmachermensch mit Glatze und Dauerlächeln. Sie: Weibchen mit Schmollschnüti süüüßen modischen roten Schuhen. Beide: Verliebt. Natürlich muss ER im Flieger schnell noch mal jemand anrufen, um mitzuteilen, wann die Freunde ihn denn vom Flughafen abholen können. SIE daddelt mit dem iPad herum und freut sich über die Möglichkeit, mit elegantem Wackeln Schwung ins Spiel zu bringen.

Erstaunlich wenig All-Inclusivs machen wir an Bord aus, dafür solche wie die Zwei mit den Rastalocken. Die Wette, dass wir sie auf der Fähre nach La Gomera wiedersehen werden, findet nicht statt, weil keiner dagegen halten will. Wir hätten auch wetten können, dass sie, einmal kanarischen Boden betreten habend, mit bläcke Fööss durch die Gegend laufen – aber wahrscheinlich hätte auch da keiner gegen gehalten (und womit? mit Recht, denn natürlich sahen wir sie barfuß auf der Fähre nach Gomera).

Und natürlich gibt es Wanderer, die mit ihrer Bekleidung für die einschlägig bekannten Firmen Werbung laufen und mit ihren fetten Botten Gewicht und Platz im Koffer sparen wollen. Bei fünf Stunden Flugzeit zieht man die natürlich gerne aus – riecht gut!

Das Schöne an No-Frill-Airlines ist, dass sie aufs Essen verzichten, man sich also auch nicht über dessen Qualität beschweren kann. Andererseits ist es natürlich jammerschade, das nette Personal nun gar nicht mehr so intensiv erleben zu können, und die traurigen Augen des Chefstewards, weil keiner das kostenpflichtige Menü ordert, schmerzen schon ein wenig. Fernsehen an Bord gab’s auch nicht, weswegen wir Nahsehen praktizierten.

Kanarenanflieger
Kanarenanflieger

An Bord trägt man Hut, obwohl alle Fenster geschlossen waren und somit sowohl Sonne als auch Wind ausgesperrt blieben. Alles eine Frage des persönlichen Geschmacks, und der differiert vom Sonnenhut auf hübscher blonder Langhaarfrisur über Hurley Basecap im klassischen Schottenmuster und der No-Frill-Cap in rot bis zum Jägerhut auf altem Mann mit Strickpulli. Die netteste Variante war noch die hutlose Hochsteckfrisur mit Oberlippenpiercing, die Alessandro Baricco las: Esta historia, auch so eine Geschichte…

Kurz vor der Landung tauchte El Teide linker Hand auf und sieht ein wenig aus wie Nippelgate, wenn die Wolken den Gipfel frei lassen. Aber man durfte nicht hin, denn auf dem Flügel des Fliegers steht klar und deutlich: Do not walk outside this area. Wobei ich bislang auch inside this area nie jemanden hab laufen sehen.

Deutsche Bank
Deutsche Bank

Vom Flieger geht’s mit dem Bus in die Stadt. Los Cristianos ist beliebtes Urlaubsziel für Viele, für uns sicher nicht. Am zentralen Bushalteplatz begrüßt einen gleich die Deutsche Bank mit einer Filiale – wenn man also spontan noch ein wenig Geld braucht… Ein paar Schritte weiter wartet ein “Eisen Waren Handel”, da könnte man das Geld dann gleich vernageln. Wir taten weder das Eine noch das Andere, sondern rollerten mit den Koffern die Hauptstraße entlang Richtung Hafen. Die Fähre von Armas fährt eine halbe Stunde eher los, ist billiger und kommt zeitgleich mit dem Express von Fred Olsen in Santiago de la Gomera an. Obendrein bietet die Fähre Volcan de Taburiente den Luxus zahlreicher Außenplätze, von denen aus man das seltene Naturschauspiel eines formidablen Sonnenuntergangs mit Glitzerwasser im Westen der Insel verfolgen konnte.