Köstliche Sushi und Sashimi zum Sattwerden

Tokyo Café Restaurant

In einem Jugenstilhaus genießt man im Tokyo Café Restaurant all you can eat

Haus Spui 15
Haus Spui 15

Die Lage ist gut: am Spui, einem der touristischen Zentren von Amsterdam. Das Haus fällt auf, weil es aus dem Rahmen fällt: Jugendstil ist im Backstein-geprägten Amsterdam eher die Ausnahme, aber das Mosaik mit den Worten “M. Buttinghausen * Fotografie * Artistique” ist auf jeden Fall ein Hingucker. Nicht ganz passend die Leuchtreklame im Erdgeschoss, die klar macht: Hier ist kein Fotograf mehr tätig, das Glasdach des um 1900 vom Architekten G. van Arkel für den Fotografen Buttinghausen gebauten Hauses hat seine Schuldigkeit getan. Heute residiert hier ein Sushi-Restaurant, aber trotz der exponierten touristischen Lage ein hervorragendes.

Man könnte à la carte essen, aber das macht hier wohl keiner, denn es gibt ein unschlagbares all-you-can-eat-Angebot: Für 22,80 Euro (mittags: 17,80 Euro) kann man sich zwei Stunden lang bedienen lassen. Auf einem Zettel notiert man, was der Tisch haben möchte, das bringt der Service dann an den Tisch. Wir waren zu viert mit zwei erfahrenen Tokyo-Gängern und bestellten reichlich: “Wollen Sie wirklich fünf Mal die Lachs-Sashimi? Jede Portion besteht aus drei Scheiben!” fragte die Bedienung und sah erstaunt, dass auch der Rest des Bestellzettels gut gefüllt war. Doch doch, wir wussten es und wollten es, und nicht nur das. Aus gutem Grund: Lachs und Thunfisch waren taufrisch, der Lachs wunderbar marmoriert – und ja, wir bestellten in Runde zwei davon noch einmal nach, was die Bedienung dann doch irgendwie unfassbar fand.

Aber die Regeln des Hauses hatten wir befolgt: Es darf erst nachbestellt werden, wenn alles aufgegessen wurde. Ansonsten kann man so oft bestellen wie man mag, große Portionen, kleine Portionen – egal. Wir hatten (für vier Euro mehr pro Person, geht – vernünftigerweise – nur tischweise) das Deluxe upgrade genommen, weil dort die besseren (und teueren) Dinge wie Sashimi drin sind. Rechnet sich aber schnell!

Wir saßen im oberen Teil des Restaurants, wo wir von der Hektik des Eingangsbereichs und dem Trubel kommender und gehender Gäste nichts mitbekommen haben. Dieser Teil ist mit Holzbänken und -tischen zurückhaltend modern eingerichtet, Kissen sorgen für angenehmen Sitz. Aber da man nach zwei Stunden sowieso raus sein sollte, um der nächsten Schicht von All-You-Can-Eatern Platz zu machen, ist das Sitzfleisch eh nicht das große Argument.

Wie gesagt, Dank mehrerer Vorbesuche unserer local scouts konnten wir die Higlights des Hauses gezielt aussuchen. Da sie aber alle mundeten, wage ich einmal die Behauptung: Eigentlich egal, was man im Tokyo bestellt – es scheint alles gut zu sein. Also erwähne ich nur einmal, dass die spicy tuna roll tatsächlich ihren Namen verdient und angenehm scharf war, dass der seaweed salad herrlich nach Sesam schmeckte und perfektes Dressing hatte – und dass wir beim nächsten Besuch sicher wieder einen Tisch dort reservieren werden! Aber vielleicht lieber mittags, denn dann bleibt mehr Zeit, sich den vollen Magen leer zu laufen!

Tokyo Café Restaurant
Spui 15
1012 WX Amsterdam
Tel. 020 489 7918
www.tokyocafe.nl

Geöffnet: täglich 11 – 23 Uhr

[Besucht am 5. Mai 2012 | Lage]

Tulpen und Meer

Rosenfeld bei Bergen

Die Sache mit den endlosen weiten Tulpenfeldern und der schmucken Windmühle im Hintergrund, natürlich alles vor strahlendblauem Himmel: das haben die Holländer erfunden, denke ich mal. Die Tulpenfelder waren nämlich bei unserem Besuch endlich, die Windmühle stand ganz woanders und hatte gar keine Flügel. Und der Himmel? Niederländischgrau statt preußischblau.

Noordwijkerhoud
Noordwijkerhout

Unser Reiseführer hatte eine Straße quer durch die Felder versprochen, links und rechts nichts als Tulpenfelder. Links aber standen meistens Häuser, manchmal sogar nette. Rechts waren auch Häuser, und nur hin und wieder sahen wir den Hauch eines Tulpenfeldes. Aber von wegen Blüten! Hier machen sie – außerhalb von touristischen Orten wie dem Keukenhof, der sich das aber mit Eintritt recht ordentlich bezahlen lässt – hier also machen sie gar nicht auf Tourismus, sondern betreiben Gartenbau und Landwirtschaft. Und da werden die Blüten der Tulpen zur besseren Zwiebelvermehrung abgeschnitten. Will heißen: Viele Felder sind grün.

So ist das in Nord- und Südholland, wenn man nicht gerade in den ein, zwei Wochen da ist, in der die Postkartenfotografen ihre Bausatz-Wander-Mühle mit riesigem blauem Hintergrundtuch in die Landschaft stellen, um ihre Fotos zu schießen.

Tulpen
Tulpen

Wir hatten unsere Mühle zu Hause gelassen und nahmen mit dem vorlieb, was die Natur hergab. Das war weniger als erwartet und mehr als nichts. Unweit von Bergen fanden wir das erste Feld, mit roten, lila, gelben und weißen Tulpen sowie als Zugabe farblich sehr schön blau kontrastierend Traubenhyazinthen. Ganz hinten am Horizont hatten die Fotografen sogar eine Mühle stehen lassen, und die Blauerhimmelschäfchenwolkenkulisse stand auch noch.

Bergen aan Zee
Bergen aan Zee

Natürlich haben die Holländer für die Zeit außerhalb der Tulpensaison noch andere Dinge für die Menschen dort arrangiert. Bergen aant Zee ist eins der klassischen holländischen Seebäder, mit meilenlangem Sandstrand und Dünen (aus gutem Grund: Betreten verboten) sowie Restaurationen für die Massen. Wir hatten mit SB Noord einen ganz netten Ort erwischt, mit freundlichem Personal und (wenn man das allein vom Spinksen an den Nebentisch so schreiben darf) ganz passablen Salaten. Man sitzt draußen, wird aber vom viehisch kalten Wind durch Glaswände geschützt. In meiner Heimat Ostfriesland, quasi der Fortsetzung der holländischen Küste gen Nord-Ost, gab’s das vor Jahrzehnten auch schon. Brutkästen nannten wir die praktische Einrichtung…

Der Ort selbst ist schnell durchschritten, weil nicht nach unserem Geschmack: Zu touristisch angelegt. Das geht, mussten wir dann später feststellen, auch noch schlimmer. Zandvoort reichte uns nach dem Durchfahren, Noordwijk aan Zee nach halbstündigem Durchlaufen. Dass mehrere Millionen Strandurlauber pro Jahr das offenbar anders sehen, bestärkte uns übrigens eher in der schnell gefassten Meinung…

Touristeneinfall
Touristeneinfall

Da gönnten wir uns doch noch ein Tulpenfeld etwas landeinwärts. Natürlich Häuser rundum, aber das kannten wir ja schon. Dafür hatte man auch im blütengeköpften Teil den einen oder anderen roten Tupfer stehen lassen, so dass es ein schönes Lehrbuchbild geworden ist. Wir waren mit unserer Tulpenknipserei gerade fertig, als ein Kleinbus vorfuhr und eine überschaubare Ladung wild gewordener Touris auskippte. Die Rollenverteilung war ganz einfach: Frauen und Kinder, kreischend, ins Feld, die Männer mit ausgestreckten Armen die Digiknipse haltend an den Feldrand zum Ablichten. Der Busfahrer stand ungerührt vor seinem Bus und dachte sich sein Teil. Uns, die wir in einen Leihwagen mit niederländischem Kennzeichen einstiegen, machte er mit einem leichten eindeutigen Augenaufschlag zu seinen Verbündeten.

Sex and Drugs, no Rock’n'Roll…

im Red Light District

Man hört ja immer wieder, dass Leute nur nach Amsterdam fahren, weil es dort alles geben soll von diesem Sex, diesen Drugs und zur Entspannung wohl auch Rock’n'Roll. Dabei muss man gar nicht deswegen nach Amsterdam fahren – man stolpert schnell über all die Dinge, die die Stadt kribbeln lassen. Zuerst schlenderten wir, völlig unvorbereitet, ins Rotlichtviertel. Und das kam so: Wir waren gerade angekommen und gingen vom nahe gelegenen Hotel Richtung Zentrum. Kurz vorm Neumarkt fanden wir einen Thailänder: Song Kwae Thai. Als wir (so gegen 21 Uhr) ankamen, war es rappelvoll, aber der wieselflink durchs Restaurant huschende Service signalisierte schon: Da wird gleich was frei.

Song Kwae Thai Restaurant
Song Kwae Thai Restaurant

Der Zufallsfund entpuppte sich als gute Wahl: Seit 1995 gibt’s das Restaurant, die Karte liest sich sehr authentisch. Hinten, am Ende des schlauchartigen Restaurants, kann man in die offene Küche sehen – Geheimnisse scheinen die Köche nicht zu haben. Einen guten Einblick verschaffte die gemischte Vorspeisenplatte Song Kwae Mix Lek (9,25 Euro) mit Satéspieß vom Huhn, Frühlingsrolle, Garnele und Gehacktem. In bester Erinnerung blieb die Sauce, die dazu gereicht wurde!

Moe Himmaplaan (XX Euro) war ganz harmlos Schweinefleisch, Cashewkern und Gemüse: lekker lekker, wie die Niederländer sagen, wenn’s ihnen schmeckt. Gar nicht harmlos, weil rattenscharf, brannte sich Kaeng Daeng Kai (xx Euro) ins Gedächtnis ein: Huhn, Bambus, Bohnen – und das alles in rotem Curry. O-ha!

im Red Light District
im Red Light District

Noch während unseres Essens leerte sich das Restaurant: In den Niederlanden geht man eher früh essen und macht sich dann auf, was anderes zu erleben. Wir starteten den Verdauungsspaziergang am Neumarkt entlang und kamen ins chinesische Viertel, wunderten uns noch voll naiv, warum es links in den Seitenstraßen so voll war und liefen immer weiter, bis wir den Bahnhof erblickten. Da wollten wir aber nicht hin, also links ab – und waren dann mittendrin im Rotlichtviertel. Die Damen in ihren Verrichtungszellen sind blöde Touris nicht nur gewöhnt, sie leben davon. Gleich gruppenweise – nein, nicht was Sie jetzt denken: laufen die Leute vorbei. Aber manchmal wird dann eben doch einer reingeschickt, die draußen geiern sich halb scheckig, der drin hat sein Vergnügen und hinterher beim Bier was zu erzählen.

im Red Light District
im Red Light District

Es gibt Abteilungen für jeden Geschmack: Unglaublich Dicke und unwahrscheinlich Dürre, Farbige und Blasse, Blonde und blond Gefärbte. Was den Touristen Spaß bereitet, schafft hinter den Kulissen Ärger – von Menschenhandel ist die Rede und anderen unschönen Dingen. In der englischsprachigen Wikipedia steht der Satz einer ehemaligen Amsterdamer Prostituierten, die jetzt im Stadtrat sitzt: “Es gibt Leute, die wirklich stolz auf das Rotlichtviertel als Touristenattraktion sind und es für einen wunderbaren fröhlichen Ort halten. Aber es ist eine Jauchegrube. Es gibt eine Menge von schwerer Kriminalität. Es gibt eine Menge von Ausbeutung von Frauen und viel soziales Elend. Das ist nichts, worauf man stolz sein kann.”

Priscilla Jourdan
Priscilla Jourdan

Vor den Kulissen freilich ist alles eben rosapuffrot und heiter. Fotografieren ist, aus verständlichen Gründen, nicht erwünscht – außer bei den zu Modeläden oder Galerien wie der von Priscilla Jourdan umfunktionierten Schaufenstern (ihr Il Gioiello, sagt sie, sei die kleinste Galerie der Welt). Denn als vor einigen Jahren das Geschäft mit der Prositution überhand zu nehmen drohte, ließ die Stadtverwaltung des liberalen Amsterdam einige Schau-Fenster mit Hinterland zwangsweise schließen und stellte sie einem Projekt zur Verfügungt, dass auf ganz andere Weise dem Voyerismus entgegen kommt: Mode-Designer stellen jetzt dort ihre Puppen aus, die Red Light Fashion soll dem 6.500 Quadratmeter großen Viertel einen weniger anrüchigen Anstrich geben. Nach unseren Beobachtungen interessierten sich die herumtrollenden Heerscharen der Touristen aber nicht für Mode.

Ersatzteillager
Ersatzteillager

Tagsüber sind alle Fenster grau, aber Farbe kommt dennoch ins Viertel durch viele bunte Geschäfte. Ein Sexshop hier, Fetische dort, nebenan eine bunte Mischung aus Augenlidern, Ersatzgliedern und Brüsten, eine wundersame Ausstellung von Plaste und Elaste aus Schkopau- Zwischendurch finden sich Coffeeshops, in denen es für “positive people with good vibes” (Schild gesehen am Barneys) Gras und Haschisch a la carte gibt. Der süße Duft bleibt natürlich nicht in den Coffeeshops, so dass, wer nur mal schnuppern will oder unter 18 ist, auch genüsslich draußen langschlurfen kann.

Magic Truffels
Magic Truffels

Auch legal in Amsterdam: Kahlköpfe. Also nicht die extrem dummen Jungs, sondernPsilocybe. Magic Mushrooms, halluzinogene Pilze – oder, wie die Österreicher es charmant nennen: Narrische Schwammerl. Nicht meine Welt, weswegen wir dran vorbei gegangen sind…

Song Kwae Thai Food
Kloveniersburgwal 14a
1012 CT, Amsterdam
Tel. 020 624 2568
www.songkwae.nl

Geöffnet: täglich 13 bis 22.30 Uhr
[Lage]

Im Jordaan

Lindenhof

Das Viertel ist angesagt – seit einigen hundert Jahren, wenn auch für unterschiedliche Schichten oder Zielgruppen. Früher war der Jordaan eher ein Arbeiterviertel, heute findet man dort die unvergleichliche Mischung aus Wohnen und Ausgehen, aus Einheimischen und Touristen, aus Kitsch und Kunst. Am besten erläuft man sich das Viertel zwischen den Kanälen Prinsengracht, der Looiersgracht, der Lijnaansgracht und der Browersgracht im freien Zickzack der Gassen, die sich hier der Grachten-Symmetrie des Amsterdamer Zentrums verweigern: Jordaan legt sich quer und ist ein bisschen schräg…

Quinta
Quinta

Wir betraten das Viertel über die Brücke Leliegracht gleich hinter dem Anne Frank Haus. Und sofort ist man drin im Vergnügen: Quinta wirbt mit fijne wijnen, absinthe, jenevers und behauptet in aller Bescheidenheit, der beste Ort in ganz Amsterdam für den wirklichen Absinth zu sein. Wir also hinein und erst mal mit dem Inhaber ins Gespräch gekommen, der nach niederländischer Begrüßung und englischer Antwort gleich mal ins Deutsch wechselte. Wir ließen uns in den Abteilungen Absinth und Jenever beraten, wobei es den Jenever – ein Wacholderschnaps – auch zu probieren gab. Hier lernten wir, dass die Reihenfolge “jonge jenever – oude jenever – lekker jenever” erstens logisch ist und zweitens leider auch was mit dem Preis pro Flasche zu tun hat.

Absinth-Lektion
Absinth-Lektion

Für die Absinth-Beratung durften wir uns dann hinsetzen! Es folgte eine kleine Geschichtslektion, die nicht wirklich sensationell war, weil das auch alles so oder so ähnlich in der Wikipedia steht. Was dort freilich fehlt, ist die Begeisterungsfähigkeit des Vortragenden, der Schalk in den Augen bei der Begründung des Verbots (alles Machenschaften von Lobbyisten zur Förderung des Weinkonsums) – und die Möglichkeit, sich für den Eigenbedarf ein Fläschen mitzunehmen. Was im Vortrag (vielleicht verständlicherweise) fehlte, war der Hinweis, dass der Amsterdamer Weinhändlerkollege Menno Boorsma mit seiner Klage erreicht hat, das Absinth seit 2004 in den Niederlanden wieder verkauft werden darf.

Café Chris
Café Chris

Der Bummel durchs Viertel macht Spaß, es ist der Beweis, was für schöne Häuser man aus Klinker bauen kann. An vielen Giebeln sieht man Jahreszahlen: 1642, 1763, 1624. Die letztgenannte steht auf dem Fenster des Café Chris, der ältesten Gaststätte des Viertels und eine der vielen, die von sich sagen: die älteste in Amsterdam. Es ist eines der “bruine Cafés”, der braunen Cafés. Die findet man überall in Amsterdam, und es handelt sich keineswegs um Cafés im deutschen Sinne – eher sind es Nachbarschaftskneipen. In allen (aber auch wirklich: allen) unseren Quellen stand: Die heißen “braun”, weil das Mobiliar vom Rauchen im Laufe der Jahre braun geworden seien. Überall steht dann, dass es keine Musik gibt in den braunen Cafès – und das ist, mit Verlaub, großer Quatsch: Im Chris gab’s chilligen Jazz, in anderen von uns besuchten “Braunen” dudelte es ebenfalls. Auch Klischees wie “Holzfußboden mit feiner Sandschicht” sind nicht gelebte Praxis, sie lesen sich nur gut.

Karthuizerhof
Karthuizerhof

Auf dem Weg ins Café Chris konnten wir eine andere Spezialität des Viertels erleben: Schmucke Innenhöfe, hofjes auf niederländisch. Bei den hofjes handelt es sich um Witwenhäuser, meistens als Stiftungen (von wohlhabenden Bürgern) für Arme errichtet. Über 200 gibt es davon in den Niederlanden, 47 davon in Amsterdam. Und die Hälfte aller Amsterdamer hofjes befindet sich im Jordaan – da waren die Grundstücke vergleichsweise preiswert. Einige Höfe sind der Öffentlichkeit zugängig, zum Beispiel der Karthuizerhof. Ein schmucker Garten kennzeichnet den Komplex, der 1650 für Witwen und ledige Mütter mit ihren Kindern errichtet wurde.

Mamma Rosetta
Mamma Rosetta

Zum Mittagsimbiss landeten wir bei einem (offensichtlich recht neuen) Italiener: Mamma Rosetta. Der Chef ist Sohn italienischer Einwanderer, sein Vater war wohl auch schon Koch und ganz wichtig: Die Großmutter. Denn deren Rezepte kochte schon der Vater und nun auch der Enkel. Mama Roisetta ist unten ein alimentari und oben eher ein Bistro, es gibt Ciabatta, Pasta und einige wenige Fleischgerichte (Wildschein und Lamm, immerhin). Angeblich besonders gut sein soll die Lasagne – aber das habe ich erst später zu Hause gelesen. Meine Spaghetti ließen aber erahnen, dass das Gerücht stimmt ;-) – auf jeden Fall war der kurze Ausflug in die Toscana mitten im Jordaan nicht schlecht!

Orgel
Orgel

Der unverwechselbare Klang einer typisch holländischen (!) Drehorgel lockte mich während des Besuchs nach draußen. Die Romantik ist ein wenig hin, seitdem Dieselmotoren die Walzen in Bewegung versetzen – aber immerhin lieferte das Prachtexemplar noch ein Jordaan Potpourri. Das ist allerdings keine Aneinanderreihung von Heimatgesängen aufs Viertel, sondern Musik von Johnny Jordaan. Das war ein Amsterdamer Sänger, singender Kellner und zumindest in der Jugend ein wenig unvorsichtiger Mann – er verlor im Alter von neun Jahren bei einer Rauferei ein Auge. Ihm zu Ehren gibt es weiter südlich im Viertel den Johnny Jordaan-Plein in der Elandsgracht – aber das war ein anderer Spaziergang…

Quinta
New Leliestraat 4
1015 SP Amsterdam
Tel.: 020-4270226
Mobil: 06 44028228
www.quinta-wijnen.nl
Geöffnet:
Montag – Freitag: 12.00 bis 18.30 Uhr
Samstag: 10.00 bis 18.30
Sonntag: 12.00 bis 18.30 Uhr

Cafe Chris
Bloemstraat 42
1016LC Amsterdam
Tel: 020-6245942
www.cafechris.nl
Geöffnet:
Montag bis Donnerstag: 15.00 bis 01.00 Uhr
Freitag & Samstag: 15.00 bis 02.00 Uhr
Sonntag: 15.00 bis 21.00 Uhr

Mamma Rosetta
Lindengracht 158
1015 KK Amsterdam
Tel. 020-7520603
www.mammarosetta.nl
Geöffnet:
Montag – Samstag: 11.00 bis 21.00 Uhr
Sonntag: 12.00 bis 21.00 Uhr

Gut gesagt!

Rauchen ist tödlich - entdecke mehr!

Die Menschen in den Niederlanden sind freundliche Leute. Nur manchmal gucken sie etwas genervt – Fußballer können da ebenso ein Lied von singen wie Sprachwissenschaftler, obwohl die ja sonst kaum Berührungspunkte haben. Fußball interessiert uns nicht so, aber was die Holländer so mit der Sprache machen, ist schon spannend.

Es geht ja damit los, dass ich hier “die Holländer” geschrieben habe, wo doch “die Niederländer” viel korrekter gewesen werde. Ergo heißt es auch nicht “holländisch”, sondern “niederländisch” – aber ganz egal wie man das nun nennt, so oder so ist das kein Dialekt des Deutschen. Umgekehrt wird allerdings manchmal ein Schuh draus: Rund um Kleve und bis hinein ins Bergische Land kann man die Eingeborenen einen Dialekt des Niederländischen reden hören (wenn sie es denn noch können…).

Trotz der vielen Sprachgemeinsamkeiten vor allem im Grenzbereich, wo die Dialekte des Deutschen und die des Niederländischen einander sehr ähneln, gibt es Dinge, wo unsereins sich schmunzelnd freut und der gemeine Niederländer nicht versteht, warum so ein Schild auch noch fotografiert werden muss: “Geen steentjes in het water gooien” lesen wir und freuen uns, dass dieses Schild im Wasser von zahlreichen Steinen gehalten wird. Wer’s nicht lassen kann, muss das Schild wörtlich nehmen und vor allem auf das -tjes achten: Die im Niederländischen sehr beliebte Verkleinerungssilbe könnte doch ein Hinweis darauf sein, dass man es mit größeren Steinen durchaus versuchen könnte…

Manchmal erscheint uns Teutonen das Niederländische doch wie Poesie: “Verboden fietsen te plaatsen” klingt so musisch und unterscheidet sich vollinhaltlich doch überhaupt nicht vom “Fahrräder anlehnen verboten!” Auch der Hinweis auf den Störfaktor von Handies klingt niederländisch charmant: “Niet mobiel bellen!”

Verbote, Verbote, Verbote: Die Welt ist hier wie da die gleiche. Aber wenn unsere westlichen Nachbarn den Hunden der Welt, die unter uns gesagt gar keine Menschensprache sprechen, lieber angliziert als nederlands kommen und ein Schild “No Poop Zone” ins Fenster hängen, dann zeugt das von Universalaufgeschlossenheit.

Wer derart liberal gesinnt ist, der weiß auch dem in jeder Zigarettenschachtel lauernden Tod von der Schüppe zu huppen. Discover more, entdecke mehr: Rauchen ist tödlich, oder wie der Holländer sagt: roken is todelijk!

Alles frisch

Coffee to Walk

Hotelfrühstücke haben meist ihren besonderen Charme – komisch schmeckender Kaffee, langweilige Buffets und dergleichen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Während unseres Amsterdam-Aufenthalts sind wir schon deswegen nicht ins Hotel frühstücken gegangen, weil es gleich nebenan das “Coffee to Walk” gab, mit dem verheißungsvollen Schild: “All Day Breakfast”. Außerdem im Angebot: Allerlei Kaffee, allerlei Tee, frischer Orangensaft, frische Croissants – und: freies WLAN.

Wir haben den Besuch am ersten Morgen unseres Aufenthalts nicht bereut und waren jeden Morgen dort, gab es doch auch erstaunlich frische Meisjes: Sie waren gut drauf, bedienten mehrsprachig, lachten und waren fix. Der Saft (2,50 €) wurde wirklich frisch fürs Glas gepresst, die Latte Macchiato (2,50 €) war auf Wunsch sogar extra-heiß (das schaffen nicht alle, denn die Automaten schäumen die Milch manchmal eher lau auf). Über 30 unterschiedliche Kaffee-Spezialitäten sind im Angebot, aber wir ollen Traditionalisten nehmen immer nur die Morgen-Latte. Dazu probierten wir frisch aufgebackene Croissants mit ausreichend Butter und Marmelade sowie Toast mit Spiegelei – wobei das Toast von der dunklen Sorte war und uns fast noch besser gefiel als das kleine süße Frühstück.

Coffee to Walk
Plantage Middenlaan 44
1018 DH Amsterdam

Telefoon: 06-11510053
www.coffeetowalk.nl

[Lage]

Himmlischer Schlamm

Hemelse Modder

In unseren Ohren klingt niederländisch ja oft sehr anmutig. “Niet mobiel bellen” für die Bitte, sein Handy auszuschalten bzw. ausgeschaltet zu lassen oder der Hinweis “Verboden fietsen te plaatsen” klingen doch wie Poesie – oder? So stolperten wir beim Spaziergang durchs Zentrum von Amsterdam in einer Nebenstraße auch über das Schild “Hemelse Modder”: Himmlischer Matsch – was für ein Restaurantname!

Hell leuchtete es aus dem Fenster, aber an der Türe stand: Geschlossen. Drinnen allerdings werkelten zwei Bedienungen, und während wir noch draußen die Karte studierten, kam einer von den beiden zur Tür, drehte das Schild um und öffnete die Tür: Wenn wir schon rein wollten, sei geöffnet! Hey, das gefiel uns, denn es war noch vor der offiziellen Zeit – also bestellten wir einen Tisch für eine Stunde später, um nicht ganz so touristisch-praktisch und etwas chicer gewandet den Abend genießen zu können.

Die Reservierungs-Idee war nicht schlecht, denn als wir kamen, gab es nur noch wenige freie Plätze. Wir waren in einem der beliebteren und besseren Restaurants von Amsterdam gelandet – mit einer Küche, die deutliche Anklänge an holländische Hausmannskost aufweist. Seit 1984 gibt’s die Hemelse Modder, und von Anfang an prägte offensichtlich Spaß und Leidenschaft das Restaurant. Alles ist frisch zubereitet, das Gemüse kommt von Bio-Bauern der Umgebung, der Fisch ist ein “guter Fisch“, also unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gefangen.

Nun wissen wir ja aus leidvoller Erfahrung, dass nicht immer auch lecker ist, was bio heißt. Also testeten wir unser angelesenes Wissen über Hemelse Modder mit zwei Drei-Gang-Menüs (je 31,50 Euro). Dabei konnten wir aus der Karte aus vier Vorspeisen und zwei Suppen (einzeln je 8,50 Euro), vier Hauptgängen (je 19,50 Euro – bei aufwändigerem Angebot Aufschlag) und vier Desserts (je 8,50 Euro) wählen.

Der Service brachte die drei Gänge zügig (aber nicht gehetzt). Die Teller waren eher unaufwändig arrangiert – Hausmannskost nach Hausfrauenart sozusagen. Wobei die beiden Begriffe bitte positiv zu verstehen sind, denn uns geht nichts über die ehrliche Art zu kochen, ohne Schnickschnack und dafür mit Geschmack. Der Salat von Le Puy Linsen, Chicoree und Holländischem Käse mit Gewürznelke war so einfach wie geschmackvoll, Rilette von Schinken mit hausgemachten Piccalilli und Toast die feine Variante eines deftigen Gerichts mit leicht exotischem Einschlag.

Gebratener Schellfisch mit Sauce von geräucherten Tomaten, gedünstetem Kraut und Kartoffelpüree hatte innen die bestmögliche Konsistenz, war wunderbar saftig – nur leider außen nicht so kross wie gewünscht und wohl auch möglich. Dennoch: Daumen hoch bzw. Teller leer gegessen! Glücklich machte uns auch in Guinnes Bier gedünstetes Rinderfilet mit Pflaumen, Selleriestampf und Karotten: ein Sonntagsbraten mit feiner Sauce und würzigem Stampf. Am liebsten hätte ich dazu natürlich ein Guinness getrunken, aber wir hatten ja einen Wein, der sich recht tapfer dagegen behauptete.

Zwei Desserts schlossen den Abend ab: Das eine (Gezuckerte Toastscheiben mit Pflaumenkompott und Armagnac-Eis) passte recht gut zur eher deftigen Linie der vorherigen Gänge und regte an, ganz zum Schluss noch ein Glas Armagnac zu bestellen (es war ein sehr guter, weicher, alter…). Naja, und das andere Dessert ist natürlich ein Muss, denn es ist das Gericht der Limburger Tante eines der Gründer des Restaurants. Eine Mousse au Chocolat, die seit der Gründung der Hemelse Modder 1984 auf der Karte steht – und womit? Mit Recht! Keine kleine Portion gilt es zu bewältigen, aber wenn mehrere Leute am Tisch sitzen und alle stibitzen wollen, muss das auch so sein!

Restaurant Hemelse Modder 
Oude Waal 11
1011 BZ Amsterdam
Tel: +39 20 – 624 32 03
www.hemelsemodder.nl

Geöffnet täglich ab 18 Uhr

[Besucht am 8. Januar 2012 | Lage]

Ein Hauch von Jamie O. in Amsterdam

Fifteen

Das “Fifteen” in Amsterdam ist auch ein Restaurant. Aber es ist, nach dem Vorbild des Restaurants von Jamie Oliver in London, auch ein Platz, um Jugendlichen eine Chance zu geben, die es in ihrem bisherigen Leben nicht immer leicht hatten (und oft auch anderen das Leben nicht leicht gemacht haben, so was gehört ja meist irgendwie zusammen). Jamie Oliver hatte das erste Fifteen 2002 in London gegründet, weil er an die verborgenen Talente in den Jugendlichen glaubte, die oftmals nur durch ein problematisches soziales Umfeld verborgen seien. Diese Talente könnten durch die Leidenschaft für gutes Essen und sinnvolle harte Arbeit geweckt werden.

Seit 2004 gibt es den Ableger in Amsterdam – mit gleichem Konzept und offenbar auch gutem Erfolg, was die Idee angeht: 13 von 15 Jugendlichen habe man im vergangenen Jahr vermitteln können, erzählte (auf Nachfrage, man wird nicht missioniert!) die Kellnerin bei unserem Besuch. Allerdings, lächelte sie, sei das auch eine sehr gute Quote gewesen und nicht immer so.

Das Fifteen liegt am Hafen von Amsterdam im Oostelijk Havengebied (Östliches Hafengebiet) , nahe dem Passagierterminal und nicht wirklich weit vom Hauptbahnhof Amsterdam Centraal entfernt. Ein altes Stapelhaus, das herrlich mit den modernen Gebäuden der Umgebung kontrastiert, beherbergt das Restaurant. Man kommt rein und wird von der ersten freundlichen Mitarbeiterin empfangen: Sie nimmt die Mäntel ab und checkt die Reservierung (die zu empfehlen ist, denn meist scheint es voll zu sein – als wir im Januar da waren, hätten wir aber auch ohne Reservierung noch einen Platz bekommen). Reservieren kann man übrigens prima online, und da die meisten Cafés in Amsterdam freies WLAN anbieten, gibt es für Smartphoneträger auch eine gute Ausrede, mal schnell online zu gehen.

Von der Garderobe wurden wir an unseren Tisch gebracht – schon von der Kellnerin, die uns dann auch den Abend über bediente. Das alles geschieht in lockerer und freundlicher Atmosphäre, man fühlt sich trotz der Größe des Restaurants gleich wohl. Man sitzt auch gut, und wer nur einen Drink zu sich nehmen will, kann das in Ledersesseln an lustigen Holztischen tun. Die Bedienung hat sich übrigens namentlich vorgestellt – ich hab’s nur nicht notiert und mir den Namen nicht gemerkt (sorry!).

Die Karte ist nicht allzu groß und folgt den Vorlieben von Jamie Oliver, der aber lediglich so etwas wie ein Schutzpatron des Hauses ist – betrieben wird es von Sarriel Taus, der es auch gegründet hat. Italienische Küche, unpretentiös und dennoch lecker ist das Versprechen. Die Wirklichkeit war dann zwar in Ordnung, aber keineswegs so sensationell wie man das beim Lesen des Namens von J.O. vermuten könnte.

Wir begannen (nach etwas Pane Carasau und Olivenpesto) mit dem Vorspeisenteller: Fifteen’s Amazing Antipasti (für zwei Personen, 21 Euro) mit Büffelmozarella, gegrilltem Gemüse, Oliven, Schinken – alles eher normal als aufregend. Dann kam eine gaaanz laaange Pause (die Fotos haben die gefühlte Zeit bestätigt: Zwischen dem Servieren der Antipasti und dem des Hauptgangs lagen geschlagene siebzig Minuten!). Wir vergnügten uns derweil mit unseren Lieblingsbeschäftigungen Wein trinken (2010 Salentein Reserve Sauvignon Blanc aus Argentinien, 43 Euro) und “Leute gucken” (für umme) – inklusive Blicken in die Küche, die eine offene Front hat. Offensichtlich gab es da die eine oder andere Besprechung zwischendurch, die nicht geplant war, denn es standen immer alle zusammen und redeten.

Als dann der Hauptgang kam, waren wir wirklich froh: Linguine mit Muscheln und Königskrabbe in würziger Tomatensauce (17,50/12,00 Euro) bestätigten den so-la-la-Eindruck und sollten später noch einen ungewollten Einblick ins Krisenmamagement oder, wie man das zurückhaltender auszudrücken pflegt, die Abteilung Custumer Relationship geben. Später! Hingegen konnten die Ravioli, gefüllt mit Eigelb und serviert in einer Buttersauce mit schwarzem Trüffel (17,50/12,00 Euro) überzeugen – und das, obwohl wir keine Trüffelfans sind. Aber das Gericht war sehr stimmig abgeschmeckt und natürlich überhaupt nicht kalorienarm, was man irgendwie herausschmeckte…

Nun hätte das bislang noch nicht bestellte Dessert kommen können, aber zuvor fragte die Bedienung, ob’s denn alles gepasst hätte? Da monierte Sylke, dass sie bei ihren Linguine die Königskrabben vermisst hätte – sonst aber zufrieden gewesen sei. Das ist die Stelle, wo wir nun sozusagen im Nachhinein die Hosen runterlassen müssen: Die Krabben waren nur gefühlt nicht auf dem Teller, wie die Fotos beweisen. Aber, wie gesagt: Irgendwie waren sie im gefühlten Ess-Erlebnis nicht dabei, vielleicht auch nur nach der langen Pause schnell wegschnabuliert. Wie auch immer: Nach dem kleinen Hinweis kam statt unserer Bedienung ein Manager und erkundigte sich, was wir zu bemängeln hätten. Gleiche (immer noch im guten Glauben ehrlich geäußerte) Meinung wie zuvor – und auch ich hatte sie nicht mitbekommen, trotz notorischen Naschens. Um es kurz zu machen: Wir beteuerten, weder einen Nachlass noch sonst etwas erschleichen zu wollen, konnten uns aber nicht wehren: Es kam eine Dessertplatte, die sozusagen alle angebotenen Nachtische (einzeln 6,50 – 9,50 Euro) zusammenfasste. Wir waren beeindruckt, nicht nur vom Umgang des Restaurants mit seinen Gästen.

Sicher war es kein Wunder, dass uns eben jener Manager nach Begleichen der Rechnung zur Garderobe führte, wo wir uns noch eine Zeit lang nett unterhielten.

PS1:
Auf der Rechnung erscheint ein klitzekleiner Posten, der viel bewirkt. 20 Cent pro Person gehen an die Organisation Fill the Cup - 20 Cent, mit denen man einem hungrigen Kind in der Dritten Welt eine Schulmahlzeit bezahlen kann. Eine einfache Idee und eine großartige Idee (man muss übrigens nicht zahlen – aber wer will sich da verweigern?).

PS2:
Ich habe mal ausgerechnet, was uns zwei Desserts gekostet hätten, den Betrag verdoppelt und an das World Food Programme WFP gespendet, mit dem Fill the Cup zusammenarbeitet.

FIFTEEN AMSTERDAM
Jollemanhof 9
1019 GW Amsterdam

Tel: +31 20 509 5015
www.fifteen.nl

[Besucht am 9. Januar 2011 | Lage]