Nichts dem Zufall überlassen

Uma

Omakase-Menü im berliner Uma

Omakase ist ein japanischer Begriff, schreibt sich (wenn die Wikipedia uns nichts vorgaukelt) eigentlich お任せ und meint, etwas flapsig ausgedrückt: Mach’s mir doch wie du es willst! In besseren Sushi-Restaurants heißt das: Man überlässt dem Meister die Zusammenstellung und Auswahl der Gerichte und verlässt sich auf seinen guten Geschmack – was meist auch finanziell ein attraktiver Deal ist. Unter dem Dach des noblen Adlon in Berlin überlässt man natürlich nichts dem Zufall, weswegen der Überraschungsfaktor beim Omakase im Restaurant Uma (ab zwei Personen, 80 Euro pro Person bei acht Gängen, 120 Euro bei zwölf) nur für denjenigen groß ist, der sich nicht vorher im Internet schlau gemacht hat.

Wir wussten Bescheid, fanden es aber nicht schlimm, denn die eigentliche Überraschung war ja, wie geil das alles schmeckte (habe ich gerade geil geschrieben? Oh, pardon: wie vorzüglich sollte es natürlich heißen!). Die uneigentliche Überraschung war, wie ungezwungen es im Uma – trotz desnoblen Daches! – zugeht. Ein überaus kompetenter und freundlicher Service agiert ohne all die Phrasen, die wir im Laufe zahlreicher Restaurantbesuche kennen und nicht lieben gelernt haben, und die Gäste an den Tischen rundherum plaudern genau so ungezwungen. Mithin: es herrscht eine angenehme Atmosphäre.

Acht Gänge klingt viel – alles ist aber so geschickt miteinander verwoben, dass man hinterher klaglos das Uma verlässt. Die ersten drei Gänge kamen gemeinsam, und ich schreib sie hier mal bewusst so schlicht auf, wie sie auf der Karte standen:
spinatsalat | soja curd
spargelsalat | lachs | löwenzahn | radieschen
beeftatar | sauce gribiche | brot chip

Nun ist derlei Schlichtheit keineswegs neu und sensationell, aber doch meist ein Zeichen für eine gradlinige Küche. Und so war’s dann auch. Der Spargelsalat (im Prinzip eine zerdrittelte Stange Spargel pro Person) mit dem Lachs und den Salaten sehr leicht und frisch, das Beeftatar eine Würzwucht, vor allem wenn man es (wie vom Service empfohlen) mit der Sauce Gribiche vermengte. Und der Spinatsalat? Zum Reinsetzen. Aber das macht man ja nicht, auch wenn es leger zugeht…

Gang vier und fünf von acht kamen wieder zusammen, dieses Mal nur noch gekuschelter als die drei zuvor: Im Teller weisse spargelsuppe | strandkrabben | ingwer und auf dem Tellerrand 2erlei blumenkohl. Öhm, das kann man natürlich Gang nennen, aber man hätte auch Deko oder zusätzliches Geschmackstupferl dazu sagen können. Geschmacklich ging das feine Spiel der Geschmäcker weiter, und insgeheim bedauerten wir auch, dass von Blumenkohlpaste und Blumenkohlröschen nur ein Probierhauch gereicht wurde. (Andererseits: Bei größeren Mengen wäre das Vergnügen insgesamt eben doch nicht so schön gewesen!)

Zum Fischgang mit maischolle | grüne bohnen | trüffelkartoffeln | koriander mussten wir feststellen: Ohne Koriander kommt die fernöstlich inspirerte Küche nicht aus. Wir mögen ihn und waren zufrieden – wem bei dem Kraut allerdings der Geruch von Katzenpipi ins Hirn kommt, muss leiden. Zu Trüffel gibt es derlei Assoziationen erfreulicherweise nicht…

kalbsfilet | shiitake | junglauch | trüffel glacé zum Hauptgang gefiel neben dem feinen kleinen Trüffelanschluss wegen des wunderzarten kross gebratenen Kalbsfilets, das unter einem Shiitake-Pilz ruhte. Shiitake, habe ich gelernt, gehört zur Gruppe der Speisen, die den fünften Sinn anregen. Also auf der Zunge. Umami spricht neben süß, sauer, salzig und bitter eigene Rezeptoren in der Zunge an, hat es aber im Deutschen noch nicht zu so einem treffenden Begriff gebracht: “Hmm, das ist mir zu umami?” Noch nie gehört! Aber es ist doch ein schöner Zufall der japanischen Sprache, dass da Uma drin vorkommt, oder?

Zum Dessert erwarteten wir laut Menü maibowle | erdbeeren | waldmeister – und hatten Schlimmes befürchtet. Wie naiv wir waren, denn natürlich gibt es die Maibowle anders als erwartet. Waldmeisterblättchen im Geleewürfel, dazu Erdbeeren und Eis wären eigentlich schon ein schöner Abschluss gewesen. Aaaaaaber: Jetzt noch, so on top, ein wenig lauwarme Schokolade, vielleicht als Soufflé? Eigentlich, meinte die Dame vom Service, sei das ja schon ausverkauft, aber vielleicht sei ja noch eins da! Sprach’s, huschte in die Küche und kam alsbald zurück mit einem dann wirklich krönenden schokoladigen Abschluss.

Wer uns kennt, ahnt übrigens, dass nun noch ein paar Zeilen zu den Getränken kommen. So soll’s sein: Zum Omakasemenü wird eine Cocktailbegleitung angeboten (pro person 25 Euro)! Das fanden wir so gewagt, dass wir uns nur einmal trauten, was ein Fehler war. Nicht, dass der Wein des Anderen unpassend gewesen wäre, aber die Cocktails waren zumindest das ungewöhnlichere und vor allem jeweils extrem zum Essen passende Vergnügen. Lediglich die Namen der Cocktails fanden wir verspielt-affig, aber die standen ja nur auf der Karte und nicht auf dem Tisch.

Für die Statistik und zum Anregen – es gab:
say you zu sake
yuzu sake | massenez melone | zitronensaft | prosecco bellussi
the herbal plumster
basilikum | zuckersirup | limettensaft | pflaumensake | chatreuse
uhrwerk orange
mariegold sake | cointreau | limette | zuckersirup | frischer ingwer
dream a little dream
sake dreamy clouds | taylors port | marashino luxardo
kome in and find out
waldmeister | roses lime cordial | kome shochu

uma Restaurant
Behrenstraße 72
10117 Berlin

Tel: +49 30 301117-324
www.uma-restaurant.de

Geöffnet: täglich 11 – 23 Uhr

[Besucht am 2. Mai 2012 | Lage]

Disclaimer: Ich kenne die Restaurantleiterin des Uma, weil wir – wie sie einmal unvergleichlich charmant in einer E-Mail formulierte – eine gemeinsame gastronomische Vergangenheit haben. Außerdem hat sie uns einen Begrüßungschampagner spendiert. Aber auch ohne diese beiden vergnüglichen Tatbestände hätte ich wohl kaum etwas anderes geschrieben. Nur ein Glas weniger getrunken ;-)

“Durch unsere Adern fließt Riesling”

Aus dem Archiv nie geschriebener Beiträge® hier einer, der in Fragmenten schon seit fast einem Jahr in der Wiedervorlage herumdümpelte. Ihn zu Ende zu schreiben und endlich zu veröffentlichen hat einen Grund: Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem ist vom Genießer-Magazin Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt worden. Und womit? Na klar: Mit Recht!

Roman Niewodniczanski

Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem im Gasthaus zur Post

“Ich will Ihnen heute gar keine Märchen von Pfirsich und Maracuja erzählen!” sagt Roman Niewodniczanski. Er steht, gefühlte Zweimeterzweiundzwanzig groß (in Wirklichkeit ist er nur unwesentlich kleiner, nämlich 2,03 Meter) im Biedermeier-Salon des Gasthaus zur Post im westfälischen Ladbergen und fesselt bei einem Weinabend rund um seine Weine sein Publikum gleich doppelt: Einmal mit den Saarweinen Großer Lagen, die er mitgebracht hat von seinem Weingut Van Volxem, dann aber auch durch seine Persönlichkeit: Der Mann kann reden, er strahlt unendliche Energie aus – aber ohne dieses unangenehme Getue, das Möchtegernmotivatoren auszeichnet.

Und so steht er denn locker-lässig am Tisch und erzählt. Davon, dass er als Seiteneinsteiger (gelernter Beruf: Berater) und eher vom Pils-Umfeld geprägter Mensch (sein Vater war Geschäftsführer der Bitburger-Getränkegruppe) sich das eigentlich ganz anders vorgestellt habe: “Ein Castello di Irgendwas – das ist doch Lebensqualität!” Aber dann wurde es das “renommierte, aber heruntergekommene Weingut “Van Volxem”, das alles vereinte, was sich der Jungwinzer erträumte: Dramatisch steile Hänge, skelettreiche Schieferböden und eine Weinbaugemeinde mit hoher Anzahl unterschiedlicher Terroirs” (aus dem Portrait auf wein.de).

Sein Ziel sei, Weine zu machen wie anno 1900 – denn die waren richtig gut, damals an der Saar. Und das heißt nicht nur, dass damals sehr gute Preise erzielt wurden für Saar-Weine, sondern auch: Keine Zusatzstoffe, oder mit den Worten von Roman Niewodniczanski: “Wein kann auch aus Trauben bestehen!” Kein Zufall also, dass der Begrüßungssekt im Gartenzimmer des Hauses ein 2007 Brut 1900 war!

Menü zu Weinen von Van Volxem
Menü zu Weinen von Van Volxem

Das Menü begann mit einer Überraschung – typisch Niewodniczanski (ja, ich schreibe jetzt den Namen so lange, bis ihn jede/r gelernt hat!): “Durch unsere Adern fließt Riesling!” sagte er – und hatte einen 2009 Weißburgunder eingeschleust. Vorgesehen war der nicht, aber “als ich das Menü las, dachte ich: der aromatische und leichte Weißburgunder muss es sein!” Und siehe da: Zur Terrine vom Nordsee-Steinbutt mit getrüffelten Artischocken und Kresse-Salat war er wirklich allererste Wahl, und der 2008 Saar Riesling danach gab einen bezaubernden Nachhall. Habe ich nicht schon einmal geschrieben, dass man immer zwei Weine pro Gang haben müsste?

Zum nächsten Gang Ris de veau mit gegrilltem Hummer und gefüllter Ofenkartoffel gab es zwei Rieslinge aus dem gleichem Jahrgang: 2009 Saar Riesling im einen und 2009 Alte Reben Riesling im anderen Glas. Der Saar Riesling war 2010 von der Weinwirtschaft zum “Weißwein des Jahres” gekürt worden – das sollte man wissen, wenn ich etwas verschämt zugeben muss, dass die Alten Reben des gleichen Jahrs uns um Längen besser zum Kalbskopf gefielen. Mit 11,5 % Alkohol folgt er der Devise bei Van Volxem, keinen Wein mit mehr als 12 % Alc. auszubauen. Das erfordert Arbeit im Keller – aber sie lohnt sich. Die bis zu 120 Jahre alten Reben wurzeln tief und bringen körperreiche Weine hervor.

Vor dem Hauptgang (Blanquette vom heimischen Kaninchen im offenen Raviolo mit glasierter Bete, dazu wieder zwei Weine: 2009 Scharzhofberger Riesling und 2003 Altenberg Alte Reben Riesling) noch einige Informationen zum Weingut: Im Jahr 2000 hat Roman Niewodniczanski Van Volxem übernommen – sagen wir mal vorsichtig: Nicht in allerbestem Zustand. Aber die Lagen rundum gehören zu den besten der Gegend (ein Nachbar ist Egon Müller…). Und mit “preußischen Tugenden” (Roman Niewodniczanski über sich) wurde mit Spaß und Arbeit (und wohl auch Spaß an der Arbeit sowie viel Geld) konsequent Qualität angestrebt. Mit Handarbeit, anders geht das nicht, wird Mist aufgebracht, werden die Reben von Hand geschnitten. Ein gigantischer Aufwand bei 43 ha Weinbergen. Niewodniczanski, der Hüne im Weinberg, steht grinsend mit dem Glas in der Hand am Tisch des Biedermeyer-Salons im Gasthaus zur Post und sagt: “Weine lieben die Sonne. Aber noch mehr lieben sie den Schatten ihres Herrn!”

Doch doch, wir hingen nicht nur am Mund des Erzählers, wir haben auch gegessen und getrunken: Das Kaninchen haben wir als eine würdige, weil nicht trockene Begleitung zu den beiden trockenen Rieslingen genossen. Der eine vom kühlsten Weinberg Deutschlands, der andere aus einem heißen Jahr vom wärmsten Weinberg des Weinguts, vom bis zu 70% steilen Hang des Kanzemer Altenbergs. “Das ist kein Berg, das ist eine Wand!” meinte Roman Niewodniczanski.

Zu Geschmolzenen Vacherin Mont d ́Or, Polentaplätzchen und Tréviso Salat gab es – Überraschung! – was Süßes. “Nicht unser Stil” meinte Niewodniczanski, aber wenn’s passt, dann passt’s eben. Und besser als ein Roter sei der 2008 Rotschiefer Riesling allemal! Müder Scherz am fortgeschrittenen Abend: Aber es sei doch ein ROTschiefer…

Den Abschluss bildeten Chiboust von der Passionsfrucht mit karmellisierter Banane und marmoriertem Mango-Kokosnuss-Sorbet zu einem 2005 Scharzhofberger Riesling Auslese.

Weingut Van Volxem
Roman Niewodniczanski
Dehenstr. 2
54459 Wiltingen / Saar

Tel.: +49 (0)6501-16510
www.vanvolxem.de

Gasthaus zur Post
Dorfstr. 11
49549 Ladbergen

Tel.: +49 5485 93 93 0
http://www.gastwirt.de

[Besucht am 5. März 2011 | Lage]

Disclaimer:
Das Gasthaus zur Post ist Kunde von mir – dieser Text aber außerhalb der Aufträge entstanden.

Vom Vergnügen, die Spitze zu probieren

Weinlunch 2011

Weinlunch mit Jochen Dreissigacker im Gasthaus zur Post

Als Geheimtipp wurde das Weingut Dreissigacker einmal gehandelt – aber sobald man drüber schreibt, ist es ja nicht mehr geheim. Nun ist es also raus, und was soll man sagen? Der Wein ist wirklich gut! Wir haben einige probieren dürfen – beim Weinlunch im Gasthaus zur Post in Ladbergen [disclaimer: ein Kunde von mir].

So ein Lunch ist ja eine schwierige Sache: Es ist Mittag, es ist Sommer. Will man sich um diese Zeit wirklich schon mit Wein beschäftigen, zumal in potentiell größeren Mengen? Man will! Der Zuspruch jedenfalls war rege – und Zeit hatten auch alle mitgebracht, denn so ein Lunch zieht sich erfahrungsgemäß bis in den späten Nachmittag.

Zum Empfang im Garten des Gasthauses stimmte ein 2010er Gutsriesling auf den Tag ein. Die Visitenkarte des Weinguts, ein Brot- und Butterwein sozusagen: Die schöne mineralische Frische passte wunderbar zum sonnigen Gartenambiente. Und erstmals merkte man, was Jochen Dreissigacker meint, wenn er seine Devise verrät: “Aus Gutem will ich Herausragendes, aus Wohlschmeckendem Aufregendes und aus Gefälligem Charakterstarkes erwachsen lassen!”

Das Viergangmenü wurde dann im Biedermeier-Salon serviert. Oliver Lisso hatte es passend zu den Weinen komponiert, die er bei einem Besuch im Bechtheimer Weingut kennen gelernt hatte. Bechtheim? Ist das nicht der Ort mit dem vielen Wein, eine Gemeinde mit mehr Rebfläche als im Anbaugebiet Ahr? Genau: 654 ha bestockte Rebfläche verzeichnet die Gemeinde. Ein weites Feld, auch was die Qualität anbelangt. Da macht es Spaß und bereitet Vergnügen, die Spitze zu probieren!

Zum Auftakt des Menüs brachte das Serviceteam marinierten Kalbstafelspitz mit Frankfurter Grüner Sauce und Wildkräutersalat. Das sah aus wie ein Vitello Francoforte und bot in der Tat eine treffliche Alternative zum altbekannten “tonnato”. Der Wein dazu: ein 2008er Hasensprung Riesling mit feiner Würze – die hat er vom schweren Tonboden des Weinbergs.

Keine 300 Meter weiter steht der Geyersberg, und das ist eine Kalksteinlage mit Südhang. Der Wein ist das Flaggschiff der Dreissigacker-Rieslinge und brauchte ein wenig Luft, um seine Mineralität zu entfalten. Aber die Zeit gönnen wir dem Wein und naschen vom Liebstöckel-Risotto mit gefüllter Strauchtomate und konfiertem Pulpo, bei dem der Liebstöckel fein zurückhaltend war und die Erbsen sich in der Tomate versteckt hatten. Der fein aufgeschlagene Saucenspiegel zum Risotto und der 2009 Geyersberg Riesling passten perfekt – ein Gang, den man am liebsten zweimal gegessen (und getrunken) hätte!

Zum Hauptgang hatte Küchenchef Oliver Lisso sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Smoked Beef vom Grill mit Pfefferkirschsauce und cremigem Zuckermais. Zwei Weine standen bereit, dagegen anzustehen (denn der Rauch im Steak ist schon sehr intensiv): 2010er Westhofener Chardonnay und 2007er Höllenbrand Spätburgunder. Der kernige Chardonnay gewann, erstaunlich erstaunlich, gegenüber dem Spätburgunder, der zwei Jahre im Eichenfass gelagert hat.

Ausklang mit Mille-Feulles mit marinierten Beeren und Knusperkaramell. Und einem ungeheuer konzentrierten 2007 Riesling Auslese (der eigentlich eine Beerenauslese war, aber man untertreibt neuerdings ja gerne)…

Gasthaus zur Post
Dorfstr. 11
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[Besucht am 7. August 2011 | [Lage]

Den Urlaub schmecken

So schmeckt Sardinien

Wer kennt das nicht: Man ist im Urlaub, trinkt einen Wein, isst einen Käse – kauft beides ein, nimmt es mit nach Hause. Und ist arg enttäuscht, weil es da nicht schmeckt.

Geht aber erstaunlicher Weise auch andersrum: Man ist gar nicht im Urlaub, sondern mitten in Berlin, trinkt einen Wein, isst einen Käse – und denkt: Hey, es ist Urlaub!

Eine italienische Insel hatte sich einen Nachmittag und Abend lang im Ballsaal 2 des Hotel Adlon breit gemacht – kulinarisch zumindest: “So schmeckt Sardinien!” hatte die Italienische Handelskammer für Deutschland die Präsentation und Verkostung von Qualitätsprodukten aus Sardinien (so der Untertitel) genannt – und dove il piacere incontra la passione – Wo Genuss auf Leidenschaft trifft, da ist man als Italien-Liebhaber natürlich gerne dabei.

Zwölf Produzenten waren auf dieser Mini-Messe für Gastronomen und Feinkosthändler dabei – alle aus dem Süden der Insel (den wir noch nicht bereist haben, weil wir im Norden unterwegs waren). Sie hatten ihre Produkte an eigenen Tischen aufgefahren – aber was der Clou war: Aus diesen und nur diesen Produkten gab es ein Buffet mit Antipasti und ein wenig Pasta, dazu den Wein der anwesenden Winzer.

Wir haben sie nicht alle geschafft, sondern sind individuell subjektiv (wie immer!) herum gegangen. Gespräche mit den Produzenten – allesamt Mittelständler mit meistens sechs bis 20 Mitarbeitern – waren immer möglich, denn wo die eigenen minimalistischen Italienischkenntnisse versagten, kamen schnell dolmetschende Jünglinge und Mädel herbei und halfen. Sehr schön!

Wir begannen gleich mit einem Paukenschlag an Geschmackserlebnissen bei Sarda Affumicati.Tenerezze di Polpo sieht aus wie eine Blutwurst, ist aber Octopus – nur der, plus ein wenig Salz. Zum Carpaccio geschnitten eine Köstlichkeit! Genau wie Bottarga, hergestellt aus dem Rogen der Meeräsche. Eine sardische Spezialität, die eine salzig-würzige Geschmacksexplosion hervorruft. Kann man über seine pasta streuen, kann man aber auch wie ein Carpaccio in Scheiben schneiden und als Vorspeise essen (so haben wir es genossen).

Wo Genuss auf Leidenschaft trifft
Wo Genuss auf Leidenschaft tri…

Danach musste es ein Wein sein! Die Weine der Cantine di Dolianova hatten wir in schon in Dresden kennen gelernt, und unser Weinverführer Alberto von der Kulinaria war natürlich auch in Berlin anwesend. Dieses Mal gab es aber Informationen aus allererster Hand: Vertriebsleiter Gianni Covone war da und empfahl – ähm: alle seine Weine. Na klar, was soll er als Vertriebsleiter auch anderes machen? Aber natürlich kannte er seine Weine so gut, dass er die richtige Reihenfolge für uns wählte. Schnell schwenkten wir vom professionellen Probieren mit Spucknapf um ins genießerische mit Schlucken…

Nur gut, dass inzwischen das Buffet eröffnet war! So eine große Tafel ist ja wie eine Küche bei Parties: Hier steht man am liebsten beinander und schwatzt. Worüber? Übers Essen, natürlich! Getrocknete Tomaten, Artischocken und Kapern von Olisarda, erstaunlich fruchtig-feuchte getrocknete Tomaten von Mediterranea, Salami und Schinken von Salumificio su Sartizzu. Und Pasta, die Antonello Pintus, ein sardischer Chefkoch, bereitet hatte.

Sarden
Sarden

Dazu gab’s, natürlich, Wein! Weil er schmeckte, gingen wir gleich mal an den Stand der Cantina Trexenta. Agostino Pisano, Geschäftsführer des Weinguts, führte kenntnisreich durch seine Weine (“das möchte sein!” würde der Sachse an dieser Stelle sagen!) – am meisten lernten wahrscheinlich die Übersetzer dazu, für die diese Weine offenbar Neuland waren. Wie so oft gefiel uns der Beste am besten, aber von nichts kommt eben nichts. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis erschien uns bei allen sardischen Weinen noch reichlich unverdorben. So etwas mögen wir!

Und dann? Zwei Absacker! Aus der Abteilung Essen natürlich sardischer Käse: Valeriano Pintus von der Argiolas Formaggi schnitt uns natürlich Ziegenkäse ab, aber die Entdeckung des Abends war ein ganz untypischer Blauschimmelkäse. Wie Gorgonzola, nur runder im Geschmack und irgendwie schmackhafter. Leider habe ich den Namen nicht notiert, aber das kriege ich noch raus…

In der Abteilung Trinken verteilten sich die Absacker (man achte auf die Mehrzahl!) auf zwei Stationen. Einen Moscato der Cantine di Dolianova, zu dem es leider leider leider keine cantucci gab – und das gesamte Sortiment der Cooperativa Ludus. Das ist eine Anstrengung für sich, denn die Verkostung von Limonello (heißt hier wirklich so, ohne c!) und Lakritzlikör erfordert einen tapferen Neinsager. Wie gerne würde man noch einen trinken! Aber das geht ja nicht, weil doch der Mirto seinen Job als Verdauungshelfer antreten musste!

Rheinische Gemütlichkeit im Kapellchen

Kapellchen Rhöndorf

Wer Rhöndorf kennt, ist in der Regel entweder alt oder Wessi oder beides. Für alle anderen einleitend nur der Hinweis, dass in diesem Stadtteil von Bad Honnef Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wohnte und sich ausgiebig der Rosenzucht widmete. Außerdem erfand 1904 der Drogist Max Riese in Rhöndorf die Penaten-Creme. Wir haben also Rhöndorf Wohlgerüche aller Art zu verdanken. Und für die Holländer unter uns, die gerne mal “den höchsten Berg Hollands” erklimmen: Hinterm Drachenfels geht’s weiter! Da liegt besagtes Rhöndorf.

So, nun wissen alle Bescheid und wir können eine weitere Sehenswürdigkeit des Ortes gleich links liegen lassen und die Gaststätte unserer Wahl besuchen: Das Kapellchen. Eigentlich heißt so die Sehenswürdigkeit aus dem Jahre 1716, aber uneigentlich nennen alle in der Gegend die Gaststätte direkt vis-a-vis auch so. Ist ja auch schneller gesprochen als das offizielle “Zur Alten Kapelle”!

Wir waren dort, weil das Töchterchen hier manchmal kellnert und wir, unvoreingenommen und teuflisch subjektiv wie immer, uns mal von der Qualität der Bratkartoffeln sowie des Weines überzeugen wollten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Auch ohne manchmal dort kellnerndem Töchterchen wäre das ein Ort zum Hingehen. Die Einrichtung ist einem alten Fachwerkhaus angemessen rustikal, viele Bilder schmücken die Wände, Kerzen auf den Tischen geben angenehmes Licht. Die Karte ist klein und schlicht – aber was braucht man mehr zum Wein als richtig leckere Bratkartoffeln mit wahlweise Roastbeef, Sülze oder Spiegeleiern? Siehste! Alles wird in der Küche frisch gemacht, und so schmeckt es auch.

Die Weinkarte ist klein, bietet einige Offene und alles zu sehr zivilen Preisen an. Wer will, kann auch Wein aus Rhöndorf probieren, aber wem die Lage am Drachenfels zu wenig von der Sonne verwöhnt erscheint, sollte lieber auf andere Tropfen ausweichen.

Da wir das manchmal dort kellnernde Töchterchen als Gast am Tisch hatten, kamen wir in den Genuss der Chef-Bedienung. Der Chef ist eine Chefin – und sie schmeißt den Laden mit Schwung und Charme. Viele Stammgäste waren an dem Abend da – und so es ging, blieb dann auch Zeit für einen Schwatz am Tisch: So wünsch ich mir mein Stammlokal. Ist nur leider etwas weit von Dresden…

Gasthaus Zur Alten Kapelle
Rhöndorfer Straße 37
53604 Bad Honnef – Rhöndorf
Telefon: 02224-4546
http://www.zur-alten-kapelle-rhoendorf.de

Lage | 2011 geschlossen

Gelungene Vermählung zweier über 300jähriger

Weinlunch

Der Silvaner wird in diesem Jahr 350 Jahre alt – das Gasthaus zur Post in Ladbergen feierte vor einem Jahr sein 365jähriges. Die beiden Alten trafen jetzt erstmals aufeinander – und es war eine gelungene Vermählung beim ersten Weinlunch im Gasthaus, bei dem mit dem Weingut am Stein aus Würzburg ein würdiger Silvaner-Vertreter zu Gast war.In der familiären Atmosphäre des Gasthauses begann der Lunch mit einem Empfang im Garten. Dort gab es den beliebten Dreiklang aus Aperitif, Fingerfood und Smalltalk. Der ausgeschenkte 2007er Silvaner Brut war eine prickelnde Einstimmung, und erstmals (aber nicht zum letzten Mal an diesem Mittag) hörte man ein verstohlenes “DAS soll Silvaner sein?”.

Ja – das war Silvaner. Bis in die 70er Jahre war die Rebe weit verbeitet in Deutschland, mit rund 30 Prozent Marktanteil. In dieser Zeit haben Weintrinkerinnen und Weintrinker nicht immer die besten Erfahrungen mit dem Silvaner gemacht – die Weine schmeckten oft beliebig, hatten keinen Charakter. Wer schon damals nicht irgendeinen Silvaner getrunken hatte, sondern – pardon: – einen guten, ist der Rebe treu geblieben. Und wahrscheinlich auch den Winzern oder Lagen, von denen der Silvaner weiland kam.

Am 10. April 1659 wurde erstmals nachweislich Silvaner in Deutschland gepflanzt – im fränkischen Castell. 1665 pflanzte Alberich Degen, Abt von Kloster Ebrach, erstmals eine Silvaner-Rebe in der Weinberganlage „Würzburger Stein“. Und genau von dort kamen die Weine des Weinlunches. Ludwig Knoll und sein Team bewirtschaften unter anderem den Würzburger Stein – eine Steillage mit 30 bis 80 Prozent Hangneigung! Silvaner macht 25 Prozent der Rebsorten auf den insgesamt 24 bewirtschafteten Hektar aus – Tendenz steigend.

Als fachkundigen Vertreter des Weinguts konnte Günther Haug vom Gasthaus zur Post den Winzer und Vertriebsleiter Christian Lau begrüßen. Der kommt aus Hamburg und führte nicht nur mit viel Fachwissen, sondern auch mit fabelhaftem norddeutschen Humor durch das Menü (Kostprobe: “Eine unserer Lagen ist der Stettener Stein. Goethe kam dort nicht vorbei. Da sind wir stolz drauf!”). Von Lau konnten die Gäste – allesamt nicht unerfahren, was Wein und Genuss anbelangt, noch hinzulernen. Seine Beschreibungen waren nachvollziehbar und, wie ein Gast im Gespräch bemerkte, “nicht so blumig in der Wortwahl”. Mein Lieblingsausdruck: die “vinophile Ernsthaftigkeit”, die Lau dem 2008er Würzburger Stein, Silvaner Kabinett trocken, attestierte.

Den Kabinett gab’s zu einem Risotto mit Pfifferlingen und gebratener Wachtelbrust – die mit dunkler Sauce serviert wurde und gleich die Frage aufwarf: Ob das wohl gut gehen würde? Nur Zweifler am Tisch – außer dem Winzer, natürlich, denn der ahnte schon, was die anderen dann schmecken sollten: Es geht! Nein: Es geht sogar bestens! Die klare Eleganz des Weines harmonierte perfekt mit dem Gericht, das, so ganz nebenbei, gerne zweimal hätte serviert werden können, so gut war es mit perfektem Risotto und feinen Pfifferlingen.

Was nichts, aber auch gar nichts gegen den Rest des Menüs spricht:

Carpaccio vom Yellow fin tuna mit gefüllter Roma-Tomate
2007 Silvaner, trocken

Cremiges Risotto mit Pfifferlingen und gebratener Wachtelbrust
2008 Würzburger Stein, Kabinett, trocken

Kaninchen und Taschenkrebs, mediterranes Gemüse, Polenta
2007 Würzburger Stein, Spätlese trocken

Mille Feuille von der Himbeere
Trester vom Silvaner, Barrique

PS: Das Rezept zur Mille Feuille von der Himbeere mit Zitronenmelisse haben wir Chefkoch Oliver Lisso abschwatzen können – es steht auf den Seiten des Gasthauses!

Gasthaus zur Post
Dorfstr. 11
49549 Ladbergen
Tel.: +49 5485 93 93 0
http://www.gastwirt.de

[Lage]

Spitzentalente aus der Pfalz

W-einschenken
W-einschenken

Immer im Februar lädt das Gasthaus zur Post in Ladbergen zu einem Weinabend ein – meist ist es ein Winzer, der seine Weine vorstellt und den Chefkoch inspiriert, dazu Passendes zu kochen. Dieses Mal waren es gleich sechs Betriebe, die ihre besten Weine aufgefahren hatten – ausgewählt vom Gasthaus-Team in einem nicht leichten Prozess, über den wir schon vor einiger Zeit berichtet hatten. (Und damit das gleich am Anfang einmal geschrieben ist: Ich war dabei, weil ich für das Gasthaus arbeite – PR und Internet und so. Aber was hier steht, hat damit nichts zu tun und ist ehrliche Meinung, freiwillig und unbezahlt ;-)

Axel Biesler
Axel Biesler

Die Winzer vereint ein Gedanke: Qualität. Sie sind jung – und vom VdP Pfalz ausgewählt, sich zu mausern: Wenn sie wirklich wirlich gut sind, werden sie in den VdP aufgenommen, den Verband der Prädikatsweingüter. Eine Nachwuchs-Werbe-Aktion, sozusagen – aber eine sehr angenehme. Denn die Winzer machen feinen Wein! Und sie helfen der Pfalz, einen manchmal arg ramponierten Ruf zu restaurieren. Damit man ein wenig schlauer aus dem Gasthaus heraus geht als man herein gekommen ist, gab es einen kenntnisreichen Moderator: Axel Biesler, der gelernter Winzer, Sommelier und Weinjournalist ist und somit Weintheorie und -plauderei trefflich miteinander kombinieren kann.

Carpaccio von der Jakobsmuschel
Carpaccio von der Jakobsmusche…

Sechs Gänge hatte Oliver Lisso, Chefkoch im Gasthaus zur Post Ladbergen, mit seinem Team vorbereitet: Zu jedem Gang gab es einen Wein von einem der Winzer der sechs Spitzentalente. Soweit der Plan. Und dann ging es gleich furios los: Im Glas ein 2007 Laumersheimer Kirschgarten, Sauvignon Blanc, Weingut Ernst und Mario Zelt, Laumersheim, bei dem die Nase grandios war: Fruchtig und frisch und zitronig roch es, ein Hauch von Neuer Welt kam aus der Pfalz ins Westfälische – und dazu brachte der Service, der bis kurz vor Mitternacht das Lächeln nicht verlor und immer aufmerksam und freundlich servierte, ein Carpaccio von der Jakobsmuschel mit Limonen-Crème fraîche und Friséesalat. Siehe da: Der Wein gewann, und als bekennender Jakobsmuschelfan hatte ich das gleich zum Nochmalessen nach dem Dessert vorgemerkt (es dann aber sein gelassen, aber dazu später mehr!).

Pochiertes Landei
Pochiertes Landei

Glaswechsel: 2007 Heißbühl, Grauburgunder, Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim. Der Herr Leiner, erzählte Axel Biesler, arbeite nach den Regeln biodynamischen Anbaus. Das ist noch ein Zacken schärfer als die Biowinzer, weil Rudolf Steiners Lehren da einfließen, es wird (wer schon mal mit Globuli seine Zipperlein kurieren wollte, versteht das) mit extremer Verdünnung gearbeitet und mit der Kraft, die beim Rühren ins Wasser eingeht. Nicht jedermanns Sache, diese Theorie um Hornmist und Hornkies (und auch der Herr Biesler klang so, als ob er nicht so recht dran glauben wollte) – aber der Wein war eine Überraschung. Und der Wein wurde zum Hammer, als der Service ein pochiertes Landei auf Blattspinat, Perigord-Trüffel und Sauce Hollandaise brachte: Die Kommentare am Tisch reichten von “sensationell!” über “sterneverdächtig” bis zum schlicht geseufzten “Hach!” Hier verschmelzen Wein und Gericht zu einem unvergesslichen Geschmackserlebnis. An unserem Tisch wollten sie das alle am nächsten Morgen zum Frühstück bestellen!

Dorade
Dorade

Wie sollte das nur weitergehen? Gang eins ein Knaller, Gang zwei sensationell? Und dann? Dann kam das kross gebratene Doradenfilet mit Auberginenkaviar und Kerbelpesto. Dazu gab es einen 2007 Kastanienbusch Taschberg, Riesling, Weingut Siener, Birkweiler – und das war natürlich nicht zu vergleichen mit diesem schlichten Landei. Eine Gemeinheit, denn für sich genommen waren die Dorade handwerklich extrem perfekt und das Auberginenkaviar ein schöner Ausflug ins Arabische – aber es passte erstens zueinander und zweitens auch hier wieder perfekt zum Wein.

Rebhuhn auf Rieslingkraut
Rebhuhn auf Rieslingkraut

Keine große und lange Diskussion bei der Dorade, aber mit dem nächsten Gang kam Debattierlust auf: Kann man denn so mittenmang im Menü schon eine Auslese servieren? Nun, man konnte: 2007 Heiligenberg, Riesling Auslese, Weingut Dengler-Seyler, Maikammer im Glas – und wer da naschte, ohne das Essen zu haben, tendierte schnell zur Zweifler-Fraktion. Aber dann brachte der Service Rebhuhn auf Rieslingkraut, glasierte Trauben und geräucherten Speck. Und plötzlich bröckelte die Zweiflerfraktion (so ganz verschwand sie nicht!) und es ging nur noch darum, dass man vielleicht, aber auch nur vielleicht etwas kleinere Portionen ab nun goutieren mochte. Wobei getreu dem Motto “Die schärfsten Kritiker der Elche warfen früher selber welche” die Verfechter kleinerer Portionen schon mal die Reste vom Partnerinnen-Teller nahmen und auch noch sichtlich genossen!

Das Beste vom Müritz-Lamm
Das Beste vom Müritz-Lamm

Ähnlich heiße Debatten entspannen sich mit Blick auf den Hauptgang (Das Beste vom Müritz-Lamm, geschmorte Gemüse, Thymianjus) bzw. dem dazu gereichten Wein: ein 2005 Syrah, Weingut Rings, Freinsheim. Rotwein aus der Pfalz? Und dann auch noch ein Syrah? Ein nicht zu lösender Glaubenskrieg, bei dem man nur sagen kann: Erstaunlich, dass in der Pfalz so etwas wächst (bzw. ausgebaut wird, denn die Kunst des Weinmachens sollte man nicht verachten). Dem stillen teilnehmenden Beobachter reichte die Notiz: Alle Gläser ausgetrunken, gerne auch noch um Nachschenken gebeten. Ein Wort noch zum Gericht: Das “Beste” war ganz offensichtlich ein Filetstück, dann aber noch – auch sichtbar, aber längst nicht so bekannt, ein Stück Bries auf Artischocke und gut versteckt in der Tomate geschmorte Lammschulter. Ein überzeugender Dreiklang, der mit dem Wein absolut harmonierte. Ein Gag am Rande: Am Filet lehnte etwas, was aussah wie Emmentaler. Aber es war Kartoffel – was zweifelsohne auch deutlich besser passte!

Dessert
Dessert

Das Finale war noch einmal ein ganz gaumenkitzliger Tusch: Marinierte Ananas mit Gewürz-Blätterteigschnitte und Nougatmousse mit einer 2007 Scheurebe Beerenauslese vom Weingut Kranz, Ilbesheim. Da kamen, was die Harmonie und den Schmelz an der Zunge und dem Gaumen anbelangte, Erinnerungen an das Landei auf. Lecker lecker lecker. Besonders gut für uns: Axel Biesler hatte ein kleines Quiz veranstaltet, und die Siegerin saß an unserem Tisch. Ihr Preis: Eine Flasche von der Beerenauslese. Ihre nette Geste: Öffnen und ausschenken an alle am Tisch. Wir haben es genossen!

Gasthaus zur Post
Dorfstr. 11
49549 Ladbergen
Tel.: +49 5485 93 93 0
http://www.gastwirt.de

[Lage]

Villandry

Villandry

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Crème brûlée hat nachgelassen – wenn man mal großzügig Radebeul mit eingemeindet in den kulinarischen Großraum Dresden, würde ich die beste der Stadt dort vermuten und nicht mehr, wie jahrelang erprobt, im Villandry. Das war’s aber auch schon an Gemeckere, der Rest ist bestens: Uwe Haufe in der Küche und Bernd Haufe im Service haben mit ihren Teams ein verlässlich gutes Restaurant in der Neustadt etabliert, das eine ganz eigene frische Atmosphäre ausstrahlt, in dem man in einer heiteren und unverkrampften Atmosphäre sitzt und verlässlich gut isst und zu symphatischen Preisen den passenden Wein genießen kann.

Das (bis auf ein paar Klassiker) täglich wechselnde Angebot ist sehr übersichtlich und wird auf einer Schiefertafel gereicht: Vier Vorspeisen, vier Hauptgerichte, vier Desserts. Aber eine Karte mit Aperitifs und Digestivs und eine mit den Weinen (plus Empfehlungen, auch auf einer Schiefertafel). Zu wenig? Nein, gerade richtig und gut so, denn erstens findet man wirklich immer was, kann vegetarisch essen, Fisch und Fleisch kombinieren und es sich sonstwie arrangieren – und zweitens wird hier nichts alt, sondern ist wirklich frisch.

Uwe Haufe kocht, ohne dass das modisch sein muss, gerne mit leicht asiatischen Geschmacksnuancen und stelt manchmal Dinge zusammen, die man freiwillig nicht zusammen auftischen würde. Unser Gast, nachdem er alles gegessen und wohlig geschnurrt hatte: “Das hätte ich vorher nicht gedacht! Als ich das las, hatte ich Bedenken – aber nun würde ich glatt nochmal anfangen!” Das hat er sein gelassen, weil die Portionen zwar nett angerichtet und nicht überladen sind, aber durchaus ausreichend, um gut satt zu werden.

Zum Dessert hatten wir, ohne auf die Tafel zu gucken, die Crème brûllée bestellt und waren enttäuscht, weil sie (anders als in den Vorjahren) irgendwie liebloser schmeckte – das war nichts Warmes mehr dran, es war nicht so fein pikant im Geschmack wie in der Erinnerung. Aber eigentlich sind wir froh darüber: Gibt’s doch nun die Chance, auch einmal die anderen Desserts zu probieren. Die klangen schon immer gut, sahen auf Nachbars Teller auch meist so aus. Aber wir hatten uns nie getraut aus Ärger, was zu verpassen….

Villandry Restaurant
Jordanstrasse 8
01099 Dresden
Tel. 0351 / 899 67 24
Fax 0351 / 899 67 46
mail@villandry.de
Geöffnet:
Montag bis Samstag ab 18.30h

[Getestet am 9. August 2008 | Besuch im Lage | Die Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Von der Pferdewechselstation zum Feinschmeckertreff

Ladbergen muss man nicht kennen – ein kleiner Ort im Münsterland, zwischen Osnabrück und Münster. Schlecht ist es allerdings nicht, wenn man Ladbergen kennt – denn im dortigen Gasthaus zur Post lässt sich das Leben genussvoll verbringen. Seit zehn Jahren habe ich das ganz große Vergnügen, das Gasthaus in Sachen PR zu betreuen (das hier bekomme ich allerdings nicht bezahlt, das schreibe ich freiwillig!).

Heute hatten wir die Presse eingeladen, weil es das witzig runde Jubiläum von 365 Jahren zu feiern gilt: Exakt am 17. Juni 1643 fand der erste Pferdewechsel auf der neu eingerichteten Postlinie zwischen Münster und Osnabrück statt. Die Post war nötig geworden, weil der später “Dreißigjährige” genannte Krieg bereits seit 25 Jahren tobte und nun endlich auf dem Verhandlungsweg zum Ende gebracht werden sollte – der Name lässt darauf schließen, dass die Verhandlungen in Osnabrück und Münster noch einige Zeit andauern sollten. Die reitenden Boten derer von Taxis machten auf halbem Weg zwischen den Verhandlungsorten Station, einige Vorverhändler sollen sich auch hier getroffen haben.

Was als Station zum Pferdewechseln begann, ist im Laufe der Zeit zu einer guten Adresse für Reisende und Feinschmecker geworden. Am 1. April 1998 übernahmen Günther und Elisabeth Haug die Leitung des Familienbetriebes – diese zehn Jahre gilt es ebenfalls zu feiern. Und wie kann man das besser machen in einem Gasthaus als mit einem Essen?

Vom 14. Juni bis zum 12. Juli kocht Oliver Lisso, neuer Küchenchef im Gasthaus zur Post seit gut zwei Monaten, vier Wochen lang jeden Abend das Jubiläumsmenü. Beim Preis taucht die Jubiläumszahl irgendwie wieder auf: € 36,50. Mit der Presse wurde heute schon mal Probe gegessen:

Amuse bouche: Entenleberterrine mit Apfelspalte

Millefeuille vom Sherry-Matjes mit Teltower Rübchen und Steinbeißerkaviar
Millefeuille vom Sherry-Matjes…

Millefeuille vom Sherry-Matjes mit Teltower Rübchen und Steinbeißerkaviar

Cappucino von der Erbse mit Minzschaum und Buttercroûtons
Cappucino von der Erbse mit Mi…

Cappucino von der Erbse
mit Minzschaum und Buttercroûtons

Kalbstafelspitz mit gebratenen Pfifferlingen, grünem Spargel und Kerbelpüree
Kalbstafelspitz mit gebratenen…

Kalbstafelspitz mit gebratenen Pfifferlingen,
grünem Spargel und Kerbelpüree

Marilleneis-Knödel mit Rohrzuckerschaum
Marilleneis-Knödel mit Rohrzuc…

Marilleneis-Knödel
mit Rohrzuckerschaum

Gasthaus zur Post
Dorfstr. 11
49549 Ladbergen
Tel.: +49 5485 93 93 0
http://www.gastwirt.de

[Lage]

Villa Medici

Wenn es Gastronomen schlecht geht, zitieren sie gerne Weisheiten wie “Was du brauchst,sind drei Dinge: Lage, Lage, Lage!” Dass dem nicht so ist, beweist die “Villa Medici” aufs Angenehmste: Das Restaurant liegt nicht gerade im In-Viertel Münsters – und ist dennoch immer gut besucht. Der Grund: Qualität, Qualität, Qualität.

Seit sechzehn Jahren kümmern sich Hedwig und Carmelo Caputto in einer ehemaligen Eckkneipe um ihre Gäste, die hier ein Stück Italien finden, nach dem sie anderswo lange suchen können.

Bei einem Mittagessen probierten wir ein Dreigangmenü und bekamen vorab als Amuse bouche ein feines Carpaccio von Jacobsmuscheln mit Paprikamousse – eine schmackhafte frische Einstimmung! Es folgte Rotbarbenfilet auf Borlotti-Bohnen in Kartoffel-Rucola-Sauce: Die Barbe auf den Punkt gegart, die Bohnen endlich einmal nicht – wie bei anderen so oft erlebt – zermust. Ein feiner geschmacklicher Kontrapunkt die Sauce dazu: Es war perfekt!

Zum Hauptgang gab es Rehrücken in Grappa-Trauben-Sauce mit glasierten Maronen – tadellos zubereitet mit interessantem (Cointreau?-)Geschmack der Maronen. Frisches Brot war die einzige Beilage dazu – italienisch halt: Einigen am Tisch hätte eine schnöde leckere deutsche Kartoffel dazu gut gefallen.

Kann es nach so viel Schwärmerei noch eine Steigerung geben? Klar doch: Beim Dessert. Schokoladentarte mit Zwetschgenrahmeis – hhhmmmmmmm….

Villa Medici
Ostmarkstr. 15
48145 Münster

Tel. 02 51 / 3 42 18 · Fax 02 51 / 39 30 94

So + Mo geschlossen, sonst nur abends. Keine Kreditkarten