Gourmet Restaurant Michel, Amberg

Das erste Haus am Platz in Amberg liegt am Rande der Stadt an der Vils. Das Drahthammer Schlößl bot in mehreren Gasträumen bislang eine sehr durchwachsene Kost an: Hummer, Pasta, Schmankerl, Candlelight Dinner. Küchenchef des Hauses ist der Lothringer Hervé Michel, und der möchte nun mehr als den Bib Gourmand, den er sich im vergangenen Jahr erkocht hat. Im ehemals “Blauen Salon”, der jetzt – nomen est omen – champagnerfarben gehalten ist, eröffnete am 13. März das Gourmet-Restaurant “Michel”. Sechs Wochen vorher bekochte der Chef uns schon einmal im “neuen Stil”.

Verheißungsvoll die Vorspeise: Jakobsmuschelcarpaccio mit Garnelencroustillant – eine gelungene Geschmackskombination, die auf der Zunge zerging. Dann eine Getrüffelte Kastaniencremesuppe, die das Niveau halten konnte.

Nicht ganz so inspiriert der Hauptgang. Pauillac Lammrücken auf Bohnenragout hätten wir eher im Schmankerl-Bereich als auf der Gourmetkarte gesucht. Versöhnung dann beim Dessert Orangenmousse Millefeuille mit Zitrusfrüchten.

Der Service wirkte ein wenig angestrengt, eine Weinempfehlung trauten wir uns gar nicht erst einzufordern, zumal die Karte nicht wirklich den vielfältigen Ansprüchen der gewünschten Klientel entspricht – aber das kann sich ja noch ändern.

Hotel Restaurant Drahthammer Schlöß’l
Drahthammerstraße 30
D-92224 Amberg
Telefon (0 96 21) 7 03-0
www.hotel-drahthammer-schloessl.com

Louis C. Jacob

Es war im Jahre 1902 in Hamburg – und zwar dort, wo die Stadt am schönsten ist, an der Elbe bzw. der sie begleitenden Elbchaussee in Höhe der Hausnummer 401: Da traf der Maler Max Liebermann den Gastronom Carl Louis Jacob in dessen Etablissement und fragte artig an, ob er denn die Terrasse mit den Linden malen dürfe?
Er durfte, malte sein sehr berühmtes Bild der Lindenterrasse (Blick flussaufwärts, hängt heute in der Hamburger Kunsthalle) und fertigte ein weiteres Werk (Blick flussab, hängt heute im “Louis C. Jacob”), das die Lindenterrasse ohne Linden zeigt.

Das “Jacob”, das jüngst zum “Hotel des Jahres 2003” eines Reiseführerverlages gekürt wurde, hat also Geschichte – wenn man sich ein wenig hereinfrizzelt, sogar eine sehr spannende! Weil es so schön ist, sein hier kurz der Anfang nacherzählt. Im Dorf Nienstädten vor den Toren der Hansestadt Hamburg gab es den Zuckerbäcker Burmester, dessen Plaisir es war, Schiffe auf der Elbe zu begrüßen. Nicht mit lauten Hurra, sondern mit drei Böllerschüssen, abgefeuert aus einer veritablen Kanone. Am 18. Juni 1790 tat er dies auch, allerdings offensichtlich ein wenig zu heftig. “Er kam ums Leben, da eine abgefeuerte Kanone zersprang und ihn zerfetzte” steht in den kirchlichen Annalen.

So hatte ein gewisser Daniel Ludwig Jacob die Chance zum Auftritt, und er nutzte sie. Er kaufte das Anwesen, heiratete die Witwe und machte aus der Zuckerbäckerei eine Wirtschaft.

Schnitt, Zeitreise um gut zweihundert Jahre voraus: Aus der Wirtschaft wurde ein feines Hotel, das nun nicht mehr nur an der Elbe liegt, sondern auch jenseits der Chaussee. Dort sind das alte “Landhaus Dill” sowie das “Holthusen” integriert. Mit welch einem – pardon: – Affentheater die Modernisierung und der optische Erhalt des dörflich anmutenden Ensembles von statten ging, ist ein Stück aus dem Tollhaus von Bürokratie und Kleingeist, den man in der freien Hansestadt Hamburg nicht erwartet hätte. Der Journalist Kurt Grobecker hat die Geschichte notiert, und es ist nachlesenswert, auch wenn der Investor des neuen Louis C. Jacob, Horst Rahe, an der Entstehung des Buches mit beteiligt war. Es gab also den leider schon fast üblichen Streit um fünf Bäume, knapp 50 Quadratmeter Fläche mit seltenen Pflanzen und dem auch sattsam bekannten Hickhack der Parteien und konkurrierenden Ämter. Doch irgendwie hat der Investor es durchgestanden – und nun kommen die Hamburger ins Hotel und die Gaststätte gelaufen, als wenn das alles ihre Idee gewesen wäre.

Und was aus dem Ensemble geworden ist! Ein Haus, das Luxus auf sehr schöne Art pflegt, mit 85 großzügigen Zimmern und Suiten, die individuell eingerichtet zum Wohlfühlen einladen. Insgesamt 500 Bilder – Originale, versteht sich – hängen im Hotel, und jedes Zimmer ist natürlich auch entsprechend ausgestattet und hat, was den kleinen Unterschied ausmacht, eine Mappe, die die Bilder beschreibt.

Für Feinschmecker gibt es Jacobs Restaurant – besser kann man in Hamburg nicht essen, befinden die Berufskritiker.

Aber manchmal darf’s ja auch ein bisschen weniger sein! Wenn dem so ist und man nicht in die City möchte, dann ist das “Kleines Jacob” im ehemaligen Landhaus Dill der Ort der Wahl: Eine üppige Weinkarte, eine kleine und feine Speisekarte, eine nette Atmosphäre und freundliche Bedienung – da geht der Abend schnell um. Und da offensichtlich der Hamburger als solcher auch gerne ins Kleine Jacob geht, gibt’s auch viel zu sehen…

Hotel Louis C. Jacob 
Elbchaussee 401-403
22609 Hamburg

Telefon: 0 40 / 82 25 5-0
http://www.hotel-jacob.de

Restaurant im Park Hotel

Das Park Hotel in Bremen ist eine Institution in der Hansestadt. Am Höllersee im Bürgerpark gelegen, ist es das Ziel der Bremer Bürger, die was auf sich halten. Sie fühlen sich wohl im gediegenen Ambiente, in dem modischer Schnickschnack fehl am Platz wäre und konsequenter Weise auch nicht vorkommt.

Die seit einiger Zeit von Christoph Otten geführte Küche fügt sich aufs Vorzüglichste in die klassische Umgebung und setzt, was der Bremer zu goutieren weiß, norddeutsche Akzente. Wer damit gleich Deftiges assoziiert, muss umdenken: Ob “Praline vom Rauchaal und Apfel mit Kartoffel-Sauerkrautblinis” oder “Pastinakencrème mit gebeizter Forelle” – alles macht Spaß wegen des traumhaften Eigengeschmacks und der wunderbaren Leichtigkeit, die den Abend zum Vergnügen macht und auch noch Platz für Klassiker wie “Kalbsleber mit Feigen” oder “Châtreuse vom Ochsenschwanz und gebackenem Mark und Kürbis” lässt.

Der Service ist kompetent und locker, ohne aufdringlich zu sein – und ist damit sehr auf der Höhe der Zeit. Anders als die Garderobenfrau, die vor dem Restaurant hinter ihrer Barriere platziert ist und wie im Theater vor dem Eintritt in die Heiligen Hallen ihre Gebühr kassiert…

Restaurant im Park Hotel
Im Bürgerpark
28209 Bremen

Tel. 04 21 / 34 08-0
www.park-hotel-bremen.de

Allegria

Ohne die beiden Worte “allegria” und “corazon” kommen spanische Lieder offensichtlich nicht aus: Freude heißt das eine, Herz das andere. Das Restaurant im Winterhuder Fährhaus heißt “Allegria”, ist aber gar kein Spanier. Ein Geheimtipp ist das Restaurant leider auch nicht: Die rund 80 Plätze sind nahezu jeden Abend bestens besetzt, so dass eine Reservierung angeraten ist. Verwundern tut’s nicht, denn hier wird mit viel Herz und Verstand gekocht, beraten und serviert, so dass ein Besuch immer wieder eine Freude ist.

Alexander Tschebull, Kärntner von Geburt und dem hanseatischen Hamburg wohl gesonnen, steht der Küchenbrigade voran. Tschebull gehört zu den phantasievollen Köchen, die dennoch nicht die Bodenhaftung verloren haben – was sich im Küchenstil beispielsweise derart niederschlägt, dass er eine beeindruckende Melange aus österreichisch-mediterran und norddeutsch inspirierten Gerichten komponiert.

Am besten lässt sich die Bandbreite der Küche genießen, wenn man sich aufs Überrauschungsmenü (oops, ein Tippfehler! Den lassen wir drin und erklären ihn mit Freund Freud im Sinn im nächsten Absatz) einlässt. Da man ja nicht weiß, was kommt, bleibt die Weinkarte auch nur zur Information am Tisch.

Die Auswahl besorgt Yvonne Tschebull, die immer lächelnde quirlige und fachkompetente Frau des Küchenchefs, die den Service leitet. Und besser kann’s nicht sein: Gang für Gang und Glas für Glas in feinster Harmonie – so soll die Kommunikation zwischen Küche und Service sein, zum Wohle des Gastes. Sehr fein und immer wieder ein besonderes Vergnügen: Der gut sortierte Teil des Kellers mit österreichischen Weinen – da lernt man gern’ dazu, vom Chardonnay zum Amuse Gueule (Pestokartoffelsalat, Lachsterrine, Edelfischnockerl) über den Grünen Veltliner von F.&X. Pichler zu hausgemachten Kürbis-Ravioli mit gebratenen Jacobsmuscheln und Kürbiskernpesto bis zum Muskat Ottonel von Stiegelmar zum Dessert!

Selbstredend gibt’s nicht nur die 17 Positionen der Österreicher, so dass die ganze Wein-Welt der Geschmäcker zu Gerichten wie Champagner Risotto mit Weißer Trüffel aus Alba oder Medaillons vom Hirsch mit Steinpilzen, Blumenkohlpurree und Pfefferkrokant kommen kann.

Die einschlägigen Restaurantführer bewerten das Allegria von Jahr zu Jahr besser: Tu felix Austria Hamburgiensis – vielleicht gibt’s ja bald ein Sterne-Restaurant mehr?!

Allegria
Hudtwalckerstr. 13
22299 Hamburg Winterhude
Tel. 0 40 / 46 07 28 28
www.allegria-restaurant.de

nur abends (So auch mittags), Mo geschl.
Keine Kreditkarten

Weimar: Risotto im Anna Amalia

Mit dem Anna Amalia im Hotel Elephant in Weimar verbindet uns eine lange genießerische Freundschaft. Was Marcello Fabbri auf den Tisch des feinen Restaurant bringen lässt, hat noch nie enttäuscht, im Gegenteil: Sein Risotto ist bislang unangefochten Gradmesser für alle andernorts gegessenen. Bislang waren die oft verheerend schlecht, manchmal gut oder auch sehr gut – aber nie so wie bei ihm.

Marcello Fabbri ist eben Italiener, und er kocht auch so. Modischer Firlefanz scheint ihm ein Gräuel, er bleibt sich und seinem Stil treu. Allenfalls wird er von Jahr zu Jahr immer noch ein bisschen besser. Und das nicht nur beim Risotto, wie wir beim letzten Besuch feststellen konnten: Ob Fisch (Filet von der Seezunge an Hummerkroketten mit Kaviar) oder Fleisch (Gebratenes Wildkaninchen im Wirsingblatt an zweierlei Wacholdersaucen und Selleriepüree) – es ist immer perfekt zubereitet und kitzelt den Gaumen, weil Fabbri und seine Brigade es verstehen, den Eigengeschmack aufs Feinste zur Geltung zu bringen. Kein Wunder, dass die Kollegen vom “Feinschmecker” das Anna Amalia zum besten Restaurant in Ostdeutschland gewählt haben!

Die Weinkarte ist umfangreich, die Beratung kompetent. Der Service im Anna Amalia ist aufmerksam und freundlich – und wenn er sich merken würde, dass ich mir die Serviette selber auf den Schoß legen kann und diese Bemutterung nicht leiden kann, wäre er perfekt…

Anna Amalia
Im Hotel Elephant
Markt 19
99423 Weimar

Tel. 0 36 43 / 80 20
Fax 0 36 43 / 80 26 10

www.arabellasheraton.com
elephant.weimar@arabellasheraton.com

Ulrich van Stipriaan

Originalbeitrag STIPvisiten · Stand 9/2002

Schlosshotel Schkopau

Schkopau kennt man, wenn überhaupt, vom legendären Werbespruch an der Elbbrücke nahe Dessau: Plaste und Elaste aus Schkopau.

Nun gibt es eine neue Facette, denn Schkopau, die Stadt der Chemie, hat sein Schloss wieder. Erstmals im zehnten Jahrhundert erwähnt, später im Besitz derer von Trotha zum üppigen Renaisanceschloss ausgebaut, nun nach umfangreicher Rekonstruktion sozusagen auferstanden aus Ruinen: ein Schlosshotel.

Der Gast wird über flauschige Teppichböden aufs Zimmer geleitet. 54 Zimmer und Suiten (auch eine opulente Präsidentensuite, mit gepanzertem Glas, falls mal ein wirklicher Präsident kommt) mit Blick ins Grüne lassen die Nähe der Chemiefabriken vergessen. Ein vom Standesamt genutzter Raum gehört zum Haus, eine Fitnessabteilung mit Sauna- und natürlich gibt es mehrere Tagungsräume. Besonders chic ist der im tausend Jahre alten Bergfried!

Zur Küche.
Die ist wirklich sehr bemüht, vor allem in der sprachlichen Aufwertung banaler (nicht schlechter) bürgerlicher Küche: Nicht Tomate, Mozarella, Basilikum – sondern “Variation von” und so weiter. Nicht Kartoffelpuffer mit Lachs, sondern “Rose von norwegischem Lachs” etc. Mithin empfehlen wir als Bewertung ein B für ordentliche bürgerliche Küche. Und das ist für Schkopau schon ganz ordentlich…

Schloßhotel Schkopau
Am Schloß
06258 Schkopau
Tel. 03461/7490
Fax 03461/749-100
www.schlosshotel-schkopau.de

Restaurant “Le Château”, bei gutem Wetter mit Terrasse

Ulrich van Stipriaan

Recherche-Beitrag für “Der Feinschmecker”

Schlosshotel Schkopau

Schkopau kennt man, wenn überhaupt, vom legendären Werbespruch an der Elbbrücke nahe Dessau: Plaste und Elaste aus Schkopau.

Nun gibt es eine neue Facette, denn Schkopau, die Stadt der Chemie, hat sein Schloss wieder. Erstmals im zehnten Jahrhundert erwähnt, später im Besitz derer von Trotha zum üppigen Renaisanceschloss ausgebaut, nun nach umfangreicher Rekonstruktion sozusagen auferstanden aus Ruinen: ein Schlosshotel.
Der Gast wird über flauschige Teppichböden aufs Zimmer geleitet. 54 Zimmer und Suiten (auch eine opulente Präsidentensuite, mit gepanzertem Glas, falls mal ein wirklicher Präsident kommt) mit Blick ins Grüne lassen die Nähe der Chemiefabriken vergessen. Ein vom Standesamt genutzter Raum gehört zum Haus, eine Fitnessabteilung mit Sauna- und natürlich gibt es mehrere Tagungsräume. Besonders chic ist der im tausend Jahre alten Bergfried!

Zur Küche.
Die ist wirklich sehr bemüht, vor allem in der sprachlichen Aufwertung banaler (nicht schlechter) bürgerlicher Küche: Nicht Tomate, Mozarella, Basilikum – sondern “Variation von” und so weiter. Nicht Kartoffelpuffer mit Lachs, sondern “Rose von norwegischem Lachs” etc. Mithin empfehlen wir als Bewertung ein B für ordentliche bürgerliche Küche. Und das ist für Schkopau schon ganz ordentlich…

Schloßhotel Schkopau
Am Schloß
06258 Schkopau
Tel. 03461/7490
Fax 03461/749-100
www.schlosshotel-schkopau.de

Restaurant “Le Château”, bei gutem Wetter mit Terrasse

[Recherche-Beitrag für "Der Feinschmecker"]