Mehr Sein als Schein

Kochsternstunden im Elements

“Essen muss immer spannend bleiben!” sagen Stephan Mießner und Martina Starovicova vom Elements – und treiben die Spannung gegebenenfalls ganz schön auf die Spitze. Bei den Kochsternstunden – einer Veranstaltungsreihe mit in diesem Jahr 25 teilnehmenden Restaurants in und um Dresden – lesen sich Menü und Weinbegleitung extrem simpel.
– Kartoffeln und Quark, Leberwurst (…einfach? …lecker)
– Ragout Fin – Milchkalb (…vom Feinsten)
– Bienenstich (…doch noch Suppe)
Aber wir kennen das Restaurant ja und ahnen bereits: es wird schon keine Schulspeisung geben…

Und so ist es denn auch. Und hier beginnt nun der Eiertanz des Schreibers, der den Schleier der Muttiküche nicht so ganz wegnehmen möchte, sich aber schon ein wenig äußern will. Fangen wir also da an, wo es losging: Beim Apero. Die Bar im Elements ist gut sortiert, und da kann man auch schon einmal mit einem Dessert Wine (so steht’s auf dem Etikett!) anfangen: Ein Pineau des Charentes, auf Eis serviert und weder geschüttelt noch gerührt, sondern einfach genossen. Super Einstimmung!

Ein Dutzend Leute hatten sich für diesen Abend an einem Tisch getroffen – ohne dass sich vorher alle kannten. Hinterher war das schon anders, dazwischen lagen einige Stunden mit vereintem Essvergnügen und beispielsweise die wundervolle Idee eines Mitessers, mit einem Extra-Wein die Lücke zwischen Aperetiv und Essensbeginn zu füllen. Eine Scheurebe, sieh an – darauf muss man ja erst mal kommen, denn da haben wir schon gruseliges Zeugs getrunken. Aber die vom Weingut Max Müller I. im fränkischen Volkach hat uns eines Besseren belehrt: Merken und wieder bestellen, vor allem wenn’s draußen mal so richtig Sommer werden sollte! (Anmerkung: Wir haben nicht so lange durchgehalten und zum Absacker die Runde mit eben jener Scheurebe beschlossen. Naja…)

Nun aber essen! Der erste Gang, in der Aufzählung oben weggelassen, hieß Knuspriger Blumenkohl, Eigelb, Edelkrebs und bot insofern keine Überraschung, als dass es knusprigen Blumenkohl, Eigelb und Edelkrebs gab. Der Blumenkohl kam zusätzlich zur Knusper-Varianrte als Stampf, leider etwas zu lau für unseren Geschmack (zumal die anderen Dinge natürlich, da überbacken, richtig warm waren). Dafür kribbelte Kaviarkorn unterm Edelkrebsüberbackenem, was uns sehr gut gefiel.

Und dann Kartoffeln, Quark und Leberwurst. Das isst man (zumindest in Sachsen) gerne und es kann – mit Leinöl und unter tunlichster Verwendung allerbester Zutaten – sogar richtig gut schmecken. Aber in so einem Elements-Menü ist die schlichte Variante nur schwer vorstellbar. Aber mit den Zutaten kann man ja spielen und die Leber kann bekanntlich so oder so zubereitet werden, Wurst ist das nicht. Wir verraten nichts, außer: Es hätte uns noch viel besser geschmeckt, wenn nicht (wieder) die Temperatur zu wünschen übrig gelassen hätte. Speziell bei der Nicht-Wurst…

Weniger geheimnisvoll müssen wir beim Ragout-Fin sein, weil es andeutungsweise auch auf der aktuellen Karte des Restaurants schon verraten wird. Glückliche (hoffen wir mal) Milchkälber gaben ihr Leben, um Genießer glücklich zu machen: Mit Filet und Bries. Spargel (grüner und weißer), Möhre, Zuckerschoten waren fest und knackig, die Sauce Mornay eine ideale Ergänzung: Frühling, Du kannst bitte kommen!

Zum Dessert war Bienenstich angekündigt, mit dem geheimnisvollen Zusatz: doch noch Suppe. Die kam aber in umgedreht aufgetischten Schüsseln, und das ohne auszulaufen. Trommelwirbel, die Spannung steigt – oh ja, hm. Überraschung gelungen (hätten wir uns aber, wenn wir vorher noch genauer in die Menükarte gesehen hätten, auch denken können…).

Zu allen Gängen gab es den passenden Wein, den Steffen Weber mit bekannt kenntnisreichen Worten anzupreisen wusste. Wobei anpreisen gar nicht nötig war, denn bei alten Bekannten wie einem 2009 Riesling trocken Schloss Johannisberg oder (für uns) Neuentdeckungen wie dem 2010er Spätburgunder Hand in Hand von Meike Näkel (Tochter unseres Lieblingswinzers von der Ahr, Werner Näkel) und Markus Klumpp aus Baden greift doch jeder gerne zu…

Elements Deli & Restaurant
Königsbrücker Straße 96
01099 Dresden

Tel.: 0351 | 27 21 696
www.restaurant-elements.de

http://www.kochsternstunden.de/index.php/elements-deli-restaurant.html 

Öffnungszeiten Restaurant:
Montag bis Samstag 11.00 Uhr – 23.00 Uhr, sonntags 10 – 14 Uhr

[Besucht am 2. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Restaurant Vincent

Restaurant Vincent

Kinnings, wie die Zeit vergeht! Noch keine zehn Jahre ist es her, da schwärmten wir für die Küche des Schloss Eckberg – und meinten damit, auch wenn es in den Kurzbeiträgen für den Feinschmecker so nicht stand, die Leistung von Vincent Clauss. Acht Jahre profitierte das Eckberg von seinem elsässischen Koch, der sich jetzt nach zwei Ausflügen in die Dresdner Erlebnisgastronomie und nach Leipzig einen Wunsch erfüllte: ein eigenes Restaurant.

Das Vincent hat in Striesen, dem Dresdner Viertel guter Restaurants, ein feines Plätzchen gefunden: Die hellen Räumlichkeiten mit großen Fenstern sind geradlinig und geschmackvoll eingerichtet – ein Spiegel der Küche von Vincent Clauss.

Bei unserem Besuch an einem Freitagabend war das Restaurant gut besucht, aber längst nicht alle Tische besetzt. Dennoch haben wir lange auf unser Essen warten müssen – zu lange (an den Fotos kann man es nachvollziehen: Amuse Geule 20.37 Uhr, Vorspeise 21.03 Uhr, Hauptgang 21.37, Dessert 22.05). Aufgefallen war uns das bei der Vorspeisen, die ja mehr oder weniger fertig sind: Austern, Suppe, Salat.

Womit wir bei dem wären, weswegen wir ins Vincent gegangen sind: dem Essen. Kann man an Austern (2 Stück, mit Chesterbrot 4,20 Euro) was falsch machen? Nöö, denn wenn sie frisch sind, sind sie ja sich selbst überlassen. Und sie waren frisch – obgleich uns die Lagerung auf einem (natürlich geeisten) Show-Teller doch nachdenklich stimmte und der dort ebenfalls drapierte Steinbutt am Ende des Abends ganz traurig guckte, weil ihn keiner haben wollte.

Gar köstlich geraten war die Bouillabaisse à la Vincent mit Sauce Rouille und Baguettescheiben (5,80 Euro) – ohne Anspruch auf vollständiges Wissen denke ich mal, die derzeit beste in Dresden: kräftiger Fond, viel Fisch, dezente Schärfe. Wenn man bedenkt, wie weit weg das Elsass (und erst recht Dresden!) von Marseilles entfernt ist…

Hauptgang Nummer eins ist eine humorige Anspielung auf sächsisches Französisch: ”Kokowääh – Coq au vin” nach elsässer Art. Das in Wein geschmorte Huhn wird viel zu selten angeboten! Freundlicherweise war das Hühnchen saftig – und wir hoffen mal, dass es vom Stamme der Glücklichen war… (14,20 Euro). Perfekt geraten auch der Skrei, der mit Trüffelgraupen serviert wurde. Winterkabeljau ist ja per se ein Genuss, und das große Stück war wirklich auf den Punkt gegart. Die Graupen erlebten in der servierten Machart eine Rehabilitation – wer sie in schlechter Erinnerung hat und im gleichen Atemzug von Risotto schwärmt, sollte sie hier probieren und “Tschuldigung, Graupe!” sagen.

Zum Abschluss gönnten wir uns, da sind wir phantasielos, die Crême brûlée mit Ananas-Minz-Salat (5,20 Euro) und beschlossen, nächstes Mal mehr Mut zu haben. Woraus der erfahrene Leser (wie auch die erfahrene Leserin, natürlich!) schließen kann: Die CB war nicht die beste der Stadt, sondern lediglich ordentlich. Aber wir fanden’s insgesamt doch wiederbesuchenswert…

Restaurant Vincent
Wittenberger Straße 49 / Ecke Bergmannstraße
01309 Dresden

Tel.: 03 51/31 90 64 04
www.restaurantvincent.de

Geöffnet: 
Dienstag 17-23 Uhr
Mittwoch bis Sonnabend 12 bis 23 Uhr
Sonntag und Feiertage 11 bis 23 Uhr

[Besucht am 24. Februar 2012 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Gasthaus Hellerau

Kaffee Hellerau

Wer als Tages- oder Wochenendtourist nach Dresden kommt, schafft es meistens nicht in die Gartenstadt Hellerau im Norden der Stadt. Das ist ein Fehler, aus vielerlei Gründen. Zu allererst verpasst man dann natürlich die 1909 von Richard Riemerschmidt geplante Gartenstadt, zu der so wunderbare Straßenzüge wie “Am grünen Zipfel” (was für ein bezaubernder Straßenname!) gehören. Und natürlich ergibt sich ohne Besuch von Hellerau auch nicht die Gelegenheit, ins Gasthaus am Markt einzukehren. Was schade ist, denn da ist es richtig nett.

Man könnte dort als flüchtiger Besucher auf der Suche nach einem Restaurant vorbei gehen, denn in feiner Bauhaus-Schrift stehen die Worte Hellerau und Kaffee am Haus, und an der Ecke wartet schon seit 1930, als das Haus gebaut wurde, ein Bäckersjunge mit einem Sandsteinkuchen auf dem Arm auf Kundschaft. Drinnen aber befindet sich seit 2008 (als das Haus durch den Wirt Torsten Pötschk renoviert wurde) eine Kneipe im einen und ein Restaurant im anderen Zimmer.

Im Kneipenteil gibt’s schon mal Fußball im Fernsehen für die Stammgäste und auf jeden Fall Pils vom Fass (0,3l Radeberger für 2,10 Euro) – im Restaurantteil gepflegtes Hintergrundgedudel in schöner Atmosphäre. Für die sorgt, was Hellerauer nicht wundert, Heike Pötschk von der “grünzeug” Floristik gegenüber mit geschmackvollen Blumenarrangements.

Wir probierten Ziegenkäse-Crostini auf Ruccolasalat (5,90 Euro) und wunderten uns, dass die Weißbrotscheiben so gar nicht kross waren. Doch der Geschmack und das schlichte, aber ordentliche Dressing trösteten über die nicht erfüllte Erwartungshaltung hinweg. Die Holundersuppe mit Calvadosapfelspalten (4,10 Euro) wurde in einem schwungvoll designten Teller serviert – und schmeckte prima: So richtig was für die kalte Jahreszeit.

Sehr erfreut waren wir, wie ernst die Küche das Wort rosa bei der Entenbrust genommen hatte. Zart war das Fleisch auch, und zusammen mit der Thymiansauce und dem knackigen Gemüse sowie den Hellerauer Quarkzipfeln (15,90) war dieser Gang ein Genuss, der uns ein fröhliches “Geht doch!” entlockte. Ebenso positiv fiel das auf der Haut gebratene schön saftige Zanderfilet aus (14,90 Euro), wobei der dazu servierte Blattspinat besonders gefiel und fast ein Grund wäre, noch einmal nur deswegen wiederzukommen (das Geheimnis: ein Hauch Knoblauch und ein Schuss Weißwein im frischen Spinat).

Dessert oder nicht? Wir blätterten noch einmal durch die liebevoll gestaltete Karte, blieben aber an den Hellerauer Skizzen von Carola Finkenwirth hängen, weil einfach kein Platz mehr war für Crêpe oder Quarkzipfel…

Gasthaus Hellerau
Markt 15
01109 Dresden-Hellerau
Telefon: ( 03 51 ) 8 83 44 70
www.gasthaus-hellerau.de

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 16:00 – 22:00 Uhr
Samstag 11:00 – 23:00 Uhr
Sonntag 11:00 – 21:00 Uhr
Montag Ruhetag

[Besucht am 17. Februar 2012 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Erfrischendes auf dem Weg ins Erzgebirge

Weimer's Landgasthof

In Oberhäslich verwöhnt Thomas Weimer die Gäste in seinem Landgasthof

Als die Politiker uns vor reichlich zwanzig Jahren “Blühende Landschaften” versprachen, wünschten sich nahezu all diejenigen, die gerne essen und trinken gehen, dass dieser Wunsch auch in der Gastrolandschaft in Erfüllung gehen möge. In den Städten wie Dresden, Leipzig oder auch Görlitz hat das ja auch ganz gut geklappt – aber auf dem Land sieht es von wenigen Ausnahmen abgesehen immer noch aus wie in der kulinarischen Öde.

In Oberhäslich (bitte mit langem “ä” und einfachem “s” sprechen!) hat sich Thomas Weimer etwas getraut, was man sich viel häufiger wünscht: Er hat den alten Dorfgasthof zu einem Landgasthof umgemodelt, der eine herrliche Frische ausstrahlt. Der Gastraum ist hell, eine lustige Bordüre über der Holzpaneele mit hellgrün gemalten Küchengeräten gibt ihm etwas Freundliches.

Die Karte ist übersichtlich, was uns meist mehr erfreut als 300 Gerichte, die mehr Nummern als Speisen repräsentieren. Sechs Vorspeisen, fünf Hauptgerichte und drei Desserts reichen allerdings aus, sich schmackhafte Menüs zusammenzustellen. Und das taten wir dann auch – beinahe. Denn wir wollten (wegen kleinen Hungers) nur zwei Vorspeisen. “Nummer drei” am Tisch bat um einen zusätzlichen Löffel, um von der Steckrübensuppe mit gerösteten Walnusskernen (3,90 Euro) naschen zu können. Es gab, wie wunderbar, Besteck reihum für alle Vorspeisen: “Damit sich das Naschen lohnt!” Derlei unkompliziert mögen wir es, und “Nummer drei” genoss nicht nur die schaumig aufgeschlagene schmackhafte Suppe, sondern auch den Karamelisierten Ziegenkäse auf süß-sauer eingelegtem Radicchio mit Pinienkernen und Walnüssen (8,90 Euro), der zwar nur lauwarm serviert wurde, aber kräftig karamelisiert war und mit dem Radicchio einen wunderbar köstlichen Geschmack im Mund entfachte.

Der Service, der dies möglich machte, bediente uns den ganzen Abend freundlich und dezent-zurückhaltend, war aber immer zur Stelle, wenn dies nötig war. So sollte es sein. Schön ist auch, dass Thomas Weimer gegebenenfalls die Küche verlässt, um die Teller an den Tisch zu bringen. Erstens ist das Essen so wirklich warm und zweitens hat man das Gefühl, in familiärer Atmosphäre im Wohnzimmer zu sitzen: Alles läuft recht unkompliziert.

Die drei Hauptgänge lassen sich auf einen Nenner bringen: Lecker! Alle drei Fleischgerichte (es gibt auch Fisch, aber danach war uns nicht – lediglich Vegetarier müssen sich wohl etwas intensiver beraten lassen, denn Fisch- oder Fleischloses findet man nicht auf der Karte) waren auf den Punkt gegart, zart und saftig. Geschmorte Kalbsschulter auf Rahmwirsing mit Kartoffelrösti (13,90 Euro) zerschmolz auf der Zunge, kam mit ausreichend Sauce und lieferte mit den Rösti die Beilage des Abends. Die werden wir wieder ordern, egal was es dazu gibt!

Das Schnitzel des Herrn Weimer hatten wir ja schon im Dresdner Spizz gelobt, als er dort Küchenchef war. Hier erschien es uns nahezu perfekt – auch in der Darreichungsform in mehreren kleinen Stücken und nicht als ein überbordender Lappen. Die Bratkartoffeln dazu gehören zweifelsohne zu den besten der Gegend: kross-knusprig und angenehm gewürzt (Wiener Schnitzel klassisch vom Kalb mit knusprigen Bratkartoffeln und kleinem Salat für 14,90 Euro).

Prinzipiell hegen wir bei Geflügel ja eher Bedenken, dass uns das zu trocken und fade auf den Tisch kommen könnte. Weit gefehlt: Gebratene Maispoulardenbrust auf frischem Blattspinat mit Kartoffel-Parmesan-Gratin und Pfefferschaum war saftig, geschmackvoll und wurde mit einem traumhaften Sößchen serviert. Man muss Vorurteile auch mal über Bord werfen dürfen…

Zu den Desserts nur ein Satz: Gut, dass wir zu dritt waren und rundum naschen konnten. Hat sich gelohnt! (Aber wenn ich mal allein da wäre, würde ich Tonkabohnen-Crème brûlée mit Apfel-Zimt-Kompott und einer Kugel Schokoladeneis (6,90 Euro) nehmen und fragen, ob die Portion ein wenig größer sein könnte…)

Weimers Landgasthof
Dresdner Str. 9
01744 Dippoldiswalde

Tel: +49 3504 629550
www.weimers-landgasthof.de

Geöffnet:
Mittwoch & Donnerstag ab 17.30 Uhr
Freitag, Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen ab 11.30 Uhr
[Besucht am 26. Januar 2012 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Essen mit Stil

Bacchus

Mit Löbtau verbindet man in Dresden ja eher nicht so die feine Art. Der Begriff “Kuh-Löbte”, der heute noch weit verbreitet ist, täuscht allerdings mehr Romantik vor als dem Stadtteil innewohnt: Die großen Viehweiden gab es im vorindustriellen Zeitalter (da aber eben reichlich, alles hat ja seine Berechtigung). Vor rund 150 Jahren aber ging dann die Industrialisierung los, mit Mühlen, Fabriken (Zement, Eisengießerei, Schokolade) und Arbeiterwohnungen (unter anderem eine schöne Siedlung von Hans Erlwein).

Mittendrin gibt es “Bacchus”, ein Restaurant und Weingarten. Die Geschichte des Hauses geht weit in die Zeiten der DDR zurück. Anfangs ein Viertelskneipe mit gutem Bierumsatz (Löbtauer Casino), später dann Weinrestaurant ohne Bierausschank, aber mit (so sagt man, wir haben’s nicht probieren können) gutem Essen. Unsereins fragt sich ja immer, was die Leute nach der Wende geritten hat, da nicht mehr hinzugehen – denn statt langer Wartezeiten (bis zu einem halben Jahr!) gab es erst einmal ein Loch und keiner kam mehr, es folgten diverse Pächterwechsel und der Verlust des guten Rufs.

Das alles sollte man wissen, wenn man nun den Bacchus besucht und sich womöglich im Dunkeln durch Löbtau tastet, um dann in ein Eckhaus zu gehen, das einen mit einer ganz anheimelnden Atmosphäre erwartet: Warm ist es, aber nicht nur wegen der Heizung, sondern auch wegen der Ausstattung: Im Stil der 50er oder 60er Jahre, mit reichlichen Zitaten aus den Bereichen Film und Musik. Die Tische sind nett eingedeckt, wir fühlen uns wohl. Voll ist es auch an diesem ganz normalen Donnerstag – gut, dass wir reserviert hatten!

Seit Mitte 2008 schon hat Alexandra Göllner das kleine Wunder vollbracht, der Eckkneipe mit der guten Vergangenheit auch eine beachtenswerte Gegenwart zu verschaffen. Neben den Aspekten Essen und Trinken gibt es auch kulturelle Angebote, mit Thomas Stelzer und Mario Thiel beispielsweise.

Mit einer unglaublichen Freundlichkeit werden wir empfangen – und die bleibt den ganzen Abend bis zur Verabschiedung ein prägender Teil des Abends. Der andere war das Essen, weswegen wir ja eigentlich da waren! Die Standardkarte wechselt alle drei Monate, zusätzlich gibt es noch eine Monatskarte mit noch mehr Saisonalem. Die meisten Angebote klingen nach deutscher Küche, aber mit allerlei verfeinernden und erfreulich undogmatischen Einflüssen.

Wir waren zu viert und konnten entsprechend viel probieren. Unter anderem genossen wir alle von der ungewöhnlichen Vorspeise (Burger von Blutwurst – mit Süßkartoffeln statt Pappebrötchen und einer delikaten Blutwurst) über die Barbarie–Enten–Keule an gedünstetem Wirsing und glasierten Schupfnudeln, die wie ein Sauerbraten süß-säuerlich zubereitet war bis hin zu den Desserts, von denen Portwein-Zwetschgen an Pistatienparfait in nachhaltiger Erinnerung geblieben sind.

Also alles gut? Ja, sogar im kleinen Krisenfall: Als wir beim Argentinischen Rinderhüftsteak (mit Ziegenkäsetalern und Waldpilzen auf einer Jus vom Pinot Noir) monierten, dass es uns ein wenig zu sehr durchgebraten sei, bot man uns sofort ein neues an – aber so schlimm war’s ja doch nicht. “Beim nächsten Mal”, lächelte unsere Bedienung, “erinnern Sie mich dran: Dann gart der Koch das Steak rückwärts!” Schon deswegen müssen wir wieder hin!

Bacchus – Restaurant & Weingarten
Clara Zetkin Strasse 15
01159 Dresden

Tel: 0351 – 42 41 835
www.bacchus-dresden.info

[Besucht am 24. November 2011 | Veröffentlich am 15. Dezember in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Die Brust mit dem Knöchelchen

Neulich in einem sehr beliebten Restaurant in der Dresdner Neustadt. Es war rammelvoll – alle müssen ja im Advent ausgehen und nachholen, was sie das Jahr über nicht geschafft haben. Aber das Team machte gar keinen gestressten Eindruck, sondern war gut drauf und hatte – so gut das ging – sogar noch Zeit für das eine oder andere Schwätzchen.

In der Adventszeit gibt es dort das von Freunden hoch gelobte Angebot Ente, Rotkohl und Klöße – satt!Mir war aber gar nicht nach “satt”, ich wollte: Entenbrust mit Rotkohl. Einmal. Also fragte ich, ob das ginge: Nur einen Gang, den aber mit einem Stückchen Entenbrust? – “Na klar, kein Problem!” Wie schön!

Vorweg sollte es Gebratene Entenleber mit Salbei-Äpfeln und Winterendiviensalat sein. Wurde es auch (halbe Portion, geteilt mit der Nachbarin). Die Leber war (was schon mal passieren kann, aber nicht passieren sollte) etwas trocken – der Salat dazu mit einem angenehmen Dressing. Bei uns. Die beiden anderen, die sich den anderen Teller der gleichen Vorspeise geteilt hatten, berichteten Anderes: Alles sei in Ordnung gewesen (und die Leber, ich habe gespinxt, sah auch deutlich besser aus nach dem Anschnitt.

Dann kam die Ente! Zwei wunderschöne Klöße, bezaubernd riechender Rotkohl – und zwei kräftige Entenkeulen. Ich aß nicht auf, denn mir war ja so nach Entenbrust! “Oh,” wunderte sich die Bedienung, “hat es nicht geschmeckt?” Doch doch, beeilte ich mich zu sagen, doch ich hätte mir doch so sehr bei der Bestellung schon ein kleines Stückchen Entenbrust gewünscht! Ob ich das vielleicht jetzt, im Nachgang sozusagen…? – “Na klar, kein Problem!” Wie schön!

Nach einiger Zeit kam der zweite Gang, wunschgemäß ohne Knödel, mit bezaubernd riechendem Rotkohl – und einem kleinen Stückchen Entenkeule. Ich konnte leider nicht so schnell stutzen wie die Bedienung wieder fort ging, weswegen ich den Teller ungefragt auf den leeren Nebentisch stellte, wo er verwundert weggeräumt wurde. Was denn nicht stimme? “Och”, meinte ich, “auch diese Brust hat mir zuviel Knöchelchen, so wie die beiden beim ersten Versuch!”

Kam der Koch. Zeigte mir auf einem Teller rohe Entenkeule und direkt daran angelegt eine abgeschnittene Entenbrust. Ob ich wirklich die wolle?

Ja, ich wollte – und bekam sie auch. Schließlich waren wir in “Dresdens kulinarischer Adresse für entdeckungsfreudige Genießer” (Speisekartenaufdruck)!

hierschönessen
Görlitzer Str. 20
01099 Dresden

0351/25652898
www.hierschoenessen.de

Geöffnet
Di – Sa 17:30 bis 24 Uhr, So 17:30 bis 22 Uhr

[Besucht am 9. Dezember 2011. Lage.
Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Hirsch-Weihnacht

Konzertplatz

Weihnachtsmärkte gibt es viele in Dresden – zu viele, sagen einige. Den allerallerkleinsten haben wir heute besucht: Die Hirsch-Weihnacht auf dem Konzertplatz im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch besteht nur aus einem Stand: dem von bean&beluga. Da der auf dem Striezelmarkt sowieso unser liebster ist, reicht uns das also völlig aus.

An allen Adventssonntagen geht das von zwei bis sechs am Nachmittag, am dritten Advent im größeren Maßstab mit Partnern und Freunden der Schaubäckerei Scheinert, der Fleischerei Müller und Jana Lange vom Blumenhaus Blatt und Blüte – das nur zur Info. Eigentlich ist das aber egal, uns zumindest: Es gibt den köstlichen Glühwein in den Varianten weiß und rot. Es mag ja begründete Nörgeleien über das Glühweinunwesen geben (die Süddeutsche hatte am Samstag einen bezaubernden Beitrag zum Thema), aber mit so einem warmem Krug trinkbaren und nicht zu Kopf gehenden Wein darin macht das Rumstehen mit Freunden auch im Winter Spaß. Dass es heute mit elf Grad warm genug für einen normalen Rotwein gewesen wäre, konnte ja keiner ahnen.

Eierlikör
Eierlikör

Wer vor Sonnenuntergang oder überhaupt keinen Alkohol zu sich nehmen mag, muss entweder warten oder kann den alkoholfreien Punsch trinken. Quitte und Apfel, prima gewürzt – eigentlich ein mehr als akzeptabler Ersatz. Aber irgendwann könnte das ja doch nicht mehr reichen – was dann? Wir versuchten den Eierlikör, den es bei bean&beluga gibt. Hausgemacht und nur zur Advents- und Osterzeit erhältlich und vor allem: Gnadenlos süffig. Verglichen mit dem, was man sonst so trinkt, muss man konstatieren: Das müssen Hühner gewesen sein, die stolz darauf waren, die Eier für diese Köstlichkeit zu legen!

Bratwurst
Bratwurst

Gegessen haben wir auch: Die beste Bratwurst, die wir im ganzen Umkreis in Sachen Weihnachtsmarktwursterei kennen. Würzig! Frisch! Braun! Und warm sowieso. Und das Brötchen, in dem die Wurst gereicht wird, lag auch auf dem Grill, was es der allgemeinen Pampigkeit enthebt, die man sonst so angeboten bekommt. Merke: Gutes kann so einfach sein!

Ein Strandkorb im Gewölbekeller

Schwindts Restaurant

Ein Stück Rügen im Dresdner Stadtteil Seidnitz: Schwindts Fischrestaurant

Weil wir ja immer wieder gefragt werden, wie wir die Restaurants für diese Testserie auswählen, hier einmal eine Teil-Antwort: Leserinnen und Leser wie Sie geben uns Tipps, Neueröffnungen sprechen sich manchmal schnell herum – und dann gibt es noch den puren Zufall! Genau so fanden wir bei einer Internet-Suche nach etwas ganz Anderem das Restaurant Schwindts. Der Rest ist beruflich bedingte Neugier, denn trotz der etwas überbunten Internetseiten findet unsereins natürlich den verräterischen Punkt “Speisen & Getränke” sofort.

Die Karte las sich gut – und die Vorstellung, dass ein Rüganer mitten in Dresden Fisch auftischt, gefiel uns. Also reservierten wir einen Tisch, was sich als sehr gute Idee herausstellen sollte. Ohne diese Vorbestellung hätten wir (an einem ganz normalen Donnerstag Abend!) keinen Platz mehr bekommen: Alle Tische waren entweder schon besetzt oder reserviert. Das Publikum war eine bunte Mischung von jung und alt, die Stimmung dem allgemeinen Gemurmel und Gelächter nach eher gut. Offensichtlich ist das Schwindts eine gut eingeführte Nachbarschaftsgaststätte!

Das Restaurant duckt sich im Kellergewölbe des Hauses an der Bodenbacher Straße, aber zumindest im Dunkeln ist es nicht zu übersehen: Ein Leuchtturm draußen vor der Tür stimmt auf Maritimes im Keller ein. Drinnen überwiegt sächsischer Sandstein, aber Steuerräder, Segelbootsmodelle und andere Kleinigkeiten setzen Akzente. Wenn die Tische anders als mit abenteuerlich rutschigen Tischläufern und Kunstblumen verziert gewesen wären, hätte man das Ambiente sogar richtig gemütlich nennen können.

Die Karte kannten wir ja schon, sie entsprach erfreulicherweise dem Angebot aus dem Internet. Wir bestellten, weil Matthias Schwindt sein Restaurant als “Fischrestaurant” tituliert, nur Fisch und (zum Dessert, wo der nicht wirklich schmeckt) Ostsee-Spezialitäten. Es gibt aber auch Fleischgerichte, Pasta, Ofenkartoffeln – man muss also nicht zwangsläufig Fisch essen.

Sassnitzer Matjeshappen mit Zwiebelringen auf Schwarzbrot erwies sich als köstliche Vorspeise, mit mildem Salzhering in Sahnesauce und körnig-saftigem Schwarzbrot. Lediglich dem Salat hätte ein wenig Dressing zur Entwicklung eines verbindenden Eigengeschmacks gut getan. Genossen haben wir das Fischertöpfchen “Störtebeker”, eine klare Fischsuppe mit reichlich Einlage und leicht geknofeltem Brot dazu.

Gebratenes Rotbarschfilet “Hiddenseer Art” mit frischen Rahmchampignons und Käse überbacken wird als “Unser Klassiker” präsentiert, war für uns aber nicht so der Hit. Einerseits weil die Käse-Champignon-Mischung uns prinzipiell zu kräftig für den Fisch erschien, andererseits weil auch hier nahezu nackter Salat die Beilage bildete. Unser Tipp: Das gegrillte Zanderfilet mit einem sehr geschmeidigen Rahmsauerkraut und einem faszinierenden Geschmackserlebis: Sanddorn-Senfsauce, sehr pikant und wie geschaffen für den Zander. Rotbarsch wie Zander waren übrigens schön saftig, der Zander zudem auf der Hautseite superkross: So sollte es sein!

Weil uns der Sanddorn in der Sauce so gefiel, probierten wir zum Dessert das Sanddornparfait. Das hätten wir vielleicht nicht tun sollen, denn wenn der Franzose “parfait” sagt, hat er etwas Vollkommenes vor sich. Und dafür war dieses Dessert deutlich zu wenig crémig-sahnig.

“Schwindts” Restaurant im Kellergewölbe 
Bodenbacher Strasse 120
01277 Dresden/Seidnitz

Tel.: 0351 / 2598502
www.schwindts.de

Geöffnet
Montag – Freitag ab 17.30 Uhr
Samstag & Sonntag ab 11.30 Uhr

[Besucht am 17.11.2011 | Veröffentlicht am 24.11.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Ehre wem Ehre gebührt

Platzhirsche und Newcomer

Mit den Köchen ist das ja so: Eitel sind sie alle, betonen aber immer, dass sie es nicht sind. Dennoch merkt man den besseren jedes Jahr im Herbst eine gewisse Unruhe an: Die einschlägigen Restaurantführer erscheinen und wissen es natürlich, mit viel Tamtam die Marketingtrommel zu rühren. Und dann: Pressekonferenz, Sperrfrist, Insiderwissen – traraaaa: Habemus Fressführer!

Der Michelin vergibt seine Sterne – das trifft immer recht wenige, vor allem in unserer Gegend. In diesem Jahr blieb faktisch alles beim Alten, denn dass einer, den es nicht mehr gibt, keinen Stern mehr hat, ist ja irgendwie naheliegend (dem Maurice in Dresden ging das so – aber wir haben eh nie verstanden, warum es da überhaupt einen Stern gegeben hatte, nach unseren Erlebnissen…).

Wie gesagt, ansonsten hierzulande nichts Neues unterm Sternehimmel, also Falco in Leipzig zwei Sterne, der Stadtpfeifer in Leipzig einen Stern, und in Dresden geben sich Dirk Schröer vom Caroussel und Stefan Herrmann vom bean&beluga die Ehre.

Nun erschien auch wenige Tage nach dem roten guide mit dem Reifenmännchen der für seine feinen ironischen Texte geliebte und verhasste (je nach dem…) Gault Millau. Dort kann man sich maximal 20 Punkte erkochen. Aber wer ist schon perfekt?

Platz 1 der kulinarischen Hitparade des Gault Millau in Sachsen hält mit 18 Punkten Dirk Schröer vom „Caroussel“ in Dresden: „Bei dessen Variation von der Raf-Tomate, der fast kernlosen, fleischigen Urtomate aus Spanien, die ihm ein Gemüsebauer aus Radebeul züchtet, weiß man mal wieder, wie gut Tomate eigentlich schmecken kann und sollte. Ein heißer Tipp ist auch die kalt-warme Vorspeise aus gebratenem Langostino mit geeistem Süppchen von Kopfsalat und Franzosenkraut sowie einem Löffel geeisten Rotweinessigs. Eine perfekte Komposition mit langem Nachklang, auch an verwöhnten Gaumen, ist der mit würzigem Knödelteig gefüllte und mit Trüffelmayonnaise ‚eingecremte’ Ochsenschwanz in einem intensiven Schmorsaft mit Sellerie-Trüffelgemüse.“ heißt es im Gault Millau, der nur zwölf Köche bundesweit besser bewertet als Dirk Schröer!

Ihm auf den Fersen ist Stefan Hermann vom bean&beluga, dem die Redaktion attestiert, „geschickt zwischen Klassik und Moderne [zu pendeln] – bei geschmackssicherer, akkurater Zubereitung. Das Speisenangebot ist namensgerecht breit gefächert: von weißen Bohnen als stimmiger Beilage mit Apfelstiften in fruchtigem Fischfond zu gebratenem Rochenflügel und dünn aufgeschnittenem Oktopus bis zu Beluga-Kaviar als Krönung eines grünen Gazpacho mit wunderbar zarter Königskrabbe“.

Stefan Hermann wurde auch für seine Kochkurse gewürdigt und bekam die Auszeichnung „Kochschule des Jahres“, weil „er nicht nur Fitness am Herd, sondern auch Kochkunst, Lebensfreude und Genusserlebnis fördern will“.

Insgesamt glauben die Tester(innen) “einen sachten Aufschwung im Mittelfeld der sächsischen Spitzengastronomie” erschmeckt zu haben – wer sagt’s denn! Was uns besonders freut: Olav Seidel vom „Gasthof Bärwalde” in Moritzburg ist mit 15 Punkten erstmals dabei – ein hoher Einstieg, aber ein verdienter (Notizen unserer Besuche 2010 und 2011). Seidel beeindruckte mit „gebratener Forelle aus dem nahen Steinbach in einer Weißburgundersauce, die eher eine Beurre blanc von schön buttriger Konsistenz und feiner Säure ist, und als Dessert mit einer Schüssel duftender dunkler Erdbeeren (die ein Obstbauer der Gegend aus der dunklen, nicht so süßen Urerdbeere und gezüchteter Walderdbeere kreuzte) mit luftig schaumigem Weißkäse“.

14 Punkte und ebenfalls neu dabei: Stephan Mießner vom „Elements“ in Dresden. Er überraschte durch „gebackene Salatherzen mit Ziegencamembert und gepfefferten Kirschen oder originelle Currywurst vom Kalbskopf mit Tomatenconcassé von milder Curryschärfe und luftigem Kartoffelschaum“. (Wir waren in der Tagesbar…)

[Die Bilder zeigen Stefan Hermann (oben links), Dirk Ströer (oben rechts), Olav Seidel (unten links) und Stephan Mießner (unten rechts).]

It’s never too late…

Großformatiges

…for a big bottle of Slate. Steht auf dem Shirt von Matthias Dathan. Er muss es wissen, denn in der Hand hat er: Eine große Flasche Riesling, dem man den Schiefer (nichts anderes bedeutet slate, wenn man sich nicht englisch unterhält) gerne anschmeckt. Außerdem ist er (also der Matthias, nicht der slate) einer der fünf WeinFUNatiker, eine Truppe von Weinfachleuten, die den Wein gemacht hat. 1,5 Liter, eine Magnumflasche: Eigentlich die richtige Größe für einen schönen Abend im kleinen Kreis – aber als es die Flasche am 11.11.11 abends im Dresdner Restaurant Elements gab, war der Kreis nicht wirklich klein: Etwa hundert Gäste.

Aber es gab, Bacchus sei’s getrommelt und gelobt, auch nicht nur diese eine Flasche, sondern etliche: Mitgezählt haben wahrscheinlich nur diejenigen, die sie entsorgen mussten, aber Matthias Gräfe und sein Team vom Wein & fein hatten eine ausreichende Anzahl der großen Flaschen mitgebracht, die das Thema des Abends vorgaben: Großformat!

Wein aus großen Flaschen ist immer besonders. Er schmeckt – wer’s noch nicht probiert hat, muss das jetzt einfach mal glauben – besser als der gleiche Wein in bzw. dann aus der normalen 0,75-Liter-Flasche. Obendrein sind big bottles aber auch irgendwie kultig, und manchen verdammt guten Wein gibt es nur in wenigen solcher 1,5 Liter (oder mehr) fassenden Flaschen.

Für ein feines Restaurant wie das Elements, in denen die Gäste gewöhnt sind, vom Service mit Martina Starovicova an der Spitze betuddelt und verwöhnt zu werden, war das Konzept ungewöhnlich: Es gab zwar Plätze – aber die Weine standen auf der Theke. Dahinter warteten meist vier oder fünf Fachleute: Weinwisser, die zu jeder der (am Anfang habe ich sie gezählt: da waren es vierzehn) Flaschen auf der Theke etwas sagen konnten und den Wein ausschenkten. Man konnte sich selbst etwas aussuchen oder (die bessere Variante nach meinem Dafürhalten) etwas empfehlen lassen.

Zum Anfang ein Glas Riesling Sekt Brut, den es nur aus der Magnum-Flasche gibt: Eine Rarität vom Weingut Odinstal! Produziert nach der traditionellen Flaschengärung, natürlich. “Was könnte danach passen?” –  ”Vielleicht der Clarette rosé trocken vom Knipser aus der Pfalz?” Passte! Und so ging das weiter, irgendwann dann eben der Slate, bevor es zu late war, denn auch dies war Prinzip des Abends: Es gab viele Weine, aber nicht von allen jede beliebige Menge. Darben musste dennoch keine(r)!

Zwischen den Weinen war Zeit – neben den bei derlei Anlässen netten Gesprächen mit alten und neuen Bekannten – für großartige Kleinigkeiten aus der Küche von Stephan Mießner. Die Dinge hießen viel einfacher als sie waren: Fettbemme (eine Brioche mit geräucherter Gänsestopfleber). Himmel und Erde (Boudin Noir Ravioli, Kartoffel-Zwiebel-Espuma). Jägers Blut (Rehherz-Carpaccio, Rosenkohl). Creamy Thuna (Thun, Guacamole, Marshmallow). Ganz wenig Gans (Gänse-Ragout fin, Parmesan). Und ein gerade (im Hof) frisch geräuchertes und stundenlang mild gegartes Cactus Jack US Beef, das im Mund zerging. Der Service brachte noch einiges mehr, aber wir nahmen nicht alles – denn zu vorgerückter Stunde öffnete Andreas Tietze vom Wein & fein die Käsebar. Wer ihn kennt weiß, dass dort die Pflicht zur Kür wird. Natürlich hatten wir zuviel auf dem Teller, denn “von allem nur ein bisschen” ist eben nicht wenig, wenn es so viel Feines gibt – eine Erkenntnis, die sich ausdrücklich nur auf den Käse bezieht, denn zu viel Wein hatten wir nicht. Sondern gerade richtig ;-)

Restaurant Elements
Königsbrücker Strasse 96
01099 Dresden

Tel. 0351 / 2721696
www.restaurant-elements.de

Gräfe’s Wein & Fein GmbH
Hauptstrasse 19
01445 Radebeul

Telefon: 0351 / 8365540
www.graefes-weinundfein.de

[Besucht am 11.11.2011 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]