Il Chiasso

Il Chiasso

Das Restaurant gilt als eines der besseren in Capoliveri, liegt etwas abseits der Hauptachse Via Roma – aber keineswegs versteckt. Kenner kommen gerne immer wieder hierhin, wie wir bei unserem Besuch den Stammgast-Gesprächen entnehmen konnten. Verstehen kann man’s – denn die Qualität von Speisen und Getränken sowie das Ambiente stimmen. Das alles hat freilich seinen Preis, aber da man ohne Reservierung nur schwer einen Platz bekommt, scheint die Rechnung ja aufzugehen.

Man sitzt entweder draußen (war an dem Tag zu kalt, es hatte geregnet) oder im einen oder anderen Haus beziehungsweise zwischen den beiden, überdacht und quasi auf der Treppe. Ein lustiger Platz mit guter Übersicht, da die Bedienung alles aus dem einen auch ins andere Haus zu bringen hat. Der ehemalige Treppenweg ist überdacht und wird oben und unten mit Türen zum geschlossenen Raum – wenn die denn geschlossen sind.

Il Chiasso

Il Chiasso

Wir wurden sehr nett bedient, wenn wir es gewollt hätten sogar auf deutsch. Aber wir wollten ja gar nicht, denn erstens wollen wir ja üben und zweitens ist “Gedenft Tuhnfisch mit weiss Bohnen” nur halb so lecker wie “Palamita al vapore con fagiolo Risina” (was wir aber gar nicht hatten). Mir hatte es Acciughe fresche al forno (9 Euro) angetan, obwohl da auch ein wenig Knoblauch drin war und man damit eventuell für den Rest des Abends ungeküsst bleibt. Doch die Sardellen kamen mehr naturell auf den Tisch als befürchtet, rein kusstechnisch war der Abend also gerettet. Die zweite Vorspeise, knoblauchfrei und dennoch ein Traum: Fiori di zucchini ripiene con caprino e ricotta (10 Euro). Die Zucchiniblüte im Bierteig, die Füllung cremig – eine feine kleine Vorspeise, die Lust auf mehr macht.Filetto di Tonno rosso su crema alla pizzaiola mit dem Hinweis “nostrale”, also nach Art des Hauses (für 22 Euro), sah sehr spartanisch aus, machte von außen auch einen eher durchgarten Eindruck – aber entpuppte sich als eine Köstlichkeit, die innen wie erhofft sushiroh war und durchaus reichte, um satt zu werden (mit Loch fürs Dessert, natürlich). Zartrosa auch das Lammcarrè mit Balsamessig (Carrè d’agnello al ristretto di balsamico, 22 Euro), der mit kunstvollem Schnörkel den Teller füllte. Meist mag ich derlei Malerei ja nicht, aber hier passte es irgendwie – und da es annonciert war und schmeckte, verziehen wir der Küche.

Il Chiasso

Il Chiasso

Zumal wir zum Essen einen Wein hatten, der eh milde stimmte: Le Sughere Elba Rosso Riserva 2006. Das Weingut lesughere.it ist gar nicht so weit entfernt in der Nähe von Rio Marina. Von den 25 ha der Azienda Agricola sind zehn für den Weinbau reserviert. Unsere Riserva hatte drei Jahre im barrique gereift, was den 90% Sangiovese-Trauben (die restlichen 10% sind Cabernet Sauvignon) gut bekam.

Ach ja, da war ja noch ein Loch fürs Dessert. Die gemischten und flambierten Früchte mit Vanilleeis (10 Euro) füllten es in Ehren, und auch die weniger kalorienträchtige Tarte tatin (6 Euro) rundete den Abend wunderbar ab.

Il Chiasso
Via Nazario Sauro, 9
57031 Capoliveri

Tel. +39.0565.968709

[Lage auf der Elba-Karte]

Fischtopf überm Meer

Delfino Verde

Die Vorspeise und ein Dessert machen zwei Personen im Ristorante Delfino Verde mehr als satt

Cacciucco ist eine Spezialität auf Elba – es ist ein Fischeintopf, der manchmal sinnigerweise als Vorspeise deklariert wird, aber zwei normal hungrige Leute rundum pappsatt macht. Angeblich sollen in dieser Suppe mindestens fünf verschiedene Meeresgetiere enthalten sein – weil fünf C im Namen vorkommen. Naja. Unumstritten ist allerdings, dass Caccuccio aus Livorno kommt, was ja nicht so weit von Elba entfernt ist.Aber vor dem Fischeintopf kamen wir nicht um etwas Antipasto nach Art des Hauses herum – auch Fisch, natürlich und (geteilt: eine Protion für zwei) ein feiner Appetitmacher. Dazu tranken wir Wasser von der Fonte Napoleone - ein heimisches Wasser, das in der Nähe von Poggio im Norden der Insel recht unspektakulär aus dem Felsen dröppelt, und als Wein einen Ansonica vom Weingut Aquabona. Felsen wie Weingut besuchten wir dann später während des Aufenthalts, weil beides (Wasser und Wein) uns gut gefielen.

So freundlich wie die gemischte Vorspeise mit Fisch und Muscheln uns auch einstimmte: eins passte nicht. Und das war die Bedienung. Unsere Kellnerin war eine hübsche Jungsche mit mehr stolz zur Schau gestellter Brust als Charme. Aber trotz ihres genervten Gehabes überlebten wir den Abend, weil zwischendurch immer mal jemand anderes aus der freundlichen Ecke an den Tisch kam. Und vor allem, weil uns alsbald unser Hauptgang erreichte, das Cacciucco. Wir haben den üppig mit Fisch gefüllten Topf nicht seziert, aber allein der dominante Nasello (Seehecht), die Gambas und Miesmuscheln waren ein Geschmackswunder, und mit dem typischerweise dazu gereichten Brot zum Tunken ließen sich auch die letzten Tropfen des Suds aufbrauchen. Mit 22 Euro, das nur nebenbei, ist das für zwei Leute ein nicht überteuertes Essen!

Und dann ist man satt, weil’s so üppig war. Aber wer kann schon einem hausgemachten Tiramisu widerstehen? Wir nicht…

Ristorante Delfino Verde 
Da Paride – Sul Mare
57036 Porto Azzurro
Tel. 0565 95197

[Lage]

Osteria Pepenero

Pepenero Osteria

Die Osteria Pepenero hat den Vorteil, nicht an touristisch exponierter Stelle zu liegen. Kein Blick auf den Hafen, keiner auf eine belebte Piazza. Die sechs Tische draußen auf der Straße halbieren die eh schon enge Via dell’Amore, vom fahrbaren Rest der Gasse trennten uns kleine Balkonkästen mit Gottesaugen. Die wenigen Autos, die vorbei kamen, waren Kleinwagen mit Kratzern an den Kotflügeln und den Spiegeln.

Wir waren zwei Mal dort: Einmal nur für ein Glas Wein nach dem Stadtspaziergang – obwohl das zur Unzeit (nach drei am Nachmittag) erbeten wurde und ohne Essenswunsch, brachte uns der Chef problemlos einen feinen kühlen Weißwein. Keine Frage: Da mussten wir noch einmal hin – dieses Mal zur Mittagszeit.

Antipasto misto di Mare (10 Euro) wurden nett arrangiert auf einem bunten Keramikteller serviert. Zweierlei Sorten Muscheln, zwei Salate vom Tintenfisch, eine Scheibe roher marinierter Thunfisch: Ein erfrischender Start! Von den Primi wählten wir Linguine nere agli scampi fresci und waren nicht enttäuscht, dass die schwarzen Nudeln mit Gamba statt mit Scampi serviert wurden. Tagliata di tonno fresco von den Secondi waren Scheiben von Thunfisch, die nur kurz auf dem sehr heißen Grill außen knusprig gebraten und innen wunderbar roh waren. Ein wenig Zitrone und frisch gemahlener Pfeffer drüber – und fertig!

Geht da noch ein Dessert? Nun ja, wenn es Cantucci mit dem Inselsüßwein Aleatico gibt…

Pepenero Osteria
Via dell’Amore, 48
57037 Portoferraio

Tel. 0565 / 916240

[Lage]

Die ideale Kombination: Fein und einfach

Leopolda

Im alten Bahnhofsgebäude Leopolda Stazione di Ristoro
treffen sich die Genießer

Ganz früher, so in der Mitte des 19. Jahrhunderts, war hier ein Bahnhof. Es war die Station Pisa der Leopolda-Bahn, die Florenz mit ­Livorno verband. Später wurde aus dem Bahnhof ein Markt – auf dem es natürlich auch Deftiges zu essen gab. Suppe beispielsweise, früh morgens um fünf.

Aber das ist lange her, und nun ist der Bahnhof weder Bahnhof noch Markt, sondern Restaurant. Aber nicht irgendeins, denn hier kocht Stefania Castaldo eine ganz einfache, aber sehr sehr feine Küche. Sie greift die traditionellen Rezepte auf und zaubert in der kleinen (und vom Gastraum aus einsehbaren) Küche wahre Leckereien.

Wir hatten in unserem Reiseführer vom Restaurant gelesen und hätten, kurz vorm Abflug, gerne dort etwas gegessen. Aber unser Navi sagte: Da bring ich Euch nicht hin, das liegt im Anliegerbereich. Also fuhren wir auf Gut Glück einfach so eine der Straßen gen Pisa hinein, parkten und hielten nach irgendetwas Ausschau, was uns nett erschien.

An drei Lokalitäten gingen wir vorbei, weil entweder die außen hängende Karte oder das Ambiente oder beides nicht nach unserem Geschmack waren. Aber dann machte eins von außen einen guten Eindruck, und nach dem Hereinschauen sowieso. Wir waren im alten Bahnhof Leopolda!

Da hatten wir also gefunden, was wir nicht gesucht aber uns doch irgendwie gewünscht hatten! An den alten Bahnhof erinnern noch einige Details: Zum Beispiel Stromleitungen, innenliegend! Oder dass man gleich mit der Tür ins Haus fällt beim Hereingehen. Ansonsten: Holzstühle mit Bast, Tische mit Deckchen und Servierten und ein eher sachlich-modernes Ambiente.

An einer Wandtafel stehen die Gerichte des Tages: Acht Positionen, aufgeteilt in Primi (je 5 Euro),Secondi (je 8 Euro) und Tagliata (15 Euro). Als wir kamen, war nur ein Tisch besetzt und wir ließen uns hinreißen, Primi und einen Hauptgang zu bestellen. Letzterer schaffte es allerdings nicht zu uns, weil der Laden binnen Minuten rappelvoll wurde und die Chefin ziemlich herumwirbeln musste (außer ihr gab‘s nur ein Mädel im Service).

Risotto con le Seppie e le bietole (Risotto mit Tintenfisch und Spinat) zerging auf der Zunge und gehört zu den traditionellen Gerichten des Hauses. Eine lustige Mischung, in der der Blattspinat eher zaghaft wie ein Gewürzkraut eingesetzt war. Tomaten waren auch noch drin, obwohl das nicht auf der Tafel stand: Köstlich köstlich!

Fusili con Fiori di Zucca Zafferano e Ricotta (Fusili mit Kürbisblüten und Ricotta), der zweite Appetitmacher, stand dem anderen in nichts nach. Natürlich waren die Fusili knackig al dente, natürlich waren sie gut gewürzt! Und der offene Wein zu alledem war auch der Tageszeit sehr angemessen!

Unser Hauptgang wäre Lamm gewesen (aus den Secondi ausgesucht) – aber irgendwie rannte die Zeit wie nichts, und Flieger warten ja nicht. Also entschuldigten sich alle Beteiligten mehrfach: Wir, weil wir abbestellten, die Chefin, weil wir hatten warten müssen. Ist aber doch nicht schlimm: Beim nächsten Besuch in der Gegend wissen wir doch, wo wir hin müssen!

Stazione di Ristoro Leopolda

Piazza federico domenico guerrazzi, 11
56125 Pisa

Tel. 050 48587 / 330 216068 |
http://www.stazioneristoroleopolda.it

[Lage | Besucht am 27. September 2010]

Ristorante Il Frontoio

Il Frontoio

Das Il Frontoio war uns vom Inhaber der Enoteca il Salotto empfohlen als ein Ort, an dem man hervorragend ein Bistecca Fiorentina genießen könne. Ein hervorragende Idee, die dann allerdings an einem klitzekleinen Detail scheitern sollte: Dem Gewicht. Das kleinste verfügbare Bistecca Fiorentina wog 1,5 Kilo! Die Bedienung brachte es zum Ansehen vor der Zubereitung – und die Entscheidung, es nicht zu nehmen, war gut. Denn statt dessen gab es Tagliata di Manzo vom gleichen Tier, nur nicht completo mit Knochen und allem, sondern schon in Tranchen. Aber eben das gleiche zarte und würzige Fleisch, die gleiche Zubereitungsart: Kross gegrillt außen und roh innen. 300 Gramm Fleisch für eine Portion waren auch mehr als genug, 200 hätten uns nach den Antipasti auch gereicht. Geschmeckt hat es köstlich – in der Rückschau besser sogar als die beiden Bistecca, die wir in Florenz probiert hatten.

Man hätte natürlich auf die Vorspeise nach Art des Hauses verzichten können (so wie es das junge Paar tat, das sich das 1,5-Kilo-Steak nach uns ansah und dann auch bestellte) – aber das wäre rein geschmackstechnisch ein Verlust gewesen, allein schon wegen der gefüllten Zucchiniblüten!

Bei der Gelegenheit: Was man essen kann und was man essen muss, wird in den meisten Reiseführern falsch vorgebetet: Alle Italienier nehmen, liest man da meistens, erst Antipasti, dann Primi, dann Secundi, dann Dolce. Das ist, mit Verlaub, Quatsch, denn in dieser Opulenz macht das kaum einer und schon gar nicht täglich. Kein Gast wird rausgeschmissen, wenn er nur einen Gang (und sei es von den Vorspeisen oder den Primi, also Nudeln) isst. Gang und gäbe ist, sich eine Vorspeise zu zweit zu teilen. Überhaupt geht in normalen Restaurants (auch guten!) alles meist sehr locker zu. Kleiderordnung: Kaum, es sei denn, das Restaurant ist überaus teuer. Neben uns im schon feineren Frontoio saßen “Turnschuhe” auf der einen und “Kapuzen-Hoody” auf der anderen Seite des Tisches. Ein Problem? Nein, denn gutes Benehmen und eine wunderbare Menüauswahl zählen mehr!

Ristorante Il Frontoio
Via del Castello 40
53034 Colle di Val d’Elsa
Tel. 0577 / 923652
www.ristorante-ilfrantoio.it

[Lage Colle di Val d'Elsa | Lage Il Frantoio]

Officina della cucina popolare

Officina della cucina popolare

Man muss schon besonders optimistisch sein, um an einem Samstagabend um kurz nach 21 Uhr in einem guten italienischen Restaurant noch einen Platz bekommen zu wollen. Aber wir sind ja tapfer und mutig! Und? Alles voll in der Officina della cucina popolare – und die Mädels vom Service rotieren! Nach einiger Zeit kommt eine zu uns: Ob denn noch zwei Plätze frei seien oder bald frei würden??? Gute Frage, Gegenfrage: Ob wir reserviert hätten? Nein? Keine Chance! Wir zogen weiter (und trafen es nicht wirklich gut, aber das nur nebenbei).

Tagsdrauf kommen wir in der Mittagszeit wieder vorbei – und erspähen einen freien Tisch! Den nehmen wir, den letzten! Um uns herum munteres Treiben in einer sehr angenehmen Mischung aus vielen Einheimischen und wenig Touristen. Da wir für den Abend schon was vorhatten, wollten wir nur die Atmosphäre in diesem sehr beliebten Restaurant genießen und ein wenig probieren. Das war vielleicht sogar eine gute Entscheidung, denn die Küche (und auch die Bedienung) werkelten am Rande ihrer Kapazität. Man könnte auch sagen: Es dauerte alles arg lange – aber wir hatten ja Urlaub und Zeit, waren außerdem auch nicht am Verhungern.

Beim Warten (leider auch auf Wein und Wasser – der Punkt, den wir nie verstehen, denn damit und mit etwas Brot kriegt man doch willige Gäste immer schnell zufrieden gestellt) war klar, warum der Laden so beliebt ist: Er strahlt eine ungeheure Atmosphäre aus! Flaschen, Gläser und Besteck sind in alten Schränken und Kommoden untergebracht, an der Wand gibt es lustige runde Bücherregale, Klinkerwände und Holzfußboden sowie rustikale Tische und Stühle (bequeme aber!) runden das Bild ab.

Das Haus wird von vier (jungen) Leuten geführt – und sie versuchen es so ökologisch wie möglich zu machen: Die Zutaten kommen in der Regel aus der Gegend, von ihnen bekannten Produzenten. Die Weine sind ohne Ausnahme Bio-Weine – im weinüberfluteten Chianti kann man so schon mal entdecken, was man sonst (zumindest als Tourist) kaum sieht und zu trinken bekommt. Die Preisgestaltung ist sehr freundlich – in so einer Öko-Kommune fühlten wir uns natürlich fast wie zu Hause (rumrennende Kinder sowie hin und wieder ein verwegener Koch, der aus der Küche kommt, inklusive).

Selbstgemachte Nudeln sind etwas sehr sehr Feines. I pici fatti a mano al cacio pepe e briciole allein haben den Besuch gelohnt. Pici sind dicke Spaghetti aus Hartweizengries, und mit Pfeffer, Käse und gerösteten Brotwürfeln erinnerten sie an die sizilianische Art, Spaghetti zu machen. Aber Einfaches können sie eigentlich überall gut – wenn sie es denn können (und hier konnten sie)! Auf dem anderen Teller befand sich La bresaola di cinghiale con rucola e mandorle - das toskanische Wildschwein hat also auch hier seine Spuren hinterlassen ;-)

L’Officina della Cucina Popolare
Via Gracco del Secco 86
Colle di Val d’Elsa
Siena Tel. 0577.921796
E-mail: officina@cucina-popolare.com.

[Lage Colle di Val d'Elsa | Lage Officina della Cucina Popolare]

Das Einfache höchstvollendet

Osteria Alla Piazza

Wir suchten die Piazza in der Pampa. Gefunden hatten wir den Hinweis auf das Restaurant im Reiseführer – aber unser Navi kennt den Ort nicht. Wenn man weiß, wo der ist, oder einen Italiener als Fahrer hat, der auch mal ein altes Mütterchen am Straßenrand nach dem richtigen Weg fragen kann, ist es jedoch ganz leicht zu finden: Auf dem Weg von Panzano in Chianti Richtung Castellina in Chianti fährt man die SS222 gen Süden und findet nach einigen Kilometern rechter Hand sogar ein Hinweisschild zur Località! Mittags kann man hier unangemeldet kommen, abends ist dem Vernehmen nach ohne Reservierung nichts zu machen. Verstehen kann man’s: Hier gibt es das Einfache höchstvollendet. Die Steinpilze lagen vor dem Küchenfenster und animierten zu irgendetwas mit porcinoTagliatelle ai funghi porciniwaren eine gute Wahl! Und es tat auch gar nicht weh zu sehen, wie der Koch aus dem Fenster langte und sich unsere Steinpilze aussuchte!

Wir saßen im Schatten alter Bäume an einem der nett eingedeckten Tische vor dem Haus. Als Starter suchten wir uns Rotolini di crespelle vegetariani (7 Euro) aus – im hauchdünnen Teig ausgebackenes Gemüse. Außerdem eine lokale Besonderheit: Baccalá alla Mediterranea (15 Euro), wohinter sich ein köstlicher leicht warmer Stockfisch (vom Kabeljau) verbarg, auf dem ein Salat von geschmackvollen Tomaten und Avocado ruhte.

Das Ragout von cinghiale (Wildschwein) hatte auch Pfiff: Die Papardelle al sugu di cinghiale (9 Euro) mit hausgemachter Pasta waren ein schmackhafter Beweis dafür, dass es nicht immer Bolognese sein muss! Der Wein, ein Chianti classico aus dem Jahr 2007, passte trefflich. In einem Satz: Wir waren froh, die Piazza in der Pampa gefunden zu haben!

Osteria Alla Piazza
Località La Piazza
Castellina in Chianti
Tel. 0577 / 733580
www.osteriaallapiazza.com

geöffnet täglich 12.30 – 14.30 und 19 – 21.30 Uhr

[Besucht am 10. September 2010 | Lage ]

Sommer in Florenz: Osteria Masticabrodo

Masticabrodo

Anfang September ist in Florenz noch richtig Sommer. Das hat Vorteile, rein wettermäßig: Es ist schön warm, die toskanische Heiterkeit breitet sich vor allem am späten Nachmittag und sowieso am Abend in allen Gassen der Stadt aus. Nachteile hat es allerdings auch: Die Stadt ist zugestopft mit Touristen. Und welcher Tourist findet das schon schön?

Um so erfreuter waren wir, am Abend nach der Ankunft unangemeldet in unserem Lieblingsrestaurant, der Osteria Masticabrodo, noch Plätze zu bekommen. An der Qualität der Speisen und der Herzlichkeit des Inhaberpaars kann es nicht liegen, dass es hier nicht wirklich voll ist. An derLage (nicht weit vom Großmarkt San Ambrogio, der Kirche Santa Croce und der Synagoge) sollte es ebenfalls nicht scheitern, auch wenn die kleine Straße Borgo Alegri eher zu den weniger frequentierten gehört.

Wir bestellten, weil wir damit so gute Erfahrungen gemacht hatten, die Vorspeisen nach Art des Hauses. Auf zehn Tellern brachte uns der Chef, was das Herz begehrt: Auberginen, Wurst/Schinken/Käse mit Oliven, überbackene Polenta… Schöner kann man einen Urlaub nicht beginnen.

Als wir nach unseren Primi (Nudeln und Risotto) das Dessert bestellen wollten, beschwichtigte der Chef. Nooooch nicht, erst sei er dran… Er sagte das sehr verschmitzt, mit so einem Funkeln im Auge – und als er dann wiederkam, wussten wir warum: Lardo di Colonnata ist eine Köstlichkeit aus einem Bergdorf oberhalb von Carrara, die man unbedingt einmal probiert haben muss. Speck von (offensichtlich halbwegs glücklichen Schweinen), der mindestens ein halbes Jahr in einem Trog aus feinem Marmor reift und seinen unvergleichlich würzigen Geschmack durch Beigabe der hier reichlich wachsenden Kräuter bekommt. Und nein, danach durften wir immer noch nicht unser Dolce bestellen, denn Kaktusfeigen und eine Schüssel voll Obst sollte erst einmal helfen, den Speck zu verdauen.

Unser Dessert, Süßwein und Cantucci, bekamen wir natürlich auch noch, und beinahe wie selbstverständlich Grappa zum Kaffee…

Osteria Masticabrodo
Borgo Alegri 58
Tel. +39 (0)55 – 241920

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Bistecca bei Mario

Trattoria Mario

In Florenz (15)

Wie heißt eigentlich das Gegenteil von “Geheimtipp”? Bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund (obwohl: ich habe noch nie einen gesehen!)? Wie auch immer: die Trattoria Mario ist so eine Adresse, die munter überall weiter gereicht wird. Und womit? Mit Recht! Denn trotz der Menschenmengen, die hier jeden Mittag (außer sonntags oder im August) hineinströmen, und trotz der zahlreichen Artikel in allen möglichen und unmöglichen Publikationen weltweit: Der Laden ist klasse!

Die 1953 gegründete Trattoria liegt in Sichtweite zum Mercato Centrale, dem größten Markt von Florenz. Der hat täglich (außer sonntags) von sieben Uhr morgens bis zwei Uhr geöffnet – und wo geht man dann mittags hin? Genau: zu Mario. Das heißt, eigentlich geht man ja heute zum Romeo, denn der Sohn vom 1980 verstorbenen Mario (der bei der Gründung selbst noch als Sohn seiner Eltern mitmachte) steht heute in der Küche.

Die Küche ist das, was man heute eine Showküche nennen würde: Ein einsehbarer Glaskasten, in dem eine Reihe singender, pfeifender, scherzender und durchweg wuselig flink arbeitender Köche ihr Handwerk verrichten. Bei Mario ist das allerdings kein neumodischer Kram, sondern schon seit irgendwann in den 70er Jahren so. Entlang der Küche sind die Tische aufgestellt – mit Hockern nach Melkschemel-Art. Warum das? Ganz einfach: Es ist so eng gestellt und so voll, dass für Stühle kein Platz wäre! Nicht vom Bild verwirren lassen – das ist um halb vier aufgenommen, als eigentlich schon geschlossen war. Vorher bin ich nicht an die Kamera gekommen, die unterm Tisch lag. Es war zu eng…

Natürlich saßen wir nicht allein am Tisch, sondern zusammen mit einem italienischen Paar, das mit uns in der Traube vor der Tür stand. Leider reichten unser Italienischkenntnisse nicht für eine gediegene Unterhaltung – aber nett war es auch mit Minimalkonversation. Um noch einmal auf die Enge und die Hocker zurück zu kommen: Wenn man drin sitzt, ist das egal – der Rücken des (oder der) hinter einem Sitzenden ist sowas wie eine Lehne, passt also!

Wir wollten eigentlich nur eine Kleinigkeit zu uns nehmen, weil am Abend schon ein Tisch in derTrattoria dei 13 Gobbi reserviert war. Aber dann sahen wir, wie am Nebentisch vier Geschäftsleute Bistecca alla Fiorentina serviert bekamen, und da wurden wir schwach und orderten es auch. Das war ein gewagtes Unterfangen, denn am Abend sollte es ebenfalls das Bistecca geben – unser Scout Clau hatt die Location extra deswegen ausgesucht. Andererseits ist ein Vergleich ja nie schlecht.

Das Besondere an dem florentinischen T-Bone-Steak ist die Herkunft: Wenn es echt ist, stammt es von einem Chianini-Rind. Das ist eine alte Rasse, die weißen Tiere wurden schon von den Etruskern und den ollen Römern bevorzugt. Heutige Gourmets wissen die Würze des Fleischs zu schätzen, das 50 Prozent mehr Proteine als Fleisch anderer Rinderrassen – und etwa ein Drittel weniger Kalorien. Dann ist ja gut, denn wenn wir zweimal ein Drittel einsparen, ist das doch ein Schnäppchen!

Wir ordern also eins für Zwei und bekommen ein ordentliches Stück Fleisch im Rohzustand gezeigt. Bene! Wenige Minuten später sehen wir es wieder: Drei bis vier Minuten auf der einen und ebenso kurz auf der anderen Seite war es dem Grill ausgesetzt und ist immer noch gehörig groß und innen nahezu roh. So muss das sein, anders geht es gar nicht: “La Bistecca alla Fiorentina is only served rare” steht für die Touris unmissverständlich auf einem Schild – und nur wenn der (männliche) Service auf eine arg niedliche Asiatin trifft, die das so nicht mag, kommt ein Stück Fleisch vielleicht noch einmal nach heftigem Flirteinsatz auf den Grill.

Da liegt der Batzen nun also vor uns – ein Kilo schwer und vorsichtshalber mit nichts anderem als einem Glas Rotwein und etwas Brot bestellt. Aber was soll ich sagen: Es lässt sich bewältigen! Und schmeckt grandios! Es ist das Fleisch an sich, denn außer Salz und vielleicht etwas Olivenöl kommt da nichts ran. Zart, würzig – und im Zusammenspiel vom röstigen Äußeren und nahezu rohen Inneren ein formidabler Genuss, der die 35 Euro pro Kilo sicher wert war.

Der Rest des Angebots ist übrigens deutlich günstiger: Eine reichhaltige, sehr gut aussehende und herüber riechende Ribollita kostet 4,50 Euro, Roast Beef 7,50 Euro. Wie Romeo eine Ribollita macht, kann man sich übrigens ansehen.

Trattoria Mario
Via Rosina 2r
Ecke Piazza del Mercato Centrale
50123 Florenz

Tel. 055 – 218550
trattoriamario@libero.it
http://trattoria-mario.com

geöffnet täglich außer sonntags 12 bis 15.30 Uhr

[Lage auf der Florenz-Karte | Restaurant-Besuche in Florenz | Alle Beiträge In Florenz]

Sardische Genüsse

Sardische Genüsse

In Dresden war Feinschmecker-Messe am vergangenen Wochenende. Wir waren da und erlebten eine Überraschung: Nahezu am Ende des Besucherrundgangs blieben wir bei einem Stand hängen, der göttlichen Geschmack versprach. Weine aus Sardinien und Apulien waren im Angebot – was doch trefflich unsere beiden vergangenen Sommerurlaube reflektierte. Ein kleines Team miteinander italienisch schnatternder und charmant akzentuiert deutsch mit den Kunden redender Menschen kümmerte sich mit italienischer Herzlichkeit um die Klientel. Wir waren an den Chef geraten – nennen wir ihn Alberto, weil er so hieß. Er schenkte Wein ein und bot sardisches Brot an, Pane carasau. Er holte ein Heft mit Bildern der Heimat und geriet ins Schwärmen – wobei wir dann und wann kenntnisreichen mitmachen konnten.

Nach einiger Zeit meinte Alberto, dass es an der Messetheke doch sehr ungemütlich sei und lud uns an den Tisch im Standesinnern ein. Hier lernten wir dann Lorenzo kennen, ein künstlerisch ambitioniertes Mutitalent: Er ist Visagist, er malt, er gestaltet Räume – und er kocht. Uns brachte er mehr Brot, sardisches Olivenöl und Pecorino. Wir plauderten über Sardinien, über Deutschland, über Restaurants, über Sprache, übers Miteinander – es war so richtig nett. So nett, dass wir am Sonntag wieder kamen und uns reichlich eindeckten: Wein, Käse, Olivenöl, Pane carasau.

Nun gibt’s bei uns zu Hause sardische Genüsse…